Industrie 4.0 - Globalisierung - Chance und/oder Zukunftskiller?

von hotlick, 15.12.16.

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  1. hotlick

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    Erstellt: 15.12.16   #1
    Begriffe wie "Industrie 4.0" und "Globalisierung" rücken in letzter Zeit verstärkt in den Vordergrund verschiedenster Debatten, wenn's beispielsweise um Ängste und die allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung geht; und gerade in diesem Zusammenhang wird dies auch als Mit-Ursache für die teilweise grotesk anmutenden politischen Verschiebungen betrachtet - Beispiel: "Trump" oder der Anti-EU-Trend und der damit verbundene Rechts-Trend.

    Schaut man sich die Begriffe "Industrie 4.0" und "Globalisierung" mal bei Wikipedia an, fallen Parallelen auf: es geht um Vernetzung und in rein wirtschaftlichem Sinne um Optimierung der Wertschöpfung - kurz: beides dreht sich primär um wirtschaftliches Wachstum. Was man in den späten 1970ern noch als "Rationalisierung" bezeichnete geht nun angesichts der digitalen Revolution mit dem Begriff "Industrie 4.0" noch einen sehr großen Schritt weiter.

    Fakt ist, es geht nicht nur um "Zukunftsmusik" - in großen Teilen handelt es sich schon längst um Gegenwartsrealität - eine Realität, die sich weder stoppen noch zurück schrauben lässt. Fakt ist auch, dass diesbezüglich Ängste und Verunsicherungen durchaus berechtigt sind. Aber ebenso dürfte klar sein, dass sich die daraus resultierenden Befürchtungen und Verunsicherungen mit rein konservativen Lösungen ganz sicher nicht lösen lassen.

    Denn sehr vieles muss - das ist meine persönliche Meinung - völlig neu gedacht und gemacht werden, und ebenso muss so einiges von dem, was "gestern" noch funktioniert hat über Bord geworfen werden. Ich habe den Eindruck, dass die technische Entwicklung und eben auch die damit zusammenhängende Entwicklung der wirtschaftlichen "Wertschöpfung" viel schneller vonstatten geht als die Entwicklung gesunder sozialer Verhältnisse und die damit verbundene existenzielle Sicherheit vieler Menschen.

    Die Vorgänge sind insgesamt derart kompliziert, dass sie im Grunde niemand mehr wirklich durchschauen kann und sich somit jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand unweigerlich die Frage aufdrängt, ob die politische "Zukunftsgestaltung" überhaupt noch so etwas wie Kontrolle erlaubt. Man bekommt den Eindruck, man hätte in Sachen "zivilistorischer Entwicklung" den "Warp-Antrieb" eingeschaltet, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wohin die Reise gehen wird. .... der Rest scheint ein Poker-Spiel zu sein.

    Wie gesagt: die Dynamik der technischen Entwicklung lässt sich nicht stoppen und es wäre äußerst blöde, dies auch nur zu denken. Die Fragen und ggf. Antworten können und müssen sich also auf die notwendigen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen konzentrieren. (sofern man zur Erkenntnis kommt, dass es dafür eine Notwendigkeit gibt!?) Mit überkommenen Mitteln kommen wir keinen Schritt weiter - ganz im Gegenteil: wir vermasseln uns mit angestammtem Konservatismus die Chancen, adäquate Lösungen für völlig neue Rahmenbedingungen zu entwickeln.

    Letzteres ist meiner Meinung nach auch das Dilemma in der Politik; KEINE Partei - auch nicht die AfD - traut sich, auch nur einen Ton von Zukunftsvision verlauten zu lassen - niemand traut sich offenbar, auch nur einen Ansatz dessen zu zeigen, wohin die politische Reise gehen soll - so manch einer beschäftigt sich da lieber ausgiebig mit einem "Burkaverbot" oder ähnlichem - jedenfalls sehe ich derzeit keine einzige Partei, die sich nicht auf irgendeine Art an konservativen, überkommenen vermeintlichen Lösungsansätzen klammert; keine einzige Partei bringt einen adäquaten Vorschlag zustande, wie beispielsweise ein notwendiges politisches Umdenken aussehen könnte - und der Griff in die Mottenkiste ist bei der Lösungssuche geradezu lächerlich.

    Was denkt Ihr über dieses Thema? Ist es "nur" die etablierte Politik, die diesbezüglich auf Valium ist, oder ist es nicht auch die Gesellschaft, die erst mal inhaltlich geweckt werden muss, damit sie begreift, was das Gefühl da im Bauch verursacht, bevor sie sich vor einen politischen Karren mit Rückwärtsgang spannen lässt?

    Grüße - hotlick
     
  2. Errraddicator

    Errraddicator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.12.16   #2
    Ich finde, und sage das seit langem, dass wir uns wohl alle von dem gewohnten Leben verabschieden können müssen.
    Darunter fällt, die Art und Weise wie wir arbeiten, die Art und Weise wie wir Geld verdienen aber auch die Art und Weise wie wir fürs Alter vorsorgen, genau wie bestimmte moralische Aspekte.

    Arbeiten/Geld Verdienen
    Ich denke, die klassische 40 Stunden Woche als Modell für alle ist bereits heute Geschichte und wird auf Dauer noch viel weniger zu halten sein.
    Seit Jahren sinkt die Zahl der geleisteten Stunden in Deutschland und anderen Ländern, weil weniger Arbeit für den selben Output gebraucht wird.
    Anstelle nun die Arbeitszeit anzupassen, damit die Vollzeitjobs erhalten bleiben, werden Teilzeit, Leiharbeit und Geringfügig Beschäftigte gefördert, was zudem Lohndumping betreibt und Sozialbeiträge senkt.
    Das ist meiner Meinung nach eines der größten Versagen der Politik, welche nur damit beschäftigt ist, Symptome zu bekämpfen, an Stelle die Probleme nachhaltig zu lösen.

    Hinzu kommt, dass bestimmte Branchen in Zukunft nicht mehr in dem Maße gebraucht werden, wie es heute der Fall ist.
    Egal, ob in der Logistik, im Transport oder anderen niedrig-qualifizierten Jobs. In 10, 20, 30 Jahren werden es Jobs wie Kassierer, Lagerist, Taxifahrer und Co. noch deutlich schwerer haben, gegen die Kollegen aus Blech anzukommen wie heute schon.
    Wegfallen werden diese Jobs wohl nicht. Aber wo Du heute 10 von denen brauchst, werden es in Zukunft mit Sicherheit nur noch 2, 3 oder 5 sein.
    Auch hier fehlt jede Vision seitens der Politik.

