Mikrozensus vs. Datenschutz?!

von Jay, 17.09.07.

  1. Jay

    Jay HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 17.09.07   #1
    Hallo,

    seit heute weiß ich nun, dass es das Mikrozensus-Gesetz gibt, denn mein Haushalt ist - wie mir in einem Brief mitgeteilt wurde - einer derer, die zur "Erhebung" herangezogen werden. Was mir dabei wirklich Sorgen macht, sind die Details die da befragt werden. Ich meine, wie groß meine Wohnung ist, wieviel Leute hier leben und wie alt ich bin, meinetwegen, aber:

    - ziemlich viele Details zu meinem Arbeitsplatz
    - Einkommen (aller Art)
    - Rentenversicherung, Lebensversicherung, etc.
    - Krankheiten und Unfälle (Art und Dauer)

    :eek:

    Die zweiseitige Infobroschüre enthält jedenfalls wesentlich mehr Punkte als ich gewillt bin fremden Personen preiszugeben. Andererseits bin ich wohl laut diesem Gesetz dazu verpflichtet. Ich meine ... HALLO??? GEHTS NOCH??? :screwy:

    Kennt sich da jemand aus? Hab bisher noch nie davon gehört.

    Gruß,
    der gläserne Moderator
     
  2. De$tructeur

    De$tructeur Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.09.07   #2
    Höre hier zum ersten Mal von diesem Mikrozensus, würde aber, wenn ich in deiner Situation wäre (ohne genaueres zu wissen), die Unterlagen erstmal nicht beachten und abwarten, was noch kommt, oder mich an in einem Brief an das statistische Bundesamt wenden, die Teilnahme verweigern und mich auf mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung beziehen.

    Ne andere Möglichkeit wäre , einfach nur die Fragen zu beantworten, zu dessen Beanwortung ich bereit bin.
     
  3. madeye

    madeye Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.09.07   #3
    nur das statistische bundesamt darf dich afaik verpflichten, an einer umfrage/erhebung/usw. teilzunehmen.

    wenn du dich weigerst, kriegst du denk ich mal ne geldstrafe oder so. denke nicht, dass man wegen sowas vor gericht oder in den knast kommt. ;)

    alle angaben ohne gewähr.
     
  4. Jay

    Jay Threadersteller HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 18.09.07   #4
    Also "die Unterlagen" habe ich noch gar nicht. Was ich bekommen habe ist ein Infoschreiben sowie der Auszug aus dem Gesetz. Demnächst kommt jemand und wird mich interviewen.

    Wie gesagt, ich kannte es bis gestern auch nicht. Ich will mich dem Ganzen auch nicht völlig verweigern, nur Angaben darüber, wie ich mein Geld anlege oder welche Knochen ich mir gebrochen habe, gehen niemanden etwas an. Ich bin sicher nicht übermäßig paranoid, ich weiß nur aus Erfahrung, dass der Staat Information gegen einen verwendet, wenn er sie einmal hat. Das I-Tüpfelchen wär sowas in der Art: "Bei Ihrem Gehalt kann man sich normalerweise gar keinen Porsche leisten ... ?!" Beispiel ist willkürlich gewählt, ich habe keinen Porsche. :p
     
  5. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.09.07   #5
    Ich kenn den spuk, war aber nicht nie in der pflicht. musst du denn deine angaben in irgendeiner form belegen? ich denke doch mal nicht, du kannst also auch irgendeinen bogus verzapfen.

    Wenn du real interviewt wirst, soll das dann während deiner arbeitszeit geschehen? das wäre ja ohne ausgleich auch recht frech.

    hier sind mal die gestellten fragen, für den, den es interessiert:

    http://www.mikrozensus.com/
     
  6. Jay

    Jay Threadersteller HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 18.09.07   #6
    Nein, außerhalb.
     
  7. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.09.07   #7
    also, die kommen nicht nach acht uhr abends.....
     
  8. EISBAER

    EISBAER Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.09.07   #8
    @Jay...ich mußte das auch mal mitmachen. Einen Besuch habe ich mir verbeten. So bekam ich regelmäßig Fragebögen mit freigestempelten Rückumschlag.

    Angeblich dienen die Daten dazu, Planungen in diesem unseren Lande effektiver durchführen zu können. Ich habe nur Murks in die Fragebögen geschrieben...und das rate ich dir auch.

