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Mac Abre
Gesperrter Benutzer
- 03.07.26
- 10.05.24
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Einen schönen guten Tag,
da es über den Carbon8 hier noch keinen Thread gibt, fühle ich mich genötigt, etwas zu schreiben.
Der Carbon8 - gesprochen Carbonate (Engl*. to carbonate = dt. mit Kohlensäure versetzen) - ist nach Argon8 und Cobalt8 der dritte Synthesizer in der Reihe der Kleinpanzer von Modal Electronics. Wer die Geschichte von Modal etwas verfolgt hat, weiß, dass Modal kurz nach der Ankündigung des Carbon8 ein Insolvenzverfahren beantragen musste und es daher für kurze Zeit in den Sternen Stand, ob der Carbon8 jemals das Licht der Welt erblicken würde. Glücklicherweise wurde Modal genau von der Firma gekauft, die die Chips für deren Synthesizer liefert und der Carbon8 ging in Produktion.
Ich selbst besitze den Synth seit ca. einem halben Jahr und bin mehr als zufrieden.
Mit unglaublichen 56 Oszillatormodellen, von denen je zwei gleichzeitig eingesetzt werden können, kommt man auf satte 3136 verschiedene Oszillatorkombinationen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die 56 Modelle sich aus „nur“ siebzehn Algorithmen zusammensetzen, von denen die meisten vier von Modal selektierte Wellenformen besitzen. So relativiert sich die Zahl etwas, ist aber immer noch immens. Man kann also nicht mit jeder Wellenform alles machen, denn Modal hat sich die Mühe gemacht für jede Modellkategorie jene Wellen auszuwählen, die am besten mit der jeweiligen Synthese zusammenarbeiten. Außer Phase Distorsion gibt es noch Wave Folding, Oszillator Sync, PWM, Phasenmodulation (FM) usw.
Hat man sich einmal für die gewünschte Kombination entschieden, kann mit der XCore genannten Crossmodulation der Sound weiter verbogen werden. Neben Ringmodulation gibt es noch ein paar exotischere Modulatoren, deren akustische Wirkung man sich erarbeiten sollte, da sie hochinteressante Ergebnisse erzielen können.
Bei so vielen Möglichkeiten schon in der Eingangsphase der Soundprogrammierung dürfen die Filter natürlich nicht zurückstecken. 34 Filtertypen an der Zahl sind im Carbon8 vorhanden, von denen zwei morphbar und sechs Dualfilter sind. Selbstverständlich gehen die Filterparameter über einfache Cutoff und Resonanz hinaus. Es gibt einen Warp-Parameter und ein Cutoff-Scaling, das die Cutoff-Kurve beeinflusst, wobei es zwei Varianten (Relativ und Bipolar) gibt.
Drei ADSR-Hüllkurven sind vorhanden, deren Verlauf von exponentiell bis linear, von snappy bis langsam ausgewählt werden kann. Es ist also möglich, die Länge der Hüllkurven nicht nur durch die Parameter ADR zu bestimmen, sondern auch die Reaktionszeit des Envelope-Followers kann in acht Varianten ausgewählt werden. Zwei Envelopes sind Amp und Filter zugewiesen, das Ziel des dritten kann frei gewählt werden.
Auch die drei LFOs können sich mit fünfzehn zur Verfügung stehenden Formen sehenlassen.
Wobei wir bei der Modulationsmatrix wären. Zwölf Slots und 58 Ziele sprechen erst einmal für sich. Jedes Modulationsziel kann aus bis zu acht Quellen gleichzeitig gespeist werden, was ich schon als übertrieben viel empfinde. Es kann praktisch alles mit allem moduliert werden, ein LFO kann einen anderen modulieren, und der dritte LFO wiederum einen der ersten beiden oder beide gleichzeitig. Welch komplexe Wellen dabei entstehen, kann man sich vorstellen.
Die Effektsektion ist mit ihren drei Effektslots nicht übermäßig üppig aber für fast alle Anwendungen vollkommen ausreichend. Insgesamt kann aus 26 Effekten ausgewählt werden, von denen manche zwei Slots gleichzeitig belegen.
