Ist eine musikalische Ausbildung für jedermann erschwinglich?

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Schapka
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// Anmerkung der Moderation (HaraldS):
// ausgekoppelt aus dem Thread https://www.musiker-board.de/musikwissenschaft-muth/504303-musik-gehirn-referat.html


Nebenbei ist es wirklich so, dass eine musikalische Ausbildung für jedermann erschwinglich ist? Neben den Beiträgen muss ja noch entweder ein Instrument gekauft bzw gemietet werden damit man ordentlich üben kann...vllt ist das nicht so sehr das Problem bei einer Flöte aber die Preisgrenzen nach oben gibt es ja bekanntlich keine :/ hab da jetzt aber nicht sooo viel Ahnung von der Materie hinsichtlich Finanzierung.
 
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Die Pionierjahre des Jazz sind geprägt von Autodidakten und Unterschichtlern, von denen sich so mancher einen Platz in der Muge gesichert hat. Ich habe meine ersten Instrumente auch geschenkt bekommen (nicht von den Eltern sondern bekannten die sie nicht mehr brauchten).

In Zeiten des Internets kann jeder irgendwie was mit Musik lernen, das Wissen ist breit und frei verfügbar, man muss es nur richtig filtern. Die Kommunikation und das Fragenstellen ist einfach. Musiker-Board / Youtube workshops.

Aber ist das das, was wir unter musikalischer "Ausbildung" verstehen? Ich bezahle inzwischen für ein Halbjahr 400 Euro (klassisches Instrument). Von "Ausbildungsgutscheinen" habe ich bei dieser Musikschule (städtische Einrichtung) noch nichts gehört. Zumindest bei nem einigermaßen hochkarätigen Lehrer geht nichts unter 20 Euro ne dreiviertel Stunde. Das geht dann hoch bis zu 100 und mehr (Hochschuldozenten die Privatunterricht geben).
 
Ich kann da gerade nur für Bonn sprechen, aber hier kann man als HartzIV-Bezieher 50% Nachlass auf die Gebühren der (städtischen) Musikschule bekommen, außerdem kann man auch sparen, wenn mehrere Familienmitglieder gemeinsam Unterricht haben. Das bietet durchaus den Raum, an diesem Angebot teilzuhaben. Inwieweit man sich bei der Musikschule wiederum mit Wartezeiten rumschlagen muss, kann ich nicht beurteilen.

Weiterhin habe ich selber neben dem Studium in einem Jugendzentrum in einem sozialen Brennpunkt in einer anderen Stadt als Honorarkraft Kindern und Jugendlichen Gitarre, Schlagzeug und Bass beigebracht, sowie Bandcoaching betrieben. Das Angebot war für die Kinder und Jugendlichen kostenlos. Das war gedacht für die, die eh ihre Freizeit dort verbracht haben und wurde nicht groß nach außen getragen. Was meint ihr, was das für einen Andrang gegeben hätte?

Und sobald man sich von instituitionellen Ausbildungswegen wegbewegt (was in D scheinbar schwierig ist, weil man irgendwie an Scheinen, Urkunden und ähnlichem Kram hängt), eröffnen sich doch noch ganz andere Horizonte. Dann lernt man vielleicht nur übers Internet und wenn man sich mal mit anderen trifft. Wieviele Autodidakten mag es geben, gerade im Rockbereich? Ist das keine musikalische Ausbildung? Nur weil der institutionelle Rahmen fehlt?
 