    Das müßen alle so gemacht haben...anders kann ich mir das Ergebnis hier nicht vorstellen.
     
  9. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.09.07   #9
    Behandelt das statistische Bundesamt die angegebenen Daten zumindest offiziell nicht auch rein statistisch? D.h., sobald du deine Angaben gemacht und verifiziert hast, wird dein Name nicht mehr verwendet? Wäre zumindest vernünftig, für eine Statistik zählt das Individuum doch sowieso nicht mehr... Aber wer weiß, wo die Daten noch durchwandern ;)
     
  10. Sticks

    Sticks Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.09.07   #10
    Gratuliere, Jay - ich wußte es schon immer:

    DU BIST EINER VON HUNDERT :D

    Wie mir aus dem engsten - ja geradezu allerengsten - Freundeskeis zugetragen wurde, besaß da doch tatsächlich jemand die Frechheit, den Zugang der Unterlagen zu bestreiten. Die Fagebögen müssen demnach wohl per gewöhnlicher Briefpost, nicht als Einschreiben/Rückschreiben versendet worden und verloren gegangen sein. :bang:

    Und getreu dem Grundsatz: wer behauptet, muß beweisen ...(vgl. § 130 BGB), konnte der Beweis des Zugangs bedauerlicherweise nicht gelingen - ts, ts, ts :D
     
  11. LostLover

    LostLover Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 20.09.07   #11
    Das erinnert mich daran, das es vor etlichen Jahren - ich glaube, Mitte der Achtziger, ich war noch jung, seufz - die gleiche Aktion schon Mal gab.

    War auch ein RIIIesen Aufstand vonwegen "Schnüffelstaat" und "was geht die das an". Demos, Protestschreiben, geifernde Zeitungen, Aufklärungsjournalismus im Fernsehen - insgesamt wesentlich mehr Action als derzeit. Klar, da bekam nach meiner Erinnerung auch JEDER einen Fragebogen.

    Ende vom Lied: die "Volkserhebung" (so hiess das damals, glaube ich) wurde durchgezogen, das statistische Bundesamt bekam die Daten und fortan hat nie wieder jemand davon gehört. Ein halbes Jahr später war die Aktion in der Öffentlichkeit vergessen.
     
  12. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 21.09.07   #12
    Mitte der Achtziger gab es die "Volkszählung" und gerade *weil* das so ein Drama war, hat man sich für das "Mikro-Zensus-System" entschieden ;) Die rechnen (nicht ganz falsch) damit, dass das Thema an der Öffentlichkeit keine all zu weiten Kreise zieht, wenn nicht jeder betroffen ist.
    (PAL-Feld...)
     
  13. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.09.07   #13
  14. LennyNero

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    Erstellt: 21.09.07   #14
    Ich wunder mich da immer wieder, wie vehement sich einige gegen den Mirkozensus wehren, oder wieviele sich 1987 gegen die Volkszaehlung aufgelehnt haben (und wie viele siche 2011 darueber echauffieren werden), aber viele genau dieser Leute bestell(t)en bei Otto, Neckermann, Amazon (etc.). Man kann davon ausgehen, das persoenliche Daten beim Statistischen Bundesamt besser aufgehoben sind. :)

    Letzten Endes sind Volkszaehlung und Mikrozensus idT zum Planen notwendig, denn die Fortschreibung der Daten mit den Meldungen aus den Einwohnermeldeaemtern sind auf Dauer nicht verlaesslich (und je laenger die letzte Erhebung her ist, desto unschaerfer ist das Ergebnis).

    1987 wurde die Volkszaehlung durch den Hype um 1984 und die im Grunde sich erst "damals" weitlaufend durchsetzene Datenverarbeitung verteufelt, ich bin gespannt welchen Hype es in vier Jahren geben wird.
     
  15. EISBAER

    EISBAER Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #15
    ..also auch besser als bei der Fa. Musik-Service?

    Sorry, aber diesem Staat traue ich schon lange nicht mehr. Stichwort Schilly, Schäuble und Konsorten.

    Auch schon die Pannen vergessen über verkaufte Festplatten bei Ebay mit sensiblen Daten?...verschwundenen Akten bei der Bundeswehr?..usw. usw.
     