    ...

    Altersvorsorge und Co.
    Machen wir uns nix vor: Die Renten-, Sozial- und Krankenversicherungen, so wie wir sie kennen sind ein Auslaufmodell.
    Unter Berücksichtigung der Änderungen bei Beruf, Demographie und Co. werden diese über kurz oder lang implodieren.
    Das kann entweder ein richtiger Knall sein, also ein Konkurs, oder Stück für Stück zu Grabe getragen werden, indem Kosten steigen und Leistungen sinken.

    Die letzten Jahre sieht es schwer nach zweitem aus.
    Wenn Du Kosten und Leistungen von den genannten Systemen heute mit dem vergleichst, was 1980 noch der Fall war, dann fällt das Fazit eindeutig ist: Teurer bei deutlich weniger Leistung.

    Hier müsste man ganz grundlegend ran. Nicht nur die Frage, ab wann man in Rente geht oder wie viel % man dann bekommt.
    Sondern, Dinge wie das bedingungslose Grundeinkommen, um mal ein prominentes Beispiel in den Raum zu werfen.
    Ganz andere Konzepte, die den heutigen Gegebenheiten angepasst sind und nicht auf der Lebenswirklichkeit von 1960 fußen.

    Hier sehe ich abseits von wenigen Personen wie Wagenknecht tatsächlich keinen in der Politik, der eine Vision anzubieten hat.
    Gerade das ist es, was den Etablierten auch Stück für Stück das Genick bricht, denn sie haben schlicht keine Antworten auf die Zukunftsfragen der Menschen.
    Als Reflex versucht man nun die aufkeimende Konkurrenz von Links und Rechts zu diffamieren, aber das wird auf Dauer auch nich helfen, wenn man selbst ausser "Weiter so!" nichts im Programm hat.

    ...

    Moral und Co.
    Dann sind wir auch direkt beim Thema Moral und Co, was dann uns alle ganz direkt betrifft.
    Die Art, wie wir unser Leben zu denken haben, wird sich drastisch von dem unterscheiden müssen, wie unsere Eltern das getan haben.
    Angefangen beim klassischen Spießerleben: Ausbildung machen, Arbeiten gehen, Familie gründen, Häusle bauen und Co. ... das ist heute so nich mehr.
    Trotzdem jagen zahllose Menschen diesem Traum noch nach, was zu abartigen Krediten führt und in 10, 20 Jahren mit Sicherheit noch einige Nebeneffekte offenbaren wird.
    Auch die Gesetze bezogen auf Ehe, Unterhalt und Co. sind in weiten Teilen der Lebensrealität gar nicht mehr angemessen.

    Auch große Themen wie der Nachwuchs müssen eigentlich thematisiert und neu gedacht werden.
    Brauch die Welt wirklich mehr und mehr und mehr Menschen, wenn wir immer weniger Arbeit brauchen?
    Wenn wir die Umwelt schon seit Jahrzehnten über Gebühr belasten?
    Wäre nicht eine 1-Kind-Politik doch eine sinnvolle Maßnahme?
    Unter der Betrachtung dass unser Wohnraum durch steigende Meere und sich ausbreitende Wüsten immer kleiner zu werden scheint.

    Hier sehe ich dann schlussendlich gar keinen mehr, der irgendwas anzubieten hätte.
    Auch keine Lafontaines und Co.
     
  3. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.12.16   #3
    Wirtschaft ist ebenfalls vielfältig. Was will ich wie an wen verkaufen !? Wirtschaft betreiben kleine Handwerkbetriebe und große Konzerne, Agenturen und Selbstständige. Jede Branche wird für sich analysieren müssen, was auf sie zukommen wird, was das für sie bedutet und dann Entscheidungen treffen müssen.

    Vor ca. 3 Monaten war das Spiegel-Titelthema das Aussterben von Jobs, die zukünftig von Computern erledigt werden könnten. Darunter fanden sich eben nur Jobs, die ein Roboter erledigen kann, wie z.b. Fabrikarbeiter oder Lagerist. Relativ leicht denkbar wäre auch, dass Paketzusteller von Drohnen abgelöst werden. Neu war aber, dass es eben nicht um rein körperliche Arbeit geht, die von robotern verrichtet wird. Es war auch zu lesen, dass "einfache" Bürojobs wie z.B. Anwaltgehilfen und "normale" Bürokaufleute von Algorhitmen abgelöst werden. Der Roboterarm ist ja schon Realität (Beispiel Autoindustrie). Was angeblich folgt ist, der Algorhitmus, der "denkende" Computer.

    Was hingegen als ungefährdet bezeichnet wurde, waren Jobs in der Pflegebranche.

    Das zu den Jobs.

    Die Rahmenbedingungen der Arbeitsverhältnisse ist noch ein ganz anderer Zettel. Ganz nebenbei frage ich mich, wieso man als Paketfahrer so beschissen verdient. Es gibt eine sehr hohe Nachfrage. Der Onlinehandel (der ja zum allergrößten anteil aus Paketen besteht, die zu den Kunden nach Hause oder sonst wohin geleifert werden müssen) boomt so sehr, dass sich die Einzelhändler ins Hemd machen und Bürgermeister Angst vor dem Aussterben ihrer Fußgängerzonen haben.

    Der Job, des Paketboten dürfte also sehr gefragt sein. Aber man braucht dafür eben kein Abitur/Matura. Und ich glaube, dass auch das noch etwas härter zuschlagen wird. Es wird mehr denn je darum gehen, wer was kann bzw. machen soll und was er dafür können muß und wie er schließlich bezahlt wird.

    Das war schon immer so aber die Grenzen werden zukünftig besser absteckbar sein und dadurch wird besser getrennt werden können, wer ist verzichtbar und wer absolut nicht.

    Aber auch das.... je nach Branche.

