Gebrauchter Klavierkauf

von SlimSelim, 09.09.07.

  1. SlimSelim

    SlimSelim Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.07   #1
    Moin Moin...

    ich bin student in Ungarn und wollte nach einer Langjährigen Pause wieder anfangen Klavier zu spielen...

    Durch zufall habe ich einen Klavierbauer getroffen der gebrauchte Pianos zu verkaufen hat...

    Unter anderem auch eines für 250 Euro... Ich kann mir schon denken das es sich nur um Schrott handeln kann, möchte mir das ding trotz alledem ansehen.

    Könnt ihr mir sagen worauf ich beim kauf achten soll?

    vielen Dank im voraus

    Miles
     
  2. Classican

    Classican Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.07   #2
    Wenn du mit Klaviren allgemein schon erfahrung hast,gibt es nicht mehr allzuviel zu sagen:
    -Wie spielt es sich(Anschlag,Wiederstand)
    -Der Klang natürlich(Bass zu Diskant..)
    -Auf materieller Ebene:Mechanik,bisherige Wartung...
    -Und das wichtigste:dein Gefühl:)
    Lass dich, wenn du dem Verkäufer nicht vertraust nicht Beeinflussen.;)
    Und zuletzt,kauf auf hinsicht auf den Preis ein gebrauchtes,das Baujahr sagt nur wenig aus.
     
  3. Petz

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    Erstellt: 09.09.07   #3
    Hallo Miles !

    Grundsätzlich sei voreingenommen wenn das Klavier nicht annähernd auf Kammertonhöhe gestimmt oder total verstimmt sein sollte und achte auf Klapper - oder Scheppergeräusche beim Anspielen und versuche die Ursache dafür zu finden.

    "Tüv - Liste":

    1) Zuerst prüfe mal alles optische von außen, vor allem an der Rückseite den Resonanzboden und die Raste (rückwärtiger Holzrahmen bzw. Streben) auf eventuelle Risse und den Deckel oben auf eventuelle Wasserspuren.

    2) Dann entferne alle Frontabdeckungen und checke den Gußrahmen genau auf Risse oder Brüche. Besonders wichtig wäre das der Gußrahmen konstruktiv auch den Stimmwirbelbereich mit abdeckt und nicht etwa nur ein Blech über den Stimmwirbeln angebracht ist denn dies wäre dann kein Vollpanzerrahmen und solche Instrumente haben meist keine brauchbare Stimmhaltung.

    3) Wenn der Klavierhändler nen Stimmschlüssel hat (sollte er eigentlich) prüfe stichprobenartig in jedem Bereich ob die Wirbel einen ausreichenden Widerstand gegen Verstimmen nach unten leisten.

    4) Schau Dir den Steg genau an, der sollte keine Risse aufweisen, die Verleimung mit dem Resonanzboden sollte auch einwandfrei sein; die Stegstifte dürfen nicht gelockert sein.

    5) Saiten maximal kleine Anrostungen die mit dem Fingernagel wegzukratzen sind, versuche außerdem paar Bassaiten am Umwicklungsende leicht zu verdrehen - das Gespinst muß fest auf dem Stahlkern sitzen sonst scheppert es beim Anschlagen.

    6) Dann alle Tasten auf einwandfreie Anschlagfunktion, Rückholung und Saitendämpfung testen. Bei der Mechanik selbst nachsehen ob Hämmer und Dämpfer Seitenspiel haben (mit einem aufgelegten Finger leicht nach beiden Seiten wackeln) und die Hammerfilze ansehen ob sie nicht beginnen sich vom Holzkern abzulösen.

    7) Zum Schluß checkst du noch die Pedale auf Funktion.

    Sei ruhig genau denn auch für 250,- muß man ne Zeitlang arbeiten und Du hast nichts davon dann ne Schrottkiste zuhause stehen zu haben. Toleriere von den angegeben Punkten nur das was Du oder Bekannte eventuell selbst instandsetzen können.

    Viel Glück und ich hoff auf einen Bericht von Dir hier....:)
     
  4. SlimSelim

    SlimSelim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.07   #4
    Hi Classican, Hallo Petz...

    zuerst vielen lieben Dank eure Beiträge die sind mir eine große Hilfe...

