Hoch lebe die Musikindustrie!

von Der Rattenfänger, 05.01.05.

  1. Der Rattenfänger

    Der Rattenfänger Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.01.04
    Zuletzt hier:
    5.12.16
    Beiträge:
    383
    Ort:
    Nähe Bonn
    Zustimmungen:
    10
    Kekse:
    83
    Erstellt: 05.01.05   #1
    Quelle: http://www.ich-will-webradio.de

    "Initiative gegen die Abzocke der GEMA und GVL

    Liebe Radio-Kollegen, Musikschaffende, Labels und Printmedien,

    in den nächsten Tagen wird uns - als Betreibern von Internet-Sparten-Radios - leider Post unerfreu-licher Natur ins Haus flattern: die neuen Tarife der GVL und GEMA - gültig 4/2005.

    Der "Wahnwitz" nahm rasant Form an: Als Neukonzeption im Sommer 2004 von GEMA und GVL erdacht, soll nun die tarifliche Preiserhöhung zum 1. April 2005 bittere Realität werden, und somit wird das Streamen in Deutschland beinahe unbezahlbar!

    Nicht nur, daß wir für das Senden von urheberrechtlich oder leistungsschutzrechtlich geschützter Musik noch mehr zur Kasse gebeten werden; nein, auch das Abspeichern in digitaler Form (Server) wird demnächst einen beträchtlichen Betrag Geld pro Jahr kosten. Auch, wenn unsere Finanzierung bis dato durch Werbung gesichert war, reißt diese Entwicklung ein riesiges Loch in unsere Kasse und - über kurz oder lang - müssen viele finanzschwache Sender (ca. 90% der momentan sendenden Internetradios) aufgeben. Gerade uns, die sich auf eine bestimmte Musiksparte - wie Gothic / Metal / Industrial / EBM / Dark Wave etc. - konzentrieren - abseits von Mainstream-Gedudel und üblicher 08/15-Musik, trifft dieser Umstand besonders hart.

    Wir dürfen daher nicht tatenlos zusehen, daß befreundete Sender aufgeben müssen, nur, weil sich Bürokraten, einen Weg ausgedacht haben, das neue florierende Medium "Internetradio" geschickt zu schröpfen. Wirtschaftlich gesehen, werden nur die großen, finanzstarken und kommerziell geprägten Sender überleben. Durch erzwungene Schröpfung vieler etablierter Internetradios, die sich ihre Daseinsberechtigung erarbeitet und ihre treue Hörschaft über Jahre aufgebaut haben, wird darüber hinaus einem ganzen Heer von Dienstleistern (Web-Hoster, Jingle-Produzenten, etc.) eben-falls das ökonomische "Todesurteil" verkündet.

    Wir sehen nicht ein, daß eine Institution wie die GEMA oder GVL sich anmaßt, derart überhöhte Tarifbestimmungen für das Webradio festzulegen. Zumal selbst Künstler und Bands, die sich der GEMA angeschlossen haben, eine mangelnde Transparenz in Abrechungsformalitäten anmahnen und nicht den Sinn mancher diffuser Vertriebskanäle durchschauen. Unsere Forderung ist daher die Neu-berechung von angemessenen Tarifen, welche durchaus von den Webcastern bereitwillig gezahlt werden würden.

    Doch nicht nur die Kostenspirale, die sich leider immer weiter hochdreht, wird uns das Leben schwer machen. Ferner ist der Eingriff in unsere unabhängige, spartenbezogene und sehr hörernahe Programmgestaltung in höchstem Maße gefährdet, denn diese Einschränkungen dämmen unser Potential empfindlich ein. Die Vielfalt der Musik wird beschränkt, auch das Senden von Specials (wie z.B. Künstlervorstellungen) sind aufgrund von wahnwitzigen Vorgaben - wie keine Sendeankündi-gung oder anzahlmäßige Titellimitierung im Stream - nicht mehr möglich. Als "Tüpfelchen auf dem i" werden wir zukünftig dazu verpflichtet sein, unsere werte Hörschaft durch technische Maßnahmen daran zu hindern, das Programm mitzuschneiden, Musiktitel herauszufiltern oder Aufnahmen zu vervielfältigen. Auf diesem Wege werden uns arge Versäumnisse der deutschen Musikindustrie aufgebürdet, für deren Problemlösung wir zukünftig herhalten sollen.

    Die bunte Vielfalt der Musik - abseits des Main-Streams - und unsere weitere Existenz hängt nun von der Kooperation aller betroffenen Sender ab. Radio sollte variationsreich und auch bezahlbar bleiben, daher müssen wir an einem Strang ziehen:

    www.ich-will-webradio.de
    Initiative gegen die Abzocke der GEMA und GVL

    Als Internetsender müssen wir in den nächsten Wochen versuchen, diese untragbare Tarifer-höhung seitens der GEMA / GVL anzufechten, und eine Gesprächsbasis für erneute Verhandlungen zur zwingend notwendigen Berichtigung dieses Tarifes zu erwirken.

    Dieser Prostest bedarf der breiten Öffentlichkeit.

