Hyperlative - zu übertriebene Steigerungen?

von Abyss, 18.12.07.

  1. Abyss

    Abyss Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.07   #1
    Es geht um Adjektivsteigerungen wie "einzigste", "keinster", "optimalste" usw.
    Nun ist es nichts Neues für mich viele schreiben oder reden auch so für mich hört/liest es sich, wenn der Kontext einigermaßen stimmt (Ironie etc.), auch passabel, aber es gibt Menschen, die nutzen sowas ständig, wahrscheinlich gar nicht ahnend, dass die bessere Alternative heißen könnte "das Optimale für mich ist ...", vornehmlich die mit "heißen" Temperament. Mir kommt sowas aber auf Dauer einfach sehr ungescheid und flach rüber.
    Was mich aber beim Thema noch mehr stört ist, dass manche behaupten solche Steigerungen seien vollkommen zulässig (wie hier), für mich ist es eher nur eingeschränkt zulässig.
    (Wenn Goethe ja selber in Faust II schreibt: "Durchgrüble nicht das einzigste Geschick!")
    Wie sieht ihr das? Nutzt ihr selber gerne diese Steigerungsform und seht nicht ein wie sowas falsch sein kann oder geht ihr sparsam damit um, nutzt es erst gar nicht, weil es an Boulevard-Zeitungen/Sendungen erinnert oder kümmert ihr euch gar ein Dreck (weil euch das nicht stört) soll jeder so schreiben, wie er das für richtig hält?
     
  2. armyclonk

    armyclonk Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.07   #2

    <.<
    >.>
    ja?
     
  3. Fingers Freddy

    Fingers Freddy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.07   #3
    Keine Zeit, um mehr zu schreiben, aber wenn dich solche Themen interessieren, seien dir die drei Bände von "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" von Bastian Sick ans Herz gelegt, wo er unter anderem dieses Thema aufgreift. ;)
     
  4. Abyss

    Abyss Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.07   #4
    [...] oder kümmert ihr euch gar ein Dreck? [(weil euch das nicht stört) soll jeder so schreiben, wie er das für richtig hält?]

    :( so vielleicht verständlicher?

    Hab ich schon gelesen, der Artikel oben im Spiegel ist auch von ihm. Bastian Sick schön und gut, den scheinen alle zu nennen, wenn es annähernd um solche Themen geht, ich wollte eher hier fragen wie ihr solche oft geschriebenen Steigerungen findet, also eure Meinung. Das diese Steigerung nicht ganz falsch ist, weiß ich ja schon, es geht eher um den, meiner Meinung nach "übertriebenen Gebrauch dieser Steigerung" oder sehe ich das alles zu eng?
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 18.12.07   #5
    Bei Goethe ist es stilistisch gewollte überhöhung: in der Marienbader elegie gibt es einen letzten kuss und danach einen "letztesten".
    In der umgangssprache ist es nachlässiger, gedankenloser stereotyp. Das betrifft nicht nur superlative, so ist "schlicht und ergreifend" standardfloskel geworden. Wie oft wird "genial" missbraucht.
    Nass, nasser, am nassesten! Na, letztendlich schluss!
    Nicht aufregen, aber auch nicht mitmachen.
     
  6. Paranoid

    Paranoid Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.07   #6
    Diese Formen sind grammatikalisch einfach falsch und daher benutze ich sie nicht. Ausnahme bildet dabei wohl "in keinster Weise", was als Redewendung einfach Standard ist und die Steigerung hierbei eine gewollte Überhöhung darstellt, wohlwissend dass es grammatikalisch nicht ganz akkurat ist.
    Aber optimal ist optimal, da gibt es keine Steigerung.
    Und "einzigste" ist schlicht und ergreifend falsch, das ist auch keine Steigerung im eigentlichen Sinne, da wohl kaum jemand ernsthaft behaupten will dass man, wie Monty Python wohl sagen würden, nicht "eins, das heißt nicht zwei und auch nicht einhalb" hat.

    Ohoh, ich glaube man merkt dass ich gerade einen ausführlichen Lebenslauf geschrieben habe ... Kettensätze juche!
     
  7. desgraca

    desgraca Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.07   #7
    gerade bei "optimal" geht das sogar völlig problemlos, man stelle sich folgenden Kontext vor:

    Es gibt eine Reihe nicht wirklich überzeugender Lösungsmöglichkeiten für ein Problem,,,,man entscheidet sich unter diesen für die optimalste Lösung.

