Restauration Mandolinen-Banjo Musikalia

von Snake-Jo, 23.01.17.

  1. Snake-Jo

    Snake-Jo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.01.17   #1
    Vor einigen Wochen habe ich mir ein altes Mandolinen Banjo gekauft. Marke Musikalia ( Musikalia Del Dr. Alfio Leone
    Italien, Catania) - eine damals wie heute renommierte Marke. Das Mandolinen Banjo stammt wohl aus den 30er bis 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts und ist noch ganz gut erhalten.
    Größe: Länge 63 cm, Kessel 25 cm, Fell 16 cm Durchmesser
    Zustand original, keine Risse, noch das alte Naturfell, Lack ist kaum vorhanden, Hals aus Rotbuche mit Griffbrett Palisander, Kessel aus Ahorn, Kesselrückseite mit Intarsien aus Mahagoni, Steg ist Ahorn mit Messingbund.
    Das Fell ist zwischen zwei Spannringen aus Aluminium befestigt. Der Hals hat etwas nachgegeben. Mechaniken in Ordnung.

    Ich hatte das Teil aus Spaß am Restaurieren gekauft. Wenn möglich, werde ich es auch mal spielen.
    Bislang habe ich folgendes repariert/ ersetzt:
    - Neue Saiten
    - Steg heruntergefeilt, da die Saitenlage viel zu hoch war (ich arbeite an einem neuen Steg)
    - Spannschrauben ersetzt, neue Gewinde geschnitten
    - Messingschrauben ersetzt
    - Hals neu verschraubt (original war er gespundet und genagelt, sowie geklebt)
    - Das Fell repariert, gerichtet und neu verspannt (später kommt ein neues Naturfell drauf)

    Natürlich hatte ich für diese Arbeiten das Mandobanjo komplett zerlegt und dabei festgestellt, dass es eher zu den schlichten, einfach gebauten Instrumenten gehört, nun ja, immerhin Vintage. ;)
    Falls jemand Interesse bekundet, kann ich ja meine Restaurationsarbeiten in Wort und Bild hier einstellen. Interessant werden auf jeden Fall die Arbeiten mit dem neuen Naturfell (Formgebung, Einziehen vom Spanndraht), die Lackarbeiten und das Richten der Saitenlage.

    170123_Mandolinbanjo1.jpg 170123_Mandolinbanjo2.jpg
     
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  2. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.01.17   #2
    Hallo, Snake-Jo,
    ein hübsches Teil hast du da ergattert!

    Von der Bauart her handelt es ich um ein Zither-Banjo. Das heißt, der Topf dient als Resonator, und das Fell wird zwischen zwei Metallguss-Teile gespannt, so dass der Schall am Rand austritt. Das ergibt einen sehr "kultivierten" Klang, der gerade zu der Mandolinenbesaitung gut passt. Ich spiele ein Mandolinenbanjo der "normalen" Bauart mit Plastikfell, das etwas "grob" klingt, aber ich habe mal in einer Musikhandlung eine Mandolinenbanjo in Zither-Bauweise angespielt und war begeistert - obwohl es ein billiges, osteuropäisches Teil mit Plastikfell war.

    Ich habe auch drei 5-saitige Zither-Banjos mit Naturfell, und alle haben mehr Sustain als normale Banjos. Übrigens habe ich bei einem Zither-Banjo das Fell erneuern müssen. Das ist wirklich kein Hexenwerk. Ich hatte zuvor ein Naturfell auf ein normales Banjo aufgespannt, nach der Anleitung von S.S. Stewart. Die Technik lasst sich sinngemäß auf das Zither-banjo übertragen.

    Ich bin gespannt, wie die Arbeit bei dir weitergeht!

