Leben wir in einer Demokratie?

von Kehrblech, 14.12.06.

  1. Kehrblech

    Kehrblech Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.08.04
    Zuletzt hier:
    27.10.15
    Beiträge:
    178
    Zustimmungen:
    15
    Kekse:
    2.146
    Erstellt: 14.12.06   #1
    Zuerst: Ich will hier eine sachliche Diskussion starten und nicht wie in den meisten Threads zu politischen Themen wildes Geplärre von wem auch immer hören. Dafür im Voraus danke! Ich will auch niemanden zur Revolution oder sonstigem aufrufen, ich hab mir nur mal so meine Gedanken gemacht und würde gerne Einschätzungen, Meinungen etc. dazu hören.

    Demokratie bedeutet die Herrschaft des Volkes. Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus. Was die Mehrheit der Bevölkerung für richtig hält setzt sich durch. Das ist das was wir über Demokratie lernen und wissen.
    In unserem Fall wählt die Bevölkerung des Landes ein Parlament, welches als Vertretung des Volkes Entscheidungen trifft. Und hier beginnt mein Problem... Im Grundgesetz steht nämlich auch, dass der Abgeordnete nicht an Weisungen und Aufträge gebunden ist und nur seinem Gewissen unterliegt. Hmm, was jetzt eigentlich? Auftragsungebunden oder Vertreter des Volkes? Also freies oder imperatives Mandat? Oder hab ich hier einfach einen Denkfehler...
    Denn ist der Abgeordnete nicht den Weisungen des Volkes verpflichtet, von dem er seine Macht erhalten hat, dann leben wir doch eigentlich in einer Oligarchie?!

    Worauf ich hinaus will: Die echte Demokratie mit mündigen Bürgern müsste doch eigentlich zu jeder Entscheidung das Volk befragen. Das ist natürlich nicht praktikabel, aber gibt es Möglichkeiten die Politik wieder mehr in die Bevölkerung zu verlagern?

    Man belehre mich...:)
    Gruß, das Blech
     
  2. Lance85

    Lance85 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.06.04
    Zuletzt hier:
    7.04.15
    Beiträge:
    821
    Ort:
    Hamburg
    Zustimmungen:
    3
    Kekse:
    1.222
    Erstellt: 14.12.06   #2
    Nun, das könnte ein großes Problem darstellen.
    Der größte Teil des Volkes weiss nämlich immer nur, was er NICHT will...
     
  3. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.01.06
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    12.022
    Ort:
    Dessau-Roßlau
    Zustimmungen:
    2.230
    Kekse:
    61.328
    Erstellt: 14.12.06   #3
    Nun gut:
    1. Also dass die Macht vom Volk (eigentlich besser den Staatsbürgern, denn das mit dem Volk ist so eine Sache) ausgeht, ist ein Grundprinzip der Demokratie.

    2. Dann gibt es verschiedene (Umsetzungs-) Formen der Demokratie.
    Basisdemokratie wäre, über (wesentliche) Entscheidungen von den Staatsbürgern abstimmen zu lassen.
    Repräsentative Demokratie meint, dass das Volk Vertreter wählt, damit die in ihrem Sinne die Entscheidungen treffen. Da gibt es wieder mehrere Varianten (USA z.B., England, Deutschland etc.) - würde jetzt aber zu weit führen.

    Dazwischen gibt es alle möglichen Formen, beispielsweise ist der Volksentscheid eine basisdemokratische Form innerhalb unserer repräsentativen Demokratie. Über jedes Thema, zu dem sich genug Unterstützer finden lassen (Unterschriftslisten) - und das mit dem Grundgesesetz vereinbar ist - läßt sich per Volksentscheid abstimmen.

    In der Schweiz ist dies beispielsweise weiter verbreitet als hier. EU-Beitritt ja oder nein wurde in der Schweiz per Volksentscheidungen entschieden, bei uns durch das Parlament.

    3.
    Die Volksvertreter sind grundsätzlich nur sich selbst verpflichtet. Es gibt bei unseren Wahlen der Volksvertreter kein Mandat. Das heißt, Volksvertreter werden nicht mit einem bestimmten Auftrag gewählt, den sie zu befolgen haben, sondern als Person/als Angehöriger einer bestimmten Partei, die für bestimmte Grundrichtungen der Politik stehen.

    Das war es jetzt mal zur Faktenlage.

    Und das war es jetzt auf Ebene der formalen Demokratie.

