Industrie hält länger haltbare Technologien zurück - Wahrheit oder Mythos?

von Apfelsaft, 10.03.17.

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Glaubst du an geplante Obsoleszenz?

  1. Ja

    16 Stimme(n)
    84,2%
  2. Nein

    3 Stimme(n)
    15,8%
  1. Apfelsaft

    Apfelsaft Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.03.17   #1
    Hallo :)

    Recht bekannt ist ja die Livermore-Glühbirne, die seit über 100 Jahren leuchtet und live einsehbar ist.

    Skeptiker behaupten jedoch, dass dies auf das schwache Leuchten, einen suboptimalen Stromverbrauch und schließlich darauf zurückzuführen sei, dass die Lampe niemals über Nacht abgeschaltet wird. Ein NZZ-Artikel behauptet gar, man müsse die Lebensdauer von Lampen auf 200-300 h reduzieren, um inklusive Stromkosten den Endpreis für den Verbraucher zu optimieren. Die Balance zwischen nicht gleichzeitig optimierbaren Parametern sei auch der Grund für das legendäre Phoebus-Kartell, welches die Lebensdauer von Birnen auf 1000h begrenzte.

    Ein anderer Artikel glaubt durchaus an geplante Obsoleszenz - weist aber auch darauf hin, dass das Phoebus-Kartell die Konkurrenz trotzdem nur ein paar Jahre aufhalten konnte. Und heutige LED-Lampen ohnehin bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter halten.

    Ein Bekannter von mir will von seinem Bruder, der Ingenieur ist, Folgendes gehört haben: Die Kabelverbindungen zwischen Gerät und Bildschirm eines Laptops, die bei jedem Aufklappen stark belastet werden, sind durch eine Sollbruchstelle extra schwach, damit die Verbraucher ständig zum Kauf neuer Geräte gezwungen sind. Von der Schwachstelle habe ich bereits gehört - trotzdem habe ich seit vielen Jahren schon keine neuen Laptops mehr gekauft. Bei guter Pflege halten sie bei mir immer lange, dasselbe gilt für Handys.

    Offensichtlich tendiere ich persönlich eher zur Antwort "Mythos". Was meint ihr zu dem Thema?
     
  2. Blumi_guitar

    Blumi_guitar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.03.17   #2
    bei manchen Produkten bin ich sogar sicher.
    Oft ist es nicht das Produkt selbst, sondern die Verbrauchsmaterialien, Beispiel Druckertintenpatronen und Tonerkartuschen. Die Geräte melden meist weit weniger Inhalt als tatsächlich vorhanden ist, wurde in Tests schon nachgewiesen. Im ungünstigen Fall drucken die Geräte einfach nicht mehr, wenn die Patrone angeblich leer ist.
     
  3. Blade Runner

    Blade Runner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.03.17   #3
    Meine Drucker sind alle über 12 Jahre alt - da war der Algorithmus noch nicht so weit, das Gerät insgesamt lahm zu legen. Brother ist da besonders begehrenswert
     
  4. CaptainFuture

    CaptainFuture Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.03.17   #4
    Ich denke "die" werden Hebel in Bewegung setzen, nur um langfristig gewisse Einnahmen sicher zu stellen. Dem Verbraucher wird dies Häppchenweise zeitlich grob gesteuert präsentiert.
    Würde dies nicht so gemacht, würden der Wirtschaft aufgrund der Schnelllebigkeit von Produkten einfach viele Einnahmen abhanden kommen.
    *VeschwörungsmodusOhneFundiertesWissen-AUS*
    ;)
     
  5. EDE-WOLF

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    Erstellt: 11.03.17   #5
    Daran brauch ich als Ingenieur nicht zu "glauben"... das ist schon eher Kategorie "wissen"....
     
  6. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.03.17   #6
    Natürlich werden Sollbruchstellen eingebaut. Das System muß weiterlaufen. Kauf > Gebrauch > Defekt > Neukauf.
    Smartphones mit fest verbautem Akku auf den es nur eine eingeschränkte Garantie gibt. Der Beispiele sind viele.
     
