- 07.10.26
- 07.02.07
- 8.489
- 71.116
- Schwabhausen
Vorgeschichte
Wenn einer eine Reise tut... dann kann er sich bei Thomann* auch gleich ein paar Lautsprecher anhören! Und als ich im Februar 2026 den Kollegen @nichtrauscher zum Stammhaus des großen T begleitete, wo er sich ein paar Monitore anhören und ich die ART 9xx-Serie mit der NX 9xx vergleichen wollte, bin ich dort zufällig auch der RCF EVOX J9 über den Weg gelaufen. Wir haben sie uns kurz angehört, und sie gefiel. Der Preis jedoch war damals nicht ganz in meinem Bereich. Ausserdem suchte ich eh etwas anderes und habe seitdem ein Rudel RCF ART 910 (Klick) gekauft.
Die Kaufentscheidung für diese Boxen (also die EVOX) fiel im Mai 2026, als ich las, dass die Subwoofer nur minimal über 20 kg wiegen, und das Gesamtsystem 28,3 kg, wovon rund 2 kg auf den Abstandshalter entfallen und etwa 6 kg auf das eigentliche Topteil. Dazu kam dann ein Sonderangebot bei einem mir vertrauten Händler, und dann habe ich kurzentschlossen zugeschlagen. Was soll ich sagen - der Geist war halt schwach. Aber der Körper ist es eben auch. Also: Her damit! Zweimal. Mit alles und scharf.
Unbox this box!
Geliefert wurden die Boxen kurz nach Bestellung und Bezahlung in zwei großen und recht gut stoßabsorbierenden Pappkartons - ein langer, schmaler für das Topteil und den Abstandshalter, ein deutlich größerer für den Subwoofer-Teil - und das ganze je zweimal. Innen ist alles nochmal in eine dünne Kunststoffhülle gepackt, das muss wohl so sein. Daneben sind noch so ein paar Silikatpäckchen zum Trockenhalten in der Verpackung, dazu eine Anleitung mit der Bitte, mich zu registrieren und ein Stromkabel - wie schon bei meinen ART 910a in satten drei Metern Länge. Da hat mal jemand mitgedacht! Ach ja, die Tasche für Topteil und Abstandshalter war ebenfalls enthalten, der Subwoofer kommt ohne Tasche daher. Da es davon zwei unterschiedliche Varianten gibt (einmal auf Rollen, einmal ein konventioneller Überwurf), finde ich das so auch vernünftig. Ich habe mich für die konventionellen Hüllen, also die einfachen Überwürfe, entschieden. Diese sind gut verarbeitet und passen sehr gut auf die Subwoofer. Nicht zu knapp geschnitten, nicht wacklig-weit. Taschen, z.B. für Kabel, haben diese Hüllen nicht. Aber wenn man das Kabel passend auf die Oberseite des Subwoofers legt, hält die Hülle es dort gut in Position.
Anleihen und weitere Familienmitglieder
Stäbchensysteme sind nichts Neues mehr, seit Bose damit auf den Markt kam, und die EVOX-Serie gibt es ja bereits ebenfalls ein paar Jahre, die erste Box dieser Serie, die EVOX J8, kam im Februar 2018 auf den Markt. Bestückt war dieses System mit einem 12-Zöller im Bass und acht 2-Zöllern im Topteil. Einen Monat später kam ein identisch bestücktes Modell mit einem kleinen Mischpult im Subwooferteil dazu, die JMIX8, und im September 2019 dann ein großer Bruder, die J12, bestückt mit einem 15-Zöller im Subwoofer und acht 4-Zoll-Mittelhochtönern mit 3-Zoll-Schwingspule - diese Hochtöner kenne ich aus der ART 745a, und sie klingen großartig. Diese erste Serie der EVOX erkennt man an der herkömmlichen Distanzstange, sie sieht halt aus wie ein schlankes Topteil auf einer Distanzstange, die auf einen Subwoofer montiert ist. Die zweite Serie, bestehend aus der J9 und der größeren J11 erschien Anfang 2026. Bestückt sind sie mit einem 12" Tieftöner, 6x 3" Neodym Mitteltönern und einem 0,75" Neodym Hochtontreiber mit Waveguide. Und auch hier gibt es neben der EVOX J9 - einem reinen Aktivsystem - auch eine EVOX JMIX 9, ähnlich dem Vorgängermodell mit einem kleinen Mischpult, hier mit vier XLR/Klinke-Comboeingängen, einem stereo Line-Eingang und einmal stereo BlueTooth für Audio-Streaming. Mitte Juni 2026 dazugekommen ist das neue Topmodell EVOX V15 mit einem 15er im Bass und zehn Vierzöllern, über 3kW Peak-Leistung und (je nach Quelle) 132 oder 133 dB SPL max - aber auch ganz schön schwer.
