Eva und das 3.Reich

von der nico, 10.10.07.

  1. der nico

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    Erstellt: 10.10.07   #1
    hallo alle zusammen,


    ich hab hier was lustiges gelesen:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510476,00.html


    was mir hier vor allem aufstößt ist folgendes sinngemäße zitat:

    Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden.


    darf man denn über die autobahnen reden?und inwelchem zusammenhang?
    meines wissens nach waren die autobahnen damals unnötig und dienten vor allem der kriegsvorbereitung.

    weiter sagt sie:

    Zudem sagte sie, dass man nicht mehr über deutsche Geschichte sprechen könne, ohne sich zu gefährden.

    wo liegt die gefährdung?wer ist eurer meinung nach der dumme(bzw liegt falsch), derjenige der die familienpolitik der nazis lobt und deren absichten und perverse auswüchse (stichwort lebensborn ( http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensborn))ausklammert?
    oder derjenige der schreit "halt dat kannste so nicht sagen!"?
     
  2. Frostbalken

    Frostbalken Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #2
    Das man sich gefährden könnte, wenn man über deutsche Geschichte redet ist nicht komplett falsch, wenn auch schlecht formuliert. Man muss dabei schon sehr auf die Terminologie achten und seine Position (gerade im Zusammenhang mit dem dritten Reich) klarmachen.
    Ansonsten kann es leicht passieren, daß man nicht verstanden wird (absichtlich oder unabsichtlich) und in eine gewisse Ecke gedrängt wird. Bei der Herman ist das wohl schwer zu beurteilen, wenn man ihr Buch nicht gelesen hat, aber sie hat ja auch selbst Schuld, wenn sie sich so präsentiert und dem Anschein nach uneindeutig, evtl. unbeholfen argumentiert.

    Autobahnen waren damals vielleicht nicht zwingend nötig, nichts desto trotz waren sie schon ein Fortschritt, auch wenn sie aus eher weniger fortschrittlichen Motiven heraus gebaut wurden.
    Das sie die Autobahnen erwähnt scheint mir eher ein dürftiger Versuch gewesen zu sein, sich aus der Diskussion heraus zu winden indem sie etwas vermeintlich positives aus dem dritten Reich anführt, ohne direkt Position zu beziehen.
     
  3. der nico

    der nico Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #3
    d.h. mit den autobahnen hat sie versucht sich aus dem schlamm zu retten in dem sie sich auf dem schlamm abstützt?
     
  4. Frostbalken

    Frostbalken Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #4
    Tja, das meinte ich mit "dürftiger Versuch". Das sie sich so nicht aus der Sache herauswinden kann, ist mir (und dir) klar, ihr wohl nicht.
     
  5. der nico

    der nico Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #5
    ja das ist es.

    was mich noch etwas beschäftigt ist, wie du schon geschrieben hast, wie leicht man sich in deutschland verstricken kann wenn man dinge die im 3.reich vordergründig betrachtet gut waren, eben so vordergründig mal eben erwähnt und den kontext einfach wegläßt.
    m.e. nach geht das nicht.
    aber das sieht zum beispiel diese katholikenvereinigung anders:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510205,00.html

    wo kann hier eine grenze gezogen werden?

    nachtrag hier noch eine meinung von henrik broder:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510511,00.html


    so wie er sie wiedergibt ist mein zitat zu den autobahnen von vorhin wohl falsch,
    bin mir noch nicht klar wie ich seinen beitrag sehe...
     
  6. Missing$lash

    Missing$lash Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #6
    Also, manchmal nervt es mich schon, dass dieses Thema ein dermaßen heißes Eisen ist.
    Natürlich ist der Standpunkt von Eva Herman auf den ersten Blick recht krass. Allerdings fand ich es schwach dass der Herr Kerner sie aus dem Studio geworfen hat. Angeblich hat sie sich ja 50 Minuten um eine Antwort gedrückt und iwann hat er die Diskussion abgebrochen. Finde ich schwach, denn es hat den Anschein als ob eher er an seine moderatorischen Grenzen gestoßen ist.
    Es werden soviele krasse Meinungen in Deutschland toleriert und sobald es um die NS-Zeit geht, schreien alle auf. Eva Herman hat ja noch nicht mal gesagt, dass sie mit den Nazis selber sympathisiert, sondern ihr ging es vordergründig um die Rolle der Frau/Mutter in der NS-Zeit, auch wenn sie mMn da falsch informiert ist.
    Aber ich erinnere nur mal an den Auftritt von Bushido bei Kerner, wo es um seine Texte ging die frauenfeindlich etc. sind. Auch er blieb eine Antwort schuldig, wurde trotzdem nicht aus dem Studio geworfen.
     
