Flügel richtig antesten

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BurtaN
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Hey,

da ich mit dem Gedanken spiele einen Flügel zu kaufen würde ich gerne erfahren, wie ihr diese beim Händler anspielt um einen möglichst umfassenden Eindruck vom Instrument zu erlangen. Spielt ihr nur eure Lieblingsstücke oder überprüft ihr auch systematisch den Klang und die Tastatur nach Unregelmäßigkeiten.

Die Instrumente, die ich bis jetzt angetestet hatte (auch ohne wirklich einen Kauf in Erwägung zu ziehen) habe ich alle nur nach "Gefühl" getestet ohne besonders auf irgendetwas zu achten. Da würde ich jetzt aber lieber ein bisschen planvoller rangehen :D

Ich bin gespannt auf eure Antworten!

Beste Grüße
BurtaN
 
Eigenschaft
 
Es ist genau wie beim Autokauf: um die Schwachstellen zu entdecken, muß man vom Fach sein und am besten das Wissen eines Kfz-Mechanikers...sorry, Klavierbauers mitbringen. Jede Herstellerfirma hat ihre Eigenheiten und ihre Probleme, die nur jemand intensiv beurteilen kann, der die Eigenarten der Firmen kennt. Ich kann das als klavierbautechnischer Laie nicht (bin nur Pianist...) und von daher traue ich mir nicht zu, technische Details z.B. der Mechanik zu beurteilen.

Ich war am Kauf bzw. der Auswahl diverser Klaviere und Flügel beteiligt und bin da grundsätzlich mit der Haltung rangegangen, alle Instrumente erst mal nach Klang, Tastaturgefühl, Pedalgefühl, evtl. Nebengeräusche, aber auch mal von innen nach offensichtlichen Mißständen zu durchsuchen. In der Regel findet man aber nichts, wenn man bei einem Händler den Flügeldeckel öffnet, denn dafür sorgt der Händler natürlich (Piano Schmitz, korrekt:)?). Die Sachen, die man nicht sofort sieht, werden einem nach dem Kauf auch höchstens erst ein paar Wochen später auffallen (genauso wie beim Auto...).

Der Preis ist nicht aus den Augen zu lassen. Der Vorbesitzer meines jetzigen Yamaha C-3 hat mich auf offensichtliche Mißstände hingewiesen, hat einen Preisabschlag dementsprechend akzeptiert und alle waren zufrieden. Einen reparaturbedürftigen Flügel zu kaufen ist unter Umständen keine schlechte Wahl.

Harald
 
Dem ist fast nichts mehr hinzuzufügen. Wichtig ist, dass Dir der Klang und das Spielgefühl zusagt. Teste soviele Instrumente wie möglich. Die Qualitätsunterschiede zwischen gleichen Modellen können mitunter sehr unterschiedlich sein. Frag den Verkäufer Löcher in den Bauch. Natürlich wollen die Verkäufer "ihre" Produkte, von denen sie die Vertretung haben an den Mann bringen. Deswegen: Mach einen Zug durch die Geschäfte. Einen Flügel kauft man sich eher nicht so häufig, also nimm Dir viel Zeit. Du hast die Möglichkeit in verschiedenen Geschäften Dir einen Flügel für eine gewisse Zeit reservieren zu lassen. Wenn Du unschlüssig wegen der Mechanik sein solltest, ziehe einen Klavierbauer zu Rate. Oft ist den Geschäften eine Werkstatt angegliedert. Frag einfach. Es gibt auch einen Spielraum was den Klang angeht. Sollte Dir vielleicht ein Instrument super gefallen, der Klang ist Dir aber etwas zu grell, kann man dieses "nachintonieren". D.h. man kann den Klang beeinflussen. Dir steht sowieso eine Garantiestimmung zu, wenn Du Dir einen Flügel beim Händler kaufst. Frage, ob es möglich ist, das Instrument nach Deinen Wünschen zu intonieren.

. In der Regel findet man aber nichts, wenn man bei einem Händler den Flügeldeckel öffnet, denn dafür sorgt der Händler natürlich (Piano Schmitz, korrekt:)?)

Korrekt :great:
 
Dann werde ich mal einen kleinen Rundgang durch die Klavierhäuser des Ruhrgebietes machen :D. Piano Schmitz hat auf jeden Fall schöne Bechstein!
 
