Mugabe, Simbabwe und der Wahlbetrug

von SkaRnickel, 20.06.08.

  1. SkaRnickel

    SkaRnickel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.06.08   #1
    Hi,

    einigermaßen erstaunt habe ich festgestellt, dass es hier zu diesem Thema noch keinen Thread gibt(?).

    Die Opposition wird unterdrückt, Anhänger verhaftet und getötet, die Bevölkerung eingeschüchtert. Die Wahlen sind eine einzige Farce, sie abzuschaffen wäre der Regierung wohl wesentlich einfacher gekommen, als das hier abzuziehen.

    Das öffentliche Interesse an dieser Geschichte pendelt gegen 0. Zeitgleich wedelt lieber jeder mit Tibet Flaggen, da geriet Simbabwe wohl ins hintertreffen. Mittlerweile wird ein Eingriff von aussen gefordert, welcher, meiner Meinung nach, ziemlich sinnvoll wäre. Ein Krieg sollte zwar nie die letzte Lösung sein, aber dieses Land hat eine Befreiung von aussen doch mindestens genauso nötig wie Afghanistan und Irak.

    Wie seht ihr die Sache? Wie erklärt ihr euch das mangelnde Interesse und Engagement?
     
  2. void

    void Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.06.08   #2
    Naja vor allem weil im Nachbarland Südafrika ein guter Freudn des Herrn Mugabe sitzt, der wohl eher an seinem Machterhalt interessiert ist, als an einem demokratisch geführten Staat
     
  3. BenChnobli

    BenChnobli Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 21.06.08   #3
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der internationalen gemeinschaft naiv genug war, daran zu glauben, dass sich Robert Mugabe durch einfache "wahlen" von seinem thron schubsen lässt. Auch Morgan Tsvangirai nicht, der immerhin billigend in kauf nimmt, dass seine anhänger im verlauf dieser nachwahlen reihenweise abgemurkst werden. Auch kein edler rettungsengel, würde ich mir zutrauen, zu orakeln :(
    Immerhin: Mugabe verliert immer mehr an boden und kann sich wohl wirklich bald nur noch auf gott berufen.

    Mir tun die einfachen leute da leid...

    Gruss, Ben
     
  4. Rockabillybass

    Rockabillybass Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.06.08   #4
    Simbabwe hat kein ÖL und keine Massenvernichtungswaffen. Da es kein Öl hat, lohnt es sich auch nicht ihnen Massenvernichtungswaffen unter zu schieben.
    LG RBB
     
  5. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 21.06.08   #5
    Es ist ja ziemlich unumstritten, dass Robert Mugabe zum Teufel gejagt werden müsste. Doch wer soll das tun? Wäre hier jemand bereit zu befürworten, dass es die Bundeswehr tun soll?

    Das eigentliche Problem ist, dass mit der gleichen Dringlichkeit mindestens noch 20 andere Diktatoren zum Teufel gejagt werden müssten. Wie wär's mit General Than Shwe.

    Hier noch ein paar Kandidaten - mal nur aus Afrika: http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,27865,00.html

    Wer soll's tun? Wer soll dafür sterben?
     
  6. void

    void Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.06.08   #6
    wenn es ein von der uno legitimierter einsatz wäre, wäre ich dafür. natürlich nciht nur bundeswehr, aber dann könnten wir uns da nicht raushalten.
     
  7. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 21.06.08   #7
    Ich auch!

    Natürlich ist aber klar, dass man den Tibetern so nicht helfen könnte :o

    Den Tschetschenen auch nicht und nicht dem Irak...

    Die UNO scheitert vor der Menge der Probleme und davor, dass starke Länder hinter den Kulissen natürlich Agreements treffen.... zB Russen zu den Amis: "Wenn ihr uns ein bisschen die Tschetschenen massakrieren lasst, dann halten wir in Bezug auf den Irak die Klappe" - oder so ähnlich.

    Es sind nicht relativ vernünftige Länder wie die Kanada, Schweiz, Schweden oder auch Deutschland die, die bei der UNO was zu sagen haben.
     
  8. void

    void Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.06.08   #8
    Wenn es möglich wäre diesen Ländern so zu helfen ohne dabei noch mehr Schaden anzurichten, bis hin zu einem nächsten Weltkrieg, dann wäre ich da auch dafür. Es ist natürlich nciht gerecht, aber deswegen den Ländern nicht helfen, bei denen es möglich ist, wäre ja auch unsinnig
     
  9. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 21.06.08   #9
    tja, wenn man das immer wüsste. In der Regel führt der Sturz eines Diktators dazu, dass nach ihm ein starker Mann der Oposition Staatschef wird - idR auch Chef eines starken Clans... und der ganze Scheiß geht von vorne los.