    Wie real/wirklich/gelebt diese Demokratie ist, ist die spannende Frage.
    Da nehme ich mal Deine Fragen und tue noch ein paar hinzu und sage mal, wie ich das sehe:

    Setzen die gewählten Repräsentanten den Willen des Volkes um?
    Schwerlich. Beispiel: Mehrwertsteuererhöhung, überhaupt Steuererhöhungen.
    Woran liegt das?
    Erstens natürlich daran, dass sie nicht an einen Auftrag gebunden sind. (Allerdings wäre meine Frage, ob das praktisch überhaupt möglich wäre. Im Prinzip müßten dazu alle strittigen Fragen aufgelistet sein und jeder Staatsbürger müßte ankreuzen, wie er abstimmen würde. Laut dieser Liste und der daraus sich ergebenden Mehrheiten müßte ein Repräsentant dann abstimmen. Da wären Volksentscheide praktischer, imho.)

    Dann:
    Parteisoldatentum/-disziplin. Wer nicht im Sinne der Parteispitze entscheidet wird geschasst/steigt nicht auf. Bei der SPD macht Müntefering diesen job.

    Dann: Lobbypolitik. Mit Aufsichtsratsposten, Nebenjobs, Beratergehältern und Vergünstigen sowie weiteren Einflußfaktoren sichern sich Interessensverbände (vorwiegend der Wirtschaft) Mehrheiten - quer durch die Parteien hinweg.

    Dann: die Parteien selbst. Zwar nennen sich alle großen Parteien Volksparteien und generell soll über diese Parteien die Willensbildung des Volkes organisiert werden/stattfinden, aber in den Parteien selbst ist nur eine Minderheit der Staatsbürger organisiert.

    Dann: Parteien müssen selbst ihre Mehrheiten organisieren. Stichworte: Koalition und derzeit große Koalition. Heißt in der Praxis: Kuhhandel. Stimmst Du in dieser Sache für mich, stimme ich in der Sache für Dich. Oder: Kompromiss. Am Ende kann immer etwas herauskommen, was keiner will, schon gar nicht die Staatsbürger.

    Fazit: Ich bin da mehr als skeptisch. Vor allen Dingen Lobbyismus, Parteidisziplin und Koalitionen (ich spreche jetzt mal nicht den Föderalismus an) führen dazu, dass Vorstöße immer wieder verwässert werden und wichtige Grundsatzentscheidungen in zentralen Systemen nicht getroffen werden: Gesundheit, Rente, Sozialversicherung, Arbeit, Bildung.

    Wie mündig ist der Bürger?
    Umpf. Wie sehr interessieren sich die Bürger für politische Entscheidungen? Wie sachkundig und entscheidungsfähig machen sie sich? Wie sehr engagieren sie sich und suchen selbst nach Beteiligung und Ausdruck ihrer Interessen?

    Sicher: bei paritkularen Interessen gibt es immer wieder Bürgerbewegungen, die viel erreichen können. Die Grünen als Partei sind so entstanden (aus einer Mischung von Friedens-, Anti-Atom, Öko-Partei und Feminismus/Emanzipation). Aber es sind in der Regel Protestbewegungen, also gegen etwas (bestimmtes) gerichtet und nicht für etwas.

    Ich bin da hin- und hergerissen.
    Einerseits bin ich klar für eine Basisdemokratie (zumindest weit mehr als wir derzeit haben).
    Andererseits: wie würde denn praktisch und jetzt entschieden? Das meiste würde mir eindeutig nicht passen.

    Also: klar, wir leben in einer Demokratie - und das ist gut so.
    Aber leben wir die Demokratie? Nur zu einem Bruchteil.

    Und irgendwie hat doch jedes Volk die Regierung, die es verdient.

    x-Riff
     
  4. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

    Im Board seit:
    19.11.03
    Beiträge:
    4.447
    Zustimmungen:
    435
    Kekse:
    14.673
    Erstellt: 14.12.06   #4
    Speziell Plutokratie, und i.Ggs. zum entsprechenden Wikipedia-Artikel muß man m.E. nicht unbedingt Marxist sein, um das so zu sehen :eek:, zumal sich Tendenzen in der Richtung eher wieder verstärken — und nickt man das nicht ab, ist man ein mindestens ein Herz-Jesu-Sozialist, der dem Rheinischen Kuschelkapitalismus nachhängt :screwy:

    Da sind wir mal wieder mitten in der Psychohistorie. Aber vielleicht ist das argumentum ex negativo auch eher tröstlich, daß ein Gesellschaft Regierige, die ihr nicht passen, schnell mal loswerden könnte. Obschon, was eben so gar nicht tröstlich ist, daß ein Riesenhaufen von Leuten solche Scheiß-Spielchen treibt :(
     
