Künstlervertrag?

von chris fabian, 07.10.07.

  1. chris fabian

    chris fabian Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.10.07   #1
    Hi Leute,

    Ich bin Musikproduzent und Arranger im Studio. Das heißt ich habe mit Verträgen nix am Hut. Muss aber jetzt. Zuerts einmal. Wenn von einem Künstlervertrag die Rede ist wo auf acht Seiten alles geregelt wird zwischen Label und Künstler ist das doch der im Volksmund genannte Plattenvertrag, oder lieg ich da falsch??

    Aber jetzt zu meinem Problem. Ich produziere wie erwähnt Songs als Demo und verticke die dann an Labels, Verlage usw. Bei mir melden sich zu dem viele die glauben sie habens drauf. Ich nenn das mal das "DSDS Syndrom". Aber jetzt hat sich ein Talent bei mir gemeldet wo es auch mir unter Haut ging. Spitze! Und so was hat man halt nicht jeden Tag.

    Ich will für diesen jungen Künstler was machen. Und jetzt komme ich genau in den Bereich den ich immer Umgangen habe. VERTRÄGE.
    Der Künstler wird natürlich mit Labels, Manager usw. durch mich in Kontakt kommen. Und das sind wie wir hier alle wissen Raubtiere mit harten Bandagen. Ich will den Künstler an mich binden so das Interessenten sich bei mir melden müssen und ggf. mir den Künstler abkaufen (auslösen). Ich habe nämlich keinen Bock auf ausbeute in bezug auf meine Arbeit. Ich habe kein eigenes Label!!! Vielleicht brauche ich einen Beratervertrag oder Managervertrag. Ich will nur eins! Nicht in die Röhre gucken.

    Ich bin dankbar um jede Hilfe.

    PS. wenn Ihr ne Lösung wisst wäre es Nett mir zu sagen wo ich Vertäge (Download) bekomme.
     
  2. Feanors Light

    Feanors Light Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.07   #2
    Als Muskproduzent nix mit Verträgen zu tun zu haben ist aber ein ganz schönes Kunststück :cool: Spaß beiseite.

    Yep, das ist richtig. Ansonsten gäbe es noch den 'Bandübernahmevertrag', aber der Plattenvertrag im klassischen Sinne ist wohl der Künstler-(Exklusiv)-Vertrag.

    Tja, da wäre wohl der "Künstler-Produzenten-Vertrag" das richtige. In Bezug auf Musterverträge, die du gerne hättest, kann ich dir erstmal empfehlen, nach "Künstler Produzenten Vertrag" zu googlen. Ich möchte hier keinen Link reinstellen, da es auch kommerzielle Anbieter von Vertragsmodellen gibt.
    Ich würde aber zu Bedenken geben, dass es schier unmöglich ist, einen Vertrag zu entwerfen, der so wasserdicht ist, dass ein großes Label (das dir ja potentiell den Künstler wegschnappen könnte) nicht irgendwas drehen könnte...

    Wenn du ganz ohne Erfahrung in dem Bereich bist würde ich dir raten, entweder einen Fachmann (Anwalt für Musikrecht) oder eine Künstlervereinugung (z.B. VDM) aufzusuchen und mit denen nach einer Lösung zu suchen.
    Kostet natürlich Geld, aber wenn du wirklich bei den Großen mitspielen willst, musst du auch was investieren und alles auf solide Füße stellen. Ansonsten bliebt Dir ja immer noch die Möglichkeit auf "Hobbyebene" ein Papier aufzusetzen, in dem Du und dein Künstler versichert, auch zukünftig und bei etwaigen dritten Geschäftspartnern Beteligungen einvernehmlich festzulegen. Was so ein Papier Wert ist, wenn einer den anderen wirklich "hintergehen" will, kannst Du Dir natürlich selbst ausmalen...

    Beste Grüße.
    F.
     
  3. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

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    Erstellt: 08.10.07   #3
    Von der "Hobbyebene" darf ich ganz massiv abraten. Wenn es um Geld geht, hören bekanntlich nicht nur nach alten Sprichwörtern "die Freundschaften auf".

    Hier notwendige Kenntnisse schafft man sich auch nicht mal so nebenbei drauf. Selbst bei unseren viertägigen Record-Company-Seminaren, wo sich ein Fachanwalt für Musik- und Urheberrecht zwei Tage Zeit nimmt, um die wichtigsten Verträge und deren Fallen zu "filettieren", kann man noch immer nicht in alle Untiefen der Branche eintauchen.

