Kunst, eine Diskussion

von Bleecker Street Boogie, 06.02.05.

  1. Bleecker Street Boogie

    Bleecker Street Boogie Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    18.08.03
    Zuletzt hier:
    23.05.06
    Beiträge:
    2.368
    Ort:
    Mitgliedschaft beendet
    Zustimmungen:
    21
    Kekse:
    2.134
    Erstellt: 06.02.05   #1
    EDIT AQUA:
    Diese Diskussion entstand aus einen Thread über die Red Hot Chili Peppers.
    Das Zitat von Yojo bezieht sich auf den Gitarristen von RHCP.
    Da sich im Laufe der nächsten Postings eine Kunstdisskusion abzeichnete, trennte ich diese von Hauptthread.
    Hihi... Dein Gedankengang ist sehr lobenswert, positiv idealistisch, ein bißchen. Aber ja, in der Tat, auch ich bin einer der Leute, die sagen, dass ihr Kind/Bruder/Kind oder Bruder vom Bekannten eines Freunden des Cousins des Schwagers zweiten Grades... bessere Bilder malen würde als diese Künstler - und ich schäme mich nicht es zu sagen. Und ja, es stimmt, die Idee dahinter wäre nicht diesselbe, aber, die Aussage vermutlich die selbe. Keine. Beziehungsweise bringt mein Bruder mehr Kreativität mit. Ein Beispiel: er hat zum Geburtstag unseres Vaters mal etwas gebastelt. Er war noch sehr klein, (passend zum Beispiel) auch drei, glaube ich. Es waren zwei farbige Folien auf einem Zylinder aufgeklebt und mit Tesafilm noch eine Feder draufgebatscht. Es sah jedenfalls sehr lustig aus. Wie einer der selbstgebastelten Aschenbecher von Kindern für Eltern, die ihnen das Rauchen abgewöhnen sollen. Dann die Frage: "na, wie willst du dein Kunstwerk nennen?" "Äähm, if nenne daf , ääh, daf ift 'Gold mit Klopapier'!" - und das Gesicht dazu... herrlich... das war zumindest noch witzig.

    Was sich heutzutage alles Kunst nennt, also wirklich. In Frankfurt/Main wurde nach beim Neujahrsputz nach der Silvesternacht ein großes, klobiges, gelbes Etwas von der Müllabfuhr entsorgt. Am Tag darauf ging bei der Polizei eine Anzeige ein, jemand hätte "seine Plastik gestohlen". Das Gerät war angeblich sauteure Kunst, in Auftrag gegeben von der Stadt. Naja, die Müllmänner haben da nicht so den geschulten Blick...

    Nee, echt, bei aller Liebe, da stellen sich Leute hin, verrenken sich planlos, geben wilde Laute und Gestöhne von sich und nennen das Ausdruckstanz. Ick bin ja ein Berlina, da frag ick mir, wat sollen diese riesigen durchlöcherten, boxenden? Figuren an den Treptowers? Wat solln dit verrostete Ding da vorm Kanzleramt? Die Welt ist voll mit Malern die nicht malen können - ey, Lan, Fingerfarbe ist keine Ausrede für kein Talent, Musikern die nur Drogen nehmen können, Bildhauern die wohl zu viel Staub eingeatmet haben, Architekten die die Stadt verschandeln, Tänzern, die - nein, besser nicht...

    Allein in meinem Zimmer steht hängt Kunst im Werte von ca. 4 Kilo in Euro. Ich liebe Kunst - das einzig wahre legitime Streben des Menschen, oder? Aber wirklich, zeitgenössische Kunst ist für die Tonne. Und ich habe auch weder Zeit noch Lust noch Geld um vor einem Haufen Müll zu stehen und beim besten Willen nicht drauf zu kommen, was mir der Trottel von Künstler mit diesem... diesem... na... diesem Scheiß da, nennen wir die Dinge doch beim Namen, eigentlich sagen will. Am besten noch, wenn er da so voll die Geheimnismasche draus machen will, von wegen das man seinen "Flow" kreisen lassen soll und das Fluidum des Werkes atmen soll - ach komm, geh' doch zu Hause du Schmock... Was sich alles Künstler nennt, da wird einem fast schon übel von.