  5. Kehrblech

    Kehrblech Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.08.04
    Zuletzt hier:
    27.10.15
    Beiträge:
    178
    Zustimmungen:
    15
    Kekse:
    2.146
    Erstellt: 14.12.06   #5
    @ x-riff:

    Da wären wir ja dann wieder bei meiner Frage... Du hast mir eben zugestimmt, dass wir zwar ein Parlament als Vertretung der Staatsbürger;) wählen, die Abgeordneten sind aber nicht gezwungen nach dem Willen der Mehrheit der Staatsbürger zu entscheiden, sondern sind nur sich selbst verpflichtet.

    Also mein Verständnis von Demokratie sieht irgendwie anders aus... nach derzeitigem Stand habe ich als Bürger also das Recht alle vier Jahre einem Vertreter meiner Vorstellungen meine Stimme zu geben, der sie dann im schlimmsten Fall überhaupt nicht vertritt.

    Der Unterschied zur reinen Oligarchie besteht dann nur darin, dass ich bei der nächsten Wahl eben jemand anderen (bzw. eine andere Partei) wählen kann und sich das Parlament nicht selbstständig wiederwählt.

    Schaut man sich dann allerdings die Parteienlandschaften an, Stichwort Listenplatz, dann sind wir gerade was hohe Parteifunktionäre angeht, der Oligarchie doch schon recht nahe. Denn selbst wenn 90% der Bevölkerung mit der Politik von Herrn XY nicht zufrieden sind und ihn eigentlich nicht wieder im Parlament sehen wollten, dann landet er doch wieder im Parlament, wenn er auf der Parteiliste weit oben steht.

    Fazit: Wir haben auf dem Papier eine repräsentative Demokratie, die in Wahrheit schon längst durch eine Oligarchie der Parteien ersetzt wurde. Und das Beste daran: Dieses System kann sich nur selbst auflösen...

    Ich bin übrigens mit dir einer Meinung, dass der Volksentscheid wesentlich öfter eingesetzt werden sollte und könnte. Z.B. bei einfachen ja/nein - Fragen: EU-Verfassung? Euro? usw. ohne jetzt über die Entscheidungen zum jeweiligen Thema zu diskutieren.
    Aber dafür ist der "mündige" Bürger in den Augen vieler Politiker ja offenbar noch nicht "mündig" genug (bzw. nicht ihrer Meinung)...
     
  6. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 14.12.06   #6
    Keine theorie, eine sachliche feststellung: wenn in einer gesellschaft der wohlstand einer minderheit steigt, die mehrheit verarmt, kann es nicht demokratisch zugehen.
    Ich sehe 2 gruppen der bevölkerung:
    1. die eine bekommt (von "verdienen" möchte ich nicht in jedem fall reden) mehr als sie braucht, legt den überschuss gewinnbringend an, etwa in aktien, fonds, immobilien, pflegeheimen (sehr gefragt, da gewinnträchtig!) usw. Diese gruppe kann durch "abschreibungen" und privilegien ihr steuersoll bis "0" verringern.
    2.die andere verbraucht ihr schmales einkommen für das tägliche leben und vergrößert die kluft durch hohe mieten usw., die der ersten gruppe zufallen, und sie trägt alle lasten des öffentlichen haushalts

    Ob persönliche leistung, fleiß, sparsamkeit und tüchtigkeit die zugehörigkeit bestimmen oder die umsicht bei der auswahl der eltern, lasse ich dahingestellt, bei Max Strauß gibt es allerdings bei mir keinen zweifel.
    Meine persönliche überzeugung: viele tätigkeiten werden überbewertet, andere unterbewertet, das hat alte traditionen, aber müssen sie ewig währen? Müssen "spitzengehälter" astronomische höhen erreichen, während an der basis geknapst und um jeden cent gefeilscht wird?
    Ein typischer satz aus den nachrichten der letzten tage: "die betreffenden waren so hochrangig, dass ihre betrügereien nicht auffielen", und ich frage mich, warum müssen "hochrangige" mit entsprechendem einkommen auch noch betrügen, und wieso hören kontrollmechanismen bei" höheren" rängen auf ? "Das machen doch alle!", sagte einmal wer?
     