    Und die Politik..... tja, die könnte ganz masiv gestalten. Mit Gesetzen, mit Anreizen, mit dem was Politik halt so kann. Wir reden aktuell darüber, dass strafrechtlich relevante Aussagen im Internet verfolgt werden. Tze, wie lange sind die Menschen schon online !? :D Ich würde es als "verpennt" bezeichnen. Woher kommt das ? Liegts am Lebensalter der Entscheidungsträger !? Andere Generation !? Damals gabs sowas nicht und deshalb hat da keiner wirklich Ahnung von !?
     
  4. robbert

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    Erstellt: 15.12.16   #4
    Brauchen wir nun ein "Wahrheitsministerium" ?
    Wo liegen die Grenzen der künstlerischen Freiheit?
    Wann beginnt Zensur?
    Wo sind die Grenzen der freien Meinungsäußerung? Etwa dort, wo sich ein Politiker auf den Schlips getreten fühlt?

    Natürlich werden "die da oben" langsam panisch, weil schon etliche Felle davongeschwommen sind. Und es werden immer mehr.
    Das Klima ist wirklich rauher geworden. Unliebsame Meinungen zu unterdrücken habe ich selber lange genug erlebt.
    Hat aber nur 40 Jahre geklappt. ;)

    Antworten habe ich auch nicht auf alles, ... aber manchmal beschleicht mich der Gedanke, dass die sogn. Flüchtlingskrise nichts weiter als eine Nebelkerze ist, um hintenrum vollendete Tatsachen zu schaffen, die in meinen Augen mit Demokratie nichts mehr zu tun haben.
     
  5. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.12.16   #5
    Ich meinte damit nur (!), dass man diese Gespräche einige JAHRE früher hätte führen können. Natürlich wird "uns" Wirtschaft 4.0 völlig unerwartet überrollen. Vielleicht macht die Politik aber auch gerade alles richtig und denkt mal voraus. Keiner kann es sagen weil keiner weiß, was in Bezug auf TTIP u.ä. besprochen wird.

    Die Threadfrage "Globalisierungschance oder Zukunftskiller" - Globalisierung ? Ja, definitiv. Globalisierung habe ich übrigen als wirtschaftlich geprägtes Wort kennen gelernt. Es geht also vordergründig um Jobs, Kohle, etc. Zukunftskiller ? Hm, ich würde sagen, es ist wie in der Natur. Entweder du modifizierst dich oder du stirbst aus.
     
  6. hotlick

    hotlick Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.12.16   #6
    Eines der größten Denk-Blockaden scheint mir diesbezüglich in der orthodoxen Sichtweise auf Begriffe wie "Arbeit", "Beschäftigung" etc. zu liegen; einerseits ist dies der zentrale Punkt, um den es sich bei "Industie 4.0" dreht: effizienter gestaltete "Wertschöpfung" mit entsprechend geringerem zu leistenden Aufwand - etwas, was eigentlich im Sinne des Begriffs "Fortschritt" nur zu begrüßen ist - und andererseits scheint es in der Politik keine Bereitschaft zu geben, anzuerkennen dass der Faktor "Arbeit" bei gesteigerter "Wertschöpfung" schlicht und ergreifend kleiner wird und wesentlich anders verteilt werden muss.

    Es fehlt meiner Meinung nach ganz grundsätzlich an dem Bewusstsein, dass jeder Mensch einen Nutzen vom Fortschritt haben muss/sollte und es nicht sein darf, dass der Fortschritt nur dazu führt, dass Menschen mit Arbeit den gleichen Aufwand (in Zeit) betreiben wie in den Jahrzehnten zuvor oder sogar noch mehr und andere Menschen sozusagen aus dem System raus fallen, weil sie entweder keine Arbeit haben oder eine Arbeit, mit der sich der Lebensunterhalt bestreiten lässt.

    Es ist ja noch nicht so lange her, als man im Wahlkampf das Motto: "sozial ist was Arbeit schafft" propagierte - dieses Motto, was sich damals die FDP, die Union, die SPD und auch die Grünen inhaltlich auf die Fahne geschrieben haben, beinhaltet das ganze Dilemma der Denk-Blockade. Während der technische und industrielle Fortschritt unausweichlich auf Effizienz gestrickt ist und jeglicher Arbeitsaufwand wo immer es geht minimiert wird, denkt man in der Politik in ihrer angestammten orthodoxen Denkweise an nichts anderes als gerade jenen Aufwand zu retten, den der Fortschritt gerade abschafft; man will es offenbar gar nicht anerkennen, dass der Faktor Arbeit kleiner wird.

    Denn würde man in der Politik diese logische Konsequenz in Betracht ziehen, dann wäre man sich schnell im klaren, dass es systematische Veränderungen bedarf - und zwar ganz grundsätzliche, sollte der soziale Frieden weiterhin fortbestehen. Und die "Systemfrage" löst bei nahezu allen Parteien Allergien aus.
    Das ist in der Tat ein klassisches Beispiel dafür, wie sperrig sich der orthodoxe Begriff "Arbeit" in die Denkmuster fest gefressen hat - es darf einfach nicht sein, dass "Arbeit" aus einer anderen Perspektive betrachtet wird, wie wir es gewöhnt sind; "bei einem bedingungslosen Grundeinkommen geht niemand mehr arbeiten", heißt es dann lapidar - selbstredend ohne dafür einen Beweis zu liefern - somit ist der Blick aus einer neuen Perspektive dann auch ganz schnell wieder vom Tisch.

    Man ist nicht bereit, zunächst den Lebensunterhalt zu betrachten, wozu "Arbeit" im klassischen Sinne dient; man stellt sich nicht die grundsätzliche Frage, worum es eigentlich primär geht; nämlich den Lebensunterhalt der Menschen zu gewährleisten - und genau dies muss die Wertschöpfung hergeben. Es ist toll, dass der Mensch durch technischen und industriellen Fortschritt immer weniger "Arbeitsleistung" investieren muss, um mit weniger Aufwand mehr "Wertschöpfung" zu generieren. Es ist ebenso absurd, wenn angesichts dieser Tatsache beispielsweise die "30-Stunden-Woche" unter den Teppich gekehrt wird, jene die noch "Arbeit" haben, sogar Überstunden machen und andere im Niedriglohnsektor gleich mehrere Jobs machen müssen, um überhaupt ohne Stütze überleben zu können.

