Fragen zur Bundabrichtung für einen Neuling

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Harvester Of Sorrow

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Hi,
ich habe nun den nächsten Schritt gewagt und mich an die Bundabrichtung einer E-Gitarre* gewagt. Für die ersten Gehversuche habe ich eine Schrott-NoName-Strat und eine Squier Affinity Strat für wenig Geld besorgt. Vorgehensweise sollte wie folgt sein:

1. An der Schrott-Strat überhaupt das Gefühl für die Abrichtung der Bünde zu bekommen, mich an Bewegungen und Werkzeuge gewöhnen
- Der Hals ist ganz leicht verzogen, habe beim Begradigen den Mittelmaß gefunden, für die ersten Gehversuche reicht's.
- Die Bünde waren im katasrophalen Zustand - grünlich-braun patiniert, einige sitzen nicht komplett im Schlitz (ich habe sie etwas hineindrücken können, aber nicht zu 100%). Der Tang an den Bundenden wurde stark abgeknipst vorm Einbau, dadurch waren die Bunenden leicht hervorstehend und scharfkantig.
- Der Plan ist also, an den Schrottbünden üben, danach neu bundieren (Bünde habe ich die billigen besorgt, ebenfalls für den Lernprozess) [aktuell bin ich an dieser Stelle] und neue Bünde abrichten

2. Bundabrichtung an der Squier Affinity. Die Gitarre ist in sehr gutem absolut spielbaren Zustand. Sie soll mir als Testgitarre für Wartung und Pickupkonfigurationen dienen, wenn ich sie bei der Bundabrichtung kaputt mache, wird es keine Tragödie werden.
3. Bundabrichtung an der neuen Squier Debut Stratocaster. Diese Gitarre ist verdammt gut, sie soll als erste nach den neuen Gehversuchen noch besser bespielbar gemacht werden. Ich möchte sie danach tunen.
4. Ab dann will ich mich an meine wichtigen Gitarren wagen, wenn ich bis dahin mich sicher beim Bundabrichten fühle.

Ich habe keine zwei linken Hände, Grundkenntnisse im Umgang mit Holz und das Verstehen, wie die einzelnen E-Gitarrenbautele miteinander funktionieren, verrenne mich aber manchmal in Details und zerbreche mir manchmal den Kopf, wo es unnötig wäre :-D

Als Werkzeug habe ich mir folgende Ausstattung zusammengestellt:
- MusicNomad Fret Leveler 45cm (mit passendem Sandpapier)
- MusicNomad Dual Notched Straight Beam
- Fret Rocker
- Bundfeilen: 1. Aliexpress mit gehauenem Hieb, 2. Aliexpress Baroque mit Diamantbeschichtung für alle Radien und einer flachen Seite, 2. Rall Guitars mit 300 und 150 Diamantbeschichtung je Seite
- Bundendfeilen von Aliexpres mit unterschiedlichen Winkeln und eine feine Rall Guitars Dreieckfeile

--- Kurzer Einschub zu den einzelnen Werkzeugen ---

- MN Fret Leveler: bin sehr angetan, wie gut es arbeitet. Ich musste seeeehr lange die Schrottbünde schleifen, habe nur die 240er Körnung genutzt. Sie wurde sehr schnell sehr fein, sodass sie mit dem Finger sich feiner anfühlte, als die noch ungenutzte 400er Körnung auf der anderen Seite. Und trotzdem trägt sie gut das Bundmaterial ab, das sieht man an der vielen Metallspäne. Für mich unerklärbar, wie das geht, wenn sie so fein ist, aber es funktioniert. Das Werkzeug liegt gut in der Hand und kippelt nicht.
- Aliexpress Noname Feile: mit ihr habe ich die ersten Bünde abgerichtet. Sie trägt nicht viel ab, so musste man bei den Schrottbünden ordentlich feilen, aber mit ihr kann man sehr gut arbeiten.
- Baroque Feile: mit ihr habe ich dann weitere zwei Bünde gefeilt. Ich musste auch hier viel Feilen. Doch was schlimm ist, weil die Feilrillen nicht tief sind, rutscht man immer wieder ab und sie liegt beim Feilen auch nicht stabil genug in der Hand. Ich würde von dieser Feile abraten.
- Rall Guitars Feile: da geht die Sonne auf! Die 150er Diamantkörnung frisst sich durch das Bundmaterial wie durch Butter, da muss man sehr aufpassen, aber mit wenigen Durchgängen kommt man zu einer fast feinen Krone. Die Feile umdrehen und mir der 400er Körnung nur noch verfeinern. Die Feile macht unheimlich viel Spaß, liegt stabil in der Hand und ist ihr Geld absolut wert. Apropo Wert: ich habe mehrere Gitarren, bei denen ich nach und nach Bünde abrichten will, daher lohnt sich diese Anschaffung aus meiner Sicht. Hätte ich nur eine-zwei Gitarren, würde ich wohl die Aliexpress Noname Feile als absolut ausreichend sehen.
- Mit den beiden Klotz-Winkelfeilen habe ich nur ein bisschen ausprobiert und bin auf deren Einsatz nach Neubundierung gespannt. Ich kann aber noch nicht richtig einschätzen ob Hot oder Schrott. Die dunkelbraune hat nur an einer Seite Radius, aber an der Seite, wo 35er Radius leider nicht. Dadurch kippelt sie etwas auf den Bünden. Sie hat aber eine feinere Feile, die man auch unkompliziert ersetzen kann. Die hellbraune hat zwei verklebte gröbere Feilen, an beiden Seiten den Radius, sitzt gut auf den Bünden auf. Aber der 90er Winkel scheint nicht an der Seitenkante gemessen zu sein, sondern an der Radiuskant, wodurch er quasi mit seiner unteren Kante nach innen feilt. Das kann ich nicht nachvollziehen, denn dann feile ich schon ins Holz. Schöner wären die 3 Grad, die sind aber nur beim dunkelbraunen Klotz. Beim Muspor Klotz sind die Feilen geklebt, kann sie also nicht gegen feinere austauschen ohne das Holz abzubrechen. Hier bin ich noch etwas planlos wie ich es am besten machen sollte. Die Squier Debut hat etwas schärfere Bundenden, ich wollte mit den Klotzen diese bequem und schnell anschleifen, werde aber wohl die kleine Rall Guitars Dreieckfele nehmen und jeden einzelnen Bund bearbeiten.

