Frage zu den Kirchentonleitern

von Brut, 11.09.07.

  1. Brut

    Brut Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.09.07   #1
    Guten Tag,

    ich besuche einen Musik GK in der Sekundarstufe II und muss bis morgen folgende Frage beantwortet haben:

    Warum wurden die Kirchentonleitern mehrere Jahrhunderte lang nicht verwendet?
     
  2. metallissimus

    metallissimus Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 11.09.07   #2
    Und da denkst du, du schiebst den schwarzen Peter einfach mal weiter, und lässt dir die Antwort von jemand anderm servieren?
     
  3. Brut

    Brut Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.09.07   #3
    Wenn ich vorher nirgendwo eine Antwort gefunden habe...
     
  4. Orgeltier

    Orgeltier Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.09.07   #4
    die sind einfach so abgehaun ;-)

    nee... ehrlich... ich hab keine ahnung... kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die ueberhaupt mal nicht wichtig waren. vor allem in gregoreanische geseange (die von den moenchen) bestehen aus modi. und die hats immer gegeben...

    wenn du aber irgendwie ne bessere antwort weißt lasse ich mich gerne belehren...
     
  5. Amad3us

    Amad3us Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #5
    Hat hier vielleicht jemand doch eine plausible Erklärung finden können?
    Mich würde das wirklich mal interessieren.
    Vorallem müsste man hier mal differenzieren.
    Dur- und Moll- wurden auf jeden Fall IMMER benutzt....und das sind ja so gesehen auch Kirchentonleiten (= Ionisch & aeolisch)...vielleicht war der Klang einiger der Kirchentonleitern verpöhnt und wurde deshalb nicht verwendet?

    Gute Frage....;)

    LG Amadeus
     
  6. Hans_3

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    Erstellt: 21.09.07   #6
    Ich kann's jetzt auch nicht haarscharf erklären, aber das hat irgendwas mit dem Entstehen der Mehrstimmigkeit in der Frührenaissance zu tun. Bis dahin gab es nur einstimmige Musik. Da hat dann man eben einen Gesang in phrygisch oder dorisch gemacht. Und der klang dann auch durchgängig so.

    Durch die Entwicklung der Mehrstimmigkeit entstanden harmonische Beziehungen und Zusammenklänge, die den typischen (modalen) Klang einer monophonen Kirchentonleiter sozusagen aufgelöst haben. Spätestens im Barock aufgrund seiner weit entwickelten Mehrstimmigkeit hat dann die bekannte Dur/Moll-Harmonik den rein modalen Gebrauch von Leitern unmöglich gemacht.

    Einfaches Beispiel: Wenn ich über C, F und G(7) eine Leiter suche, welche die in den Akkorden enthaltenen Töne abdeckt, kann ich eben nur die C-Dur-Leiter nehmen. Zwar ergibt sich dann zwangsläufig über F lydisch und über G mixolydisch, was jedoch nichts am "Dur"-Charakter ändert. "Alle meine Entchen" oder ein Blues ist eben kein modales Stück. Ein 5-Minuten Impro in dorisch über den Akkord d-Moll hingegen schon.

    Zwar haben Komponisten dann immer mal wieder auf die übrigen Modes zurückgegriffen, indem z.B. eine Moll-Komposition über mehrere Takte ohne Akkordwechsel die dorische Sexte enthält.

    Wann "echte" Modalität in die "Klassik" des 20. Jhdts. zurückgekehrt ist, weiß ich jetzt auch nicht. Im außerklassischen Bereich hat Ende der 1950er Jahre Miles Davis die Modalität sozusagen für die Neuzeit neu erfunden. Zwar gibt es auch dort Harmonien, die jedoch aufgrund ihrer Erweiterungen recht mehrdeutig sind und "nur" um ein "tonales Zentrum" herum kreisen. Ganz primitives Beispiel: Wenn der Bassist nur auf dem Ton E rumspielt, habe ich die freie Auswahl von 21 Modes, symmetrischen Skalen bzw. jedweder Skala der Welt inkklusive völlig freier Tonwahl. Das E kann dann Grundton sein von Durleiter, Grundton von dorisch, Grundton von mixolydisch#11, Grundton von superlokrisch, Grundton einer Ganzton- oder Halbton-Ganztonleiter oder was auch immer.

    Lesenswert dazu:

    http://209.85.135.104/search?q=cach...hentonarten+polyphon&hl=de&ct=clnk&cd=7&gl=de
     
  7. Julian Urabl

    Julian Urabl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.09.07   #7
    ach nein? dann begleit mal alle meine entchen nur mit C - spätestens beim A sollte dir was auffallen ;)
    und ein blues erst recht - der stammt ja aus einer ganz anderen ecke; bevor, wie du richtig gesagt hast, in den 50ern das modell der verschiedenen modi wieder aufgetaucht ist, hat man eben arpeggios der jeweiligen chords gespielt (siehe "blowing the changes").
    das hat aber nichts mit der zwischenzeit zu tun, nach der die frage wohl ausgerichtet ist - da geht es schließlich um das modell dur/moll in das sich sehr viel der in der damaligen zeit entstandene musik einordnen lässt.

    auf die eigentliche frage kann ich bisweilen nur das stichwort "hörgewohnheit" liefern, vielleicht hilft das weiter - eine wirkliche erklärung ists freilich nicht
     
  8. remarque

    remarque Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.10.07   #8
    Wenn dein Lehrer die Zeit zwischen 1600 und 1900 meinen sollte, hat er Recht.
    Denn in diesen 300 Jahren dominierte eindeutig die Dur-Moll-Tonalität und die "echten" Kirchentonarten wie Dorisch, Lydisch, Phrygisch usw. wurden eindeutig zurückgedrängt - sogar Bach hat kirchentonale Merlodien auf Dur oder Moll "umgebogen".
    Der Grund? Nun, nur Dur und Moll erfüllten - und erfüllen noch heute - die grundbedinmgungen der kadenzharmonik, nachzulesen in jeder Harmonielhere, z. B. Thomas Krämers "Harmonielehre im Selbststudium".
    Alles klar?
    E-M-Remarque
     
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