  7. void

    void Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.04.06
    Zuletzt hier:
    28.05.16
    Beiträge:
    6.146
    Zustimmungen:
    701
    Kekse:
    19.675
    Erstellt: 14.12.06   #7
    wir leben in einer demokratie, aber es ist jetzt nicht die demokratischste die ich mir vorstellen kann. denn das Volk regiert ja nicht direkt, sondern nur alle 4 Jahre. Ob es sinnvoll ist,d ass über jeden Beschluss abgestimmt wird, wenn das Volk oft keine AHnung hat, ist wieder eine andere Sache. DIe andere Sache ist, dass das Volk wohl auch nicht in der Lage ist sich selbst schmerzhafte Reformen aufzuerlegen, dies könnte also an einem bestimmten Punkt, wenn es nun mal schlöecht aussieht ind er wirtschaft heissen, dass nur noch blokiert wird, weil alle Veränderung wollen, aber nur nicht bei sich.
     
  8. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 14.12.06   #8
    Dass das volk alle 4 jahre regiert, ist ein mythos: jeder bürger kann ein kreuzchen machen, das übrige besorgen die parteien, und die sind mit ihrem mitgliederschwund wenig volksverbunden. Was man dem "volk" zutrauen kann und was nicht, steht auf einem anderen blatt. Es gibt keine demokratie, die nicht verbessert werden könnte, selbst der unvollkommene stand muss ständig neu erkämpft werden, denn gar zu leicht verfällt sie in oligarchie, feudaldenken oder gar diktatur.
    Eine demokratische regierung, die die interessen der mehrheit aus dem auge verliert, weil sie nur mehrheiten im parlament sucht, verdient den namen nicht.
     
  9. Kehrblech

    Kehrblech Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.08.04
    Zuletzt hier:
    27.10.15
    Beiträge:
    178
    Zustimmungen:
    15
    Kekse:
    2.146
    Erstellt: 14.12.06   #9
    Das Hauptargument gegen Basisdemokratie ist also, dass die Bürger selbst nicht bereit sind eigene Nachteile in Kauf zu nehmen oder schlicht und ergreifend zu blöd oder desinteressiert um Entscheidungen zu treffen.

    Aus meiner Sicht sind das genauso gut auch Argumente gegen eine parlamentarische Demokratie. Unpopuläre Entscheidungen werden von der Politik gerne vertagt, denn das kostet ja Wählerstimmen und die braucht man, um wiedergewählt zu werden und eine schöne Ministerrente zu kassieren...
    Oder als Beispiel für zu blöd/desinteressiert: Stammzellenforschung. Die deutsche Gesetzgebung zu diesem Thema grenzt nicht nur an Blödheit, sie ist niedergeschriebene Blödheit/Unwissenheit...

    Was ich damit sagen will: Meine Angst vor Blockade bei Volksentscheiden ist relativ klein. Der Pfusch, der uns als Reformpolitik verkauft wird ist auch nicht besser. Und ich glaube, dass viele Menschen ihre Einstellung nochmal überdenken würden im Wissen, dass sie die Verantwortung für die Entscheidungen tragen und in der Überzeugung, dass nach schlechten Zeiten auch wieder bessere kommen werden.
     
  10. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.01.05
    Zuletzt hier:
    23.10.15
    Beiträge:
    3.153
    Ort:
    München
    Zustimmungen:
    330
    Kekse:
    29.115
    Erstellt: 14.12.06   #10
    nun, die parteilisten werden aber in den parteien durch wahl erstellt, diese wahl findet von mitgliedern statt, die wiederum aus dem volke kommen. sind nun nicht mehr viele bürger mitglied einer partei, liegt es an der partei aber nicht am system.

    und wo fängt die mündigkeit des bürgers an und wo hört sie auf? wieviele haben die wirtschaftlichen grundlagen um zb über den euro zu entscheiden, oder kommen dann nicht solche protest-entscheidungen und fussabstimmungen wie in frankreich und deren zustimmung zur EU-Verfassung bei rum? wo es ja nichtmehr um den inhalt einer verfassung sondern um die patzer der EU ging.
     
  11. Kehrblech

    Kehrblech Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.08.04
    Zuletzt hier:
    27.10.15
    Beiträge:
    178
    Zustimmungen:
    15
    Kekse:
    2.146
    Erstellt: 14.12.06   #11
    Wählen kann ich aber ebenfalls nur, was sich zur Wahl stellt. Und wer oder was entscheidet darüber?
     