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--- Einschub Ende ---

Kommen wir zum Schrotthals zurück. Die Mitte (Ebene im Bereich der D und G Saiten) war mit dem Fret Leveler am schnellsten geebnet, im Bereich der hohen E-Saite musste ich wegen 2-3 Bünden etwas länger schleifen bis es plan war. Doch im Bereich der tiefen E-Saite hat es seeeehr lange gedauert, bis auch beim letzten Bund die Edding-Markierung durchgebrochen war. Natürlich haber ich bis zuletzt andere Ebenen mitgeschliffen, damit der 10er Griffbrettradius möglichst erhalten bleibt. Aber retten konnte ich ihn nicht. So sind insbesondere die Bünde der tiefen E-Ebene an beiden Griffbrettenden extrem runtergeschliffen. Ich dachte, dass am Bunddraht nicht genug Fleisch dran wäre, um noch eine feine Krone zu erzielen. Doch dann war ich sehr erstaunt, dass es doch noch möglich war.

Mir ist bewusst, dass leicht krummer Hals mit teilweise nicht am Anschlag versenkten Bünden keine gute Basis für Bundabrichtung ist. aber vielleicht habt ihr ein Paar Tipps und Erfahrungswerte:

- wenn Mal ein Bund beim Leveling sehr lange nicht vom Fret Leveler berührt wird, wie könnte man diesen ebnen, ohne die anderen Bünde zu sehr runterschleifen zu müssen? Würde ich ihn einzeln mit z.B. StewMac Fret Kisser bearbeiten, so würde dann aber keine durchgehende Linie über alle Bünde hinweg erhalten bleiben. Oder denke ich falsch?
- Klar, beim Leveling das Werkzeug nicht nur parallel zum Saitenverlauf bewegen, sondern auch quer. Und immer wieder verschieben, nie an einer Stelle stehen bleiben, so erhält man die Radiusform am besten. Noch besser wäre wohl ein langer Schleifklotz mit richtigem Radius. Habt ihr hier ein Paar Tipps, wie ihr das macht? Noch den Schleifklotz zuzulegen würde ich ungern. Habe Gitarren mit verschiedenen Radien, dann müsste ich wieder ein Set holen. Wielleicht hat der eine oder der andere wertvolle Erfahrungstipps und Tricks.


Anbei ein Paar Bilder. Es ist nicht perfekt geworden, eine feine gleichmäßige Eddinglinie auf der Bundkrone will geübt werden, aber ich bin zuversichtlich. Die Hand muss die richtigen Feilbewegungen noch erlernen und speichern. Und hier komme ich zu einem weiteren Vorteil der Rall Guitars Feile: die Kanten sind nämlich nicht gerade, sondern gewölbt. Deswegen kann man die Hand fast schon in gleicher Haltung bewegen und der Bund wird auf der gesamten Fläche gefeilt. Bei geraden Feilen muss man die neigung des Handgelenks mehr verstellen, um dem Radius "nachzugehen".

Ich hätte auch den Text auf Fragen reduzieren können, um euch den Roman zu ersparen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Infos auch für andere interessant sein könnten, die sich noch nicht an Bundabrichtung trauen. Und ja, ich muss mir noch etwas besseres zum Halseinspannen überlegen :-P.