  7. BlakeWilder

    BlakeWilder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.03.17   #7
    Die Reportage hier finde ich ganz gut:



    Greetz,

    Blake
     
  8. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.03.17   #8
    Mir stellt sich gerade die Frage: "Wieweit ist dieser Effekt bei unserem heiß geliebten Equipment verbreitet?"
    Minderwertige Röhren die frühzeitig abwinken?
    Synthies bei denen die Elektronik versagt?
    :gruebel:
     
  9. the flix

    the flix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 11.03.17   #9
    Man muss auf der anderen Seite aber auch sehen, dass die Entwicklung von langlebigen Geräten durchaus nicht trivial und günstig ist. In meinem Job muss ich mit 15 Jahren Lebensdauer planen und das macht alleine die Physik an vielen Stellen nicht einfach (Alterungseffekte).
    Es ist zu einfach zu sagen "früher hielt alles länger". Früher war auch alles wesentlich weniger komplex und hoch integriert.
    Und schlussendlich kann sich der Kunde in der Frage nicht aus der Verantwortung ziehen. Es gibt so gut wie in jedem Bereich auch sehr langlebige Produkte. Nur will die kaum jemand, weil sie dementsprechend Geld kosten.
    Die Industrie verkauft das, was sich verkaufen lässt und womit sich Geld verdienen lässt. Und man sollte mit der Verallgemeinerung "die Industrie" auch sehr vorsichtig sein. Es gibt viel mehr, als Hersteller von Produkten für den privaten Endkunden.
     
  10. EDE-WOLF

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    Erstellt: 11.03.17   #10
    Jaja keine Frage, gemeint sind aber "Sollbruchstellen" die ohne signifikanten Aufwand zu beheben wären...

    Sicher! Keine Frage... gerade bei Mechaniken ist das nicht trivial (und nichtmal immer möglich

    Nicht alles... aber wie gesagt: Dass "Auf Verschleiß" bewusst gebaut wird ist eher ein "neumodischeres" Phänomen...

    Joa sicher... aber ich kanns als Kunde halt nicht "sehen"....

    Klar... nicht alle, aber es gibt einige....
     
  11. saitentsauber

    saitentsauber Helpful & Friendly User HFU

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  12. Boerx

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    Erstellt: 12.03.17   #12
    Also ich glaube nicht, dass die Industrie wirklich plant, dass Dinge nach der Gewährleistung kaputt gehen ABER sie werden auch nicht Geld in die Entwicklung oder in die Herstellung von Geräten stecken die länger halten als sie müssen. Das wäre für eine Firma einfach nicht betriebswirtschaftlich zumal eine andere Firma über so etwas bestimmt den Preis drücken wird. also hält alles genau so lange wie es muss dafür kostet es aber halt auch nur das was es kostet.

    Meist ist das ein Grund warum wirklich gute Dinge auch nicht billig/günstig zu haben sind.
    In dem Sinne: Wer billig kauft, kauft 2 mal. Wer günstig kauft schaut nicht nur auf den Preis
     
  13. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 12.03.17   #13
    Bei Sony glaube ich inzwischen an die geplante Obsoleszenz. :rolleyes:
    CD-Player und Kassettendeck waren gleich alt und gingen auch zeitgleich kaputt.
    Beim Kassettendeck war dies verwunderlich, weil es in den letzten Lebensjahren kaum noch lief, also rein vom "Rumstehen" kaputt ging.
    Ein Sony-MiniDisc wurde später gekauft, hatte aber auch etwa die gleiche Lebenszeit, ebenfalls ohne am Ende übermäßig im Einsatz gewesen zu sein.
    Vermutlich alles Zufall und so ein Erlebnis ist eh ohne stat. Wert.
    Aber Sony kommt mir trotzdem nicht mehr ins Haus.

    Ziemlich umkaputtbar sind die Comsumer-Elektrogeräte vom Yamaha, da würde ich jederzeit wieder eins kaufen.
     
