Kosten, Handel, Ergebnis bei Herstellung und Vertrieb von Instrumenten

von Kluson, 26.06.18.

Sponsored by
Gravity Stands
  1. Kluson

    Kluson Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    4.599
    Zustimmungen:
    1.870
    Kekse:
    7.337
    Erstellt: 26.06.18   #1
    *Ausgelagert aus diesem Thread*


    Interessant, aber das sind auch Punkte, die nicht ganz neu sind.
    Das Arbeitskosten und Vertriebswege die Hauptpreistreiber sind, ist klar.

    Was ich null nachvollziehen kann ist die Sache mit den Upgrades.
    Der Weg, der dort beschrieben ist würde ja bedeuten, dass jeder Zwischenhändler und Logistiker seine Marge pro Einzelteil aufschlägt. Das halte ich für Unsinn und soll nur eine höhere Marge rechtfertigen.

    Angenommen es ist wie im Beispiel und ein Marken PU Hersteller verkauft dem Budgetanbieter seine PUs für 100 €. Daraus ergibt sich laut der Rechnung im Text ein Endpreis von 900 € anstelle von 500 €.
    Wie soll die Rechnung funktionieren ? Das einzige was dazu kommt, ist der Transport vom Hochlohnland ins Billigland. Von da ist der Weg zurück genau der gleiche wie bei einem Billiginstrument, mit Ausnahme des Händlers, dessen EK dann eben nicht 350 € sondern 450 € + X ist ( X = der vorher genannte Transport vom Hochlohnland ins Niedriglohnland zzgl. der eventzuellen Marge der Distribution )

    Die Arbeitskosten im Niedriglohnland sind genauso, die Logistik geht nach Gewicht oder Menge und der Preis des Instrumentes ist total egal. Dann kommt eben noch die etwas höhere Marge der Distribution und des Handels hinzu. Wie dabei ein Preisaufschlag von 45% zusammenkommen ist mir ein Rätsel.

    Nimmt man 30 % Marge an, reden wir von 30 € die beim Händler oben drauf kommen und etwas weniger bei der Distribution. Zusammen mit dem Hintransport, kommt man da auf vielleicht 200 € mehr wegen eines PUs von 100 €.

    Zudem muss der Hersteller nicht auf jedes Teil eine Marge nehmen, sondern wäre ja auch frei zu sagen, dass er mit dieser Gitarre 100 € verdienen will - und könnte den PU dafür quasi 1:1 durchschieben.
     
  2. raytsh

    raytsh Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    07.08.08
    Zuletzt hier:
    18.01.19
    Beiträge:
    447
    Ort:
    Augsburg
    Zustimmungen:
    412
    Kekse:
    3.350
    Erstellt: 26.06.18   #2
    X ist aber kein fester Betrag, sondern ist ein Faktor, multipliziert mit dem EK.

    Wenn der EK 350 ist, und die Marge 100% dann ist der VK 700. Bei einem EK von 450 ist der VK dann 900. Also 200 mehr im VK, obwohl der EK nur 100 mehr ist. Das ist deswegen so, da der PU an einer frühen Stelle in die Kette kommt und daher mit mehr Faktoren verrechnet wird. Anders wäre es, wenn der Endhändler den PU einbauen würde. Aber auch dann würde der Preis nicht 1:1 durchgeführt werden; Auch da würde der Händler seine Marge drauf packen.

    Ich denke, darauf wollte er hinaus, und das kam für mich beim ersten Lesen zumindest auch so rüber.
     
  3. Kluson

    Kluson Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    4.599
    Zustimmungen:
    1.870
    Kekse:
    7.337
    Erstellt: 26.06.18   #3
    Was 100% Marge ist weiß ich schon :-)
    Aber ohne zu wissen, wie hoch die Margen der einzelnen Stationen sind, ist es unmöglich etwas zu sagen. Ich hatte einfach 30 % angenommen - Marge lässt sich meines Wissens auch auf verschiedene Weise berechnen, vom Ansatz.

    Lustigerweise machen aber die Händler oft mehr Marge als der Hersteller ....

    Aber muss auch jeder Hersteller wissen, welchen Vertriebsweg er einschlägt.
     
