No Flame: Tonart bestimmen

von ArnoK, 23.04.08.

  1. ArnoK

    ArnoK Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.04.08   #1
    Tach zusammen.

    Heute nacht, 2:00 Uhr am 23.04.2008 habe ich in diesem Forum versucht Antwort auf eine Frage zu gekommen, die mich in den letzten zwei Wochen umgetrieben hat:

    Wie erkenne ich die Tonart eines Musikstückes?

    Um es gleich vorweg zu sagen: Ich will hier nicht die Diskussion aus dem anderen Thread wieder anfachen oder aufgreifen, sondern suche wirklich nach einer Antwort.

    Ein Link auf eine Seite, auf der ich einen Hinweis finde wie ich mich der Antwort nähere, hilft mir schon weiter.

    Die Frage ist ernst gemeint. Auf vielen Gitarren-Lehrseiten steht: "Such Dir ein Stück in G-Dur und übe Tonleiter/Licks/Beats .... daran.


    Abschließend: Ich habe - nach 30 Jahren - wieder angefangen Gitarre zu spielen. Durch Zufall bin ich vor zwei Wochen in Youtube auf "Guitar Lesson: How to play Back in Black - Solo" gestossen. Was soll ich sagen: Pliiiinnnng. Die Lehrminute hatte gesessen und ich bin in den Keller, habe meine Akustik-Gitarre aus dem Staub gezogen, meine 63er-Framus auseinandergebaut (um sie zu restaurieren) und mir eins geschworen: Nie wieder "Ei äm liieewing onse Schettpläin" zu spielen. Dieses Stück ... und alles von Peter Bursch hat mir das Gitarrespielen damals vergrätzt (Sorry, Herr Bursch, ist gar nicht Ihre Schuld).

    Alles Alternative habe ich mir - nein, nicht AC/DC - sondern "Theorie" verordnet. Heute, zwei Wochen später sind meine Fingerkuppen wieder verhornt, habe ich das erste mal nach einem Metronom gespielt und weiß jetzt, was ein Arpeggio ist und Intervalle sind ;-)

    Bene, ich freue mich auf Eure Hilfe.

    Nur das Beste aus der Münchner Nacht,

    Arno
     
  2. bassoo

    bassoo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.04.08   #2
    Die Antwort hängt davon ab, was du von dem Musikstück hast:
    1. Hast du Noten (oder zumindest eine Akkordfolge) von dem Stück?
    2. Oder hast du nur eine Aufnahme (von Youtube oder CD...)? Dann musst du die Tonart nach dem Gehör bestimmen, was schon etwas schwieriger ist.

    Nachtrag: jetzt habe ich (im Nachhinein) erst die Bedeutung von "No flame" kapiert. Ich hatte erst gedacht, es handele sich um einen Songtitel ;-)
     
  3. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 23.04.08   #3
    Nein, die Tonart ist unabhängig von der Art und Weise, wie das Stück vorliegt. Ob ein Stück als Noten oder als Aufnahme vorliegt ist egal, es bleibt immer die gleiche Tonart. Lediglich die Analysetechnik unterscheidet sich, aber nicht die Antwort auf die Frage nach der Tonart.

    Eine Tonart kann man nur dann bestimmen, wenn das Stück "tonal" ist, also den Gesetzen der Dur-/Moll-Tonalität folgt. Mit diesen Gesetzen ist eine Hierarchie der Harmonien gemeint: bestimmte Akkorde sind wichtiger als andere und bestimmte Akkorde haben eine Kraftwirkung, die andere Akkorde nach sich ziehen. Der Akkord mit der geringsten Kraftwirkung, also der am entspannt klingendste Akkord wird "Tonika" genannt. Grundton und Tongeschlecht (Dur/Moll) der Tonika entsprechen der Tonart des Stückes. Ist also der Tonika-Akkord (besser und kürzer: "die Tonika") z.B. ein Cm-Akkord spricht man davon, daß das Stück in C-Moll steht.

    Die andere wichtige Funktion ist die Dominante. Sie hat maximale klangliche Anspannung und zieht im Regelfall die Tonika nach sich. Ihr Grundton steht 5 Tonleiterstufen über der Tonika. Eine Tonika-Dominant-Tonika-Verbindung in Cm würde also so aussehen: Cm - G - Cm. In H-Moll würde sie so aussehen: Hm - F# - Hm. Die funktionsharmonischen Bezeichnungen Tonika, Dominante, Subdominante etc. sind also quasi Variablen für konkrete Akkorde.

    Dahinter steckt die Funktionsharmonik nach Hugo Riemann. Heutige Popmusik ist harmonisch viel einfacher als die spätromantische Musik zu Zeiten Riemanns, seine Theorie ist daher nach wie vor gültig und eine Basistechnik musikalischer Analyse.