  14. andiu

    andiu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.03.17   #14
    Es fehlt eine Antwortmöglichkeit: Kommt darauf an :p

    Bei manchen Produkten ist das ein Wechselspiel von (der vom Hersteller erwarteten) Nutzungsdauer, Nutzungshäufigkeit, Kundenerwartungen und darauf basierender Produktgestaltung. Warum sich gesondert Mühe geben wenn der Kunde das eh nicht mitbekommt oder zahlen will ?

    Siehe Handy mit fest eingebautem Akku, siehe Apple, wo es kaum möglich ist, sein i-Tunes so zu synchonisieren dass man Dateien vom Handy weg bekommt und schon sind wir beim berühmten Witz: "Was? Schon wieder ein neues Auto? Ja, der Aschenbecher war voll ..." Die Teile haben einen Lebenszyklus von 3-4 Jahren, danach gibt es keine Apps mehr, weil das OS zu alt ist, sich kein neues aufspielen lässt und so weiter. Die meisten Hersteller haben ein Interesse daran, ein Produkt zu verkaufen, dass die vom Kunden erwartete Lebensdauer hält, nicht mehr, nicht weniger. Sonst bekommen sie einen schlechten Ruf. Ein Handy hält durchschnittlich drei Jahre oder vier, ein Laptop 5-7 Jahre, ein PC ebenso oder etwas länger, eine Waschmaschine 10 Jahre .. ein Ofen 15 Jahre, ein Auto 10-15 Jahre, im Schnitt, wohlgemerkt. Die Elektronikbranche befindet sich aber immer noch in einer Art Leistungsspirale, noch mehr Prozessoren, noch mehr Speicher, die Kunden mögen es. Jedenfalls die meisten. Die wenigen mit spezifischen Anwendungsszenarien wie "Ich will nur telefonieren oder meine Mails checken" können sich dann ein Seniorenhandy kaufen :p
    Meine 14 Jahre alte ISDN Telefonanlage und ihre Endgeräte gehört in zwei Wochen zum alten Eisen ... es gibt kein ISDN mehr, jedenfalls für mich. Dabei läuft die bis jetzt wie am ersten Tag. Aber es gibt demnächst vielleicht auch keine Festnetznummern mehr ... den meisten reicht ihre Handynummer vollkommen aus. Fax ist am Aussterben usw.

    Also spielt auch die technische Umgebung und deren Entwicklung eine Rolle. Dazu müssen die eigenen Produkte halt auch passen.

    Andererseits: Es gibt immer wieder Berichte von Druckerherstellern , die ihren Geräten eine prospektive Lebensdauer mitgeben (siehe heise, c't), indem ein interner Zähler mitläuft und irgendwann ist Schicht im Schacht weil irgendein technischer Umstand angeblich ein Weiterdrucken nicht zuverlässig zulässt. Das ist für mich geplante Obsoleszenz. Dafür werden diese Hersteller auch heftig gescholten (irgendeiner kriegt es immer heraus) und sie müssen zurückrudern.

    @ Leiterbahnen und Scharniere bei Laptops: Das mag es schon geben. Wenn die Dinger im Schnitt 4000 Bewegungen aushalten, sind das zweitausend Öffnungen und Schließungen des Deckels. Viele erreichen das in 10 Jahren nicht weil die Dinger quasi fest installiert sind und/oder nicht jeden Tag genutzt werden, der Uni-Gänger klappt das Teil zehnmal am Tag auf und zu, da halten die Scharniere und die Leiterbahnen halt nur ein Jahr und vielleicht etwas länger.
     
  15. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.03.17   #15
    Elektronische Bauteile altern auch wenn sie nicht in Betrieb sind. Das "Rumstehen" kann also durchauch seine Effekte zeigen.
    Gibt aber auch noch Sachen die scheinen für die Ewigkeit zu sein. Hab vor einiger Zeit 'ne Ratte, "The Rat"-Verzerrer den ich 25 Jahre lang besaß, verkauft. Alles 1A. Selbst die Potis ohne Befund.