Kultur vs. Kommerz und Steuerhinterziehung - Wettenberg eine Provinzposse?

von topo, 13.11.07.

  1. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 13.11.07   #1
    Kaum als Meldung im Internet zu finden, jedoch real Life.

    Der Bürgermeister der Gemeinde Wettenberg (Hessen) ist wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Das Verfahren startet heute. Nicht er selbst, sondern seine Gemeinde soll jahrelang Steuern hinterzogen haben (ca. 150.000,- Euro). Als Veranstalter der "Golden Oldies" ( http://www.golden-oldies.de/ ) hat die Gemeinde (und damit der Bürgermeister) die Einnahmen daraus nicht versteuert, so die Staatsanwaltschaft. Eine Veranstaltung mit 200 Musikern, 50 Livebands und 150 Stunden Konzert.
    Die Gemeinde steht auf dem Standpunkt, dass es sich dabei um eine Kulturveranstaltung handelt und deshalb die Einnahmen nicht versteuert werden müssen.

    Einige werden denken - was interssiert mich Wettenberg oder der Bürgermeister.
    Aber die Erfahrung zeigt, dass die Praxis von Wettenberg in Deutschland sehr weit verbreitet ist. Viele Gemeinden und Städte arbeiten so - und das schon jahre lang. Das fängt bei der Saalmiete für den kleinen Gemeindesaal an und geht über Straßenfeste bis hin zu Kulturtagen und Festivals.

    Ein negatives Urteil für den Bürgermeister könnte IMHO sehr harte Auswirkungen für ganz viele Bands in Deutschland haben, da Veranstalter (all das was die Gemeinden und Städte eben so machen) ganz schnell weg fallen könnte.


    Topo :cool:
     
  2. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.11.07   #2
    Ich sehe das als völlig Richtig an und verstehe die Logik der Stadt nicht. Wenn sie Veranstalter sind und es ihnen nur um die Kultur geht, warum machen sie dann so viel Gewinn, dass da 150.000 Tacken Steuern anfallen?

    Jeder Unternehmer muss Steuern zahlen auf das was er verdient. Und nur weil jemand meint, dass Metier, aus dem er Profit zieht besonders kulturell ist, heißt das nciht dass er einen Freibrief hat.

    Labels müssen Steuern zahlen, Buchverleger auch, warum sollten Konzertveranstalter davon ausgeschlossen sein?
     
  3. topo

    topo Threadersteller HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 14.11.07   #3
    Mal grundsätzlich gefragt, was meinst du warum es 7% und 19% Umsatzsteuer gibt?
     
  4. EDE-WOLF

    EDE-WOLF HCA Bass/PA/Boxenbau HCA

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    Erstellt: 15.11.07   #4
    klar, umverteilung, aber:

    wenn nun "Die Stadt" oder "Die Kommune" gelder nicht versteuert, wo fließen diese dann hin?
    ja....


    so gesehen... find ich das gar nicht sooo dramatisch.....

    wenn das geld nun in die taschen von einzelpersonen flössen... nagut....
     
  5. der nico

    der nico Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.07   #5
    @ede: was findest du nicht so dramatisch?das verhalte der gemeinde oder den falle einer verurteilung?


    mir ist es ehlich gesagt schnuppe ob der staat mit der kohle macht was er will oder die gemeinde.ich tendiere sogar eher zu verständnis der gemeinde gegenüber denn die müssen schauen wo sie bleiben...
    und wie topo schon anführte wären höhere kosten bei derartigen veranstaltungen dem engagement gerade von unbekannteren bands sicher nicht förderlich.ich seh das geld lieber bei denen als beim staat.
     
  6. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.07   #6
    Nach meinem Rechtsverständnis sollte man sich an Gesetze halten, die hier nun mal gelten. Wenn schon Gemeinden Steuern hinterziehen, warum sollte es dann böse sein, wenn ich es tue?

    Ich hab auch verdammt gute Gründe, keine Steuern zu bezahlen. Zum Beispiel hätte ich dann mehr Geld.:D
    Der richtige Weg wäre, die Gesetze zu ändern, wenn man sie als falsch ansieht.

    Und mal von der anderen Seite gesehen: Die Gemeinden behalten es sich vor, keine Steuern zu bezahlen, andere Konzertveranstalter müssen die aber tun. Hört sich fast wie Wettbewerbsverzerrung an...
     
  7. EDE-WOLF

    EDE-WOLF HCA Bass/PA/Boxenbau HCA

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    Erstellt: 16.11.07   #7


    das vergehen der gemeinde!

    gesetze haben lücken, man muss eben "inoffiziell" auch schonmal relativieren
     
  8. averan

    averan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.11.07   #8
    Na prima, geht ja wieder kunterbunt durcheinander hier. Erinnert mich an eine Klausur von mir, bei der die Studenten in einem Foraum dann aus 74 nicht bestandenen Klausuren (von ca 170) dann plötzlich 74 Prozent :eek: nicht bestandener Klausuren gemacht haben, soviel zum Thema Studenten heutzutage :D

    Zum Thema:

    • Es geht nicht um 150.000,-- € Einnahmen oder Gewinn...wie ich das lese geht es um angeblich hinterzogene Steuern in Höhe von 150.000,-- €. Das ist wohl ein kleiner Unterschied, oder ?
    • Es stellt sich auch die Frage, was für eine Steuer hier denn hinterzogen worden sein soll, davon gibbet bekanntlich auch mehrere

    So...nur um das mal etwas zu ordnen ;)
     
  9. topo

    topo Threadersteller HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 16.11.07   #9
    Leider gibt es sehr wenige öffentliche Infos zum Thema Wettenberg, so daß Spekulationen Tor und Tür offen stehen.

    Allerdings gibt es zumindest auf Gemeinde Seite hier im R/M Gebiet ein sehr großes Interesse am Ausgang des Verfahrens.


    Topo :cool: