Platzeck-Rücktritt

von Cosinus, 16.04.06.

  1. Cosinus

    Cosinus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #1
    Ist niemandem aufgefallen, dass ein gewisser Matthias Platzeck, seines Zeichens "Deichgraf" und späterer SPD-Chef noch am Sonntag, den 09.04.06 über die Viedeotexte deutscher Fernsehsender verkünden ließ, daß seiner Meinung nach die gegenwärtigen Probleme in Deutschland vom Sozialstaat gegenwärtiger Prägung nicht mehr bewältigt werden könnten und er deshalb am darauffolgenden Montag, den 10.04.06 nach seiner Rückkehr vom Genesungsurlaub (err hatte einen oder mehrere Hörstürze) seiner Partei ein Thesenpapier für (seiner Ansicht nach) notwendige Änderungen vorlegen wollte?
    Am darauffolgenden Montag nachmittag ist er plötzlich und unerwartet "aus gesundheitlichen Gründen" von seinem Amt als SPD-Chef zurückgetreten.
    Er könne nicht ständig gegen Wände laufen, deutet er vorsichtig an.
    Alle möglichen Parteigenossen und auch Vertreter anderen Parteien gratulieren ihm in seltener Einigkeit zu seinem (Rück-) Schritt.

    Von seinen angekündigten Thesen hört man kein Wort mehr...

    Gibt Euch das nicht zu denken?
     
  2. Houellebecq!

    Houellebecq! Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #2
    ich bin, was die Sache mit Platzeck angeht, zu wenig informiert, um wirklich was Qualifiziertes dazu sagen zu können, trotzdem kam mir das alles doch auch ziemlich dubios vor. mich würden seine Vorschläge zum Sozialstaat interessieren, meiner Meinung nach gibt's hierzulande nämlich eindeutig zu viel (Sozial-) Staat und zu wenig Eigenverantwortung.
     
  3. Wiesengrund

    Wiesengrund Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #3
    Verschwörungstheoretiker?
     
  4. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #4
    Das kann man als Steuerzahler sicherlich gut nachempfinden, aber es ist vielleicht ein wenig kurz gedacht. Sorry, wenn ich das jetzt mal so direkt sage.
    Wenn wir hier in Deutschland mehr in Richtung Vollbeschäftigung gingen, müßten sich dadurch natürlich auch die Aufwendungen für den Sozialstaat verringern, denn es wird ja sicherlich viel in dieser Richtung ausgegeben.
    Andererseits: Kommt es auch da an? Und ist es effektiv?
    Wieviel kann man in diesem Land noch mit Eigenverantwortung erreichen?
    Wie viele von den 5 Millionen Erwerbslosen, von denen schon viele abgearbeitet und berufsbedingt gesundheitlich angegriffen oder schlecht beziehungsweise gar nicht ausgebildet sind, könnten das?
    Könnten sie von der Arbeit, die sie zu verrichten noch in der Lage wären, auch leben?
    Der Euro zieht den Normalverdienern seit ein paar Jahren deutlich mehr Geld aus den Taschen, die nicht in der Lage sind, ihre zusätzlichen "Aufwendungen" ihren Arbeit"gebern" in Rechnung zu stellen.
    Wie man immer wieder feststellen muss, drängt die Wirtschaft immer mehr in die Richtung, immer weniger Menschen immer mehr Arbeitsbelastung aufzubürden und entzieht sich damit immer mehr ihrer sozialen Verantwortung.
    Durch den "Mangel" an (bezahlter) Arbeit werden Arbeitnehmer einem immer stärkeren Druck ausgesetzt, sich alles gefallen zu lassen, nur, um nicht ihren Job zu verlieren.
    Nach meinem Eindruck wird hier in Deutschland eine längst in Abwanderung begriffene "Wirtschaft" durch angeblich notwendige Zugeständnisse finanziell unterstützt. Man wirft gutem Geld (z.B. für Bildung) noch schlechtes (für Subventionen) hinterher.

    Man kann (meiner Meinung nach) eine Gesellschaft nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen führen.

    Indem man unwirtschaftliche Bereiche einfach abstößt, wie unlängst in einem fitkiven Interview mit einem zukünftigen Bundeskanzler im "Spiegel" nachzulesen.

    Wenn die Politik es der Wirtschaft gestattet, sich die "Rosinen" aus dem Kuchen zu pulen und es den Arbeitstätigen, die den Wertzuwachs durch eigene Leistung tatsächlich erarbeiten, überläßt, den "Überschuss an Menschenmaterial" (nicht mein Zynismus, nur zur Verdeutlichung) mitzuversorgen, macht sie sich schuldig an der Aufrechterhaltung des Dilemmas in diesem "unseren" Land.
     
  5. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #5
    Totschlagsargument? ;)

    "Ein Paranoiker ist ein Mensch, der alle Fakten kennt" war vor einigen Jahren mal in der "Berliner Zeitung" zu lesen.
     
  6. DanTheMan

    DanTheMan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #6
    Darf man fragen was du mit diesem Thread bezwecken willst?
     
