Stratomano
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Mit Aufkommen der Super-Strats in den 1980er Jahren wurde ein neues Gitarren-Genre geboren, was bist heute nachhallt. Ein Gitarrenbauer, der die Anfänge bereits Ende der 1970er Jahre mitgestaltete, ist Mark Erlewine, Austin, Texas.
Einleitung: (Mitte der 70er bis 1980)
Einer der Initialzünder, wenn nicht der „Urknall“ der Super-Strats war sicher Eddie van Halen mit seiner „Frankenstrat“. Aus verschiedenen Teilen zusammengebaut, mit einem bequemen und leichten Stratbody und Power eines Humbuckers (PAF) in der Bridge-Position, kam sie seinen musikalischen Vorstellungen Mitte der 1970er Jahre sehr entgegen. Mit dem Album „Van Halen“ von 1978 legte er dann den Grundstein einer neuen Musik-Ära. Zu dieser Zeit gab es noch keine Dive-Bombs fähigen, stimmstabilen Tremolos (Vibratos). Dieter „Atze“ Gölsdorf von Rockinger entwickelte um 1980 in Hannover noch vor Floyd Rose das erste serienmäßige Locking Tremolo-System mit Fine-Tuner („Tru Tune Tremolo“). Kramer Guitars vertrieb das Rockinger Tremolo in den USA unter dem Namen „Edward van Halen Tremolo“, auch für ihre eigenen Gitarren. Kurze Zeit später wechselte Kramer jedoch zu Floyd Rose, die unabhängig von Rockinger ebenfalls ihr Tremolo mit Fine Tuner versahen.
Zu dieser Zeit entwickelte sich die Musikszene in der kleinen texanischen Stadt Austin (damals ca. 350.000 Einwohner) weiter. Von 1970 bis 1980 trafen sich das Who is Who im legendären „Armadillo World Headquarter“. Das „Dillo“ machte die kleine texanische Stadt zur Welt-Hauptstadt der Live-Musik. Austin, ein Mekka für Blueser, Bluesrocker, Rocker, Countryboys und Jazzer. Der 1974 gegründete Sender „Austin City Limits“ trug die Südstaaten-Musik in die USA hinaus.
Im Verlauf öffneten weitere Musikclubs wie das „Austin's Home of the Blues“, auch bekannt als „Antone’s“, „Austin Opry House“ und „Steamboat Springs“ (aka „Steamboat“). Willi Nelson, Muddy Waters, Stevie Ray Vaughan, Johnny Winter, Albert Collins, die T-Birds, Dire Straits, Tom Petty, Bonnie Raitt, Taj Mahal, Tom Waits, BB King und viele andere waren häufige Live-Acts dort. Es entstand eine sehr kreative und lebendige Musikszene in Austin und „Austin City Limits“ sorgte dafür, dass der Rest der USA das mitbekam.
Sounds of Austin 1981: Links: Stevie Ray Vaughan bevor er groß raus kam, Rechts unten: Mark Erlewine und Johnny Winter
Mark Erlewine
Mark Erlewine lernte als Auszubildender die Kunst des Gitarrenbaus und - Reparatur von seinem Cousin Dan Erlewine, der 1969 einen Instrumenten-Service in Ann Arbor, Michigan eröffnete. Nach 1 Jahr wurden sie Partner und 1972 übernahm Mark das Geschäft von seinem Cousin.
Er war aber nicht nur Gitarrenbauer sondern auch ein guter „pedal steel guitar“-Spieler und spielte in verschiedenen Bands. Und so kam es, dass er 1974 Austin besuchte und von der Musikszene dort beeindruckt war. Im selben Jahr zog er mit seinem Geschäft nach Austin, Texas um.
Gibson suchte zu der Zeit einen Reparatur-Service für die südlichen Staaten der USA und nahm Kontakt zu Mark Erlewine auf. Austin passte gut für Gibson und er wurde ein „official warranty service and repair center for Gibson“. Es dauerte nicht lange und auch Fender*, Martin und Ovation klopften an die Tür.
