Eine Mark für Charly... (die zweite)

von Cosinus, 09.05.08.

  1. Cosinus

    Cosinus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.05.08   #1
    Nachdem mein letzter Beitrag hier von maßgeblichen Stimmen als Hetze empfunden (und gelöscht) wurde, ich aber im Moment noch nicht davon ausgehe, dass hier kritische Anfragen in vorauseilendem Gehorsam unterdrückt werden, versuche ich es nun mal etwas konkreter:

    Wie sollte man, nachdem freie Wahlen soetwas offensichtlich nicht verhindern, Eurer Meinung nach mit Politikern verfahren, die den Bundestag (die oberste Volksvertretung?) scheinbar als eine Art Selbstbedienungsladen und ihr Amt vermutlich als Freibrief für zügellose Bereicherung verstehen?
    (entsprechende Videotext-Meinungsumfrage anbei, die aktuelle Entwicklung ist ja nicht wirklich überraschend)

    Link ->http://www.sat1.de/service/teletext/index.php?pagnr=185_04
     

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  2. EDE-WOLF

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    Erstellt: 10.05.08   #2
    volksentscheid?
     
  3. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 10.05.08   #3
    Wat denn, wat denn? Wir beugen uns doch nicht "der straße"!

    Es gibt den verschämten vorschlag, die einkünfte von abgeordneten durch eine kommission festlegen zu lassen, bei entsprechender zusammensetzung der kommission, so der geheime wunsch, könnte ein höherer betrag herauskommen.
    "Wir sind es wert!" hört man immer wieder, nur sieht man das nicht, nicht die emsige arbeit in ausschüssen, sondern den leeren plenarsaal. "Mehr geld, und wir bekommen bessere leute!" Wer glaubt denn sowas? Das wurde schon vor anderen erhöhungen versprochen, aber man sieht immer noch dieselben, billigen, da unterbezahlten leute und hört deren unqualifiziertes gerede.
    Ich sehe viel versäumnis bei den parteien, die niemanden hochkommen lassen, der nicht der dort herrrschenden "moral" entspricht, eine ansammlung von anwälten, beamten und berufspolikern ist keine volksvertretung, sondern ein verein, der restriktives beschließt, von dessen folgen die eigenen mitglieder nicht betroffen sind. "Wir haben über unsere verhältnisse gelebt!" Ihr gewiss, und das gönnt ihr euch fleißig weiterhin, ich und viele andere nicht.
     
  4. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.05.08   #4
    Wie soll mensch allgemein mit "Volsvertretern" (Heidemarie Wieczorek-Zeul mal als krönendes Beispiel) umgehen, die meinen, sie bräuchten einen größeren Etat für Entwicklugshilfe, weil alle hungern und so, und hauen gleichzeitig knapp 500 (ich meine, es waren Euro) für 1 Nacht im Hotel in den USA raus? Mit Blumenschmuck nach Wunsch, selbstverständlich.
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 12.05.08   #5
    In höheren rängen spielt die "ehre" eine große rolle. Natürlich brauchen alle diese leute nicht diese privilegien, sie sind auch so reichlich versorgt. Kein hoher staatsdiener müsste auch nach ausscheiden aus dem amt darben, bekäme er eine "normale" pension. Aber es ist eine frage der ehre, ihm einen ehrensold, dienstwagen, flugbereitschaft, büro, sekretär, personenschutz usw. aufzunötigen. "Das spielt im staatshaushalt keine rolle", heißt es.
    Ich denke manchmal an die köstlichen satiren des englischen humoristen P.G. Wodehouse, der aus der mode gekommen ist, vielleicht auch, weil er zur falschen zeit etwas zu deutschfreundlich war. Da wird der marktwert von schauspielern in Hollywood nach größe ihres swimming-pools bemessen, und filmmagnaten übertreffen sich in der angabe, wieviel würfel eis ihre gattinnen brauchen, um die migräne zu lindern.
    In den leitungsgremien gibt es vorwiegend "Yesser", sie dürfen laut "ja" sagen, während die "Nodder" nur nicken dürfen zu den weisen worten des chefs. Der macht erst alles nieder, was die wenigen, die dürfen, vorgebracht haben und verkündet dann dasselbe als eigene idee.
    Bis ich ähnliches selbst erlebte, hielt ich es für satire.
    Die vertrottelte, britische aristokratie gab/gibt es natürlich auch nicht, aber Churchill musste den unfähigen geheimdienst von deren jüngeren söhnen säubern, die zwar alle clubs, golf- und tennisplätze, aber nicht ihre diensträume kannten. Da geheimdienste geheim sind, habe ich irgendwann einmal läuten gehört, dass im deutschen auch deutscher adel überproportional dort vertreten sei, was manches erklärt.
    1915 griffen die Briten bei Ypern an, die offiziere (sic!) gentlemen-like mit spazierstöcken, einige sollen sogar einen fußball vor sich her gebolzt haben, sie glaubten, alle deutschen seien nach dem trommelfeuer tot, was sie aber zur verwunderung nicht waren. Der irrtum kostete weit mehr "mannschaften" das leben als der elite, und so nicht der rede wert.
     
