Kontrolle der Anschlaghand beim Picking

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senfkuchen

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Hallo,

ich spiele seit 35 Jahren Gitarren, anfangs nur Metal mit viel Palm Muting danach eher Akustik-Gitarre und nun seit ein paar Monaten wieder mehr E-Gitarre*. Seit jeher hatte ich sowohl auf E- als auch auf Akustik-Gitarre folgendes Problem.

Ich kann mit Alternate Picking und lockerem Handgelenk 16tel Noten bis etwa 90 bpm spielen. Für Anfänger wäre das sicher gar nicht schlecht, aber für ein zufriedenstellendes Solo-Spiel reicht das nicht.
Wenn ich das Tempo erhöhe und versuche locker zu bleiben, fängt meine Anschlaghand an zu "flattern" und es passiert dann unweigerlich, dass mein Oberarm versucht zu kompensieren, was dann zu unsauberem Spiel und/oder Verkrampfung führt. Bei wesentlich höherem Tempo vielleicht so 16tel ab 200 bpm, habe ich seltsamerweise wieder die Kontrolle und das fühlt sich dann auch nicht unbedingt verkrampft an. Ich habe in meiner Jugend Jahre lang jeden Tag Stunden gespielt, trotzdem blieb dieses Problem immer unverändert. Die einzige Abweichung ist, dass es gute und schlechte Tage gibt (Manchmal sind dann schon 16tel bei 60 bpm problematisch). In der linken Greif-Hand habe ich keinerlei Probleme. Zupfe ich zB mit der rechten hand und mehreren Fingern, kann ich auch ziemlich problemlos den problematischen Zwischenbereich (90 bis 200 bpm) abdecken. Ich habe aber keine Lust immer mit langen Fingernägel rumzulaufen und auch sind einige Spieltechniken damit nicht sinnvoll, wie etwa Akkorde dämpfen.

Kennt jemand so ein Problem oder hat jemand eine Idee? Ich habe schon mal an eine Krankheit a la "Intentions-Tremor" gedacht, da ich selten auch mal "Flatterhand" Probleme bei der Bedienung der Maus habe oder beim Schreiben mit einem Stift, aber wirklich eher selten.

Was bei mir auch noch hinzukommt ist, dass ich fast immer Arschkalte Hände habe (vermutlich durch niedrigen Blutdruck). Allerdings siehe ich nur bedingt einen Zusammenhang. Die oben beschriebenen Probleme habe ich jedenfalls auch bei warmen Händen, kalte machen es aber nicht besser,

Viele Grüße Olaf
 

Hi Olaf,

ich bin mir nicht absolut sicher, ob mein Gedanke zu deiner Frage passt, aber schauen wir mal.
Lange Jahre hatte ich auch immer gedacht (und wurde durch manche Bücher und Empfehlungen auch dahingehend bestätigt), dass man die Geschwindigkeit langsam aufbauen solle. Also dachte ich jahrelang auch, dass ich einfach immer etwas schneller werden muss und mit dem Metronom langsam steigern sollte.

Erst sehr spät lernte ich dann, dass die Bewegungen der Finger und Hände bei hohen Geschwindigkeiten ganz anderen Bewegungs- und Kontrollmustern folgen. Wenn du nach Lernmethoden mit "Burst" suchst, kommst du auf entsprechende Inhalte.
Ich übe nun immer wieder mal in der Form und es zeigt auch Erfolge. Allerdings gibt es einen Zwischenbereich, eine Geschwindigkeit, bei der die kontrollierteren Bewegungen an ihre Grenzen stoßen, es aber noch nicht schnell genug ist, dass die Schlaghand in den "Schnell-Modus" schalten kann. Da wird es dann schnell unsauber oder verkrampft sich. Du beschreibst das so ähnlich.

Jetzt ist natürlich die Frage, ob du das so nachvollziehen kannst und sagen würdest, dass es bei dir ähnlich ist. Ist bei dir auch dieser mittlere Geschwindigkeitsbereich das Problem, das du angehen willst?
 
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Mir hilft es auch Passagen manchmal schneller zu üben, als es sauber funktioniert und anschließend das Tempo wieder zu reduzieren. Das Originaltempo fühlt sich dann plötzlich langsam an und funktioniert besser, als wenn man von der Geschwindigkeit her nur von "unten" kommt.
Geht wahrscheinlich in Richtung der bursts die @suckspeed beschrieben hat.
 
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Das ist nicht ungewöhnlich. Es geht wohl vielen Gitarristen so, dass ihr Picking bis zu einer gewissen Geschwindigkeit läuft, darüber "zerfällt" und hakt, aber bei deutlich höherer Geschwindigkeit wieder funktioniert, oft dann aber mit (u.U. unbewusst) anderer Nutzung des Bewegungsapparats. Tagesformabhängige Grenzen sind auch normal.
Patentlösungen? Viele der (seriösen) Youtube Technikgurus thematisieren genau das Problem. Als Einstieg bei etwas Muße vielleicht mal dort durch stöbern. Wenn es schnell und gezielt voran gehen soll, etwas Unterricht dazu nehmen, auch wenn man schon lange im Geschäft ist?
 
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Troy Grady - Cracking the Code ist die wohl kompetenteste, eingehendste und tiefste Quelle bei allen Picking-Fragen.
 