  7. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #7
    Mich erinnert die ganze Thematik ein wenig an das hier:

     
  8. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 10.10.07   #8
    Es ist leider immer noch so, dass man über 12 jahre deutscher geschichte nicht reden kann, ohne irgendwo anzuecken und gegen ein tabu zu verstoßen. Selbst fakten ohne jede ideologische verbrämung werden nicht immer akzeptiert. Die gründe sind vielfältig: einen vermute ich darin, dass viele führende köpfe in der neuen Bundesrepublik tief in der vergangenheit verwurzelt waren, was tunlichst zu verschweigen war.
    Ein ähnliches phänomen zeigt sich bei der wiedervereinigung: nur nicht aufklären und aufdecken, was da unter der hand so alles geschah! Schon das wort "vereinigungskriminalität", welch ein horror! Eine amnestie, wie bald gefordert, war nicht nötig, es interessierte sich niemand dafür.
    Noch immer scheuen wir uns, worte zu gebrauchen, die im NS-staat missbraucht worden waren, andere redensarten schwirren noch heute bei debatten im Bundestag herum, ihre herkunft kennt niemand mehr.
    Ich muss gestehen, bei solchen anlässen und solchen empfindlichkeiten nicht immer stolz darauf zu sein, ein deutscher zu sein, ich habe staunend zuviele wendungen erlebt, muss aber einräumen, dass verlogenheit und feigheit, kriecherei und anpassung erfolgreiche strategien sind, was sie mir aber nicht sympathischer macht.
    Wer spricht über 1 000 jahre kriminalgeschichte der kirche? Die waren nie ein thema, und wir werden mit lumpigen 12 jahren nicht fertig?
    Es gibt immer weniger zeitzeugen, und dann haben all die schwafler und besser- (oder nicht-) wisser freie bahn. Und wie immer galt/gilt das interesse (und die entschädigungen) den tätern, kaum den opfern.

    Übrigens: "Drittes reich" ist nazi-jargon pur, und während der 12 jahre gab es 80 mio sehr verschiedene menschen in Deutschland., aber "die im dunkeln sieht man nicht".
     
  9. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #9
    Macht jeder aber ständig. Wenn es um die Darstellung einer Meinung geht, dann pickt sich jeder nun mal das raus, was gerade passt. Ist normalerweise ja auch egal und stört niemanden, es sei denn es geht um die Zeit des Nationalsozialismus. Wenn die NS Zeit allerdings pauschal oder in Teilen als "Sch****e" bezeichnet wird, dann fragt niemand nach einem Kontext. Erwähnst du allerdings einen für dich "positiven" Aspekt, dann aber bitte nur vor dem gesamtgeschichtlichen Hintergrund. Das wiederum hat zur Folge, das du einen positiven Aspekt dann doch nicht mehr positiv bewerten kannst, weil der Kontext es natürlich verbietet, auch nur annähernd positiv zu denken.

    Ich verstehe Eva durchaus vor dem Hintergrund dessen, was sie der Welt mitteilen wollte.
     
  10. warwicker

    warwicker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #10
    Die Autobahn wurde von Ingenieuren Hitlers gebaut.
    Das System war gut durchdacht. das is Fakt!
    Und die gleichen Ingenieure haben nach dem Krieg als Kriegsgefangende von Russland und USA für den kalten Krieg geforscht!
    Somit haben Deutschland, USA und Russland deutsche Ingenieure zu falschen Zwecken benutzt! Deutschland allerdings im hohen Maße
     
  11. hofgabes

    hofgabes Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #11
    Fakt ist aber auch, dass die Pläne für Autobahnen schon vorher da waren.

    Was Fakt ist, ist sicherlich auch, dass die Amerikaner ohne Wernher von Braun niemals auf dem Mond gelandet wären. WVB ist sicherlich auch kritisch zu sehen, da er Ressourcen der Nazis verwendete und auch auf Zwangsarbeiter zurückgriff.

