Günter Grass bei der SS... Nobelpreis zurückgeben?

von Zack ab!, 15.08.06.

  1. Zack ab!

    Zack ab! Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #1
    Unlängst hat Günter Grass eingeräumt, er sei nicht nur Flakhelfer während des 2. Weltkriegs gewesen, sondern Mitglied der Waffen-SS.

    Logischerweise führte dieses Geständnis zu gewissen Kontroversen in den Medien und etliche angesehen Personen fordern, dass Grass seinen Nobelpreis für Literatur und seine Ehrenbürgerschaft Danzigs abgibt.

    Ich frage mich nur, ob die Mitgliedschaft bei der SS tatsächlich die Glaubwürdigkeit dieses engagierten Schriftstellers beschädigen kann.
    Meiner Meinung nach, ist Grass zu einer DER Instanzen der Vernunft geworden, die in der heutigen Gesellschaft in Deutschland noch was zu sagen haben, geworden.

    Natürlich hat er einen Fehler gemacht, indem er die Öffentlichkeit angelogen hat, aber welche Person des öffentlichen Lebens tut dies heute nicht.
    Abgesehen davon sehe ich keinerlei Zusammenhang zwischen der Mitgliedschaft bei der SS und dem Nobelpreis für Literatur.
    Seine Vergangenheit schmälert in keiner Weise seine Leistungen.
     
  2. Lance85

    Lance85 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #2
    Auch wenn ich kein großer Grass-Fan bin...
    Dieser Satz bringt es auf den Punkt!
     
  3. anonym

    anonym Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #3
    Er ist eingezogen worden und hat sich nicht freiwillig zur SS gemeldet.
    Er handelte sich um eine Kampftruppe der SS, nicht um KZ-Wächter o.ä.
    Er hat nie bei dieser Einheit gedient.
    Er war 14 Jahre alt.

    Also, was solls?
    Wer da jetzt einen großen Aufstand drum macht, will sich profilieren, sonst nix.
    Affentheater von Moralisten. Was zählt, ist sein Werk, nicht irgendeine Jugendsünde, die er ja nun auch selber zugibt. Zwar spät, aber immerhin.
     
  4. gorgi

    gorgi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #4
    Mich wundert es schon sehr warum alle son Aufstand darum machen.
    Wer weiß wie viele Politiker, Schriftsteller oder sonstwas früher bei den Nazis gedient haben. Deutschland wurde so in diese Propaganda gefesselt, das viele gedacht haben ey wenn ich das mach, dann gehts uns alle gut. Manche musste auch zu den Nazis weil sonst sie und ihre Familie getötet wurden.
    Mir ist es völlig egal ob jetzt ein Politiker oder sonst was früher da gedient hat soweit er nun seine Ansichten geändert hat.
     
  5. Earth616

    Earth616 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #5
    seh ich genauso. er hat doch mit seinem werk bewiesen, dass er sich gegen den ns stellt und das ist es was meiner meinung nach zählt.
     
  6. Drum-Elk

    Drum-Elk Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #6
    Falsch! Grass war zu der Zeit 17 Jahre alt. Wenn man zum Kriegsdienst eingezogen wurde, kam man automatisch erstmal zur Wehrmacht. Wollte man zur Marine, Waffen-SS, SS oder Luftwaffe, so mußte man sich dafür melden. Zur Erinnerung: Die Waffen-SS war eine Elitetruppe. Man kommt da nicht einfach so rein. Meines Wissens, kamen nur 3 von 10 Bewerbern für die Waffen-SS in Frage, denn die Aufnahmekriterien waren hart. Fakt ist aber auch, dass die Waffen-SS zum Kriegsende hin mehr Bewerber aufnahm, auch wenn diese nicht alle Aufnahmekriterien erfüllten. Trotzdem mußte man sich auch zu der Zeit, für den Dienst bei der Waffen-SS bewerben. Grass hatte der 10. SS Panzerdivision "Frundsberg" angehört.

    Grass ist ein narzistischer Pseudomoralist mit einer gepflegten Profilneurose. Das baldige erscheinen seiner Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" veranlasste ihn wohl einen kleinen Press-Bang zu veranstalten, der die Auflage in ungeahnte Höhen bringen soll. Der Umstand, dass Grass in der Waffen-SS war, ist nicht so wild. Doch sich damals über den Besuch von Ronald Reagan (ehem. US-President) auf einem Soldatenfriedhof aufzuregen, weil dort auch SS-Soldaten begraben sind, ist schon recht "unglücklich", wenn man selbst angehöriger der SS war.