    Wir planen daher, die Produktion eines Protest-Jingles, der für alle beteiligenden Sender kosten-frei auf der R1live Seite (www.r1live.de) zur Verfügung gestellt wird. Desweiteren sind - ebenso gratis - diverse Protest-Banner herunterzuladen, welche auf partizipierenden Sender-Homepages platziert werden können. Um auch die breite Hörerschaft der Sender miteinzubeziehen, wird in Szene-Locations und auf Konzerten durch uns unterstützende Künstler die Unterschriften-Sammel-Aktion "www.ich-will-webradio.de" initiert. Eben diese Listen werden der GEMA und GVL im Frühjahr des nächsten Jahres als Druckmittel zugesendet, um eine transparente Preispolitik zu erzwingen.

    Ferner kontaktieren wir die einschlägigen Printmedien, die Lokalpresse und Fernsehsender zur Unterstützung unserer breitangelegten Aktion. Außerdem werden uns ebenso im großen Verband aller deutschen, gelisteten Internet-Radios engagieren und Euch bei sich ergebenden Neuigkeiten auf dem Laufenden halten.

    Wir hoffen sehr auf Eure engagierte Kooperation, damit wir weiter unabhängig streamen können und gemeinsam dafür Sorge tragen, daß die Hörer weiterhin das bunte, publikumsnahe Medium für völkerverbindende Kunst geniessen können - das Webradio!

    Das R1Live Team
    Abteilung PR"
     
  2. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.150
    Zustimmungen:
    1.124
    Kekse:
    49.622
    Erstellt: 05.01.05   #2
    Ein interessantes, streitbares Thema. Aber schon der reißerische Titel gefällt mir überhaupt nicht. Denn GEMA und GVL kommen den Musikern und Komponisten/Textdichern zugute und nicht der Musikindustrie.

    Wobei sich sofort die Frage aufwirft: Warum sollte das Senden von geschütztem Material im Internet abgabemäßig anders behandelt werden als im Rundfunk? Das Internet ist doch kein rechtsfreier Raum!

    Auch ein Internet-Radio kann nur existieren, indem es die Arbeitsergebnisse von Musikern/Urhebern sendet. Also bitte mal differenzieren, für wessen Existenz hier eigentlich gestritten wird.

    Auch wäre es schön gewesen, wenn Du kenntlich gemacht hättest, welche Tarifänderungen nicht primär durch die "bösen" GEMA/GVL sondern das neue Urheberrechtsgesetzt erzwungen werden (z.B. beim Vorhalten von geschützten Titeln auf öffentlichen Servern).

    Einsichtig ist indes, dass es weniger bekannten Bands schwerer gemacht wird, wenn Internetradios wegsterben, weil sie sich das Sende eben dieser Bands nicht mehr leisten können.

    Aber es gibt doch auch hier clevere Gegen-Lösungen. Seid bitte kreativ, statt wirtschaftlichen Untergang herbeizureden (letzteres leider eine speziell deutsche Untugend, die dieses Land in den letzten Jahren sehr zurückgeworfen hat): Band X macht ein Album, das ganz normal bei der GEMA angemeldet ist, plus 2, 3 repräsentative Promo-Songs, die auf dem Album nicht drauf sind und nicht urheberrechtlich angemeldet sind. Die könnt ihr dann unbehelligt senden und verbereiten ohne Ende. Es reicht zur Not ein anderer Text und eine andere Melodie. Wenn die Band da nicht mitmacht: Pech gehabt, nicht mitgedacht, Zug der Zeit verpasst.

    Ich möchte deshalb schon jetzt alle Folgeposter sehr darum bitten, auf Pauschalkommentare zu diesem Thema ("Scheiß-Gema", "beknackte GVL" etc.) zu verzichten und zu bedenken, dass beide Institutionen prinzipiell existieren

    # um Komponisten (GEMA) und Musiker (GVL) vor unentgeltlicher Verbreitung ihrer Arbeit zu schützen. Bedenkt, dass dies ein Board für euch Musiker ist, die ihr vielleicht auch mal Werke veröffentlicht und nicht möchtet, dass eure Arbeit für lau überall zu haben ist.

    und auch

    # gesetzliche Vorgaben des Urheberrechts umzusetzen.

    Also hier bitte keine Pauschal-Mecker-Beiträge von Leuten, die nicht mal wissen, wozu GEMA/GVL überhaupt da sind.

    Wer es nicht weiß: Die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) "schüttet" Geld aus an Studiomusiker sowie Musiker, die bei Live-Übetragungen im Rundfunk/TV/Internet beteiligt sind.

    Es besteht also kein Grund, sich als Musiker darüber aufzuregen, wenn hier pro Nase 5 Euro mehr im Jahr rausspringen. Warum also soll nicht auch ein Internet-Radio (mehr) bezahlen?
     
  3. Der Rattenfänger

    Der Rattenfänger Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.01.04
    Zuletzt hier:
    5.12.16
    Beiträge:
    383
    Ort:
    Nähe Bonn
    Zustimmungen:
    10
    Kekse:
    83
    Erstellt: 05.01.05   #3

    naja, je nachdem, kleinere bands werden wegen gema-mitgliedschaft auch schon mal öfters nicht in kleine clubfestivals mit einbezogen... weil die clubs dann keinen bock haben, nochmal extra zeche an gema und co zahlen zu müssen. hat also zwei seiten...



    ganz genauso sehe ich das ja auch mein lieber *g* und das ist glaube ich auch eine entwicklung, die sich in den nächsten jahren unter den kleinen bands verstärken wird... wie schon gesagt, nicht nur wegen der internetradio-geschichte...

    wegen des reißerischen titels... naja ok, es regt mich eben geringfügig auf. den artikel an sich hab ich nur wortgenau von der quelle wiedergegeben.