Also bei uns im Jugendblasorchester der Stadt Bad urach ist es, man bezahlt monatlich, hier die Gebühren:

Gebühren
40 Euro pro Kind und Monat.
20 Euro für jedes weitere Geschwisterkind.
10 Euro Leihentgeld für Instrument.


klar ist das etwa teuer, aber man bedenke dass Leute zum Teil 120€ im Monat für ihre Handyrechnung ausgeben, und von einer Qualifizierten musikalischen Ausbildung hat man sein ganzes Leben was.

ich habe seit 12 Jahren Trompen Unterricht, den ich jetzt aufgrund des Studiums aufgeben musste ;(
Und ich muss sagen ich habe es nicht bereut.


für Neueinsteiger klar ein Instrument leihen, und wenn man merkt es läuft und es ist was für einen, dann ein eigenes kaufen. Ist zumindest meine Meinung ;)
 
Ich glaube es hängt sehr vom Wunschinstrument ab, ob der Musikunterricht erschwinglich ist oder nicht. Ich habe Flöte und Posaune z.B. völlig kostenlos in einer Kirchengemeinde gelernt und hab dann dort natürlich in den entsprechenden Chören mitgespielt.
Nun bin ich auf Geige umgestiegen und das kann ich mir nur leisten, weil ich gleich doppelt Glück hatte. Ich habe eine gute Geige für'n Appel und nen Ei bekommen und ich habe eine extrem günstige Geigenlehrerin gefunden. Aber wenn ich dann bei meinem Mann sehe, der gerne Cello lernen würde, wie lange der schon auf der Suche nach einem Instrument ist... Auch gebraucht gehen die bei 2000,- Euro los, das ist für uns definitiv zu viel. Und dann noch der Unterricht dazu, also wir sind da an unserer finanziellen Leistungsgrenze angekommen. Ein Leihinstrument sehe ich da auch nicht als Alternative, irgendwann hat man dafür auch eine ganze Menge Geld hingeblättert und es gehört einem trotzdem nicht.
 
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Als Gitarrist hat man schon das Glück das man heutzutage für billig geld nen gutes instrument bekommt und sich im Internet viele Tutorials gibt. Also es kommt auf das intrument an! Ich denke Klassische Lektüre/lehrer ist wohl doch teurer und schwerer zu finden
 
Ich denke die Kosten sind sehr vom Instrument abhängig.
Ich kann da nur von mir als Klavierspielerin sprechen und weiß, dass da ordentlich was zusammen kommt.
Selbst wenn man auf ein teures Klavier verzichtet (dass auch zur Leihe viel kostet) und die billigere Variante
des Elektroklaviers wählt, wird man für das Instrument 1000€ los.
Ich hatte großes Glück, dass bei meiner Oma ein altes Klavier stand, das zu mir transportiert werden konnte,
als ich mit 7 mit dem Unterricht begann. Noch dazu ist es gut 90 Jahre alt und ein echtes Schmuckstück :)

Der Unterricht kostet bei mir 900€ im Jahr, das sind allerdings die Kosten für 1h Klavier und 0,5 Stunden Gesang pro Woche.
Dazu muss ich aber sagen, dass ich in einer besonderen Förderklasse der Musikschule bin, wobei die Hälfte der Kosten von
der Schule gezahlt wird, ansonsten wärs doppelt so viel...

Klavierkatha
 
Grundsätzlich hat Lernen weit mehr mit Interesse, Fleiß und Ernsthaftigkeit zu tun als mit Geld.

Auch das Instrument ist nicht zwingend das Teure. Es gibt sehr gute Leihinstrumente, z. B. bieten viele Instrumentenbauer dies an. Beispiel: richtig gutes Meisterklassen-Cello von deutschem, preisgekrönten Instrumentenmacher mit allem Zubehör für 30 Euro pro Monat - die zudem voll angerechnet werden beim Kauf.

Kostenträchtiger ist da schon der Unterricht, den man sich auf jeden Fall gönnen sollte. Denn: Sich selbst etwas falsch beibringen ist die teuerste Art des Sparens.

Was eine musikalische Ausbildung kostet, hängt auch von der Lebensphase ab. Öffentliche Musikschule und anschließendes Musikstudium sind sehr preiswerte Formen der Ausbildung. Privater Einzeluntericht als Erwachsener beim selbständigen Musiklehrer kostet sicher mehr Geld, kann aber trotzdem seinen Preis wert sein.