  16. LennyNero

    LennyNero HCA Gitarre: Racks & MIDI Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.09.07   #16
    Ich sagte nicht optimal, nur besser.


    Btw.: auch du bist der Staat, und du wirst schon wissen wieso du ihm nicht vertraust :)
     
  17. EISBAER

    EISBAER Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #17
    Der Vergleich mit Quelle oder Neckermann ist schlichtweg Nonsens, da Quelle bei einer Sockenbestellung keine Erhebungen über Mitbewohner und Krankheiten macht, oder?

    Das mit dem "besser aufgehoben" sind Mutmaßungen, oder kannst du das hier konkret beweisen? Die Pannen hingegen konnte jeder nachlesen in seriösen Gazetten.
     
  18. LennyNero

    LennyNero HCA Gitarre: Racks & MIDI Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.09.07   #18
    Genau, da sind ein paar Fehler passiert, steinigt sie, denn wenn da ein paar Mist machen, machen das ja alle! Das Ableiten genereller Unzuverlaessigkeit aller oeffentlich-rechtlichen Einrichtungen finde ich etwas uebertrieben.

    Nochmal: ich bin da durchaus kritisch genug, und ich weiss auch, das man (wenn man die richtigen Leute kennt) auch an Informationen kommen kann, an die man nicht kommen soll. Das gibt es aber auch bei privat-wirtschaftlichen Institutionen (z.B. Banken).

    Und ohne jetzt hier konspirativ klingen zu wollen: der Transfer von Informationen in der Wirtschaft geht sicherlich problemloser, als das zwischen verschiedenen Behoerden der Fall ist (auch wenn das Schaeuble, Schily und andere Paranoiker gerne anders haetten). Speziell die Strafverfolgungsbehoerden wuenschten sich da oefter gerne besseren Zugang.

    Ich werde jetzt auch nicht behaupten, das da nicht auchmal Informationen fliessen, die rechtlich gesehen nicht fliessen duerfen, aber ich halte genauso wenig davon den Staat (unseren Staat) und alle seine Behoerden als grundsaetzlich unfaehig und unvertrauenswuerdig darzustellen.

    Interessant finde ich es dann, wenn mir Mutmaßungen unterstellt werden wenn man selbst lapidar in einem Nebensatz "Angeblich dienen die Daten dazu effektiver planen zu koennen" Unterstellungen versteckt ;)

    Als kleines Beispiel aus dem Leben: die Jungens von der Hardwaretechnik schliessen die Vertraege fuer die Telekommunikationsversorgung unserer Standorte mit einem bekannten Unternehmen ab. Interessanterweise bekommen die dann Post an die Firmenadresse (z.Hd. Herr XYZ), von verschiedenen Krankenkassen.

    Adressverkauf ist ein ertragreiches Geschaeftsfeld, und diese sind sicherlich nicht nur wg. der reinen Adresse so interessant.
     
  19. EISBAER

    EISBAER Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.09.07   #19
    ....mein Nebensatz war die Begründung damals in dem Begleitschreiben zu den Fragebögen. Er ist also nicht von mir. Zudem ist die Befragung nicht wie angegeben anonym, denn auf den Freiumschlägen ist ein Code um zu sehen, wer die Umschläge zurück schickt.

    Mutmaßungen triffst du, indem du schreibst.."die gleichen Leute, die bei Quelle usw. bestellen usw."...das sind Mutmaßungen, oder kannst du hier konkret belegen, wer hier bei Quelle kauft und gleichzeitig den MikroZensus kritisiert?

    Es sollte jedem selbst überlassen werden, was er von diesem Staat hält... und ob er die Bögen wahrheitsgemäß ausfüllt, oder sich einen Klamauk damit erlaubt.
     
  20. Jay

    Jay Threadersteller HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.09.07   #20
    Also, bevor mein Thread hier zu weit abwandert: Das Interview war vorhin, und ich musste tatsächlich viele der von mir oben angeführten, heiklen Themen nicht beantworten. Unterm Strich wars nicht so schlimm, wie das erste Schreiben implizierte. Und meine Nebeneinkünfte als Auftragskiller hab ich einfach nicht erwähnt. :rolleyes:

    Das meine Adresse verkauft wird ist wohl das geringste Problem. Die hatten "sie" ja schon, als "sie" mir den ersten Brief geschrieben haben. ;)