    Niemand stellt sich die Frage, wie aus "Industrie 4.0" eine grandiose soziale Errungenschaft werden kann - die Voraussetzungen dafür sind doch eigentlich gegeben.

    Ich will ja kein Politiker-Bashing betreiben, zumal diesbezüglich die meisten Politiker nahezu gleich gestrickt sind - sprich: sich mit dem Gedanken: "weniger Arbeit" gar nicht erst anfreunden wollen, was an sich schon einigermaßen absurd ist. Kurios ist, dass man sich ebenso schwer damit tut, sich mit dem Gedanken an "mehr freiwillige Arbeit" auseinandersetzen zu wollen, wie es ein bedingungsloses Grundeinkommen mit sich bringen und in sozialer Hinsicht sehr viel Druck aus dem Kessel nehmen würde - übrigens auch, was die Alterssicherung betrifft, die damit ganz anders aufgestellt wäre - mal von dem eingesparten bürokratischen Aufwand ganz abgesehen.

    Wenn diesbezüglich unsere "Arbeits"ministerin Andrea Nahles in einem Zeit-Interview sagt: "Wir dürfen nicht in Angststarre verfallen" mag das richtig sein, aber dass es keinen Grund zur Besorgnis gibt, wäre schlicht gesagt eine Lüge, weshalb sie dies auch nicht so sagt; trotzdem impliziert ihre Aussage gerade dies. "Wenn es gelingt, die Menschen für berufliche Veränderungen zu qualifizieren, und etwaige Produktivitätsgewinne dazu führen, dass neue Produkte und Dienstleistungen nachgefragt werden, gehe ich von einem Zuwachs an Arbeitsplätzen aus." ...... wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre, sage ich da nur.

    Man fragt sich, wie es eine "Sozialdemokratin" schafft, noch immer nicht zu realisieren, dass schon jetzt massenhaft Menschen mit und ohne Arbeit in prekären Verhältnissen leben müssen - wie sie sich daran beteiligt, in Sachen Rente an der Lebensarbeitszeit herum zu schachern. ..... wie sie sich selbst in eine "Angststarre" vor der demographischen Entwicklung versetzt und nicht über den Tellerrand "Rente" hinaus blickt - Stichwort: lebenswürdige Bedingungen für alle - für Jung und Alt.

    Nahles sagt: "Man muss analysieren, was geschieht, und auf zu erwartende Entwicklungen rechtzeitig reagieren. Möglicherweise haben wir noch zu viele Menschen mit dem Schraubschlüssel ausgebildet, aber in Zukunft werden eher analytische Controlling-Fähigkeiten abgefragt – im selben Berufsfeld! Das heißt, die neuen Qualifikationsanforderungen passen nicht mehr zum einst Gelernten. Das verändert die Arbeitsplätze, aber es vernichtet sie nicht automatisch."

    Klar ist "Qualifikation" ein ständiger Knackpunkt, wie "Bildung" überhaupt, aber dass keine Arbeitsplätze automatisch vernichtet werden, ist nun mal grundsätzlich ein Irrtum; es fallen kontinuierlich Arbeitsplätze weg. Vollbeschäftigung ist eine Illusion und wie gesagt, sagt "Beschäftigung" so gut wie nichts mehr über die Qualität der Lebensumstände aus - also der Kernpunkt um den es geht schaut sie vorbei, wie die meisten Politiker. Um sich ständig neu zu qualifizieren, braucht man vor allem Zeit und gesicherte Lebensverhältnisse; Flexibilität schafft man nicht mit einer orthodoxen und fixierten Sicht auf "Arbeit" und auch nicht mit einem Bildungssystem, das der Entwicklung stets hinterher hinkt und "Spezialisten" produziert, die schon morgen nicht mehr gebraucht werden - für die notwendige Flexibilität ist die Bildung von Allgemeinwissen und eine freie Bildung wesentlich förderlicher.

    Im Grunde müssen auf politischer Seite die einzelnen Abteilungen raus aus ihren Schubladen, um einer brauchbaren Strategie zu den erwartenden Herausforderungen überhaupt eine Chance zu geben - es braucht auf die Systeme bezogen einen Marshall-Plan und vor allem die Erkenntnis, dass die Systeme für die vollzogenen wie für die kommenden Entwicklungen allesamt neu gedacht werden müssen.

    Grüße - hotlick
     
  7. Errraddicator

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    Erstellt: 16.12.16   #7
    @hotlick
    Sehe ich in weiten Teilen ganz genau so.
    Fühle Dich geliked und bekekst. :)
     
  8. Marc02

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    Erstellt: 17.12.16   #8
    Das finde ich logisch weil aktuell (!) Arbeit, genauer gesagt, ein Arbeitsverhältnis das ist, was diesen Staat finanziell zu großen Teilen am Leben erhält. Sozialabgaben, Steuern. Klar, Steuern zahlt man auch auf andere Sachen und das Produkt der Arbeit wird verkauft, bringt auch Geld und wieder Steuern. Deshalb schrieb ich ja "zu großen Teilen" und nicht "ausschließlich".

    Einfach gesagt : Arbeit ist das Kapital von Gewerkschaften und Parteien. Darin haben sie jahrzehntelange Erfahrung. Jetzt kommt es so, dass sich das eben verschiebt. Die Parteien müssen sich umstellen. Auch das kann eine Chance sein. Wer da gute Ideen hat und sie plausibel erörtert hat potentiell (sofern, der Wähler dieses Bewußtsein teilt) gute Karten.
    --- Beiträge zusammengefasst, 17.12.16 ---
    Ich habe mich vielleicht unklar ausgedrückt. Den Punkt, dass weniger Arbeit mehr Ergebnis liefert habe ich sogar, völlig unbeachtet gelassen. Du hast natürlich recht damit. Und Fazit sollte einfach sein, dass die Profuktivität sekundär, die Effizenz aber absolut primär gesteigert wird. Und das überall (!) da, wo es möglich ist.

    Ja, die Geschäfte werden irgendwann 24/7 geöffnet haben. Ja, die Arbeitszeiten 9 to 5 werden nicht so selten bleiben, wie sie es aktuell sind, sondern, sie werden komplett abgeschafft.

    Und auch "ja", dass muß nicht zwangsläufig ein Verarschen, Ausbluten, Benachteiligen oder Verarmen als Folge haben. Absolut nicht.
     
