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Ettore Bastianini
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Guten Morgen!

Ich hab ne kurze Frage an die Erfahreneren von euch:

Gibt es für den Prozess des "Öffnens" im Hals, um in der Mixstimme höher singen zu können, spezielle Übungen, die die Sache begünstigen?

Ich hab mich kürzlich von meiner letzten GL getrennt und fange Anfang September bei einer neuen an, mit der ich mich jetzt schon besser verstehe :)


Aber vllt könnt ihr mir ja bis dahin helfen, zumindest auf die "Öffnung" hinzuarbeiten.

Es geht eben um das weithin bekannte Problem, dass Mann (roundabout Tenor) irgendwo bis ca. c' brustlastig voll singen kann, dann kommt die Mixstimme - und dann (zu) schnell die Kopfstimme.
Ja, das richtig auszufeilen dauert Jahre, das ist mir durchaus bewusst ;-)


Aber ich merke, dass ich irgendwo im Hals eine Art Barriere habe, die ich mich nicht zu nehmen traue. Das ist die, die den Hals in 9/10 Fällen eng macht, wenn ich ein f' mit Verve singen will. Es kommt zwar raus, aber zu kopfig.

Gibt es da vllt irgendeine ganz banale Hilfe, die womöglich auch auf mentaler Ebene hilft, die Kopf- und Bruststimme sinnvoll zu verknüpfen?


Ab Anfang September hab ich da wieder regelmäßigen Support, aber es mag ja sein, dass jemand hier nen heißen Tipp hat?!


Beste Grüße!
 
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Aber ich merke, dass ich irgendwo im Hals eine Art Barriere habe, die ich mich nicht zu nehmen traue. Das ist die, die den Hals in 9/10 Fällen eng macht, wenn ich ein f' mit Verve singen will. Es kommt zwar raus, aber zu kopfig.

Gibt es da vllt irgendeine ganz banale Hilfe, die womöglich auch auf mentaler Ebene hilft, die Kopf- und Bruststimme sinnvoll zu verknüpfen?

Ob der Tip heiß ist, weiß ich nicht, aber so rein vom Kopf her -- genau der Passus "mit Verve singen will" dürfte das Problem sein (ich nehme an, Du verbindest Verve durchaus auch mit laut). Ich habe anfangs oft (und heute noch manchmal) die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich so "leise vor mich hin" gesungen habe, mitunter lauter war, als wenn ich einen Ton besonders laut singen wollte. Laß einfach fließen, und bau die Stütze vor dem Ton auf. Die "Verve" kriegste dann geschenkt ;) Wenn man um sich rum eine Mauer von Wollen aufbaut, geht halt der Schwung flöten...

Ach ja, und das ist ein hoher Ton, gell? Denk Dir den nach unten :)

Es gibt eine äußerst banale Hilfe, aber das müsste man vor Ort mit zeigen und schauen erklären, das mag ich über's Internet gar ned machen :)
 
Guten Abend!

Danke für deinen Tipp :)
Ich denke, genau das ist es.

Wenn ich manchmal so vor mich hinsinge, kann ich mit dem Anknipsen der Resonanzräume im Kopf auch immer wieder mehr Strahlkraft finden.
Und ich glaube auch, es ist genau so, wie du sagt: "Mit viel Energie singen" bedeutet nicht, dass auch viel vorne rauskommt ;-)

Vor dem Ton stützen ... das klingt gut. Werd ich bei der nächsten Stunde mal ansprechen.
Aber ich denke, wenn die neue GL 10 Jahre Lehrerfahrung hat, soll die mir wohl was Passendes sagen können :)


Dankeschön schonmal!
 
Aber ich merke, dass ich irgendwo im Hals eine Art Barriere habe, die ich mich nicht zu nehmen traue. Das ist die, die den Hals in 9/10 Fällen eng macht, wenn ich ein f' mit Verve singen will. Es kommt zwar raus, aber zu kopfig.

Wenn ich deine bildliche Erklärung richtig deute, kann ich dazu nur sagen: Willkommen in der Kopfstimme! ;)


Ungefähr um f' beginnt auch bei Tenören der Bereich, in dem in die Kopfstimme gewechselt werden muss. Die zeichnet sich vom Gefühl her dadurch aus, dass der Klang vornehmlich im Berecih der Maske/Stirn/Nasenwurzel resoniert. In der Bruststimme ist die Resonanz eher im Bereich Pharynx/Kehlkopf/Brust.