Er eröffnete sein Geschäft 1974 in der 3004 Guadalupe Street. 1975 ging in unmittelbarer Nähe ein Meilenstein der Musikszene an den Start, das oben beschrieben „Austin's Home of the Blues“ aka „Antone’s“. Und wie oben beschrieben, war es ein Mekka für viele Blueser und Blues-Rocker. Natürlich gab es großen Bedarf an einem fähigen Gitarrenbauer in der Nähe. Viele Musiker wollten ihre Instrumente checken, Modifikationen oder Reparaturen machen lassen. Somit machte sich Mark Erlewine schnell einen guten Namen in der Gitarristenszene.
Mark Erlewine in seinem Shop mit einer Automatic. Hinten: 2.v.r.: Japanische Automatic, um die es hier geht
Illustre Namen gehörten zu seinen Kunden wie Stevie Ray Vaughan, Jimmy Vaughan, Jerry Garcia, Rick Nielson, Johnny Winter, Don Felder, Albert Collins, Willi Nelson (insbesondere die ständige Reparatur seiner Martin N20, genannt „Trigger“), Bo Diddley, Sting, Bob Dylan, Mark Knopfler, Bruce Springsteen, Joe Walsh, Ted Nugent, John Lennon und natürlich Billy Gibbons.
Junger und älterer Mark Erlewine mit Willi Nelson’s Martin N20 „Trigger“
Billy Gibbons
Billy Gibbons spielte in Mark Erlewine’s Laufbahn eine besondere Rolle, da sie gemeinsam von ca. 1978 bis 1984/1985 mehrere Gitarren entwickelten.
Aber nicht nur beim Instrumentenbau gab es eine Zusammenarbeit, auch musikalisch. Auf dem 1981 erschienen ZZ-Top Album „El Loco“ spielt Mark Erlewine die pedal steel Gitarre im Song „Leila“.
"Chiquita"
Die Legende besagt, dass Billy Gibbons sich über die notwendige Buchung eines zusätzlichen Sitzplatzes im Flugzeug ärgerte, wenn er seine Gitarre mit sich führen wollte. Er setzte sich mit Mark Erlewine ca. 1978 zusammen und sie entwickelten gemeinsam die „Chiquita“-Gitarre. Eine Mini-Travel-Gitarre, die aber voll spieltauglich sein sollte und „keine zusätzliche Sitzplatzbuchung im Flugzeug“ notwendig machte.
Promo: Billy Gibbons mit Chiquita im El Loco-Style
Das sie voll Bühnentauglich ist, zeigte Billy Gibbons eindrucksvoll auch in Deutschland, als er sie mit ZZ-Top 1982 in Dortmund für den Opener „Groovy Little Hippie Pad“ spielte.
1982 in Dortmund
Spätestens seit „Back to the Future“ (1985) kennt diese Gitarre jeder. 1 Jahr vorher (1984) konnte man die Gitarre bereits bei Nigel Tufnel im Film „This is Spinal Tap“ sehen.
Die ersten Chiquitas produzierte Mark Erlewine in Handarbeit in Austin. Als Pickup verbaute er, was der Käufer verlangte. Billy Gibbons wollte z.B. den Seymour Duncan „Pearly Gates“ in seiner Chiquita.
Bald wurde klar, dass er sie in größeren Stückzahlen produzieren lassen musste, um die Nachfrage zu decken und den Preis niedrig zu halten. Mit Hilfe von Masaaki Ohmura (später auch Mac Omura genannt), einem Instrumenten-Branchenvertreter in Japan mit gutem Netzwerk zu den amerikanischen Gitarrenbauern, wurde eine kleine Serie in einer Fabrik in Matsumoto, Präfektur Nagano, Japan, hergestellt. Als diese dann neun Monate später in Austin eintraf, stellte Mark fest, dass praktisch alle Instrumente unspielbar waren.