    Aber natürlich, alles Anssichtssache. Und nicht alles ist schlecht. Schließlich war ich bereit viiiel Geld zu zahlen für Dinge, die man weder essen, noch sonst was damit machen kann, außer, naja, sie anzuschauen. Aber bei dem, was ich mir angeschafft habe, bin ich glücklich, dass ich es habe. Der Besitz dieser Dinge hat was, muss ich schon sagen.

    Insofern, die Idee hinter der Kunst ist mir, wesentlich häufiger als andersherum, scheiss egal. Juckt mich nicht! Weil wenn die Aussage eine ist, die nur der "Künstler" selbst zu verstehen imstande ist, dann...

    :-)
     
  2. Yojo-Bad-Mojo

    Yojo-Bad-Mojo Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    23.08.03
    Zuletzt hier:
    2.02.15
    Beiträge:
    488
    Ort:
    Rödermark
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    295
    Erstellt: 07.02.05   #2
    Das werde ich versuchen mit einem kleinen, nachvollziehbaren Beispiel zu widerlegen :)

    Also angenommen Ich als Künstler, male auf abstrakte, (=stark vereinfachte, auf die Grundaspekte konzentrierte) nahezu eben kindliche Weise ein Bild auf dem ein Haus brennt. Meine Intention dabei ist, die korrupten, poltischen Entwicklungen der vorangegangen Zeit in meinem Land zu kritisieren.
    Und dann malt der kleine 5-Jährige Neffe meiner Stiefschwester auch ein brennendes Haus, weil er zb. eines in den Nachrichten im Fernsehen gesehn hat und ihn die Feuersbrunst fasziniert hat.

    Nebeneinander gehängt mögen die Bilder nahezu identisch aussehen. richtig !
    Aber die Aussage des jeweiligen Bildes ist eine völlig andere.

    Im schlimmsten Falle nennt man sowas Bildinterpretation.
    Und hier der Haken an der ganzen Sache, der die Kunst seit Langem so verschrien darstehen lässt.

    Die Kunst der Moderne setzt ein riesiges Repertoire an Vorwissen und Hintergrundinformationen voraus um vom Betrachter "verstanden" werden zu können.


    Ein gewollter Nebeneffekt dabei ist, dass der Betrachter doch verdammt nochmal zum DENKEN angeregt wird. Der Künstler setzt dem Rezipienten kein vollständiges Kunstwerk mehr vor die Nase, sondern fordert ihn auf seinen eigenen Denkkasten in die Gänge zu bringen und sich nicht nur berieseln zu lassen von den Künsten seiner Mal,-Zeichen etc. Technik.

    -Tears in Heaven by Eric Clapton. Ein toller Song, doch hört man ihn mit etwas Wissen um die Umstände des Enstehens des Songs diesen doch gleich mit ganz anderen Ohren.-

    Und das ist meiner Auffassung nach das Lobenswerte an der Entwicklung, die die Kunst durchgemacht hat in etwa seit des Impressionismus.

    P.S : Ich hab über dieses Thema mein Abi geschrieben (Die Wandlung des Kunstbegriffes vom Impressionismus bis heute) :D deswegen bin ich bei so rigorosen Aussagen etwas empfindlich
     
  3. Bleecker Street Boogie

    Bleecker Street Boogie Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    18.08.03
    Zuletzt hier:
    23.05.06
    Beiträge:
    2.368
    Ort:
    Mitgliedschaft beendet
    Zustimmungen:
    21
    Kekse:
    2.134
    Erstellt: 09.02.05   #3
    Mal ganz unter uns, bis man im Museum die Bildunterschrift gelesen hat sind es zwei brennende Häuser, oder?

    Eines der Bilder, welche ich mir gekauft habe, hat mich angesprochen, weil es mich an Urlaub erinnert hat. Es sieht für mich so aus, als ob man mit dem Flugzeug den Nil entlang über Ägypten fliegt. Wasser, Straßen, Felder, und die Formen und Farben sind in meinen Augen die, welche ich beim rausgucken gesehen habe. Das Bild ist nicht unbedingt schön, aber es ist sehr intensiv und erinnert mich an etwas. Das Bild heißt allerdings "Kornfeld und Himmel" oder so. Beim besten Willen, ich habe noch nie dunkelrote Felder gesehen, durch die Zick-Zack-Muster gelegt sind, vor allem nicht aus der Perspektive, und der Himmel, naja, sieht aus wie Wasser. Ohne den Namen des Teils zu lesen wäre ich nicht darauf gekommen, was es sein soll. Für meine Frau heißt das Bild ganz klar "Menstruationsblut". Sie mag es nicht...

