Konstantin Wecker Konzert verboten!!!

von jackson, 10.03.06.

  1. jackson

    jackson Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 10.03.06   #1
    DIE NPD REGIERT HALBERSTADT:eek: :mad:

    lest mal diese unglaubliche Nachricht!!!


    Die Netzzeitung berichtet am 8.3. um 16:19 Uhr:

    Unter dem Motto "Nazis raus aus dieser Stadt" wollte Liedermacher Wecker in Halberstadt auftreten. Die NPD protestierte und drohte. Da knickte die Verwaltung ein.

    Auf seiner Tournee durch Ostdeutschland hätte der Liedermacher Konstantin Wecker am heutigen Mittwoch ein Konzert in einem Gymnasium in Halberstadt in Sachsen-Anhalt geben wollen. Doch daraus wird nichts. Die NPD hat der Stadtverwaltung in einem Brief gedroht, sie werde aktiv an der Veranstaltung teilnehmen.

    Die Kreisverwaltung von Halberstadt bekam es mit der Angst, gab dem Druck der NPD nach - und sagte das Konzert ab. Das meldet die ARD-Tagesschau auf ihrer Website.

    Laut Tagesschau begründete der stellvertretende Landrat Hans-Dieter Sturm die Absage damit, dass der Landkreis Sorge gehabt habe, künftig könnten in der Schule auch rechtsextreme Veranstaltungen angemeldet werden. Diese - so die Argumentation - würden sich nicht mehr verbieten lassen, wenn dort ein Konzert mit dem politisch aktiven Konstantin Wecker stattfinde. Der Liedermacher könnte ein Präzendenzfall werden, so der Landkreis.

    Die NPD hatte unter anderem auch damit gedroht, sie wolle an der Schule künftig Veranstaltungen zu nationalen Themen durchführen. Sturm räumte ein, dass das Konzert ohne die Drohungen der NPD genehmigt worden wäre.

    Ausweichkonzert in Jena

    Darüber hinaus behauptet die NPD, Wecker werde möglicherweise im Verlauf seines Konzertes Werbung für die PDS machen. Politische Werbung sei aber wegen des Wahlkampfes in Sachsen-Anhalt in öffentlichen Gebäuden untersagt.

    Gleichzeitig protestierte die NPD in dem Brief auch gegen die Veranstaltung Hitler Kebab des Kabarettisten Serdar Somuncu im Rathaussaal in Halberstadt. Diese hatte die Stadt gemeinsam mit dem DGB organisiert. Auch hier fiel die Verwaltung um - die bis dahin öffentliche Veranstaltung wurde in eine nicht-öffentliche umgewandelt.

    Konstantin Wecker tritt statt in Halberstadt heute nun in einer Schule in Jena auf. Der stellvertretende Landrat kommentierte das laut Tagesschau: Thüringen sei eben Thüringen, Sachsen-Anhalt eben Sachsen-Anhalt.(nz)
    zurück...
     
  2. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.01.06
    Zuletzt hier:
    10.12.16
    Beiträge:
    12.025
    Ort:
    Dessau-Roßlau
    Zustimmungen:
    2.234
    Kekse:
    61.328
    Erstellt: 10.03.06   #2
    Ich finde das absolut unglaublich!
    Nazis sind in Deutschland verboten. Wenn eine Aktion dagegen gemacht wird, ist das demzufolge grundgesetzlich unterlegt.
    Das auf eine Stufe zu stellen mit Werbung füpr politische Parteien, wenn eine schlichte Drohung reicht, auch etwas machen zu wollen und wenn die Verwaltung ihrer Aufgabe, das eine vom anderen zu trennen, nicht nachkommt, dann ist das ein bitteres Zeichen und nicht hinnehmbar.

    Ich hoffe, es hagelt Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Verwaltung und die Entscheider in der Verwaltung.

    Ekelhaft.
     
  3. Orgelmensch

    Orgelmensch Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.10.03
    Zuletzt hier:
    2.11.10
    Beiträge:
    2.296
    Ort:
    Berlin
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    1.225
    Erstellt: 10.03.06   #3
    Ganz traurig!!!
    Nazis sind Verbrecher, keinen Fuß breit den Faschos!!!
     