1981 reiste Mark nach Japan und Masaaki Ohmura stellte den Kontakt zur Chushin Gakki Fabrik her. Hier wurde dann die erste qualitativ hochwertige Serie von 300 Chiquitas hergestellt.
Im Verlauf vergab er 1982 für ca. 5 Jahre eine Lizenz an Hondo/USA. Die ersten Hondo-Gitarren hatten optional einen DiMarzio K-10 als PU verbaut. DiMarzio ging 1978 einen Deal mit Hondo ein und entwickelte den K-10 für Hondo. Er war ziemlich baugleich mit dem „Super 2“ von DiMarzio.
Eddie, Billy, Joe Bonamassa und Hondo Ad.
Wer war Hondo, USA?
1969 gründeten Jerry Freed und Tommy Moore in Forth Worth, Texas, ihr Unternehmen IMC (International Music Corporation) und entwickelten die Instrumentenfirma „Hondo“ (Texas). 1972 ging IMC mit Samick/Süd-Korea ein joint venture ein und ließ die Instrumente dort kostengünstig bauen. Woher der Name "Hondo" kommt ist unklar. Gerüchte besagen von der texanischen Stadt Hondo, andere vom Film "Hondo" mit John Wayne.
Meistens findet man heute die Hondo-Variante, made by Samick, Südkorea, auf dem Gebrauchtmarkt. Sie sollte nicht mit der ursprünglichen amerikanischen frühen Chiquita und deren Qualität verwechselt werden. Mark Erlewine war im Nachhinein mit der Vergabe der Lizenz an Hondo nicht glücklich. Die Qualität litt unter der Massenproduktion und er betont, wie wichtig ein gutes Setup dieser Gitarre ist, damit sie sich einwandfrei spielen läßt.
Oben: Amerikanische Chiquita "Punk Pink", hand-made by Mark Erlewine
Unten: Seltene Chushin Gakki made Chiquita (300 Stück)
In beiden Koffern zusätzlich der Chiquita-Mini-Amp
(Bilder mit freundlicher Genehmigung von Mark Erlewine)
Heute kann man die Chiquita wieder direkt bei Mark Erlewine in den USA bestellen (3 Farben) und sie kostet auf seiner Homepage (erlewineguitars.com) aktuell 799,- USD (Stand 2026).
"Automatic"
Das nächste Gitarrenprojekt von Mark Erlewine und Billy Gibbons fing den Zeitgeist der Super-Strats auf. Das moderne Design des Strat-Body mit einem Humbucker an der Bridge, reduziert auf das Wesentliche. Wir schreiben das Jahr 1979 und wie oben beschrieben, war das Floyd Rose Tremolo mit Fine Tuner noch nicht entwickelt. Billy Gibbons ist auch nicht bekannt für seine Tremolo (Vibrato)-Arbeit. Aber das Konzept der Super-Strat gefiel natürlich auch dem texanischen Bluesrocker und so entwickelten die beiden bereits Ende 1979 die „Automatic“. Auch hier wurden die ersten Exemplare von Mark Erlewine in den USA gebaut. Das sind die US-made Gitarren, die man bei Billy Gibbons und Mark Knopfler sieht.
Als Pickup verwendete Mark Erlewine für beide Gitarren (Billy Gibbons und Mark Knopfler) Seymour Duncan Pearly Gates. Mehrere Varianten wurden gebaut, u.a. mit „Explorer“-Headstock und als Double Neck (mit 2 verschieden Mensuren).
1980 im Rockpalast: Automatic für „Just Got Paid“ und Double Neck Automatic für „Low Down in the Streets“
Auch Mark Knopfler wollte und bekam eine Automatic, zu hören im Song „Industrial Disease“ auf dem 1982 erschienen Dire Straits-Album „Love over Gold“ und 1985 auf der "Brothers in Arms"-Tour.