    Ich habe mir vorhin das Klavier angesehen... Was mir der Verkäufer verschwiegen hat war, dass es sich nicht um eine Klavier / Piano sondern einen kleinen Flügel handelt...

    Hier ein paar sachen die ich herausfinden konnte...

    das Instrument soll etwa 100 Jahre alt sein und In Wien gebaut worden. Es steht im momment hier im Konzertsahl (Backstage) und war nicht zusammengebaut als ich dort ankahm.

    An den Namen des Klavierbauers kann ich mich nicht mehr errinnern irgendwass mit A. P....sch

    Der Verkäufer selber Musiker und Klavierbauer bzw Reparatör hat es dann mit mir montiert..

    3 Beine aus Holz mit Holzgewinde zum anschrauben

    Die Tastatur lag ebenfalls neben dem Piano und wurde einfach sammt mechanik eingeschoben..

    Der Corpus ist komplett aus Holz..

    Die Saiten scheinen ok..

    Tasten dem Alterentsprechend nicht mehr weiß und an 2 tasten kaput (was mich jetzt nicht sonderlich stört). Der Korpus ist schwarz lakiert und schon ganz schön runter..

    Risse konte ich nicht finden

    Die Filzaufzüge der hämmerchen sind denke ich noch original (sprich 100 Jahre alt )

    Das klavier Klang dumpf und verstimmt... wobei ich es mir bei dem Alter schlimmer vorgestellt habe...

    Das Angebot war jetzt folgendes:

    - Das Piano wird vollständig instand gesetzt (mechanik pedale hämmerchen - nicht der filz) so das es spielbar ist

    - Gestimmt

    - und Transportiert für 20 Euro in meine Wohnung


    Ich kann auch das klavier mieten und zwar für 8 Euro im Monat was ich eigentlich cool finde.. wenn ich zufrieden bin kann ich es ja nach einem Jahr kaufen..

    Meint ihr ich kann es selber mit einem Sprinter oder so nach Köln fahren wenn ich beim ein und ausladen hilfe bekomme? Oder geht es dabei kaput?


    Zu punkt 2) -> gibt es bei komplett holzflügeln einen gußrahmen?

    Zu punkt 3) -> Wirbel einen ausreichenden Widerstand gegen Verstimmen nach unten leisten? Was ist damit gemeint? Was die Wirbel sind weiß ich aber das mit dem verstimmen...


    grüße

    Miles
     
  5. Petz

    Petz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.09.07   #5

    Hallo Miles !

    Holzgewindebeine sind bei den alten Flügeln Standard, den schubladenartige Einschub von Mechanik und Tastatur gibts bis heute und ist nebenbei fein für irgendwelche Reparaturen an der Mechanik.
    Bei nem Flügel dieses Alters solltest Du drauf achten ob die Hämmer zur Klavierfront oder zum Klavierende zeigen denn wenn ersteres der Fall sein sollte und auf den Hämmern über dem Filz noch ein Lederstreifen gezogen ist hat er eine Wiener Mechanik (Prellmechanik) die für kompliziertere Stücke ungeeignet ist (Schimpfwort "Walzerklavier" unter den Klassikpianisten).

    Aufgrund des Alters und der Vergilbtheit hat der Flügel mit Sicherheit noch ne Elfenbeintastatur, ist aber auf alle Fälle besser als alles was später aus Kunststoff wegen des Elefantenschutzes nachgebaut wurde. Zwei Elfenbeinplättchen solltest du unter Umständen von nem Klavierbauer auch bekommen wenn einer grade mal einen Oldtimer geschlachtet hat - vielleicht liegen die sogar noch in der Gegend unter den Tasten auf dem Tastaturboden drin wenn sie sich gelöst haben.

    Alter der Hammerbefilzung ist eigentlich kein Thema solange die Filze sich nicht ablösen; wenn der Flügel schon relativ dumpf klingt würde sich das mit einer Neubefilzung eher verschlechtern weil die alten Filze durchs Spielen eher härter als neue sind.