@senfkuchen
Mach Dir die Arbeit und nimm mit dem Handy das von Dir beschriebene Problem auf.
Einmal mit 90 BPM und dann mit 200 BPM.
Dann kann man auch wirklich Tipps geben, die Sinn machen.

Alles andere ist Kaffeesatzleserei …
 
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Wenn es schnell und gezielt voran gehen soll, etwas Unterricht dazu nehmen, auch wenn man schon lange im Geschäft ist?
Kann ich nur unterschreiben. Nach Jahrzehnten hatte ich mal ein halbes Jahr lang wöchentlichen Unterricht. Das hat mich wirklich enorm weiter gebracht. Hat mir viele Impulse gegeben und ich hatte die Chance, viele Fragen zu klären, die ich so in den ganzen Jahren gesammelt hatte. Das zahlt sich wirklich aus! ;)
 
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Bei wesentlich höherem Tempo vielleicht so 16tel ab 200 bpm, habe ich seltsamerweise wieder die Kontrolle und das fühlt sich dann auch nicht unbedingt verkrampft an.
Sicher, dass du nicht 200bpm Achtel meinst?
Das wäre der naheliegendere Bereich, tut aber nicht viel zur Sache, ich hatte so zwischen 100- 120bpm Sechzehntel meine "Komfortlücke".
Das Hirn verarbeitet schnelle Bewegungen etwas anders als langsame und um diese Lücke weg zu bekommen muss man eben den Übergang möglichst bewusst ausüben. Also so gut üben mit Metronom ist, in dem Fall ist das ggf. kontraproduktiv, da muss man x-beliebige Übungen bei 80 bpm anfangen und sie in einem Guss immer schneller bis in den "Highspeed-Bereich" im Kreis spielen und dann auch wieder über diesen Bereich hinunter ins Schneckentempo führen.
 
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  • #9
Danke erstmal für alle Antworten.

@Palm Muter : Nein der Problembereich ist wirklich so groß.

@trichtersoft und @suckspeed : Ja, das kann ich nachvollziehen.

An die anderen: Ja ein Video wäre natürlich sinnvoll. Müsste ich mal gucken, wo ich das ablege.

Tatsächlich übe ich meist "von unten", spiele zB einen Takt 16tel bei 80 und versuche dann einen Takt zu zu verdoppeln also 16tel bei 160.

Tatsächlich habe ich das Problem manchmal auch bei downstrokes. Master of puppets (Das Anfangsriff) kann ich problemslos mit downstrokes spielen. Paranoid von Black Sabbath nur mit downstrokes bereitet mir schon probleme (Arm will wieder mitarbeiten) - spiele den palm mute Teil dann meist mit alternate picking.

Was Gitarrenunterricht angeht: Habe ich nie gehabt, aber tatsächlich bin ich da momentan dran. Bei vielen zeigt sich aber schon bei meiner Anfrage, dass sie eher nur Unterricht für Anfänger geben. Habe da aber demnächst vielleicht jemanden.
 
  • #10
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  • #11
Trifft vielleicht nicht für jeden zu, ich habe jedoch beste Erfahrungen damit gemacht, dass ich die rechte Hand allein trainiere.
Mit der linken Hand alle Saiten "muten" und dann mit der Rechten Hand und dem Pick plus ggf. Fingern das spielen/üben, was
ich gerade brauche. Ein Metronom hilft dabei.
 
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  • #12
Ich muss Euch großen Respekt zollen, dass ihr 1/16-Noten bei 200bpm mit alternate picking spielen könnt. Das bedeutet ja, dass Ihr die Saiten rund 13 mal in der Sekunde anschlagt. Wow! Ich schaffe nicht mal die Hälfte.
 
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  • #13
Trifft vielleicht nicht für jeden zu, ich habe jedoch beste Erfahrungen damit gemacht, dass ich die rechte Hand allein trainiere.
Mache ich auch so. Auch manchmal mit der Akkustikgitarre ganz nebenbei, ohne mich besonders zu konzentrieren. Ich dämpfe dabei mit dem Handballen der Anschlaghand ab. Diese Übungen sind im allgemeinen total unterbewertet, helfen aber ungemein und deshalb gehört diese zu (m)einem normalen WarmUp dazu. Übrigens nicht nur um die Geschwindigkeit zu üben, sondern auch String Skipping, Rythmuspyramide usw. Auch für die Greifhand alleine gibt's passende WarmUp-Routinen.

Für's schnelle spielen sind verschiedene Burstmethoden zur Übung auch absolut sinnvoll (Bernd Kilz-Youtube), allerdings würde ich die die 8tel dann nicht im Wechsel anschagen- sondern konsequent downstroke. Für die 16tel braucht man dann "nur" noch beim bei der Aufwärtsbewegung des Pleks die Saite anschlagen.

Mit dieser Methode kommt man drauf wie schnell man eigentlich ist, dh. wenn man 8tel Downstrokes nicht schneller kann als zB. 90bpm wird's mit Wechselschlag nicht schneller als 180bpm.
 
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  • #14
Eine ähnliche Methode ist, die Saiten mit einem darunter geklemmten Lappen zu dämpfen, um die Anschlaghand gezielt zu trainieren.
Ich hab's vorgestern zum ersten mal probiert, da ich irgendwo darüber stolperte, und fand es ganz vielversprechend. Der Rebound der Saiten ist damit etwas härter und danach fühlt sich wieder freischwingend alles relativ leicht an.
 
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