    Und das ist ja auch der Witz an der Sache. Meines ist ein relativ harmloses Beispiel, aber so läuft es doch heute größtenteils. Da ist ein Bild, man denkt sich sonstwas, und am Ende schaut man auf den Titel und fragt sich hä? Oder auch Songtexte, es gibt Geschehnisse, die sind nur lustig, wenn man dabei war. Wenn nicht, weiß man nichts mit gewissen Anspielungen, die für die Beteiligten Anstoß zu herzlichem lachen sind, anzufangen und steht dumm da.

    Und das ist doch scheisse. Ich bin kein Fan von Schnellkost, in jeder Hinsicht, aber wenn ich erst den Kunst-Brockhaus gelesen haben muss um in dem Bild etwas zu erkennen, dann ist für mich die Kosten-Leistungs-Relation schief. Ich schaue mir sehr gern Dinge an und sehe da sonstwas drin, lasse meine Fanta-sie kreisen oder bin einfach nur erstaunt, dass ein Mensch so gut malen, steinhauen oder musizieren kann. Aber vermutlich warst du noch nicht in einer dieser Galerien, wo verschiedene Installationen und Plastiken neuerer Art ausgestellt sind, sondern nur im Museum, einer Ausstellung á la Moma oder in einer Galerie, wo relativ hübsche Sachen hängen. Künstlerische Installationen oder Ausdruckstanz sind ja meine Steckenpferde, was Kunst angeht. Ich bewundere diese Leute immer wieder, wie die sich bei diesem Schmu eigentlich ernähren können. Aber das ist auch das einzige, wo ich sie als (Überlebens-) Künstler anerkenne. Moderne Kunst ist... okay, wie du so schön meintest "einarbeitungsbedürftig"...

    Und ich bin immernoch der Auffassung: Fingerfarbe ist keine Ausrede für kein Talent!

    Zurück zum Vorwissen: um zu begreifen, müsste man, wie du sagst, ein Gelehrter in Sachen Kunst sein. In diesem Sinne ist diese Kunst undemokratisch. Sie eröffnet sich den Ungebildeten nicht, sondern nur einer zahlenmäßig sehr kleinen Wissens-Elite. Ergo ist das aristokratische oder gar ochlokratische Kunst und wird von mir als guter Volksdemokrat strikt abgelehnt. :-)

    Naa-jah. Mich nervt dieses schnulzige Fretless-Bass-Gedudel und vor allem dieser abartige 80er-Jahre-Synthi so sehr, dass ich das Lied im Original gar nicht mag.

    Das einzige, was mir in meiner - ich weiß - intoleranten und - leider - doch repräsentativen Kunsteinfältigkeit einfällt, ist, dass die Leute "früher besser malen konnten". Ja, ja, früher war alles besser... Nein, es gibt gute Kunst und schlechte Kunst. Ich bin häufig einfach nur entsetzt über die Einfallslosigkeit vieler moderner Einfaltspinsel. Künstler. Ihre Kunst ist weder intuitiv, ironisch, witzig, originell, gekonnt, und meistens auch, so neu sie scheint, einzigartig, weil das gab es meistens schon, nur besser. Und hier will ich keinem einen Strick draus drehen, weil er zu spät geboren wurde und garnicht anders kann als zu "kopieren", weil die Menschheit seit Jahrtausenden Kunst pflegt und man heutzutage fast nicht anders kann als zu "kopieren", nein, sondern weil moderne Künstler anscheinend alle das selbe machen: thematischen Mumpitz. Ausnahmen ausgenommen.

    Dann schlag mich, peitsch mich, gib mir Tiernamen!... Ich über Architektur. Und ich war eine Zeit lang Tontechniker für Kleinstkunsttheater und solche Geschichten. Einige Sachen fand ich wirklich gut, etwa eine Aufführung von Studenten, wo alle schlecht waren, aber der Butler, der so gut wie keinen Text hatte, mit seiner Art, der Mimik und dem Ausdruck alles so gekonnt überstrahlt hat, dass das Ganze einfach großartig wurde. Oder ein Stück anderer Studenten die auf der Bühne inmitten eines selbstgeschriebenen Stückes eine Essensschlacht veranstaltet haben und dabei so viel Spaß hatten, dass es auch mir Spaß gemacht hat, aber das allermeiste war einfach nur armselig. Wirklich traurig. Und die Bezahlung hat auch nicht gestimmt...
     
