Kann mir jemand den Hype um das Shure SM7B erklären?

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Hallo zusammen,
gestern war ich auf einem Stadtteilkonzert.
Akkordeon unverstärkt und Sängerin sang in ein SM7B, das über eine Thump Go lief (Mackie 8" Box)
Zunächst: das war ein ganz tolles Konzert vor begeistertem Publikum mit 2 Zugaben.

Das SM7B war eigentlich nie in meinem Beuteschema (zu klobig und ohnehin zu teuer), daher habe ich mich damit nie so richtig befasst.
Man sieht es aber häufig prominent bei Youtubern

Mein Eindruck gestern: Das Mikro hat die Formanten (für die Sprachverständlichkeit) schlecht übertragen. Die Lautstärke war sehr moderat, passend zum unverstärkten Akkordeon und die Sängerin hatte eine ausgebioldetet Stimme. Teilweise konnte ich die für die Sprachverständlichkeit wichtigen Anteile als Direktschall von der Sängerin hören, aber nicht aus dem Lautsprecher.
Die Box war eher nicht kaputt, Regler auf Neutral, wie ich in der Pause gesehen habe. Und lautstärkemäßig eher auf Standgas.

Ein anderer Effekt, der mir aufgefallen ist, war eine extreme Reaktion auf teilweises Cupping. Die Sängerin hat manchmal die Hand seitlich ans Mikrofon gehalten (Bedeckung seitlich, maximal 1/3 des Umfangs). Also etwas, was bei einem normalen Gesangsmikrofon kaum etwas hörbar verschlechtert (wenn man es nicht ganz zuhält).

Für mich ist es jetzt in der Kategorie "lohnt sich nicht" gelandet.
Oder was ist es, dass das Mikrofon so besonders macht, dass manche es bevorzugt nutzen?
 

Manche schwören drauf um einen Gitarrenamp abzunehmen.
 
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  • #3
Ja, da könnte das passen, wenn es die Höhen nicht so gut überträgt. Macht es weniger kratzig. Und Amps "cuppen" das Mikro nicht ;)

Mich interessiert aber vor allem die Geangs- / Sprachanwendung.
 
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Für mich ein wunderbares Studiowerkzeug, auf der Bühne ist es mir noch nicht begegnet. Der geringe Output ist ja eine bekannte Eigenheit des Mikros, wieso viele Leute Cloudlifter o.ä. damit verwenden.

Im Studio ist das Mikrofon mein Go-To weil ich mir keine Gedanken über Popschutz machen muss sondern einfach drauf los singen kann...
 
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Oder was ist es, dass das Mikrofon so besonders macht, dass manche es bevorzugt nutzen?
Du hast es doch selbst erwähnt, prominente Youtuber nutzen das, weil wiederum noch prominentere Youtuber das auch nutzen, weil wiederum... Irgendeiner hat mit dem Ding angefangen und alle machen es nach... Damit MUSS das gut sein.
 
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Das Teil hat seinen eigenen charakter den es recht unabhängig von der Raumakustik reproduziert. Wenig output und fällt in den Höhen stark ab, aber für einige Stimmen ein gutes Timbre.

Ich mag mein SM7b und was es mit meiner Stimme macht, aber oft klingt es zu bedeckt.
 
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  • #7
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Auf YT habe ich es schon bei Hardrocksängern auf der Bühne gesehen. In einem Vergleich war es mir in den Mitten zu "blutleer", also mit einem gewissen Verlust des Stimmkörpers. So ähnlich wie das Beta 87a/c (wobei das noch in den Höhen etwas mehr Schimmer hat).
 
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Wer nur einen Raum zur Verfügung hat der resonant, kammfilter-geschunden und leicht hallig klingt möchte vielleicht trotzdem Gesangsaufnahmen machen... und greift zu einem Mikrofon, daß diese Übel erfolgreich ausblendet. Und auch Details erfolgreich ausblendet. Das hat schon seinen Nutzen, halt nur nicht für alle Leute. Es hätte auch ein anderes Mikrofon werden können, aber die Netzgemeinde konnte sich drauf einigen und wenn Leute mit etwas Abstand zum Thema die Suchmaschine fragen, spuckt die halt SM7b als Antwort aus.
 
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  • #10
Danke für die Antworten. Offensichtlich wurde das Mikrofon in einem Kontext eingesetzt, in dem es seine Vorzüge nicht ausspielen konnte.
Vermutlich wäre der Sängerin (aus meinem Eingangspost) mit einem sE V7, e945 oder ähnlich besser gedient gewesen (AT2010 wäre leider nicht gegangen, da keine Phantomspeisung vorhanden).
 