  7. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.06   #7
    Mich interessiert, ob ich vielleicht nicht der einzige bin, der da mehr hinter den politischen Kulissen vermutet.
    Ansonsten nicht mehr (und nicht weniger), als andere auch bezwecken, die über ein Thema diskutieren: die eigene Meinung auf den Prüfstand stellen und vielleicht zu neuen Erkenntnissen kommen.
     
  8. Antje

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    Erstellt: 17.04.06   #8
    Nein! Er ist gegangen aus gesundheitlichen Gründen, weil die Ärzte es ihm angeraten haben. Hörstürze geschehen in Folge von zu viel Stress und dann hatte er ja noch einen Kreislauf- oder (man munkelt) Nervenzusammenbruch. Da ist für mich der einzige Schluss, das zu beenden, was der Grund dafür ist. Was er vorher gesagt oder getan hat, in Ausübung seines Jobs, ist doch anschließend irrelevant, soll doch der Nächste damit weiter machen. Du machst doch nach einer Kündigung auch nicht weiter mit deiner Arbeit, für die du nicht mehr verantwortlich bist. Also ich kann daran jetzt nichts Ungewöhnliches erkennen.

    Hinter jedem Politiker steht auch immer ein Mensch, und Platzeck war einfach zu menschlich, war diesem Druck als Parteichef nicht gewachsen, was ich sehr bedauerlich finde, aber ich bin froh, dass er mir als Ministerpräsident erhalten bleibt. Was jetzt allerdings unsere Wirtschaft mit dem Rücktritt von Platzeck zu tun hat, will mir nicht ganz deutlich werden. Sicher kann einem das K***en kommen und vielleicht konnte Platzeck auch aus moralischen Gründen einfach nicht mehr weiter machen, aber da jetzt hinter den Kulissen etwas zu vermuten, was man nicht auch schon vorher vermutet hätte, finde ich ein wenig übertrieben.
     
  9. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 17.04.06   #9
    Platzek ist dein ministerpräsident, schreib ihm und frage nach seinem papier, vielleicht hatte er wirklich neue ideen, die, wie es so schön heißt, nicht mehrheitsfähig waren.

    Dafür hat unsere familienministerin neue, nämlich die propagierung von ehrlichkeit und anderen tugenden. Dass der erste lehrgang für das kabinett und den Bundestag geplant sei, ist allerdings ein gerücht.
    Umso christlicher geht es in unseren medien zu, punkt eins jeder nachrichtensendung: der papst, kommt noch vor fußball, welch schöne mischung!
     
  10. Wiesengrund

    Wiesengrund Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.04.06   #10
    ZOG, you know?
     
  11. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.06   #11
    Das sehe ich genauso.

    Ich nehme an, dass er auch enttäuscht von seinen "Mitstreitern" sein wird, die seine Ideen vermutlich nicht mittragen wollten. Und allein kämpft es sich schwer. Da hat er die Konsequenzen gezogen. Was manchen seinen Genossen wohl ganz recht war, wo er doch offenbar mit seinen Ideen aneckte.
    Unter machtbewußten Politikern scheint Charakter ja nicht eben stark vertreten. Er macht so angreifbar.
    Dass sich Platzeck nicht an seinen Posten klammerte, verdient großen Respekt. Daß er ihn nicht besser nutzen konnte, werden sicherlich viele bedauern.

    Es ist ja nicht so, dass ich das nicht schon vorher "vermutet" hätte, dass Politik oft ein beschämend unsauberes Geschäft ist. Es ging mir vielmehr darum, in welch subtiler Form sich das hier ganz im Stillen zeigt. Und es erschreckt mich etwas, mit welcher Gleichgültigkeit das so hingenommen wird, wenn es denn überhaupt bemerkt worden ist. Viele scheinen wohl genug mit sich selbst beschäftigt zu sein.

    Habe mal darüber nachgedacht und versucht, meinen "inneren Schweinehund" zu überreden. Der sagt mir, dass es doch recht unwahrscheinlich ist, dass der nun ehemalige SPD-Chef ein "Programm", wie ich jetzt mal vermute, von dem er seine Parteigenossen nicht "überzeugen" konnte, auf diese oder andere Weise "unter die Leute" bringt. Ich halte Matthias Platzeck für sehr (vielleicht zu) integer. Lafonaine hätte damit sicherlich weniger Probleme, der schrieb ja ein Buch über die Hintergründe seines damaligen Rückzuges. Oder Gysi, der in seinen Büchern schon mal schildert, was sich im Bundestag gelegentlich bei Abstimmungen abspielt, wenn mal keine Kamera in der Nähe ist. Der reinste Kindergarten!

    Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wär.
    Ich beobachte immer wieder, wie gerade die "Führungspersönlichkeiten" und "Erfolgreichen", die vermutlich auch eine gewisse Vorbildwirkung haben, in dieser unserer Gesellschaft vor allem durch Korrumpierbarkeit, Verlogenheit und Arroganz in Erscheinung treten. Wenn das die Botschaft an unsere Jugend ist ...

    Ja, ja, "Wir sind Papst!", das ist der Hammer. Die Deutschen sind wieder wer! :rolleyes: Wir haben es wohl bitter nötig...
    Man möge mich nicht mißverstehen:
    Ich wär schon gern stolz auf mein Land. Das fällt mir aber ziemlich schwer.