Endlich mal noch jemand außer mir, der in die Dinger restlos verliebt ist und für einen guten Bechstein-Monsterflügel alles stehenlassen würde ;)

Evtl. lohnt sich dann für Dich auch noch ein Abstecher nach Köln in den Bechstein-Laden in den Opern-Passagen?
http://www.bechstein-centren.de/ger/__3/koeln
Schon schön, der Laden... :rolleyes:

Michael

Danke für den Tipp! Der Laden wird mit in die Rundreise aufgenommen :D
 
Da ein Flügel sicherlich eine hohe Investition - auch gebraucht - bedeutet, müßte ein Händler ja auch Gewährleistung geben, in einem Berliner Haus gibt es dort auch 5 Jahre Garantie.

Lieferung auch nicht außer Acht lassen, Stimmen, das können auch mehrere Hundert € bedeuten, schwere Teile.

Verzogene Rahmen habe ich auch schon gesehen, Lackschäden, Mechaniken
 
Da ein Flügel sicherlich eine hohe Investition - auch gebraucht - bedeutet, müßte ein Händler ja auch Gewährleistung geben, in einem Berliner Haus gibt es dort auch 5 Jahre Garantie.

Lieferung auch nicht außer Acht lassen, Stimmen, das können auch mehrere Hundert € bedeuten, schwere Teile.

Verzogene Rahmen habe ich auch schon gesehen, Lackschäden, Mechaniken

Du hast schon mal verzogene Rahmen gesehen? Wie sieht das aus :gruebel:

Ich weiß ziemlich genau, dass zumindest bei Piano Schmitz in Essen man eine Garantie über 5 Jahre auf alle neuen und teilweise auch auf die gebrauchten Instrumente bekommt. Die Lieferung erfolgt kostenlos, und man bekommt mindestens eine Garantiestimmung. Bei dieser Stimmung können mit dem betreffenden Klavierbauer eventuell während des Transportes aufgetretene Veränderungen in der Mechanik am Flügel nachreguliert, und Fragen gestellt und natürlich beantwortet werden.
Viele andere Häuser bieten einen ähnlichen Service.
 
Ja, habe ich - bei einem Petrof Flügel, ansonsten recht schön, der Innenrahmen mit den Saiten war gebrochen
 
Ja, habe ich - bei einem Petrof Flügel, ansonsten recht schön, der Innenrahmen mit den Saiten war gebrochen

Du meinst den Gußrahmen. Der kann allerdings brechen, und das ist kaum zu reparieren. Es gibt (alte) Instrumente wo das häufiger aufgrund der Konstruktion auftreten kann, oder es wurde falsch transportiert, oder die Spannungsverhältnisse im Instrument wurden (unsachgemäß) verändert. Aber normalerweise ist der Gußrahmen eine sehr stabile Konstruktion, und bei neuen Instrumenten, habe ich es noch nie erlebt, dass ein Rahmen gebrochen war.

Gruß,

Paul
 
So, ich war jetzt bei einigen Händern (Köln, Altenberge, Münster)

Mein Fazit ist bis jetzt, dass man Händler, die sich nicht 100% um ihre Instrumente kümmern, vergessen kann.

Von den Instrumenten gefiel mir bis jetzt am besten ein Boesendorfer 200 Baujahr 2005. Die Steinways lohnen sich meiner Meinung nach erst ab Modell B. Das Modell A klang im Vergleich dazu recht "dünn" - natürlich immernoch auf hohem Niveau :D.

Ich hatte in Köln viele gebrauchte Yamaha (auch nicht sehr alte) gespielt, die ich alle grausig fand. Erstaunlicherweise sagte mir ein neuer C5 in Münster sehr zu (auch wenn er natürlich nicht an die Topmarken rankam).

Im Moment schwanke ich also eher zwischen einem neuem Yamaha und einem gebrauchtem Steinway/Bösendorfer - wobei Bösendorfer derzeit noch mein Favorit ist.

Von den Händlern hört man natürlich immer wieder interessante Kommentare, zu denen ich gerne eure Meinung hören würde!

So wurde mir gesagt, dass die Bösendorfer Flügel in den letzten 10-20 Jahren stark an Qualität verloren haben, was sich besonders im Laufe ihres Lebens zeigen würden - dass sie also ihren Klang, den sie neu haben nicht halten.
Ähnliches wurde mir zu Yamaha gesagt, die bereits nach ca. 10 Jahren lange nicht mehr so gut klingen würden, wie neue (was erklären würde, warum mir nur ein neuer C6 zusagt). Steinway hingegen würde langfristig gesehen, qualitativ am stabilsten sein bzw. noch besser werden.