  4. Horst

    Horst Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    10.10.03
    Zuletzt hier:
    26.11.15
    Beiträge:
    281
    Ort:
    München
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    70
    Erstellt: 09.02.05   #4
    Du redest von der Postmoderne, welche auf der Verwurstung vorhandener Genres und vergangener Stile basiert. Deshalb ist umfassendes Hintergrundwissen notwendig, um z.B. auch die andere Hälfte der Simpsons-Gags zu verstehen. ;)
     
  5. Yojo-Bad-Mojo

    Yojo-Bad-Mojo Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    23.08.03
    Zuletzt hier:
    2.02.15
    Beiträge:
    488
    Ort:
    Rödermark
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    295
    Erstellt: 09.02.05   #5
    Nunja, in meiner Zeit als engagierter Kunst LK'ler war ich auch in der ein oder anderen Austellung, die nach deinem Geschmack wohl grausig war und keine "Kunst" exponierte (oder eben schlechte)

    Es sei dir gelassen diese Kunst (so wie Jugendliche) zu verachten :) Allerdings sie aufgrund deines persönlichen Kunstverständnisses, des von dir aufgedrucktem Etiketts "ungeeignet für die Breite Masse" und der "Faulheit" sich gar nicht erst die Arbeit machen zu wollen sie zu verstehn, als schlecht abzutun finde ich nicht gut.
    Die Kunst versucht nunmal zu entgrenzen, und seit dem die Grenzen des Bildrahmens gesprengt wurden und das Bild/Kunstwerk in einem teilweise größeren Kontext stehen soll, kann ein Kunstwerk soviel "Mehr" sein als nur sein rein ästethischer Wert und das Material das verwendet wurde um es zu fertigen.

    Die Studio Version kann man ja auch backen. Die fast genauso bekannte live-akkustik-Version (die ich meinte) hingegen finde ich schon sehr viel "emotionaler"/besser.

    Ein Blick hinter die Kulissen, und dieser Satz zerfällt zu Staub wie die Eindimensionalität dieser Ansicht.

    *Schlag* *Peitsch* ... Du Kanarienvogel :D

    Sry OT aber das ist einfach zu faszienierend :great:
    Ich glaub wir treten auf der Stelle wenn wir so weiterargumentieren :rolleyes: könn' das ja per PM weiterführn ;)
     
  6. Bleecker Street Boogie

    Bleecker Street Boogie Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    18.08.03
    Zuletzt hier:
    23.05.06
    Beiträge:
    2.368
    Ort:
    Mitgliedschaft beendet
    Zustimmungen:
    21
    Kekse:
    2.134
    Erstellt: 09.02.05   #6
    Schlechte Kunst wird durch eine gute Idee nicht besser! Schon Kohl sagte "entscheidens ist, was hinten rauskommt". Und hinter die Kulissen kommt man doch nur mit einem dieser unerreichbaren Backstage-Pässe, oder?... ;-)
     
  7. Aqua

    Aqua Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    22.08.03
    Zuletzt hier:
    28.07.06
    Beiträge:
    3.333
    Ort:
    Berlin
    Zustimmungen:
    5
    Kekse:
    861
    Erstellt: 11.02.05   #7
    Har, jetzt werd ich auch OT:

    @milosz und yojo:

    Kunst...ihr redet über Kunst, ihr diskutiert über Kunst, ihr streitet euch über Kunst...doch was ist Kunst?

    Ihr müsst doch erstmal eine gemeinsame Definition und Basis schaffen, um euch darüber zu verständigen.

    Was muss Kunst tun um Kunst zu sein? Wie definiert sich die Kunst selber?
    Wer sagt das ist Kunst und das andere ist nicht Kunst?