  4. Bass Fan

    Bass Fan Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    27.04.14
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    2.809
    Ort:
    Rhein-Main & Far East
    Zustimmungen:
    1.982
    Kekse:
    18.871
    Erstellt: 26.06.18   #4
    Das muss auch so sein, sonst kann der Kleinhändler, der im Monat fünf Gitarren verkauft, nicht überleben. Der Hersteller produziert 10.000 im Zeitraum, da reicht eine geringere prozentuale Marge aus.
     
  5. CampFire Hero

    CampFire Hero Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    10.08.17
    Beiträge:
    1.478
    Ort:
    Niederösterreich
    Zustimmungen:
    1.262
    Kekse:
    4.836
    Erstellt: 26.06.18   #5
    Huch.... gar jetzt noch volkswirtschaftliche Überlegungen? Geht bei den Zahlenfuchsern ja einmal gar nicht!
     
  6. Kluson

    Kluson Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    4.599
    Zustimmungen:
    1.870
    Kekse:
    7.337
    Erstellt: 26.06.18   #6
    Damit meinte ich nicht nur Händler, sondern auch andere, die nach der Produktion kommen.
    Interessant deswegen, weil ich die Leistung und den Aufwand beim Produzenten höher einstufe als beim schnöden Zwischenhandel oder Handel. Alleine das Risiko von Null zum fertigen Produkt finde ich größer als beim Händler, der dann das fertige Produkt af dem Silbertablett bekommt.

    Bei Apple bekommen die Händler nur eine Minimarge eingeräumt. Das größte Systemhaus in D mit 50 Standorten und 5000 Mitarbeitern hatte bei iphone / ipad gerade mal 3% Marge, wenn es mit dem Applestore konkurrieren wollte
     
  7. CampFire Hero

    CampFire Hero Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    10.08.17
    Beiträge:
    1.478
    Ort:
    Niederösterreich
    Zustimmungen:
    1.262
    Kekse:
    4.836
    Erstellt: 26.06.18   #7
    Noja, ...so wie z.B. Gibson das handhabt, trägt der (Vertrags)Händler einen schönen Rucksack an Risiko. Eigentlich das Volle, was den Verkauf betrifft und kann sich noch nicht einmal sein Sortiment selbst zusammenstellen. Und da geben sich die großen Hersteller alle nicht viel.
     
  8. Bass Fan

    Bass Fan Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    27.04.14
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    2.809
    Ort:
    Rhein-Main & Far East
    Zustimmungen:
    1.982
    Kekse:
    18.871
    Erstellt: 26.06.18   #8
    Da werden halt apple mit Birnen verglichen?
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  9. Marschjus

    Marschjus Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    12.11.16
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    2.561
    Ort:
    Bei Dresden
    Zustimmungen:
    1.359
    Kekse:
    5.792
    Erstellt: 27.06.18   #9
    OK mal Hand auf's Herz. Wenn du etwas herstellst und weißt 100€ kostet mich die Produktion, 100€ will ich Gewinn machen, und du erkennst das der Markt aber auch einen Preis von 250€ hergibt...würdest du aus rein Güte auf den Mehrgewinn verzichten?
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  10. Paruwi

    Paruwi Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    11.11.12
    Beiträge:
    7.420
    Zustimmungen:
    9.435
    Kekse:
    27.917
    Erstellt: 27.06.18   #10
    Das glaubst du doch selbst nicht, oder :confused:

    Vielleicht macht es dein Chef und spart bei deinen Lohnkosten....:thumb_twiddle:
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  11. Kluson

    Kluson Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    4.599
    Zustimmungen:
    1.870
    Kekse:
    7.337
    Erstellt: 28.06.18   #11
    Das hat weniger mit Güte zu tun als mit Abwägung. Das kann man pauschal nicht sagen.

    - Ist es die EInführung einer neuen Serie ?
    - Ist es ein Sondermodell ?
    - Passiert es aus Marketinggründen ?
    - Will ich in einem bestimmten Segment Käufer abgraben ?
    - Ist mein Geschäft in einem bestimmten Segment rückläufig ?
    - Werde ich pro Modell zwar 50 € weniger verdienen, dafür aber in der Summe 50.000 Stk mehr verkaufen ?
    - Will man ein "Statement" in einer Preisklasse setzen, also einen neuen Maßstab setzen ?
    --- Beiträge zusammengefasst, 28.06.18, Datum Originalbeitrag: 28.06.18 ---
    Ich arbeite sowieso umsonst, weil ich ein gutes Herz habe.
    Rest der Antwort s.o.
     
