Melodien nachspielen

von dpuser, 10.12.16.

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Casio
  1. dpuser

    dpuser Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.12.16   #1
    Hallo,

    wenn ich versuche eine Melodie nachzuspielen, läuft das im wesentlichen nach 'Versuch macht kluch' aus.
    Gibt es für so etwas gezielte Übungen, oder muss man einfach weiter raten, bis es irgendwann besser wird? Hilft bei so etwas Gehörbildung, oder das eher für die Analyse notwendig?
     
  2. bebob99

    bebob99 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.12.16   #2
    Raten und spielen bis es besser wird ist gar nicht so verkehrt. Das Gehirn lernt durch Versuch und Irrtum recht gut.

    Der intellektuelle Zugang wäre natürlich, die im Stück vorkommenden Harmonien zu analysieren und dann beim Versuch schon im richtigen Akkord ansetzen. Die Kenntnis der verschiedenen Tonleitern und Akkorde vereinfacht das Raten. Nur ist das ja nicht mehr wirklich "nach Gehör", wenn Du mit "Nachspielen" meinst, dass Du das nur hörst und dazu spielen möchtest.

    Für den Anfang ist es schon hilfreich wenn Du die Grundtonart des Stücks kennst. Damit ist der Wertevorrat an Noten schon grob abgedeckt.

    Da man letztendlich genau das kann was man übt, ist vielleicht die beste Übung dafür: Hören und spielen. Es wird mit jedem Stück ein bisschen leichter.
     
  3. dpuser

    dpuser Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.12.16   #3
    Ich finde es geht bereits besser als noch vor einigen Monaten, ohne dass ich gezielt Stücke nachgespielt habe.
    Aber ich werde mir einfach ein paar einfache Lieder raussuchen und nach und nach ausbauen. Passend zur Jahreszeit wären ja Weihnachtslieder...
     
  4. oskopik

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    Erstellt: 10.12.16   #4
    Die melodie erst mal nachzusingen und sozusagen im Gehirn zu verankern und danach erst spielen könnte auch hilfreich sein.
     
  5. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 11.12.16   #5
    Gehörbildung hilft definitiv. Grundlagen in Musiktheorie ebenfalls. Wenn es um Melodien geht, solltest Du die Intervalle kennen und erkennen können. Ein bewährtes Hilfsmittel dazu besteht darin, sich die Intervalle über Liedanfänge von bekannten Liedern zu merken. Eine Sammlung (von vielen) findet sich z.B. hier:
    http://christofer-hameister.de/wordpress/musiktheorie/gehoerbildung/liedanfaenge-fuer-intervalle/

    Das ganze geht am besten durchs Singen. Wenn man ein Intervall singen kann, erkennt man es auch mit dem Gehör. Wenn Du eine Melodie singen kannst und dann bei jedem Tonschritt erkennst, welches Intervall das ist, kannst Du die Melodie recht schnell auch auf die Tasten übertragen.

    Viele Grüße,
    McCoy
     
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  6. dpuser

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    Erstellt: 11.12.16   #6
    Das mit den Liedanfängen ist eine interessante Sache! Demnach kann eigentlich (fast) jeder ein Musikintervall bestimmen, beim Singen klappt das schließlich auch!

    Auf der Wikipedia gibt es ebenfalls eine Liste, dort sind noch weitere Beispiele: https://de.wikipedia.org/wiki/Intervall_(Musik)#Merkhilfen
    Ich werde mir mal eine persönliche Songliste zusammenstellen...
     
  7. klangraumer

    klangraumer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.12.16   #7
    Mit der Methode
    hab ich eher Probleme. Zum Teil kommt man nicht ohne Versuch weiter - man gewöhnt sich aber schnell an das Versuchen und vermeidet damit das zielgerichtete Hören. Grundsätzlich bleiben ja von jedem Ton aus 88 Tasten zur Auswahl.
    Leider verleitet das Instrument zum Ausprobieren, noch bevor man sich seiner Tonvorstellung bewusst wird.
    In der Praxis sieht das dann oft so aus, dass man zuerst die Taste drückt und dann hörend korrigiert. Das macht man dann ein paar mal, bis man den Fortlauf der Melodie bei den ganzen falsch angeschlagenen Tönen verloren hat und fängt wieder von Vorne an.

