Erfahrungen mit eingedrückter Decke

von ricercar, 02.05.16.

  1. ricercar

    ricercar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.05.16   #1
    Hallo,

    mir ist eine interessante Gambe in Violinform* zugeflogen, ein einfaches, 7 Jahre altes Instrument und mit eingedrückter Decke auf der Bassbalkenseite. Dass letzteres ein gravierender Mangel ist, ist mir klar. In meinem Fall gibt es eine Höhendifferenz zwischen unterer F-Loch-Zunge und äußerem F-Loch-Rand von knapp 2 mm (siehe 3. Foto). Seit wann der Schaden besteht, weiß ich nicht.

    Ich habe dazu ein paar Fragen, vielleicht gibt es hier im Forum ja Erfahrungen dazu.

    1.) Gibt es Erfahrungswerte, wie stark sich ein solcher Schaden auf den Klang auswirkt? (Klang und Ansprache sind derzeit eher mittelmäßig, ich verspreche mir allerdings von der Regulierung an Steg und Stimmstock noch Verbesserungen.)
    2.) Wie entwickeln sich eingedrückte Decken? Besteht die Möglichkeit, dass das Absinken zum Stillstand kommt?
    3.) Ist so etwas reparabel? Ich vermute, dass eine neue Decke her müsste, was sich bei diesem Instrument allerdings keinesfalls lohnen würde.

    Viele Grüße

    *Solche Formen waren in Italien recht verbreitet, auch in der Werkstatt Stradivaris wurden solche Instrumente hergestellt. Wer sich für die Formenvielfalt insbesondere bei Gamben interessiert, findet hier tolle Bilder und Informationen: orpheon.org

    k-DSCN2890.JPG k-DSCN2897.JPG k-DSCN2902.JPG
     
  2. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 03.05.16   #2
    Hallo ricercar,

    solche Verformungen gibt es sehr häufig bei Streichinstrumenten.
    Ich würde hier zunächst einmal Entwarnung geben:
    Solange sich keine Risse bilden, ist alles in Ordnung. :)

    Einen derartigen Versatz kann eine gesunde Decke, ohne weiteres, dauerhaft verkraften.
    Wenn die Stegfüße mit sehr viel Spannung eines sog. Stegfußspreizers aufgepasst wurden,
    dann entsteht viel Druck über längere Zeit an den außenliegenden Fußenden, was zu einer
    solchen Deformierung führen kann.
    Das Holz ist clever und gibt nach / passt sich an, bis die gesamte Fußfläche irgendwann aufliegt.

    Für mich sieht es aktuell stabil aus und ich würde sagen, das bleibt auch so - also: keine weitere Verformung.

    Eine Ausnahme wäre ein abgelöster Bassbalken, der die gesamte Bass-Deckenhälfte schwächen würde.
    Sowas hört man aber, wenn man das Instrument abklopft: dann scheppert etwas ganz gewaltig.
    Mit einer Spiegelinspektion wäre dies dann (durchs ff-Loch) aber auch sichtbar.

    Sehr dünn gebaute / gefräste Decken, oder aus weichem Fichtenholz gefräste Decken geben unter
    dem Saitendruck in ähnlicher Art nach. Das gibt sich und bleibt nach relativ kurzer Zeit stehen.

    Momentan sehe ich keinen Grund zur Sorge, sofern, wie gesagt, keine Scheppergeräusche vorhanden sind.

    cheers, fiddle
     
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  3. ricercar

    ricercar Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.05.16   #3
    Hallo fiddle,

    ich hatte auf Deine Fachkundigkeit gehofft :0) und bin erleichtert über die doch recht günstige Prognose (mit dem Bassbalken scheint alles in Ordnung zu sein). Vielen Dank und herzliche Grüße!
     
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