Leben zwischen Reben

von Kedor, 11.11.16.

  1. Kedor

    Kedor Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.11.16   #1
    Ich habe hier einen alten Text ausgegraben, zu dem mir seinerzeit keine Melodie & Musik passen wollte. Nun, ein paar Jahre später erscheint mir der Text wie ein kostbares wiedergefundenes Kleinod welches mich an meine Jugend erinnert etc pp. Nun ist mein Blick aber offenbar durch die persönliche Erinnerung völlig verblendet. Ich bitte euch daher mir mit eurer Objektivität dienlich zu sein und an den richtigen Stellen konstruktive Kritik anzusetzen, damit aus dem schönen Jugendlichen Text ein echtes Werk werden kann.

    -----------------------------------------------------------

    Judith hört die Alpen glüh'n
    Mauerblümchen strahlen
    Die Eissterne nach Süden zieh'n
    Judith trägt Sandalen

    Hermann riecht der Steine Schweiß
    Die sonne will erstarken
    Es ist bunt und Hermann weiß
    Judith wird ihn erwarten

    Ein Picknick auf dem Weinberg
    Essen im Rebenwald
    Ein Picknick auf dem Weinberg
    Lieben wie gemalt

    Regenbogenmalerei
    Gletscherwasser bacht
    Klänge-Farben-Düfte-Einheitsbrei
    Rasen voller Saft

    Ein Picknick auf dem Weinberg
    Romantik im Rebenwald
    Ein Picknick auf dem Weinberg
    Lieben wie gemalt

    Bienensummen honiggelb
    Grillen schrill erzirpen
    Alles reift, die ganze Welt
    Will auf die beiden wirken

    Abendsonne proppenvoll
    Nachtigallen spielen
    Herzmomente sonnenvoll
    All die vielen Vielen

    Ein Picknick auf dem Weinberg
    Romantik im Rebenwald
    Ein Picknick auf dem Weinberg
    Leben wie gemalt
     
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  2. Shoto

    Shoto Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.11.16   #2
    Hallo Kedor,

    ich schreibe jetzt einfach mal generell was mir während des Lesens aufgefallen ist, dann hast du die Auswahl:

    Die Satzstellung ist eigentlich nicht richtig, mir wäre als Alternative nur eine Umschreibung von Süden eingefallen (z.B. Die Eissterne zieh'n nach Turin [südlich der Alpen])

    Passt metrisch nicht zu den vorherigen Zeilen, finde ich jetzt allerdings nicht so schlimm, das lässt sich ja musikalisch umschiffen.

    Auch hier sehe ich metrische Probleme...vielleicht die "Düfte" rausnehmen?

    Betrachte ich den Text in der Gesamtschau gefällt er mir sehr gut, du hast es geschafft ein Thema das gerne ins Kitschige zu gleiten droht sehr warm und bildhaft zu beschreiben ohne eben kitschig zu werden. Ich hatte großen Spaß deinen Text zu lesen und er hat in mir auch sofort Assoziationen geweckt.

    Viele Grüße

    Shoto
     
  3. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 24.11.16   #3
    Hi Kedor,
    ich find´s ein echtes Werk ... ist halt nur die Frage: bringt man es quasi als Zitat und setzt es so um - in meinen Ohren und vor meinen Augen eine unbekümmerte, zwischen Ernst und Leichtigkeit changierende Referenz an volkslied-/20erJahre-haftiges ... mit jugendlichem Üngestüm und Überschwang vorgetragen in recht einfacher musikalischer Rahmung ...

    Da wirken dann auch die wenigen Stellen, an die man rankönnte, eher passend.
    Oder willst Du es als Jetzt-Song umsetzen: als etwas, das Du jetzt - ohne Distanz von Jahren dazwischen - zu Kunde geben möchtest?

    Die wenigen Stellen:
    Das empfinde ich im Gegensatz zu Shoto als grammatikalisch durchaus passendes poetisches Deutsch ... betont eher die angestrebte Liedform, finde ich ...

    Man denke sich eine Pause davor oder dazwischen und schon passt es ... man könnte aber auch auf "Judith - sie wird ihn erwarten" gehen oder auf "Judith wird wohl auf ihn warten" oder "Judith, sie wird wohl schon warten" ...

    Auch da kommt´s auf die gesangliche Umsetzung an - das kann schon auch ganz gut passen, so quasi als gemeisterte Zungenbrecherzeile ... ansonsten geht auch da noch was (der Einheitsbrei hat mich schon auch von Anfang an gestört - da wird so eine Über-Idylle aufgebaut, quasi nachkoloriert und mit extrablauem Himmel, dass es eben schon wieder fragwürdig ist - und dieses Einheitsbrei ist dann schon wieder recht deutlich einordnend und wertend ...), z.B.: Klang-Farb-Düfte-Einerlei oder Klang-Farb-Düfte-Dreierlei oder Klang-Farb-Düfte-Sinnefrei ...

    Also - man kann´s gut lassen, finde ich, man kann auch noch ein bissel dran schrauben - aber ich persönlich würde es lassen - es hat für mich irgendwie sowas wie im Nachhinein in einem Tagebucheintrag herumzuschreiben ... das macht man einfach nicht ... :cool:

    x-Riff
     
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  4. CiaranGrace

    CiaranGrace Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.11.16   #4
    Hallo Kedor,

    ein sehr schöner, eindrücklicher Text. Keine Reflexion, nur Zustände und Gefühle, gefällt mir sehr gut :-)

    Finde auch, dass du daran nicht herumschrauben solltest, nur bei einer Stelle hat mich etwas gestört, bei "Abendsonne proppenvoll". "Proppenvoll" klingt für so einen Text sehr profan, finde ich. Übervoll vielleicht?

    MfG
     
  5. Kedor

    Kedor Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.11.16   #5
    Wenn ich das so querlese, scheint mir, dass mein Gefühl mich nicht betrogen hat und es sich tatsächlich um einen soliden Text handelt. Danke euch :)

    An den metrischen Stellen werde ich ggf etwas schrauben wenn es die Melodie kaputtmachen würde, bzw nicht passt. Ansonsten finde ich es eigentlich nicht schlimm wenn die Zeilen langsamer oder schneller gesungen werden, es muss eben passen.

    Zu den Worten: Einheitsbrei finde ich, einmal drauf aufmerksam gemacht, ebenfalls nicht treffend ;) Da verändert sich vielleicht auch noch was.
    Proppenvoll passt für mich aber :o
     
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