Bei einem autodidaktischen Selbststudium empfehle ich unbedingt, engen Kontakt zu sehr guten Spielern des ausgewählten Instruments zu pflegen. Die können dann auch mal weiterhelfen, wenn es nicht recht weitergeht.

Viel Erfolg und viel Spaß auf jeden Fall!

Wolfgang
 
Auch das Instrument ist nicht zwingend das Teure. Es gibt sehr gute Leihinstrumente, z. B. bieten viele Instrumentenbauer dies an. Beispiel: richtig gutes Meisterklassen-Cello von deutschem, preisgekrönten Instrumentenmacher mit allem Zubehör für 30 Euro pro Monat - die zudem voll angerechnet werden beim Kauf.

Bei allen Instrumentanbauern, auf deren Homepages ich nachgesehen habe, wurden nur eine begrenzte Anzahl an Monatsmieten auf den Kaufpreis angerechnet, so dass das Instrument trotzdem unerschwinglich bleibt. Deshalb bin ich auch von der Theorie weg, dass Ausleihen die günstigste Methode wäre an ein Instrument zu kommen.
 
Hallo Tahra,

ob die Miete vom Meister-Instrumentenbauer die günstigste Form des Instrumentenkaufs ist, das weiß ich nicht, und das wurde in meinem Post auch nicht behauptet.

Aber selbst, wenn dir z. B. nur 12 oder 24 Monatsmieten bei einem Kauf angerechnet werden: Wo sonst bekommst für so wenig Geld und so geringes Risiko ein wirklich hochwertiges Instrument - und sei es nur für dich auf ein oder zwei Jahre zur Probe, bis du weißt, ob es wirklich dieses Instrument ist, das du willst oder bis du sicher bist, überhaupt weiter ernsthaft Musik zu machen?

Das Mieten beim Instrumentenmacher bringt dich mindestens ein oder zwei Jahre zu äußerst moderaten Kosten weiter auf deinem Weg. Erfahrungsgemäß hat man später mehr Geld und kann sich den Kauf des Instruments leisten - oder mietet einfach weiter oder ein anderes.

Auf jeden Fall gibt dir ein Instrumentenbauer, der auch vermietet, a) ein gutes Instrument und damit b) mehr Vertrauen als jede Bank, und c) einen zinslosen Kredit - falls du das Instrument später kaufst. Ich kenne nichts Günstigeres zur Beschaffung eines Instruments, das man auch in finanziell klammen Zeiten eigenverantwortlich planen kann.

Auf einen Glücksgriff wie eine echte Steiner-Geige für 'nen Hunni bei ebay, oder dass die Gesetzgebung so geändert wird, dass jeder am Musikberuf Interessierte ein Anrecht auf ein Instrument hat (so nach dem Motto "das fällt unter das Recht auf freie Berufswahl") auf so etwas kann man nicht bauen.

Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht (wirklich) will, der findet Gründe.

Liebe Grüße und viel Erfolg,

Wolfgang
 
In der Musikakademie bei uns (Ostbelgien) bezahlt man pro Jahr 60-130 € (Schüler oder Erwachsener) und das Instrument kostet 5 € pro Monat wenn man kein eigenes hat. Ist wie ich finde echt ein fairer Preis. Die übrigen kosten werden vom Staat bezahlt :) (Bezahlung der Lehrer,...)
 
Aber selbst, wenn dir z. B. nur 12 oder 24 Monatsmieten bei einem Kauf angerechnet werden: Wo sonst bekommst für so wenig Geld und so geringes Risiko ein wirklich hochwertiges Instrument - und sei es nur für dich auf ein oder zwei Jahre zur Probe, bis du weißt, ob es wirklich dieses Instrument ist, das du willst oder bis du sicher bist, überhaupt weiter ernsthaft Musik zu machen?