  6. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.08   #6
    Ich denke, die Politik und deren Vertretung hat jeden Bezug zur Realität und vor allem Ihren Untertanen verloren. Selbst die SPD Linke durch Frau Nahles windet sich wie ein Aal, wenn es um Erhöhungen der Bezüge geht, man wäre ja "irgendwie nicht einverstanden, aber andererseits orientiert sich der Bezug eines Volksvertreters an dem von Beamten, Hochseekapitänen und Co, und die Beamten haben ja auch gerade, also ist es nur logisch, dass auch wir Volksvertreter, blahblahblah". Ganz zu schweigen davon, dass natürlich eine unabhängige Kommission wünschenswert wäre, da es die aber nicht gibt (und vermutlich auch nicht geben wird), lässt sich seitens der besorgten Politikmacher natürlich gut und gerne auf dieser Thematik Befürwortungsarbeit leisten.

    Was da im Moment an verbalen Irritationen - auch im Bezug auf Renten, Mindestlähnen, etc. - hervorkommt, spottet jeder Beschreibung. Mittendrin sitzt eine selbstgefällige Kanzlerin, die seit einem Jahr nichts anderes mehr tut, als Machterhalt und Entmündigung ihres Hoofstaates. Das zieht die locker bis zur nächsten Wahl durch und wenn es Probleme gibt, dann wird der rote Anorak angezogen und ein wenig Pinguinfotoshooting gemacht, Engagement und so.
     
  7. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 12.05.08   #7
    Geht doch: 40% würden heute CDU/CSU wählen, 30% SPD, warum sich sorgen machen?
     
  8. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.08   #8
    Genau das macht mir Sorgen, andererseits mangelt es an wählbaren Alternativen. Für Frustwählen in Radikalbereichen der Politik hab ich ehrlich gesagt auch nichts übrig. Ein Dilemma, eigentlich. Dieser Große Koalition Stillstands Konsens schmeckt mir aber gar nicht und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich Politik in D-land in den letzten Jahren eh nur als Buhlen um Wählerstimmen und damit Macht und nicht als ehrliches Bemühen ein Land zu regieren gesehen. Wahrscheinlich verstehe ich "das große Ganze", also den Masterplan, dieser Regierung einfach nur nicht. Irgendwann fügt sich alles wunderbar zusammen.

    Volker Pispers: "..... Die CDU ist eine christliche Partei, dass muß man GLAUBEN!....."
     
  9. Günter Sch.

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    Erstellt: 12.05.08   #9
    Ich sprach nicht von meinen sorgen, sondern den der regierenden, und da fügt sich wirklich alles zusammen. Wessen interessen mancher politiker ( frauen sind die ausnahme) vertritt, zeigt sich, wenn er aus dem amt oder der funktion scheidet. Er arbeitet dann nicht ehrenamtlich in einer suppenküche, sondern begibt sich in die industrie, die energiewirtschaft, das bank- und versicherungswesen, wo er mit seinen profunden sachkenntnissen :rolleyes: hochwillkommen ist. Dann fällt einem auf, dass diese zweige vorher besonders begünstigt worden sind.
    Wohin das führt, sagt jede unfrisierte statistik, aber wenn mindestens 70% das so wollen und gutheißen oder nicht darüber nachdenken, "lässt sich aus unserer schmiere kein theater machen", wie es so schön mit einem Freud'schen versprecher heißt.
     