  12. DerZauberer

    DerZauberer Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    03.04.07
    Beiträge:
    3.678
    Ort:
    Bognor Regis, UK
    Zustimmungen:
    4.132
    Kekse:
    57.505
    Erstellt: 28.06.18   #12
    Etwas rational betrachtet gibt es eigentlich nur zwei Ansätze:

    A) Will ich ein günstiges gutes Instrument, dann nehme ich ein "hochwertiges" von den Asien-produzierten und damit habe ich "eigentlich" alles was ich brauche. Bisschen "Upgrade" für die Psyche vielleicht, und mit <500€ bin ich dabei und habe ausgesorgt.
    B) Will ich was WIRKLICH Top-Endiges, dann gehe ich zum (kleinen) Gitarrenbauer, wo viel selbst gemacht gemacht wird, custom halt "dabei" ist, ebenso absolute Perfektion im Detail.

    De facto A machen und B-Anspruch verkaufen wollen ... das ist ja auch ein Mit-Grund warum Gibson pleite ist und einige der anderen "großen" Marken auch nicht wirklich gut dastehen. Ich bleib' dabei - die besseren Fenders werden schon seit einer Weile nicht von Fender gebaut, sondern von den kleinen Nachbauern (da steht halt nicht Fender drauf und Korpus/Headstock sind leicht anders, aber wen schert das).
     
  13. Marschjus

    Marschjus Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    12.11.16
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    2.561
    Ort:
    Bei Dresden
    Zustimmungen:
    1.359
    Kekse:
    5.792
    Erstellt: 28.06.18   #13
    Das sind ja jetzt alles neue Ansätze und zum Teil auch Sonderfälle. Hin und wieder wird ja sogar so günstig verkauft das die Endpreise die Gesamtkosten nicht decken nur um Marktanteile zu gewinnen oder evtl. eine Kundenbindung aufzubauen.
    Aber das sind eher Aktionen, daraus kann einen "Anspruch" daraus ableiten zu können wäre zu viel.
    Aber ich werde im allgemeinen aus deinen Vorstellungen nicht so recht schlau. Im anderen Faden beklagst du wenn in billigen/günstigen Instrumenten auch noch am kleinsten Bauteil gespart wird, hier fragst du dich warum die Hersteller nicht auf Gewinn verzichten um einen bestimmten Preis erzielen zu können. Um diesen Preis zu erzielen spart man an der ein oder anderen Stelle. Was ein Marken-PU den Hersteller im EK kostet weiß ich nicht. Das ein PU nur weil Dimarzio oder EMG oder oder oder drauf steht zwangsweise besser klingen muss kann man ja auch nicht sagen.
    Sondermodelle, Einführungsmodell Aktiobnsmodelle sind eher die Ausnahme als die Regel.
    Ein Statment setzen....was für ein Statemente? Das es auch günstiger bzw. noch günstiger geht? Hmm...ich hab jetzt wahrlich kein Dukatenesel in de Einfahrt stehen und selbst eine 300€ Gitarre würde ich nicht einfach so spontan kaufen weil ich gerade Lust darauf habe.
    Aber was wollen wir denn noch mehr? Für 200-300€ bekommt man schon brauchbare bis gute Instrumente. Für unter 200€ kann man auch schon Gitarren kaufen. Wenn man bedenkt wer da alles ein Stück vom Kuchen haben möchte,da bleiben nur noch Krümel für jeden übrig.
    Und der Markt wächst ja nicht wie blöde.
     
  14. Kluson

    Kluson Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    4.599
    Zustimmungen:
    1.870
    Kekse:
    7.337
    Erstellt: 28.06.18   #14
    Das ist ein Missverständnis. Das ist kein neuer Thread von mir, sondern es ist eine Antwort aus dem anderen Thread den du ansprichst. Das hatte sich aus der Diskussion so entwickelt und wurde dann von den Mods zu einem eigenen Thema gemacht. Warum weiß ich auch nicht. Ich finde so ist das sehr aus dem Zusammenhang gerissen.