    Dann sterben Soldaten, nur um ein Schwein durch ein anderes zu ersetzen :(
     
  10. SkaRnickel

    SkaRnickel Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.06.08   #10
    Die Opposition verzichtet auf eine Teilnahme bei der Stichwahl. Im Grundtenor heisst es "Wir haben eh keine Chance, und erhoffen uns auf diesem Weg mehr aufsehen".
     
  11. Cadfael

    Cadfael HCA Bass Hintergrundwissen HCA HFU

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    Erstellt: 23.06.08   #11
    Schade, dass der CIA überhaupt keine Übung darin hat unliebsame Machthaber zu stürzen. :rolleyes:
    Zumindest nicht, ohne Zustimmung von großen US-Wirtschaftskonzernen. Und die haben kein Interesse an einem Machtwechsel in Kenia ...

    Gruß
    Andreas
     
  12. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 23.06.08   #12
    Ein typisches Beispiel ist Idi Amin. Sein Vorgänger war ein schlimmer Diktator, aber Idi Amin war noch schlimmer.

    Bei Ahmad Hasan al-Bakr und Saddam Hussein war es ähnlich und ich würde sicher noch viele Beispiele finden.

    Es ist nicht damit getan, so einen Mistkerl von einem Geheimdienst liquidieren zu lassen - mal abgesehen davon, dass das auch für realexistierende James Bonds höchst lebensgefährlich ist.

    So etwas kann auch nicht ein Staat tun. Und mit der UNO ist das auch so eine Sache. Jeder von diesen Mistkerlen hat andere Mistkerle als Freunde, die dann irgendwie wieder ein mächtiges Land zum Verbündeten haben.
     
  13. oldboy

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    Erstellt: 23.06.08   #13
    Kleine Korrektur: Der Grundtenor heisst eher "Wir haben keinen Bock mehr, uns verprügeln oder gar umbringen zu lassen und ziehen zurück".
     
  14. SkaRnickel

    SkaRnickel Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.08   #14
    Ok, das wäre dann der inoffizielle Grundtenor
     
  15. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.08   #15
    Bevor man irgend etwas in Sachen diplomatische und/oder militärische Zwangsdemokratisierung lostritt, sollte man eventuell folgendes in Betracht ziehen, nämlich das eine Demokratisierung ein Long-Term Prozess ist und begleitet werden will und muss. Kurz gesagt: Wer kann und will sich Jahrzehnte um ein Land kümmern, nachdem es demokratisiert wurde? Afghanistan, Irak..... einmarschieren, rumballern, was dann? So legt niemand einen guten Boden für Demokratie.

    Frei nach Charlie Wilson: ...and then we fucked up the endgame.
     
  16. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 23.06.08   #16
    Das ist eine wirklich gute Frage, auf die es keine Antwort gibt.

    Vielleicht zum Einfühlen in die tatsächlichen menschlichen Tragödien, die ein korrupter Machthaber wie Mugabe produziert ein Bericht des Stern, den ich vor ein paar Monaten gelesen habe und der mich völlig ratlos ließ, was man mit einem solchen Land denn machen soll: http://www.stern.de/politik/ausland/:Washington-Mabada-Dann-Heute/591961.html
     
  17. ForesterStudio

    ForesterStudio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.08   #17
    Ich kann mir nur schwer vorstellen dass es für die Amerikaner ein Problem darstellt den netten Demokraten Mugabe innerhalb von 24 Stunden unter die Erde zu bringen..

    Aber da war wohl kein Wirtschaftlicher Profit in Sicht :(

    Wahrscheinlich würde es ohnehin nichts nützen, ich bin aber immer noch der Meinung dass es für bestimmte Menschen wie zb Diktatoren nur eine Lösung gibt...
    Die Geheimdienste in Amerika haben doch genug Institutionen die nur für die schnelle und unauffällige Ermordung von Personen da sind - wieso setzen sie sie denn nicht mal sinnvoll ein anstatt irgendwelche Kriebstreiber mit Waffen zu beliefern?

    edit:
    Einen Krieg halte ich für die falscheste Lösung überhaupt, nicht nur generell sondern besonders in dem Fall.
    Selbstmordattentäter gäbe es da zwar wahrscheinlich nicht, aber die Bevölkerung wird am meisten unter einem Krieg leiden.
    (Gut, durch die "Strafaktionen" im Moment leiden sie zwar auch aber irgendwas muss man ja tun..)
     