    Cheers,
    Jed
     
  3. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.01.17   #3
    Hallo Jed,
    danke für die Rückmeldung und die Erläuterungen. Die Teile sind, wie schon erwähnt, oftmals sehr einfach gebaut. Ich habe länger gesucht, bis ich so ein Instrument mit Intarsien auf der Rückseite erwischen konnte. Im Mandolinen-Cafe sind ein paar wirklich hübsche Mandobanjos vorgestellt worden, da muss man aber auch deutlich mehr Geld anlegen. Für mich war das ein günstiger Spaßkauf für meine Bastelneigungen.
    Ja, ich werde das Fell ähnlich wie bei der Anleitung beschrieben, aufziehen. Verwenden möchte ich ein Altenburger Ziegenfell (Pergament) für Resonanzkörper in 0,3 mm. Erfahrung mit Rohleder bzw. Pergament habe ich genügend, da es im Bogenbau oft Verwendung findet. Ich habe schon öfters selbst Rohleder hergestellt, aber hier brauche ich nun eine definierte Dicke der Haut.

    Für die Lackierung würde ich eine Schell-Lack Behandlung oder auch Hartöl verwenden, damit das Instrument möglichst im Originalzustand verbleibt. Das paßt zur damaligen Zeit.

    Inzwischen habe ich den neuen Steg eingebaut: Basis 70 x 7 mm, keine Füße, sondern platt drauf, oben 48 x 2 mm. Aus Ebenholz und Knochen. Höhe 12 mm und damit deutlich tiefer gelegt. Die Saitenhöhe liegt nun bei 2,5 mm über dem 12 Bund, was noch im oberen Bereich ist. Klanglich höre ich keinen Unterschied zu dem Originalsteg (Ahorn, 4 Füße, Basis 68 x 6 mm zu oben an der Saitenlage 48 mm x Bundstegbreite Messing). Sustain hat das Gerät tatsächlich eine Menge, aber leider nur bei den offenen Saiten. Bei gedrückten Saiten ist das naturgemäß deutlich geringer.

    P.S. Irgendwann sollte ich mal Mandoline spielen lernen! ;)

    LG,
    Jo
     
  4. saitentsauber

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    Erstellt: 27.01.17   #4
    Der Firmengründer war Jahrgang 1928. Die Firma wurde in "Musikalia" umbenannt, als er 30 war.

    Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
     
  5. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.17   #5
    @saitentsauber: Vielen Dank für Recherche und Hinweis. Somit komme ich dem Herstellungsdatum schon näher, also frühestens 1958, eher später. Mein Vorbesitzer teilte mit, dass das Gerät über 50 Jahre alt sein muss.
    Es wurde über das Musikhaus Hummel (Frankfurt) vertrieben, hatte dann mindestens einen Vorbesitzer, landete dann im Antiqiuitätengeschäft, von dort an meinen Vorbesitzer und dann zu mir.
    Von Musikalia befindet sich ein Aufkleber im Kessel und das Musikhaus hat ein Etikett am Kopf hinterlassen. Noch zum sustain: Beim strumming in G-Dur wollen manche Töne garnicht mehr aufhören zu klingen! :D
     
  6. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.01.17   #6
    Ist ja klar - eine konventionelle italienische Mandoline aus Holz eignet sich auch nich zum Strummen. Sie ist auf kräftige Einzeltöne, sei es mir auf-und-ab-Schlag oder Tremolo, ausgelegt. Strumming kommt eher bei amerikanischen Archtops in Frage, die einen weitaus dumpferen Klang besitzen. Deine italienische Banjo-Mandoline wird sich wahrscheinlich eher für die stark melodischen neapolitanischen Volksweisen eignen, wobei sie richtig "singen" kann.
    Ich werde richtig neidisch! :D

    Cheers,
    Jed
     
  7. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.17   #7
    So, es geht los. Das Mandolinen-Banjo wurde zerlegt und dies ist kein Hexenwerk. Wenn man sich die Bilder betrachtet: es sind wesentlich weniger Teile als beim Banjo (letztes Foto). Die meiste Arbeit machte das Herunternehmen der Saiten, der Rest (ein paar Schrauben) war schnell gemacht.