    Um die Tonart eines Stückes zu bestimmen mußt du also
    • alle Akkorde des Stückes kennen und am besten schriftlich vor dir haben
    • Erfahrungen mit den Kräfteverhältnissen von Akkorden haben. Das hat jeder Hörer in unserer Musikkultur unbewußt, aber Musiker sollten sich das bewußt machen und diese Kräftverhältnisse mit den Begriffen der Funktionsharmonik benennen können
    • Akkordverbindungen im Stück suchen, die auf eine Tonika hindeuten
    • wenn du eine eindeutige Tonika finden kannst (und in der Popmusik ist das fast immer der Fall) hast du die Tonart des Stückes

    Man kann Tonarten auch nach Gehör bestimmen, muß dann aber schnell und sicher im Erkennen von Akkorden sein. Das zu lernen ist Teil des Faches Gehörbildung. Mit einem geschulten Gehör kann man eine harmonische Analyse in "Echtzeit" machen, also während man Musik hört. Diese Fähigkeit sollte sich optimalerweise jeder Musiker erarbeiten oder im Unterricht lernen.

    Noten geben durch ihre Vorzeichensetzung häufig einen Hinweis auf die Tonart - dieser Hinweis kann aber falsch oder unvollständig für deine Zwecke sein. Die einzig vollständige und mit Sicherheit zielführende Methode ist eben die funktionsharmonische Analyse. Wie gesagt: jeder Hörer macht die sowieso unbewußt, daher sollten Musiker die bewußt und rational machen.

    Harald
     
  4. bassoo

    bassoo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.04.08   #4
    na, jetzt muss ich etwas kleinlich werden. Die Frage war: Wie erkenne oder bestimme ich die Tonart eines Stücks. Und dafür macht es eben schon einen großen Unterschied, ob ich Noten oder eine Aufnahme habe.
     
  5. ArnoK

    ArnoK Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.04.08   #5
    Moin Bassoo, tach auch Harald,

    ja, so fängt der Tag gut an: Eben ist meine Gitarre (HK Walnuss Body - NECK AND STRINGS THROUGH") angeliefert worden und Antworten auf meine - wohl nicht so bescheidene - Frage auch schon. Merci mehrmalst, dafür.

    Hier noch die Antworten:

    3 mal die Schallplattenplattennadel auf der richtigen Stelle an setzen - Tonart erkennen - los-improvisieren ...

    Das hatte so in den 70ern eben nicht funktioniert. ;-)

    Was mir fehlte, war, dass mir jemand den Tipp gegeben hat, mein Gehör zu schulen. Mach ich jetzt und weiß schon, wo ich anfange:

    http://www.lehrklaenge.de/html/ubungen__akkorde_3st___gr__.html

    In einem Jahr melde ich mich dann wieder bei Euch mit dem Song "No Flame" ,-)))))

    Merci nochmal und nur das Beste aus dem Dorf am Rande der Alpen,

    Arno
     
  6. PVaults

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  7. ArnoK

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    Erstellt: 23.04.08   #7
    Hey PVaults,

    bedankt für den Link.

    Um ehrlich zu sein: Nach der dritten Seite in dem Thread bin ich ausgestiegen, hab mich ans Ende geklickt und wollte meine Frage dort anbringen ... bis ich gemerkt habe, dass er geschlossen worden war. Schön, dass da doch noch was hilfreiches zu finden ist.

    Nur das Beste von da, wo sich der Frühling müht,

    Arno
     
  8. PVaults

    PVaults Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 23.04.08   #8
    Ja, ich weiß, der Ton ist rauh... ;)

    Wenn du dir den Thread aber mal genauer anschaust (und das Bashing, der dazu diente, Aufmerksamkeit zu haschen, beiseite läßt - 1000 Klicks sprechen eine Sprache für sich...), wirst du feststellen, daß da noch eine ganze Reihe an weiteren Wahrheiten und Informationen verborgen sind...:D
     
  9. ArnoK

    ArnoK Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.04.08   #9
    Hey PVaults,

    rauh ist nicht tragisch. Für einen Anfänger ist es allerdings schwer, die Nadel aus dem Heu zu ziehen und die Wahrheit zu bergen.

    Dagegen sind diese Beiträge öffentliche Goldstücke und mein Claim für die nächsten Monate:

    https://www.musiker-board.de/vb/faq...tarre-autodidaktisch-wie-fang-ich-lernen.html
    https://www.musiker-board.de/vb/faq...chmelzen-tonleitern-auf-basis-pentatonik.html

    Indirekt ein großes Dankeschön an relact, Silence, Dich und alle anderen, die hier für nix viel von Ihrem Wissen geben.

    Nur das Beste von da wo der Frühling sich durchkämpft,

    Arno
     
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