Meine Gitarren müssen abspecken - Erfahrungsbericht

Tomcat

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Zwei meiner Lieblingsgitarren (Strat-Style, beide mit Erlekorpus) hatten ein Gewicht von ca. 3,8kg. Wenngleich nicht super-schwer, dann aber doch am oberen Ende der (meiner) Skala. Im Vergleich dazu hat meine Tom Delonge Strat (Erle-Korpus, fixed bridge, nur 1 Humbucker) ein Gewicht von 3,3kg.
Von daher der Wunsch, beide Gitarren etwas abzuspecken. Dabei soll es nicht darum gehen, auf Teufel komm raus am letzten Gramm zu feilen. Die Spielbarkeit aber auch die Tonabnehmer und die Schaltung sollen unverändert bleiben. Hier also mein Erfahrungsbericht:

1. Fender Highway 1 Strat

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Hier haben wir ein Ausgangsgewicht von 3.765g. Es fallen vor allem das ABM Tremolo mit Stahlblock und die Schaller Locking-Mechaniken ins Gewicht.
Nach etwas Recherche habe ich mir ein Diego Deluxe Tremolo mit Aluminium-Block bei Rockinger bestellt. Der Alu Block passt direkt an die ABM Brücke, nur der Hebel lässt sich nicht mehr einstecken. Da das Tremolo aber sowieso blockiert ist, stört mich das nicht. (Natürlich hätte ich auch das komplette ABM-Trem gegen das Diego austauschen können, aber so konnte ich es im Body montiert lassen und habe nur den Block gewechselt.) Im Vergleich zum Stahlblock wiegt der Alu-Tremolo-Block 196g weniger.

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Durch den leichteren Tremoloblock hat sich eine Kopflastigkeit eingestellt, die mich zur zweiten Baustelle gebracht hat. Die Locking Mechaniken von Schaller funktional über alle Zweifel erhaben, aber auch sehr schwer. Ich habe sie deshalb mit Kluson Locking Tunern ersetzt. Die habe ich auf vielen anderen Gitarren und die machen auch einen super Job, sind dabei aber auch sehr leicht (20g pro Stück). Damit die Klusons passen, brauchte ich noch Adapterhülsen von 10mm Bohrlochdurchmesser auf 8,5mm. Im Summe haben die Mechaniken eine Einsparung von 115g gebracht. Die Kopflastigkeit ist damit kein Thema mehr.

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Als letzten Punkt haben ich die Tremolo-Backplate abgenommen…und damit auch noch 40g gespart. ;-)

Insgesamt also 353g weniger, die Strat wiegt jetzt sehr angenehme 3.412g.
UND DER KLANG???!!! Also Ich kann keinen Unterschied wahrnehmen. Weder klingt der Alu-Tremblock „silbriger“ oder „transparenter“, noch fehlen die „deutlichen Mitten“ des Stahlblocks.


2. Warmoth Strat

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Hier haben wir ein Ausgangsgewicht von 3.810g. Der Korpus ist aus Roasted Maple. Ich hätte erwartet, dass der tendenziell etwas leichter ist, in meinem Fall ist das nicht so. Mechaniken sind schon die leichten Klusons, die fallen also als Option weg.
Folgende Angriffspunkte habe ich ausgemacht: der Korpus selbst, das Tremolo (Gotoh 510 mit Stahlblock) und die Schaller Sure Claw zur Befestigung der Tremolofedern.

Beim Korpus gab es eine größere Operation. Ich habe unter dem Pickguard noch einmal ordentlich Holz rausgefräst. Von außen nicht sichtbar konnte ich das Gewicht so noch einmal um 125g reduzieren.

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Nach dem guten Ergebnis mit dem Alu-Tremblock auf der Highway 1 Strat wollte ich auch das Gotoh 510 auf einen Alu-Block umrüsten. Leider gibt es die anscheinend nicht. Auf Amazon werden Messingblöcke angeboten, die auf ein 510 passen sollen, aus Alu konnte ich aber nichts finden. Da bei dem 510er-Tremoloblock der Hebel nicht im Block steckt, sondern in einer separaten Aufnahme, ist die Geometrie des Blocks an sich relativ einfach. Ich bin deshalb auf die Idee gekommen, den Block als 3D-CAM-Datei zu erstellen und dann fräsen zu lassen. 2D Konstruktion hatte ich schon gemacht (zum Beispiel für Frässchablonen), 3D noch nie. Tatsächlich ist der Tremoloblock aber ein gutes Beginner-Projekt und so hatte ich relativ schnell ein Modell auf dem iPad erstellen können. Die Maße habe ich von meinem eigenen Tremoloblock und Zeichnungen von Gotoh übernommen. Das Modell habe ich dann bei JLCCNC hochgeladen und bestellt. Produktion und Versand haben ca. 10 Tage gedauert. Hier angekommen habe ich noch die Gewinde für die Schrauben geschnitten und Kanten der Bohrungen angesenkt. Als Ergebnis hat der neue Block 152g Einsparung gebracht.