Ich bin gespannt auf eure Antworten und danke jetzt schon mal ;)

BurtaN
 
Von den Händlern hört man natürlich immer wieder interessante Kommentare, zu denen ich gerne eure Meinung hören würde!

So wurde mir gesagt, dass die Bösendorfer Flügel in den letzten 10-20 Jahren stark an Qualität verloren haben, was sich besonders im Laufe ihres Lebens zeigen würden - dass sie also ihren Klang, den sie neu haben nicht halten.
Ähnliches wurde mir zu Yamaha gesagt, die bereits nach ca. 10 Jahren lange nicht mehr so gut klingen würden, wie neue (was erklären würde, warum mir nur ein neuer C6 zusagt). Steinway hingegen würde langfristig gesehen, qualitativ am stabilsten sein bzw. noch besser werden.

Tja, ich hatte es oben schon angedeutet. Zum einen haben die Händler natürlich das Interesse "ihre" Marke an den Mann zu bringen. Was ja auch ansich in Ordnung ist. Zum anderen "übertreibt" der eine oder ander Händler etwas mit dem "ins schlechte Licht stellen" anderer Fabrikate. Das ist oft mehr als ärgerlich, weil der Händler oft verkennt, dass der Kunde nicht dumm ist, und selbst 1+1 zusammenzählen kann.
Aussagen wie "nach 10 Jahren nicht gut klingen", "stark an Qualität verloren", etc sagen rein gar nichts aus! Flügel (fast alle Instrumente) verändern über die Jahre ihren Klang. Wie man diesen Klang dann empfindet, ist eine rein subjektive Wahrnehmung. Es gibt nicht den Flügelklang (von der E-Pianofraktion immer gern als Referenz herangezogen). In der Philharmonie Essen stehen 3 Steinway D Flügel, alle unterschiedlich. Welcher von denen hat diesen einen Klang?
Die Gründe dafür, dass sich der Klang verändert sind vielfältig. Zum einen spielen sich die Hammerköpfe ein, Der Boden hat sich nach einiger Zeit "eingeschwungen", (was von vielen als Klangverbesserung empfunden wird), das Obertonverhalten des Saitenbezugs ändert sich mit der Zeit.
Oft lässt sich zudem die Mechanik "flüssiger" spielen. Dabei geht aber häufig die sehr direkte Ansprache, wie es bei einer neuen Mechanik der Fall ist, verloren. Wie man das alles empfindet, muss jeder für sich entscheiden.

Was das Nachlassen der Fertigungsqualität angeht kann man sicherlich sagen, dass die Wirtschaftskrise nicht spurlos an der Klavierindustrie vorübergegenagen ist. Ibach und Schimmel sind insolvent, und auch den ganz großen Herstellern geht es nicht grade blendend. Die Konkurerrenz aus Fernost ist groß und teilweise richtig gut. Also wird gespart wo es nur geht. Das ist nun kein großes Geheimnis. ABER! Das gilt für alle Hersteller. Sich jetzt nur einen davon herauszupicken ist schon fast dreist.

Was Bösendorfer angeht, so steht ein Imperial in der Folkwang Musikhochschule Essen in der Neuen Aula, ein etwas kleinerer im Kammermusiksaal. Es finden dort regelmäßig Konzerte statt. Urteile selbst. Ist ja bei Dir umme Ecke ;)
In der neuen Aula stehen übrigens auch noch eine Steinway D und eine Bechstein D Flügel. Alles hervorragende Instrumente, die von jedem Pianisten unterschiedlich bewertet und wahrgenommen werden.

Wichtig ist, dass Du Dich (unabhängig von dem was im Deckel steht) auf dem Instrument wohlfühlst. Setz Dich davor, und stell Dir die Frage: Macht mich das Ding da an? Hab ich Lust darauf zu spielen, wenn ich das Instrument nur sehe?

Und wenn Du jetzt noch unsicher bist. Mach noch ´ne Runde. Ist bestimmt interessant, was Dir die Verkäufer dann erzählen ;)

Gruß,

Paul
 
Pauls Kommentar klingt für mich plausibel, und ich wüßte ihm (zumal ich kein Klavierbauer bin) wenig hinzuzufügen.

So, ich war jetzt bei einigen Händern (Köln, Altenberge, Münster)

Warst Du in Köln auch bei Bechsteins? ;) Wie haben die abgeschnitten?

