Gräbt sich der Kapitalismus sein eigenes Grab?

von void, 18.05.08.

  1. void

    void Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #1
    Ich wollte das einfach mal zur Debatte stellen:
    Meiner Ansicht nach hat der Kapitalismus im 20. Jahrhundert so lange bestand gehabt, weil es einen Feind gab, den Kommunismus. Deswegen wurde im Westen schön die Bevölkerung hochgepäppelt, weil man ja besser als die Kommunisten dastehen wollte, das typische Schaufensterprinzip. Jetzt mit dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs ist der Kapitalismus jedoch ohne ernsthafte Konkurrenz, weswegen er jetzt sein wahres Gesicht zeigt. Standortverlegungen, Massenentlassungen usw. Meiner Meinung nach muss das irgendwann zum Zusammenbruch des Systems führen, weil so ein Ungleichgewicht einfach nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden kann. Was meint ihr dazu?

    PS: Ich meine in keinster Weise, dass der Kommunismus die Lösung ist, noch dass der Kommunismus folgen wird. Das soll jetzt auch hier nicht die Hauptrolle spielen
     
  2. Bannockburn

    Bannockburn Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #2
    Tja, der Kapitalismus hat eben das selbe Problem, das jede andere Wirtschafts-/Gesellschaftsordnung auch hat: Den Faktor Mensch.
    Solange nicht alle Menschen an einem Strang ziehen und alle mit dem gleichen Lebensstandard zufrieden sind, der auch für jeden erreichbar ist (Stichwort Utopie), wird es immer gesellschaftliche Unterschiede geben und daraus resultiert ein soziales Ungleichgewicht in der Bevölkerung.

    Beim Kapitalismus äußert sich dieser Trend einfach nur anders, nämlich etwas "schleichender", als im Sozialismus. Dort hast du eben die politischen Spitzen, denen der Großteil des Vermögens zufällt, hier sind es die Wirtschaftsbosse.
    Reichtum kann im Prinzip nur durch "Unterdrückung" anderer angehäuft werden, wie das nun geschieht, ist im Prinzip egal. Im Kapitalismus wird uns eben formschön vorgegaukelt, dass es allen gut gehen kann und jeder seines Glückes eigener Schmied ist. Dass das natürlich nicht für alle gelten kann, sollte klar sein.
    Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass der Kapitalismus zusammenbrechen wird, aber auf diesem Niveau kann es nicht weiter gehen, jedenfalls nicht allzu lange. Irgendwelche Änderungen werden sicherlich auf uns zu kommen.
    Übrigens ist dies kein neueres Phänomen, das auf dem Zerfall des Kommunismus beruht... schau dir nur mal die Nachwirkungen der Industrialisierung an (Stichwort Arbeiterbewegungen).
    Wie gesagt: Das Prinzip der Bereicherung auf Kosten anderer hast du in jedem System, es zeigt sich nur in unterschiedlichen Ausprägungen. Sollte nun ein anderes System an die Stelle des Kapitalismus treten, so wird das Prinzip das gleiche sein, wodurch auch dieses System nicht von unbegrenzter Dauer sein kann.
     
  3. Fidelsen

    Fidelsen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #3
    Einfache Frage - einfache Atwort: JA!!!!

    Gelte die Wachstumstheorie für alle, müßte man sich fragen, was das soll und wo das hinführte. Das jeder 3 Autos, 2 Eigenheime, einen Privatjet, und von allem, was er besitzt, noch mal das gleiche und mehr haben muß?

    Klappt ja jetzt nur noch durch Kapitalverlagerung und -bindung, die Reichen werden reicher und begünstigt, die Armen immer ärmer und die stehen bald wie in USA an den leeren Öltonnen und entfachen diese mit Feuer, um sich zu wärmen.

    Es hat noch kein langfristiges Wirtschaftssystem gegeben, das funktioniert hätte ..... alle zusammengebrochen, oder durch Kriege vernichtet.

    Und: wir leben in der längsten Friedensperiode unserer Geschicht, der folgende logische mögliche Gedankenschritt wäre ......? Mag ich mir gar nicht ausmalen!
     