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Das Prinzip der Schaller Sure Claw ist zwar gut, benutzt habe ich sie aber nach dem ersten Setup nicht mehr. Deshalb wurde sie durch eine normale Federkralle ersetzt. Hat 75g Gewicht gespart.

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Als letzter Schritt auch hier die Abdeckung des Tremolos entfernt (-40g).
Im Summe konnte ich das Gewicht der Gitarre um 392g auf nun 3.418g reduzieren.

Fazit: Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Umbauten. Technisch und optisch ist alles beim alten geblieben, klanglich kann ich keine Unterschiede wahrnehmen. Ca. 400g mehr oder weniger machen aber schon einen großen Unterschied, wenn man die Gitarre länger um die Schultern hängen hat.
 

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Sehr sauber gemacht! Jetzt hat die Warmoth auch Platz für zweiten Humbucker ;)
 
Fazit: Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Umbauten. Technisch und optisch ist alles beim alten geblieben, klanglich kann ich keine Unterschiede wahrnehmen. Ca. 400g mehr oder weniger machen aber schon einen großen Unterschied, wenn man die Gitarre länger um die Schultern hängen hat.
Gut gemacht :great:. Wenn ich das richtig sehe, hättest du noch Potenzial, wenn du die massive Saitenreiter durch gebogene Bleche ersetzt. Bei der Highway 1 sehe ich 5 Federn, da tun es bestimm auch 3? Krönung wäre dann noch ein dünnerer Saitensatz... ;)
Gruß, glombi
 
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Alusaiten:geek:
 
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Jetzt noch tiefer legen und Semislicks drauf, und ab geht die Post 😃.

Dass die Fräsung bei der Warmoth keinen klanglichen Unterschied macht, kann selbst ich - als nicht Tonholzgläubiger - fast nicht glauben!
 
Hey,
...klanglich liegt das wahrscheinlich nicht im direkt wahrnehmbaren Bereich, die Ansprache sollte jedoch bei geringerem Gewicht des Bodies etwas schneller sein, da weniger Holz durch die Saite in Schwingung gebracht werden muss als vorher.
Es sei denn diese große Fräsung am Stück und genau im Saitenzug-Bereich macht die Gitarre minimal instabiler was diesen Vorteil wieder minimiert.!?
Eigentlich sind viele kleine Ausfräsungen da vorteilhafter weil der Korpus dadurch homogener bleibt.
Hab ich schon gemacht...der Klang hat sich auch kaum verändert (wurde minimal heller), die Ansprache wurde deutlich schneller.
Gruß,
Bernie
 
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Ich frage mich spontan, ob ein bequemerer, breiterer Gurt nicht einen ähnlichen Effekt gehabt hätte... Ist für die paar Gramm ja schon ein ganz schöner Bastel- und Teileaufwand. Aber vermutlich hattest du eine gute Zeit dabei und hast es gern gemacht. Es ist ja alles erlaubt, was Spaß macht.
Ich glaube nicht, dass ich sowas machen würde, aber in anderen Belangen habe ich sicher auch schon das ein oder andere Mal mehr Zeit in eine technische Kleinigkeit investiert als andere es für sinnvoll erachten würden. ;)
 
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  • #8
die Ansprache sollte jedoch bei geringerem Gewicht des Bodies etwas schneller sein, da weniger Holz durch die Saite in Schwingung gebracht werden muss als vorher.
Ja, das ist möglich. Wobei die Ansprache auch vorher schon sehr gut war, was meiner Meinung nach an dem Quartersawn-Hals liegt.

aber in anderen Belangen habe ich sicher auch schon das ein oder andere Mal mehr Zeit in eine technische Kleinigkeit investiert als andere es für sinnvoll erachten würden
ist das nicht die Definition von "Hobby"? ;)
 
Definition von Hobby: Maximaler Aufwand für minimales Ergebnis :)
 
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  • #10
400 g weniger Gewicht sind kein minimales Ergebnis.
 
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  • #11
ca. 10%, Unterschied zwischen 1+ und 1- ;)
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Im Sport natürlich Welten ...
 
  • #12
Eine 10 % leichtere Gitarre kann für manche orthopädisch entscheidend sein.
 