  9. hotlick

    hotlick Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.16   #9
    Von "muss" kann ja auch keine Rede sein; die Realität zeigt aber doch, dass es so ist. Der Niedriglohnsektor wird sicher weiter wachsen, zumal immer mehr Beschäftingsverhältnisse entstehen, die an keinen Tarifvertrag gebunden sind; schon jetzt sind beispielsweise die meisten neu entstandenen digitalen Arbeitsplätze chronisch unterbezahlt, meistens ohne Sozialabgaben und tauchen zudem kaum in brauchbaren Statistiken auf. Wir haben zwar mittlerweile sozusagen als EU-Schlusslicht auch einen gesetzlichen Mindestlohn, aber wie hoch die Dunkelziffer ist, die in Wirklichkeit darunter liegt, weiß keiner.

    Zudem liegt der Mindestlohn in fast allen EU-Staaten sowieso unterhalb der Armutsgrenze (Hans-Böckler-Stiftung); in Deutschland liegt 8,50 € bei 48% des mittleren Stundenlohns eines Vollzeitbeschäftigten, was sich entsprechend auf die zu erwartende Rente auswirkt. "Um Armut zu messen, wird meist die sogenannte Armutsgefährdungsquote herangezogen. Von Armut bedroht sind demnach alle, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben." (Armes Deutschland? Zeit-Online)

    Wie ja schon erwähnt: "Effizienz" ist ja 'ne tolle Sache; es stellt sich aber die Frage, wer denn unterm Strich von der gesteigerten Effizienz profitiert. Eigentlich müsste eingesparte Arbeitsleistung bei gleichzeitig gestiegener Produktivität zu weniger Arbeitszeit und mehr Lohn eines jeden Einzelnen führen. Wir sehen aber das genaue Gegenteil - und das zu einem Zeitpunkt, an dem "Industrie 4.0" gerade erst auf den Startblöcken sitzt.

    Statt über Konzepte nachzudenken, wie der Faktor Arbeit auf eine der Entwicklung entsprechend adäquate Weise betrachtet werden muss, denkt man lieber darüber nach, die Lebensarbeitszeit angesichts der demographischen Entwicklung zu erhöhen und streitet sich gerade mal darüber, ob man einen Dachdecker mit 68 Jahren noch auf's Dach schicken kann.

    Klar muss "Arbeit" an sich flexibler gestaltet werden, aber wenn "Flexibilität" bedeutet, dass man 3 Jobs nebeneinander machen muss und somit noch mehr Stunden arbeitet oder für die Arbeit noch mehr Zeit aufwendet (den ganzen Tag unter Strom und im Standby-Modus, Fahrten etc.), um damit vielleicht gerade mal zu erreichen, nicht mit Hartz IV aufstocken zu müssen - also faktisch trotzdem in Armut leben muss, dann läuft etwas ganz grundlegendes falsch. Und das ist wie gesagt, für einen wachsenden Teil der Beschäftigten bereits heute schon Realität.

    Und last but not least tauchen immer wieder Besorgnis erregende Zahlen von Armut bei Kindern und von bestehender und drohender Altersarmut auf - ganz so, als wäre die Armut zwischen den Generationen keine Rede wert.

    Strafverschärfend bauen die Regeln (wie etwa die Berechnung des Existenzminimums) auf statistische Durchschnittswerte auf, die in der Realität bei einem großen Teil der Betroffenen an der Lebenswirklichkeit vorbei geht. Das ist schließlich bei den "Arbeitslosenquoten" nicht viel anders: schöne Zahlen für einen in der Realität unhaltbaren, unsozialen Zustand.

    Wenn die soziale Basis von der Politik bei "Industie 4.0" weiterhin mit den selben altbackenen Mitteln und der selben überkommenen Sichtweise auf den Faktor Arbeit behandelt wird, wie es bislang der Fall ist, dann gibt es sehr wohl Gründe, sich erhebliche Sorgen bezüglich der nahen Zukunft zu machen - und zwar bezüglich sämtlicher sozialen Bereiche.

    Zusätzlich werden nach neusten Zahlen und Prognosen die Inflationsraten in der Eurozone steigen - insbesondere in Deutschland. (Spiegel) ...... und ob das mit dem Wachstum langfristig weiter so "gut" geht, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Was beispielsweise die zu erwartende Umstrukturierung in der Autoindustrie mit sich bringen wird, wenn weniger Verbrennungsmotoren gebaut werden etc. kann noch niemand wirklich absehen. Gerade für Deutschland könnte sich dies desaströs auswirken, wenn man nicht langsam mal die Hufe schwingt und das gesamte System mal auf den Prüfstand stellt, um künftig noch sozialen Frieden gewährleisten zu können.

    Ich finde, darin liegen die eigentlichen Ursachen für ein ungutes Bauchgefühl bei vielen Menschen. Wenn von der Politik postuliert wird, es ginge Deutschland so gut wie nie zuvor, frage ich mich, was wohl all die Menschen dazu sagen, die schon jetzt in prekären Verhältnissen leben müssen und überhaupt keine Perspektive am Horizont erkennen können!? Und sorry, dass ich es noch hinzufügen muss: dagegen ist im Vergleich die Belastung durch die Flüchtlingssituation ein "Witz" - in der Politik muss endlich mal über die Zukunft diskutiert werden - sprich darüber: wohin die Reise geht und was systematisch zu tun ist, damit dies nicht in einem sozialen Desaster endet.

    Grüße - hotlick
     
  10. Bass Fan

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    Erstellt: 18.12.16   #10
    Ich habe den Eindruck, daß wir mit der Namensgebung von "Industrie 4.0" ein Eigentor geschossen haben. Der Begriff impliziert eine plötzliche Änderung, quasi einen Quantensprung, wie beim Aufspielen einen neuen Softwareversion. Ja, es gibt auch Industrie 1-3, aber die haben wir erst posthum so definiert. Im Rest der Welt benennt man Industrie mit "IoT", Internet of Things und macht sich nicht diese schwermütigen Gedanken wie die Deutschen.