  4. Houellebecq!

    Houellebecq! Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    09.10.05
    Zuletzt hier:
    27.10.11
    Beiträge:
    888
    Zustimmungen:
    11
    Kekse:
    867
    Erstellt: 10.03.06   #4
    ganz bitter, in einem Land, das sich political correctness auf die Fahnen schreibt und sich dann selbst gegenüber denjenigen tolerant zeigt, die unsere demokratische, freiheitliche Ordnung zerstören wollen. die NPD gehört endlich verboten, immerhin torpedieren die sich seit ihrem Einzug in den sächsischen Landtag mit ihren unsäglichen Aktionen selbst und werden bald wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sein.
     
  5. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

    Im Board seit:
    19.11.03
    Beiträge:
    4.447
    Zustimmungen:
    435
    Kekse:
    14.673
    Erstellt: 10.03.06   #5
    "Im Prinzip ja..." Trotzdem ist aus dem Verbot der NPD als verfassungsfeindlich bekanntlich nichts geworden, weil man beim Verfassungsschutz mal wieder dilettiert hat wie bei "Spion & Spion" damals in den Mad Heftchen.

    Die Entscheidung zeugt einfach von verachtenswerter Feigheit. Man scheut bequemerweise die Auseinandersetzung anstatt den Nazis solange klarzumachen, was man von ihnen hält, bis es selbst ihre alkoholverätzten Hirne begriffen haben.
     
  6. Martin WPunkt

    Martin WPunkt Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.03.04
    Zuletzt hier:
    24.12.12
    Beiträge:
    949
    Ort:
    Region Stuttgart
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    2.022
    Erstellt: 10.03.06   #6
    Wenn man sich das ganze etwas genauer anschaut, sind für die Entscheidung vor allem juristische Gründe maßgeblich gewesen (keine kommerzielle Veranstaltung in Schule, gleiches Recht für alle, usw.) und NICHT politische Gründe. Wir leben in einem Rechtsstaat, da können solche Dinge (leider) passieren. Unsere Demokratie ist damit aber die letzten Jahrzehnte gut klargekommen und wird das meines Erachtens auch in Zukunft.

    Man kann zur NPD stehen, wie man will: solange sie nicht als verbotene Partei gilt, muss man sich mit ihr auseinandersetzen, ob man will oder nicht. Polemik a là "Nazis raus" schürt nur den Mythos der Rechten und ist damit kontraproduktiv.

    Um es klar zu sagen: auch ich finde die Aktion schwer nachvollziehbar. Aber ich bin von der Ideologie der extremen Rechten ziemlich genau gleich weit entfernt wie vom tendenziösen Sendungsbewusstsein eines Konstantin Wecker, auch wenn er manchmal aufrüttelnde Texte schreibt.
     
  7. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 10.03.06   #7
    also das kann ich nicht nachvollziehn!!! das ist ne Argumentation , die die Rechte Gefahr hier verniedlicht, das is der Weg zu den Zuständen einer nächsten Weimarer Republik!
    tendenziöses Sendungsbewusstsein???? Leute wie Wolfgang Niedecken , Konstantin Wecker und viele andere , die sich für Humanismus einsetzen und engagiern , mit "tendenziösem Sendungsbewusstsein" abqualifiziern?
     
  8. My_Friend_Jack

    My_Friend_Jack Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    26.05.05
    Zuletzt hier:
    30.09.10
    Beiträge:
    495
    Ort:
    Zuhause, wo sonst?
    Zustimmungen:
    2
    Kekse:
    748
    Erstellt: 11.03.06   #8
    Ich seh das wie Jackson. Da sieht man wiedereinmal, wie weit der Arm der rechten in Osten reicht...
     
  9. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.151
    Zustimmungen:
    1.124
    Kekse:
    49.622
    Erstellt: 11.03.06   #9
    Formaljuristisch lediglich vorgeschoben, um einen rechtlich nicht anfechtbaren Grund zu finden. Fast jede Veranstaltung wäre aus solchen oder ähnlichen Gründen rein formell absagbar (Sicherheit, zu wenig Personal, zu wenig Toiletten, zu schmale Notausgänge, Lärmbelästigung der Nachbarn duch an-/abfahrende Autos, HAusmeister hat um 21.00 Dienstschluss, etc. etc.)
     