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Wenn ich mich nicht täusche ist das diagonale Ansetzen des Fret-Levelers nicht ratsam, weil der dann tendenziell nur punktweise aufliegt. So als würde man ein Lineal entlang eines Zylinders nicht in Längsrichtung des Zylinders auflegen.

Ich hab' bei einer Optimierung eines eigentlich noch ziemlich guten Griffbretts immer in Längsrichtung des Halses gearbeitet und dabei sozusagen von links nach rechts entlang der Halskrümmung. Also so ungefähr links den ganzen Hals lang, dann etwas weiter rechts den ganzen Hals lang, dann noch etwas weiter rechts den ganzen Hals lang etc. Dabei habe ich geschaut, an welchen Stellen noch nicht alle Markierungen angefressen waren. In dem Bereich dann nochmal, aber immer den ganzen Hals entlang. Der Rest ist wahrscheinlich Intuition, die Du ja hast:

Ich habe ... das Verstehen, wie die einzelnen E-Gitarrenbautele miteinander funktionieren ...

Also wie läuft die Saite über den Hals und die Brücke im Vergleich zu dem Halsradius und den Bünden. Wenn's an einer Stelle mehr sein muss, dann halt links und rechts daneben (jeweils über die gesamte Halslänge) auch noch etwas, damit es insgesamt wieder ein durchgängiger Halsradius wird.

Bei einer eher Bastelgitarre habe ich mir mal selbst einen Schleifklotz gebaut, um den Halsradius zu verändern. Mal so gesagt, die Gitarre war hinterher weniger schlecht als vorher. :dizzy: Sowas würde ich bei einem richtigen Instrument(!) nur unter fachmännischer Anleitung machen. Beziehungsweise dann vielleicht doch per PLEK-Maschine und auf der Basis dann selbst manuell nochmal optimieren. Fühlt sich irgendwie anders an (tatsächlich oder eingebildet, egal) wenn ein paar Stunden Handarbeit in das Griffbrett und die Bünde geflossen sind.
 
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  • #3
Ich glaube es gibt ein kleines Mißverständniß. Also ich habe den Fret Leveler abwechselnd nur parallel zur Griffbrettrichtung und parallel zu den Bünden bewegt. Also nicht über Kreuz oder irgendwie anders. Es gam Mal eine Zeichnung mit den Pfeilen, aber die finde ich gerade nicht. Ich glaube beim Compound Radius arbeitet man zusätzlich noch so, dass während man am Sattel die position des Leveler-Endes nur minimal verschiebt, am Halsfuß dann aber das Leveler-Ende mehr von einer Griffbrettkante zur anderen bewegt. Also nicht in X -Form kreuz und quer, sondern vielmehr in V-Form. Man schleift dabei aber parappel zur Halsrichtung. Dazu habe ich auch mal ein Video gesehen. Compound Griffbretter habe ich auch, aber da müsste ich etwas mehr recherchieren.
 
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  • #4
Ich habe nun nachdem ich alle Bünde mit Bundfeile bearbeitet habe, beschlossen, dasselbe nochmal durchzuspielen, bevor die Bünde in den Mülleimer wandern. Meine Erwartung war, dass beim zweiten Durchgang nur noch wenig mitm Fret Leveler zu tun wäre. Also mitm Fret Leveler drüber, ging diesmal sehr schnell, biss alle Markierungen durchbrochen waren. Dann bis zum 12. Bund mit der Rall Feile, ab 13. Bund mit der Aliexpress (ohne Diamanten). Meine Hände und Gelenke gewöhnen sich scheinbar an die richtigen Feilbewegungen, mit dem zweiten Ergebnis bin ich zufrieden.

Dabei macht die Qualität der Feile doch den entscheidenden Unterschied. Mit der Rall war der Schliff diesmal gleichmäßiger, dank der gewölbten Feilkante konnte ich besser an einzelnen Spots nachfeilen. Noch präziser wäre dann nur noch die Feile mitm kleineren Radius, wie die hier. Die Ali-Feile war dagegen eine Katastrophe. Ein Profi hätte sicherlich auch mit ihr bessere Ergebnisse erzielt, für einen Anfänger würde ich sie aber nicht empfehlen. Eine ähnlichs von Hosco könnte vielleicht besser sein, die habe ich aber nicht. Die Ali-Feile trägt absolut ungleichmäßig ab, man muss viel öfter drübergehen, weil der Abtrag auch geringer ist. Dazu scheint der Schleifstaub sich zwischen den Rillen abzusetzen und hässliche Diagonalrillen zu hinterlassen (13. Bund neben Schraubenbit). Als nächstes werde ich noch das Polieren der Bünde üben und dann kommt das Altmetall raus.

Bild 1 und 2 mit Rall Feile. Bei den ersten beiden Bünden habe ich es nun kennengelernt, was heißt "Nee, muss neu bundiert werden" Da kam ich unten an das Griffbrett mit den Kanten der Feile, daher auch die dickeren Linien.
Bild 3: Links vom Bit Rall, rechts Ali

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