    Hier ein Artikel mit Hannes Heer im Spiegel Interview zum Thema "Grass in der SS". Unbedingt lesen!

    VG
    Der Elk
     
  7. anonym

    anonym Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #7
    Gegen Ende des Krieges hat die SS auch Leute eingezogen und er hat diese Panzerdivision persönlich auch nie getroffen, da war es schon zu spät.
    Also, "angehört" ist was anderes.
    17jährige wissen gar nix, und ich hoffe, daß nie rauskommt, was ich in dem Alter so gemacht habe. Wäre auch nicht schmeichelhaft, hat aber mit mir heute nix mehr zu tun.
    Das ist wie mit den 80erJahre-Steinewerfern und den damaligen Autonomen +co- wo sind die bloß alle?
     
  8. Booster

    Booster Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #8
    meines wissens nach hatte es für viele gegen kriegsende einen guten grund zur ss zu gehen. dort war die ausbildung länger als bei anderen streitkräften, sodass die chance das man noch an die front musste deutlich geringer war...trotz des kriegsverlaufes wurde diese ausbildung nämlich durchgezogen. Zudem war Wiederstand gegen die ns führung sehr schwierig...
    Zudem denke ich auch, dass er seine ehrungen für seine werke bekommt, die dadurch nicht schlechter werden. Ich hätte es an seiner Stelle auch verschwiegen. Es wird nämlich gleich so ein Terz drum gemacht. Das ist das Problem in deutschland, dass man nicht mal ein wenig vernünftig mit dem thema umgehen kann und immer nur mit dem knüppel auf die leute losgehen will....das macht die geschichte auch nicht besser und ich denke das Grass sich verdient genug hat mit seinen werken, dass man vernünftig mit dem thema umgehen kann. Es IST nunmal so, dass er großartige Literatur verfasst hat. Die wird durch seine geschichte doch nicht schlagartig schlechter. Natürlich soll man die geschichte deutschlands nicht verharmlosen oder vergessen, aber irgendwo muss auch mal gut sein mit dem moralischen finger zu winken....das ist so ein punkt wo man dann mal aufhören sollte direkt über den menschen herzufallen. denn jmd direkt so schlecht zu reden ohne sich anzuhören was er sagt ist keinen deut besser als das urteilen über menschen durch die ns regierung, wenn man es mal ein wenig überspitzt ausdrückt.

    mfg booster
     
  9. Simson

    Simson Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #9
    Seine Leistung als Schreiberling schmälert das nicht, auch vieles was er gesagt hat bleibt richtig.
    Aber Einige, die er mit seinem besswerwisserischem Moralismus als der absolute Gutmensch belästigt hat werden es mit Genugtuung aufnehmen.
    Hätte er es von Anfang an bekannt - no problem. Auch der Papst war Flakhelfer.
    Aber die Dopplezüngigkeit werden ihn und eben auch Teile seines Werkes sehr beschädigen.
    Besonders klasse Marcel R-R, der zu dem Thema gar nichts sagt. Das reicht.

    Und zum Thema wird das was er gesagt hat durch seine Vergangeheit und den Umgang damit unwahr:
    Was ist mit Leni Riefenstahl, Arno Breker und den ganzen Kandidaten? Deren Kunst und Können kann auch nicht von der Geschichte getrennt werden.

    Also - Grassens Bücher mit Vorsicht genießen, den Rest streichen! Die Grafiken fand ich eh immer hässlich.

    Simson
     
  10. Drum-Elk

    Drum-Elk Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #10
    Wieder Falsch! Grass erzählte in einem Fernsehinterview vor ein paar Jahren von seinen Kriegserfahrungen. Gedächtnisprotokoll: "Ich habe gesehen wie um mich herum Kameraden meiner Einheit von den Geschoßen der Stalinorgeln zerfetzt wurden. Jetzt weiß ich, dass ich nur zufällig lebe!" (gesehen in TTT, Titel, Thesen, Tempramente, ARD) Hier der Großteil zum nachlesen

    Klingt schon so als ob er in einer Kampfeinheit gedient hat. Jetzt wissen wir auch wo! Zur Erinnerung. Günter Grass wurde am 16.10.1927 geboren. 1944 war er also 17 Jahre alt. Zu dieser Zeit war meines Wissens, der (Totale) Krieg noch voll im Gange. => Kriegsende in Europa war der 8. Mai 1945.