  12. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 14.12.06   #12
    Und somit haben leute über den EURO entschieden, die wussten, dass sie mit ihm die preise um 100% in die höhe treiben könnten, und die, die das befürchteten, wurden nicht gefragt. Wie lautete die begründung für die absehbaren folgen? Man habe der ehrlichen umrechnung durch den handel vertraut!
    Und wer vermisst die europäische verfassung, wer würde das europäische parlament vermissen, wenn es in dauerurlaub ginge, wobei die sage geht, dass vertreter einiger länder dort schon einmal gesehen sein sollen?
     
  13. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.01.06
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    12.022
    Ort:
    Dessau-Roßlau
    Zustimmungen:
    2.230
    Kekse:
    61.328
    Erstellt: 14.12.06   #13
    Fazit erster Satz: ganz Deiner Meinung
    Fazit zweiter Satz: klares Nein
    Per Volksentscheid können Entscheidungen der Staatbürger eingefordert werden.
    Per Volksentscheid können basisdemokratische Elemente eingefordert werden.

    Du bist allen ernstes der Meinung, Mündigkeit müsste den Bürgern von Politkern zugestanden werden?
    Nein: mündige Bürger nehmen sich ihre Macht gegen die Politiker.
     
  14. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.01.06
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    12.022
    Ort:
    Dessau-Roßlau
    Zustimmungen:
    2.230
    Kekse:
    61.328
    Erstellt: 14.12.06   #14
    Komplett falsch. Demokratie ist eine Form der Entscheidung.
    Was Du meinst ist Gerechtigkeit. Gerechtigkeit bezieht sich auf den Inhalt der Politik und wird auch unterschiedlich gesehen. Standpunkt der FDP: Gerecht ist, Leistung zu entlohnen. Arbeitslose leisten nichts und sollten gerade so am Leben erhalten werden - als Zugeständnis eines sozialen Staates.

    Wenn sich das die Arbeitslosen bieten lassen, in dem sie nicht wählen oder sich in anderer Form artikulieren - die kriegen ja noch nicht mal hin, zu so ner Art Montagsdemos zu gehen - dann dürfen die sich nicht beklagen.

    Beispiel 1: Frankreich und die Einführung von Studiengebühren - Deutschland und die Einführung von Studiengebühren.
    Wer da nicht merkt, wie man Druck jenseits der Parteien ausübt, hat nichts und null verstanden.

    Exemplo 2: Wer kennt noch Heinrich Heine? Sinngemäß:
    Die Knechte singen abends gern
    Freiheitslieder in der Schänke
    Ach das gibt den schönsten Durst
    und würzet die Getränke

    Also: auf dem Sofa sitzen und auf die Politik schimpfen war schon immer der beliebteste Sport in Deutschland.
     
  15. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.01.06
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    12.022
    Ort:
    Dessau-Roßlau
    Zustimmungen:
    2.230
    Kekse:
    61.328
    Erstellt: 14.12.06   #15
    Und wer wartet darauf, dass das geschieht?
    Herrje: Wenn ich doch nun mal der Überzeugung bin, dass die Politiker das europäische Parlament durchgesetzt haben, um ihr eigenes Süpplein auf einem noch größeren Kessel zu kochen - wie kann ich denn dann erwarten, dass sie dieses europäische Parlament in die Wüste schicken?

    Verdammt: das muss man dann halt selbst besorgen.

    Selbst Demokratie und Macht ausüben wollen ist eben Arbeit.
     
  16. Kerni

    Kerni Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    25.02.06
    Zuletzt hier:
    11.08.15
    Beiträge:
    491
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    95
    Erstellt: 14.12.06   #16
    Aber das deutsche Volk, das hat die Vergangenheit gezeigt, neigt nicht dazu selbst was zu unternehmen. Die Deutschen haben absolutitische Fürsten, Könige, Kaiser und selbst irre Diktaturen über sich ergehen lassen ohne was zu unternehmen. Und als sie 1848 die Chance hatten etwas von "unten" zu verändern, sind sie kläglich gescheitert.
    Die deutsche Mentalität geht davon aus, dass der Staat schon alles macht und sich um alles und jeden kümmert, ob das Thema nun Kinderbetreung, Sozial- und Arbeitslosenhilfe oder Rente ist. Jetzt wo das Sozialsystem nicht mehr funktioniert, schimpfen plötzlich alle auf den Staat, aber letztendlich tut sowohl "oben" als auch "unten" niemand etwas.
     