    Meiner Meinung nach:
    Kunst muss die Welt erklären oder reflektieren oder gar erweitern.
    Und zwar hinter den Grenzen, die die Mathematik und Physik nicht mehr darstellen können.
    Alles, was über das Rationale und Berechenbare hinausgeht, sollte sich die Kunst annehmen und verarbeiten.
    Desweitern sollte man als Betrachter des Kunstwerks das Gefühl erhalten, dass dahinter eine Menge Überlegungen und Anstrengungen steht.
    Man muss das geschwitzte Blut des Künstlers förmlich fühlen können.


    Viele Sachen, die als Kunst bezeichnet werden, sind es aus meiner Sicht nicht:

    Fotorealitisches Malen:
    Das erfordert kein Genie, das ist nur reines Handwerk, wenn auch natürlich Geschick gefordert ist.

    Stilleben:
    Dass stumpfe Abmalen von einen Korb Früchte...das führt zu nichts, eine Banane hat keine Aussage. Vielleicht eine schöne Technikübung, aber mehr auch nicht!

    Die Fettklumpen von Joseph Beuys:
    Nett anzusehen ("hm, wieviel Steaks man wohl damit braten könnte"), aber ohne die Kenntniss seines Flugzeugabsturzes über der Krim völlig häßlich und unverstehbar.

    Die zerschnittene Kuh von Damien Hirst:
    Was will er ausdrücken? Wie das komplexe Innere von nichts weiter als einer dünnen Haut zusammengehalten wird?
    Na, wow! Welch Aussage! :rolleyes:
    Jeder Metzger, der Stück für Stück die Innereien aus einen Tier nimmt, ist demzufolge ein Künstler?

    ------------------------
    Naja, ich könnte wohl ewig so weitermachen und doch zu keinen gescheiten Ergebnis kommen.

    Ich sehe das jedenfalls wie Milosz. Kunst sollte für jeden Menschen verständlich sein und zum denken und träumen anregen.
    Denken heißt, und da muss ich unseren Kunst LKler aber mal stark wiedersprechen, nicht lesen!
    Wenn man erstmal eine Broschüre, einen Artikel oder ein Buch lesen muss, um zu verstehen was ein Künstler eventuell auszudrücken meinte, dann ist das Mist!

    Natürlich sollte Kunst kritisch sein, genauso wie Philosophie und Literatur, um den oft blinden Naturwissenschaften in die richtige Bahn zu verhelfen, aber sollte deswegen gerade für jeden verständlich sein!

    Soll ich diese Diskussion eventuell ins Off-Topic verschieben?
     
  8. MortWP

    MortWP Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    08.02.05
    Zuletzt hier:
    1.12.15
    Beiträge:
    229
    Ort:
    Aachen
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    470
    Erstellt: 11.02.05   #8
    Stimme ich prinzipiell auch zu - AABER: Wenn Kunst für jeden verständlich bleiben soll, dann kann sie auch nicht aufeinander aufbauen oder z.B. kulturspezifisch sein.

    Wenn ich aber sage Musik ist Kunst und Kunst soll für jeden verständlich sein, wäre das das Todesurteil für solche "Karikaturen" wie "Dick Brave and the Backbeats" oder "Me First and the Gimme Gimmes". Jetzt bitte keine Diskussion über die Qualität dieser Bands, sind mir nur als erstes Beispiel für "Kunst, die man ohne Kenntnis des Originals nicht versteht" eingefallen.

    Bloß meine Meinung und auch völlig OT!
     
  9. Bleecker Street Boogie

    Bleecker Street Boogie Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    18.08.03
    Zuletzt hier:
    23.05.06
    Beiträge:
    2.368
    Ort:
    Mitgliedschaft beendet
    Zustimmungen:
    21
    Kekse:
    2.134
    Erstellt: 11.02.05   #9
    Na soo puristisch sind wir auch nicht. Wenn dich etwas zum tanzen bringt, hey, dann hat es seine Berechtigung. Und wenn nicht dich, dann jemand anderen. So ist es auch absolut erwünschenswert, dass es kulturelle Unterschiede in der Kunst gibt. Ich bin sehr angetan von japanischer Architektur, nordisch-satanischer Musik und arabischer Küche. Kochen übrigens ist auch eine Kunst! Kunst muss nicht für jeden sofort erschließbar sein, aber sie muss etwas bewegen. Dann ist es auch okay, dass man das Stück Kunst nicht versteht, etwas mystisches gehört auch dazu. E = M*C^2 in schwarzem Öl auf Leinwand ist keine Kunst, und das wäre auch eines der Beispiele, wo man um diese "Kunst" zu verstehen Vorwissen haben müsste, Bildung sogar. (Hoho, schwere Kaliber jetzt...) und außerdem ist das absolut einfallslos. Das ist bescheuert und nicht Sinn der Sache.