Automatics:
Oben: Ali Neander, Promo der Automatic mit Mark Erlewine, Joe Walsh
Unten: Mark Knopfler’s Automatic "The Pig", Billy Gibbons mit "Have Mercy"-Automatic
1981 gab es neben der amerikanischen Produktion eine kleine Serie „Made in Japan“ (wozu auch die hier vorgestellte Gitarre gehört). Es sollte eine kostengünstigere Variante als die „Made in USA“-Gitarre werden. Diese „MiJ“-Gitarren wurden nur kurz und in limitierter Zahl gebaut. Schließlich ging ca. 1983 auch für die „Automatic“ eine Lizenz an Hondo, welche sie ebenfalls in Massen bei Samick/Süd-Korea bauen ließen.
Die Unterscheidung zwischen einer koreanischen-, einer japanischen- oder amerikanischen „Automatic“ fällt nicht schwer. Dazu später mehr.
"Coyote"
1984/1985 kam die „Coyote“ auf den Markt. Eine Gitarre im Design eines heulenden Coyotenkopfes. Wenn man sich die alten ZZ-Top Alben ab 1975 anschaut, fällt auf, dass ab Fandango auf der Rückseite der Alben ein heulender Wolf zu finden ist. Der stilisierte Wolf, frei der heulende Coyote, stammte aus Bill Ham’s Lone Wolf Production-Logo, der ZZ-Top bis 2006 produzierte und managte. Billy Gibbons hatte eine Vorliebe für alles was mit Wüste zu tun hat und der heulende Coyote passte ins Bild.
Und so entwickelten Mark Erlewine und Billy Gibbons eine Gitarre, die dem heulenden Coyoten nachempfunden war. Gebaut wurde sie in Lizenz von Hondo.
Links: Coyote-Korpus als Abbild des stilisierten heulenden Coyoten (unten)
Mitte: Hondo Coyote
Rechts: Prince, im Hintergrund eine „Coyote“, sowie Hondo Coyote-Headstock (kein Erlewine-Logo)
Auch Prince war Besitzer einer Coyote. Ob er damit Aufnahmen gemacht hat, ist unbekannt. Sie taucht 1996 in einer Dokumentation über Prince mit Oprah Winfrey kurz im Hintergrund in seinem Studio auf. Heute ist sie Teil seines offiziellen Nachlasses und wird im Paisley Park Museum aufbewahrt.
Einer der ersten Prototypen ist im Besitz von Gitarrist und Songwriter Brynn Arens (nach eigenen Aussagen). In vielen Videos seiner Band „Flipp" sieht man sie in seinen Händen.
Oben: Brynn Arens mit seiner Coyote
Unten: Prototyp der Coyote (mit freundlicher Genehmigung von Mark Erlewine)
"Lazer"
Unabhängig von Billy Gibbons entwarf Mark Erlewine die „Lazer“, inspiriert durch Ned Steinbergers Headless-Konzept für den 1979 entwickelten L2-Bass. Definiert wird die Lazer durch einen durchgehenden Hals, „Fender*“-Mensur (25,5 zoll), 24 Bünde und reduziert auf das Nötigste. Bekanntester Spieler dieser Gitarre war sicher Johnny Winter. Erstmalig auf dem Cover seines 1984 erschienen Album „Guitar Slinger“ zu sehen und zu hören.
Auszug aus einem Interview von Harold Mac Wonderlea mit Johnny Winter im Fachblatt MusikMagazin vom August 1987:
Johnny Winter:
„Mark Erlewine, der auch für ZZ Top schon so manches Instrument gebaut hat, gab mir ein paar Gitarren – u. a. auch diese Lazer. Er nahm mir dafür doppelt soviel Kohle ab, als das verdammte Ding überhaupt wert ist... (lacht). Und dann hatte er auch noch die Frechheit mich zu fragen, ob ich nicht Endorser für das Teil spielen wollte.