    ....hier ist die optimalste Lösung noch lange nicht perfekt, wie das Wort "optimal" implizieren würde, sondern einfach nur die am wenigsten mangelhafte Lösung.

    Zu den Überlegungen würde ich noch die Definition von Adjektiven im Deutschen in den Raum werfen:
    Adjektive sind komparierbar.

    Wörter wie optimal oder grün sind aber nunmal Adjektive,,,,,und sollten damit steigerbar sein-
    dass das semantisch manchmal keinen Sinn macht, steht dabei völlig außen vor, aber es ist nunmal schlichtweg nicht grammatikalisch falsch, egal ob es gefällt ;)

    In schriftlichen Texten sind mir solche Steigerungsformen bisher nur in informellen Kontexten aufgefallen...wenn ich sie im Fernsehen etc. mitbekomme, stört mich das Ganze wesentlich weniger als so manche anderen Sprachvergewaltigungen.
     
  8. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 19.12.07   #8
    Auch negativa haben ihr gutes: wenn jemand so daherredet, schrillen bei mir die alarmglocken, und ich nehme ihn nicht mehr ernst.
    Im italienischen habe ich die "comunque (wie auch immer) -barriere", wenn das wort von pseudo-intellektuellen mit gespitztem mund geäußert wird, höre ich weg.
     
  9. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.12.07   #9
    Also Grammatik hin, Sprache her,

    aufziehen würde ich es von der Wirkung her.
    In lyrischen Werken ist eine Übersteigerung ein Stilmittel, dort muss die Logik sich beugen, weil die Emotion gesteigert werden soll.

    In der Politik und dem normalen Sprachgebrauch hat das nichts zu suchen.
    Wer sowas benutzt, hat entweder einen eingeschränkten Wortschatz (im Beispiel von nate wäre das eher zutreffende Wort tauglich bzw. die tauglichste Lösung - nämlich die unter den derzeit verfügbaren/vorgestellten Lösungen diejenige, die am meisten taugt, um das Problem anzugehen) oder kein Sprachgefühl oder er will die Logik brechen und nur an die Emotion in höchstmöglicher Steigerung appelieren.

    All dies ist mir nicht angenehm - ist aber leider eingebrochen, auch durch das ständige Werbesprech mit mega, super, ultra etc. und durch die Dauerhaftigkeit wird halt genau das wieder nivelliert. Das übliche halt, was man auch aus dem Gitarrenbereich kennt: gain, more gain, even more gain ... bis even more gain halt Standard ist - und was macht man dann? Klar: mega-gain, ultra-mega-gain, top-high-ultra-level-gain ...

    Also: erlaubt nur in Lyrik, Satire und Polemik - verbotenst überallst sonstwost.

    Aber auf mich hört ja wieder keiner ...

    x-Riffst

    edit: Also auf eine Grammatikschlacht möchte ich mich hier nicht einlassen, weil ich mich da zu wenig auskenne - ich benutze die Regeln eher intuitivst (ha ha).
    Aber mir deucht, dass es eine Menge Regeln gibt und eine Menge Ausnahmen - und zu beidem haben die Deutschen einen ausgesprochenen Hang.

    Es sollte mich also nicht wundern, dass die Regel besagt, dass Adjektive steigerbar sind in der Form: schön, schöner, am schönsten; während die Ausnahme besagt, dass dies nicht für Adjektive gilt, die von ihrem Sinngehalt her nicht steigerungsfähig sind.

    Das träfe dann auf perfekt zu ebenso wie auf optimal (wobei optimal immer schon einbezieht, dass es unter den derzeit vorliegenden Möglichkeiten die beste ist) und viele weitere, beispielsweise auch leer und voll. Umgangssprachlich kann man zwar sagen, dass ein Glas voller oder leerer ist als das andere, aber vom Sinn her ist das eben Blödsinn. Leer ist ein Glas dann, wenn nichts drin ist - und weniger als nichts kann nicht in einem Glas sein. Und voll ist ein Glas, wenn nichts mehr reinpaßt. Ein Glas kann mehr oder weniger gefüllt sein mit einer Flüssigkeit oder in einem Glas kann mehr Flüssigkeit sein als in einem anderen. Wobei wir dann doch wieder an dem eher mangelnden Sprachschatz gelandet sind als Ursache für die Verwendung von Superlativen wo sie nicht hingehören.
     
