Kosten einer Gitarre

von Vincent-Vega, 17.01.08.

  1. Vincent-Vega

    Vincent-Vega Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.01.08   #1
    Servus allerseits,
    folgendes : Ich lese ja immer brav die "Guitar", und da ist mir der Tage mal was aufgefallen.
    Es gibt da eine Marke, sehr ruhmreicher Namen, die produzieren Gitarren, Bässe und Amps im östlich gelegenen Nachbarland. Und wann immer ich Anzeigen von denen sehr, gibts allen möglichen Kram (lustigerweise nicht etwa Auslaufmodelle sondern die laufende Produktion) andauernd zu "drastisch reduzierten " Preisen. Aber irgendwie sind die immer reduziert. Und nicht mal 10% oder so, sondern fast die Hälfte. Andauernd. Jetzt wüsste ich gerne mal ob hier jemand weiss wie Preise eigentlich zustande kommen. Wieviel ist bei ner Giatrre fuer Handarbeit fällig, wieviel das Holz und wieviel Elektronik etc ? (In Prozent, absolut lässt sich das ja wohl kaum sagen, ist schon klar). Und noch interessanter waere fuer mich mal zu erfahren wieviel Marge liegt eigentlich zwischen der Gitarre wenn sie hergestellt wurde und dem verkauften Teil ? Wie kommen Marktpreise zustande, und ist an diesen dauerreduzierten Preisen eigentlich was faul ? Ich hab den Eindruck, der "durchgestrichene " Preis ist n reines Fantasieprodukt, und zu dem Preis war das Ding intern nie angesetzt. Sieht halt toll aus ...Wow, 45% runter, gleich kaufen....jemand Insiderwissen ? Danke !
     
  2. de_lang

    de_lang Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.01.08   #2
    Der Vertrieb kostet ja auch ne Kleinigkeit, glaub ich. Und die können ja alles mögliche anbieten, so lange es überm Einkaufspreis liegt. Kommt drauf an, was sie sonst an Personalkosten usw. haben.

    Ich hab die Erfahrung gemacht, dass man bei Musikinstrumenten allgemein (nicht nur Gitarren, auch Blechblasinstrumente und Keyboards usw.) die Rabattbereitschaft der Händler sehr hoch ist. Wann immer ich was gekauft habe, bekam ich automatisch nen Nachlass, ich hab noch nie für ein Instrument (zumindest im Einzelhandel, beim Versand ist es ja was anderes) den ausgezeichneten Preis bezahlt.

    Woran das genau liegt kann ich aber auch nicht sagen.
     
  3. Merowinger

    Merowinger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.08   #3
    Das mit den %% ist sicher ein psychologischer Aspekt, wie Du schon beschrieben hast. In Dänemark ist z.B. immer Schlußverkauf. Immer! Wohl auch nur, um die Leute in den Laden zu locken.

    Ansonsten: der Marktpreis bildet sich durch durch Angebot und Nachfrage. Wenn niemand bereit ist, den Preis zu bezahlen, ist er zu hoch (€ 1000,00 für eine Harley Benton....). Wenn ständig ausverkauft ist, geht wahrscheinlich noch was nach oben (ESP Custom für € 50,00).
     
  4. Axel S.

    Axel S. Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.08   #4
    Das ist wie bei den Teppichen!
    Da wird ein 500 Euro Teppich mit 1000 Euro angesetzt.
    Dann wird er 50% reduziert und schon freut sich Otto Normalverbraucher, dass er ein "Schnäppchen" gemacht hat.

    So einfach kann man uns Deutsche glücklich machen.
     
  5. LostLover

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    Erstellt: 18.01.08   #5
    Ein bisschen anders ist es schon. Weil das ein rechtliches Thema ist, sollte man den Wiki-Artikel sehr langsam, genau und am besten zweimal lesen:

    also: der "Listenpreis" wird vom Hersteller festgesetzt als OBERE Preisgrenze seine Produkte - den Rest erledigt der Markt. Wenn ein Händler es schafft, einen günstigen Einkaufspreis vom Hersteller durchzusetzen und mit einer relativ kleine Marge beim Verbraucher leben kann - wird‘s halt billiger.

    Wenn der Händler eine Hausmarke hat, ist er Hersteller und Vertrieb in Personalunion und kann natürlich nach Teppichhändlersitte auch mit "Mondpreisen" arbeiten.....