    Das mit den Krümeln ist so eine Sache. Ich finde, dass zu viel "Gier" am Ende oft nach hinten losgeht und gönne aber jedem Unternehmen, dass gute Arbeit leistet seine Marge, so lange ich gute Ware bekomme. Wenn es ein Unternehmen mit den Preise ( imho ) überzieht, weil man denkt den Konsumenten komplett auszunehmen, ziehe ich meine Konsequenz - aber das muss jeder selbst wissen. Irgendwann fällt es einem auf die Füße.

    kleines Beispiel: Ich habe mal für eine Firma gearbeitet, die Patchkabel im Direktvertrieb ohne Zwischenhandel vertieben hat ( u.a. )

    zB 3 Meter EK 35 Cent. VK im Katalog waren 5 € - also eine wie ich finde recht "unverschämte" Marge von fast 1500%. Das ging eine Weile gut, bis es Händler gab, die das gleiche gemacht haben, diese Kabel dann aber für 99 Cent anboten - auch eine Marge weit über 100%, aber man konnte anscheinend auch locker mit weniger Marge leben. Den (billigeren) Laden gibt es noch, schon seit 20 Jahren.

    Mein ex-Arbeitgeber hatte nun folgendes Problem:
    Alte Kunden sind nicht blöd, bekommen es mit und fragen - wenn sie nett sind - nach besseren Preisen. Der Großteil fühlt sich einfach verarscht und springt nach und nach ab.
    Neue Kunden gegenüber dem aggressiven Wettbewerb zu gewinnen ist recht schwer, man wollte auch nicht so richtig von seinen hohen Preisen runter, denn der schleichende Kundenverlust tat ohnehin weh, weil Aktionäre im Hintergrund sich an eine gewisse Dividende gewöhnt hatten und diese ungerne aufgeben. Man hatte die Hoffnung, dass es schon irgendwie gut geht. Was passiert, wenn alte Kunden ( Cashcows ) wegfallen und trotzdem keine neuen hinzukommen ? .....

    Was ich meine ist: Manchmal ist die Margenmaximierung nicht immer der beste Weg für langfristige Kundenbeziehungen.
    --- Beiträge zusammengefasst, 28.06.18, Datum Originalbeitrag: 28.06.18 ---
    Statement in die Richtung, dass man eine Gitarre bietet, die sich in Sachen Qualität von anderen im jeweiligen Segment absetzt. Die Classic Vibes waren ja nicht umsonst lange Zeit für 300 € unschlagbar. Jetzt, wo man dafür 450 € zahlen muss, sieht das schon nicht mehr so aus und man liest viel Negatives über die Preisentwicklung und darüber, dass man für das Geld auch locker andere Gitarren bekommt, die nicht schlechter sind.

    Aber auch hier nochmal. Es war ein Fehler, dass ich zu Beginn nur von Gitarren gesprochen habe und erst im Verlauf ein Thema eingebracht hatte, dass in die gleiche Schublade fällt, wenn nicht sogar noch zutreffender ist: Replacementteile.

    Ich finde es da einfach ärgerlich Summe X zu zahlen ( und ich rede nicht vom billigsten Ebay Schrott ) und dann trotzdem bei einem eigentlich guten Teil billigste Schrauben beigelegt zu bekommen.
    Da erwarte ich einfach eine entsprechende Qualität. Bei aller Kalkulation - wenn das Produkt von der Herstellung eben nicht 20 € kostet sondern 20,20 €, werden mit Zwischenhandel und Zoll etc. eben nicht 60 € daraus, sondern von mir aus 65 €. Dafür erhält der Kunde aber ein Produkt, bei dem er sich beim Einbau nicht ärgern muss. Das sind Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann.
     