Im Ernst, mir gefiel das Ding deshalb, weil es so schön klein ist und man damit auch in Flugzeugen oder in Bussen spielen kann, wo es bekanntlich sehr eng ist. Zuerst dachte ich gar nicht daran, die Gitarre auch live einzusetzen, aber als ich «Guitar Slinger» aufnahm, da kam mir während der Session der Gedanke – nachdem bei meiner Firebird eine Saite gerissen war –, daß ich diese Lazer ja noch nie über einen Verstärker gehört hatte. Ich schloß das Ding an und jeder im Studio wunderte sich nur noch, denn der Sound war „just great!” Die Gitarre brachte unheimlich viele Höhen und Transparenz, für den Rest der Platte habe ich dann die Firebird nicht mehr gebraucht….“
Ab 1984 war Johnny Winter dann sehr häufig mit der Lazer zu sehen und sie wurde zu seiner good-to-go Gitarre. Er hatte 6 Lazer-Gitarren: 3 Standard-Modelle und 3 Custom-built.
Mark Erlewine baute zusätzlich reguläre Modelle wie 59’er Les Pauls, Telecaster, etc. aber auch custom-built Gitarren wie diese Replik der Hamiltone „Stevie Ray Vaughan“-Gitarre, Custom built für einen Fan.
Spezialanfertigungen wie die „Axciter“ nach Entwurf und Vorgaben von Jeff Cullen (Circus), „The Enforcer“, „La Warpa“ oder die headless „Starshape“-Gitarre wurden von Mark Erlewine realisiert.
Oben: Jeff Cullen mit seiner „Axciter“ (arretierbares Tremolo, 30 Bünde), „The Enforcer“
Unten: Headless „Starschape“, „La Warpa“, Rückseite der „Enforcer“
Kommen wir nun aber zur "Automatic", Made in Japan
Ich habe 2 Exemplare der japanischen Automatic. Die 1. Gitarre ist bis auf den Pickup und die Gurtpins im Originalzustand. Die 2. schwarze Automatic ist, wie man unschwer erkennen kann, modifiziert. Jan Koemmet (Jan Komet) hat sie ca. 1983 neu gestaltet.
2 x Erlewine Automatic, Made in Japan
Kurzer Exkurs:
Jan Koemmet war 1982 kurzfristig Gitarrist der deutschen Heavy-Band „Accept“, und hat an deren Album „Restless and Wild“ mitgearbeitet, ist aber auf diesem nicht zu hören. Nach seinem Ausstieg bei Accept gründete er die Band „Bad Steve“ und spielt auf dem 1985 erschienen Album „Killing the Night“ die Leadgitarre. 1983 kaufte er die Erlewine Automatic bei City Music in Solingen und gestaltete sie in die bis heute und hier zu sehende Gitarre um.
Rechts Jan Koemmet mit einer Starshape mit identischem Designmuster wie die Automatic
Zurück zur Gitarre:
Der Korpus besteht bei meinem Exemplar aus 2 Teilen Mahagoni. Es gibt aber auch Korpusse, die aus 3 Teilen bestehen. Dicke des Korpus 47 mm.
Aufgesetzt ist ein Ahorn-Funier mit, wie ich finde, sehr schön gespiegelter Maserung in Chevron-Optik.
Es handelt sich also NICHT um eine massive Ahorndecke (wie man manchmal liest).
Die Gitarre kam nur in Cherry-Sunburst auf den Markt. Man sieht auch nach so vielen Jahren kein „weather-checking“, bedingt durch einen Poly-Lack.
Um den Korpus ist in einfacher Ausführung ein doppeltes cremefarbenes Binding angebracht. Sehr sauber gearbeitet. Überhaupt ist die Gitarre sehr gut verarbeitet. Das sieht man auch nach 45 Jahren noch. Die Decke ist flach im Gegensatz zu den amerikanischen Modellen, bei denen man gerne eine massive, gewölbte Ahorndecke findet.