Da man es vom Sprechen und auch vom Singen in der Bruststimme gewohnt ist, dass der Klang stark im unteren Pharynx und um den Kehlkopf herum resoniert, kommt einem die Kopfstimme erstmal so vor, als wäre dieser Bereich irgendwie "blockiert" und die "Verbindung" zu der Resonanz oben im Kopf fehlt. Die Kopfstimme zu "erlernen" hat für Männer viel damit zu tun, sich an eine Resonanzsituation zu gewöhnen, die im Alltag quasi nicht vor kommt.

Erstmal geht es also darum sich an diese Art von Stimmsitz zu gewöhnen, die dem Falsett sehr ähnlich ist, und ganz anders als in der Bruststimme. Dabei ist es völlig normal, dass der Ton vom klanglichen Aspekt her erstmal "zu kopfig" ist. Mach dir darum erstmal keine Gedanken und versuche lieber deine Bruststimme sauber mit der Kopfstimme zu verbinden, auch wenn sie dir noch "zu kopfig" vorkommt.

Das Ausgleichen dieses Klangunterschiedes der zu kopfigen Kopfstimme im Vergleich zur Bruststimme dauert in der Tat Jahre und man legt sich nur Steine dadurch in den Weg, dass man meint, man müsste das erreichen, indem man die Bruststimme irgendwie da hoch beommt (womöglich noch mit Kraft oder "Atempower"). Das Ziel ist nämlich vielmehr, die Kopfstimme nach unten zu bekommen und gleichzeitig so zu stärken, dass sie der Bruststimme in Sachen Power und Timbre in nichts nachsteht.

Zum Erlangen der Höhe in der Klassik kenne ich zwei Methoden, die relativ gut funktionieren sollen, beide sind vom Prinzip her "Top-Down"-Ansätze (von der Kopfstimme ausgehend). Von "Bottom-Up"-Ansätzen bin ich persönlich nicht überzeugt.

1. Falsetto-Slides: Dabei ist das Prinzip, dass man auf einem hohen Ton im Falsett ansetzt (z.B. d'') und dann so weit wie möglich in einem Glissandi runtergeht (bis zum e sollte man es auf jeden Fall schaffen). Dabei ist wichtig, dass man bis da unten hin das Falsett benutzt und eben nicht in die Bruststimme wechselt. Dann versucht man diesen Stimmsitz auf den niedrigen Tönen zu erhalten, aber stattdessen die Bruststimme zu benutzen, mit dem gleichen Stimmsitz, den man vorher im Falsett hatte.

Eine nützliche Beschreibung der Technik findest du, wenn du bei YT nach dem Gesangslehrer "Grant King" suchst. Er hat ein 3-Schritte-Tutorial, in dem er genau diesen Ansatz mit ein paar Übungen demonstriert. Seine eigenen Töne oberhalb von g' klingen immer noch sehr kopfig (aber sehr kraftvoll), allerdings muss man auch sagen, dass er ein Bariton ist (womöglich sogar ein tiefer) und diese metallischen tenorartigen Töne oberhalb von g' wahrscheinlich nicht erreichen kann.

2. Die zweite Methode kommt vor allem über den Stimmlippenschluss und lässt das Falsett außen vor. Diese Methode funktioniert eigentlich nur, wenn du auch wirklich ein Tenor bist. Als Bariton wird der Klang der dabei entsteht zu schneidend sein für klassischen Gesang. Grundlage dafür ist, direkt in den bei CVT so genannten "Edge"-Modus zu gehen (= kopfstimmiges Belting). Ein kopfstimmiger Belt ist nämlich eigentlich gar nicht so schwer zu erreichen (genaugenommen ist er Verwand mit dem intuitiven Schreien). Es ist aber irre schwer eine klassische Klangformung auf einem kopfigen Belt zu erreichen (deshalb dauert es auch Jahre das zu entwickeln als Klassiker).