    Anonym, ich will dir nicht zu nahe treten, aber informier dich einfach mal besser, bevor du Sachen schreibst, die nicht stimmen. Das nervt.

    Danke
     
  11. think.funny

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    Erstellt: 15.08.06   #11
    Ooh,... mit 17 weiß man schon so einges über Moral und Humaität!! Es gab ja auch junge Leute die lieber emigrierten, oder im Untergrund kämpften, als sich zum Handlanger für Abscheulichkeiten machen zu lassen.

    Sicher sind dem Grass die Augen aufgegangen, sonst hätte er sich nicht auf die linke Seite geschlagen. Insofern hat's schon mit seiner weiteren Persönlichkeit zu tun und wenn ihm der Schuh nicht all die Jahre gedrückt hätte, wäre die öffentliche Beichte nicht gekommen.
     
  12. Matkra

    Matkra Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #12
    Also wenn er durch dieses Geständnis irgendwelche negativen
    Konsequenzen zu tragen haben wird,wäre das wirklich schwach.
    Ich finde es positiv, dass er damit an die Öffentlichkeit geht.
    Er hätte die Sache genau so gut ewig verschweigen können.
    Der gute Mann würde für Ehrlichkeit bestraft - das darf nicht sein.
     
  13. SkaRnickel

    SkaRnickel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #13
    Ja. Und ich wette, vielleicht 95% aller, die Grass heute kritisieren, hätten damals mit dem selben Eifer diesem Regime gedient. Stell dir vor, dir würde 17 Jahre lang eingetrichtert wie toll das und das ist, wie böse die und die sind, und dass du an der Spitze der Schöpfung stehst, die anderen unter dir und *bla*.
    Heute kann keiner, wirklich NIEMAND sagen "Ich hätte da bestimmt nicht mitgemacht", weil man die Situation nicht nachvollziehen kann!
    Deshalb finde ich, sollte keiner über ihn Urteilen, vor allem da das Geständnis freiwillig war, und so ein Geständnis eine Menge Mut erfordert.
     
  14. think.funny

    think.funny Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #14
    Genau das gibt vielen/manchen zu denken...
    Btw... ich urteile nicht über ihn, sondern mache mir mein Bild.
     
  15. jam-jam

    jam-jam Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #15
    Man konnte sich schlecht gegen das Regime währen und durch die Propaganda wurden den Jugendlichen eingetrichtert, dass das alles gut und schön ist. Viele wussten gar nicht was wirklich geschah.
    Und mit der Anti-NS Haltung, finde ich, dass Grass Recht dazu hat andere damit zu belehren. Wahrscheinlich hat er durch seine Erfahrungen in der SS sehr gute Eindrücke von diesem falschen und unmenschlichen Schwachsinn. EIn Mensch darf und kann sich doch ändern oder? Man wird durch Erfahrungen geformt, ob gute oder schlechte.

    Drei Dinge, die schon gesagt wurden will ich noch unterstreichen:
    Die Literatur wird dadurch nicht schlechter

    Sehr viele Menschen haben in der Wehrmacht gedient und sind keine Teufel.
    Sollen wir jeden der was mit dieser Zeit zu tun hatte von allem ausschließen?

    Es war schon sehr mutig von ihm sich dazu zu bekennen. Er hat seine Karriere aufs Spiel gesetzt.
     
  16. Paranoid

    Paranoid Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #16
    Leni Riefenstahls Werk ist aber auch untrennbar mit den Nazis verbunden, weil sie zu dem Zeitpunkt schon künstlerisch tätig war, und zwar im Sinne der Propaganda. Das kann mun wirklich nicht vergleichen. Auch Arno Breker hat sich zumindest nicht dagegen gewehrt, dass sein künstlerisches Schaffen als Lieblingsbildhauer Hitlers ins System eingegliedert wurde und die Anleihen, die er in seiner Kunst an die griechische Mythologie genommen hat, passten da auch gut rein.