  10. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #10
    ich will das net nur auf den Osten beziehen, denn ich kenne auch einige tolle Leute im Osten. Im Westen ist das Problem durchaus auch vorhanden
     
  11. Martin WPunkt

    Martin WPunkt Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.03.04
    Zuletzt hier:
    24.12.12
    Beiträge:
    949
    Ort:
    Region Stuttgart
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    2.022
    Erstellt: 11.03.06   #11
    Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. (von wem ist das nochmal?)

    Oder: "Ich bin nicht deiner Meinung. Aber ich werde mich mit meinem Leben dafür einsetzen, dass du deine Meinung äußern und vertreten darfst."

    Nein, ich bin kein Freund von Wecker. Ich bin auch kein Freund von Wader. Und NEIN, ich verharmlose nicht die Gefahr von Rechts, aber ich übertreibe sie auch nicht. Die Geschichte des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik ist aufs engste verknüpft mit sozialen Wandlungsprozessen, gesellschaftlichen Missständen und Politikfeindlichkeit. Das reicht von der NPD in BW der 1960er Jahre über die DVU und REP der 1990er Jahre bis heute. Darauf sollte man das Augenmerk lenken, DAS ist die Krankheit, ein abgesagtes Konzert von Wecker ist "nur" das Symptom. Ja, das tut weh und ist nicht schön, aber der Kern des Problems liegt woanders. Siehe oben.

    @ jackson: Hast du dich schon einmal eingehender mit der politischen und verfassungsrechtlichen Situation der Weimarer Republik beschäftigt?

    @ Hans: "Vorgeschobene Begründungen"? Mag sein. Aber als politisch neutraler Beobachter kann ich die Begründung für die Absage nachvollziehen. Das heißt nicht, dass ich sie gutheiße.

    EDIT: Falscher Name korrigiert....
     
  12. Martin WPunkt

    Martin WPunkt Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.03.04
    Zuletzt hier:
    24.12.12
    Beiträge:
    949
    Ort:
    Region Stuttgart
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    2.022
    Erstellt: 11.03.06   #12
    Noch mehr Unglaubliches zum Thema:

    "NPD-Spitzenfunktionär droht kirchlichem Jugendtreff"

    http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5317694_REF2,00.html

    Es wird Zeit, dass man diesem Spuk nachhaltig ein Ende setzt. Aber bitte vernünftig und rechtsstaatlich und nicht nach dem Motto "Rübe ab". Damit würden sich die Demokraten auf das Niveau der Neofaschisten begeben, das muss nun wirklich nicht sein.
     
  13. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #13
    von Martin W.Punkt
    @ Hans: "Vorgeschobene Begründungen"? Mag sein. Aber als politisch neutraler Beobachter kann ich die Begründung für die Absage nachvollziehen. Das heißt nicht, dass ich sie gutheiße.

    politisch neutral ? da sag ich nix mehr weiter zu.....:mad: :(

    und zwei instrumente ums kurz zu machen haben wir noch , das Bundesverfassugnsgericht, aber da hat ma ja gesehn was unsere hochbezahlten juristischen Politiker hinbekommen zum Stichwort NPD Verbot...und wir haben im Gegesatz zur Weimerer Republik noch die 5% Hürde...

    darum gehts mir aber net...mir gehts darum ,dass ein BEWUSSTSEIN für die Gefahr entsteht, dass alle wachsam sein müssen! und das ist nicht mehr der Fall.
     
  14. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #14
    Willy - Konstantin Wecker live Version 2003

    Mei, Willy, jetzt wo i di so doliegn sich, so weit weg hinter dera Glasscheibn, genau oa Lebn zweit weg, da denk i ma doch, es hat wohl so kumma müaßn,
    i glaub oiwei, du hast as so wolln, Willy.

    Ogfanga hat des ja alles 68, woaßt as no: Alle zwoa san ma mitglaffa für die Freiheit und fürn Friedn, mit große Augn, und plärrt habn ma: Bürger lasst das Glotzen sein, kommt herunter, reiht euch ein!