    Änderung gab es schon immer, die E-Lok braucht keinen Heizer, der Flugingenieur im Cockpit ist weg, einen Hufschmied habe ich noch nie gesehen und auch der Spitzendreher wurde durch CNC ersetzt. Die nun als so bedrohend gesehene Welle de Automatisierung gibt es schon lange, schon vor 20 Jahren haben bei Yasukawa Robots neue Robots assembliert, oder bei Nippon Denso wurden Amaturentafeln in vollkommener Dunkelheit automatisch montiert. Diese Veränderungen, und auch durch Industrie 4.0 kommen wie bisher auch in kleinen Inkrementen, und es werden dabei neue Berufsbilder geschaffen, die natürlich anspruchsvoller sein können, als einen Wagen mit Blechteilen über den Hof zu ziehen. Und darin sehe ich das Hauptproblem in Deutschland, mit unserer Bildung und unserem Können stehen wir längst nicht mehr in der Spitzengruppe. PISA/Mint-Ergbnisse, die momentan diskutierte Abschaffung einer korrekten deutschen Rechtschreibung etc., Noteninflation, das bricht uns das Genick!

    Ich lebe seit 26 Jahren in Asien und sehe täglich, wie andere Staaten und die Menschen damit umgehen, das fängt damit an, daß man sich bilden will, auch gegen Entgelt, und nicht drauf wartet "gebildet" zu werden.

    Deutschland stellt ca. 1,2% der Weltbevölkerung, wir führen uns auf, als seien wir in der Mehrheit.
     
  11. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.16   #11
    Derjenige, der die Arbeit in Auftrag gibt, logischerweise. Das muß eben nicht zwangsläufig mehr Lohn bedeuten wenn es sich nicht um Akkordarbeit, sondern um Studenlohn handelt. Wenn von Arbeitgeberseite Bedingungen geschaffen werden, in denen ein Arbeiter (das meint alle Angestellten in allen Branchen) in seiner von mir bezahlten Arbeitszeit mehr produzieren kann, bekommt er weiterhin den gleichen Lohn, arbeitet weiterhin die gleiche Zait, aber mein Gewinn steigt.

    Das kann effiziente software sein, die es ermöglicht innerhalb von Sekunden, Kundenanfragen abzuarbeiten oder Kunden zu bedienen, das können ergonomische Arbeitsplätze sein, das kann alles sein. Auch betriebsinterne Infrastruktur kann das sein.

    Ich denke, dass das eher finanzielle Gründe hat. Je länger ein Mensch rente bezieht, desto mehr Geld muß für ihn da sein. Natürlich hat er auch mehr eingezahlt wenn er länger gearbeitet hat aber ich halte es für ein ganz realistisches Problem, dass man eben einen Dachdecker mit 68 eben nicht mehr mit aufs Dach schickt. Das Problem ist, dass er früher eben mit 75 gestorben ist und von da an keine Rente mehr bekommen hat. Heute bezieht er Rente bis 83, hört aber nicht später oder nur etwas später auf zu arbeiten. Und das Problem ist, dass er eben irgendwann aufhören MUß, zu arbeiten weil dieser (und andere) Berufe eben nicht mehr in diesem Lebensalter ausgeführt werden können. Es nützt also rein gar nichts, das Renteneintrittsalter pauschal zu erhöhen weil es in der Natur der Sache liegt und unumstößlich ist, dass es nicht pauschal erhöht werden kann.

    Welche Mittel meinst du da konkret !? Die angesprochenen gefälschten oder fehlinterpretierten Statistiken !? Oder falsche Berechnungsgrundlagen !?

    Dazu (vielleicht) passend, ein Bento-Artikel über Leute, die für einen Essensbringdienst-Start-Up Essen ausgefahren haben. Die aufträge wurden per smarphone zugeteilt, der Algorhithmus hat errechnet welcher Fahrer gerade wo steht und wer den kommenden auftrag em ehesten fahren kann. das ist noch ganz normale Disposition. Neu war aber, das der Algorhitmus aus errechnet hat wer wie schnell fährt etc. Gesteigerte Effizienz in Reinform. Die Fahrer verdienten ihre paar Euro pro Stunde, egal ob sie 5 oder 20 Pizzen ausgefahren haben. Der Arbeitgeber hingegen verdient bei 20 ausgefahrenen Pizzen (pro Tag, wohlgemerkt) das VIERFACHE, seine Lohnkosten bleiben aber gleich. Aber was ich noch viel interessanter fand war....... "Ich wollte bei einem Start-Up dabei sein, Teil der Idee sein". Das sagte einer der Fahrer, auf die Frage wieso er sich das antue.

    Bei derartigen Aussagen ist die Politik doch nahezu machtlos :D

    Okay, eine Glaskugel hat nun niemand zu Hause :D

    Über die umstrukturierung der Autoindustrie habe ich vor urzem einen kuzen Bericht gesehen, dass es durchaus problematisch werden kann wenn man einfach 10 Leute weniger braucht um einen E-Motor zu bauen, als für einen Verbrenungsmotor.
     
  12. Blade Runner

    Blade Runner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.16   #12
    Mich nervt die Fixierung auf "Arbeitsplatzverlust durch Effizienzsteigerung". Wieso richtet man die Gedanken nicht in die Richtung: Arbeitsplätze produzieren mehr durch Effizienzsteigerung > die Schwemme durch mehr Produkte führt zu Preissenkungen > man kann sich mehr kaufen, weil günstiger.

    Ich denke der Reflex, dass alles, was neu ist, teurer als das Vorgängerprodukt sein muss, gehört auf den Prüfstand. Der Reflex Effizienz = Entlassung gehört auf den Prüfstand. Der Reflex Arbeitsplatzverlagerung in Billiglohnländer gehört in Zeiten zunehmender Automatisierung auf den Prüfstand. Was nutzt das, wenn der Faktor Lohnkosten durch Effizienzsteigerung zunehmend abnimmt?

    @robbert es ist erstaunlich, mit welcher Penetranz Du auch in diesem Thema Bezüge zur Flüchtlingsproblematik konstruierst
     
  13. Apfelsaft

    Apfelsaft Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.16   #13
    Als Programmierer kann ich mit Industrie 4.0 gut leben. Die Welt ist voller Möglichkeiten und belohnt die Neugierigen, davon bin ich fest überzeugt.

