Pendragon / Believe / 2005 / CD

von Jogi`s Rockfabrik, 28.08.05.

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    Erstellt: 28.08.05   #1
    Pendragon - Believe
    2005

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    Brandaktuell ist das neue Album von den Mannen um Nick Barrett. Sofort wird die Atmosphäre des Albums aufgebaut und es beginnt ein Streifzug in den Neo.-Prog par exellence!!!

    So wie das Album heißt auch der Opener „Believe“, und es beginnt ein kleines Feuerwerk der Effekte. Als dann die Worte "And now everybody to the dancefloor" kommen, geht es mit rockigen Gitarren in den Midtempo-Song “No place for the innocent” über. Um es vorweg zu nehmen, Pendragon haben für mich noch nie so ein atmosphärisch dichtes Album eingespielt. Es ist nicht einfach mit den Worten „Neo-Prog.“ zu kennzeichnen, denn es sind Töne vorhanden, die ich sonst nur von Pink Floyd kenne, selten war das Gitarrenspiel von Nick Barrett so gut und einfühlsam, die Stimme ist diesmal mehr als passend.

    Ich ärgere mich in letzter Zeit vermehrt über die „Babyblauen“, aber das man es wagt, als sog. Referenz so dünn und vor allen Dingen offensichtlich mit Unkenntnis drüber zu gehen, sollte einen stutzig machen. Kopfhörer auf und einen unnachahmlichen Gitarrensound genießen, das ist die Devise an alle Gitarristen. Lauschig warm und geschmeidig werden die Melodien gespielt, ein absoluter Genuss. Die Songs sind korrekt arrangiert, haben eine Menge Überraschungen parat (der Rezensent bei den BBS hätte mal öfter die Scheibe einlegen sollen), und eines muss man anerkennen: Pendragon haben sich eine Menge Zeit mit ihrem Album gelassen, jedoch wurde an den Melodien sehr eindrucksvoll gefeilt.

    Nun mag das für einige etwas zu glatt erscheinen, ich aber nehme das aber als Steilvorlage hin und kann somit diese Platte all denjenigen empfehlen, die einen Einstieg in den Neo.-Prog suchen und gleich eine Art „Referenz“ haben wollen.

    „The wisdom of Solomon“ hält gleich zu Anfang diese grandiosen Gitarrensounds bereit, setzt sich mit klassischen Gitarren fort. Dicht und atmosphärisch baut sich um einen eine eigene Welt auf, die alles das weg macht, was einem bei Pendragon bisher gefehlt hat. Der Song steigert sich in einzelne Rockparts, der Sound geht ein wenig in die legendären Santana-Zeiten. Breaks, mit Synthies unterbrochen, lassen aufhorchen, wobei die Gesamtstruktur niemals verlassen wird. Bass und Schlagzeug legen dabei einen netten Groove auf das Parkett, so dass auch kaum ein Fuß dabei still bleibt.

    Was dann kommt, ist die Story um „The wisching well“ mit einzelnen Episoden:

    a) For your journey:

    Ruhig, von Keyboards untermalt, wird es vorgetragen, und offensichtlich ganz bewusst wird die Spannung etwas in die Länge gezogen. Ein weiblicher Gesang im Hintergrund verdichtet die Atmosphäre, man hat den Eindruck, man befindet sich in einer anderen Zeit, fern ab von moderner Industrie. Es entstehen Burgen um einen herum, die Landschaften ziehen in dichtem Grün an einem vorüber.

    b) So by, so west:

    Klare schöne Gitarren bringen einen Wechsel, in dem die Story nun aktiv weiter erzählt wird. Dabei bauen Pendragon einen schon unverwechselbaren Sound auf, und da wird einem bewusst, dass eben nicht alles neu ist, sondern dass es sich hierbei ganz klar um eine Pendragon-Scheibe handelt. Alles klingt locker und geschmeidig und trotz allem wird eine gewisse Dramaturgie aufgebaut. Die alten Marillion lassen sich stilistisch in den Guitarsolo-Teilen auch noch blicken, und wie sich das vereint, gefällt mir sehr gut.

    c) We talked:

    Weiterhin mit klaren Gitarren wird nun spielerisch das Tempo angezogen, bevor es dann zeitweise richtig rockig und härter zur Sache geht. Dies sind jedoch kurze Stelldicheins, die die einzelnen Gesangsparts unterbrechen. Mittig folgt ein fetziger, sich wiederholender Gitarrenriff, der die Marschroute vor gibt und der Song geht mit ungewohnter Geschwindigkeit weiter. Gegen Ende wird es ganz ruhig, und es gibt dem Hörer die Gelegenheit, die Sache etwas zu verarbeiten, die klaren Gitarren übernehmen wieder das Kommando.

    d) Two roads:

    Der Übergang scheint gelungen, die musikalische Zeitreise geht auf moderne Art und Weise nun ein paar Jahre zurück. Ganz Große hätten diese Arrangements schreiben können, haben sie vielleicht auch schon mal, aber in diesem modernen Gewand klingt es einfach frisch.


    In „Learning curved“ wird aus den Gitarren effektemäßig diesmal sehr viel rausgeholt, Wah und Delay beherrschen die Szenerie. Der Song geht sehr locker und flockig dahin und besteht aus melodischen Abfolgen, wir man sie auch von sonstigen Prog.-Größen dieser Art gewohnt ist. Es ist nicht abgekupfert, sondern passt einfach hierher. Auch dieses Lied steigert sich instrumental und bietet solistisch ein sog. Schmankerl. Sehr hörenswert!!! Hut ab!

    Nun, der Schlusssong „The edge of the world“ ist ruhig, von einer Konzertgitarre begleitet. Nun hatten wir das auf der Scheibe schon einige male, und so erscheint es mir schlüssig, zum Abschluss dieses noch einmal anzuwenden, nämlich mit seichten Keyboards und gefühlvollen Soli noch einmal die Atmosphäre aufzubauen. Dadurch wird bestätigt, dass Pendragon diesmal das Album als Gesamtkonzept erscheinen lassen, im Grunde genommen ist das alles ein einziger Song!!!!!

    Die BBS haben diesmal den Vogel abgeschossen und sollten wirklich überdenken, ob sie dies so stehen lassen. So vermutet man dort AOR-Einflüsse, die es definitiv nicht gibt, schon in der Komposition der einzelnen Stücke ist hierfür gar kein Freiraum vorhanden. Wer in diesem Album Anlehnungen an Arena sieht, hat nicht wirklich viel verstanden, denn ich befasse mich schon sehr lange auch mit deren Songaufbau und –strukturen. Weit gefehlt!!! Es gibt dort keine Gemeinsamkeiten. Eines an diese Adresse: Im Prog sind schöne Melodien nicht verboten und machen die Musik nicht schlechter. Dabei kann der Anspruch durchaus immer noch sehr hoch sein!! Sorry, aber das musste jetzt mal gesagt werden :screwy:

    Die Platte ist klassischer Neo-Prog, wie man ihn kaum besser spielen kann, ich selbst habe Pendragon bisher nicht so hoch eingeschätzt. Einzig die Spieldauer lässt ein wenig zu wünschen übrig. Es gibt nicht so viel zu entdecken, als dass man viel länger als 1 Jahr auf eine Neue warten kann. Die Trauben haben sich Pendragon für die Zukunft etwas höher gehängt, ich bin gespannt, ob sie daraus etwas machen. Im Vergleich ihrer Sparte gibt es von mir allerdings mit ruhigen Gewissen

    9/10.

    Pendragon sind auf der Leiter weit nach oben gestiegen!


    Tracklist:

    1. Believe 2.56 min
    2. No place for the innocent 5.36 min
    3. The wisdom of Solomon 7.06 min
    4. The wishing well
    a) For your journey 4.30 min
    b) So by, so west 6.48 min
    c) We talked 5.29 min
    d) Two roads 4.17 min
    5. Learning curved 6.34 min
    6. The edge of the world 8.15 min

    Gesamtspielzeit: 51.34 min


    Band:

    Guitars & Vocals: Nick Barrett
    Keyboards: Clive Nolan
    Bassguitar: Pete Gee
    Drums: Fudge Smith
     
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