    Spannringe abnehmen:
    Nach Entfernen der 4 Halteschrauben kann man den Spannringteil samt Fell in einem Stück entnehmen. Am besten mit einem trockenen Schlag mit dem Gummihammer gegen den Rand des Kessels, wobei man mit der anderen Hand unten am Saitenhalter in die Schalllöcher des oberen Spannrings greift (Foto 1). Das alles über einer weichen Unterlage.

    Spannringsegment betrachten:
    Zwischen oberen und unteren Spannring ist das Fell eingespannt, dabei drückt die Innenkante des oberen Spannrings auf den Wulst des Fells (Foto 2). In diesen Wulst ist ein genau passender Drahtring eingelassen ("eingetrocknet"), der das Verspannen erst möglich macht. Je mehr man die Spannschrauben anzieht, umso höher wird nciht nur die Fellspannung, sondern es kommt das Fellsegment auch höher aus dem Kessel heraus. Dies muss man bei Einstellen der Saitenlage berücksichtigen. Irgenwann später werde ich ein neues Naturfell selbst aufziehen (planes Fell formen, Spanndraht einschrumpfen etc.).

    Weiteres Vorgehen:
    Wie schon geschrieben, hatte der Hals im Laufe der Jahrzehnte etwas nachgegeben. Der Spalt von rund 0,2 mm (Foto 3) erscheint nicht weiter relevant, aber über die Länge des Halses gesehen, ergibt sich doch ein größerer Saitenabstand. Das muss geändert werden. Da so ein Mando-Banjo keinen Truss-rod (Halseinstellstab) besitzt, muss eine Schraube her.
    Dann muss die ausgeleierte Mechanikaufnahme am Kopf repariert werden und natürlich soll das ganze Teil eine neue Lackierung bekommen. Ich habe mich für Schellack entschieden, weil dies gut zu so einem alten Instrument paßt. Neu bundieren muss ich nicht; die Bünde sind nur wenig abgenutzt.
    Fortsetzung folgt....




    170205_Spannringe lösen.jpg 170205_Spannteil.jpg 170205_Hals-Spalt.jpg 170205_auseinander.jpg
     
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  8. Snake-Jo

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    Erstellt: 07.02.17   #8
    Hals verschrauben:
    Der Hals ist über das Griffbrett oben, über die Ansatzfläche und über einen Zapfen, sowie drei Nägel am Kessel befestigt (Bild 1). Über die Jahrzehnte hatte der Hals dem Saitenzug etwas nachgegeben (wohl auch bedingt durch Schrumpfung des Holzes) und die Leimung am Ansatz Hals zum Kesselring außen war gebrochen (Bild 3 im Post oben). Insgesamt nicht tragisch, da der verleimte Zapfen den Hals sauber festhält. Dennoch sollte das "Spiel im Halsansatz" behoben werden, um konstante Einstellwerte der Saitenlage zu erhalten.
    Eine Verschraubung war das Mittel der Wahl: eine 6 x 50 mm Holzschraube mit Sechskantkopf wurde in einer Bohrung von 4,5 mm verschraubt. Für die Lastverteilung und auch um den Kesselrahmen nicht zu zerdrücken, wurde ein Klötzcen aus Mahagoni eingepaßt und eine U-Scheibe darauf versenkt und verklebt (Bild 2). Das Klötzchen wurde mit Ponal an der Kesselwandung innen verleimt und die Leimung über die Schraube angepresst.
    Nach Trocknung der Leimung wurde die Schraube wieder gelockert und der Spalt mit UHU Endfest 300 verfüllt. Dieses 2-Komponenten-Epoxyharz wird bei Hitze sehr dünnflüssig und läßt sich daher mittels HPL in den Spalt "einfönen" (Bild 3-4). Nach Füllung des Spaltes mit der Epoxymasse wurde die Schraube wieder angezogen (Bild 5).
    Resultat: Spalt verfüllt und verklebt, Hals gesichert und fest verschraubt.