  10. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.08   #10
    Ich finde die Pensionszahlungen deutlich überzogen, eigentlich bräuchte sie auch niemand, andere Berufsgruppen müssen auch privat vorsorgen.

    Aber abgesehen davon finde ich die Bezüge nicht übermäßig hoch. Als Bundeskanzler(in) verdient man vor Steuer gut 220.000 €. Das könnte in meinen Augen deutlich höher sein, als Regierungschef einer der größten Industrienationen darf man ruhig mehr verdienen als ein Pilot oder ein guter Zahnarzt.
     
  11. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.08   #11
    Klar, meinetwegen, aber als Gegenleistung wäre ein wenig regieren nicht schlecht. Damit wäre dann allerdings das Problem "guter Lohn für gute Arbeit" noch nicht vom Tisch.
     
  12. topo

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    Erstellt: 13.05.08   #12
    Was ist daran jetzt so besonders schlimm? Komm mal nach Frankfurt, während eine Messe ist oder nach Hannover während der CeBit - da sind solche Preise doch normal.
    Wenn dann noch ein gewisser Sicherheits Aspekt (was ich allen Ministern zubillige) dazu kommt, dann ist es zu solchen Zeiten sogar günstig.

    Nahezu jedes Vorstandsmitglied eines mittlern DAX Konzerns, wird sich in der gleichen Zimmer/Hotel Klasse bewegen.

    Aber wie heißt es schon länger: "Wer seine Politiker nur unterdurchschnittlich bezahlt, wird auch nur unterdurchschnittliche Politiker haben".

    Wenn man sich anschaut, was ein MdB im Schnitt so verdient, dann ist das in Bezug auf die freie Wirtschaft nur auf dem Level unteres mittleres Management. Meht erwarte ich persönlich auch nicht von MdBs.
    Wer ausser den Beamten geht denn sonst schon gerne in die professionelle Politik?

    Topo :cool:
     
  13. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 13.05.08   #13
    Solche preise werden dann erhoben, wenn die betreffenden die rechnung nicht selbst bezahlen, sondern sie dem steuerzahler rüberschieben, sei es direkt oder in form von betrieblicher steuerabsetzung.
    Mit wem man volksvertreter vergleichen könnte, wird wohl individuell gesehen (s.u.), wenn etwa mit sparkassendirektoren, könnte man auf den gedanken kommen, dass mancher in unserer hierarchie zu hoch bezahlt wird, weil es so üblich geworden ist und an dieser schraube seit jahrzehnten gedreht wird.
    Als ich als chordirektor eines theaters 10% mehr gage hatte als meine professionellen chorsänger, war ich damit zufrieden, ausbildung, verantwortung hin oder her (was für ein unpassendes beispiel, ich hatte mitarbeiter, die, besonders einige der damen, viel besser singen konnten als ich und bald solistinnen wurden, in anderen branchen sind chefs ihren untergebenen weit überlegen!). Wie ist heute das verhältnis chef-angestellter/arbeiter in vielen bereichen? Wird da nicht oft maßlos über- oder unterschätzt? Und wenn im privaten bereich wenig zu machen ist, warum im von uns allen finanzierten? Vielleicht würden auch langzeit/abgeordnete sich als diener am gemeinwesen verstehen, anstatt sich als dessen herren und besitzer aufzuspielen. "Leistung muss sich lohnen" klingt aus manchem mund wie blanker hohn.
    Selbst bei großzügigster betrachtung ist unser parlamentarisches system äußerst in-effektiv und leistungsschwach, um kleinigkeiten wird nächtelang von den parteispitzen "gerungen", was herauskommt, hätte jeder schuljunge in 3 minuten erledigt. Warum leute hoch bezahlen, die nichts zuwegebringen, aber so tun als ob. Amateurschauspieler könnten das auch (nach kursen in rhetorik, imagepflege, kosmetik, die wir ihnen spenden, die aber nicht unbedingt hilfreich sind, wie Peter Hintze und andere "antipathieträger" beweisen) und wären weniger anspruchsvoll. Nein, ein fader geschmack bleibt.
     