    Wie kann man das Raten einschränken?
    Grundsätzlich sollte die Reihenfolge lauten:

    singen - interpretieren - spielen

    Also:
    1. die Melodie bewusst singen. Was man nicht singen kann, wird man auch nicht spielen können.
    2. für den Anfang reicht es bei einfacheren Melodien zu unterscheiden, ob die Stimme von einem Ton (den man auf dem Klavier schon gefunden hat) zu dem zu suchenden Ton höher oder tiefer wandern muss oder bei dem gleichen Ton bleiben kann. Die Stimme geht von Ton zu Ton vor, das Ohr interpretiert, was die Stimme macht und schließlich
    3. jetzt erst die Taste drücken

    Mein Tip:
    zuerst einmal die zur Verfügung stehenden Tasten auf die Stammtöne einer Tonart reduzieren. Also vor dem Anschlagen der ersten Taste wissen, in welcher Tonart Du spielen willst. Zum Beispiel C-Dur, also nur weiße Tasten. Sollte die Melodie von der Familie der Stammtöne abweichen, kann man das hören. Der Fremdling ist dann eine schwarze Taste.
    Da C-Dur für manche Lieder einfach zu hoch ist (Bsp: Stille Nacht), empfiehlt sich G-Dur oder F-dur.

    zu Punkt 2:
    der erste Ton ist in 99% der Fälle ein Ton der Tonika der gewählten Tonart. Also nicht einfach bei C anfangen, wenn man eine Melodie in C-Dur spielen möchte.
    Erst einmal den Klang des Dreiklangs anhören, in den Klang hineinsingen und sich dann für die erste Taste entscheiden.
    Wenn das Ohr erstmal die Richtung des Melodieverlaufs antizipiert kann man im nächsten Schritt bewusst zu hören versuchen, ob sich die Melodie in Schritten oder Sprüngen bewegt. Beispiel: "Drei Chinesen mit dem Kontrabass"

    hilft meiner Meinung nach auch nur für die Intervalle von Liedanfängen oder für aus dem Zusammenhang gerissene Tonabstände.
    Im Zusammenhang einer Melodie klingt eine kleine Terz ("Macht hoch die Tür") gelegentlich wie eine Durterz (obwohl es keine ist. Die Terz ist nur ein Teil des Durdreiklangs) und mal wie eine Mollterz (Greensleeves).
    Da man aber sein harmonisches Gehör während des Melodiespiels nicht ausschalten sollte - im Gegenteil - ist das Intervallhören ein sehr mühsames und mMn auch irreführendes Mittel. Da hilft es vllt, sich möglichst schnell an die Harmonisierung zu machen. Die Intervalltöne sind ja meist Teil der zugrunde liegenden Harmonie. Siehe zum Bsp. "Stille Nacht" (schwere Melodie, einfache Harmonien)

    zu Punkt 3:
    wenn man zu ungeduldig die Taste dann doch vor der Interpretation der Hörvorstellung heruntergedrückt hat, entscheidet sich die Stimme für den Klang des heruntergedrückten Tons. Wenn man das ein paarmal gemacht hat, hat man die Melodie verloren und es entstehen ganz neue Lieder. Ist ja ganz nett, aber bringt einen auch nicht weiter.....
    Ungeduld ist hier der schlechteste Ratgeber.

    Weihnachten ist die ideale Zeit zum Spielen einfacher Melodien. Ran an die Tasten.

    einfach sind zum Beispiel:
    es ist für uns eine Zeit angekommen
    alle Jahre wieder
    Lasst uns froh und munter sein
    Schneeflöckchen, Weißröckchen
    schöne Terzenübung und gut zu harmoniesieren: Ihr Kinderlein kommt
     
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  8. oskopik

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    Erstellt: 11.12.16   #8
    @klangraumer: Ganz tolle antwort. Bravo. Ich bin begeistert. Du hast es auf den Punkt gebracht!
     
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  9. dpuser

    dpuser Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.12.16   #9
    @klangraumer: da muss ich oskopik zustimmen, da sind eine menge Tipps dabei :great:

    Ich werde nachher mein 'Stille Nacht' weiter ausbauen. Ich hatte es mit C angefangen, was dann wohl auf F-Dur hinausläuft. Aber generell ist die Tonart ja egal, sofern es nicht zu komplex ist oder man mit Begleitung spielt.
     
  10. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 12.12.16   #10
    @klangraumer
    Im Prinzip gebe ich Dir in allem Recht, aber aus meiner Sicht sollte die Beschäftigung mit den Intervallen an erster Stelle stehen: Wer ein gewisses Repertoire an Kinder-, Volks-, Weihnachtliedern oder eingängigen Popsongs kennt und diese einigermaßen Singen kann, der kann und kennt die Intervalle ja schon. Er muß also nur noch lernen, diese bewußt zu unterscheiden und mit den geläufigen Namen benennen zu können. Er kann somit auf etwas aufbauen, was er im Grunde schon kann.

    Erst im zweiten Schritt kann man lernen, diese Intervalle in Bezug auf einen festen Grundton zu hören, und erst damit tritt der gesamte Fragekomplex der Harmonisierung auf.

    Verallgemeinern kann man das so aber auch nicht, denn jeder Spieler ist anders. Diese Aussagen gelten jetzt ganz speziell für einen Spieler wie dpuser, der ja schon einiger Jahre musikalische Erfahrung aufweisen kann und sich erst jetzt vor das Problem, Melodien nach dem Gehör nachzuspielen, gestellt sieht.

    Viele Grüße,
    McCoy
     
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