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  • #11
Der Ruhm des SM7 kommt aus einer Zeit, als Präsidenten und Päpste ein SM57 benutzt haben. Ich hatte das Ding ab und zu mit UK/US Tourproduktionen am Gitarrenamp auf der Bühne, da passt das schon. Als Live Gesangsmikro? Wieso sollte man das 2026 tun?
 
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  • #12
Als Live Gesangsmikro? Wieso sollte man das 2026 tun?

Weil man den Klang und/oder die Optik dieses Mikrofons haben möchte?

Es gibt gute Gründe, zu anderen Mics zu greifen. Und trotzdem (oder zum Teil auch gerade wegen der Eigenschaften des Mics) gibt es Aufnahmen und Performances mit diesem Mic, wo das Ergebnis sehr gut geworden ist.

Wir reden ja auch nur von einem Bestandteil einer Kette und am Ende kommt Musik raus, die zwar objektiv messbar aber vor allem subjektiv gehört und empfunden wird. Da machen Pauschalurteile von Vornherein meines Erachtens wenig Sinn. Mit der passenden Stimme, im passenden Arrangement, einem gut eingestellten EQ... kann das SM7b gelegentlich eine hervorragende Wahl sein.

Aber als erstes und einziges Live-Micro würde ich in der Tat auch nicht zum SM7b raten. Aber ich habe es gerne griffbereit und setze es immer mal wieder ein. Manch einer schwört auf das Mikrofon und wieder andere würden es nur einsetzen, wenn garnichts anderes da ist. So ist das eben mit Equipment und Geschmack 🤷‍♂️
 
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  • #13
Hallo, jetzt gebe ich auch noch meinen Senf dazu.
Erst einmal Grundsätzliches: Ich verstehe nicht, dass man Mikrofone nach Ihrem Grundklang und am Ende auch noch Gain beurteilt.
Sprich - ich singe rein und sage: "Das klingt besser, weil es mehr Präsenz - und somit in der Regel eine Höhenanhebung - hat".
Gain und Frequenzgang sind die einzigen beiden Parameter, die ich schnell und einfach verändern kann und zwar mit meinem Mischpult, außer jemand hat ein Exemplar von 19... ohne Klangregelung.
Was ich aber nicht ändern kann, sind:
  • Richtwirkung - insbesondere die Frequenzabhängige Richtwirkung (siehe Polar Pattern)
  • Nahbesprechungseffekt
  • Plopp- und Windempfindlichkeit (Okay, zur Not mit Windschutzschaum, aber wer will das auf der Bühne haben)
  • Handgeräusche
  • Rauschabstand
  • Klangfärbungen durch Resonanzen (sind natürlich teilwiese im Klangtest enthalten)
  • Stabilitiät
  • Handling allgemein
Insbesondere beim Polar Pattern schneidet das SM-7B sehr gut ab. Das geht auch noch besser, aber da sticht es die weit verbreiteten Allgemeinplätze wie z.B. Shure* SM-58 oder Sennheiser* E-935 bei weitem.
  • Daher klingt das Mikrofon deutlich besser, wenn man es z.B. nicht genau von vorne besingt, wie vorgesehen.
  • Umgebungslärm wird auch viel besser klingen und somit weniger stören, weil er sich einfach in den Mix dazugesellt.
  • Alleine diese Eigenschaft ist Gold wert.
Auf den ganzen Rest könnte ich auch noch eingehen, aber schnell gesagt:
  • Das SM-7B ist ein gutes Universalmikrofon mit vernünftiger RIchtwirkung
  • Auch viele andere Eigenschaften sind eher im oberen Segment von Mikrofonen anzusiedeln
  • Den "Hype" verstehe ich auch nicht, aber das Mikrofon ist sicher nicht die schlechteste Wahl für Podcaster und Recording
  • Der "weiche" Klang aufgrund der Trägheit der Membran eines dynamischen Mikrofones kann je nach Anwendung schön klingen. Ein Kondensatormikrofon ist dann zwar in der Regel näher am originalsignal aber nicht zwingend klanglich schöne.
  • Als Gesangsmikrofon auf der Bühne würde es mich wegen der Klobigkeit nerven.
Viele Grüße
Tobias
 
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  • #14
Gain und Frequenzgang sind die einzigen beiden Parameter, die ich schnell und einfach verändern kann und zwar mit meinem Mischpult,
Das ist richtig, aber in dem speziellen Fall hing nur eine Aktivbox ohne Klangregelung dran.
Ich bin häufig in Situationen, in denen das Equipment eher beschränkt ist und freue mich immer, wenn ein Digitalput da ist mit seinen EQ Möglichkeiten.
Daher bin ich auch glücklich mit meinem e945, bei dem ich im Prinzip nur noch einen Lowcut aktiviere und der Rest einfach flat bleiben kann - und es passt dann einfach so für meine Stimme.

Ansonsten vielen Dank für deine ausführliche Erklärung!

