[FAQ] Verstärkung für meinen Bass - Wie finde ich die richtige für mich?

von strep-it-us, 25.09.07.

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  1. strep-it-us

    strep-it-us Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.09.07   #1
    Verstärkung für meinen Bass - Wie finde ich die richtige für mich?

    1. Preamp, Combo, Endstufe, Poweramp, Box - Was für Kombinationen gibt es?
    Prinzipiell hat man drei Möglichkeiten sein Set zusammenzustellen:

    Preamp->Endstufe->Box(en)
    Hier sind alle Komponenten seperat. Die Endstufe ist in der Regel eine normale PA-Endstufe die man auch für andere Zwecke als zur Bassverstärkung einsetzen kann.
    Beispiel: Preamp(Tech21)+Endstufe(DAP)+Box(Hartke)

    Der Vorteil dieses Setups ist, dass man sehr leicht Komponenten austauschen und ggf. durch andere erstzen kann, außerdem kann man hier für relativ wenig Geld sehr viel Lautstärke bekommen. Dafür macht man in den für Anfänger üblichen Preisklassen meistens Einbußen bei der Transportierbarkeit und bei der Klangqualität.

    Bassamp->Box(en)
    Hier sind der Preamp und die Endstufe zu einem Element zusammengefasst.
    Beispiel:
    Bassamp(Warwick)+Box(SWR)

    Ein wesentlicher Vorteil dieses Setups ist, dass Preamp und Endstufe gut aufeinander abgestimmt sind. Diese Kombination findet man allgemein am häufigsten an, aber man bezahlt auch mehr Geld als beispielsweise für eine Combo (siehe unten)

    Combo
    Hier sind Bassamp und Box in ein Gehäuse eingebaut.
    Beispiel:
    Combo(Roland) oder
    Combo(Warwick) oder
    Combo(Behringer)

    Combos sind im allgemeinen laut genug für die meisten Zwecke und gut zu transportieren. Um jedoch wirklich viel Lautstärke zu bekommen muss man recht viel Geld investieren.
    Die Boxen, egal bei welcher Kombination, sind mit einem oder mehreren Lautsprechern bestückt, der Durchmesser der Lautsprecher an sich ist ebenfalls unterschiedlich. Inwiefern sich das auf den Klang auswirkt könnt ihr hier nachlesen.


    2. Equalizer, Vorstufe und "onboard-Effekte"
    Mit dem Equalizer kann man einzelne Frequenzen lauter bzw. leiser im Gesamtsound machen. Einen Equalizer findet ihr in jedem Bassverstärker, entweder mit Schiebe- oder Drehreglern. Spricht man von einem 7-Band-Equalizer ist beispielsweise ein Equalizer mit 7 Reglern gemeint.
    Dies findet man zum Beispiel auf diesem Trace Elliot hier:
    [​IMG]

    Die Equalizer mit Drehreglern haben in der Regel mindestens drei, "Bässe", "Mitten" und "Höhen". Oft findet man hier eine parametrische Mittenregelung, das heißt, man kann mit einem weiteren Regler selbst bestimmen welche Frequenz der Mittenregler erhöhen bzw. absenken soll. Dies ist sehr nützlich falls man noch auf der Suche nach einem "eigenen" Sound ist.
    Hier ein Beispiel:
    [​IMG]

    "Frequency" ist hier der Regler mit dem man die zu änderende Frequenz für "Midrange" bestimmen kann.
    Es gibt auch viele Verstärker die Effekte schon eingebaut haben, zum Beispiel einen Verzerrer oder Chorus. Wichtig ist hierbei: Allein die Tatsache dass der Verstärker einen solchen Effekt eingebaut hat ist kein Kaufgrund. Es kann sehr gut möglich sein dass euch der Effekt nicht gefällt und ihr ihn nie benutzen werdet. Deshalb spielt den Verstärker erst in einem Musikgeschäft an. Wenn euch dann beispielsweise der eingebaute Chorus absolut gefällt, dann ist er auch mit ein Grund genau diesen Verstärker zu kaufen.


    3. Wieviel Geld habe ich und was bekomme ich dafür?
    Mit diesem Vorwissen könnten wir in das nächstbeste Musikgeschäft gehen, eine Trace Elliot Anlage anspielen und uns den Verstärker mit zwei Boxen gleich mitnehmen. Spätestens an der Kasse merken wir dass wir etwas entscheidendes übersehen haben: Das Zeug kostet einfach unglaublich viel Geld! Und davon hat man als armer geplagter Student/Schüler nicht gerade viel.
    Um das Vorgehen in diesem Fall zu erläutern gehen wir von einem Beispiel aus:

    Hans Meier spielt seit einem Monat Bass. Ein guter Kumpel hat ihn gefragt ob er in seiner Rockband mitspielen will, und da Hans gerne dort mitspielen will braucht er einen Verstärker der in der Probe laut genug ist sich gegen das Rumgequietsche der Gitarristen und den Drummer, der vorher Black Metal gemacht hat, durchzusetzen.
    Hans möchte möglichst wenig Geld ausgeben, da sein Kapital auch etwa gegen Null geht. Von einem Freund erfährt er, dass man gute Combos schon für recht wenig Geld bekommt, und geht in ein Musikgeschäft.