    Zu 2) Jeder brauchbare Flügel hat einen Gußrahmen und nicht nur paar Gußstreben wie bei einigen älteren Modellen und vor allem muß dieser auch die Stimmwirbel vollständig abdecken sonst kannst Du ihn faktisch vergessen, sprich die Stimmwirbel müssen durch die Gußplatte rauskommen und nicht durch eine eventuelle Blechabdeckung.

    Die gekennzeichneten Bereiche im Bild muß der Rahmen abdecken.

    [​IMG]

    Zu 3) Wenn das Klavier dann gestimmt ist holst Du Dir den Stimmschlüssel und probierst verteilt über die ganze Instrumentbreite paar einzelne Saiten etwas tiefer zu stimmen und zwar so:

    Stimmschlüssel so aufsetzen das der Griff nach links zeigt und dann am Griffteil in etwa einer Handbreite Abstand vom Wirbel mit dem senkrecht nach unten ausgestreckten Zeigefingervorderteil der linken Hand versuchen ob Du den Schlüssel zu Dir hin verdrehen kannst. Wenn Du ihn nicht bewegen kannst ist der Stimmstock ok. - oder Dein Finger sehr sehr schwach...:D .


    Ich finde es sehr fair das Du den Flügel auch mieten kannst, der Transport in nem Bus sollte nicht das Problem sein, Füße und Pedalerie weg und hochkant auf die linke Seitenwand stellen aber so das er unten (dort soweit unterlegen das er nicht mit der überstehenden Flügeldeckelkante am Boden aufsteht), seitlich und vorne mit nem Teppich oder Ähnlichem abgepolstert aber ohne Abstand an der vorderen Laderaumtrennwand anliegt.
    Ansonsten fährt der bei einer Vollbremsung durch die Trennwand und über Dich drüber !!!
    Außerdem mußt Du drauf achten ihn mit Spanngurten gut zu sichern, dazu muß der Bus innen entsprechende Verzurrösen angebracht haben. Nach Ladesicherungsvorschrift und auch aus eigenem Überlebensinteresse muß die Verzurrung nach vorne und hinten mindestens das gesamte Gewicht halten können - zur Seite und nach oben das halbe Geflügelgewicht.
    Ich bin beruflich Fuhrparkleiter also weiß ich wovon ich rede.....:p

    So, hoffe ich hab nichts vergessen ansonsten schimpfst halt mit mir....:evil:

    Grüße von Markus
     
  6. SlimSelim

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    Erstellt: 10.09.07   #6
    Ohhh... Super!!!

    vielen Dank für die Antwort! Ich werde mich am Mittwoch nocheinmal mit dem Herren treffen und dann weiß ich mehr...

    Vileicht kann ich auch ein paar Fotos machen und stelle die dann hier rein.. Wenn ich das Schätzchen wirlich kaufe geh ich vorher nocheinmal deine TÜV-Liste :D durch...

    Das mit dem Transporttips ist auch cool...

    Also, nochmal vielen Dank ich melde mich dann süägtestens Mittwoch mit neuigkeiten...

    grüße

    Miles
     
  7. Petz

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    Erstellt: 11.09.07   #7
    Gern geschehen und bin dann gespannt auf Deinen Bericht.

    Wenn Du übrigens eher Unterhaltungsmusik auf dem Instrument zu spielen beabsichtigtest wär ne Wiener Mechanik nicht so schlimm (für Boogie, Blues, Swing und ähnliches tut es bei meinem Exemplar (Dörr Flügel von etwa 1920) die Wiener Mechanik auch problemlos.
    Nur ist die Repetition träger und der Anschlag nicht so feinfühlig zu dosieren, andererseits erfordert die WM kaum Wartung (gibt auch kaum was zum Einstellen) und ist generell robuster weil sie viel weniger Teile besitzt.

    Du siehst auf den Bildern das die Hämmer bei der Wiener Mechanik nach vorne zur Tastatur gerichtet sind, bei der Englischen hingegen nach hinten; daran erkennt man den Mechaniktypus sofort.