    Grass mag damals eben dazugehört haben, aber was soll man als 17-jähriger da denn bitte groß machen? Sein Werk ist auf jeden Fall erst später entstanden und genau dafür hat er den Nobelpreis bekommen.
    Ob diese Enthüllung nun einige seiner Werke in Zwielicht rückt, darüber kann man streiten, aber es ist absolut lächerlich, ihm deswegen den Nobelpreis entziehen zu wollen. Moralistisches Getue.
     
  17. Simson

    Simson Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #17
    Ich verurteile nicht den 17jährigen.
    Ich kritisiere ihn (mit 30, 40, 60, 70) dafür, daß er statt es wie viele andere auch offenzulegen für sich behalten hat und stattdessen g l e i c h z e i t i g das Gewissen der Nation gespielt hat.
    Warum hat er als Schönhuber sien Buch schrieb 'Ich war dabei' (auch Waffen-SS) nicht gesagt 'Ich auch, aber ich habe etwas draus gelernt? Zeitpunkt verpasst!
    Den Nobelpreis für Literatur soll er haben. Einen Friedensobelpreis oä würde ich nun stark bezweifeln.
    Und das ist kein
    Simson
     
  18. Birkenschubser

    Birkenschubser Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #18
    @Simson:

    Was er wohl schlecht hätte tun können, wenn er vorher seinen Hintergrund offengelegt hätte, meinst du nicht? :rolleyes:
     
  19. Mighty Scoop

    Mighty Scoop Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.08.06   #19

    Ich denke es steht uns nicht zu, einen respektablen Mann wegen eines Verhaltens zu verurteilen, dass aus einer Vergangenheit resultiert, die wir nicht miterlebt haben. Vor allem ,wenn wir seine Beweggründe dafür nicht kennen.
     
  20. x-Riff

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    Erstellt: 15.08.06   #20
    Ich muss sagen, dass der Spiegel-Artikel bzw. das Interview mich schon nachdenklich gemacht haben.

    Etwas detaillierter:
    Ich weiß nicht, was mit mir passiert wäre oder was ich getan hätte, wenn ich der NS-Propaganda ausgesetzt worden wäre. Ich habe da die böse Ahnung, dass wenn ich der Überzeugung gewesen wäre, ich sollte aus guten Gründen meine Heimat oder mein Volk schützen und die anderen seien keine Menschen sondern Schädlinge und die griffen mich an, ich mit großem Eifer und tiefer Innbrunst Sachen gemacht hätte, die mich schon alleine in der Vorstellung schaudern lassen.

    Also erhebe ich mich nicht über einen 17-Jährigen. Und dann interessiert mich aber gerade deshalb dieses Herangehen:
    aus dem Spiegel-Interview SS-Bekenntnis: "Wie hat Grass damals zum Holocaust gestanden?" - Kultur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten

    Und ich bin etwas zu spät für die 68er gewesen (was ich ehrlich gesagt auch nicht übel finde), aber dann das zu lesen, stößt mir schon bitter auf:

    ebenda

    Ich habe Respekt vor seiner Leistung und seiner Literatur (obwohl ich jetzt nicht der Grass-Fan bin) und ich finde auch, dass das dadurch nicht zurückgenommen wird.

    Aber welche Rolle hat er denn dann zudem noch gespielt:

    Andersherum habe ich das Gefühl, dass sowieso jetzt eine Zeit gekommen zu sein scheint in Deutschland, in der man sich der lästigen linken Kritiker (68 aber bei leibe nicht nur) entledigen will und dies ziemlich straight durchzieht, während so Leute wie Albrecht Speer und andere Konsorten wie der politisch-gesellschaftlich absolut unerträgliche Walser aufgewertet bzw. nie mit diesen Kriterien gemessen werden.

    Heißt: ich glaube das ist ein erneuter Anlaß sich endlich eines unliebsamen Mahners und (mittlerweile vernünftigen Menschen) zu entledigen. Oder es ist möglicherweise auch eine gerade zur rechten Zeit kommende Enthüllung, um Grass zu pushen. Oder beides bzw. alles drei zusammen.

    Ich fühle mich jetzt nicht einer Gegen- oder Für- Grassfront zugehörig, werde aber aufmerksam verfolgen, wie das weiter geht.

    *Man kann gar nicht so viel essen wie man Kotzen möchte*

    x-Riff