    Aber es gibt einen Unterschied zwischen der genannten Mystik und einer nicht nachvollziehbaren Metaphysik der Gedankengeänge eines "Künstlers". Aufgeschnittene Kühe sind, für mich, eher ein Grund jemandem die Gelder zu streichen als himmelhoch jauchzend von Kunst zu sprechen. So schön seine Erklärung "...die Ambivalenz der Organe im Tier..." auch sein mag, das ist einfach scheiße. Und davon gibt es sooooo viele Beispiele, in sooooo vielen Kunstrichtungen. Es ist nicht alles Kunst, was glänzt.

    Ja, vielleicht ist der Kunst-Teil im Off-Topic besser aufgehoben!
     
  10. Yojo-Bad-Mojo

    Yojo-Bad-Mojo Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    23.08.03
    Zuletzt hier:
    2.02.15
    Beiträge:
    488
    Ort:
    Rödermark
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    295
    Erstellt: 11.02.05   #10
    Also ich würd gern noch ein wenig weiter Gedankengänge austauschen, ohne dass es alles OT wird ....

    Das Threadthema an sich wurde ja schon weitestgehend abgehandelt und alle Beteiligten haben ihre Meinung dazu gesagt, meint ihr nicht ?!

    Vielleicht verschieben ... umbenennen ?! whatever ... ich würd gern noch weiter :)
    Aber würd ja nur lohnen wenn andere auch noch bereit sind sich zu beteiligen,
    wie siehts aus ?
     
  11. OFFFI

    OFFFI Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    30.06.04
    Zuletzt hier:
    10.01.07
    Beiträge:
    3.032
    Zustimmungen:
    5
    Kekse:
    1.162
    Erstellt: 11.02.05   #11
    ich doch immer
     
  12. Aqua

    Aqua Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    22.08.03
    Zuletzt hier:
    28.07.06
    Beiträge:
    3.333
    Ort:
    Berlin
    Zustimmungen:
    5
    Kekse:
    861
    Erstellt: 12.02.05   #12
    Gut, dann erweitere ich meine Definiton von Verständnis der Kunst auf kulturspezifische Eigenheiten.
    Was aber nicht unbedingt zwingend zum Erkennen des Kunstwerks sein muss.
    Das bspw. die Sphinx an und für sich ne echt dickes Kunstwerk ist, dass versteht man auch 3000 Jahre danach, auch ohne das damalige Wissen.


    Falscher Ansatz!
    Du kannst nicht sagen, alle Musik ist Kunst. Schließlich kannst du auch nicht sagen, alles Gemaltes ist Kunst. Wenn dem nämlich so wäre, dann müsste ich seit der letzten Renovierung ein anerkannter Starkünstler sein. :D
     
  13. Antje

    Antje Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

    Im Board seit:
    18.05.04
    Zuletzt hier:
    5.07.14
    Beiträge:
    2.225
    Zustimmungen:
    27
    Kekse:
    16.975
    Erstellt: 12.02.05   #13
    Ich glaube, was man für Kunst hält und was nicht, hängt vom eigenen Geschmack ab. Mir gefällt auch keine aufgeschnittenen Kuh, deswegen würde ich mich auch fragen, ist das Kunst. Aber dem, dem es gefällt, der darin einen gewissen Sinn sieht, für den ist es eben Kunst. Ich finde die Vielfältigkeit der Kunst schon sehr gut, weil jeder einen anderen Geschmack, oder auch eine andere Sicht der Dinge hat. Jeder hat einen anderen Bezug zu einem bestimmten Bild. Ein Physiker findet es vielleicht genial, die Relativitätstheorie als Formel auf ein Bild zu bannen, so einfach und für ihn mit großer Aussage. Für den einen ist ein Bild nur ein "Menstruationsblut" und deswegen wohl keine Kunst, für den anderen eine Urlaubserinnerung und deswegen Kunst, auch wenn das Bild vom Namen her was ganz anderes sagen will. Jeder sieht für sich das, was er darin sehen will und das ist auch gut so. Man muss nicht unbedingt gebildet sein, man sollte Kunst einfach auf sich wirken lassen und man hängt sich eben das Bild an die Wand, oder stellt sich das in den Raum, was einem gefällt und was für einen Kunst bedeutet, es muss dem anderen ja nicht gefallen. So ist es mit der Musik doch auch, es gibt so viel verschiedene Richtungen, die einem nicht gefallen und trotzdem ist es Kunst, für jedem dem es gefällt. Das alles macht das Leben doch bunt.
     