  4. Serge Bailmann

    Serge Bailmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #4
    Der Kapitalismus fängt doch jetzt gerade erst richtig an. Die neoliberale Idee wurde nunmal vollkommen überstrapaziert und hat ihr eigentliches Ziel, der befreite Mensch betreibt auch freien Handel, verfehlt. Zurück bleiben Handelsmonopole, die keinen Platz für soziale Absicherungen lassen. Und keynesianistisch wird heute wohl kaum eine Industrienation mehr wirtschaften. Wenn man das System der Marktwirtschaft aufrecht erhalten möchte, bleiben in der kapitalistischen Welt also grob gesagt diese zwei Handlungsmethoden, Neoliberalismus oder Keynesianismus, übrig.
    Und diese ganzen schicken Bedürfnisse wie vielfältige Nahrung, Autos, Mobiltelephone und Gitarrensaiten kann eine Planwirtschaft nunmal leider kaum decken.

    Ich wünschte, es wäre anders, aber die Auseinandersetzung mit Wirtschaftstheorien ist ernüchternd und lässt einen desillusioniert zurück. Der Kapitalismus wird aufgrund seiner Verwertungslogik und dem sozialdarwinistischen Prinzip "Der Stärkere setzt sich durch" dem Menschen meiner Auffassung nach nicht gerecht wird und ist daher abzulehnen. Gleichzeitig bin ich mir aber auch dessen bewusst, dass eine Umwälzung des Systems ungeahnte Folgen hat und möglicherweise mehr Menschen in den Abgrund stürzen würde, als jetzt schon unter prekären Verhältnissen leben. Ein Dilemma.
     
  5. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #5
    Nein, es existiert im Kapitalismus kein wirtschaftliches "Ungleichgewicht", im Gegenteil, der Kapitalismus führt langfristig immer in eine effiziente Verteilung aller Resourcen. Was du ansprechen möchtest, ist eine subjektive "Ungerechtigkeit" der Güterverteilung im Sinne der Tatsache, dass dir oder gewissen Interessengruppen der Kuchen unfair verteilt erscheint. Ein "Zusammenbrechen" des "Systems" kann im Kapitalismus niemals erfolgen, und solltest du hiermit eine radikale Umverteilung von Wertgütern meinen, so wird diese lediglich wieder eine durch das System Kapitalismus bedingte wirtschaftliche Umverteilung sein.

    Ich finde es beängstigend und lächerlich, welch naive Abneigung und Stimmungsmache regelmäßig gegen unsere Wirtschaftsordnung zur Schau getragen wird, als sei eben dieses natürliche Handelssystem der Grund für gewisses Elend in der Welt. Wer gegen den Kapitalismus wettert, wettert im Grunde gegen sich selbst und den Menschen an sich. Gegen den Kapitalismus zu sein, bedeutet gegen Freiheit und Leistungsbelohnung zu sein, und wer mit fehlenden Chancen für einen großen Anteil der Menschen in diesem System argumentiert, übersieht, dass nicht das System, sondern die Aggregation eines jeden einzelnen Menschen natürlichen Egoismus eben jene Chancenförderung verwehrt.

    Es gibt keine Alternative zum Kapitalismus, kein Kritiker kann neben seinen Anti-Parolen ein sinnigeres Wirtschaftssystem nennen, und ein "Zusammenbrechen" des Kapitalismus steht vielleicht in diverser Leute Träumen, nicht aber in der Realität bevor, im Gegenteil, entdecken doch stetig mehr Länder die Wohlfahrtssteigerung durch freien Handel. Jedem von uns und jedem Menschen auf der Welt würde es (lang- oder kurzfristig) ohne Kapitalismus schlechter gehen, eben weil keine oder falsche Anreize gesetzt werden, weil falsche Leistung belohnt und andere missachtet werden und weil ganz einfach die Freiheit des Einzelnen beschnitten würde.