    Und du warst halt immer oan Dreh weiter wia mir, immer a bisserl wuider und a bisserl ehrlicher.
    Mia habns eana zoagn wolln, Willy, und du hast ma damals scho gsagt: Freiheit, Wecker, Freiheit hoaßt koa Angst habn, vor neamands, aber san ma doch ehrlich, a bisserl a laus Gfühl habn ma doch damals scho ghabt, wega de ganzen Glätzen, die einfach mitglaffa san, weils aufgeht, wega de Sonntagnachmittagrevoluzzer: d´Freindin fotzen, wenns an andern oschaugt, aber über de bürgerliche Moral herziagn!

    Die gleichn, Willy, die jetzt ganz brav as Mei haltn, weils eana sonst naß nei geht! Und du hast damals scho gsagt, lang halt des ned, da is zvui Mode dabei, wenn scho die Schickeria ihrn Porsche gegan 2 CV umtauscht, dann muaß was faul sei an der großen Revolution, mitlaffa ohne Denken ko hofft ma guat sei, aa ned für a guate Sach.

    Gestern habns an Willy daschlogn,
    und heit, und heit, und heit werd a begrobn.

    Ja Willy, des is lang her. Über 25 Jahre ist das her, dass dich die Nazis erschlagen haben.
    Trotzdem - damals schien es fast als gäbe es kein wirkliches Neonaziproblem in Deutschland. Was für ein gefährlicher Irrtum:
    "Deutschland den Deutschen", grölts durch Eberswalde, und mit Baseballschlägern und Messern gehts den Negern an den Kragen.

    Die laufen um ihr Leben, Willy, aber oan dawischns no, und Eberswalde
    schweigt dazu, denn a bisserl lästig war´ns halt doch, die vielen Neger, und dann kreisen sie den Amadeu ein und schubsen ihn herum, ja ma wird doch an so an Neger noch a bissen schubsen dürfa, und der Antonio Amadeu Kiowa versteht die Welt nicht mehr und zittert und schreit, und Eberswalde schweigt dazu, aber Deutschland gehört nun mal den Deutschen.

    Klar, sie haben sich´s ja alle verdient, ein sauberes, ein reiches Land, und dann ziehen sich die Glatzen Kapuzen übern Kopf und binden sich Tücher vors Gesicht, wie im richtigen Kino,und dann springen sie dem Amadeu mit ihren schweren Stiefeln ins Gesicht, immer und immer wieder. Willy, mein Gott, Willy, mir kanntn di wieder so braucha, wir alle braucha doch oan wies du oana bist,
    Willy, da muaß doch was gscheng, da müaß ma doch was doa, alle miteinander:
    Gestern habns an Amadeu daschlagn, aber heit, aber heit, aber heit,
    heit halt ma zsamm.

    Was für ein schöner Traum - vom "Zsammhalten".

    Und dann 96 der Tag, der die Welt verändert hat, und ich hab dich wieder in deiner ewigen Ruhe gestört und dir alles erzählt, was mir auf der Seele lag.

    Ein paar wahnsinnige, verblendete, gehirngewaschene Verbrecher haben am 11.9. das World Trade Center mit Verkehrsmaschinen in die Luft gejagt und über 3000 Menschen hingemetzelt.

    Entsetzlich. Viele haben den Schrecken zum Anlass genommen, wirklich über die Hintergründe des grausamen Terrors und unsere buchstäblich überflüssige Lebensweise nachzudenken.

    Andere haben das ausgenützt, um die Welt mit Gewalt neu zu ordnen. Und sie in Gut und Böse aufzuteilen, als wäre das Böse immer außerhalb von uns selbst. Als könnte es mit Waffen bekämpft werden.

    Noch nie waren die Armeen und ihr perverses Vernichtungspotential so nutzlos geworden, wie nach dem Zusammenbruch des Sowjetunion. Dem Reich des Bösen, wie es Reagan nannte. Eine Chance für die Menschen. Eine Tragödie für die Waffenindustrie.
    Nun konnte man endlich weiter aufrüsten: Gegen den Terror.