    @chris fabian
    Selbst wenn Du die Vertragsfallen kennst, ist es zudem wichtig die gängigsten und FAIREN Konditionen einer Tonträgerkalkulation zu kennen. Wenn man bedenkt, was alles an Windeiern von so genannten "technischen Abzügen" herangezogen wird, um den Erlös von Produzent oder Interpret zu schmälern, dann wird einem schon ganz anders.

    Unser leider letztes Jahr verstorbener "Dozentenvater" Bob Lyng hat einmal den Satz geprägt: "Was die Plattenfirma einem Künstler auf der ersten Seite eines Vertrages mit zehn Zeilen gibt, nimmt sie ihm auf den zehn folgenden Seiten wieder weg."

    Bobs Motto ist bis heute einzigartig in der Branche: BE FAIR! Das nehmen sich viele andere leider nicht zu Herzen.

    Leider ist unser nächstes Seminar "Record-Company & Verträge im Musikbusiness" erst vom 20. - 23. November, sonst hätte ich gesagt, investier', weil einem da buchstäblich die Augen geöffnet werden. In der kürze der Zeit lassen sich die Inhalte von vier intensiven Seminartagen leider nicht bündeln.
    Es gibt aber zwei sehr empfehlenswerte Bücher, um sich einen guten Überblick über die Branche zu verschaffen (darin enthalten sind auch Musterverträge / ABER MERKE: man sollte niemals einen so genannten Standardvertrag übernehmen sondern diesen quasi als AGB betrachten und auf seine individuellen Bedürfnisse und Erfordernisse anpassen).

    Hier die Buchtitel:
    "Die Praxis im Musikbusiness" von Robert Lyng
    "Musik & MOneten" von Robert Lyng
    Ich habe die ISBN-Nummern bzw. den Musikverlag momentan hier nicht parat, aber TOPO hat hier vor kurzem einen Link zur aktualisierten Fassung von "Musik & Moneten" geposted. Oder wählte Dich unter PPV Medien über Google ein.

    lg.
     
  4. chris fabian

    chris fabian Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.10.07   #4
    Vielen Dank für die Antworten.

    1. Ich bin Musikproduzent oder besser Arranger. Ich habe wirklich mit Verträgen nicht direkt zu tun. Und Produzententum streckt sich nun wirklich in viele Bereiche die nicht unbedingt immer mit den schlimmsten Verträgen zu tun haben müssen.

    2. Ich glaube auch wenn es ums Geld geht das eoin großes Label einen weg findet um einen zu umgehen. Ich kenne einen bekannten Sänger den Ihr auch alle kennt der bei einem kleinen Label war. EMI hat den jetzt und das kleine Label hatte sicher einen Vertrag. Also irgendeinen Trick muss es da ja noch geben. Sonst hätte doch EMI auch einen Weg gefunden die zu faken. Die haben nämlich ordentlich Kohle rausgetan.
     
  5. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

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    Erstellt: 09.10.07   #5
    Der "Trick" nennt sich ganz einfach SCHECK!

    Wichtig für das kleine Indielabel ist es in so einem Falle, via OVERRIDE am Wechsel des Künstlers zum big player zu partizipieren. Das funktioniert entweder durch eine geschickte Vertragsgestaltung des Indies im KEV oder durch Fairness des Majors (auch das soll es geben!!).

    lg.
     
  6. UranusEXP

    UranusEXP Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 11.10.07   #6
    Hi!

    Weisst du überhaupt, ob der Künstler mit dir auf einer solchen Basis zusammenarbeiten will? Wahrscheinlich wirst du bald die Erfahrung machen, dass Künstler DICH plötzlich als "Haifisch" sehen. Da du wohl nicht mit Vorschüssen etc. winken kannst, wirst du zunächst eine Vertrauensbasis schaffen müssen. Du solltest mit einkalkulieren, dass auch die meisten Künstler glauben, gut informiert zu sein und deshalb auf alles mögliche hysterisch und paranoid reagieren, weil sie ja "so clever sind und wissen, das man in der Musikbranche immer voll auf der Hut sein muss und man nur abgezockt wird."

    Also wenn du zu früh mit irgendwelchen Verträgen kommst kann's schnell passieren dass:

    a) Künstler sofort Abzocke wittert - selbst wenn du ihm den fairsten und großzügigsten Vertrag anbietest - er ist ja nicht doooof, sondern top informiert.
    b) Künstler DURCH dein Angebot seinen Marktwert überschätzt - na wenn der so heiss auf mich ist, dann sind's die Anderen sicher auch. Der ganz Gewiefte kommt dann mit Sätzen wie: "Ich hab da noch anderes Angebot..."

    Wie gesagt Vertrauensbildung wäre der erste Schritt, vielleicht mal ein, zwei Demos produzieren und dann über Verträge reden.