  17. lord_blizzard

    lord_blizzard Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    02.09.05
    Zuletzt hier:
    18.08.08
    Beiträge:
    483
    Ort:
    Crimmitschau\Sachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    97
    Erstellt: 14.12.06   #17
    Wäre es möglich per VOLKSENTSCHEID eine direkte oder Basisdemokratie in Deutschland durch zu setzen?
    Wenn diese Frage mit nein beantwortet werden muss, so nenne ich Deutschland keine Demokratie, sollte sie mit ja beantwortet werden müssen, nenne ich Deutschland eine Demokratie, allerdings eine Demokratie mit dummen Staatsbürgern, die ihre Macht nicht einfordern will weil sie zu faul bzw. zu dumm is...
     
  18. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

    Im Board seit:
    19.11.03
    Beiträge:
    4.447
    Zustimmungen:
    435
    Kekse:
    14.673
    Erstellt: 14.12.06   #18
    Richtig, denn dann müßte ein sehr hoher Prozentsatz von Wählern die Konsequenz aufbringen, die Partei des Herrn XY nicht zu wählen. Bei der bescheidenen "wenigstens etwas" Mentalität der meisten Leute (längst nicht nur in diesem unseren Lande, und längst nicht nur bzgl. Politik), ist das sehr unwahrscheinlich.

    Etwas anderes als eine Plutokratie gab es in dieser Weltgegend zumindest in historischer Zeit noch nie.

    Die Tragik ist eher, daß sowohl Bürger wie Politiker nicht nur unreif, bsiweilen durchaus ruchlos, sondern auch noch ahnungslos sind. Was das vordergründig Rationale in der Politik angeht, so verhält sich das Staatsschiff eher, als hätte es einen Zufallsgenerator als Steuermann. Psychologisch ist zwar einiges erklärbar, aber nicht daß man sich damit wohler fühlen könnte :(

    Das gilt für Politiker leider nicht minder. Die Integrität, ihre Eigen- vs. kollektive Interessen abzuwägen, haben eh' kaum mal welche. Und wer glaubt, welche seien eher am Gemeinwohl als an Eigennutz interessiert, glaubt auch an den Weihnachtsmann :screwy: Dazu kommt dann noch, daß man eh' eine spezielle Sorte Mensch sein muß, um es sich zur Lebensaufgabe zu machen, andere zu bevormunden :eek:

    Nicht nur die Deutschen. Und wäre eine Mehrheit der Volksgenossen nicht selber total irre gewesen, dann wären Hitler & Co. nichts als die Irren gewesen, die sie waren. Und nicht zu wenige sind auch immer noch Irre.

    Der Rheinische Kuschelkapitalismus, über den jetzt so gerne hergezogen wird, war Teil einer Brot & Spiele Strategie, die in der ganzen westlichen Welt damals gefahren wurde. Hätte man nicht diese u.a. sozialen Zugeständnisse gemacht, dann hätte man mit der Entwicklung einer sehr anderen politischen (und damit auch geostrategischen) Landschaft rechnen müssen. Man ist da zwar nun übermütig geworden, weil man glaubt, dem Kalten Krieg gewonnen zu haben, aber es kann durchaus noch etliches mal schnell sehr heftig ins Auge gehen...

    Nein.
     
  19. Harlequin

    Harlequin Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    07.10.03
    Zuletzt hier:
    23.02.14
    Beiträge:
    6.218
    Zustimmungen:
    13
    Kekse:
    5.942
    Erstellt: 14.12.06   #19
    Uff, ein sehr umfangreiches Thema. In einer Kurzform könnte man aber sagen, dass eine richtige Demokratie ein Idealbild ist und in heutiger Zeit nicht durchsetzbar ist, weswegen man heute bei dem Begriffe "Demokratie" eigentliche eine repräsentative Demokratie meint, da das Volk streng genommen keine weiteren Entscheidungen trifft sondern seine Souveränität durch Wahlen an politische Vertreter abgibt, die als Repräsentanten fungieren sollen.

    In den ich glaube 70ger Jahren ist bei den amerikanischen Politologen durch Dahl der Begriff der Polyarchie eingeführt worden, der von einigen Politikwissenschaftlern anstelle der Demokratie genutzt wird.
     
  20. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 15.12.06   #20
    Auch wenn uns dies und jenes nicht gefällt, wir manches gern anders hätten, wir haben die möglichkeit (ja, das glück), in unserem eigenen umfeld nach belieben und in harmonie zu leben. Da redet uns niemand drein, und wer das nicht schafft, sollte sich über die gesellschaft nicht beklagen. Wenn die einzelnen zellen nicht gesund sind, kann es der ganze organismus auch nicht sein, und so ist es mit individuum, familie, staat. Gute nacht!