    Also ganz ehrlich, ich find das Frauenbild im Nationalsozialismus ziemlich zum kotzen und denke, dass dies ein gewaltiger Rückschritt für die Frauen war (immerhin durften sie seit 1919 wählen und wurden mehr und mehr im Beruf akzeptiert). Zumal das Ziel der "Familienpolitik" einfach das schlechteste denkbare Ziel war. So einfach ist. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund muss man einfach zu einem negativen Ergebnis kommen.

    Wo du Frauen durchaus positiv zu bewerten sind, war nach dem Krieg, als sie eben aus jenem propagierten Bild herausbrachen und eben die Stütze für den Wiederaufbau waren. Und genau das ist ja konträr zu dem propagierten Bild.
     
  12. oldboy

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    Erstellt: 10.10.07   #12
    Wenn ich sage, das es (versuchte) Völkervernichtung (beispielsweise) immer gegeben hat und immer wieder geben wird, dann nur mit der Bemerkung "aber nie so schlimm wie in Deutschland", weil ich ansonsten angeblich die Verbrechen der NS Zeit herunterspielen würde.

    Sorry warwicker, das ich dich als Beispielpost mißbraucht habe :D

    Man kann nicht über 33-45 diskutieren, denn es darf nur negative Meinungen geben.
     
  13. Missing$lash

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    Erstellt: 10.10.07   #13
    Ja, das seh ich genauso.
    Und jeweniger die Leute darüber wissen, desto empfindlicher reagieren sie auf das Thema.
    Meine Großeltern haben den Krieg erlebt, meine Uroma sogar beide. Sie reden oft über den Krieg, obwohl sie die ganze Grausamkeit selbst erlebt haben.
    Und warum? Um es zu verarbeiten. Man bekommt immer gesagt dass man über alles reden soll, aber dieses Thema wird totgeschwiegen.
    Ich habe viel über den Nationalsozialismus gelesen und oft erlebt dass ich im Zug schief angeguckt wurde wenn ich ein Buch oder eine Zeitschrift in der Hand hatte (GEO Epoche o.ä.).
     
  14. hofgabes

    hofgabes Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #14
    Jein, wie ich schon schrieb, gab es die Pläne durchaus vorher.

    Klar, der Wissenstransport ging in die Großmächte. Deutschland war damals, was man durchaus als Fakt bezeichnen kann, weltweit führend in vielen Technologien (z.B. Raketentechnik, Antriebstechnik für Flugzeuge etc. ), nur müssen wir doch hier einfach schauen zu welchem Zweck: Zum Kriegführen. Und das ist genauso Fakt. Also muss man, will man das eine loben genauso die Verknüpfung sehen und dadurch jedes lob relativieren.

    PS: das war nicht Russland, sondern die UDSSR
     
  15. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #15
    Zivile Technik hat oft einen militärischen Ursprung.
     
  16. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 10.10.07   #16
    Also ich verstehe diese ganze Aufregung aus einer anderen Ecke überhaupt nicht:

    Warum sagt Frau Eva nicht einfach: Ich möchte dies und jenes aus folgenden Gründen und damit wären meiner Ansicht nach die Probleme a-k gelöst.

    Dann würde man um die Inhalte diskutieren und um Argumente und Gegenargumente.

    Statt dessen geht sie wie folgt vor:

    1. Sie selbst bemüht einen Vergleich mit der schlimmsten Diktatur und dem schlimmsten Regime der neueren Zeit.

    2. Darauf angesprochen, sagt sie weder, dass sie es bewußt so gemeint hat (weil es nämlich einen inhaltlichen Zusammenhang zu der Nazi-Propaganda gibt) noch distanziert sie sich davon (weil es nämlich keinen inhaltlichen Zusammenhang gibt).

    3. Sondern sie geht in eine Art Reflex-Gegenoffensive und fragt, wie man ihr nur vorwerfen könne, sie hätte etwas schlimmes gedacht und ob man nicht mehr denken dürfe und wie schlimm das doch mit den Tabus in Deutschland wäre, während man natürlich in Italien Mussolini lustig hochleben lassen kann, Stalin in Rußland weiter vergöttert und Nixon in den USA weiterhin für einen lauteren Mann hält.

    Mir geht diese ganze selbstgewählte Inszenierung so auf den Sack !
    Unser lustiger Kardinal benutzt das Wort entartet und wundert sich hernach, jeder vierzigste Blödmensch benutzt irgendeinen Scheiß-Nazi-Vergleich, nur um in die Öffentlichkeit zu kommen und sich selbst als verfolgte Unschuld hinzustellen.