  14. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.05.08   #14
    Etat für Entwicklungshilfe muß aufgestockt werden -> 500 Talerchen pro Nacht (Steinbrück hat "nur" 250 ausgegeben). Macht mir ein merkwürdiges "Bauchgefühl". Doppelzüngig. Muss nicht sein. Sollte nicht sein. Ich erwarte nicht, dass sie im 45 Euro Etap übernachtet, aber sowas, nun ja..... kann jeder denken, was er will.

    Yupp, aber die weinen nicht nach einem höheren Etat für hungernde Menschen (höchstens RENDITE :D).

    Nun ja, mehr Geld = bessere Politiker? Bliebe abzuwarten.

    Meinetwegen sollen Sie mehr verdienen, es ging mir um die "Nebenbeiausgaben" und das parallele ewige Gejammere um die kleinen Etats und gerade bei Frau HWZ fiel es mir besonders bitter auf.

    Ich will es nicht, ich mecker lieber über die Berufspolitiker :D

    Ganz ehrlich: Eigentlich ist mir das alles inzwischen piepe, zumindest was die momentane Regierung anbelangt. Ich hoffe (und wähle), dass das man schnell vorbei ist.
     
  15. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.05.08   #15
    Ich weiss nicht, wie es Euch in dieser Hinsicht geht, aber oft und nicht nur, wenn ich mal wieder so gut in Lohn und Brot stehe, dass am Monatsende auch noch etwas zum Sparen übrig bleibt, befällt mich beim Anblick von Armut (im finanziellen Sinne) in einem so reichen Land wie dem unseren ein Schamgefühl, von dem so mancher Großverdiener, eigentlich "Großbekommer" (ich meine diejenigen, bei denen deutlich mehr in die Kasse kommt, als für eine normale, durchschnitliche Lebensführung und Vorsorge notwendig ist) völlig frei zu sein scheint.

    Namentlich Politiker sind in dieser Hinsicht (wohl auch, weil stets im Rampenlicht) offenbar besonders hartgesotten, wie die aktuelle Entwicklung gerade wieder zeigt.
    Vor allem, wenn man zur Kenntnis nimmt, wie sie, selbst nicht in Gefahr, jemals betroffen zu sein, anderen erklären wollen, wie und womit sie auszukommen und hauszuhalten haben.

    Ein gewisser Friedrich Schorlemmer hatte anläßlich seiner - im TV übertragenen - Dankesrede nach Ehrung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1993 die Gelegenheit ergriffen, den damals führenden Politikern unseres Landes (Helmut Kohl und Konsorten) einmal von Angesicht zu Angesicht klarzumachen, dass das offenbar notwendige Sparen den kleinen Leuten deutlich leichter fiele, wenn die Großen damit anfingen.

    Jene und ihre Ahnen haben offenbar nichts dazugelernt.
    Mich dagegen hat Schorlemmer mit seinen Worten und seinem Mut tief beeindruckt.

    Link zum Buch bei Amazon

    Wenn manche dieser in meinen Augen mehr als wohlhabenden Leute in einem "schwachen Augenblick" die Scham doch einmal anzuspringen scheint, betätigen sie sich geschmeidig und medienwirksam als Heilsbringer und Menschenfreunde. Welch ein Kunststück!
    Auf diese Weise ziehen sie gar mehrfach Nutzen aus der Armut anderer.

    Das so oft als Ausrede für ihr überkandideltes Anspruchsdenken jenseits von Gut und Böse benutzte "Leistungsprinzip" haben diese Leute meiner Ansicht nach längst selbst ad absurdum geführt, auch, wenn gewisse "Wirtschaftsweise", Vorstandsgrößen und Vorzeige-Industrielle nebst ihren leichtgläubigen Jüngern es weiterhin als unzweifelhafte "Wahrheit" gebetsmühlenhaft beschwören und vehement verteidigen.
    Sie sehen dabei auch immer so abgearbeitet aus. :rolleyes:

    Schließlich können wir alle für einen Tag Arbeit maximal 24 Stunden unseres Daseins in Rechnung stellen.
    Oder sollte unsere Zeit hier auf Erden doch unterschiedlich viel wert sein???

