Geschichte des Trommelns und Trommelgeschichten

von Warka, 02.08.05.

  1. Warka

    Warka Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.05   #1
    Hallo Musikbegeisterte,
    ich möchte euer geschichtliches Wissen ein wenig auf die probe Stellen, den gerne würde ich einiges über das Trommeln wissen. Das heißt über die Geschichte des trommelns, die älteste Trommel, Bauweisen von Trommeln, Trommelkultur in anderen Kulturen.
    Wer hat Lust mit mir darüber zu Reden?
     
  2. AlBundy

    AlBundy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.05   #2
    ? irgendein Höhlenmensch wird aufm stein rumgetrommelt haben.
     
  3. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 02.08.05   #3


    Wir müssen die anfänge zurückdatieren, trommeln kommt schon im tierreich vor, ameisen machen es mit blattläusen, damit die einen nahrhaften saft abgeben, gorillas trommeln auf die eigene brust, und was der specht macht, gehört auch zum thema. Es geht immer um nahrung oder imponiergehabe, vielleicht auch um die weibchen, wie das leben eben so ist.
     
  4. Warka

    Warka Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.05   #4
    Es gibt da eine Geschichte aus Japan mit nem Affen dem irgendwie langweilig war und er einen Baum fällte und aushöhlte. damit konnte er aber nichts anfangen, es war kein Gefäß da es keinen Boden hatte, es war kein Sarg ... da zog er im aus Frust ein Fell über und hatte die Trommel.
    irgendwie so ähnlich geht das
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 02.08.05   #5
    ... da zog er im aus Frust ein Fell über und hatte die Trommel.

    Trommeln müssen, glaube ich, kein fell haben, pauken schon, die einen definierbaren ton abgeben. In Afrika "sprechen" sie, in der völkerkunde gelten sie auch als sex-symbol, deutlich in einer form von holztrommeln, und rechnet man die schlägel dazu, weiß man, was da abgeht : JAZZ! Das ist eine der erklärungen des wortes, und mit ekstase haben wir es sowieso zu tun.
     
  6. Warka

    Warka Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.05   #6
    Das die Motivation von Trommeln bzw. Musik insgesamt zum Imponieren oder und Extase dienen, außer so manchen pophits die zu Kohle machen da sind, ist ja klar.
    Mich interresiert aber mehr solche sachen wie Singende Trommeln aus Afrika oder ähnliche Geschichten. In Afrika haben einige Völker ja eine Tonsprache bei der die Tonhöhe eines Wortes zu verschiedenen Bedeutung führt.
     
  7. Domo

    Domo Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.08.05   #7
    naja, für afrikanische stämme ist trommeln ja auch eine kontaktaufnahme zu höheren mächten und geistern, des weiteren wird auch bei der feldarbeit getrommelt, um eine art "arbeitsrythmus" vorzugeben, es wird auch getrommelt wenn "geschichtenerzähler" ihre geschichten im volk verbreiten und so weiter... trommeln spielt auch bei der erziehung von kindern ne große rolle.
     
  8. Cheldar

    Cheldar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.05   #8
    also wenn es (wie einer meiner vorredner meinte) um "imponiergehabe" oder Nahrung geht dann trommeln leute wie Portnoy nur um aufmerksamkeit auf sich zu lenken? (Nahrungssuche fällt wohl flach, gibt ja catering)

    mal scherz beiseite...
    wer schonmal Corvus Corax hat trommeln hören (die ham teilweise wirklich sehr ungestüme, unmoderne Trommeln), und die Musik auf sich wirken ließ, weiß wie berauschend eine Trommeleinlage sein kann...
     
  9. Domo

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    Erstellt: 03.08.05   #9
    in gewisser hinsicht ist das schon richtig so. es ist doch irgendwie der wunsch jedes musikers immer besser, wenn ich gar irgendwann der beste werden zu wollen - und das will natürlich auch jeder zeigen und beweisen. und besonders im artrock-bereich (in dem ja portnoy auch anzuordnen ist) ist es mehr oder weniger das ziel durch schnelles und kompliziertes spiel zu imponieren...
     