    Dann kam der Krieg gegen Afghanistan und ich habe auf meiner Tournee jeden Tag mit dir gesprochen.
    Man hätte ja glauben können, die Friedensbewegung der 80er hätte sich in Luft aufgelöst.
    Und dann waren da am 15. Februar 2003 - und diesen Tag werde ich nie vergessen - über 500 000 Menschen in Berlin und Millionen weltweit auf der Straße, um gegen den geplanten Krieg zu demonstrieren.

    Du hättest dabei sein müssen Willy, wir haben dazugelernt, wir wissen wo und wie wir uns informieren müssen, und auch wenn uns manche verhöhnen und als Gutmenschen abqualifizieren - sie verstehen nichts von Demokratie.
    Gewaltfreier Widerstand, Ungehorsam und Zivilcourage sind nun mal die wirkungsvollste Waffe einer Demokratie und ihr unerlässliches Regulativ.

    Aber wir Europäer und unsere Freunde von der amerikanischen Friedensbewegung konnten diesen Krieg nicht verhindern, Willy.
    Das Abschlachten der Menschen im Irak hieß nun "irakische Freiheit".

    In der arabischen Welt sagen sie: Erst bringt uns der Westen die Minen, dann die Minensuchgeräte und dann verkauft er uns die Prothesen.
    Und wird nicht am lautesten da nach Menschenrechten geschrieen, wo eine Ölquelle in der Nähe ist?

    Fast jeder der Putschisten im Pentagon hat doch seine dreckigen Finger in einer Firma stecken, die am Krieg oder am Wiederaufbau mitverdient.

    Der neue Ölminister ist Manager von Shell 96 und der Wiederaufbaukuchen wird unter amerikanischen und britischen Konzernen aufgeteilt.

    Am 10. April jubelte die Bildzeitung: Sieg! Mit großen bunten Lettern, als hätte Kahn einen Elfmeter gehalten. Und der Kommentator der "Welt" lässt sich sogar zu dem törichten Satz hinreißen, dieser Krieg sei eine Erfolg.
    Ich halte es für obszön, die Worte Krieg und Erfolg in einem Atemzug zu nennen.

    Kriege sind immer ein Misserfolg und ein Scheitern an dem, was uns als Menschen ausmacht.

    Nicht weil der Irak Massenvernichtungswaffen hatte - weil sie genau wußten, dass dort keine Massenvernichtungswaffen sind, wurde dieser Krieg gegen den Irak geführt.

    Mit diesem Sieg soll wieder einmal die Lüge legitimiert werden, es ginge um "Freiheit und Demokratie". Noch nie ging es den US-Regierungen in den Kriegen der letzten fünf Jahrzehnte um Demokratie. In vielen Teilen der Welt haben Agenten der US-Regierung vom Volk gewählte Politiker abgesetzt und durch Marionetten ersetzt, die bereit sind, ihr eigenes Volk an nordamerikanische Multis zu verkaufen. Und nun scheint die westliche Welt gerüstet für weiteres Morden.

    Sind die Bilder der getöteten und verstümmelten Kinder vergessen? Wurden sie unter der hollywoodmäßigen Inszenierung des Statuen-Sturzes begraben? Wer spricht jetzt noch von Gebäuden, Brücken und Wasserwerken, die nur deshalb dem Erdboden gleichgemacht werden, weil beim Wiederaufbau Geld verdient werden soll? Wenn die Welthandelsorganisation nicht reicht, dann versuch es mit Gewalt - das ist das Credo der neokonservativen Sekte, die in den USA an der Macht ist und die Welt regieren will. Das ist die Philosophie der Neoliberalen Wirtschaftsverbrecher. Wie schützen sich jetzt die Länder, die als nächstes zu "Freiheit und Demokratie" gebombt werden sollen?
    Bush ist seinen intelligenten Bomben nicht unähnlich. Beide sind nicht intelligent genug, über sich selbst nachzudenken:

    Bomben gebären keine neue Gesellschaft, Herr Bush. Sie töten.


