Engerling - Rock'nBlues vom Feinsten

von 250GT, 28.03.06.

  1. 250GT

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    Erstellt: 28.03.06   #1
    Hi

    ich habe auf diesem Forum nur 2 Mini-Einträge zu "Engerling" gefunden (falls nix überlesen) und denke, dieser Band muß man einen eigenen Thread widmen -- hier sollte auch der richtige Ort dafür sein.

    Ich durfte Mitch Ryder & Engerling auf ihrer "The Acquitted Idiot-Tour 2006" am 2. Februar im Koblenzer Cafe Hahn kennengelernen.

    Irgendwie passte Engerling in all den Jahren nirgends so recht ins Konzept und haben es doch geschafft, sich selbst und ihrem Publikum treu zu bleiben. Den DDR-Kulturfunktionären schien die Band um Pianist und Songwriter Wolfram Bodag als Blues-Band zu weit weg vom Idealbild des liedhaften Rock als eigenständigen DDR-Beitrag zur internationalen Musikkultur, als dass man sie wirklich hätte groß raus kommen lassen. Blues-Puristen dagegen kritisierten mangelnde Authentizität einer Bluesband, die sich um die Einhaltung des originalen Zwölf-Takt-Schemas wenig scherte und statt dessen Blueselemente nach Belieben mit Rock- und Soulelementen vermengte oder sich gar in lange Improvisationen verstieg, die viel eher ins psychedelische Flower-Power-Lager gepasst hätten.

    Seit 31 Jahren feilt die Ost-Formation beharrlich an ihrem eigenen Stil mit intelligenten Texten im Grenzbereich zwischen Deutschrock und eben doch Blues und hat sich damit ein treues, aber ganz und gar nicht "ostalgisches" Publikum geschaffen.

    Rock'n'Blues" mit Geschichte und dem Blick nach vorn

    2005 erschien eine edle 5-CD-Box mit allen 5 Studioalben und allen 5 Singles. Ein neues Studio - Album von Engerling ist bereits in Arbeit. Die musikalischen Qualitäten der Band nutzt seit 1994 auch die in Detroit, USA lebende Rocklegende "Mitch Ryder" in dem er mit Engerling seine Tourneen in Europa ( D, A, CH, B, NL, F, E ) bestreitet.

    Im Oktober 2004 wurde die gemeinsame DVD „At Rockpalast“ veröffentlicht. Am 20. Januar 2006 erschien von Mitch Ryder & Engerling die 3.Studio CD „The Acquitted Idiot“ und vom 26.01.- 01.03 2006 waren sie wieder gemeinsam auf Europa - Tournee.

    CDs könnt Ihr über über http://www.buschfunk.com bestellen oder natürlich auch über Amazon, wo es Sound-Clips diverser Alben zu hören gibt

    Meine Empfehlung: die beiden Doppel-CDs "Blues / Tagtraum" und "25 Jahre Jubiläumskonzert"

    Der nachfolgende Pressetext und das Foto ist vom Engerling-Management, zu dem ich Kontakt habe! (danke Gert)

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    "War das nicht ne herrliche Zeit – 31 Jahre Engerling ?"

    Engerling ist 31 Jahre alt, nicht ganz erwachsen, wird mit einer Fünffach-Box beschenkt und spielt vielleicht an der Burg Klempenow. Und dann hat man eben den Blues. Weil es nicht so läuft, wie es laufen soll. Weil die Frau weggelaufen ist oder der Mann, weil das traurig ist, und weil das Leben noch nie so lief, wie es laufen sollte. Außer manchmal, ganz selten, zum Beispiel, wenn Engerling spielte.
    Am 24.oder 25.6. spielt Engerling vielleicht an der Burg Klempenow zum Jahrmarkt – eine „Legende“ wird es heißen, „ostdeutsch“ natürlich, „Kult“ auf jeden Fall. Klischees, die gerade nicht zu Engerling passen. 31 Jahre alt ist die Band um Wolfram „Boddi“ Bodag geworden, sie ist authentisch wie am ersten Tag und auch noch nicht ganz erwachsen.