  15. Marschjus

    Marschjus Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    12.11.16
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    2.561
    Ort:
    Bei Dresden
    Zustimmungen:
    1.359
    Kekse:
    5.792
    Erstellt: 28.06.18   #15
    Das ist ja richtig, aber wir reden hier von Instrumenten die sich schon am untersten Ende der Preisliste finden lassen. Und nicht von einer tausende Euro teuren CS oder sonst was. Wenn man Steuer Zoll usw. mit bedenkt bleibt da eh schon nicht mehr viel Gewinn.
    Für den Verkäufer im Laden ist es auch Wurst ob eine 200€ oder 2000€ Gitarre dem Kunden gezeigt wird, sein Arbeitsaufwand ist ähnlich bis gleich. Für den Menschen an der Kasse auch und für den Onlinehandel auch. Ich weiß ja nicht wo der preissprung vollzogen wird, beim Hersteller oder beim Händler hier v.O.
    Wenn jeder dieses Statement setzen will sind dann alle Gitarren auf dem gleichen Qualitätslevel. Das kann bedeuten alle gleich gut oder gleich schlecht. Möglichst hohe Qualität für den besten Preis hat irgendwie ein Abwärtsspirale als Folge, darunter leidet dann früher oder später wierder die Qualität und oder die in den Wertschöpfungsprozess involvierten Mitarbeiter.
    Aber ja es ging ja um die günstigen Teile wo man hätte hochwertigeres/höherwertiges nehmen können. Wo wir dann ja schon wieder bei dem nötigen Abstand zu besseren Instrumenten wären. Ich denke für uns Außenstehende ist das eh kaum zu durchblicken, da ist mehr als einfache Mischkalkulation. Sondern geht schon beim Einkauf los, was gibt es irgendwo an Restposten usw. Was und wie viel lege ich mir auf Lager, was kostet mich die Lagerhaltung, soll man mehr produzieren als man direkt verkauft bekommt (was wieder Lagerkosten verursacht aber evtl. Produktionsschwankungen ausgleicht). Oder verkaufe ich lieber günstiger so das dass Werk ausgelastet ist und ich garnicht erst viel einlagere? Über den Preis kann ich auch die Nachfrage ein wenig regulieren. Wenn ich im Monat 100.000 Instrumente bauen kann und die auch alle bei einem Preis von 250€ pro Stück verkauft bekomme, bringt es mir halt nichts die Gewinnspanne zu senken und die für 225€ anzubieten weil ich dann statt der 100.000 150.000 verkaufen könnte, wenn ich die 150.000 garnicht in der Zeit produzieren kann. Siehe dazu den Frust bei einigen Linkshändern über die Lieferzeiten bei HB lefties. Das nimmt einem der Kunde evtl. eher übel als eine rostige Schraube.

    Und irgendwie,das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung, wegen ein paar Schrauben und Potis würde ich mir garnicht hinten rum greifen. Wenn mir das nicht passt dann tausche ich die für wenige Euro selber und freue mich darüber.
    Für manch einen ist das evtl. sogar das Erlebnis selber etwas repariert zu haben und nicht einfach was neues zu kaufen....:evil:
     
  16. engineer

    engineer HCA Recording HCA

    Im Board seit:
    13.07.04
    Zuletzt hier:
    2.08.18
    Beiträge:
    1.554
    Ort:
    Bundesweit
    Zustimmungen:
    105
    Kekse:
    1.368
    Erstellt: 28.06.18   #16
    Solche Betrachtungen, die ihr hier anstellt, sind Gegenstand betriebswirtschaftlicher Kalkulationen, die inzwischen auch von Forschern untersucht werden. Eine Bekannte von mir, die ich über das Singen kennengelernt habe, ist international beratend für Firmen tätig, die auslagern wollen oder off shore eine Niederlassung gründen wollen. Die hat eine Vielzahl solche Fragen untersucht, wieviel Aufwand wo anfällt, beim Produzieren und Lagern, Transportieren und auch, welche Aktivitäten wo und wie besteuert werden. Das ist hochkompliziert und führt zu mitunter seltsamen Konstruktionen wie das hin-und her Liefern von Waren oder Teilmontage in Europa, damit es dort billiger besteuert oder verzollt werden kann.

    Ein Beispiel das sie mir nannte, war ein Musikprodukt, das in Asien gefertig wurde und in Südeuropa in den Vertrieb ging, wobei dort nur Software draufgespielt wurde, welche in den Niederlanden geliefert wurde. Das Gerät hat einen vierstelligen Wert, wird / wurde hier auch entsprechend verkauft, kam aber zu extrem geringen Kosten nach Europa. Das teuere war dann die Software, welche 80% des Gewinns in die Niederlande verlagerte, wo kaum Steuern anfallen. Das hat mit den realen Kosten nichts zu tun. Das Ganze ist so beizarr, dass das Gerät sogar nach Japan zurückimportiert wurde.

    Bei der Sache spielen auch Umsatzsteuerdinge eine Rolle, die in unterschiedlichen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Es kann also sein, dass ein Artikel auf dem Weg durch Europa sogar billiger wird. Bei Exportautos ist das so.

    Zu dem Beispiel fällt mir auch eine Firma ein, die mal in Deutschland sass, inzwischen aber in China produziert und ihren Sitz in Belgien zu haben scheint, jedenfalls ist dort die Webseite angesiedelt.