Harmonien für Tumbao etc.

von Zack ab!, 06.09.05.

  1. Zack ab!

    Zack ab! Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.09.05   #1
    Wie der Titel schon sagt, lautet meine Frage, wie denn (mit welchen Harmonien) Songs geschrieben sind, die Tumbao-Basslines beinhalten.

    Ich meine schon klassisch latein-amerikanische Stücke, und nicht moderne Pop-Stücke.

    Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

    Danke schonmal im Vorraus.
     
  2. Cudo

    Cudo Mitgliedschaft beendet

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    Erstellt: 06.09.05   #2
    Hallo Zack! ab,

    Tumbaos für Klavier oder Gitarre, bzw. Tres, sind meist 2-, 4- oder manchmal auch 8-taktige Harmoniefolgen mit in Popular- und Jazzmusik allgemein gebräuchlichen einfachen Kadenzen.

    Bei Kadenzen unterscheidet man prinzipiell zwischen einer weiblichen und einer männlichen Form.
    Bei der männlichen Form fällt instabiler Takt (-Teil) mit instabilem Akkord (auf die harmonische Funktion bezogen) zusammen. Also Dominante oder Subdominante fallen für gewöhnlich auf einen instabilen Takt (-Teil) und die darauf folgende Tonika auf stabilen Takt (-Teil). Bei weiblicher Form ist das Umgekehrte der Fall.

    Beide Formen werden in Afro-Kubanischer Musik gleichwohl verwendet.
    Der Unterschied liegt also in der Anordnung der Akkorde hinsichtlich der Gewichtung der Takte.

    Beispiel:

    ||: Cmaj7 C6 | D-7 G7 :|| = männlich

    ||: G7 | C :|| = weiblich

    ||: Cmaj7 A-7 | D-7 G7 | D-7 G7 | Cmaj7 A-7 :|| = gemischte Form

    Die gebräuchlichsten Latin-Standards (siehe Liste im Beitrag #8 https://www.musiker-board.de/vb/showthread.php?t=41776 , vor allem die in der Liste mit „Salsa“, „Son“ und „Bolero“ gekennzeichneten Stücke), kommen oft nur mit diatonischen Akkorden und gegebenenfalls deren Sekundärdominanten aus. Modale Austauschakkorde oder sonstige harmonisch kompliziertere Akkordfolgen sind in der traditionellen Afrokubanischen Musik nicht üblich.
    Außerdem werden in traditionellen Stücken die Akkorde für gewöhnlich nicht mit Tensions angereichert wie im Jazz oft üblich. Oft genügt der reine Vierklang oder auch Dreiklang.
    Auch das Singleline Spiel impliziert oft nur die Akordtöne des Drei- bzw. Vierklanges. Siehe dazu auch Grafik „Tumbao1“. Die dazugehörige Akkordfolge wäre ünbrigens:
    ||: C F | G F :||

    Weiterhin typisch für den Latin Sound ist auch die besondere Hervorhebung der Guidetones (= Terz und Septime eines jeweiligen Akkordes). Die Hervorhebung wird durch Verdoppelung, bzw. Verdreifachung derselben bewirkt. Allein die Präsenz der Guidtones würde genügen um die Akkordprogression vollständig darzustellen. Der Pianist/Gitarrist spielt dabei Guidetones und sonstig verdoppelte Töne als Akzente, die rhythmisch absolut mit dem entsprechenden Clave-Beat abgestimmt sein müssen. (Siehe Beispiel Tumbao2).

    CIAO
    CUDO
     

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  3. Zack ab!

    Zack ab! Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.09.05   #3
    Wow, danke.

    Das hilft mir wirklich weiter.

    Vielen Dank für die schnelle und vor allen ausführliche Hilfe.
     
  4. SeSe

    SeSe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.09.05   #4
    Mensch Cudo, das ist ja immer wieder unglaublich, wie viel du über Afro-kubanische Musik weißt! Hast du mal in Kuba gelebt?

    Ich klinke mich hier mal ein, weil mich schon lange eine bestimmte Frage beschäftigt und ich keinen extra thread deswegen starten wollte.