    170206_Hals-Loch.jpg 170206_Klotz.jpg 170207_Uhu.jpg 170207_Uhu-verlaufen.jpg 170207_Klotz fest.jpg
     
  9. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.17   #9
    Mechanikaufnahme im Holz des Kopfes:
    Analyse:
    Nach Abschrauben der Mechanikplatten wurden die durchgehenden Bohrungen für die Wellen sichtbar. Anfangs dachte ich, das die Wellen im Holz gearbeitet haben und so die Löcher ausgebeult worden sind. Tatsächlich wurde das Mando-Banjo wohl nicht sehr viel bespielt, sondern die Bohrungen sind vom Instrumentenbauer nicht sauber gesetzt worden. Wie man in der Feinmechanik sagt, eine sogenannte "versoffene Bohrung". Bei den Wellen ist mal links, mal rechts Platz, d.h. sie sitzen allesamt nicht zentrisch (Bild 1-2). Eine Abhilfe wäre, die ursprünglichen, ausgefransten Löcher neu sauber aufzubohren und dann Dübel einzuleimen. In die Holzdübel könnten dann wieder saubere Bohrungen (und diesmal zentrisch) gesetzt werden. Leider reicht dafür die Materialstärke randlich (Bild 1, Pfeil) nicht aus. Ich werde also die Bohrungen für die Wellen so lassen (zumal auch die Wellen immer irgendwo in den Kopfrippen "anlehnen" und trotzdem sauber laufen), aber eine Platte aufkleben, damit nicht doch seitlich Holz wegbricht.

    Ablauf: Der Kopf des Instruments wurde auf der Unterseite plan geschliffen (Bild 3).
    Aus Ebenholz wurde ein 5 mm starkes Laminat gesägt (Bild 4).
    Das Laminat wurde grob in Form gebracht (Bild 5) und mittels UHU Endfest 300 verklebt. Eine ganze Reihe von Schraubzwingen sorgten für den nötigen Anpressdruck (Bild 6). Der Kleber muss überall seitlich austreten. Nur so ist gewährleistet, dass alle Fugen gefüllt sind.

    Tipp:
    Ebenholz ist immer etwas "fettig". Normale Holzleime halten da nicht. Hautleim geht, aber ich bevorzuge den Endfest 300. Vorher müssen beide Seiten mit Nitroverdünner, Akohol oder Aceton entfettet werden. Ich habe Ebenholz gewählt, weil es sehr gut zu dem dunklen Griffbrett aus Palisander, der Zierleimung im Hals und dem Holzspund (ebenfalls Ebenholz) am Kesselansatz passt.

    Nach dem Abbinden des Epoxyharzes kann das "Kopfplattenlaminat" grob beschliffen werden (Bild 7) und die beiden Langlöcher hergestellt werden. Dazu wird jeweils an allen Enden des ursprünglichen Langlochs eine passende Bohrung gesetzt (hier: 10 mm) und davon ausgehend mit der elektrischen Stichsäge und einem feinen Sägeblatt das Langloch ausgeschnitten (Bild 8). Der Rest ist Schleifarbeit.
    Hinweis: Vom wertvollen Ebenholz bleiben noch genügend Reststücke für die Herstellung von Banjo-Stegen. :)

    170209_versoffenes Loch.jpg 170209_Löcher.jpg

    170209_Kopf schleifen.jpg 170209_Ebenholz sägen.jpg 170209_Laminat 2.jpg 170210_Laminat anpressen.jpg 170210_Laminat aufgeklebt.jpg 170210_Laminat Langloch.jpg
     
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  10. Jed

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    Erstellt: 11.02.17   #10
    Hi, Snake-Jo,
    Dein erklärtes Ziel ist es, das Instrument zwecks gründlicher Renovierung in seine Einzelteile zu zerlegen. Fasse Folgendes deshalb nicht als Kritik, sondern als Hinweis auf:

    Wenn es nur darum geht, das Fell zu erneuern, ist es nicht notwendig - sondern eher hinderlich - die Spannringe vom Holzkorpus abzuschrauben. Die korrekte Prozedur ist, die Maschinenschrauben, die die beiden Metallteile zusammenhalten herauszuschrauben - im Gegensatz zu Holzschrauben lassen sich Maschinenschrauben beliebig oft lösen und wieder anziehen (mindestens so oft, wie man das Fell erneuern muss).
    Dann kann man den oberen Ring - den eigentlichen Spannring - abheben, danach das alte Fell mit dem eingeschlossenen Draht. Was darunter zum Vorschein kommt ist die hochstehende Kante des unteren Rings - in der "normalen" Banjo-Terminologie der "Tone Ring", der das schwingende Durchmesser des Fells definiert. Diese Komponente ist unbeweglich im Pott eingeschraubt, also definiert der "Tone Ring" auch die vertikale Lage des Fells. Die Spannung des Fells wird allein durch das Herunterschrauben des oberen Spannrings bewerkstelligt, was auf die Lage des Steges und folglich auch auf die Saitenlage keinen Einfluss hat.
    Was von Mal zu Mal unterschiedlich ausfallen kann, ist die Höhe des Spannringes über dem Fell. Aber ein Millimeter mehr oder weniger macht an der Spielbarkeit des Banjos nichts aus.

    Beachte, dass der Draht zum Banjo gehört! Man muss ihn sorgfältig aus dem alten Fell lösen, säubern, evtl. mit Shellac streichen (gegen Rost) und beim Aufspannen des neuen Fells wieder verwenden.
    Das geht so, wie in der Anleitung von S.S. Stewart, die ich vorhin verlinkte.

    Übrigens, in dem Foto, das du gepostet hast, sehe ich keine Anzeichen eines kaputten Fells! Ein amerikanischer President hat mal gesagt: "If it ain't broke, don't fix it!" Stimme ich voll zu. Ein neues Fell wird nicht zwangsläufg besser sein, als ein altes, das noch intakt ist. Eines meiner Zither-Banjos ist über 100 Jahre alt und hat noch das Originalfell. Klingt super, macht bei Wetterwechsel wenig Ärger, lässt sich knackig spannen!

    Anmerkung: Obige Hinweise basieren auf meinen Erfahrungen mit drei englischen Zither-Banjos von zwei verschiedenen Herstellern, Windsor und J.E. Dallas. Es würde mich allerdings sehr wundern, wenn sich dein italieniescher Hersteller eine ganz neue Konstruktion ausgedacht hätte!

    Ansonsten folge ich mit Spannung deinen Berichten über die Renovierung. Ich bewundere deine Geduld und Grundlichkeit!

    Cheers,
    Jed
     
  11. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.17   #11
    Hallo Jed, vielen Dank für die Hinweise. Ich schreibe mal zwischen. :)

    - Mmmh, wie ich oben im ersten Post geschrieben hatte, ist das ja schon längst passiert.

    - Ja, aber das sind nur 4 rostige Holzschrauben gewesen, die längst entsorgt und gegen gleichartige, etwas längere, Messingschrauben getauscht wurden. Die alten Maschinenschrauben waren auch vernabbelt und wurden getauscht. Aber davon später.

    - Das sieht bei mir anders aus. Ich mache mal eine Zeichnung vom Querschnitt und dann können wir nochmals in die Diskussion einsteigen.

    - Wie schon im ersten Post geschrieben: Ich habe alles längst zerlegt und begutachtet, sowie das alte Fell repariert. Das alte Fell war an der Auflage am Tonring arg gedehnt und dünn geworden und hatte auch zumindest ein kleines Loch. Der Draht war partiell herausgerutscht. Ich werde das demnächst genau beschreiben.