Mein Fazit ist bis jetzt, dass man Händler, die sich nicht 100% um ihre Instrumente kümmern, vergessen kann.

In Anbetracht dessen, daß Du ja tatsächlich richtig zuschlagen willst: Evtl. solltest Du in die von Paul empfohlene zweite Runde noch ein paar Läden/Städte mehr einbeziehen...? Bei fünfstelligen Investitionen kommt's ja evtl. auf ein bißchen mehr Fahrerei auch nicht mehr an. Berlin ist zwar eine charme-freie stadt, aber zum Flügelkaufen würde ich selbst dorthin gerne fahren. Oder Hamburg... München...?

Denn irgendwie las es sich bei Dir so, als ob der richtige Kracher:great:, von dem man gar nicht mehr die Finger lassen will, noch nicht dabei war... :gruebel:
Und wenn man einen Flügel kauft, sollte es doch eigentlich schon so einer sein, oder?

Im Moment schwanke ich also eher zwischen einem neuem Yamaha und einem gebrauchtem Steinway/Bösendorfer - wobei Bösendorfer derzeit noch mein Favorit ist.
[...]
So wurde mir gesagt, dass die Bösendorfer Flügel in den letzten 10-20 Jahren stark an Qualität verloren haben, was sich besonders im Laufe ihres Lebens zeigen würden - dass sie also ihren Klang, den sie neu haben nicht halten.

Da läääge ja eigentlich der Gedanke nahe, "einfach" solange zu suchen, bis man einen mindestens 20 Jahre alten Bösendörfer findet, oder...?

Mich erinnert das an das, was ich nebulöserweise vom Kauf von Kontrabässen gehört habe - auch analog dazu, was das von Paul beschriebene Einschwingen des Resonanzbodens angeht: Nicht umsonst spielen viele Bassisten auch im Jazz uralte Bässe. Der bekannte Baßbauer Heiner Windelband hat mir das mal am Beispiel edler Massivholzbässe erläutert: Mit der Zeit (wenn der Baß halt gepflegt gespielt wird) verändert sich was im Holz (ich weiß bloß nicht mehr genau, was... aber es klang einleuchtend ;) )

Warum also nicht einen betagten, aber tiptop überholten Flügel?

Michael
 
Hi.

Da fällt mir noch was ein:

Eine Bekannte von mir hatte ihrerzeit Probleme das Klavier eine Treppe hoch, und dann
um eine Ecke, in ein Zimmer zu bekommen. Das ging erst als der Türrahmen ausgebaut
worden war. Da haben 2 cm gefehlt. Der Türrahmen ist beim Ausbau kaputt gegangen
und es war ein Chaos einen Türrahmen zu bekommen der Holz und farbmäßig
zu der Türe und den übrigen Rahmen einigermaßen gepasst hat.
Man sollte vielleicht vor dem Kauf den Transpurteur genau ausmessen lassen.


Gruß Albrecht
 
Beim letzten Flügelkauf, bei dem ich dabei war (ich selber hab leider keinen) war es so, dass die Kundin selbst und ich auf verschiedenen Flügeln in unterschiedlichen Häusern gespielt hatten. Langsam hat sich für sie dann ein Bechstein heraus kristallisiert, was dann darin endete, dass der Händler angeboten hat, das von ihr favorisierte Instrument erst mal zu blocken. Dann sind wir zu Bechstein gefahren und haben dort fabrikneue Instrumente getestet. Der Favorit von der Fabrik wurde zum Händler geliefert und dort noch mal 1:1 mit dem vorrätigen, geblockten Modell verglichen. Danach hat sie dann den 'frischen' gekauft, incl. Transport, zwei Garantiestimmungen und einer Neuintonation nach einem Jahr. Das ist jetzt drei Jahre her.

Je nach dem, wie du ein Instrument empfindest und weil du es ja auch lange spielen willst, lohnt sich auch mal ein Besuch bei Steinway, Bechstein und Blüthner (die seltsamer weise recht selten genannt werden und trotzdem sehr gute Flügel bauen!), evtl. auch bei Bösendörfer. Ich habe die entsprechenden Hersteller immer als sehr zuvorkommend erlebt, auch wenn es 'Kleinkunden' waren, immerhin will man dort ja ein Instrument, das den Gegenwert eines Kleinwagens bzw. einer Wohnung haben kann, an einen glücklichen Pianisten bringen!

Grüsse vom HammondToby
 

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