    Schemabild Wiener Mechanik:
    [​IMG]

    Schemabild Englische oder Doppelrepetitionsmechanik:
    [​IMG]

    Grüße von Markus
     
  8. SlimSelim

    SlimSelim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.09.07   #8
    Hi...

    der Klavierbauer lässt auf sich warten und Hat viel zu tun... Anfang nächster woche weiß ich mehr!

    Ach ja, es handelt sich um eine Wiener Mechanik und das geamte Klavier besteht aus Holz... ich weiß nicht ob ich das gut finden soll..

    also ich melde mich sobald es was neues gibt...

    guts nächtle

    Miles
     
  9. Petz

    Petz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.09.07   #9
    Hallo Miles, Wiener Mechanik ginge ja noch wenn Du keine besonderen Anforderungen an diese stellst aber wenn der keinen Gußrahmen hat oder nur paar Streben so wie dieser hier von etwa 1850:

    [​IMG]

    dann lass besser die Finger davon wenn Du ihn zum Spielen willst und nicht nur als nettes Möbelstück; es sei denn Du brauchst ein Übungsinstrument auch zum Stimmen lernen, dafür wär er sicher hervorragend geeignet bis Du irgendwann keinen Stimmschlüssel mehr sehen kannst........:p
    Hatte selbst mal ein Pianino ohne Vollpanzerrahmen - einmal nen flotteren Boogie - Woogie und die Stimmung stellte den Invaliditätspensionsantrag - diese Drahtkommode wurde dann ausgeweidet einer sinnvollen Verwendung als formschönes Stagedigitalpianogehäuse für mein 3000S zugeführt.
    Jedenfalls war um 1910 ein Vollpanzergußrahmen schon Standard bei Qualitätsinstrumenten oder falls das Baujahr eher Mitte des achzehnten Jahrhunderts sein sollte hat der dann möglicherweise so wie der auf dem Foto eher noch eine einfache Prellmechanik ohne Auslösung / Repetition und keine Wiener Mechanik (kannst Du checken - wenn die Hämmer bei ganz langsamen Anschlag schon etwas unter der Saite stehen bleiben und nicht abfallen bis Du die Taste loslässt ist es ne Prellmechanik, wenn sie bis zur Saite hochkommen und trotz Weiterdrückens dann von selbst abfallen der Wiener Typ.
    Die Prellmechanik reicht halt nur für bissl mehr als Hänschen klein.....:evil:

    Grüße von Markus
     
  10. SlimSelim

    SlimSelim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.09.07   #10
    Ok.. ich war nochmal dort...

    der Klavierbauer hat alles repariert und das Klavier ist soweit funktionstüchtig...

    Er war so fair und hat zugegeben das es sich nicht mehr perfekt stimmen lässt, da "der stimmstock schon sehr alt ist"...

    Es ist eine Wiener Mechanik und hat keinen Gussramen...

    Fabrikat A. Proksch... Vileicht sagt das dir was...

    Keine flecken (wasser) am deckel und anschlag angenehm..

    Ich werde es ersteinmal mieten und dann nach einem Jahr entscheiden ob ich es kaufe (mietpreis wird angerechnet)..

    Hier noch ein paar fotos

    fotos.web.de/selimsevinc/A_Proksch
     
  11. pille

    pille Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.09.07   #11
    Hallo SlimSelim,
    habe mir gerade mal die Bilder angeguckt.
    Also ich weiß nicht, .....gut, 250,- Eu, das ist nicht gerade viel, aber bist Du sicher, daß Du das Teil haben willst? Ich habs ja jetzt nicht gespielt, aber irgendwie klingt das nach einem Fall, bei dem ich mein Digi-piano vorziehen würde. Gut, wenn man ein Fabel für historische Instumente hat oder wissen will, wie eine Beethovensonate auf einem Originalflügel klingt. Vielleicht liege ich ja total falsch, aber........
    ich bleibe skeptisch!
     
  12. Petz

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    Erstellt: 18.09.07   #12
    Proksch war meines Wissens nach einer der vielen kleinen Klavierbauer, dürfte aber von der Qualität nicht schlecht gewesen sein.
    Zumindest hat er um 1910 schon nette kreuzbesaitete Vollgußpanzerrahmenflügel gebaut wie man hier sieht:

    [​IMG]

    Bei Proksch sind als Produktionsstätten Reichenbach und Wien angegeben sonst hab ich leider nichts in Erfahrung gebracht......