  • #13
Dann würde ich zu einer Strandberg wechseln, meine Boden Classic z.B. wiegt ca. 2,7kg ;)
Jetzt wird es aber wirklich OT
 
  • #14
Manche basteln halt gerne. Meine Yamaha* Pacifica Standard Plus Strat mit 3,3kg wird auch mit Computer berechneten Hohlkammern beworben. Sustain ist sicher sehr gut, aber meine 4kg 59er Epiphone Les Paul spielt sich doch leichter für mich, der Hals liegt mir einfach besser, hat halt leider kein Tremolo die Gute.
Gewicht ist zweitrangig, es hält ja keiner die Gitarre freihändig.
Ich persönlich würde mir wegen 400g keinen Kopf machen, aber wenn man stundenlang herumschraubt ist das sicher als Erfolg zu sehen, es muss ja einen Sinn haben.
 
  • #15
Ich finde die gesamte Aktion, sowie den Bericht darüber cool. Muss ja nicht jeder für sich als sinnvoll erachten. Aber für den TE hat es sich gelohnt, der Sinn muss daher doch eigentlich nicht weiter infrage gestellt werden?
Als letzter Schritt auch hier die Abdeckung des Tremolos entfernt (-40g).
Es hat mich schon gewundert, dass dieser kleine Plastikdeckel 10% der gesamten Reduzierung ausmacht. Ich lasse den ja lieber drauf, weil es für mich ordentlicher aussieht. Und weil ich sonst Angst hätte, dass sich beim Spielen und bei der Tremolonutzung das T-Shirt irgendwo verklemmt, und sich die Gitarre dadurch verstimmt, oder das Tremolo blockiert. Zum Glück hängt die Gitarre bei mir so hoch, dass ich mir über andere eingeklemmte empfindliche Körperteile kein Sorge machen müsste... ;-)

Gruß, glombi
 
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  • #16
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  • #18
Schöner Bericht 👍 👍👍 ...und sehr schön umgesetzt 👍

Dein Bericht @Tomcat entspricht auch meinen Erfahrungen. Ich spiele auch eine Warmoth Strat, die ich mit einem chambered Body bestellt habe -> als ich den Body und den Hals nach dem Auspacken in den Händen hielt, war ich erstaunt wie leicht das "pure" Holz ist (mal vom Trussroad im Hals abgesehen).

Was das endgültige Gewicht der Gitarre dann ausmachte waren eigentlich alle aus Metall bestehenden Bauteile, die in/an die Gitarre verbaut wurden. Wenn man also Gewicht sparen möchte, dann sollte man an erster Stelle an die Metallteile denken - so wie Du @Tomcat ;)

By the way: Du hast ein ABM Tremolo an einer Strat und wolltest den Stahl- gegen einen Aluminiumblock wechseln -> ABM haben eine vorzügliche Custom-Fertigung, frage da einfach das nächste mal an, bevor Du einen Alu-Block einer Fremdfirma verwendest. Evtl. fertigen sie Dir einen passenden ;)





< Off Topic On >
Was den Tremoloblock angeht habe ich deutlich andere Wahrnehmungen in Punkto Klang als Du. Die Wahl des Materials ändert für mich hörbar diesen. Ich habe in meiner Warmoth Strat das ABM Katana Tremolo drinne -> den zunächst doch eher dünnen Stahlblock habe ich schnell gegen den Standard ABM Block für dieses Tremolo aus Glockenmessing gewechselt. Die Höhen waren mit einem Schlag weicher, luftiger und präsenter. Da die Preise des ABM Custom Shop nicht hoch sind, habe ich mit denen telefoniert und die haben mir einen sehr "dicken/fetten" Block aus Glockenmessing gefertigt -> klanglich hat sich mit diesem kein größerer Sprung nach vorne ergeben, ABER (!) das Sustain der Gitarre hat einen deutlichen Sprung nach vorne getan.

O.K., meine Warmoth Strat wiegt durch diesen Tremoloblock mehr, aber was den Klang und das Sustain angeht, "wiegt" das für mich mehr.

Edit: Habe meine Strat noch nie gewogen :rolleyes: ...jetzt aber: 3,7 Kg. Das ist für mich O.K. ;)

<Off Topic Off >
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #19
Ich habe meine Vision-Strat auf 3,8 auf 2,4 Kg umgebaut:)
 
  • #20
Wow, DAS ist eine signifikante Veränderung! Auch mit Hardware-Tausch gegen Alu und Käselöcher-Ansatz?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Da fällt meine SG immer sehr positiv auf, wenn ich sie vom Wandhalter nehme... ;)
 
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