Zum Joystick. Obwohl mein erster Synthesizer ein Korg* war, den ich heute noch besitze, bevorzuge ich eigentlich die klassischen zwei Räder, hier hat Modal jedoch einen Kompromiss geschaffen. Die Position des Joysticks kann mit einer Kombination aus zwei direkt nebeneinanderliegenden Tastern gespeichert werden. Wird der Stick nun losgelassen, bewegt er sich zwar in die Mitte zurück aber die Modulation verändert sich nicht mehr, bis der „XYLock“ auf die gleiche Weise wieder gelöst wird.
Zu Gehäuse und Tastatur brauche ich wohl nicht viel zu sagen, es handelt sich, abgesehen von der Farbe, um das gleiche Gehäuse, das auch bei Argon8 und Cobalt8 verwendet wurde. Die Tastatur ist wieder die allseits beliebte Fatar TP/8S. Ja, die Potis sind etwas leichtgängig und können hin und her bewegt werden, was mir aber auch schon beim Argon8 nicht aufgefallen wäre, hätte ich es nicht im WWW gelesen. Es ist also nicht so schlimm, wie mancherorts behauptet.
Kommen wir nach all der Technik zum Klang. Dieser bewegt sich zwischen modaltypisch sanft und aggresiv-rau. Wenn man will und damit umzugehen weiß, kann man durchaus Sounds für Industrial Noise aus dem Synth kitzeln, auch wenn er dafür nicht wirklich prädestiniert ist. Eine zeitaufwändige Sweetspotsuche erübrigt sich nach meinem Dafürhalten; der Carbon8 hat eher eine „Sweetfläche“, die einen sehr großen Teil seines Klangspektrums umfasst, was wohl Modals akribischer Wellenformauswahl zu verdanken ist.
Zu Arpeggiator und Sequenzer kann ich nichts sagen, da ich sowas nie benutze.
Leider ist es mir zurzeit nicht möglich Soundbeispiele zu erstellen, da mein kleines Studio sich in einem Umbauprozess befindet und deshalb nur ein kleiner Teil meiner Gerätschaften verkabelt ist.
Ich hoffe, mein kleines Review findet Interesse. Ich freue mich auf jegliche Kommentare, Meinungen, Fragen, Kritik.
da es über den Carbon8 hier noch keinen Thread gibt, fühle ich mich genötigt, etwas zu schreiben.
Der Carbon8 - gesprochen Carbonate (Engl*. to carbonate = dt. mit Kohlensäure versetzen) - ist nach Argon8 und Cobalt8 der dritte Synthesizer in der Reihe der Kleinpanzer von Modal Electronics. Wer die Geschichte von Modal etwas verfolgt hat, weiß, dass Modal kurz nach der Ankündigung des Carbon8 ein Insolvenzverfahren beantragen musste und es daher für kurze Zeit in den Sternen Stand, ob der Carbon8 jemals das Licht der Welt erblicken würde. Glücklicherweise wurde Modal genau von der Firma gekauft, die die Chips für deren Synthesizer liefert und der Carbon8 ging in Produktion.
Ich selbst besitze den Synth seit ca. einem halben Jahr und bin mehr als zufrieden.
Mit unglaublichen 56 Oszillatormodellen, von denen je zwei gleichzeitig eingesetzt werden können, kommt man auf satte 3136 verschiedene Oszillatorkombinationen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die 56 Modelle sich aus „nur“ siebzehn Algorithmen zusammensetzen, von denen die meisten vier von Modal selektierte Wellenformen besitzen. So relativiert sich die Zahl etwas, ist aber immer noch immens. Man kann also nicht mit jeder Wellenform alles machen, denn Modal hat sich die Mühe gemacht für jede Modellkategorie jene Wellen auszuwählen, die am besten mit der jeweiligen Synthese zusammenarbeiten. Außer Phase Distorsion gibt es noch Wave Folding, Oszillator Sync, PWM, Phasenmodulation (FM) usw.
Hat man sich einmal für die gewünschte Kombination entschieden, kann mit der XCore genannten Crossmodulation der Sound weiter verbogen werden. Neben Ringmodulation gibt es noch ein paar exotischere Modulatoren, deren akustische Wirkung man sich erarbeiten sollte, da sie hochinteressante Ergebnisse erzielen können.