    Also, was zum kuckuck ist denn nun die offizielle Definition von montuno, guajeo und tumbao? Irgendwie hat jeder Musiker, den ich bis jetzt getroffen habe andere Ansichten dazu und die Fachliteratur ist sich auch nicht einig.

    So wie ich es kenne, werden die patterns von Baß und Conga (tumbadora) als tumbao bezeichnet und die von Klavier und tres/Gitarre als guajeo. Einige Musiker nennen die Klavier-Begleitfiguren aber auch montuno (obwohl das eigentlich auch eine Bezeichnung für einen bestimmten Liedteil eines Son-Stücks ist) oder eben tumbao ... :confused:

    Auf jeden Fall würde mich mal deine Meinung dazu interessieren, ich bin nämlich ziemlich verwirrt und würde gerne wissen, was ich denn da eigentlich die ganze Zeit auf dem Klavier spiele :p
     
  5. Cudo

    Cudo Mitgliedschaft beendet

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    Erstellt: 06.09.05   #5
    Hallo Zack, ab!
    danke Für die Anerkennung. Es freut mich Dir geholfen zu haben. Falls es noch Fragen hinsichtlich Guajeos etc. gibt, bitte schön; ich mache, so gut ich halt eben kann.


    Hallo sese,
    ich hatte mich Ende 1979 informiert, und es war damals für einen normal sterblichen Kapitalisten nicht möglich eine Arbeit im kommunistischen Kuba aufzunehmen. Da ich ein sehr pragmatischer Mensch bin, habe ich mir seit dem geschworen nie und nimmer nach Kuba zu reisen.
    Dann, im Jahre 2003, warf ich meine Grundsätze über den Haufen. Wahrscheinlich war es ein Blackout meinerseits, … leider. 2 Wochen war ich in La Havanna und spürte den Missmut und die Ungunst der dortigen Musiker. Sie leben in einer sozialen und ökonomischen Katastrophe! Da ich auch die Verhältnisse in NYC sehr gut kenne musste ich den Musikern in den Jazzclubs Havanna’s (es gibt ja eigentlich momentan nur 2 davon und die sind im Stadtteil Vedado) sagen, dass sie belogen und betrogen werden. Und zwar vom Herrn Fidel Castro persönlich.

    Uff, das musste mal gesagt werden!

    Nun endlich zur Sache.
    Die offizielle Definition von „montuno“, „guajeo“ und „tumbao“ kann ich Dir bestimmt nicht geben.
    In Venezuela benutzten wir oft das Wort „Montuno“ für diese Piano Figuren.
    Das Wort „Montuno“ leitet sich vom Wortstamm her natürlich von dem Wort „montaña“ (= Berge, Gebirge) ab. Es ist also die Spielweise, die von den Campesinos, die von den Bergen runter kamen, gepflegt wurde.
    In P.R. kam dann der Ausdruck „guajeo“ mehr und mehr in’s Spiel. Viele Dominikaner benutzten ihn für die Begleitfiguren im Merengue. Das Ganze wurde auch oft „Jaleo“ genannt.
    „Tumbao“ wiederum heißt für mich so viel wie „groove“. Vielleicht ist das das adäquate Wort das Du suchst...?


    CIAO
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  6. Lite-MB

    Lite-MB Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 06.09.05   #6
    Hallo Cudo,
    da häng ich mich auch gleich an mit einer Frage, ich habe in Brasilien öfters erlebt, daß das Publikum bei Konzerten mitsingt und zwar grundsätzlich Männer und Frauen getrennt - weißt du zufällig, ob daß auf der weiblichen bzw. männlichen Anordnung der Akkorde beruht?
     
  7. Cudo

    Cudo Mitgliedschaft beendet

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    Erstellt: 07.09.05   #7
    Hallo Lite-MB,
    tut mir leid, dazu kann ich Dir absolut nichts sagen. Ich wußte noch nicht einmal dass Männer und Frauen in Brasilien im Konzert getrennt mitsingen. Sorry!

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