  14. Aqua

    Aqua Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    22.08.03
    Zuletzt hier:
    28.07.06
    Beiträge:
    3.333
    Ort:
    Berlin
    Zustimmungen:
    5
    Kekse:
    861
    Erstellt: 12.02.05   #14
    Ich kann nicht aktzeptieren das alle Musik Kunst sein soll.
    Das geht einfach nicht. Wenn ich auf irgendetwas nen 4/4 Vierteltakt kloppe und darüber ne Achtelline schiebe mit nur einer Note, dann ist das keine Kunst, sondern nur Mathematik!
    Es gibt Musik, die bewegt keinen oder ist zumindest schwerer geistiger Abfall und die Menschen, die das hören, sind innerlich verkümmert.

    Kunst kann nicht geschmacksabhänig sein. Höchstens bildungsabhänig, und das würde diese Kunst, Milosz so schön sagte, undemokratisch machen.
    Darf es das sein? Muss Kunst die bestehende gesellschaftliche Ordnung in diesen Maße widersprechen, da das jetztige demokratische System doch auf einen Massenkompromiß gründet?
    Das Kunst kritisieren muss, und zwar alles andere, halte ich für einen wichtigen Punkt, aber die kritsche Kunst darf keinen Menschen von ihrer Aussage ausschließen!

    Kunst muss mehr können als einfach nur zu exestieren. Wenn Kunst nicht bereit ist, die bestehende Welt zu erweitern und neue Sichtweisen zu eröffnen, dann kann es doch keine "gute Kunst" sein. Natürlich strittiger Begriff, aber darum gehts ja hier!
     
  15. Yojo-Bad-Mojo

    Yojo-Bad-Mojo Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    23.08.03
    Zuletzt hier:
    2.02.15
    Beiträge:
    488
    Ort:
    Rödermark
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    295
    Erstellt: 12.02.05   #15
    OK, da es schon soweit kam, möchte ich folgende Dinge in den Raum werfen

    Definition Kunst ?!
    Man könnte festhalten, dass der Begriff Kunst primär von 2 Dingen abhängt

    1. Von der persönlichen Definition
    2. Der Präsentationsform

    Aqua hält ja schön und beharrlich daran fest, dass Kunst kritisch ist und dies vor allem jedenfalls sein sollte! Ein kritischer Spiegel unserer Gesellschaft in dem sie Fehler, Entwicklungen etc. erkennen soll. Die sozialkritische Note ist also fest verankert in der Kunst seit gewisser Zeit.

    Und gerade deswegen ist es auch meist "relativ" offensichtlich gehalten. Der Künstler nimmt oft Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Themen, Entwicklungen Ereignisse.
    Wie Beispielsweise die "Guernica" von Pablo Picasso.
    [​IMG]
    Ein Werk, das als direkte Reaktion auf einen Nazi-Bomber-Angriff auf die spanische Kleinstadt Guernica zu sehen ist.
    Die wenigsten großen Kunstwerke beziehen sich wirklich auf Dinge, die man einfach nicht wissen kann als weltoffener und politisch halbwegs gebildeter Mensch und sie erst durch nachlesen in Biographien bspw. erfahren könnte.


    Nun meine Frage : Wenn Kunst kritisch sein soll, dann also doch eben vorzugsweise gesellschafts- oder sozialkritisch. Sie soll wachrütteln, Wunde Stellen der Gesellschaft aufzeigen und einfach ein neues Problembewusstsein wecken damit es auch auf genügend Leute anspricht und nicht nur eine kleine elitäre Gemeinschaft ?
    Wenn ein Künstler nun in seinen Werken aktuellen, gesellschaftlichen Bezug nimmt, muss das ja nicht unbedingt sofort nachvollziehbar und sofort erkennbar sein für Folgegenerationen, die sein Werk aus seinem Umfeld herausgerissen irgendwo, irgendWANN anders sehen !!
    Jene müssen dann den Untertitel des Bildes und das Datum unter dem Bild im Museum lesen um eine Idee erhaschen zu können. Wenn sie kritisch ist, KANN also sie also garnicht für jeden sofort verständlich sein.