    Dieser Sieg darf uns nicht vergessen lassen, dass wir für unseren Wohlstand schon lange einen 3. Weltkrieg gegen die Länder im Süden führen. Und, dass es Frieden erst geben wird, wenn wir lernen, gerechter zu teilen.
    Dieser Sieg darf uns nicht vergessen lassen, dass die Kriege der letzten Jahrzehnte fast ausschließlich Kriege von Weißen gegen Menschen der Dritten Welt waren. Und dass man erst den eigenen Fundamentalismus und Rassismus in den Griff bekommen sollte, bevor man sich daran macht, andere davon zu befreien.

    Und es geht ja nicht nur um den Irak, Willy.Natürlich muß etwas geschehen, um das Abschlachten im Kongo zu unterbinden - aber warum wacht man immer erst so spät auf? Wer versorgt denn seit Jahren Uganda und Ruanda mit Waffen? Wer hat die Söldner beider Länder bezahlt und aufgehetzt, um sich an den ungeheuren Bodenschätze zu berreichern? Kein Schandfleck auf der Welt, wo nicht unsere sogenannte zivilisierte Welt ihre Finge im Spiel hätte.

    Die Bundesregierung prüft gerade, ob militärische Ausbildungshilfe für Uganda wieder aufgenomen werden soll und in den USA werden die kriegsführenden Staatschefs von Uganda und Ruanda gefeiert als "junge neue Führer Afrikas".
    Und wieder ist, wie immer, der militärische Einsatz die ultima ratio.
    Aber wenn die militärische Lösung nun mal die einzige Option für Freiheit und Demokratie zu sein scheint, die unseren phantasielosen und ständig pupertierenden Politikern einfällt - warum setzen sie das Militär eigentlch nicht gegen IWF und Weltbank ein, gegen Mc Donald´s, Bechtel und Shell und all die anderen terroristischen Konzerne mit ihrer Lizenz zum Plündern - denn die sind seit Jahrzehnten verantwortlich für die größten humanitären Katasthrophen.

    Willy, Eine Welt ohne Krieg ist nicht nur wünschenswert, sondern unumgänglich. Das Prinzip der Abschreckung hat sich verselbstständigt und ist zur Hegemonie des Schreckens ausgeartet. Überleben kann die Menschheit nicht mit Frau Merkels "Drohkulisse", sondern einzig, wenn der Krieg besiegt sein wird. Endgültig und für immer. Wie es in der Präambel der UNO gefordert wird. Wenn keine Waffen mehr hergestellt werden, wenn keiner mehr daran Geld verdient. Und wenn wir nicht mehr von Schizophrenen regiert werden, die unfähig dazu sind, Hirn und Herz zusammenzubringen.

    Und trotz alledem, ich glaube weiterhin daran, dass eine friedliche Welt möglich ist - wir müssen sie nur erfinden.
    Und wir dürfen gerade jetzt nicht aufgeben, an uns zu glauben.
    Die Sklaverei wurde auch nicht in einem Tag abgeschafft - und das was in den letzten Monaten geschah, sollte uns zuversichtlich stimmen.
    Viele Menschen sind aufgewacht und wenn jetzt nicht täglich demonstriert wird, heißt das nicht, dass diese neue demokratische Bewegung am Ende wäre.

    Es ist an der Zeit, dass wir als menschliche Wesen, in welchem Teil der Welt wir auch zufällig leben, oder welcher Kultur wir zufällig angehören, uns voll und ganz für den Gesamtzustand der Welt verantwortlich fühlen.
    Wir haben durch unser tägliches Leben dazu beigetragen und sind Teil dieser monströsen Gesellschaft, mit ihren Kriegen, ihrer Brutalität und Gier, und nur wenn wir das klar erkennen - nicht intellektuell, sondern so, wie wir Hunger und Schmerz empfinden - nur wenn wir klar erkennen, dass Sie und Ich verantwortlich sind für die ganze Welt, werden wir endlich richtig handeln.
    Frieden ist nicht der Zustand zwischen zwei Kriegen.
    Frieden wird nicht durch Siege erkauft.
    Frieden braucht Mut. Mut zur Wahrheit und den Mut, sich selbst zu verändern.
     
  15. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #15
    tagesschau.de: Ihr Konzert in Halberstadt konnte nicht stattfinden. War dies ein Einzelfall auf der Tour?