    Geistige Armut beschämt mich allerdings nicht minder, nur ist die ja im Gegensatz zu wirtschaftlicher oft selbst "beigebracht" bzw. kultiviert.
    Diese aber eher auf andere Weise, weil sie doch offenbart, wie schlecht unsere Gesellschaft, zu der ich ja nun auch gehöre, in großen Teilen "funktioniert".

    Solange dieses Land von unseren Politikern und ihren Auftraggebern (den Wählern?) lediglich als ein Wirtschaftsunternehmen - und eben nicht als eine Gesellschaft in ihrem Leistungsvermögen recht verschiedener Individuen - wahrgenommen und als solches geleitet wird, werden wir unsere großen Probleme nicht mindern oder gar meistern.
     
  16. Sticks

    Sticks Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 15.05.08   #16
    Ich weiß gar nicht, was an der Debatte so aufregend ist? Die Höhe des Salärzuwachses der Volksverteter - namentlich Diäten? Gut, das wäre ein Argument. Absolut gesehen ist das eher ein Witz.

    Michael B., seines Zeichens Mittelfeldspieler,verdient in einer Woche (!) auf der Insel (Chelsea) soviel, wie die Bundeskanzlerin in einem ganzen Jahr; darüber regt sich niemand auf.

    Michael S., seines Zeichens Formel I-Pilot in roten Renwagen (mit einem Gaul vornedrauf) hat in wenigen Jahren das zigfache dessen verdient, was selbst ein MdB in über 50 Jahren Berufspolitik niemals verdient hat oder verdienen wird; und das Volk ist begeistert, obwohl der Schnakenhals keinen Cent Steuern von seinen Einkünften dem zujubelnden Deutschen zukommen läßt.

    In einem Punkt geb' ich Euch recht: die Politiker sind offenbar zu blöd, sich richtig zu verkaufen.

    Im übrigen: gehet in Euch und prüft mal gewissenhaft Eure Prioritäten ;):D
     
  17. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 15.05.08   #17
    Niemand bestreitet, dass es wildwuchs gibt, aber es ist ein unterschied, ob millionen irgendwelche tonträger kaufen und einen idioten reich machen, oder ob funktionen mit öffentlichen mitteln vergütet werden.
    Es geht auch darum, wie ansprüche begründet und durchgesetzt werden. Abgeordnete sind in der beneidenswerten oder üblen lage, ihre bezüge selbst festsetzen zu dürfen oder zu müssen, sind sie bescheiden, wird ihre tätigkeit nicht gewürdigt, schlagen sie über die stränge, erregen sie den volkszorn.
    Jetzt vergleichen sie sich mit bürgermeistern, aber schon stellt sich heraus, dass sie die schon weit überrundet haben, Lafontaine meint, als chemiker wesentlich mehr verdienen zu können, welch irrtum! Hat er je ein labor von innen gesehen, ist er gar ein verhinderter Nobelpreisträger? Andere vergleichen sich mit spitzenverdienern in der wirtschaft, ohne je etwas selbst erwirtschaftet zu haben, denn ohne jahrelange parteitätigkeit kommt man auf keine liste. Wieder andere verweisen auf ihre hohe arbeitsleistung, aber 2/3 unserer parlamentarier haben nebenbeschäftigungen, wobei man nicht immer weiß, was haupt-, was nebenbeschäftigung ist. Hohe verantwortung, wenn jeder sich hinter der parteidisziplin verstecken kann? Mehr geld, damit bessere leute, gar persönlichkeiten? Leute mit eigenen gedanken und anderen maßstäben wären den parteioberen ein wahrer horror.
    Das eigentliche einkommen wird sorgsam versteckt in verschiedenen paketen, man muss den eindruck haben, dass bewusst mit falschen argumenten operiert wird, dass man sich vehement wehrt gegen klare verhältnisse (Kauder, Schily), und das hat bei volksvertretern, die über recht und gesetz entscheiden, eine andere bedeutung als bei rennfahrern oder schlagerstars, und die repräsentanten, die sich jetzt in gesprächsrunden äußern, verstärken den eindruck von schmuddligkeit. Alle stoßen parteiübergreifend in das gleiche horn, und ich stelle mir vor, wie das in den fraktionsräumen im chor eingeübt wird: "Nochmal von vorn, drei - vier !" Ob die wähler winkelzüge und die mischung von arroganz und duckmäusertum bei ihren stellvertretern honorieren, ob deren ansehen proportional zur höheren summe wächst? Der eine oder andere mag sich damit identifizieren.
    All das kann ganz anders sein, aber dem außenstehenden scheint es so., aber wer es anders sieht, möge es tun.
    Für mich hat ein parlament jede glaubwürdigkeit verloren, das im rahmen einer "reform", heimbewohnern, den ärmsten der armen das karge taschengeld kürzte, was wurde damit "gegenfinanziert"? Wer neidete da wem etwas ?
     