In der Pickup-Fräsung findet man den „Hanko“, in diesem Fall ein dreigeteilter Stempel.
Das Kanji-Schriftzeichen „Kensa“ (検)“ im oberen Drittel bedeutet „Inspektion“ oder „geprüft“.
Dann folgt „Ryo“ (査), was dem Holz eine gute oder exzellente Qualität bescheinigt.
Im mittleren Drittel steht als erstes das Baujahr der Gitarre nach der „Showa“-Zeitrechnung. Hier findet man passend eine „56“, was dem Jahr 1981 entspricht. Als weiteres eine "4", dem Monat April entsprechend. Dann kommt die "51". Diese Zahl könnte einem internen Code für Spezifikationen der Gitarre entsprechen. Somit liegt der Produktionszeitraum der Gitarre laut Stempel im April 1981.
Im unteren Drittel findet man den Chushin Gakki-Meister, der sich für das Instrument verantwortlich zeigte. Hier steht: 山田. Das war das Zeichen von Meister Yamada. Er war der Chefprüfer und stellvertretende Leiter der Premium Holzverarbeitung in der Chushin Gakki-Fabrik.
Der Stempel wurde mit schwarzer Tinte aufgetragen, was üblicherweise noch in der Holzwerkstatt erfolgte. Ohne diesen Stempel durfte das Instrument nicht in die folgenden Arbeitsschritte eintreten.
Hanko in der Pickup-Ausfräsung der Automatic: Kanji-Zeichen, Showa-Zeitrechnung und Personenzuordnung
Der eingeleimte Hals besteht aus einem Stück Mahagoni. Am Headstock wurde ein zusätzliches Stück Mahagoni angeleimt.
Als Griffbrett kommt East Indian Rosewood zum Einsatz. Die Dot-Inlays könnten Perloid sein.
Die Hälse meiner beiden Exemplare haben unterschiedliche Maße:
Original-lackiertes Exemplar:
- Halsbreite Sattel: 41,8 mm
- Halsbreite 12. Bund: 48,9 mm
- Halsdicke 1. Bund: 21,1 mm
- Halsdicke 12. bund: 23,8 mm
Schwarzes Exemplar:
- Halsbreite Sattel: 43 mm
- Halsbreite 12. Bund: 52,4 mm
- Halsdicke 1. Bund: 22,7 mm
- Halsdicke 12. bund: 25,4 mm
Der Hals der Original-Lack Gitarre ist also schlanker und hat ein abgeflachtes C-Profil. Er fühlt sich recht modern an.
Der Hals der schwarzen Gitarre ist deutlich kräftiger (chunky) und gleicht mehr einem D-Profil.
Damals wurde noch viel Handarbeit angelegt und daher sind die Hälse unterschiedlich.
Beide Griffbretter haben einen 10“ Radius. 22 schmale Bundstäbchen (2,1mm). Einfacher Kunststoff-Sattel.
Die Mensur beträgt 24,75 Zoll und damit einer „Gibson-Mensur“ entsprechend.
Das Erlewine-Logo der japanischen Variante der Automatic wird inoffiziell als „Superman-Logo“ bezeichnet, da es die Farben des Superman-Logos enthält. Ansonsten findet man am Headstock keine weiteren Schriftzüge.
Interessanterweise gibt es Ausführungen der japanischen Automatic mit zusätzlichem Binding um den Hals und um die Kopfplatte. Das ist seltener und für meinen Geschmack eine schöne Variante. Ursächlich war laut Mark Erlewine die künstlerische Freiheit des Gitarrenbauers bei Chushin-Gakki.
Auf der Rückseite der Kopfplatte findet man selten auch mal eine Seriennummer. Die vier Nummern, die ich bisher gesehen habe, sind alle zwischen 200 und 300:
216, 247, 265, 273.
Die überwiegende Anteil der Automatics hat jedoch keine Seriennummer.