    Konstantin Wecker: In Hoyerswerda wollten wir auch spielen, da haben wir erst gar keine Zusage bekommen. Die Begründung war, es gebe keinen Rechtsradikalismus, und man hätte die Nazis schon alle verjagt. Da habe ich mich schon ein wenig gewundert, ob die jetzt alle in Halberstadt sind.

    tagesschau.de: Wie kam es denn überhaupt zu der "Nazis-raus"-Tour?

    Konstantin Wecker: Mein junger Kollege Heinz Ratz von "Strom und Wasser" - ein hervorragender Liedermacher, den ich fördere - hatte mir von seinen Auftritten bei lokalen Antifa-Gruppen [Antifaschistische Aktion, Anmerkung der Redaktion] berichtet und mir den Ärger geschildert, den er oft mit Rechtsradikalen hatte. Und er meinte, es wäre schön, wenn ich mal dabei wäre. Da hab ich gesagt, wir machen eine kleine Tour, zehn Euro Eintritt - also der Selbstkostenpreis. Durch die Konzerte unterstützen wir die örtlichen Gruppen, deren Engagement ich ganz, ganz toll finde. Gruppen, die trotz des Aufstands der Anständigen von der hohen Politik nicht mehr unterstützt werden in ihrer Arbeit. Mein Kollege hat dann die Clubs für die Tournee ausgewählt.

    "Man hat vor der NPD gekuscht"tagesschau.de: Und was ist dann in Halberstadt passiert?

    Konstantin Wecker: Mit der lokalen Gruppe in Halberstadt hatte mein Kollege ausgemacht in der Aula des Käthe-Kollwitz-Gymasiums zu spielen. Daraufhin hat die NPD protestiert, dies sei eine Wahlkampfveranstaltung. Das ist natürlich absoluter Blödsinn. Daraufhin hat die Stadt ihr Angebot dort zu spielen zurückgezogen. Einer der Landräte hat sich noch sehr für das Konzert eingesetzt, aber im Endeffekt hat man dann vor der NPD gekuscht. Die haben natürlich massiv gedroht. Nicht nur mit juristischen Mitteln - was ja legitim ist - sondern auch mit Krawallen.

    tagesschau.de: Laut offizieller Begründung konnte das Konzert nicht genehmigt werden, da es eine kommerzielle Veranstaltung ist. Was sagen Sie dazu?

    Konstantin Wecker: Das war eine absolute Non-Profit-Veranstaltung. Bei zehn Euro Eintritt für den ganzen Aufwand und für die Anlage, da verdienen ich und Heinz Ratz nichts daran.
     
  16. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #16
    Alternativen für Jugendliche anbieten"tagesschau.de: Was erwarten Sie denn von der Öffentlichkeit, damit solche Dinge wie in Halberstadt und Hoyerswerda künftig nicht mehr passieren?


    [Bildunterschrift: Konstantin Wecker bei einem Solidaritätskonzert im Irak]
    Konstantin Wecker: Es darf nicht mehr unter den Tisch gekehrt werden, dass es nach wie vor sogenannte "National befreite Zonen" gibt, dass es täglich rechtsextreme Übergriffe gibt, die schon fast nicht mehr in der Presse auftauchen, weil sie so selbstverständlich geworden sind. Ich erwarte vor allem Unterstützung für die örtlichen Gruppen, die den Kopf hinhalten und auch Alternativen für Jugendliche anbieten können. 13- oder 14-Jährige in der rechtsextremen Szene sind ja keine ideologisch geschulten Täter, sondern die sind dabei, weil es in ihrem Kreis "in" ist, weil es kaum andere Angebote gibt. Und das muss man vor Ort auffangen. Dazu sollte die Politik stehen.

    tagesschau.de: Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den Vorkommnissen bei Ihrer Tour?