    Der Punkt, den die meisten Kapitalismuskritiker ansprechen möchten, ist das Problem der fehlenden Chancen der "Verlierer" des Kapitalismus, und es ist keine Frage, dass die Armut eines großen Teils der Weltbevölkerung eine nicht wünschenswerte Folge des Kapitalismus ist (die aber, ohne Zweifel, auch in jeder anderen Wirtschaftsordnung mindestens gleichermaßen ausgeprägt wäre!). Eine solche Armut kann nur bekämpft werden, wenn in entsprechenden Regionen Produktivität und somit resultierend Wirtschaftswachstum gefördert wird. Der Punkt ist hier aber: Niemand macht das und der große Teil der Antikapitalisten genauso wenig. Warum mach das keiner? Weil es denen, die dazu in der Lage wären, bereits so schon gut genug geht, und sie es nicht nötig haben, dass es durch Wirtschaftsförderung und weitere Tauschvorgänge allen (!) besser geht.

    Resultat: Kapitalismus ist nicht böse, sondern effizient. Der Mensch ist nicht böse, sondern egoistisch. Wer helfen will, soll nicht gegen Freiheit und das pöse, pöse "Sytstem" rebellieren, sondern in eben jene hilfsbedürftigen Menschen investieren.
     
  6. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #6
    Der Kapitalismus ist auch keine Ideologie sondern das gewachsene Handelssystem seit einigen tausend Jahren. Er hat lange vor dem erzwungenen und nur unter diktatorischer Gewalt durchzusetzendem Kommunismus existiert und braucht dieses Gegengewicht nicht. Auch im Sozialismus galt: "Hast du was biste was", nur das es von denen, die hatten, einfach verleugnet wurde. Der Raubbau an der Natur und am Menschen war nie schlimmer als in solzialistischen Staaten.

    Vor zweihundert Jahren war das Gefälle zwischen arm und reich auch Gewaltig, vor 500 Jahren war es noch schlimmer. Wenn man sich das ganze mal als einer anderen Perspektive betrachtet, ist unsere heutige Witschaftsordnung immer noch ein Fortschritt.
     
  7. BASSisT86

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    Erstellt: 18.05.08   #7
    Sicherlich ist es die Frage, welche Alternativen der Kapitalismus im Allgemeinen hat. Aber dass er so weiterplätschern darf, wie er es jetzt tut, wäre ein grober Fehler. Schon alleine, dass die Schere zwischen arm und reich stetig und undurchbrochen auseinandergeht, spricht gegen den momentan praktizierten Kapitalismus. Damit ist zumindest das neoliberale System gescheitert, es sei denn, man sieht bereits das Geld im Zentrum, nicht den Menschen. Ob man einen keynesianischen Kapitalismus praktizieren kann, ist dann eine andere Frage. Ich behaupte zumindest, dass es wesentlich besser funktionieren würde. Denn das fessellose, grenzenlose Gewinnstreben endet in der Entsozialisierung der zwischenmenschlichen Verhältnisse. Wenn der Kapitalismus nicht bald ein anderes Gesicht bekommt als Effizienz und Gewinnmaximierung, wird er an der Bevölkerung von selbst scheitern.

    Ich finde es traurig, wie wenig Menschen die Fähigkeiten zur Systemkritik haben. Denn nur wer Systemkritik praktizieren kann, wird frei, fern von vorgegebenen Strukturen, denken lernen. Und das ist notwendig um positive Veränderungen für die Zukunft zu ermöglichen.

    Wie du richtig erkennst, besitzt der Mensch einen natürlichen Egoismus. Für dich ist das ein Grund gegen den Menschen. Für mich ist es ein Grund gegen das System, denn das System können wir ändern, den Menschen nicht.
    Freiheit gibt es nur für die, die ein gewisses Kapital angewirtschaftet haben, und selbst die sind nicht frei, weil abhängig von ihrem Geld. Und Leistungsbelohnung ist, da muss man gar nicht weit schauen, in diesem Fall nicht angemessen, sondern nur auf abartiger Weise, vorhanden.