    Wenn Künstler alt werden und ihnen eigentlich nichts Neues mehr einfällt – was ja durchaus vorkommen kann – sind meistens die „Gesammelten Werke“ nicht weit – oder wenigstens die „Ausgewählten“. So gesehen wäre die hübsche Fünffach-Box mit den Original-Alben der ostdeutschen Band Engerling von Amiga nicht nötig gewesen. Die Kapelle ist noch nicht einmal scheintot, demnächst erscheint eine neue Studioplatte, und eine neue Produktion mit Mitch Ryder ist auch in Vorbereitung. Aber schön ist die Box doch – und ist nicht die erste Engerling-Platte, die 1979 üblicherweise nur „Engerling“ hieß, gar zu zerkratzt von jenem, dem ersten, billigen roten polnischen Plaste-Plattenspieler? Hatten wir nicht den „Tagtraum“ (1981) mal verborgt und nie wieder bekommen? Haben wir nicht „So oder so“ (1989) irgendwie verlegt, war uns nicht „Egoland“ (1992) im Wendewirbel durch die Lappen gegangen, hatten wir überhaupt mitbekommen, dass 1997 „Komm vor“ erschien? Kannten wir all die Singles überhaupt ?

    Songs von Melancholie und den Schwierigkeiten der Liebe

    Anfangs hieß die Band noch Engerling Blues Band, aber eine reine Bluesband war Engerling nie. Dazu war Wolfram „Boddi“ Bodag zu vielseitig interessiert, vielleicht auch zu belesen, aber die Verbindung zum Blues hat Engerling nie verloren. Von der ersten bis zur jüngsten Platte schwebt eine mal leisere, mal ziemlich deutliche Melancholie über den Songs. Die Liebe ist nie so einfach in Engerling-Songs, manchmal schon zu Ende und manchmal ziemlich hart, manchmal auch eine Metapher für mehr als die Beziehung zwischen zwei Menschen. Gut beobachten konnte Wolfram Bodag schon immer – und Radfahren, worum sich auch etliche Engerling-Songs drehen.
    Es ist dieses Hinterhausleben, das sich in Bodags Liedern spiegelt, die ausgelassenen und doch irgendwie verlorenen Parties, die verkorksten Beziehungen, das Trotzdem und das Geradedeshalb. Mit dem elegischen Humor Erich Kästners, mit der manchmal morbiden Melancholie Kurt Tucholskys betrachtet Bodag die Welt wie in kurzen Dokumentarfilmen, und die Band spielt dazu den Soundtrack. Gitarrist Heiner Witte, noch dabei aus den ganz alten Tagen, der dem „Moll“ den schönsten Ausdruck verliehen hat, Manne Pokrandt (bg), der auch schon lange dazu gehört, und Hannes Schulze (dr) sind nie nur Beiwerk für den unbestrittenen Leader der Band. Sie spielen die traurigsten Lieder mit jenem Lächeln, das die Weisen auszeichnet.

    Die fünf CDs zeichnen ein schönes Bild einer ehrlichen Band, die sich nie verbogen hat oder verbiegen ließ. Und wenn sie schon mal ein richtiges politisches Lied gespielt haben wie die gute deutsche Fassung von Dylans „The Times die Are A Changin´“, dann folgt dem auch ein „Herbstlied“, was vielleicht das schönste Wende-Lied überhaupt ist: „War das nicht ne herrliche Zeit? Jeder war zum Aufruhr bereit...“ Ihren Ruhm haben sich die Engerlinge live erspielt, sind nur aller Jubeljahre mal ins Studio gegangen.

    Unzählige rauchige, trunkene Nächte in verregneten Zelten

    Engerling – das sind vor allem unzählige rauchige, raue, trunkene Nächte in verregneten Zelten, schäbigen Dorfgaststätten zwischen Ostsee und Vogtland, sind unendliche Gigs, die bis in die Morgenstunden dauerten oder bis auch die letzte Flasche Wein geleert war. Der Journalist Christoph Dieckmann hat ihnen ein schönes Beiwort geschrieben, das kein Nachwort ist und so endet: „Mögen sie leben, solange die Bäume grünen und die Haare grauen.“ Dem kann man sich nur anschließen – mag man ruhig den Blues haben, wenn man auch Engerling noch hat.

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    Abschließend noch die offizielle Engerling Band-Webseite und auch die von Mitch Ryder gleich dazu:

    http://www.engerling.de/
    und
    http://www.mitchryder.de/

    [​IMG]

    Hoffe, Ihr laßt Euch inspirieren und beschäftigt Euch mal mit dieser Band :great:
     
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