    Kommt jetzt sehr darauf an wie intensiv Du das Instrument nützen möchtest.
    Wenn er wirklich keine Risse an konstruktiven Teilen haben sollte (Stimmstockober - und Unterseite, Rastenkonstruktion, Saitenanhängestiftbereiche, Stege und Resonanzboden) könnte man es riskieren wenn man die Stimmung so tief wie akustisch noch erträglich legt und ihm dadurch einiges an Belastung nimmt; keinesfalls wird er jedoch eine 440 Hz Stimmung halten können weil er für diese gar nie konstruktiv ausgelegt war sondern wahrscheinlich für irgendwas in der Gegend von 425 - 430.

    Wenn der Stimmstock ok ist und z. B. nur paar einzelne Saiten nicht mehr die Stimmung halten hilft das vorsichtige Ausbohren (nur von Hand ohne elektrische Maschine mit Mehrwendelbohrer oder besser einer passenden Reibahle) der betreffenden Wirbellöcher (etwas größer als das Originalloch und so tief runter wie möglich ohne durchzubrechen (mind. 6 mm vor Durchbruch stoppen). Dann einen neuen, bohrungsentsprechend dickeren und längeren Wirbel einsetzen. Der Wirbel muß aber bis etwa 5 mm vor Bohrungsende schon mit draufgewickelter alter Saite mit nem Hammer eingeschlagen und nicht eingedreht werden, erst dann die Saite durch Drehen des Wirbels spannen und stimmen sonst kanns sein das der neue Wirbel wieder nicht hält.
    Könntest auch alternativ wenn der alte Wirbel noch halbwegs gehalten hat das Loch lassen wie es ist und nur nen neuen Wirbel verwenden der um etwa 0,2 mm dicker ist als das alte Exemplar, die Bohraktion ist nur dann nötig wenn das Loch nicht mehr rund ist d. h. wenn man sieht das es den alten Wirbel zum Resonanzboden hin gezogen hat (Spalt auf der Tastaturseite des Wirbels sichtbar).

    Vom Klang her könnte er interessant sein weil die alten Gradsaiter einen ganz anderen, zarteren aber auch harmonischeren Klang hatten als die kreuzbesaiteten Exemplare. Würd ihn mir zumindest wie erwähnt tiefsterträglich stimmen lassen und dann mal einige Zeit spielen um zu sehen ob und inwieweit er nachgibt.
    Eine, modernen Klavieren entsprechende Stimmhaltung darfst Du Dir jedenfalls nicht erwarten weil diese Instrumente von Haus aus schon anfälliger für Temperaturschwankungen sind. Andererseits ist er durch die Gradbesaitung schon ne gewisse Rarität und erhaltenswert wenn der technische Zustand soweit ok ist.

    Grüße von Markus
     
  13. SlimSelim

    SlimSelim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #13
    Es ist da...

    und klingt gar nicht so schlecht, mindestens genauso gut wie das Japanische Klavier das meine Eltern zuhause stehen haben was damals 4000 Mark gekostet hat.

    Ich hab hier noch ein paar bilder angehangen.. die Mechanik wurde an ein paar stellen notdürftig repariert, sollte ich den Flügel mit nach Deutschland nehmen werde ich das noch richtig reparieren lassen...

    Stimmstock scheint wirklich soweit ok... Deckel hat einen langen querriss :-(
    Ich sollte aber in der lage sein so eine einfache Platte im falle des Falls auch selber mit der Stichsäge herzustellen...

    Anfang Oktober wird nochmal nachgestimmt...

    @ Petz Danke dir für deine großartige Hilfe!!!

    @ Pille Danke für die Objektive Kritik, werde daran denken wenn ich es in Erwähgung ziehe das Instrument zu kaufen


    HIER DIE BILDER http://www.box.net/shared/uqrnx9zy5h
     
  14. pille

    pille Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #14
    Danke für die Bilder, interessant! Bestätigt meine Auffasung in meinem letzten Beitrag. Für Liebhaber historischer Instrumente, oder zum Erfahrungsammeln beim Klavierbasteln bestimmt die Fundgrube. Allerdings als Übeinstrument würde ich es nicht haben wollen.
    Aber egal, auf alle Fälle erstmal viel Spaß mit dem Instrument. Laß ma hören, wie Du in einigen Wochen darüber denkst.