Ich habe noch keinen Instrumentenbauer gefunden, der 12 oder gar 24 Monatsmieten angerechnet hätte. Bei vielen ist nach spätestens 6 Monatsmieten Schluss. Und 6 Monatsmieten bringen nur einen Bruchteil des Kaufpreises, man darf dann immer noch eine ganze Stange Geld hinblättern, die nicht mal jeder so übrig hat.
Und warum sollte man erfahrungsgemäß später mehr Geld haben? Wessen Gehalt grade reicht um den Lebensunterhalt zu finanzieren, bei dem wird sich das kaum nach ein, zwei Jahren ändern, sofern er nicht einen besser bezahlten Job findet.
Immer weiter Mieten ist doch auf lange Sicht auch keine Alternative. Dann zahlt man und zahlt und am Ende gehört einem das Instrument trotzdem nicht. Aber man hat wahrscheinlich mehr gezahlt, als es eigentlich gekostet hätte...
 
Ich habe noch keinen Instrumentenbauer gefunden, der 12 oder gar 24 Monatsmieten angerechnet hätte ...

Guck dich mal bei den Meisterwerkstätten in Bubenreuth und Umgebung um - und im sächsischen Vogtland rund um Marktneukirchen.
 
Ja okay, das ist ein bischen arg weit weg von Bremen.... :D aber sollte ich mal in die Gegend kommen, schaue ich mich da gerne um. Schliesslich kommt meine Geige auch (wahrscheinlich) aus dem Vogtland.
Oder vermieten die auch übers Internet?
 
Bin (ursprünglich) auch aus Bremen. Bubenreuth ist den Weg wert.
 
Für viele Menschen ist eine ordentliche Musikausbildung unerschwinglich. Die sind froh, wenn sie am Monatsende noch was im Kühlschrank haben. Sicher können die sich auch aus den kostenlosen Angeboten ihr Wissen und Können zusammensuchen, aber das ist ja keine Ausbildung.
 
Was dem einen als sehr günstig erscheint, weil er mehr Einkommen hat als laufende Ausgaben, ist trotzdem für andere selbst bei einer Ermäßigung unerschwinglich. Mancher kennt vielleicht zu wenige Menschen, die einfach gar nichts übrig haben...
 
Zitat v. mipooh: Was dem einen als sehr günstig erscheint, weil er mehr Einkommen hat als laufende Ausgaben, ist trotzdem für andere selbst bei einer Ermäßigung unerschwinglich. Mancher kennt vielleicht zu wenige Menschen, die einfach gar nichts übrig haben...

Mein Freundeskreis besteht z.Z. fast nur aus Hartzempfängern. Und wer denkt, dass die meisten Leute von der Ausbildung bis zur Rente durchgängig Arbeit haben, ist sowieso hochgradig naiv.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass subventionierter Unterricht an solchen Einrichtungen in Relation zum Musikunterricht an anderen Einrichtungen trotzdem günstig ist.

Teure und günstige Leistungen haben damit zu tun, für welchen Preis eine vergleichbare Leistung angeboten wird. Das sie für einen persönlich als "teuer" oder "günstig" empfunden wird, ist eine andere Sache. Oder anders gesagt: Eine Leistung die günstig ist, wird oftmals zu Unrecht als überteuert dargestellt.
 
Es ging aber gar nicht dafür, ob es teure und günstige Musikausbildungen gibt, sondern ob sie für jedermann erschwinglich ist.
Kannst ja mal Deine Freunde fragen, ob sie sich eine leisten können bzw welche Konsequenzen das für sie haben würde.
Diejenigen die ich kenne können sich nicht erlauben: Kneipenbesuch, Restaurantbesuch, Konzertbesuch und erst recht keine Musikausbildung.
Mein Nachbar ist soweit ich weiss immer noch Aufstocker und seine Tochter möchte Gitarre spielen. Musikschule ist einfach nicht drin.
 

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