    Nun stellt sich die Frage: Woran erkenne ich denn welcher Verstärker laut genug ist? Eine grobe Orientierungshilfe für Anfänger ist hier die Wattzahl. Diese besagt, mit wieviel Watt der Vertärker die entsprechende Box beheizt. Oft findet man Angaben wie "200 watt an 4 Ohm.
    Das heißt: Der Verstärker liefert 200 Watt wenn er an eine Box mit 4 Ohm angeschlossen wird. Bei einer 8 Ohm Box liefert er entsprechend weniger Watt.
    Der User EDE-WOLF hat diese ganze Thematik hier schon sehr gut zusammengefasst.
    Pauschal solltet ihr für einen Verstärker, wenn ihr ihn in der Probe und auf kleinen Bühnen benutzen wollt, mindestens 150 bis 200 Watt anpeilen.

    In dem Musikgeschäft angekommen schaut sich Hans verschiedenen Combos an und ihm fällt spontan diese Combo von Behringer auf. Wenn man viel Watt für wenig Geld will, denkt Hans sich, scheint Behringer ja ganz gut zu sein. Warum ist die Combo denn so billig?


    Die Wattzahl ist eben auch nicht alles bei den Verstärkern. Qualität hat immer seinen Preis, so ist es auch bei Bassverstärkern. Ich will nicht sagen dass Produkte von Behringer und ähnlichen Herstellern schlecht sind, aber sie sparen eben an ganz bestimmten Komponenten und fertigen z.B. bei Effektgeräten mehr Teile aus Plastik anstatt aus Metall. Dies äußert sich dann darin dass der Verstärker stärker rauscht oder nicht so zuverlässig ist wie qualitativ hochwertigere.
    Wenn hier im Board nach einer qualitativ hochwertigen und proberaumtauglichen Combo für möglichst wenig Geld gefragt wurde wurde lange Zeit der "Warwick Sweet 15" empfohlen, das Nachfolgemodell seht ihr hier.
    Dies würde ich auch als das Minimum ansehen das man mindestens investieren sollte. Eine schon recht gute Übersicht über gute Combos für Anfänger findet ihr hier.

    Hans ist noch unschlüssig, bekommt aber dann zu seinem Geburtstag von seinen Großeltern 200€ geschenkt, die glücklich darüber sind dass "der kleine Hans die Freude am Musizieren entdeckt". Wenn er jetzt all sein Geld zusammenkratzt kommt er auf 600€. Und schon eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten...

    Ab einem Kapital von etwa 600€ gibt es auch schon gute Verstärker/Box-Kombinationen. Der Vorteil hierbei ist, ihr könnt euch euer Traumsetup zusammenstellen und Verstärker und Box miteinander kombinieren.
    Ein willkürliches Beispiel wäre zum Beispiel Amp(Warwick)+Box(Peavey) für knapp 600€. Mit diesem Setup habt ihr schon ordentlich Lautstärke und gute Klangqualität. Die Box trägt wesentlich mehr zum guten Klang des gesamten Setups bei als der Verstärker, deshalb solltet ihr vor allem hier nicht sparen.
    Bei vielen Musikgeschäften gibt es gute Amp-Box-Sets, bei denen ihr Geld sparen könnt, zum Beispiel dieses hier. Nachfragen lohnt sich hier immer, meistens kann man noch etwas raushandeln.

    Zurüch zu Hans. Dieser hat sich schon einige Verstärker und Boxen angeschaut und einige in die engere Auswahl gebracht. Aber wie was noch mit getrennter Vor- und Endstufe??? Hans sucht sich einen günstigen Bass-Preamp und aus der PA-Abteilung eine Lautstärke mit genug Power.

    Mit dieser Herangehensweise kann man sehr laute Setups für wenig Geld realisieren. Beispielsweise die Kombination Preamp(Behringer)+Endstufe(DAP)+Box(Behringer): Der Verstärker liefert hier noch viel mehr Leistung als die Box verkraften kann. Allerdings kann ich persönlich in dieser Preisklasse nur abraten von solch einer Kombination da die Klangqualität deutlich auf der Strecke bleibt. Vor allem der Preamp lässt sehr zu wünschen übrig. Ein Guter kostet schonmal mindestens 200 €, so wie dieser hier zum Beispiel, der auch sehr oft empfohlen wird.
    WICHTIG: Egal in welche Richtung ihr tendiert, wenn ihr euch nicht sicher seid fragt lieber vorher im Forum oder beim Musikhändler nach. Denn solch ein Kauf ist eine große Investition, die euer musikalisches Schaffen midestens genauso beeinflußt wie euren Geldbeutel!