  10. EDE-WOLF

    EDE-WOLF HCA Bass/PA/Boxenbau HCA

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    Erstellt: 19.12.07   #10
    eine traumhafte einstellungen!
    Mir geht es ganz ähnlich.
    Ich bin deutschlehrers-sohn und dementsprechend gleich doppeltallergisch und ich stecke viele leute auch sehr früh in "die" schublade
     
  11. Paranoid

    Paranoid Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.07   #11
    Optimal ist automatisch die beste zur Verfügung stehende Option das steht (sinngemäß) in jedem Wörterbuch so. Es ist also falsch, das steigern zu wollen. Das es trotzdem oft gemacht wird, ist eine andere Geschichte, formalgrammatikalisch ist es aber definitiv nicht korrekt. Siehe auch http://de.wiktionary.org/wiki/optimal .
    Und Farben kann man auch nicht steigern, das ist 1. subjektiv und 2. bestehen Farben auch nur aus Mischungen. Anstatt "das ist grüner" zu sagen, müsste man dann eben auf den geringeren Blauanteil in der Farbmischung eingehen ... Natürlich enthält jedes Adjektiv einen gewissen Grad an Subjektivität, aber bei Farben ist diese Subjektivität sogar biologisch angelegt.
     
  12. desgraca

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    Erstellt: 19.12.07   #12
    sooooo :D
    ja, nicht die einzigste unachtsamkeit die mir heute passiert ist :D


    back to topic:
    Ich war mal eben in der Bibliothek und wollte mal noch ein paar Zitate in die Diskussion werden.

    Die Dudengrammatik erklärt das beschriebene Phänomen ziemlich logisch und sagt dann klar, dass das Ganze standardsprachlich nicht anerkannt ist (wussten wir ja bereits...). Allerdings ist die Dudengrammatik im Gegensatz zum Rechtschreibduden nicht normgebend und neigt dazu, solche Dinge dann irgendwann später als "Varianten" aufzunehmen.....so geschehen bei "selber/selbst"....scheinbar haben die Leute trotz Dudengrammatik nicht aufgehört, "selber" zu schreiben, denn mittlerweile ist das laut Dudengrammatik eine gleichberechtigte Variante.

    Das nur als Randbemerkung...ich will hier auch keine Lanze für diese Hyperlative da brechen, ich glaube ich benutze die selber
    nur seltenst....


    .....was mich zu meinem früheren Argument zurückführt. Es wird gemacht, weil es für die Sprecher Sinn macht das zu tun, weil sie die semantische Bedeutung des Wortes eben so verstehen, dass man es steigern kann.

    Darum habe ich dann gleich mal im Wörterbuch optimal nachgeschlagen, um zu sehen, ob das Wort denn dem Sinn nach annähernd steigerbar ist. Ich habe dazu das "Deutsch als Fremdsprache"-Wörterbuch hergenommen, weil dieses ja die präzisesten Erklärungen haben sollte...

    Zum Schluss hier noch ein Beleg dafür, dass zumindest grammatikalisch nichts gegen die Steigerungsbildung spricht :

     
  13. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.12.07   #13
    War das nicht sogar der falscheste thread, in den Du es hättest posten können? :D
     
  14. Abyss

    Abyss Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.07   #14
    Gute Beiträge. Danke :o
    Obwohl ich noch auf die User warte die auf ihr "einzigst" pochen :D

    Ich beherzige Günter Sch. Statement:
    Ja, aufregen bringt da wenig, das Einzige was man dagegen tun kann ist Sartre'sches Vorbild sein und selber ausgewogen und durchdacht formulieren, wobei ich sagen muss das in Musikreviews a la Laut.de "too much" hingekleckst wird ... diese bedeutungschwangeren Methaphern :rolleyes:
    Die Günter Sch. Barriere verstehe ich auch, möchte damit nicht arrogant klingen, aber in der Tat bei mir kommt es zum Vorurteil der Pseudointellektualität :o und ich nehme dann das Gesagte weniger ernst wie ich es vielleicht sollte.
    Das Gesellschaftliche (u.a. die Werbesprache) in den von x-riff eingebrachten Argument, wo immer wieder nach zu steigernden Leistungen gefragt ist, hält die Sprache gar nicht aus, als Ergebnis bleiben nur absurde Trümmerhaufen über, leider.
    Ich maße mir auch kein gutes Deutsch an, aber es gibt meiner Meinung nach Referenzen mit denen man sich auseinandersetzten sollte. Auch ohne übertriebene Übertreibungen kann man einiges aus der deutschen Sprache "schöpfen" zum Verstärken seiner Aussagen. Es muss nicht immer das Beste der Welt sein.