    Ironie dabei: das olle Handwerk ist gefragt wie nie - weil junge Leute nicht ins Handwerk wollen ^^ ein Kumpel hat sich schon vor einer Weile als Heinzelmännchen selbstständig gemacht, sogar während der Krise 2008 haben die Leute ihm die Bude eingerannt. Man kann das nicht nach Bangladesch outsourcen, und Roboter können nicht mit wechselnden Baustellen umgehen. Michio Kaku spricht hier von "Pattern Recognition", worin die Schwäche des Computers läge.

    Mein Tipp für deutsche Handwerker: Geht in die USA oder nach Kanada. Eure duale Bildung wird dort hochgeschätzt :great:
     
  14. hotlick

    hotlick Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.12.16   #14
    Ob die Namensgebung "Industrie 4.0" glücklich gewählt ist, sei dahin gestellt - der Begriff bezieht sich schließlich u.a. auch auf eine Forschungsplattform zum Thema:

    "Die industrielle Produktion soll mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verzahnt werden. Technische Grundlage hierfür sind intelligente und digital vernetzte Systeme. Mit ihrer Hilfe soll eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion möglich werden: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und kooperieren in der Industrie 4.0 direkt miteinander. Durch die Vernetzung soll es möglich werden, nicht mehr nur einen Produktionsschritt, sondern eine ganze Wertschöpfungskette zu optimieren. Das Netz soll zudem alle Phasen des Lebenszyklus des Produktes einschließen – von der Idee eines Produkts über die Entwicklung, Fertigung, Nutzung und Wartung bis hin zum Recycling." (Wikipedia)

    Immerhin scheint sich die "Forschungsunion der deutschen Bundesregierung" mal konkret um eine Art Vision mit Bezug auf die derzeitige Entwicklung zu kümmern; bezeichnend daran ist allerdings, dass es sich wohl ausschließlich um wirtschaftliche Entwicklung dreht und die so genannte "Forschungsunion" so gut wie keine "soziale Vision" entwickelt, die damit einhergeht, einher gehen müsste, bzw. es gar keine "Forschungsunion" als Pendant für die Entwicklung der sozialen Rahmenbedingungen zu geben scheint!?

    Mit "Schwermut" hat die "Forschungsunion" nun wirklich nichts zu tun; das verlautbarte Resümee der Bundesregierung klingt zu diesem Thema eher "frohlockend"; wenn man sich beispielsweise die Statements von Andrea Nahles zum Thema anschaut. Geht's aber konkret um die Befürchtungen bezüglich der sozialen Entwicklung, hört man nur "wenn und aber" - "Wenn es gelingt, die Menschen für berufliche Veränderungen zu qualifizieren, und etwaige Produktivitätsgewinne dazu führen, dass neue Produkte und Dienstleistungen nachgefragt werden, gehe ich von einem Zuwachs an Arbeitsplätzen aus." (Andrea Nahles Zeit-Interview)

    Wen meint denn Nahles nun konkret mit "die Menschen", und um welche Qualifikationen geht es konkret für "all" die Menschen? ...... wie ich ja schon erwähnte, es geht der Politik anscheinend "nur" um Arbeitsplätze und nicht um die sozialen Verhältnisse, die sich ergeben und sich für viele Menschen bereits ergeben haben. Für wirtschaftliche Effizienz gibt es eine Forschungsunion - für die sozialen Verhältnisse nicht - und das allein ist schon der Punkt, der auf Dauer Besorgnis erregend ist. Es gibt immer Statistiken, mit denen sich alles schön reden lässt: "Es ging Deutschland noch nie so gut wie heute" - wie viele Menschen in Deutschland stehen jetzt - 10 Tage vor Monatsende und vor den Feiertagen vor einem leeren Kühlschrank, müssen zum Weihnachtsessen zur Tafel gehen und sich obendrein einen solchen Spruch rein ziehen?

    Und da wundert man sich über den wachsenden Vertrauensverlust zur parlamentarischen Politik und spielt dies dann auch noch dreist als pures "Bauchgefühl" jenseits der Realität herunter, wenn's darum geht, weshalb so viele Menschen den Populisten auf den Leim gehen.

    Grüße - hotlick
     
  15. Stoner

    Stoner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.12.16   #15
    Ein Jammer, dass der wohl am meisten zuständige Minister einen Anachronismus namens Maut, dessen zukünftiger Mehrwert und wirtschaftlicher Nutzen gegen Null geht, ganz oben auf seine Agenda geschrieben hat. Und das grade in Zeiten, wo die großen Deutschen Konzerne und Motoren unseres Wohlstandes schwächeln. Diese Energie wäre in Richtung Industrie 4.0 und Digitalisierung bedeutend besser angelegt.
    Ich meinte, Industrie 4.0 ist omnipräsent, fast jeden Tag in jeder Zeitung gibt es ein bis mehrere Artikel in dieser Richtung, nur kommt das nicht bei den Entscheidungsträgern genügend an. Und wenn doch, vermisst man jeglichen Gestaltungswillen - es wird höchstens "verwaltet". Und selbst da werden die sinnvollen Weichen für die Gesellschaft und Wirtschaft nicht gestellt. Das frustriert mich wirklich extrem.
     
  16. robbert

    robbert HCA-Geige HCA

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    Erstellt: 21.12.16   #16
    ...offenbar hast du keine Aktien. Dann wüsstest du, dass der Dax zur Zeit sehr gut dasteht. ;)
     
  17. Stoner

    Stoner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.12.16   #17
    Na dann ist ja alles wunderbar. :rolleyes:

    Natürlich kann man mein Kommentar nicht nur auf Wirtschaftskraft beziehen (und selbst da ist es nicht ganz unstrittig, inwiefern der DAX die (gesamt-)Wirtschaft abbildet), sondern auf Innovation und Zukunftsfähigkeit. Sollte eigentlich im Kontext erkennbar sein. Oder siehst du diesen Aspekt anders?
     
  18. Errraddicator

    Errraddicator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.12.16   #18
    @Stoner
    Hier bin ich ausnahmsweise voll Deiner Meinung. :D

    Ich denke ebenfalls, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis bei uns der Wirtschaft ein dicker Dämpfer droht, weil sich keiner - weder Wirtschaft noch Politik - ernsthaft genug mit den Feldern der Zukunft beschäftigen will.
    Der Investiontions- und Innovationsstau in Deutschland is offenkundig, wie ich finde.
    Egal, ob in der IT, der Automobilbranche, der Infrastruktur, dem Gesundheitswesen oder auch Bildung und Wissenschaft.