    Gruß,

    Uranus

    P.S.: Solltest du wirklich professioneller Einzelkämpfer auf deinem Gebiet sein oder werden wollen, kannst du Mitglied bei "ver.di" (!) werden und hast dann eine Rechtschutzversicherung. Ich weiss zwar nicht, wie gut die im Ernstfall funktioniert, beruhigt aber die Nerven ungemein. :D
     
  7. RobinS

    RobinS Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.10.07   #7
    genau dasselbe Problem hatte ich mit meiner band auch.
    Wir haben bei unserem (jetzt) Kumpel :) im Studio aufgenommen. Der fand uns natürlich auch gut und wollte uns irgendwie halten - es KÖNNTE ja mal passieren, dass jemand großes an die Tür klopft.

    Jedenfalls hat der uns auch nen "Management"-Vertrag angeboten.
    Der war 3-4 Seiten lang und einer unserer Bandkameraden hat da natürlich auch Abzocke gewittert und den von nem Anwalt überprüfen lassen.
    War auch gut so, denn irgendwie hätte unser Manager viel aus dem Vertrag missbrauchen können.
    Wir haben es dann so geregelt, dass wir die Punkte besprochen haben und er die dann geändert hat.

    Du solltest deinem Künstler am besten versichern, dass du ihn natürlich nicht abzocken willst, sondern lediglich eine "Versicherung" haben möchtest.
    Erklär ihm, dass du auch möchtest, dass deine Arbeit sein Geld wert ist und dir das sicherer ist, wenn ihr zusammen arbeiten würdet - zu einem größeren Label wechseln kann man dann ja, wenn es Zeit ist und es überhaupt Nachfrage besteht.
     
  8. Fair24

    Fair24 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.08   #8
    Verträge mit Künstlern sind immer schwierige Felder. Wir machen seit ca. 15 Jahren Künstlermanagement und haben schon viel Geld in die Ausarbeitung von Verträgen mit Künstlern investiert. Aber auch wir machen noch grobe Fehler, wie unlängst mit einer Komponistin passiert. Da haben wir einfach geschlafen.

    Ein Künstler welcher sich mit einem Vertrag an dich binden will erwartet auch was von dir. Die Ablöse von Künstlern ist nicht so einfach wie du dir das vorstellst. Nachvertragliche Rechte und Vereinbarungen können den neuen Manager/Produzenten viel Umsatzeinbußen bringen.

    Ich kann dir wirklich nur empfehlen, geh zum Anwalt deines Vertrauens uns lass dir einen Vertrag erarbeiten. Als Vorlage kannst du was ausarbeiten. Vorlagen findest du genügend im I-Net.

    Wir haben jedoch nicht die Erfahrung gemacht das ein Künstler erst Vertrauen aufbringen muss um einen Vertrag zu zeichnen. Wir haben in der Woche zwischen 5 und 70 Anfragen von Künstlern die ein Management suchen. Wir haben uns mal erlaubt bei "Künstlern" die eigentlich keine sind direkt nach Anfrage derer per Mail einen Hammervertrag per Mail zu übersenden. Dies haben wir bei 15 Leuten gemacht mit dem Hinweis, den UNTERSCHRIEBENEN Vertrag innert 48 Stunden zurück zu senden. Was soll ich euch sagen, wir haben 14 Verträge zurückbekommen, UNTERSCHRIEBEN.

    Natürlich haben wir uns dann mit den Leuten in Verbindung gesetzt und erklärt das dies nur ein Test war. Ihnen die Fallstricke erklärt und ihnen dringend angeraten sich vorher zu informieren und die Verträge durch Anwälte prüfen zu lassen. Das zeigt aber auch warum viele "Kollegen" es so einfach haben Künstler über den Tisch zu ziehen.

    Viele Leute die sich für Künstler halten sehen in einem Management die Chance berühmt zu werden und viel Geld zu verdienen. Da ist denen erstmal egal was sie unterschreiben. In unserem Test haben wir 75% der Einnahmen verlangt... Das haben die Leute unterschrieben...

    Also Management ist nicht gleich Management und die Möglichkeiten für Abzocker sind sehr groß...

    Wenn man wie wir versucht faires Management zu betreiben wird man zunächst von allen belächelt. Doch mit der Zeit wird man akzeptiert und bekommt gerade deshalb einen guten Ruf...

    Wir haben uns z.B. dazu entschlossen ALLE Verträge nach einem Jahr auslaufen zu lassen ohne das es einer Kündigung bedarf. Zunächst sagten alle, ihr seid echt bescheuert, baut Leute auf und nach einem Jahr gehen die wieder... Bisher ist dies erst einmal passiert. Die anderen Künstler sind bei uns geblieben... Wer zuletzt lacht, lacht am besten...
     
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