Hardware:
Als Tuner wurden Gotoh-Tuner verbaut. Auch nach 45 Jahren sind bei beiden Gitarren die Tuner intakt.
Die Bridge besteht aus verchromten Stahl mit Messing-Saitenreiter und kommt ebenfalls von Gotoh. Sie ist auf den Korpus geschraubt. Somit eine Hardtail-Konstruktion, die Saiten werden durch den Korpus gezogen.
Elektronik:
Ursprünglich kam die Gitarre mit einem DiMarzio Super Distortion in Creme auf den Markt. Dazu lediglich ein Volume-Poti (500 kOhm), kein Tone-Poti.
Einige Exemplare haben zusätzlich ein Tone-Poti. Die originale Ausfräsung für die Elektronik ist groß genug, sodass nichts zusätzlich gefräst werden muss, wenn man ein Tone-Poti installieren möchte. Vielleicht kamen einige Exemplare original mit einem Tone-Poti auf den Markt. Das läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls sind die Japan-made Automatics in Mark Erlewine’s Händen und -Fotos nur mit einem Volume-Poti ausgestattet.
Die Abdeckung ist einfaches schwarzes Plastik, ins Holz eingelassen.
Oft wurden die Pickups der Automatic getauscht. Nicht allen hat der verbaute DiMarzio Super Distortion gefallen. Mein Exemplar hat z.B. einen Seymour Duncan Pearly Gates verbaut, den auch Billy Gibbons und Mark Knopfler auf ihren Gitarren hatten. Der Vorbesitzer hat den Pickup wohl irgendwann in den 1980ern getauscht. Der Pearly Gates hat auf der Rückseite das alte große gestanzte Logo von Seymour Duncan (ohne „Made in America“), was auf die Jahre 1983 bis 1987 hindeutet. Zudem ein Sticker mit „PGBP“. Die Buchstaben stehen für Pearly Gates Bridge, gewickelt von Patty Vasquez, die bis 1986 bei Seymour Duncan arbeitete. Also stammt der PU aus der Zeit zwischen 1983 und 1986.
Seymour Duncan Pearly Gates, 1983-1986
Die schwarze Automatic hatte, als ich sie bekam, einen Schaller „Golden 50“ von 1985 verbaut. Da er mir nicht so gut gefiel, habe ich ihn gegen einen schweizer Good Tone „Mr. Brown“ getauscht. Das passt meiner Meinung nach deutlich besser zur Gitarre als der Schaller. Natürlich könnte man der Originalität zur Liebe auch wieder einen alten DiMarzio Super Distortion verbauen, aber mit den beiden oben genannten Pickups gefallen mir die beiden Automatics richtig gut.
Die Ausgangsbuchse findet man wie bei der Telecaster als Cup-Output seitlich in den Korpus eingelassen.
Einfach Gurtpins aus cremefarbenem Kunststoff. Bei den meisten Gitarren wurden diese ausgetauscht. Die Originalen lagen noch im Koffer (wie auch die Rechnung von 1981).
Das Gewicht der beiden Gitarren liegt bei 3,3 kg und 3,4 kg.
Stückzahlen: Im Netz findet man immer wieder die Zahl 300 (gebaute Exemplare). Woher kommt diese Zahl? Kann sie bestätigt werden? Nun, Mark Erlewine kann die Zahl nicht mit Sicherheit bestätigen. Vielleicht stammt die Zahl auch von den 300 gebauten Chiquitas aus der Chushin Gakki Fabrik. Sowohl die Chiquita als auch die Automatic wurden 1981 bei Chushin Gakki in Auftrag gegeben. Vielleicht wurden beide Aufträge mit der Stückzahl 300 vergeben. Das bleibt alles Spekulation. Da sie überwiegend keine Seriennummern haben, wird es wohl keine eindeutige Klarheit geben. Solange aber ein Verkäufer glaubt, damit den Verkaufspreis erhöhen zu können, solange werden die Spekulationen über die Anzahl der gebauten Exemplare immer wieder gerne zitiert.