  10. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 03.08.05   #10
    Mögen schlagzeuger keine gage (nahrung)? :p Übrigens sprach ich von unseren entfernten verwandten.

    Vergessen wir nicht den militärischen aspekt, jeder kompanie marschierte ein trommler voran, oft noch halbe kinder, der klang ging in die beine, und so ging es auf den feind zu, der genau so viel (berechtigte) angst hatte und auch lieber rückwärts marschiert wäre, aber eine dosis branntwein und das getrommel zeigten wirkung. Schönes gedicht von Mörike "Wenn meine mutter hexen könnt", da stellt der bengel sich doch vor:

    "die trommel müßt eine schüssel sein,
    ein warmes sauerkraut darein,
    die schlegel messer und gabel,
    eine lange wurst mein sabel - - - -"

    und zum schluss fällt ihm noch seine liebste ein und nicht etwa der liebe landesherr oder das vaterland oder der lieferant für waffen und ausrüstung! Hoffentlich erlebt es keiner von euch im Irak oder Iran oder wo auch immer.

    Zurück zu Afrika, wir haben hier eine trommlergruppe aus Togo, und die jungs machen eine musik, da vermisst man keine melodieinstrumente. In dem kleinen land gibt es übrigens hunderte von verschiedenen sprachen, ob man sich trommelnd besser versteht, oder hat jeder stamm seine gugge-musik?
     
  11. Warka

    Warka Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.05   #11
    Ja stimmt, die Guggenmusik gibt es ja auch noch, sehr verbreitet bei uns, und die geht wirklich auf den ganzen Körper über wenn die an einem vorbeimarschieren. ich glaube aber die Geschichte der Guggenmusik ist nicht ganz so alt.
    Ein Freund von mir kommt übrigens aus Ghana, das liegt neben Togo, und der Trommelt auch ziemlich gut, der zaubert ware melodien aus der trommel. Das kann ich leider nicht, vielleicht noch nicht, bin am üben.
    Beim Militär ist eine Trommel natürlich sehr wichtig, sonst wissen doch die Soldaten gar nicht wo sie hinmarschieren sollen. Da gibt es aber noch eine andere Benutzung, die sogenannte "Buschtrommel", zur übermittlung von Nachrichten und deren weiterentwicklung das Morsealphabet bei den Funkern.
     
  12. 00Schneider

    00Schneider HCA PA-Praxis und Drum-History HCA

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    Erstellt: 03.08.05   #12
    Das mit dem wohin marschieren halte ich für weniger relevant.

    Die Trommeln hatten im Krieg noch eine ganz andere Bedeutung, dadurch wurde signalisiert was jetzt los ist. Der Beobachtungsposten war z.B. am Berg, und wenn er den Feind sah wurde dieses getrommelt, soll angegriffen werden jenes usw.

    Dadurch entwickelten sich auch die Rudiments. Die US-Engländer und die Engländer hatten erst mal die gleichen Signale. Das war aber ja doof, da haben sie weitere entwickelt.
     
  13. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 03.08.05   #13
    Die Trommeln hatten im Krieg noch eine ganz andere Bedeutung, dadurch wurde signalisiert was jetzt los ist.

    Für signale war eher die trompete zuständig "kartoffelsupp. katoffelsupp, die ganze woch' kartoffelsupp!" Aua, dann gings zur sache.
     
  14. Antje

    Antje Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 03.08.05   #14
    Ja, oder auf den Galeren, da wurde auch immer der Schlagrhythmus durch eine Trommel angegeben. Aber das mit der Kindererziehung müsstest du mir jetzt mal erklären. Meinst du jetzt bei anderen Völkern oder bei uns?
    Naja, ich finde der Ton der Trommel geht ziemlich in den Bauch, so Zwerchfellgegend, und breitet sich dann im ganzen Körper aus. Und den Sinn bei kriegerischen Auseinandersetzungen sehe ich eher darin, dass sie alle hübsch im Gleichschritt marschieren, keiner zu schnell oder zu langsam. Sieht doch auch viel imposanter aus, als wenn sie alle durcheinanderhüppeln würden. Wahrscheinlich rennt man dann auch automatisch mit bei diesen Rhythmus, wird voran getrieben und setzt sich nicht einfach links und rechts ab in die Büsche.
     