  18. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.05.08   #18
    Es geht doch gesellschaftlich gesehen nicht um die Relationen der Bezüge einiger Groß- oder Spitzen-"Verdiener" untereinander.
    Es geht um die Relationen zwischen Aufwand an Zeit, erbrachter Leistung und Vergütung insgesamt, und hier herrschen doch aberwitzige Verhältnisse.

    Die angeführten Beispiele haben, auch wenn es mitunter anders empfunden wird, wohl wenig mit dem Wohl und Wehe in dieser Gesellschaft zu tun und sind bestimmt nicht beispielgebend für die Masse der hier lebenden Menschen.

    Von denjenigen aber, die in dieser Richtung tatsächlich einen wesentlichen Einfluss haben (oder haben sollten), muss man etwas anderes erwarten können:

    Deren Einkünfte ermöglichen einen wesentlich "barockeren" Lebensstil als den der weit überwiegenden Zahl von Menschen, deren Interessen sie eigentlich vertreten und von denen sie Schaden wenden sollten.
    Aber gerade dieses Vermögen (im doppelten Sinne) verhindert offenbar genau das, was man von ihnen erwarten können muss:
    Sensibilität für die immer größer werdenden Teile der Gesellschaft, die sich nicht selbst zu helfen wissen, sich nicht selbst helfen können oder die(j/w)enigen, die es aus Anstand und Rücksichtnahme auf andere nicht mit Ellenbogen tun.

    Das Argument, welches man gelegentlich in diesem Zusammenhang hörte, dass Politiker mit hohen Bezügen damit auch unabhängig und unbestechlich in ihrem Entscheidungen würden, hat sich wohl inzwischen auch in Berliner Luft aufgelöst.

    Die immer weiter auseinadergehende Schere zwischen arm und reich ist sozialer Sprengstoff, deren Brisanz man nicht bagatellisieren sollte.
    Wir sitzen alle auf demselben Pulverfass, an deren Lunte abenteuerlustige Pyromanen mit Feuereifer spielen.

    Die Wirkung ist überall zu sehen - wenn man sie denn sehen will:

    Der Aufwand, mit dem diverse Leute ihr überdurchschnittliches Eigentum gegen immer mehr "Neider" verteidigen, wird immer größer, die "Gangart" der Bürger untereinander blinder und härter, allgegenwärtige Überwachung akzeptiert und gesellschaftsfähig.

    Wie auch "Die Gesellschafter" schon fragen:
    In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

    Sind solche Werte wie "Besitz" und "Cleverness" denn wirklich wichtiger als z.B. respekt- und vertrauensvoller Umgang in einem friedlichen Miteinander?
    Was nutzt Besitz, wenn man die Freude daran nicht mehr teilen kann?

    Was ist ein Aufschneider ohne seine Bewunderer?

    Im Grunde doch ein armer Wicht,
    Und was ihm wirklich fehlt - er weiss es nicht!