    Letztlich ist die Preisempfehlung ein politischer Preis. Damit kann ein Hersteller dem Handel signalisieren, in welches Preissegment er seine Produkte plazieren will - und welche Verkaufsmarge eventuell möglich ist. Und der "Schnäppchen-Effekt" wirkt auch.
     
  6. wishboneX

    wishboneX Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.08   #6
    Sehr gut erklärt (Besonders von Herrn Wiki).

    Den entscheidenden Punkt hat merowinger ja schon angesprochen. Gerade bei solchen Marken wie Fame, die nicht anderes als eine noble Hausmarke sind, sind der Kaufanreizbildung keine Grenzen gesetzt. Klar ist das ganze nur Augenwischerei, aber so funktioniert der Markt eben, viele LEute (ich will mich da selbst nicht ausschließen) denken eben "wow, die ist ja normal richtig teuer, muß also gut sein, jetzt ist sie zum Schnäppchenpreis zu haben, nehme ich". Bei ebay wimmelt es von derartigen Angeboten mit exorbitantem Ladenpreis.

    Wieviel eine (einfache) Gitarre tatsächlich kostet, kann ich Dir nicht verraten, würde mich auch interessieren. Aber ich staune schon immer, daß es China-Teile für unter 50€ zu kaufen gibt, an denen der chinesische Hersteller, der Transporteur, der Importeur und der Einzelhändler alle ein wenig verdient haben. Transportkosten sind im Containergeschäft vernachlässigenswert (ich habe mal gelesen, daß bei einem Hemd aus China Transportkosten in Höhe von ca. 25Cent anfallen).

    C.
     
  7. Merowinger

    Merowinger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.08   #7

    Wobei mich da wundert, dass niemand sich deswegen aufregt....

    Uns wird erklärt, man solle fairen Kaffee kaufen, damit der Kaffeebauer im guatemalischen Hoch- (Niemands-)Land gut leben kann (was erwiesenermaßen nicht funktioniert...),
    aber keiner sagt etwas bei solchen Gitarren (ersetzbar durch: Kleidung, Spielzeug, Stiehl-Kettensägen...;) ).

    Dabei kann ein solcher Preis nur möglich sein, wenn in der Fabrik Leute ausgebeutet werden.

    Aber zum Thema: wahrscheinlich kann niemand sagen, wie sich der Preis einer Gitarre zusammensetzt, da es wahrscheinlich:
    a) eine Mischkalkulation ist
    und
    b) ein Betriebsgeheimnis ist, weil man dadurch einiges über Produktionsprozess und Qualität erfahren würde.
     
  8. wishboneX

    wishboneX Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.08   #8
    Och, da habe ich schon durchaus fruchtbare Diskussionen über die Arbeitsbedingungen in China, "The world´s workbench", gelesen. Aber letztlich kann es kaum einer wirklich beurteilen, ob das konkret Ausbeutung ist oder einfach nur günstiges Lohngefüge. Ich kann mich aber an krasse Berichte über Textilfabriken, die für Adidas schneidern, erinnern....

    C.
     
  9. de_lang

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    Erstellt: 18.01.08   #9
    In Michael Moores Film "The Big One" (oder wars Roger and me? Ne, ich glaub The Big One) gehts ja auch teilweise um die Ausbeutung der Arbeiter in den Nike-Fabriken. Aber ich kenn mich auch im chinesischen System nicht aus...

    Zum Thema Transportkosten im Containerbereich: In einer Umweltrechtvorlesung hab ich erfahren, dass es derzeit 400 € kostet, einen Container Müll einmal um die Erde zu schiffen.
     
  10. gainer

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    Erstellt: 18.01.08   #10
    Es ist aber auch so, das marken nicht nur den listenpreis (somit höchstpreis) festlegen sondern auch den mindestverkaufspreis. Dies machen manche marken weil... ähh ja um uns zu quälen ;)

    SO wird den verkäufern nahe gelegt eine Gitarre nur für den und den wert zu verkaufen tut er dies nicht, liefert die marke auch nichtmehr. (vllt muss der verkäufer sogar strafe bezahlen weiß ich jetzt nicht genau).

    Aber dies gilt meist nur für alles was öffentlich irgendwo steht, wenn du nen besseren preis mit dem verkäufer and ort und stelle abmachst kriegen die markenfirmen das wahrscheinlich nicht mit.
     
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