    Bemerkung zu sogenannten "Billiganbietern"
    Es gibt viele Angebote vor Allem bei Musikerequipment, da denkt man ein echtes Schnäppchen machen zu können. Hersteller wie zum Beispiel Behringer bieten in niedrigen Preisklassen unglaubliche Wattzahlen an und eine echte "Röhrensimulation in der Vorstufe" und andere Gründe, warum der Verstärker besonders toll ist. Viele haben hier auch schon zugeschlagen, aber nach ein paar Monaten festgestellt dass die Warwick Combo des besten Kumpels zwar viel weniger Watt hat, aber ungleich besser klingt. Ihr werdet vor allem bei eurem Musikerequipment immer wieder feststellen: Ein gutes Gerär hat immer seinen Preis. Es kann sein dass ihr irgendwo mal 50 € weniger für ein Ausstellungsstück bezahlt oder ihr auf ganz bestimmte Teile der Ausstattung verzichten und so einen etwas billigeren Verstärker auch kaufen könnt. Aber wenn ihr Billigware kauft, kauft ihr definitiv zweimal.
    Außerdem schränkt euch ein billiger Verstärker ein in der Möglichkeit, euer Basspiel und eure Soundvorstellungen zu enwickeln. Billige Bassboxen können manchmal halt nichts anderes als dumpf vor sich hinzudröhnen...
    Falls ihr also nicht sicher seid ob etwas ein echtes Schnäppchen oder Schrott ist, fragt hier im Forum nach.


    4. Leichtbau-Equipment
    Ich hab als erstes über eine Ibanez Soundwave Übungscombo mit 35 Watt gespielt. Klar dass das nicht reicnht für laute Proben. Mein zweites Setup war komplett von Hartke und bestand aus einem Amp und zwei Boxen. An Lautstärke hat es damit nie gemangelt....
    nachdem ich den ganzen Mist ein paar Monate von Zuhause zum Proberaum, zum Studio und zurüch getragen hatte hab ich gemerkt dass ich immer noch nicht zufrieden bin. Erstens hat mir der Klang nicht gefallen, was nicht an der Firma Hartke lag, die machen schon gutes Equipment, nur traf der Sound leider nicht meinen persönlichen Geschmack. Lag wahrscheinlich auch daran dass ich mich vorher nicht gut genug über den Verstärker informiert und Equipment im Musikgeschäft angespielt hatte. Zweitens, und das war noch wichtiger, wog das ganze Zeug zusammen etwa 70 kg und war unglaublich sperrig. Man kann das zwar tragen, ich selbst bin kein halbes Hemd, aber irgendwann denkt man sich "Muss das wirklich sein?".
    Ich bin also auf die Suche nach Alternativen gegangen, hab über gute Beziehungen Karten für die Ausstellertage auf der Musikmesse bekommen und hab dort allerlei Zeug angespielt. dabei hab ich festgestellt: Es gibt Combos mit einem 15 Zoll oder zwei 10 Zoll Lautsprechern, die sind bei weitem laut genug, klingen gut und wiegen gut 20 Kilo. Leichtbau-Boxen haben Lautsprecher deren Magnete aus dem Material Neodym sind. Sie liefern ganauso guten Klang wie normale Lausprecher aber sind kleiner und wiegen ungleich weniger.

    Das ist ein normaler Lautsprecher:
    [​IMG]
    Und das ein Neodymlautsprecher mit identischem Durchmesser:
    [​IMG]

    Der Unterschied ist also sogar sichtbar.
    Bei den Verstärkern wird Gewicht gespart indem man die analogen Schlatkreise teilweise digitalisiert. Ein weiterer Vorteil ist hierbei auch eine geringere Hitzeentwicklung und weniger Platzbedarf. Es gibt jedoch auch viele denen der Klang von solchen Verstärkern nicht so gut gefällt wie der von analogen. Hier muss jeder für sich selbst anspielen und entschieden.
    Ich kann jedem nur nahelegen Leichtbau-Equipment beim Zusammenstellen des Setups auch in Betracht zu ziehen. Ich persönlich habe mich letztendlich für eine Roland D-Bass 210 Combo entschieden und bin seit über einem Jahr glücklich damit (Link zum Review in meiner Signatur).
    Professionelle und auch laute Leichtbaucombos gibt es ab etwa 900 Euro, hier ein paar Beispiele:
    Hughes & Kettner Quantum QC-421
    Roland D-Bass 210
    Markbass CMD-102p
    TecAmp TCS-210
    Natürlich kann man auch einen normalen Verstärker an eine Leichtbaubox anschließen, gute gibt es zum Beispiel von Warwick, Markbass, Hughes&Kettner oder Gallien Krueger.

    Das wars soweit von mir, Kritik und Anregungen sind immer wilkommen!


    [Edit bassterix] - Die ihr hier verfassen könnt: https://www.musiker-board.de/vb/ver...e-ich-die-richtige-fuer-mich.html#post2537576
     
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