Mittelalter und die dazugehörigen Tonleitern

von snbrl, 05.07.07.

  1. snbrl

    snbrl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.07   #1
    Gudn Tag.

    In einer kleinen Plauderstunde mit IcePrincess bin ich gestern um einiges schlauer geworden was Musik anbelangt. Nicht nur dass ich mir für den geplanten MA-Metal von uns ein Blasinstrument für Intros etc besorgen werde, ich will die Musik komponieren, die Texte gibt es meist schon.
    Ich hab da viel gegoogled, gesucht, SuFu, hab auch ma hier und da was gefunden, doch da hat mir die gutste gestern zum Musik-Theorie-Forum geraten :)
    Folgendes:
    Ich höre ein Lied, und stecke es sofort in dieses Genre. Sei es nur, dass die Gitarre am Anfang des Liedes (ab Sekunde 30) ein kleines Intro spielt, irgendetwas ist es, und ich weiss es selber nicht genau, was mein Kopf anstellt, auf jeden Fall werf ich es sofort in diese Musikrichtung. Nun, diesen Effekt versuche ich in Tabs umzusetzen, doch es funktioniert nicht wirklich.
    IcePrincess meinte gestern, es gäbe hier eine spezielle Tonleiter, mit der ich arbeiten müsste. Könnte mir jemand so etwas notieren? Oder einen Tip geben, welche Noten ich in GP5 (das einzige was ich hier kenne, hab keine Gitarre oder Keyboard daheim :( ) verwenden müsste? Oder sind es die aufeinanderfolgenden Töne, die in einer Kombination dieses Flair erzeugen?

    Bedanke mich im Vorraus.
    Grüße aus dem Schwabenland.
     
  2. Roland Kramer

    Roland Kramer Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 05.07.07   #2
    Hab nur ganz kurz leise reinhören können (bin auf der Arbeit).

    Aufgefallen: bei dem kurzen Stück, was ich gehört habe, war die Dominante in Moll.
    => aeolisch (VI. Modus der Durtonleiter) oder dorisch (II. Modus der Durtonleiter). Unterscheiden tun die sich in der Sexte: ist sie groß, ists dorisch (dann ist die Subdominate in Dur), ist sie klein, dann aeolisch (Subdominate in Moll).

    Beispiel:
    E dorisch, Tonmaterial von D-Dur (da II.Stufe von D-Dur), zwei Kreuze, also:
    E Fis G A H Cis D E
    I. Stufe E-Moll, IV. Stufe A-Dur, V. Stufe H-Moll

    E aeolisch (aka natürliches Moll), Tonmaetrial G-Dur (da VI. Stufe von G-Dur), ein Kreuz, also:
    E Fis G A H C D E
    I. Stufe E-Moll, IV. Stufe A-Moll, V. Stufe H-Moll

    ==> Unterschied im sechsten Ton (Cis/C), Subdominante entsprechend Dur/Moll bei dorisch/lydisch.


    Hilft das weiter!?

    Grüße
    Roland
     
  3. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 05.07.07   #3
    Danke Roland! Genau da war ich mir gestern nicht mehr sicher. Ich wusste dass es eine Kirchentonart ist, nur nicht mehr welche.

    @snbrl: Ich hab's jetzt verstanden ;)
     
  4. Roland Kramer

    Roland Kramer Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 05.07.07   #4
    Freut mich, behilflich gewesen zu sein! :-)

    Für heitere Weisen kann auch lydisch sehr schön seinn (IV. Modus), von lokrisch (VII.) ist dann eher abzuraten ... :-) (Die Empfindungen bei den Skalen (inkl. Hörbeispiel auf CD) sind sehr schön beschrieben in Sikoras Jazz-Harmonielehre.)

    Und im Chor hab' ich mal "Tu Pauperum Refugium" gesungen (Josquin Deprez?)... zwei Kreuze ... war Fis Phrygisch, klingt auch jeck! Da ist dann die Kadenz auch nicht I-IV-V-I. (Ich glaub E-Moll, C-Dur, F-Dur, E-Moll)

    Grüße
    Roland
     
  5. holyman

    holyman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.07   #5
    Was du oft in solchen Stücken hast, ist auch eine "melodische Moll".
    Soll heißen: Die spielst zuerst eine ganz normale Moll-Kadenz, aber sobald du zur Dominanten wechselst, ändert sich das tonale Geschlecht aufsteigend zur Dur Tonleiter.
    die Tonfolge wäre also folgende
    aufsteigend:
    a-h-c-d-e-fis-gis-a
    absteigend:
    a-g-f-e-d-c-h-a
    Siehe z.B. "Greensleves" oder auch "House of the rising Sun".

    Es ergibt sich daraus folgende Kadenz:
    Tonika Moll
    Subdominante Moll
    Dominante Dur

    Aufsteigend nur deshalb, weil man einen Leitton erzielen will (Halbtonschritt zwischen gis und a). Absteigend gibt es aber keinen Leitton.

    Übrigens:
    Eine Kadenz kann nie nicht aus I-IV-V bestehen, da es sich um die Quintenverwandten handelt: Von der Subdominanten zur Tonika ist es aufsteigend eine Quint und von der Tonika zur Dominanten ist es aufsteigend eine Quint.
    Alles andere sind Gegenklänge oder Parallel-Töne... usw...

    Im oberen Beispiel sind dann C-Dur und F-Dur Terzverwandte der Subdominanten A-Moll.
    Wobei aber Fis Phrygisch aus der Kadenz Fis-Moll, H-Moll, Cis-Vermindert bestehen müßte, oder??? Oberes Beispiel träfe eher auf E-phrygisch zu aber bei zwei Vorzeichen wäre es dorisch...:confused:
     
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