Invention J.S.Bach - 8 F Dur

von Dustoffreedom, 02.12.08.

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  1. Dustoffreedom

    Dustoffreedom Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.12.08   #1
    Hi Leute, es gibt schon etliche Themen deswegen, doch ich bin total aufgeschmissen, weil ich (wegen Krankheit etc) heute erst erfahren habe das ich kommenden Do. meine Musik Lk Klasur schreibe... 3 Stündig :( Nunja, allerdings schreib ich morgen schon 2 Std Gmk, un kann nicht lernen weil ich (mit dem Musik Lk !!) zu Nikolai Znaider muss .. (für ein Metaller wie mich nich das wahre ^^) Nunja, ich kann schlicht und ergreifend nicht so viel umfassendes lernen bis Morgen, also brauch ich eure Hilfe. Könnt ihr mir von der 8ten Invention in F Dur eine Analyse schreiben, oder zumindest die Punkte die ich nennen muss .. Die ich halt dann in der Klausur einfach in einen Text zusammen fassen werde. Denn wir werden über diese INvention eine Analyse schreiben. Und ich hab noch nichma das Motiv rausgefunden. Also wäre super toll wenn ihr einfach sagt zb: ja Thema wird da und da gespielegelt, dann da kommts nochma in ner Anderen Tonart vor.. dann langsamer .. usw? Wäre echt richtig toll, da ich irgentwie auf eure Hilfe beinah angewiesen bin.. Hab in der ersten Klausur immerhin noch gerade ne 3 - geschreiben .. dank eurer HIlfe :) Ich bitte um eine kurze Antwort
    MFG! :)
    Achja, im Anhang die beiden Noten Blätter, kurz abfotographiert...
    1)
    [​IMG]
    2)
    [​IMG]
     
  2. CUDO II

    CUDO II Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.08   #2
    Hi Dustoffreedom,

    Das Stück ist super und beinnhaltet einiges dass man selbst auch wieder in Eigenem verwerten kann. Man kann eigentlich nur lernen, wenn man Bach analysiert.

    Hier nun wie ich, als Improvisator, das Stück sehe:

    Das Subjekt wird in alter Manier einstimmig vorgestellt. Es ist sehr schlicht gehalten und besteht aus einer reinen Dreiklangsfiguration. Anfangs- und Schlußton des Subjektes bildet wie in vielen anderen Kontrapunkten der Tonikagrundton.
    Das Kontrasubjekt, es tritt im 2. Takt in der 1. Stimme ein, ist in alter Kontrapunktmanier sowohl melodisch als auch rhythmisch konträr zum Subjekt gehalten.
    Subjekt und Kontrasubjekt sind nicht gegenseitig abgegrenzt (keine Codetta) und laufen direkt ineinander.
    Ab Takt 4 tritt ein 2. Kontrasubjekt in der 1. Stimme ein und wird im nächsten Takt von der 2. Stimme übernommen. Es spinnt sich sequenzartig 3 Takte lang fort. Dieses Motiv wird auch später in der Durchführung wieder aufgegriffen.
    Da die 2. Stimme von Beginn an die ersten 6 Takte der 1. Stimme um einen Takt nach hinten versetzt in der unteren Oktave wort wörtlich immitiert, spricht man auch von einem kanonischen Kontrapunkt. (Takt 1 - 6 der 1. Stimme = Takt 2 -7 der 2. Stimme.)

    Harmonisch gesehen kommt das Stück sehr langsam in die Gänge. Erst im 6. Takt weicht Bach von der Tonika ab und wechselt durch einen Kleinterzsprung nach unten zur Tp als Sextakkord. Ein Takt später folgt ein weiterer Terzsprung nach unten und Bach landet so auf dem Terzquartakkord der Doppeldominante. Dabei spielt die 1. Stimme wieder das Subjekt (Takt 7) mit nachfolgendem Kontrasubjekt. (Takt 8)
    Diese beiden Takte werden wieder kanonisch von der 2. Stimme ab Takt 8 aufgenommen. Dieses Mal allerdings nicht wortwörtlich, sondern figurativ, den Harmonien folgend (tonal).
    Das Ganze moduliert nun zur Unterquinte und endet in einem kadenzierenden Ganzschluß.
    Die Takte 12 -14 sind eine Kopie in der Unterquinte der Takte 1 -3. Die Rollen von 1. und 2. Stimme sind dabei allerdings vertauscht.
    In den Takten 15 bis 20 werden rhythmische Figurationen von Subjekt und Kontrasubjekt benutzt, um von C Dur nach G Moll zu modulieren. Drehpunktakkord dabei ist F#o7 im Takt 15. Auf C Dur bezogen ist dieser Akkord DDv/3rd und auf G Moll bezogen Dv/3rd.
    Im Takt 19 kommt die gleiche enharmonische Modulation nochmals, dann aber um von G Moll nach D Moll zu modulieren.Drehpunktakkord ist diesmal C#o7.