    Wir sind in so vielen Bereichen nur noch Mittelmaß, dass man sich schon Fragen muss, wo das in 10, 20 Jahren enden soll?
    Mit Exportweltmeister is dann wohl nich mehr viel.
     
  19. hotlick

    hotlick Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.12.16   #19
    Der Blick auf den DAX zeigt nur eine Momentaufnahme; und dass er verhältnismäßig gut da steht, liegt u.a. auch am besseren "Speckgürtel", der aber nicht zwangsläufig ewig Reserven bietet - weder materiell noch was Innovationsfähigkeit betrifft.

    Bei allen marktwirtschaftlichen Unsicherheiten, die sich beispielsweise schon heute in der Entwicklung von Investitionen in das Geschäft mit fossilen Brennstoffen zeigt, stehen eindeutig alle Zeichen auf erneuerbare Energien - das ist meiner Meinung nach so sicher wie das Amen in der Kirche, auch wenn dabei nicht zu erwarten ist, dass dies mit einem Paukenschlag passiert.

    Die Autoindustrie hat lange von der extremen Nachfrage in den so genannten Schwellenländern wie etwa China profitiert, und sie profitiert NOCH davon, auch wenn die Wachstumsraten in China allmählich zurück gehen und diese schon heute künstlich hoch gehalten werden. Andererseits zeigt China, dass sie auf technologischer wie auf wirtschaftlicher Ebene nicht gerade auf den Kopf gefallen sind, deutlich aufholen und zudem über Rohstoffe - wie z.B. "seltene Erden" verfügen, die für Zukunftstechnologien geradezu grundlegend sind.

    Nicht nur in Paris und anderen europäischen Metropolen kämpft man - ganz unabhängig vom Klimawandel - mit der extremen Feinstaubbelastung primär durch Verbrennungsmotoren und darüber hinaus auch durch Kraftwerke. Dass es keine Dauerlösung sein kann, in chinesischen Metropolen mit einer Staubmaske vor dem Gesicht herum laufen zu müssen, ist mittlerweile selbst dem chinesischen Zentralkomitee nicht verborgen geblieben. (vielleicht hat sich Trump in den USA schon in das Staubmasken-Geschäft eingekauft) :embarrassed:

    Allein schon an diesem Punkt wird sich die Industrie ganz grundlegend verändern - daran besteht für mich gar kein Zweifel, zumal die internationalen Verbindlichkeiten zur CO²-Ausstoss-Reduzierung immer mehr Form annehmen. Die Autoindustrie kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass das Geschäft mit Verbrennungsmotoren auch in Zukunft noch funktionieren kann, und mit entsprechenden Mogelpackungen wird man sich vermutlich künftig zurückhalten müssen, weil dies verdammt teuer werden kann.

    Klar - der DAX steht nach wie vor gut da - es werden ja auch noch reichlich SUV's etc. verkauft, weil es 'ne Menge Leute gibt - nicht nur in Deutschland - auch in China, die gerne einen Dicken zeigen. Aber es liegt in der Sache der Natur, dass alles - außer vielleicht die Wurst - ein Ende hat. Fakt ist, dass die Autoindustrie ein zentrales wirtschaftliches Standbein für Deutschland ist und offensichtlich das Geschäft mit Verbrennungsmotoren nicht nur gänzlich ausgereizt, sondern darüber hinaus auch noch die Grenze des Betrugs überschritten hat.

    VW hat ja bereits die ersten Konsequenzen daraus gezogen und wird die Entwicklung grundlegend in Richtung Elektromobilität verändern - auch das wird nicht mit einem Paukenschlag passieren - aber es wird passieren. Ich weiß jetzt nicht genau, wie viele "Arbeitsplätze" von der Herstellung der Verbrennungsmotoren abhängen - wie viele Zulieferer am Ende quasi einpacken können; Fakt ist: es ist eine nicht zu unterschätzende Zahl, die eine extreme Veränderung mit sich bringen wird. Die Autoindustrie ist nur ein Beispiel, wenn auch ein für Deutschland zentral wichtiges.

    Man muss zwar nicht den Teufel an die Wand malen, aber realistisch betrachtet, muss man zum Rückschluss kommen, dass die Welt in technologischer Hinsicht nicht von einem der führenden Platzhirsche wie "Deutschland" abhängig ist und künftig auch nicht sein wird. Übrigens: "Exportweltmeister" ist Deutschland doch schon jetzt gar nicht mehr. ..... aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier - es wird wohl 'ne ganze Weile dauern, bis solche Tatsachen in die Köpfe gelangen, insbesondere wenn's um das Label vergangener Zeiten geht, dass sich "Deutsche" gerne selber überziehen, wie etwa "Dichter und Denker", die man in Wirklichkeit suchen muss. Das selbe kann mit "Made in Germany" schneller passieren, als sich so mancher "denkt".

    Ich sehe jedenfalls bezüglich der möglichen Auswirkungen in der Politik keinerlei Plan B - erst recht nicht bezüglich der sozialen Rahmenbedingungen, die für ein solches Szenario gewappnet sein könnten - da steht zu viel Einbildung dem gesunden Pragmatismus im Wege.

    Grüße - hotlick
     
  20. Marc02

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    Erstellt: 23.12.16   #20
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/metall-arbeitgeber-wollen-abkehr-vom-acht-stunden-tag-a-1127303.html?utm_source=dlvr.it&utm_medium=[facebook]&utm_campaign=[spontop]#ref=rss

    Hmmmmmmmmmm. Nicht eine Minute mehr arbeiten, keinen Cent weniger verdienen, nur etwas flexibelere Arbeitszeiten (Metaller) oder...... wählen können ob mehr Geld bei gleicher Arbeitszeit oder Weniger Arbeitszeit bei gleichem Geld (Bahn).

    Man spricht drüber. Noch ganz zaghaft und ohne konkrete Begründung aber..... Kunden möchten die Möglichkeit haben immer und überall, alles in unbegrenzter Menge bekommen können. Davon sind manche branchen weit ernfernt, andere kennen es nicht anders und wieder andere wollen sich dahin gehend verändern.

    Ja, doch, ich denke das passt hier rein. :)