Deshalb geht man bei dieser Methode zuerst in einen "natürlichen" kopfstimmigen Belt und versucht dann erst nach und nach die klassische Klangformung reinzubringen. Den kopfigen Belt erreicht man zunächst mal durch starken Twang. Das heißt, du nimmst dir erstmal den Ton raus, den du üben willst (ein g' eignet sich meist gut). Dann singst du diesen Ton an auf einem "quäk" "quäk" wie eine Ente. Wichtig dabei ist, dass du den Mund nur nach unten öffnest, nicht zur Seite. Der Ton muss richtig quäkig und penetrant sein, und nicht so viel Atemdruck benutzen.

Starker Twang erzeugt normalerweise ein gewisses Kompressionsgefühl im Bereich der oberen Pharynx, da wo der Zungenrücken an den oberen Backenzähnen anliegt. Wenn du den Ton auf dem Entenquaken stabil ansignen und halten kannst, versuchst du während du den Ton hältst ganz langsam und kontrolliert den Kehlkopf abzusenken, aber ohne, dass du dieses Kompressionsgefühl verlierst. Dadurch geht die Klangformung immer mehr in Richtung Klassik, gleichzeitig wird es aber auch schwieriger den Ton zu halten. Das ist natürlich Übungssache. Beim ersten mal wirst du wahrscheinlich noch nicht ganz auf die klassische Klangformung hinkommen, sondern es wird noch zu quäkig sein.

Du kannst die gleiche Übung auch auf tieferen Tönen benutzen oder Slides machen, genau wie bei den Falsett-Übungen. Wichtig ist aber natürlich, dass du hinterher in der Lage bist, die Töne auch direkt in der klassischen Klangformung anzusingen. Der starke Twang ist dabei nur ein Hilfsmittel.


Welche der Methoden du oder deine GL auch benutzt, es wird auf jeden Fall so sein, dass deine Höhen erstmal zu kopfig (methode 1) oder zu quäkig (methode 2) klingen. Das ist völlig normal und erfordert eine ganze Weile intensives Training bis es besser wird. Zitat Pavarotti: "Es dauert 10 Jahre, um so einen Sound zu entwickeln". Pavarotti selbst hat in seiner frühen Karriere auch sehr kopflastig gesungen und erst später die Fähigkeit entwickelt ein "dramatischer" Tenor zu sein.
 
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Bezüglich Kopf- und Bruststimme möchte ich da jetzt nicht gross was sagen, da das bei uns Frauen etwas anders ist (als Sopran singe ich eh in der Kopfstimme und mische erst ganz unten etwas Bruststimme dazu) und ich von Männerstimmen nicht viel weiss.

Gibt es für den Prozess des "Öffnens" im Hals, um in der Mixstimme höher singen zu können, spezielle Übungen, die die Sache begünstigen?

Falls du, wie von moniaqua beschrieben, zu sehr versuchst laut und mit Druck zu singen, dadurch aber nur "flach/eindimensional" wirst, kein Volumen hast, könntest du aber vielleicht mal Folgendes versuchen: bei Übungen in der Mittellage(!), diese mit kleiner Mundöffnung aber gleichzeitig hinten im Hals sehr weit singen, so cuperto-mässig halt, so ist es relativ einfach, dem Ton mehr Volumen zu geben und zumindest mal ein Gefühl für hintere Weite zu bekommen. Zudem ist das gesund, da du den Druck von der Kehle nimmst. (Ich nehme jetzt mal an, das alles funktioniert bei euch Männern auch).

Um die hintere Weite einzustellen, gibt es unzählige Bilder und Hilfsmittel: Gähnstellung (erster Teil des Gähnvorganges), die klassische "heisse Kartoffel", staunen, eingebildet sein, Kuppel anheben, leiser Grunzton vor Singbeginn etc. Jeder muss für sich herausfinden was hilft.
Bei mir z.B. war es so, dass meine frühere GL immer nur von der Kuppel gesprochen hat und damit meinte, ich solle den weichen Gaumen anheben. Das hat bei mir zu einer ganz massiven Verkrampfung geführt und war total kontraproduktiv. Meine heutige GL hat dann gesagt, ich solle mal den weichen Gaumen komplett ausser Acht lassen und nur an die tiefe Kehle denken. Da ist bei mir der Knoten geplatzt und es ging plötzlich wieder vorwärts. Hängt ja alles miteinander zusammen, wichtig ist einfach, dass man den für sich passenden Einstieg findet, resp. einen GL hat, der einem dabei hilft ihn zu finden.