    Konstantin Wecker: Es war wichtig, auch mal unter dem Motto "Antifa" zu touren. Denn wir wurden schon am Anfang in Halberstadt gebeten, wir sollten auf den Begriff verzichten - und das sehe ich nun überhaupt nicht ein. Wenn das schon ein Reizwort ist und wenn sich eine Partei dadurch beleidigt fühlt, dann frage ich mich: Wer gegen Antifaschismus ist - ist der dann für Faschismus? Ich bekomme solche Sachen sonst gar nicht mit, mache meine Konzerte in den großen Stadthallen. Jetzt merke ich, wie es wirklich ist, was in den Jugendclubs passiert. Eigentlich bin ich dem ja auch schon entwachsen.

    tagesschau.de: Geben Sie sich jetzt geschlagen, was ein Konzert in Halberstadt angeht?

    Konstantin Wecker: Man darf nicht einknicken. Daher die Überlegung: Wir sollten im Sommer eine größere Veranstaltung machen, beispielsweise ein Open-Air-Konzert. Es gab ja viele Drohungen aus der rechten Szene gegen mich - das hat meinen Kampfgeist eher noch geweckt.
     
  17. Houellebecq!

    Houellebecq! Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    09.10.05
    Zuletzt hier:
    27.10.11
    Beiträge:
    888
    Zustimmungen:
    11
    Kekse:
    867
    Erstellt: 11.03.06   #17
    ich frage mich manchmal, wieso man nicht einfach anti-faschistisch sein kann, ohne gleich ins linksradikale Lager abzugleiten, darf man denn nicht einfach ganz normal demokratisch, oder neokonservativ sein?
     
  18. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #18
    tja , ich bin auch in keiner sogenannten "linksradikalen Partei" , also eigentlich auch "normalo" aber ich reg mich dann auch auf, wenn sowas wie in Halberstadt oder anderswo passiert . Das Bewusstsein dafür hab ich mir früher auf Antifa - veranstaltungen geholt, dafür bin ich dankbar.
     
  19. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.01.06
    Zuletzt hier:
    10.12.16
    Beiträge:
    12.025
    Ort:
    Dessau-Roßlau
    Zustimmungen:
    2.234
    Kekse:
    61.328
    Erstellt: 11.03.06   #19
    Wer bitte schön hat denn hier gefordert, die Faschisten ins KZ zu stecken oder denen die "Rübe" abzuhauen?
    Dass so Gruppierungen wie NPD und andere (DVU, REP) die Möglichkeiten des Rechtsstaates nutzen, um wieder eine Diktatur einzuführen und Grundrechte mit Füßen treten, sollte doch wohl klar sein.
    Dass der Rechtsstaat nicht seine Prinzipien aufgeben sollte, doch wohl auch.

    Aber dazwischen ist eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten, die viel zu selten genutzt werden: Der Besuch von 6 NPDlern bei dem Seminar ist Hausfriedensbruch. Kann verfolgt werden. Der Aufruf im Internet erfüllt unter Umständen verschiedene Momente von Volksverhetzung und diese ist strafbar. Die Äußerung, dass "nur Weiße Deutsche sein können" erfüllt diese Voraussetzungen ebenfalls - sie ist nämlich verfassungswidrig (keiner darf wegen seiner Hautfarbe....verfolgt oder in seinen Rechten eingeschränkt werden).
    Wenn alleine - exemplarisch an dem Beispiel aufgezeigt - die NPD gezwungen würde, sich gegen Klagen zu wehren, würden die sich in Null Komma Nix anders verhalten und würden sich solchen "Spuk" nicht mehr leisten.

    Die testen doch immer nur aus, wie weit sie gehen können.
    Und die Verwaltung knickt ein, statt Rückgrad zu zeigen und - natürlich - alle Mittel, die der Rechststaat bietet, zu nutzen, um diesem "Spuk" ein Ende zu bereiten.

    Um auch mal mit einem Zitat aufzuwarten:

    "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch." (Brecht)
     
  20. jackson

    jackson Threadersteller Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    13.10.04
    Zuletzt hier:
    6.02.12
    Beiträge:
    2.934
    Ort:
    Woodside, San Mateo County , CA
    Zustimmungen:
    230
    Kekse:
    19.140
    Erstellt: 11.03.06   #20
    dem kann ich nur beipflichten!!! ma muss einfach politisch gesehn klar Standpunkt beziehen, politische Neutralität oder wegschauen hilft den RECHTEN!