    Was soll dieser ganze Mist? Und zwar der Mist derer, die selbst eine Verbindung zu Nazi-Ideologie und -Praxis herstellen?

    Jedem, der mir auf diese Frage eine schlüssige Antwort gibt, bekommt von mir stante pede irgendwas schönes.

    x-Riff
     
  17. hofgabes

    hofgabes Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #17
    Und mittlerweile auch oft umgekehrt ;)

    Ich glaube, dass diese These, dass sämtliche technologischen Innovationen direkt oder indirekt vom Kriegstreiben abstammen, mittlerweile nicht mehr so stimmt.
     
  18. alyssa

    alyssa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #18
    Aha, hier steht ein Thread. Ich hatte mich beim Suchen heute morgen schon gewundert.


    Vorab: ich habe keines ihrer Bücher gelesen und ich mag vor allem keine sinngemäßen Zitate. Und wenn sie meint, Frauen gehören an den Herd oder nicht => ist mir primär egal.

    Habe mir aber in der Nacht Kerner zweimal angesehen und analysiere dies natürlich auf einer neutralen Weise, anders geht das nicht.

    Gibt der Sender das Filmaterial der besagten Pressekonferenz wirklich nicht frei? Wenn das so stimmt, dann würde ich als Zuhörer erneut die Stirn runzeln bei dem Aufstand der gemacht wurde ob nun was zugedichtet wurde oder nicht.


    In dem Interview gestern (oder bei mir heute morgen) hat sie durchaus sinnvolle Dinge gesagt, was ja auch von Frau Schreinemakers bestätigt wurde. Deutschland ist nicht unbedingt kinderfreundlich; eine evtl. Herdprämie soll vielleicht, vielleicht aber auch nicht kommen :zeigt mal wieder, wie lächerlich (in meinen Augen) einige Aussagen der Politiker sind. Ich selber stehe seit 4 Jahren auf der Warteliste für einen Kindergartenplatz und wenn ich jetzt den Familienatlas 2007 durchlese muß ich lachen!

    Also zwischendurch sinnvolle Dinge angesprochen. Nur wie bereits in anderen Beiträgen gesehen, für meinen Geschmack ist der Zusammenhang durcheinander. Da frage ich mich immer, will sie nur mal was gesagt haben oder tatsächlich auf Mißstände hinweisen und etwas tun. Nur dann sollte sie an ihren Redekünsten arbeiten.


    OK, ist lang und ich komme auch erst jetzt zum eigentlichen Satz/Zitat, aber mein Kopf ist noch so voll seit Kerner, mußte einfach mal raus ;-)


    Sie haben das in der Presse "niedermachende" Zitat und die original-Stelle als Audiodatei gespielt.
    Und hier muß ich sagen => Zitat frei interpretiert und Zack wird Eva in eine Schublade gesteckt.
    Am Anfang des langen Satzes konnte ich für meinen Teil schon hören, daß sie vom Bild der Mutter VOR dem Nationalsozialismus redete.
    Fies bei langen Sätzen ist aber, daß man sich schnell verhaspelt und im schlimmsten Fall durch weglassen eines Wortes plötzlich eine andere Richtung einschlägt. Man könnte im zweiten Teil des laaangen Satzes durchaus verstehen, daß sie nun das Bild der Mütter im Nationalsozialismus verherrlicht.
    Und genau an dieser Stelle wäre es mir ganz recht, wenn ich die komplette Konferenz sehen könnte.
    Was mich weiterhin wundert ist, daß die Wahrscheinlichkeit bestünde, daß sie den Satz (weil zu lang) ungewollt fehlerhaft beendete, der Herr Geschichtskenner aber gar nicht darauf einging.

    Als Zuschauer stehe ich weiterhin zwischen den Stühlen und weiß nun nicht, ob man Frau Hermann absichtlich die Worte anders auslegt.