    Cheers,
     
  15. Petz

    Petz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #15
    Gerne geschehen bez. Tipps.

    Schaut für mich mal überhaupt nicht so schlimm aus.
    Vielleicht kannst Du noch paar Detailbilder von Stimmstock bzw. Stimmwirbel und dem Saitenanhang hinten machen, würden mich sehr interessieren, ebenso Tonbeispiel - kannst ja mal nen kurzen mp3 File uploaden.

    Deckel ist kein Problem denn der ist kein konstruktives Teil und da kannst Du jede X-beliebige Platte basteln (oder Plexiglas mit Multicolor - LED - Beleuchtung um Puristen zu ärgern...:great:.) und nachdem die rechte Deckelvorderkante reichlich abgewetzt aussieht haben sich da vielleicht paar Leuts öfter draufgesetzt und er ist deswegen gerissen. Nach irgendeinem Feuchtigkeitsschaden schauts jedenfalls nicht aus.

    Die Schäden an den Hämmern sind keine konstruktiven Mängel sondern entstehen (wie ich aus eigener Erfahrung weiß) wenn man die Mechanik rauszieht und nicht peinlich genau drauf achtet ob ja alle Hämmer unten sind. Wenn da ein etwas Vorwitziger nur ein bissl hochsteht "köpft" ihn die Stimmstockunterkante beim Rausziehen.
    Ich leuchte zusätzlich zur Kontrolle von oben auch immer mit Taschenlampe entlang der Tastaturfachoberkante und hake dann mit beiden Zeigefingern links und rechts unter zwei Tasten an den Tastenführungsstiften ohne die betreffenden Tasten hochzudrücken ein um die Mechanik rauszuziehen. So ist die Gefahr am geringsten beim Rausziehen irgendwas zu killen.
    Meistens bricht nur der Hammerstiel in Längsrichtung (wie bei Dir sichtbar), dies könntest Du auch selbst instandsetzen:
    Zuerst nimmst Du die Taste komplett mit Hammer raus weil man dann viel besser zukommt.
    Organisiere dir von nem Elektriker ein Stück Schrumpfschlauch welches sich im Durchmesser grade schön über den Hammerstiel schieben lässt und welches Du etwas länger zuschneidest als die Bruchstelle lang ist.
    Dann zuerst das Schauchstück etwas weiter draufschieben und die dann sichtbare Bruchstelle einrichten, Leim auf die Bruchstelle geben und beide Teile von nem Helfer mit ruhiger Hand schön in Position halten lassen; den Schrumpfschlauch über die Bruchstelle zurückschieben und mit Feuerzeug oder Heißluftpistole soweit erwärmen bis er sich zusammenzieht. Der Schrumpfschlauch hält dann die Bruchstelle bis zur Leimaushärtung in korrekter Position und dient auch als Zusatzverstärkung. Das geringe Mehrgewicht des Schlauchstückchens fällt bei ner Wiener Mechanik beim Spielen kaum auf.

    Auf den Fotos sehe ich, daß im Tenorbereich manche Hammerauslöser verdreht sind. Meist sind die einzeln befestigt und in Deinem Falle so wie es aussieht eventuell unten lose oder verdreht befestigt, normalerweise kannst Du auch die ganze Auslöserleiste abschrauben und nachschauen was da los ist.
    Bei der Gelegenheit auch die befilzten Hammerfänger kontrollieren, der Hammer muß bei der Aufwärtsbewegung knapp aber ohne dran zu schleifen nach oben gehen, die Fänger kannst Du einfach mit den Fingern durch leichtes Biegen in die notwendige Richtung justieren.

    Sehe auch paar Tasten die etwas höher als andere sind, Taste rausnehmen, unter dem Mittellager ist ne Filzunterlegscheibe und darunter meist paar Papierscheiben zur Höhenjustage. Wenn ne Taste zu hoch ist Papierscheiben rausnehmen bis die Höhe wieder mit den "Nachbarn" übereinstimmt.