Unterscheidung zwischen den amerikanischen, japanischen und koreanischen Automatics.
- die amerikanischen Modelle sind sehr edel gebaut, zeigen ein anderes Erlewine-Logo, teilweise ein Tremolo/Vibrato, haben oft eine gewölbte Decke und liegen in einer hohen bis sehr hohen Preislage. Oft Einzelanfertigungen.
- Die japanische Variante besteht aus Mahagoni, hat ein flaches Funier-Top, Rosewood Griffbrett, hat das „Superman-Logo“, sind Hardtails und in Cherry-Sunburst lackiert. 1 Pickup: DiMarzio Super Distortion. Auflage: limitiert (fraglich 300 Gitarren....).
- Die Hondo-Variante, made by Samick/Südkorea, hat meist 2 keramische Pickups, als Logo steht nur „Automatic“ (nicht Erlewine), ein anderes Trusrod-Cover, aufgesetzte Ausgangsbuchse und sind in der Regel im unteren Preisbereich angesiedelt. Als Holz wurde „Nato“ verwendet (kein Mahagoni). Verschiedene Typen mit Gibson- oder Fender-Mensur. Das Elektronikfach ist leicht schräg versetzt. Keine Messing-Saitenreiter. Massenproduktion.
Beispiel:
Made in USA:
Späte 1980er Jahre
Beispiel
Hondo-Version
Hondo Automatic, Made by Samick in Korea (Lizenz)
Sound:
Durch die Konstruktion mit Mahagoni Korpus und eingeleimten Mahagoni-Hals mit Rosewood-Griffbrett und der „Gibson-Mensur“ geht sie mit dem Pearly Gates PU deutlich in Richtung Gibson-Gitarre. Aber sie ist eben auch anders, allein bedingt durch den Saitenzug durch den Korpus und der Hardtail-Konstruktion mit Messingsättel. Ansonsten möchte ich zum Sound wie immer nichts schreiben, da mir das einfach schwer fällt. Beide Gitarren sind gute Rockgitarren, die Schwarze hat mehr Mittenschub. Mag natürlich am anderen Pickup liegen.
Wen es interessiert: Auf meinem YT-Kanal habe ich einen Song mit der schwarzen Automatic aufgenommen (Solo-Part). Gerne via PN.
Der damals aufkommende Zeitgeist und die Entwicklung der Super-Strat spiegelt sich in der Erlewine Automatic wider. Ende der 1970er Jahre konstruiert, ist diese Super-Strat sicher ein sehr früher Vertreter ihrer Gattung. Wohl gemerkt, die Jammerhaken mit Fine Tunern um stimmstabile Dive-Bombs zu realisieren, waren zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen.
Mark Erlewine mit japanischer Automatic: 1 PU, 1 Poti
Zusammenfassung Erlewine Automatic (Made in Japan):
- Gebaut 1981, Chushin Gakki
- Konzept entwickelt 1979
- Mahagoni Korpus (hier 2-teilig)
- Ahorn-Funier, book matched und in Chevron-Optik
- Farbe: Cherry-Sunburst
- Eingeleimter Mahagoni-Hals
- East Indian Rosewood Fretboard mit schmalen Bundstäbchen
- 22 Bünde
- Griffbrett-Radius: 10“
- Mensur: 24,75 Zoll
- „Superman-Logo“
- Gotoh-Hardware
- DiMarzio Super Distortion Bridge PU
- 1 Volume-Poti (500 kOhm)
- Hardtail-Konstruktion mit Saitenzug durch den Korpus
- Gewicht 3,3 kg
- Neupreis in Deutschland 1981: DM 695,-
Abschließend möchte ich mich herzlich bei Mark Erlewine für seinen Support, das Teilen von Hintergrundwissen und Korrekturlesen bedanken.
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