    - Ja, sehe ich auch so, aber mein Fell: s.o.

    Ich bitte also um erneuten Kommentar, anhand der demnächst erscheinenden Bilder und Daten zum Spannring/Tonring-Teil. Ist ja alles interessant und spannend- :)
     
  12. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 12.02.17   #12
    Bitte Zitate und Antwort (Zitatfunktion) deutlich formatieren ... so ist das durchaus eine "Zitatverfälschung" und außerdem sehr unübersichtlich ... ;)

    Der Leser muss sich ja die Antworten regelrecht suchen ....
     
  13. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.17   #13
    @peter55: Danke für den Hinweis, aber ich konnte sehr deutlich zwischen meinen Ergüssen und Snake-Jos Repliken unterscheiden! Die Formatierung kam bei mir enwandfrei an!

    Cheers,
    Jed
     
  14. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 12.02.17   #14
    Ich hab sie auch ausgiebig editiert :)
     
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  15. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.02.17   #15
    Aha! Dann vielen Dank!
    Jed
     
  16. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.02.17   #16
    Ja, vielen Dank an den Moderator. :)
    Nun geht es weiter mit dem versprochenen Spannring-Fell-Tonring-Segment.

    Spannring-Fell-Tonring-Segment ausbauen und reparieren
    Ich nenne das Teil im weiteren Text nur noch "Segment".
    Das Segment läßt sich, wie schon oben beschrieben, mittels 4 Holzschrauben vom Kessel lösen. Im Kessel sitzen 4 Klötzchen als Segmenthalter (Bild 1).
    Von unten sieht das ausgebaute Segment dann aus wie auf Bild 2.
    Nach Lösen der Maschinenschrauben kann man den Tonring mit Fell separieren. (Bild 3).
    Und mittels Holzkeil läßt sich dann das Naturfell abhebeln (Bild 4).
    Hält man das Fell gegen Himmel oder Sonne sind leicht verschiedene winzige Löcher und Risse zu erkenne, die den Ton aber noch nicht beeinflussen (Bild 5-6).
    Bild 7 zeigt eine Zeichnung des Querschnitts. Man kann leicht erkennen: Wenn man die Schrauben zur Fellspannung anzieht, verschiebt sich der Tonring nach oben bzw. im Bild nach rechts.
    Der Spannring kann sich nicht verschieben, da er mit den Holzschrauben fest im Rahmen sitzt.

    Reparatur-Arbeiten:
    Die Holzschrauben wurden gegen gleichartige aus Messing ersetzt.
    Die rostigen Schlitzschrauben zur Fellspannung wurden gegen Sechskantschrauben getauscht. Ähnliche Mando-Banjos hatten zur damaligen Zeit ebenfalls Sechskantschrauben, daher kein Stilbruch. Zuvor wurde das Zollgewinde aufgebohrt und ein M5 eingeschnitten. Alle Schraubenköpfe wurden poliert. Ein randständiges Gewinde im Tonring war am Ausbrechen und wurde mittels Messingplatte erneuert (Bild 2).
    Im Naturfell hatte sich über die Jahrzehnte der Steg tief eingedrückt. Daher wurde das Fell leicht angefeuchtet, lose auf den Tonring gesetzt und trocknen gelassen. Danach war die Oberfläche wieder glatt.
    Am Rand hatte sich der Spanndraht im Wulst auf ca. 6 cm gelöst. Hier wurde das Fell ebenfalls nass gemacht, wieder um den Draht gerollt und trocknen gelassen (kein Bild).
    Der Spannring wurde auf der Oberseite poliert.
    Ein neuer Steg wurde hergestellt.
    Das Naturfell muss in naher Zukunft ersetzt werden, wird aber noch einmal eingebaut.