    Wenn ich es auf den Bildern richtig erkenne hast Du offenbar zumindest schon nen Teilgußrahmen weil anscheinend die rückwärtigen Saitenanhangstifte im Guß stecken, dies ist schon mal besser als nur Streben. Bevor Du ihn später nochmals stimmen lässt und es der Verkäufer nicht schon gemacht haben sollte schnapp Dir nen passenden "Riesenschraubenzieher" und ziehe alle Schrauben mit welchen der Rahmen und konstruktive Holzteile miteinander verbunden sind nochmals nach.
    Hammerfilze sehen noch gut aus und für sein Alter dürfte er nicht allzuviel gespielt worden sein, die von meinem Dörr sind da schon mehr "eingedepscht" obwohl er um einiges jünger ist - allerdings muß der auch deftigere Anschläge ertragen.
    Als "Lernklavier" hat die Wiener Mechanik den Vorteil das alles, was Du auf ihr zusammenbringst bei nem neueren Doppelrepetitionsmechanikflügel dann ein Kinderspiel ist......
    Und ehrlich gestanden wenn Du ihn nicht gekauft hättest hätte ich mich unter Umständen für ihn interessiert, mein Traum allerdings wäre neben einem Ehrbar Konzertflügel für den ich weder den Platz noch die Kohle hätte ja so einer.........allerdings bräucht ich dafür nen jugendlichen Klavierstimmer mit Ausdauer und einwandfreien Bandscheiben oder nen abgerichteten Tintenfisch......die Stimmwirbel sind nämlich......unten.........:D

    [​IMG]
     
  16. SlimSelim

    SlimSelim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.09.07   #16
    NEUE BILDER sind hochgeladen auch ein Sound File... habe festgestellt das ein kleiner riss im Stimmstock ist und bei den hohen tönen einige saiten fehlen...

    Das mit den Seiten werde ich auf jeden fall noch bemängeln...

    Sonst klingt er wie ich schon sagte nicht schlecht...


    grüße

    Miles

    der selbe link wie in meinem Letzten Beitrag
     
  17. pille

    pille Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.09.07   #17
    Hallo SlimSelim,
    also im Bassbereich und auch in der MIttellage klingt der alte Flügel ja richtig gut. Hätte ich ganricht erwartet. Allerdings im Diskant, da ist noch etwas Aufwand nötig. Aber Du sagst ja selbst, daß da noch saiten zu ersetzen sind. Bin aber auf alle Fälle positiv überrascht.

    Cheers,

    Wolf
     
  18. Petz

    Petz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.09.07   #18
    Hallo Miles !

    Der Klang ist mal sehr interessant und für nen Gradsaiter dieser Größe eigentlich sehr ungewohnt kräftig - bis auf die Tiefbässe steht der meinem Dörr kaum nach; sieht also nach Qualitätsinstrument von Proksch aus wie ich aufgrund des anderen Flügels eigentlich schon dachte aber ich bin trotzdem sehr überrascht.
    Wäre hochinteressant zu wissen wie dieser Flügel nach ner Neubesaitung klingen würde - da könntest Du wahrscheinlich sogar nem Neuen ziemliche Konkurrenz machen allerdings gehörte dann auch ein Delignitstimmstock reinverfrachtet und dann kannst Dir gleich nen Neuen kaufen.......;)
    Ich vermute mal das Du beim Sample C-Dur / A-Moll gespielt hast, danach wär er generell jetzt etwa nen Ton zu tief aber dort würd ich ihn auch lassen.
    Im oberen Bereich hat er allerdings schon wieder durch den Transport nachgegeben allerdings klingt das teilweise auch deutlich so als würden die provisorisch reparierten Hämmer Nachbarsaiten mit anschlagen weil sie offenbar nicht in der richtigen Position fixiert wurden.
    Du kannst nach erfolgter Hammerreparatur die Metallgabel, welche in der Taste steckt und in denen der jeweilige Hammer gelagert ist an der Gabelunterseite mit ner Zange oder mit einem passenden Schraubenschlüssel etwas verdrehen sodaß der Hammer wieder an der korrekten Stelle die entsprechenden Saiten trifft. Die Justiermöglichkeiten bei den Wiener Mechaniken sind fast schon genial einfach.....