Bei so vielen Möglichkeiten schon in der Eingangsphase der Soundprogrammierung dürfen die Filter natürlich nicht zurückstecken. 34 Filtertypen an der Zahl sind im Carbon8 vorhanden, von denen zwei morphbar und sechs Dualfilter sind. Selbstverständlich gehen die Filterparameter über einfache Cutoff und Resonanz hinaus. Es gibt einen Warp-Parameter und ein Cutoff-Scaling, das die Cutoff-Kurve beeinflusst, wobei es zwei Varianten (Relativ und Bipolar) gibt.
Drei ADSR-Hüllkurven sind vorhanden, deren Verlauf von exponentiell bis linear, von snappy bis langsam ausgewählt werden kann. Es ist also möglich, die Länge der Hüllkurven nicht nur durch die Parameter ADR zu bestimmen, sondern auch die Reaktionszeit des Envelope-Followers kann in acht Varianten ausgewählt werden. Zwei Envelopes sind Amp und Filter zugewiesen, das Ziel des dritten kann frei gewählt werden.
Auch die drei LFOs können sich mit fünfzehn zur Verfügung stehenden Formen sehenlassen.
Wobei wir bei der Modulationsmatrix wären. Zwölf Slots und 58 Ziele sprechen erst einmal für sich. Jedes Modulationsziel kann aus bis zu acht Quellen gleichzeitig gespeist werden, was ich schon als übertrieben viel empfinde. Es kann praktisch alles mit allem moduliert werden, ein LFO kann einen anderen modulieren, und der dritte LFO wiederum einen der ersten beiden oder beide gleichzeitig. Welch komplexe Wellen dabei entstehen, kann man sich vorstellen.
Die Effektsektion ist mit ihren drei Effektslots nicht übermäßig üppig aber für fast alle Anwendungen vollkommen ausreichend. Insgesamt kann aus 26 Effekten ausgewählt werden, von denen manche zwei Slots gleichzeitig belegen.
Zum Joystick. Obwohl mein erster Synthesizer ein Korg* war, den ich heute noch besitze, bevorzuge ich eigentlich die klassischen zwei Räder, hier hat Modal jedoch einen Kompromiss geschaffen. Die Position des Joysticks kann mit einer Kombination aus zwei direkt nebeneinanderliegenden Tastern gespeichert werden. Wird der Stick nun losgelassen, bewegt er sich zwar in die Mitte zurück aber die Modulation verändert sich nicht mehr, bis der „XYLock“ auf die gleiche Weise wieder gelöst wird.
Zu Gehäuse und Tastatur brauche ich wohl nicht viel zu sagen, es handelt sich, abgesehen von der Farbe, um das gleiche Gehäuse, das auch bei Argon8 und Cobalt8 verwendet wurde. Die Tastatur ist wieder die allseits beliebte Fatar TP/8S. Ja, die Potis sind etwas leichtgängig und können hin und her bewegt werden, was mir aber auch schon beim Argon8 nicht aufgefallen wäre, hätte ich es nicht im WWW gelesen. Es ist also nicht so schlimm, wie mancherorts behauptet.
Kommen wir nach all der Technik zum Klang. Dieser bewegt sich zwischen modaltypisch sanft und aggresiv-rau. Wenn man will und damit umzugehen weiß, kann man durchaus Sounds für Industrial Noise aus dem Synth kitzeln, auch wenn er dafür nicht wirklich prädestiniert ist. Eine zeitaufwändige Sweetspotsuche erübrigt sich nach meinem Dafürhalten; der Carbon8 hat eher eine „Sweetfläche“, die einen sehr großen Teil seines Klangspektrums umfasst, was wohl Modals akribischer Wellenformauswahl zu verdanken ist.
Zu Arpeggiator und Sequenzer kann ich nichts sagen, da ich sowas nie benutze.
Leider ist es mir zurzeit nicht möglich Soundbeispiele zu erstellen, da mein kleines Studio sich in einem Umbauprozess befindet und deshalb nur ein kleiner Teil meiner Gerätschaften verkabelt ist.
Ich hoffe, mein kleines Review findet Interesse. Ich freue mich auf jegliche Kommentare, Meinungen, Fragen, Kritik.
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