  18. Spieleinlied

    Spieleinlied Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.08   #18
    Ja und was dann? Abziehen und zuschauen wie sie sich die Köpfe einschlagen?
    Meiner Meinung nach gibt es keine Lösung für Diktaturen ausser die Militärische aber macht meist noch mehr kaputt als es hilft. Bei den Deutschen hats geklappt mit der Demokratie aber das wirst du in einem rückständigen afrikanischen Land nicht so ohne weiteres installieren können. Und bevor jetzt jemand motzen tut mit rückständig mein ich nur das Afrika im Vergleich zu Europa wohl noch min 100 -200 Jahre aufzuholen hat. Vor 200 Jahren war ja auch Europa das reinste Demokratische Paradies:rolleyes:.
     
  19. ForesterStudio

    ForesterStudio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.08   #19
    Wie abziehen, ich will so einen a la James Bond :D
    Naja, wie du sagst, ein Krieg hilft noch weniger...
    Diktaturen stützen sich doch immer auf eine "starke Persönlichkeit", ein toter Mugabe wurde auf jeden Fall alles durcheinanderbringen.
    Ob dann nicht die Geheimdienste und Militärs weitermachen, müsste man abwarten..
    Denkbar ist es, aber besser als rumsitzen und abwarten ist der Versuch (imho).

    Hier hilft auf jeden Fall KEIN demokratisches Mittel, kein diplomatisches - dafür ist Mugabe zu weit gegangen.

    Der von Johannes verlinkte Artikel hat mir echt den Tag verdorben.
    Sind ja Aktionen wie im 3. Reich.. Fehlt nur noch das systematische.. :(
     
  20. BenChnobli

    BenChnobli Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 23.06.08   #20
    Nein, demokratische mittel helfen nicht. Wenn eine gruppe von leuten (z.B. ein volk) nicht demokratisch geführt wird, hat diese gruppe auch keine demokratischen mittel (aka wahlen) zur verfügung, sondern muss sich anderer mittel bedienen, um ihre führer zu ersetzen, falls sie das denn will. Und CIA, James Bonds oder gar armeen bringen auch nichts. Totschiesser gibt es überall auf der welt genügend, die braucht niemand zu exportieren. Und gebracht hat so ein krieg mMn auch noch nie was, ausser verlusten.

    Ich glaube auch nicht, dass eine demokratie westlicher provenienz sich einfach als 0815-bestlösung jeder möglichen gruppe leute aufzwingen lässt. Nur weil sie in teilen Europas und der angelsächsischen welt einigermassen funktioniert (und sonst eigentlich nirgends wirklich, wenn ich mich nicht irre), bedeutet das noch lange nicht, dass sich leute nicht auch auf ganz andere art und weise vernünftig organisieren könnten, vorausgesetzt, sie tun das aus freiem willen und verstehen sehr genau, was sie da tun und welche konsequenzen dieses tun haben kann.

    Im grunde kann mMn unsere hilfe nur in der vermittlung einer sehr guten ausbildung der leute vor ort liegen. Wissen ist macht, nicht bleikugeln. Wenn schon kampf, dann kampf dem analphabetismus, dem unwissen und der propaganda. Sobald eine grosse anzahl leute da sind, die über genügend wissen und vernunft verfügen, dann können die auch sehr gut selbst entscheiden, wie sie sich organisieren wollen und auf welche weise sie es zu erreichen versuchen. Wenn die sich dann für eine demokratie entscheiden, ist das OK und wenn es ein diktator oder was ganz neues sein soll, dann ist auch das legitim, weil es ja eine entscheidung ist, die aus freiem willen und mit genügend grundlagenwissen gefällt wurde.

    Ist mir schon klar, dass sowas zeit, geduld und Engagement braucht. Dauert wohl etwa die gleichen mindestens 50 jahre, die es braucht, um irgendeinen, der uns nicht passt, in cowboymanier totzuballern und dann zu versuchen, mit viel geld von anderen leuten (UNO) und nochmehr herumballern die von uns selbst verursachten scherben wieder zu kitten.

    Nichts für ungut
    Gruss, Ben