  15. Domo

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    Erstellt: 03.08.05   #15
    ich meine bei den afrikanern :) es fängt schon mit der beschneidung an, auch diese "zeremonie" wird mit trommeln begleitet. im kindesalter schicken die eltern ihre kinder zu einem dorfältesten, der ihnen dann das trommeln beibringt (so ne art schule eben)...
     
  16. Warka

    Warka Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.08.05   #16
    Wen es interressiert: ich habe ein Gedicht von Tucholsky gefunden Die Trommel

    ist ganz witzig das teil, findet sich im Internet wenn man nach trommel sucht
     
  17. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 04.08.05   #17
    Mehrsprachigkeit ist im interkulturellen Vergleich sogar eher die Regel, und nicht etwa eine rare Ausnahme, wie das aus hiesiger Pespektive scheint. Auf Neuguinea etwa gibt es Gegenden, da gilt man als geistig behindert, wenn man nur 3 - 4 statt so 10+ Sprachen sprechen kann :D

    Die Manipulation der Tonhöhe bei talking drums ist parallel zum tonalen Verlauf einer einzelsprachlichen Äußerung. Allerdings hat eine Tonsprache ja immer noch nicht nur Töne, sondern auch Konsonanten und Vokale, die bedeutungsunterscheidend sind. Trommler z.B. bei den Yorùbá spielen dann eben auch gerne mit den Ambivalenzen, die bei der Reduktion auf tonale Verläufe entstehen. Da kann sich in so manchen Lobpreis z.B. messerscharfe Kritik einschleichen.

    So generell fällt mir übrigens auf, daß vieles, was hier angeführt wurde (von Erziehung über Arbeit bis Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Krieg; Religion wäre übrigens auch eine sehr wichtige Domäne), nicht nur spezifisch Trommeln, sondern Musik allgemeinhin betrifft.
     
  18. Warka

    Warka Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.08.05   #18
    Ja das stimmt, vieles trift nicht nur auf das trommeln zu. :great:

    Dieses Thema interesiert mich gerade, da ich nächtste Woche ein Kinderferienzeit programm gestallte und das Thema ist Trommeln. also nicht nur der bau einer einfachen Trommel sondern alles was es da rundherum so gibt. Was ist eine Trommel, Geschichte der Trommel, die unterschiedlichen Trommeln, Geschichten um die Trommel...
    Tja vielleicht hat jemand ja noch ein paar Anregungen?;)
     
  19. bobthemage

    bobthemage Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.08.07   #19
    Das Trommeln ist so alt wie unsere Kommunikation, die erste Form der "Telekommunikation", also die Möglichkeit über Rufweite hinaus zu kommunizieren. Wahrscheinlich haben wir uns, genauso wie unsere Brüder, die Gorillas und Schimpansen, in frühester Vorzeit auf die Brust getrommelt um zu zeigen, wie groß und toll wir sind. Händeklatschen und Klopfen auf den Oberschenkel werden wohl den Anfang des Ritualisierten Trommelns darstellen. Und die Medizinmänner und Schamanen haben schnell gemerkt, das langes, stetiges Trommeln einen Trancezustand hervorrufen kann, vor allem im Winter, wenn es keine Kräuter (Dope :D ) zu finden gibt, speziell auch während der Eiszeiten. Nachdem man schnell herausgefunden hat, dass stetiges Hauen auf den Körper mit zunehmender Dauer sehr schmerzhaft wird, hat man sich nach einem "Instrument" umgesehen. Die ersten Trommeln werden wohl hohle Baumstämme und Schädel gewesen sein, beziehungsweise Stücke getrockneter Tierhaut. Und da die Schamanen um die verstärkende Wirkung von Hohlräumen wussten,(sie haben wohl Schädel, Kalebassen und natürlich Höhlen als "Verstärker" für ihre Stimme benutzt) haben sie die Felle irgendwann auf hohle Baumstämme gefummelt und mit Stöcken draufgehauen. Und fertig war die erste "moderne" Trommel.

    soweit meine kleine Exkursion

    Robert aka bobthemage