    Also ist doch alles in Ordnung so wie es ist :rolleyes:
     
  16. Antje

    Antje Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

    Im Board seit:
    18.05.04
    Zuletzt hier:
    5.07.14
    Beiträge:
    2.225
    Zustimmungen:
    27
    Kekse:
    16.975
    Erstellt: 12.02.05   #16
    Es gibt nun mal Menschen, die innerlich verkümmert sind, aber warum soll es für sie nicht auch eine Form von Kunst geben? Nur weil du damit nichts anfangen kannst? Es versteht nun mal nicht jeder die höhere Kunst, aber die Welt wäre doch für diejenigen farblos und traurig, wenn es für sie keine Kunst geben würde. Egal ob sie dir nun gefällt oder nicht.
    Also kann ein dummer Mensch keine Ahnung von Kunst haben, oder kann diese nicht erkennen? Und nur weil er das nicht "kann", darf es für ihn keine Kunst geben?
    Muss Kunst kritisch sein? Warum kann sie nicht einfach nur schön sein, das Herz erfreuen und auch ruhig Gedanken anregen?
    Was will van Gogh denn mit seinen Sonnenblumen kritisieren? Nichts(jedenfalls nichts das ich wüsste) und doch ist es Kunst. Für dich muss Kunst kritisch sein, das ist völlig ok, aber ob das jetzt geschmacks- oder bildungsabhängig ist, vermag ich nicht zu beurteilen, vielleicht ist es einfach vom Interesse dafür abhängig.
     
  17. Phili

    Phili Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    26.12.03
    Zuletzt hier:
    6.05.12
    Beiträge:
    4.518
    Ort:
    Sachsen-Anhalt
    Zustimmungen:
    7
    Kekse:
    1.938
    Erstellt: 13.02.05   #17
    Ich denke ebenfalls nicht, dass man alles gleich als Nicht-Kunst abtun sollte, was sich nicht gleich der breiten Masse erschließt. Gerade, wenn man sich das auf die Musik angewand betrachtet, wird es doch deutlich. Dort ist Lukas Hilbert mit seinen Liedern jeder Person Geist zugänglich. Es wird klar, was er damit ausdrücken möchte und Melodie ist auch dabei. Wir haben also Intention und Ausdruck.
    Ist das Kunst? Für mich nicht. Warum? Es ist zu einfach, zu unspezifisch, zu massentauglich.
    Was ist nun für mich Kunst? Ein geiles Lied meiner Lieblings-Gothic-Band. Und wieso ist es keine Kunst für die breite Masse? Weil sie mit dieser Musik nichts zu tun hat, weil sie sich nicht in sie hineinversetzen kann. Ihr fehlt der Background, die Kenntnis dieser Musik, etc. All das braucht sie jedoch nicht, um Lukas Hilberts Lieder zu hören und vielleicht sogar zu mögen.


    Noch ein kleiner Denkanstoß:
    Wenn Milosz wirklich verlangt, dass Kunst direkt sein soll, die Intention intuitiv erkennbar und zwar für jedermann, inwiefern hat sie dann noch Anspruch darauf, Kunst genannt zu wreden?
    Und wozu überhaupt noch Kunst, wenn es nur um direkte Vermittlung von Ideen und Gedanken geht? Reichen dann nicht philosophische Bücher und Manifeste?
    Aha, stimmt, es geht ja auch noch um Emotionen...moment...die kann ja so eine neumodische Schmock-Plastik auch vermitteln. Tata: da haben wir's! Emotionen sind also auch noch wichtig. Diese können aber niemals einer breiten Masse gleichermaßen zugänglich sein, weil jeder Mensch anders empfindet. Somit muss Kunst nicht immer eindeutig und universell sein.
     
  18. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.146
    Zustimmungen:
    1.122
    Kekse:
    49.622
    Erstellt: 13.02.05   #18
    Nichts ist lebensfeindlicher als sich eine endgültige Definition von Kunst zu basteln. Allein der Versuch, Kunst von Nichtkunst zu trennen, trägt den Irrtum in sich.