    Ich würde sagen, "now it starts cooking". Hier, mitten in der Durchführung, liegt es nahe , Eigenes weiter zu spinnen. Bach macht es ansatzweise vor. Tonale, melodische Sequenzen folgen von Takt 21 bis 23. Wunderschön das Melodisch Moll (MM) im Takt 22 gefolgt von MM5 in Takt 23 (das ist mein absoluter Favorit in diesem Stück!!!)
    Auch Takt 24 & 25 sind sequenziert . Harmoniefolge hierbei: D- G- | C7 F7 |.

    In Takt 26 sind wir schlußendlich in Bb Dur (Jonisch!) angelangt, das bis Takt 28 auf der Tp von Bb Dur anhält. Diese wird nun umgedeutet als Sp von F Dur. Im Takt 29 wird in der 1. Stimme in abgewandelter Form wieder das Subjekt audgenommen und im Takt 30 an die Linke abgegeben. Nochmals wechselt Bach mittels Sekundärdominante nach Bb Dur, aber die Verweildauer ist zu kurz um als Modulation empfunden zu werden. In den Takten 32 bis Ende wird zur Tonika hin abkadenziert, ohne jedoch das Subjekt nochmals zu erwähnen.


    So sehe ich das Stück. Wenn ich analysiere,dann nur zum Zwecke des freien darüber Spielens (angedeutete Improvisation).
    Alle 2 stimmigen Inventionen eigenen sich hervorragend zu diesem Zwecke.


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  3. Hagenwil

    Hagenwil Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.08   #3
    "Diese 'Inventio 8.' von Johann Sebastian Bach ist eine einheitlich ablaufende Invention, gebildet aus einer A+B Motivkonstellation mit wechselnder Imitation* des Thema. Die Imitationen des anfänglichen Motivs werden strukturell durch das ganze Stück gewahrt, das trotz Veränderungen des anfänglichen Motivs, und auch wenn es in den Händen wechselt. Alle Details der Imitationen beziehen sich auf das anfängliche Motiv."


    * Eine Imitation erkennt du auch an der Isorhythmik mit dem ersten Motiv. Und vergiss nicht etwas zu schreiben über das richtige Tempo, dass lieben die Akademiker, eventuell aber ohne Erwähnung von drum&bass.


    Das war mein Beitrag an die Eurovision 2008¾, auf das du nicht durchfällst!

    Hier noch die Noten ohne pianistischen Firlefanz:
    Johann Sebastian Bach_Inventio 8_BWV779.pdf

    http://www.sendspace.com/file/1ph23u
     
  4. CUDO II

    CUDO II Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.12.08   #4
    und darüber hinaus ist, wenn man genau hinschaut, eine 1:1 Kopie über 7 Takte hinweg vorhanden.
    Die Takte 6 bis 12 wiederholen sich wortwörtlich um eine Quinte nach unten transponiert in den Takten 27 bis 34.
     
  5. Dustoffreedom

    Dustoffreedom Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.12.08   #5
    Wow, diese Forum beeindruckt mich immer wieder wie nett die leute hier sind...
     
  6. Effjott

    Effjott Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 06.12.08   #6
    Zur ausführlichen Analyse ist nichts hinzuzufügen.

    "...eventuell aber ohne Erwähnung von drum&bass..."

    Eventuell aber auch genau das doch ;) :

    http://www.jpc.de/jpcng/jazz/detail/-/hnum/3141159?rk=home&rsk=hitlist

    Vielleicht ist ja diese Version vom Jacques Loussier - Trio aus der Play Bach - Reihe
    noch von Interesse. Wenn Du Track 6 anklickst, kannst du einen Ausschnitt hören.
    Das ist die alte Fassung von 1961. Ich habe vor ein paar Jahren das Trio live gehört und da gab es ebenfalls eine Version dieser Invention, allerdings bestimmt 6 oder 7 Minuten lang und zwar absolut hervorragend.
     
  7. CUDO II

    CUDO II Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.12.08   #7
    Hi Effjott,

    ja natürlich, Drum & Bass gehört da irgenwie dazu. Natürlich kann das auch rein kopfmäßig abgehen, aber ich habe bei dieser Art von Musik immer ein Bedürfnis nach Drum & Bass.
    Hier ein Ausschnitt einer meiner Einspielungen vom letzten Jahr. Es handelt sich um die C- Fuge aus dem WTK1.
    Ich habe dabei eine etwas andere Vorgehensweise als Loussier. Für mich ist Bachs Komposition selbst der Ausgangspunkt meiner Improvisation. Ich lasse mich von Bachs Melodien leiten, umspiele sie, verdünne, verdichte, füge eigene Kadenzen hinzu, vereine die Zweistimmigkeit zur homophonen Drei- und Vierstimmigkeit. Alles meist aus dem Steh greif - was die Situation eben gerade hergibt. So klingen die Stücke für mich immer frisch und unverbraucht.
    Natürlich brauche ich eine Zeit um mich in ein Stück "hineinzuspielen", aber das wortwörtliche vom Blatt spielen wird bald verlassen und die Ornamentik beginnt als erstes zu arbeiten. Später ziehen die Ausflüge immer größere Bögen. Ich kann so wunderbar die Stücke meiner momentanen Laune anpassen. Es gibt dann Tage, da geht überhaupt nichts. Aber das stört mich nicht. Die Vorteile des freien darüber Spielens überwiegen.

    Im Moment bin ich am Erarbeiten der 15 2-stimmigen Inventionen. Vielleicht stelle ich davon dann irgendwann mal etwas ins Board.

    Ach ja. Über die Inventio1 habe ich an anderer Stelle mal Folgendes geschrieben:




    hier 2 sehr interessante Zitate:


    "Auch im Klavierunterricht von Johann Sebastian Bach hatte das Sätzchenspiel eine herausragende Stellung. Wie eben beschrieben, mussten die Schüler vorgegebene Sätzchen üben und nach verschiedenen Varianten suchen. Wenn er aber merkte, dass die Ausführung keine Entwicklung findet, so schrieb er zusammenhängende Stücke, in denen diese Übungen vorkamen." Dietrich Bartsch

    "Von dieser Art sind 6 kleine Präludien für Anfänger, und noch mehr die 15 zweystimmigen Inventionen. Beyde schrieb er in den Stunden des Unterrichts selbst nieder, und nahm dabey bloß auf das gegenwärtige Bedürfnis des Schülers Rücksicht. In der Folge hat er sie in schöne, ausdrucksvolle kleine Kunstwerke umgeschaffen."Johann Nikolaus Forkel: Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerk. Leipzig 1802, Reprint. Kassel 1925, S. 93

    diese beiden Aussagen veranlassten mich die 15 Inventionen wieder als das zu betrachten, was sie ursprünglich einmal waren, nämlich Anleitungen zur Improvisation.
    Wie sich nun das sogenannte Sätzchenspiel in Bach's Unterricht genau gestaltete ist mir unbekannt. Diese Tatsache hat mich aber nicht daran gehindert mir meine "eigenen Sätzchen" zu machen.
    Zunächst dachte ich, der Einfachheit halber, sich auf reines Transponieren zu beschränken.
    Ich nahm aus Inventio1 die ersten beiden Motive, änderte sie geringfügig melodisch ab so dass sie unweigerlich in die nächste Tonart führten. Daraus entstand dann je nachdem eine Quintanstiegssequenz oder eine Quintfallsequenz.
    Spinnt man eine beliebiges dieser 5 Module fort, bewegt man sich also im Quintenzirkel vor oder zurück.
    Der Clou an der Sache ist, dass man nun die 5 Module nach Lust und Laune mischen kann. Dies sollte natürlich spontan aus dem Stegreif geschehen.

    Hier die 5 Module im PDF Format.


    Dies ist einer von unendlich vielen Ansätzen, wie Improvisation vermittelt werden kann. Er ist allerdings relativ einfach, da das improvisatorische Moment dieser Übung nur in der Entscheidung liegt, in welcher Reihenfolge die Module gespielt werden.
    Da diese einfache Übung den meisten Schülern aber schon erhebliche Schwierigkeiten bereitet, tut man gut daran jedes der 5 Module zunächst einzeln durch den ganzen Quintenzirkel zu spielen, bis man einigermaßen firm in den Tonarten ist.
    Da man dann später Quintanstiegssequenz und Quintfallsequenz mischen kann, muss man danach nicht immer den ganzen Quintenzirkel durchspielen bis man wieder zur Ausgangstonart gelangt.



    CIAO
    CUDO
     
  8. Effjott

    Effjott Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.12.08   #8
    Moin Cudo,

    Kompliment für die Einspielung, das klingt höchst interessant und professionell!

    Deine analytisch durchdachten Improvisationen zeugen von kreativer Beschäftigung mit der Musik Bachs auf hohem Niveau.
    Ich bin gespannt auf das Ergebnis Deiner Einspielungen der Bach`schen Inventionen, die Du ins Board stellst.

    Beste Grüße
    Effjott

    Ich habe mir das nun noch ein paar Male angehört und bin begeistert von dieser Musik.
    Es groovt, es ist so lebendig musiziert, schade, dass es nur ein so kurzer Ausschnitt ist.
    Ich hoffe auf mehr!!!
     
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