Laß einfach fließen, und bau die Stütze vor dem Ton auf.

Das, würde ich auch sagen, kommt dann noch dazu. Und zwar egal auf welcher Höhe du singst. Zuerst muss die Stütze stehen, eine Körperverbindung da sein, dann erst soll der Ton kommen. Zwar kann man zu Übungszwecken, v.a wenn man etwas zum überstützen tendiert, ab und zu auch mal ungestützt beginnen (sofern es nicht zu hoch ist), aber in der "Endfassung" dann natürlich nicht mehr. Weil öffnen bedeutet ja nicht nur ein weiter Hals, sondern auch ein weiter Brustkorb!

Und was auch wichtig ist: hohe Töne frühzeitig vorbereiten! Nicht erst auf den hohen Ton hin öffnen, sondern schon Takte vorher mit allen Einstellungen (Öffnung, Körperunterstützung) für die Höhe singen. So dass der hohe Ton sozusagen als Gratiszugabe kommt, resp. du gar nicht merkst, dass du soeben was wirklich Hohes gesungen hast.
 
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Was mir hilft:
Mund weeeeeiiit öffnen (für den Anfang. Das hilft den nötigen Raum zu schaffen um die genannte Grenze etwas nach oben zu verschieben.
Soll natürlich auch nicht krampfen oder mit Gewalt passieren, aber schon ordentlich, Kiefer kann ruhig aus den Gelenkpfannen raus. )
Ton nach hinten denken. (Hintere Weite, verschlanken )
Fokus nach vorne trotzdem nicht verlieren. (Stimmbandschluss. Da hilft mir vor allem mit dem Klang etwas zu spielen. )
Und wie schon gesagt wurde, nicht mit Druck gegen die Barriere ansingen/drücken, sondern die Barriere aus dem Weg schaffen oder ihr ausweichen. Auch dafür finde ich ein erstmal zufälliges rumspielen mit dem Klang, Fokus, Einstellunge, Mundöffnung etc. sehr hilfreich. Die Sängerbäckchen/ inneres Lächeln können auch helfen.
Und auch wie gesagt wurde die Resonanzverschiebung in den Kopf zulassen und versuchen den Klang ebenda kräftiger zu machen, nicht die Brustresonanz zurückholen wollen.
 
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Guten Abend!

Vielen Dank euch allen für die ausführlichen Tipps und eure sachkundige Hilfe :)

Es ist tatsächlich nicht so, dass ich ein "Mit Druck Singer" wäre, sondern dass ich eben immer DACHTE, Schmackes für die Höhe zu brauchen. Wegen der Barriere ;-)

Aber interessanterweise funktioniert es wunderbar, sich den Ton nach unten zu denken, den Kopf nicht zu heben, wenn es hoch geht, sondern nur den Mund etwas weiter zu öffnen ...
Das hat jetzt zwei Einheiten gedauert, aber es beginnt langsam, sich selbstverständlich anzufühlen.

Ich vertrete mit meiner neuen GL auch den Ansatz, dass man die Kopfstimme runterholen muss - und nicht die Bruststimme rauf.
Das Zweitere wäre ja auch eher eine Sache, bei der man mit zu viel Druck arbeiten könnte.

Wie moni es im ersten Post geschrieben hat, funktioniert es interessanterweise wirklich gut, mit Maskenresonanz auch mit ganz wenig "Arbeit" (bzw. Luftdruck) laut zu singen.
Bei meiner letzten GL hatten wir damit schon begonnen, das richtig anzufassen.

Mich persönlich stört der Klang der Kopfstimme auch nicht SO sehr, er ist eben noch ungewohnt und (der kurzen Übungszeit wegen) zu kopfig.
In ein paar Jahren wird sich das aber geändert haben - und wenn die 10 Jahre voll sind, dann sollte alles eingespielt funktionieren - wenn Big P das schon sagt XP


Grüße und vielen Dank euch!
 

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