    Mit ein bisschen Weitsicht kann man Anti-Parolen von angemessener Kritik unterscheiden. Alles in einen Topf zu werfen ist kindisch und irrational. Ein sinnigeres Wirtschaftssystem wäre z.B. mal eines, dass jedem Menschen auf diesem Planeten die Grundversorgung bietet, die er zum Leben braucht. Wie der Mensch dann an Luxusgüter kommt, dass ist dann eine andere Sache, die man meinetwegen durch Kapitalismus lösen kann. Aber die Grundversorgung des Menschen als Spielball des kapitalistischen Systems zu machen, ist eine unübersehbare Fehlentwicklung, die zig Gegenmodelle hat, die wesentlich fairer und besser funktionieren.

    Mein Vorschlag: Eine Mischform von Kapitalismus und Kommunismus. Die Grundversorgung wird jedem zugesprochen, der Rest kann auf kapitalistische Weise verdient werden. Das ist ziemlich nah an der sozialen Marktwirtschaft, die heutzutage leider immer mehr durch die freie Marktwirtschaft aufgefressen wird. Der Mensch muss das Grundrecht auf Leben haben und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Und das leistet das heutige System nicht mehr.

    Richtig. Und wenn du noch zwei Zentimeter weiterdenkst, wirst du darauf kommen, dass es daran liegt, dass dieses System, das wir hier haben, und für das du bereits einen Schrein erbaut zu haben scheinst, nicht genug Anreize dafür gibt, Anderen zu helfen, sondern vielmehr den Menschen dazu drängt, immer zu funktionieren und nicht an Andere zu denken. Kapitalistisch Handeln und sozial Handeln ist ein fundamentaler Widerspruch. Kapitalismus baut auf Selbstzentriertheit auf, soziales Handeln auf eine gewisse Selbstlosigkeit. Wer im Herzen Kapitalist ist, kann am selben Ort kein Menschenfreund sein, jedenfalls kein erfolgreicher. Denn der Kapitalist, der ohne zu erwartete Gegenleistung anderen Menschen helfen möchte, ist nicht effizient und damit dem finanziellen Tode geweiht.

    Effizienz ist ein systemimmanenter Begriff, der ohne den Kapitalismus keine Bedeutung hat. Er ist ein Begriff ohne systemexternen Bezug, der gegen den sich auf reale Begebenheiten beziehenden Begriff des sozialen Beisammenseins steht. Wer Effizienz als höchstes Ziel der Menschheit deklariert, hat den Faden der Menschlichkeit schon längst verloren.
    Wer ja und Amen schreit, weil er genug Scheine in der Tasche hat, der kann nicht als objektiver Kritiker dieses Systems fungieren, sondern er hat vielmehr als funktionierendes "Werkzeug" in ihm seinen Platz gefunden.
     
  8. Paranoid

    Paranoid Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #8
    Wie lange gibt es denn Ungleichgewichte? Schon immer. Schon die Steinzeitmenschen hatten ihre Alphatierchen als sie noch nicht mal reden konnten. Und wenn das von einem stärkeren Alphamännchen getötet wurde, war halt das das Alphamännchen. Am System hat das nicht das geringste geändert. Auch das post-revolutionäre System in Frankreich hatte keine Herrschaft der Vielen, der Kommunismus noch viel weniger.
    Den Kapitalismus gibt es letztendlich fast genausolange, wenn man die Weibchen der Steinzeitmenschen entsprechend mit Besitz gleichsetzen würde ( ... ) sogar genauso lange.

    Wieso also sollte sich jetzt was dran ändern? Verstehe ich nicht ganz. Und kleiner waren die Ungleichgewichte in der Geschichte sicher nicht, eher viel größer. Denk mal an das alte Rom. Zerfallen ist das auch erst, als ein paar Nomaden im Norden nichts mehr zu essen hatten und deshalb in den Süden gegangen sind. Das _Volk_ hat da gar nichts gemacht.
     
  9. Crestfallen

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    Erstellt: 18.05.08   #9
    inwieweit soll sowas ein argument FÜR ein system sein?
    damit es besser wird.
    welch scharfsinnige geschichtliche analyse :great:
     
  10. Fidelsen

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    Erstellt: 18.05.08   #10
    Wieso muß ih jetzt an Erdmännchen denken? :D:D:D

    Hätten wir das Denken bloß den Betafrauchen überlassen ................ :great:
     
  11. Paranoid

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    Erstellt: 18.05.08   #11
    Wer sagt dass das ein Argument dafür sein soll? Es geht darum, dass ich die Begründung, wieso es jetzt dem Kapitalismus an den Kragen gehen sollte, nicht im Geringsten nachvollziehen kann. Und irgendwie ging es in diesem Thread ja darum.