    Jetzt bin ich auf Kommentare gespannt! :)
    LG,
    Jo





    170215_Segment1.JPG 170215_Segment2.JPG 170215_Segment3.JPG 170215_Segment4.JPG 170215_Segment5.JPG 170215_Segment6.JPG Querschnitt Segment.jpg
     
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  17. Banjo

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    Erstellt: 15.02.17   #17
    Ich verfolge Deine Aktion mit Interesse, sehr schöner Bericht.

    Ich hab auch so ein ähnliches Banjo, ein altes Zitherbanjo. Bin da aber nie beigegangen, es dient bei mir nur Dekozwecken, hat sehr schöne Inlays. Risse im Griffbrett wurden mal vom Gitarrenbauer geflickt.

    Bin schon gespannt, wie das Ding klingt, wenn Du damit fertig bist.

    Banjo
     
  18. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.02.17   #18
    Hi, Snake-Jo,
    Es bleibt interessant!

    Da haben die Italiener tatsächlich das "bezel" (Ton-/Spannring-Segment) neu erfunden! Bei den englischen Banjos sitzt der Tonring auf dem Rand des Kessels.
    Die Idee mit dem festen Spannring und dem bewglichen Tonring finde ich etwas - sagen wir mal - problematisch. Es heißt, wenn man die Spannung des Felles bei Wetterwechsel verändern muss, verändert sich die Saitenlage - wenn auch geringfügig - mit. Außerdem muss man beim Aufspannen eines neuen Felles aufpassen, dass das Fell nicht zu nass oder zu trocken aufgelegt wird, denn danach richtet sich der Weg, den Spann- und Tonring gegeneinander zurücklegen müsen, bis die richtige Spannung erreicht ist.
    Andererseits könnte man evtl. eine chronische, zu hohe Saitenlage verbesswern, indem man das neue Fell locker aufsetzt und dann ziemlich hochschraubt. :great:

    Ich stelle mir auch das Aufspannen des Felles als umständlicher vor, wenn der bewegliche Ring unten im Kessel liegt. Vielleicht wäre es tatsächlich in diesem Fall besser, den Tonring auf einen Tisch zu stellen, den Spannring darüber zu legen und das zusammengeschraubte Segment in den Kessel einzusetzen.

    Übrigens, 6-Kantschrauben finde ich als Spannschrauben gut. Man muss doch hin und wieder (spätestens im Herbst und Frühling) daran herumschrauben, und ein Sechskantschlüssel ist schneller zu handhaben, als ein Schraubenzieher, und macht weniger kaputt!

    Cheers,
    Jed
     
  19. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.02.17   #19
    @Banjo: Vielen Dank! :)

    @Jed: Ich stimme in allen Punkten überein, möchte aber die beiden zitierten Aspekte noch kurz ansprechen.

    Ja, die Saitenlage verändert sich bei schwankenden Luftfeuchtigkeiten. Jetzt im Winter, bei trockener Heizungsluft und immer gleicher Aufbewahrungsstelle an einer Wand hängend, kann ich sagen: Die Stimmung hält gut. Wenn man das Instrument nach draußen nimmt ans Lagerfeuer (heute: Feuerkorb), dann könnte es problematisch werden.
    Und klar, beim Auflegen des neuen Fells müssen die Maße stimmen, sonst ist wieder ein neuer Steg fällig. Gut, dass ich die Stege selbst herstelle. Mittlerweile habe ich 5 verschiedene Stege gebastelt (für Banjo und Mando-Banjo).


    Ja, so werde ich das machen.

    Inzwischen habe ich mit der Schellack-Lackierung begonnen, wird gut. Davon später.