Nahbesprechungseffekt und Ploppempfindlichkeit sind auf jeden Fall wichtig. Ich habe ab und zu ein e865 vor der Nase, bei dem man da aufpassen muss (wobei ich da den Nahbesprechungseffekt schon immer mal wieder bewusst ausnutze)

Was das SM7B angeht: es wird vermutlich außerhalb meines Beuteschemas bleiben, weil ich in der Regel andere Anforderungen habe.
 
  • #15
Erst einmal Grundsätzliches: Ich verstehe nicht, dass man Mikrofone nach Ihrem Grundklang und am Ende auch noch Gain beurteilt.
Sprich - ich singe rein und sage: "Das klingt besser, weil es mehr Präsenz - und somit in der Regel eine Höhenanhebung - hat".
Gain und Frequenzgang sind die einzigen beiden Parameter, die ich schnell und einfach verändern kann und zwar mit meinem Mischpult,

Jain.

Das SM7b hat so wenig Gain, dass manche Mischpulte da an ihre Grenze kommen. Und dann neigt das ganze zum Rauschen.

Und natürlich kann das Ganze mit dem EQ bearbeiten. Das ist aber am Ende nicht das selbe, wie ein Mikrofon mit weniger träger Membran das in den Höhen auch mehr Informationen aufnimmt.

Man kann natürlich schon mit einem EQ zwei Mikrofone sehr weit angleichen, identisch werden Sie damit aber nicht.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

  • Der "weiche" Klang aufgrund der Trägheit der Membran eines dynamischen Mikrofones kann je nach Anwendung schön klingen. Ein Kondensatormikrofon ist dann zwar in der Regel näher am originalsignal aber nicht zwingend klanglich schöne.

Absolute Zustimmung. Das SM7b ist mehr "Klangformung" als möglichst präzise Widergabe. Das kann eben gewünscht und unerwünscht sein.
 
  • #16
wobei der Trend gerade im Rock, Metal, Hardcore, Punk, etc Bereich die Liebe zum SM7B schon viel früher angefangen hat, ich erinnere mich da gerne auch >20 Jahre zurück wo es eben dazumals schon als Geheimwaffe im Studio angepriesen wurden damit die Sänger das Mikrofon in der Hand halten können zum reingröhlen, schreien, singen was auch immer verwenden könne um damit eine gewisse LivePerformance Feeling mitaufzunehmen, die sie sonst mit einem Grossmembran Mikrofon nicht zusammenbekommen hätten.
Es muß halt zum Sänger und Gesangsstil passen.

ein ganz prominentes Beispiel ist zb Chad Kroeger von Nickelback, der im Studio angeblich nur aufs SM7B schwört, und Nickelback war ja gerade früher eine immer gern zitierte Referenz in Sachen Studio und Soundqualität ihrer Veröffentlichungen. gibt ja noch viele andere die damals schon populäre SM7B Nutzer waren, wie zb Devin Townsend der mir spontan dazu jetzt noch einfällt.

im Livekontext hingegen habe ich es gar nicht in Erinnerung
und warum das Content Creatoren und Influenzer gerne verwenden fürs Streaming?Dda gibt es schon einen gewissen Hype dazu weil ich finde es da eigentlich omnipresäent., zum einen weil es schon viele verwenden,aber vielleicht auch weil es irgendwie mehr nach Rundfunkmikrofon aussieht als ein normales SM58 oder vergleichbares Modell.
 
  • #17
Wenig output und fällt in den Höhen stark ab, aber für einige Stimmen ein gutes Timbre.

Ich mag mein SM7b und was es mit meiner Stimme macht, aber oft klingt es zu bedeckt.
das könnte ein Trugschluss sein, bedingt durch die rückseitige Resonanz-Konstruktion ;)
Wenig output erfordert in jedem Fall einen sehr guten Preamp.
Den dürfte die eingangs erwähnte Aktivbox eher nicht gehabt haben.
 
  • #18
das könnte ein Trugschluss sein, bedingt durch die rückseitige Resonanz-Konstruktion ;)
Wenig output erfordert in jedem Fall einen sehr guten Preamp.

Ich hab es an einem rme fireface 400 mit 65db maximaler Verstärkung. Nur in dem Kontext kann ich es beurteilen.
 
  • #19
gemeint war: eine kräftige "tiefe" Resonanz kann (vorhandene) Höhen quasi verdecken.
Der Hinweis auf den Preamp war nur auf im Eingangspost erwähnte Aktivbox bezogen.
 
  • #20
Ich denke wenn Quincy Jones es mit Michael Jackson benutzt hat, kanns ja nicht so schlecht sein.

Aber ich denke es wird von Youtubern gerne benutzt, weil es gut für Sprachaufnahmen ist.
 

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