    Ersetze "wieso" durch "wie" vielleicht verstehst du dann, was ich damit sagen soll.
     
  12. Pleasure Seeker

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    Erstellt: 18.05.08   #12
    Weisst du was zu deinem Alphamännchensystem nicht passt? Bildung, Humanismus, Religionen, alles das was den Menschen zum dem außergewöhnlichem Tier macht welches er ist. Er ist, zumindest gibt er es vor, in der Lage genau gegen dieses scheinbare Naturgesetz anzugehen. So zu tun als könne man jenes System nicht humaner gestalten "weil's eben so ist", ist die die Kapitulation vor der menschlichen Entwicklung. Dann kann man auch nicht mehr rechtfertigen und vermitteln warum Mord und Totschlag einen Straftatbestand darstellen, ob ich jemanden mit politischer/wirtschaftlicher Macht, in welcher Form auch immer, um die Ecke bringe oder ihn mit einem Messer ersteche, kommt irgendwie auf das Selbe raus.

    In diesem Sinne, vielleicht heisst's ja bald mal wieder: "let's lynch the landlord". Ist ja auch ein Naturgesetz das sich die Machtverhältnisse radikal ändern können.
     
  13. Frostbalken

    Frostbalken Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #13
    Da besteht aber IMMER das Problem, daß ein neues System eben auch von Menschen geschaffen werden müsste. Warum sollten sich die Erschaffer großartig von früheren unterscheiden und nicht auch egoistische Perspektiven einbringen, bzw. im System ihre erstrebenswerten Ziele einbauen?

    Zumal ein System wie Kapitalismus nicht einfach geändert werden kann. Das würde zum einen einen langen Zeitraum benötigen und andererseits wäre die Übergangsphase alles andere als leicht zu vollziehen. Vom Umdenken der Bevölkerung (halte ich bei der Masse für unmöglich) bis zur resultierenden Neuordnung der Wirtschaftsverbindungen und Abkommen/Gesetzeslage ist es ein sehr weiter Schritt, der nicht ohne Verluste begangen werden kann. Ich denke nicht, daß die bisherigen "Verlierer" (um den begriff weiterzuführen) dabei gewinnen würden, wie auch, es fehlt ja jetzt schon an den nötigen Ressourcen, um im weltweiten Wettbeberb mitzuhalten, woher sollten die plötzlich kommen?

    Andererseits ist es auch ein typisches Merkmal von Wirtschaftsprinzipien, daß sie sich selbst bestätigen. Heißt, sie haben eine Anhängerschar, die die Rahmenbedingungen so anpassen, daß das Prinzip funktionieren muss. Nicht weil es evtl. das Beste ist, sondern weil eben die politische und ökonomische Umwelt darauf abgestimmt wird. Bei der von dir vorgeschlagenen Systemänderung würde mMn wahrscheinlich genau das passieren, die Rahmenbedingungen würden noch mehr zu gunsten des bestehenden Systems verändert werden.

    Im internationaen Vergleich, welche wären das denn? Ich will nicht bezweifeln, daß solche System funktionieren könnten, nur fällt mir spontan keines ein, das besser funktioniert und dennoch im weltweiten Wirtschaftssystem konkurrenzfähig ist.

    Ja, klingt natürlich vernünftig und erscheint gerecht. Aber wie soll das praktisch umgesetzt werden? Wenn man nur mal Deutschland heranzieht als Beispiel, das Rentensystem beispielsweise funktioniert bereits nicht mehr richtig und wird auf lange Sicht einbrechen. Obwohl die jetztigen Rentner Teile ihrer Löhne abgeführt haben, bleibt ihnen jetzt nicht mehr viel davon übrig, woher soll also das Geld kommen um Leuten die Grundversorgung zu gewährleisten, die im Wirtschaftssystem benachteiligt sind und auch selbst nichts für ihre Sicherung einzahlen, bzw. sie sichern können?