    Greetings,
    Jo
     
  20. Snake-Jo

    Snake-Jo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.02.17   #20
    Ich finde, dass zu den alten Instrumenten ein Schellack-Überzug sehr gut paßt. Viele schrecken davor zurück, aber es ist auch nicht aufwändiger als eine gute Sprühlack-Behandlung mit Zwischenschleifschritten. Wer sich näher damit befassen möchte, hier ist der Link zu einer sehr guten Beschreibung:
    http://fabianhentschel.de/fabian/holzarbeit/schellack.html

    Vorbehandlung:
    Das Instrument mußte zerlegt werden: Alles, was irgendwie abmontierbar war, wurde entfernt. Nur das Label des Musikhauses am Kopf blieb dran, wurde aber sorgfältig mit durchsichtigem Tesaband abgeklebt. Danach wurde der alte Lack abgeschliffen. Einer meiner Vorbesitzer hatte das Instrument mit einem tuffmatten Klar-Lack versehen, der tief in das Holz eingezogen war und bei einer ersten Inspektion garnicht richtig auffiel. Leider geriet er auch in die Poren des Mahagoni-Intarsien, verfärbte sich dort und diese Flecken konnten dort nicht mehr herausgeschliffen werden. Die Intarsienschicht war nur hauchdünn und ich mußte höllisch aufpassen, nicht durchzuschleifen. Nun ja, ein paar altersbedingte Macken sollten schon "drin" sein. Das Gerät soll ja nicht neu aussehen, sondern nur restauriert werden. Ich lege Wert darauf, dass möglichst alles noch möglichst original bleibt, aber natürlich: Reparaturen für die Funktionalität müssen sein (Halsschraube, Ebenholz-Platte am Kopf).
    Die Schleifarbeiten wurden komplett in Handarbeit erledigt, keine elektrischen Maschinen. Bei den kleinen Kanten und dünnen Intarsien hat man bei Handarbeit mehr Kontrolle über den Schleifvorgang.
    Schrittweise wurde das Sandpapier immer feiner: Von 80er Korn bis hin zu 220er, danach mit einem feinen Schleifvlies.
    Bild 1 zeigt das angeschliffene Instrument
    Die Durchbrüche am Kopf (Langlöcher) werden von vielen Instrumentenbauern sehr stiefmütterlich behandelt. Selbst teure Instrumente erfahren oft nach dem Fräsen der Löcher keine Schleifarbeit mehr. Ich habe natürlich auch dort die ganzen ausgefransten und rauen Oberflächen beschliffen, so gut es ging. (Bild 2)

    Schellack-Behandlung:
    Das offenporige Mahagoniholz mußte zuerst grundiert werden. Dies geschah mit einer stark verdünnten Schellack-Lösung und Bimssteinmehl (Bild 3).
    Bei den relativ dichten Hölzern wie Buche und Ebenholz habe ich nur mit verdünnter Schellack-Lösung grundiert und danach noch ca. 4-5 Schichten mit normaler Lösung aufgetragen.
    Die kleinen und verwinkelten Bereiche am Hals und Kopf wurden mit einem winzigen Ballen behandelt (Bild 4-6). Bitte im obigen Link vergleichen.

    Schellack ist der Lack, der eine Holzmaserung am besten anfeuert. So machte es sehr viel Spaß, Farbe und Maserung aus dem Holz zum Leben zu erwecken. Der alte schmierige Lack hatte da einiges verdeckt. Insbesondere der Kessel zeigte eine ganz andere Färbung (Bild 5).
    Nach den 4-6 Schichten Schellack im Abstand von jeweils 24 h muss das Ballenöl entfernt werden und der Schellack wird noch ein wenig aufpoliert (mit einer Autolackpolitur). Ich strebe einen seidenmatten Glanz an; Hochglanz finde ich für dieses alte Instrument nicht so passend. Bilder vom Instrument mit der fertigen Schellack-Behandlung erstelle ich am Schluss meines Fadens.

    - Nächster Schritt: Es soll nun doch ein neues Naturfell aufgezogen werden.


    170208_Schleifen1.jpg 170218_Schleifen2.jpg 170209_Grundierung.jpg 170219_Ballen1.jpg 170219_Ballen2.jpg 170219_Ballen3.jpg
     
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