    Die fehlenden Saiten sind sicher auch kostenmäßig kein Problem für den Verkäufer weil es nur reine Drahtsaiten sind, auf Deinen neuen Pics erkenne ich aber im mittleren Bassbereich auch eine ersetzte (grau umsponnene) Saite bei der die Umspinnung zu lang geraten ist.......Schönheitsfehler-pfusch....

    Der Stimmstockriß ist eine konstruktiv eher harmlose Stelle weil weit entfernt von den Stimmwirbeln aber ich würde diese trotzdem stabilisieren; dieses wäre aber sinnvoll vor der neuen Stimmung zu machen weil teilweise Saiten entspannt und seitlich weggelegt werden müssen um Platz zum Bohren und Schrauben zu haben.
    Nachdem auf der Stimmstockunterseite wahrscheinlich kein Platz vorhanden ist weil ja die Mechanik rausgenommen werden können muß würd ich folgendes machen; Du bräuchtest zwei Messingblechplättchen ~ 5 mm dick, 8 Senkkopfschrauben M6, 8 Einschlagmuttern M6 und einen kurzen Senker mit Handgriff im Durchmesser der Einschlagmutternhülse der nicht länger sein darf als das Tastaturfach hoch ist (oder Du kannst Dir irgendwo ne Winkelbohrmaschine leihen).

    Beispielbild wie ich Plättchen und Fixierbohrungen machen würde.

    [​IMG]

    Zwei ~ 5 mm starke, aus optischen Gründen gleichgroße Messingblechplatten oder in der Breite passendes Messingflachmaterial zuschneiden welche die die Bruchstellen seitlich ca. 40 mm weit überdecken und in ausreichendem Abstand zu den Ecken jeweils 4 Stk. 6 mm Löcher reinbohren und diese mit Senker an der Plattenoberseite soweit aufsenken das eine M6 Senkkopfschraube bündig drin verschwindet.
    Dann die zwei Platten jeweils links und rechts der Rahmenstrebe über den Rißbereichen von nem Kumpel festhalten lassen und durch die Messingplattenlöcher als Schablone alle Löcher durch den Stimmstock vollständig durchbohren. Dann mal die Schrauben reinstecken und prüfen ob sie weder zu kurz noch zu lang sind.
    Bei den Einschlagmuttern den Durchmesser und die Länge des Innenteils ermitteln und mit dem oben erwähnten Kurzsenker oder einer Winkelbohrmaschine genau dieses Stückchen bei allen 8 Löchern von unten in den Stimmstock reinbohren damit die Einschlagmuttern nicht den vorhandenen Riß beim Einsetzen vergrößern.
    Dann die Muttern von unten in die Bohrungen klopfen und alles andere dann von oben verschrauben, die Einschlagmuttern haben Krallen angebracht die sich ins Holz verbeißen und die Du deswegen nicht gegenhalten mußt.

    Andere Variante wäre noch die Plättchen um die Gußstrebenhöhe länger zu machen und sie seitlich zur Rahmenstrebe zu nem Winkel hochzubiegen um sie zusätzlich noch mit zusätzlicher Fixierschraube M6 etwa in der Strebenmitte durchgebohrt an dieser auch noch zu verankern.

    Falls Du im Freundeskreis nen Graveur hättest könnte der ja die Messingplatten mit dem Prokschlogo verzieren......:D

    Schau dir mal bitte die, von mir auf dem unteren Bild markierten zwei Stimmwirbel und den Stimmstock in diesem Bereich mal genauer an, dies könnten zwei "Stimmungsausreißer" sein weil optisch die Flucht im Vergleich zu den anderen nicht mehr stimmt

    [​IMG]

    Wenn ich die Zeit hätte würde es mich ja schon fast jucken nach Ungarn zu fahren um mich dem Ding selbst zu widmen.......:cool:
    Und sorry für eventuelle übersehene Rechtschreibfehler nach diesem "Roman"......:p
    Viele Grüße, Markus
     
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