    Das sehe ich ähnlich, wenn auch nicht so bedingungslos schwarz-weiß gemalt. Kapitalismus baut nicht nur auf Selbstzentriertheit auf, soziales Handeln auch nicht nur auf reiner Selbstlosigkeit, das ist mMn kein Mensch. Und sei es nur das Gefühl, jemandem Geholfen zu haben und sich besser/menschlicher als Kapitalisten, die andere nur ausbeuten zu fühlen, wäre das schon nicht mehr rein selbstlos. Im Kapitalismus kann man auch nicht nur rein Selbstzentriert denken, da er viel zu viele Kooperationen eingehen muss, allein schon auf ebene der Unternehmen. Frag dich mal, wieviele Unternehmen an der Herstellung eines PKW beteiligt sind. Wären die alle rein selbstzentriert und opportunistisch, würdest du für einen PKW ein vielfaches mehr bezahlen müssen, weil die Informations-, Durchführungs- und Kontrollkosten von jeglichen Transaktionen extrem steigen würden, sowohl unternehmensintern als auch-extern.

    Gegenbeispiele gibt es genug, z.B. regionale Netzwerke von Handwerksbetrieben, die ihre Partner vermitteln, wenn z.B. nach ihrer Auftragserledigung weiter Leistungen fällig werden, die sie selbst nicht erbringen können. Reales Beispiel (aus Bayern, wenn ich mich recht erinnere): Ein Netzwerk von Handwerksunternehmen. Bei einer Haussanierung wurden Elektroleitungen, sanitäre Einrichtunge, etc. instand gesetzt wobei sich die im Netzwerk tätigen Partner vermittelt haben, heißt: Der Elektriker hat dem Auftraggeber gleich mal den Klempner seines Netzwerkes ans Herz gelegt, der auch den Auftrag bekam. Selbstlos ist das zwar nicht, aber selbstzentriert sicher auch nicht, da sie als Netz so wesentlich mehr Aufträge erhielten, als alleine.


    Jein. Effizienz wird im Kapitalismus wohl kaum als höchstes Ziel der Menschheit deklariert, wohl aber gilt es für das Wirtschaftssystem und ist vollkommen logisch. Effizienz ermöglicht es THEORETISCH einem Unternehmen ihre Ressourcen bestmöglich auszunutzen und Gewinne zu verbuchen. Das diese nicht zum Wohl der Arbeitnehmerschaft eingesetzt werden ist aber nicht der Fehler des Konzeptes Effizienz sondern ganz zu Anfang beschriebenem Egoismus der Menschen zuzuschreiben. Wie Wilbour Cobb bereits schrieb über die DDR: "haste was, biste was". Gilt hier genauso, nur könnte man auch sagen: "haste noch mehr, biste noch mehr". Das System Kapitalismus lässt einzelnen Schichten in hohen wirtschaftlichen und politischen Machtpositionen die Schlupflöcher, sich weiter zu bereichern, was offenbar auch gerne ausgenutzt wird. Diese Löcher zu schließen ist die eine Sache (heißt aber nicht, das gesamte System zu überarbeiten!), den Menschen diesen Wesenszug auszutreiben ist die andere. Erstere ist möglich, zweitere mMn nicht.

    Weiterhin ist der Begriff "Effizienz" nicht systemimmanent auf den Kapitalismus anzuwenden. Kein System kann funktionieren, wenn es nicht effizient geführt wird, auch nicht der Sozialismus. Ich denke dieser bedürfte noch mehr Effizienz, da dort die Grundversorgung wesentlich mehr Menschen zugesprochen werden muss (prinzipiell richtig, bringt aber mehr Kosten mit sich) aber nicht mehr erwirtschaftet werden würde. Daher müsste eben effizienter gewirtschaftet werden, um die vorhandenen Ressourcen zu verteilen ohne in Engpässe zu geraten. Das würde im Umkehrschluss nämlich bedeuten, wir (im Sinne von weltweit agierenden Industrienationen) würden unseren momentanen Lebensstandard und die Wohlfahrt mindern. Stell dir doch nur mal vor, wieviele Menschen das betrifft (zugegeben, zahlenmäßig wohl weniger, als die, die jetzt unterversorgt sind)!