    Nun gut. Weiterhin macht mich stutzig => Wenn Frau Hermann sich vehement gegen eine Rechte Denkweise wehrt und sie den Satz bereits x-mal gelesen und bei Kerner sogar schriftlich vorliegen hat. Warum um Himmels Willen fällt ihr dann nicht auf, daß der Nebensatz durchaus ein Griff ins Klos war ?
    Ebenso der letzte unangenehme Satz von ihr (nein, nicht die Autobahn). Es stimmt schon, daß man als Deutscher/in Deutschland wohl immer noch (und ich kann nix dafür, was meine Vorfahren getan haben!) sehr aufpassen muß, WAS man sagt ohne sofort in die Rechte Ecke (absichtlich?) gestellt zu werden!
    Nur wenn sie das so sagen wollte, dann waren ihre Worte wieder unglücklich gewählt.

    Einige Textpassagen mußte ich zurückspulen um das teilweise große Durcheinander von ihr zu "verstehen".
    Am Ende weiß ich immer noch nicht, ob Frau Hermann nun doch ganz versteckt ein Sympathisant des rechten Denkens ist, oder ob sie einfach nicht ohne Text ablesen in der Lage ist eine sinnvolle Rede in der Öffentlichkeit zu halten?!


    Und nochmal => ausdrücklich neutral betrachtet, weil ich einige Sachen nicht im kompletten Zusammenhang gesehen/gelesen habe. Auch dem Bericht des Spiegels kann ich wenig abgewinnen, weil ich die Sendung sah und einige Sätze NICHT gehört habe => freie Interpretation, was wieder einmal zeigt, wie schnell etwas in der Presse umgedichtet wird.


    grüßle,
    alyssa

    die bei dem Thema immer noch einen rauchenden Kopf hat und noch nicht ganz weiß, WAS Frau Hermann denn nun GENAU will

    außerdem habe ich ewig für den Text gebraucht, neue Posts also nicht berücksichtigt
     
  19. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 10.10.07   #19
    Es geht zu wie bei Shakespeare: schleimige hofberichterstatter sind angesehene journalisten, albern/arrogante quizmaster haben hohe qoten, gesellschaftsklatsch ist "in", aber wer sich in einer drängenden frage verheddert, ist "out".
    Zium fraglichen fall kann ich nichts sagen, aber die betrachtungsweisen können weit auseinanderklaffen, ich könnte z.b. die frage aufwerfen, ob unser aller land eine lupenreine demokratie ist, spielwiese für Ackermann, Mehdorn und Co., oder irgendwo dazwischen?
    Sind wir kinderfreundlich, sind kinder immer freundlich zu uns, oder mal so, mal so ? Als gelernter ur-großvater darf ich mir eine solche frage erlauben.
    Vor 1914 brauchte der kaiser soldaten, nach 1939 musste der osten besiedelt werden, 1950 brauchten wir billige und willige arbeitskräfte, was brauchen wir jetzt, steuer- und beitragszahler? Und was machen wir, wenn womöglich menschen zur welt kommen?
     
  20. hilmi01

    hilmi01 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.07   #20
    Um eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen, hören wir doch einfach mal genau hin, was Eva Hermann tatsächlich gesagt hat:

    -> MP3: Eva Hermann - Pressekonferenz vom 6. September 2007, Berlin
    -> PDF: Eva Hermann - Pressekonferenz vom 6. September 2007, Berlin

    Für mein Dafürhalten ein themenbezogen vernünftiges und politisch neutrales Statement. Wäre da nur das Wort "Nationalsozialismus" nicht gefallen. Seit ich politisch interessiert bin beobachte ich in Deutschland die vornehmlich bei der Generation 50+ (und dazu gehören ja die meisten Politiker und Hermann-Kritiker) vorherrschende Eigenart, panikartig auf alles zu reagieren, was sich irgendwie mit der Geschichte ums dritte Reich befasst. Inhalte, die durch eine Aussage vermittelt werden, die sich wiederum Vergleiche aus dieser Zeit bedient (so wie das hier eben Eva Hermann getan hat), sind für diese Menschen nicht diskutabel - völlig egal, um welches Thema es darin geht.

    Im übrigen halte ich den hier gewählten Threadtitel für unüberlegt und unglücklich: denn er schlägt genau in die selbe Kerbe, wie viele der Hermann-Kritiker das tun. Der Name Eva Hermann wird - eben auch durch Titel wie diesen - noch lange Zeit mit dem Thema Nazis assoziiert werden - völlig unabhängig davon, was sie gesagt hat und wie es tatsächlich gemeint war. Es ist wie so oft: etwas bleibt eben immer hängen.