    Edit: Danke für die Formalitäten an Nate :)
     
  15. desgraca

    desgraca Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.07   #15
    so,,,,hab nun oben mal kräftig editiert und Zitate eingefügt :D

    nebenbei bemerkt - zu dem "einzigst" ....ich hab das mal so eben schnell versucht, das ist für mich mal grob unaussprechlich :eek::o

    naja, zum Glück ist das ja nicht so schlimm :D
    immer diese deutschen Konsonantenhäufungen...

    achja, das hier find ich auch nöch schön :D
    toter als der toteste Hund :D:D:D
     
  16. Fish

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    Erstellt: 19.12.07   #16
    Ist doch alles nur "Suboptimal" oder doch nur "weisser alls weis"? Naja, wenn es so weitergeht sehe ich bald "Dunkelschwarz" da ich "Hyperintelligent" bin und somit im "normalstem" Deutsch gar nicht kommunizieren kann..

    gruß

    Fish
     
  17. desgraca

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    Erstellt: 19.12.07   #17
    volkssuperlative dagegen sind glaube ich sogar eine allgemein anerkannte wortbildungsform *grübel*
     
  18. x-Riff

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    Erstellt: 19.12.07   #18
    Yu - das ist aber dann genau ein bewußtes Stilmittel ...

    Grammatik erinnert mich schon eher an Gesetzesregeln - was formal erlaubt ist, muss nicht sinnvoll sein, von Menschlichkeit und Schönheit mal ganz zu schweigen. Also irgendwie in dem Sinne ...

    Und wenn schon jemand sagt: "verletzen allenfalls semantische, nicht aber im engeren Sinne grammatische Restriktionen" - dann seh ich da einen ewig gebeugten, weißbehaarten Schreibstubengelehrten mit Strickweste und Jura-Proseminar und Alt-Latein, der mit dem knochigsten seiner Finger auf den unterschiedlichen Betrachtungsregistern der Sprache pocht, während in Deutschland ein Sprachlachsack nach dem anderen umfällt und unschöne Töne von sich gibt ...

    Was ich auch noch mal gesagt haben wollte ...

    x-Riff
     
  19. desgraca

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    Erstellt: 19.12.07   #19
    das siehst du meiner bescheidenen Meinung nach falsch. Ich sehe in den Leuten, die auf irgendwelchen in der Realität nicht durchgehaltenen grammatikalischen Regularitäten herumreiten, viel eher jemanden Weltfremden, der Sprache zu etwas abstrahieren möchte, was sie nicht ist, denn Sprache ist lebendig und lebt nunmal durch ihre Sprecher, und nicht durch die linguistische Volkspolizei ;)
    Gerade der Kerl klingt für mich ziemlich realitätsnah. Ich finde es allgemein eben erstrebenswert, lieber mehr statt weniger Möglichkeiten zuzulassen, ist womöglich auch eine Art Grundsatzfrage.

    Wer von euch beiden mehr graue Haare hat, darfst du selbst entscheiden ;)[​IMG]
     
  20. x-Riff

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    Erstellt: 19.12.07   #20
    So weit auseinander sind wir gar nicht, nate.

    Es geht in allererster Linie (wo nicht die erste Linie reicht ...) um Sprach- und Logikgefühl, das bei mir verletzt wird und in den meisten - wenn nicht allen Fällen - einfach Humbug und Unfähigkeit ist, es adäquat oder besser auszudrücken.

    Ansonsten finde ich Sprache ist wie Musik äußerst lebendig und ich verwahre mich gegen jegliche Dirigismen und Dogmatiker und Pocher auf Regeln um derselben Willen. Auch tute ich generell nicht in das Horn des Sittenverfalls und dieses Gemeckere auf das Zunehmen von Anglizismen in der deutschen Sprache finde ich meistenteils hinterwäldlerisch.

    Es ist halt nur, dass es in den meisten Fällen weder Sinn macht noch schön ist - und dann bleibt die Frage nach dem: Wozu?