    Glaubst du, die nehmen das einfach so hin?

    Edit: Effizienz-Fieber ist übrigens ein Merkmal des Taylorismus. Dabei soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, daß in seinem Scientific Management die Arbeit der Arbeiter (körperlich und geistig getrennt) eben mit hohen Löhnen und Prämien bemessen werden sollte, um die bestmöglichen Leistungen zu erbringen. Das gilt vorwiegend für standardisierte Massenproduktionen, in denen Menschen eher Maschinenartig funktionieren. Das die Realität arg von der Theorie abweicht ist mMn nicht der Fehler der Theorie sondern auf Ebene der Entscheidung über Ressourcen und Gewinne zuzurechnen, sprich höheres Management. Wieder sind wir beim egoistischen Menschenbild angelangt.

    Wie ein System funktioniert ohne effizient zu sein sieht man ja an der Bürokratie in Deutschland, die durch Standardisierung und Formalisierung so dermaßen steif geworden ist, daß sie nur noch schwerfällig und vor allem mit langen Kommunikationswegen u. Instanzenzügen funktioniert.

    Ich würde eher sagen, wer Effizienz nicht als ein wichtiges (nicht notwendigerweise DAS wichtigste) Merkmal eines Wirtschaftssystems und dessen Funktionsweise sieht, ist nicht in der Lage, ein besseres als ds Jetztige zu entwickeln ohne momentane Missstände nur noch weiter zu vergrößern.
     
  14. Crestfallen

    Crestfallen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #14
    du willst aber nicht leugnen, dass "kapitalismus" vor 5000 jahren etwas anders funktioniert hat als jetzt, und dass es durchaus entwicklungen gibt, die in der form erst im letzten jahrhundert angefangen haben. die threadfrage bezieht sich meines erachtens direkt auf den modernen kapitalismus, und da zu argumentieren, dass es vor xxxx jahren auch schon kapitalismus gegeben hat, erscheint mir wenig sinnvoll.
    laut eröffnungspost ist die frage, was nach dem kapitalismus folgen soll, hier erstmal zweitrangig. um ehrlich zu sein, mir fällt nichts ein, das sich weltübergreifend einsetzen lassen würde, weil es wohl zuviel solidarität fordern würde. ich bin aber auch nicht vom fach.
     
  15. EDE-WOLF

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    Erstellt: 19.05.08   #15
    man muss differenzieren:

    der kapitalismus ist in erster linie ein wirtschaftssystem und KEIN moral oder gesellschaftssystem...


    als reines wirtschaftssystem ist er weit davon entfernt sich sein eigenes grab zu schaufeln

    er wächst und wächst und entwickelt sich prächtig er globalisiert und noch ist kein ende in sicht! wunderbar!


    allerdings ist (und das ist der knackpunkt) die basis für ein wirtschaftssytsem immer die eine "arbeitskraft" oder anders gesagt: eine gesellschaft....

    und hier ergibt sich das problem:

    Wir machen derzeit den fehler ein wirtschaftssystem an DIE stelle zu rücken, wo eigentlich ein moralisches gesellschaftliches system mit ethik und normen stehen sollte.

    Anders gesagt:
    im derzeitigen system gibt es einige Systemimmanente fehlentwicklungen:

    Erziehen wir unsere kinder so, dass sie in diesem System erfolgreich sind, können wir sie selbst nicht mehr leiden: eingebildet, unsozial, egozentrisch, desinteressiert an seinen mitmenschen....

    Warum geht denn "moral" (im wirtschaftlichen sinne) so man sie so nennen möchte den bach runter?

    weil es geht!


    man hat ja keine verantwortung mehr, es ist nicht mehr sichtbar was man mit seiner rendite geilheit anrichtet! und das gilt auch für kleinanleger....

    ich springe an dieser stelle einmal!

    2 der grundlegensten schwächen dieses systems sind imho:

    Die Kapitalgesellschaft (der moment in dem man für sein investment, und dazu gehören auch nunmal menschen, nicht mehr verantwortlich ist)

    und der zinseszins....