Auch die Fernbedienung der JMIX-Modell läuft über BlueTooth, aber eine genaue Angabe, welche BT-Version genau benutzt wird, macht RCF nicht. Sucht man dazu im Web nach dieser Information, bekommt man das folgende zu sehen: In den offiziellen Unterlagen von RCF wird angegeben, dass der EVOX JMIX9 für seine drahtlosen Funktionen (Audio-Streaming und Steuerung des Mischerteils per App) zwei verschiedene Protokolle verwendet:
Funktionsprinzip, Technisches und Mechanisches
Bei den Features geben RCF bzw. Thomann* auf ihren jeweiligen Webseiten u.a. folgendes an:
Wie die RCF ART 910a, wird auch die EVOX J9 durch Lamellenkühlkörper an der Rückseite des Subwoofers passiv und damit lautlos gekühlt, es gibt hier also keinen Lüfter, der im Lauf der Zeit lauter wird oder sich wegen ausgeschlagener Lager festdrehen kann. Sehr gut. Die Kühlung funktioniert auch recht gut, das Metall wird im leisen Betrieb zwar auch ein wenig warm, aber das deutlich weniger als bei der ART 910a. Bei einer mehrstündigen Veranstaltung im Freien unter sommerlicher Sonne wurden die Kühlkörper noch etwas wärmer, jedoch immer noch nicht so warm wie bei der RCF ART 910a.
Der Subwoofer beherbergt einen 12-Zoll-Lautsprecher in einem Bassreflexgehäuse. Die BR-Öffnungen befinden sich auf der Vorderseite unterhalb des Lautsprechers.
Man sieht deutlich, das Gehäuse ist mit seinen 35 cm kaum breiter als der verbaute 12-Zöller. Nach hinten verjüngt sich das Gehäuse über die 46 cm Tiefe jedoch ein wenig auf geschätzte 30 cm. Die Gehäusehöhe beträgt minimal über 60 cm. Von vorne betrachtet sieht der Subwoofer recht schlank aus, wie auch die gesamte Konstruktion optisch unauffällig bis elegant wirkt.
Auf der Rückseite findet sich das Elektronikmodul mit den Eingängen in Form einer XLR(f)/Klinken-Combo-Eingangsbuchse, einer XLR(m)-Buchse zum Durchschleifen des Signals, dem Bedienfeld und den schon erwähnten Kühllamellen. Zumindest bei den älteren RCF-Boxen sind Eingang und Ausgang einfach parallelgeschaltet, so dass man auch mal den Ausgang als Eingang zweckentfremden kann, wenn die Situation es erfordert. Dann gibt es da noch den "Mode"-Schalter, mit dem sich zwischen vier Soundmodi auswählen lässt. Für meine Zwecke nutze ich die EVOX ausschließlich im relativ linearen Standardmodus, der passenderweise auch so heisst - Linear. Die drei anderen Modi hören auf die Namen Live, Club und Voice.
Auch in dieser Lautsprecherserie nutzt RCF eine Methode zur Limitierung der Auslenkung des Woofers, die sich auf das sehr genau bekannte (Auslenk)Verhalten des Lautsprechers bei jeder Belastung stützt. Die Leistung, die der Lautsprecher aus der Endstufe angeliefert bekommt, wird so erst limitiert, wenn es zu seinem eigenen Schutz absolut notwendig ist und nicht bereits vorher. Konventionell wird einfach bei einer bestimmten Leistung nach der Methode "Pi mal Daumen" abgeriegelt, auch wenn der Lautsprecher eigentlich noch ein wenig mehr vertragen könnte. So holt RCF das absolute Maximum des Möglichen aus den Lautsprechern heraus bei gleichzeitig sehr hoher Betriebssicherheit. Passenderweise nennt RCF diese Methode des Lautsprecherschutzes "Bass Motion Control" (BMC).
Und hier das Topteil - nicht wirklich ein LineArray, aber die sechs 3-Zoll messenden Mitteltöner sind dennoch übereinander angeordnet und werfen den Sound so schon recht weit - bestimmt 20 Meter, ohne Probleme. Warum der Hochtöner zwischen dem zweiten und dritten Mitteltöner (von oben aus) angebracht ist und nicht symmetrisch in der Mitte, um so ein Pseudo-D'Appolito-System zu bauen, wird man bei RCF schon wissen, vermute ich.
Aufbau und Inbetriebnahme
Das ist SO LEICHT AUFZUBAUEN - jeder, der schonmal ein 20+ kg Topteil auf einen Hochständer gewuchtet hat (und vor allem nach dem Gig wieder herunter), wird verstehen, was ich meine. Und selbst, wenn es wie in meinem Fall meist "nur" 15 bis 19 kg sind, das ganze auf über 1.80 Meter zu bringen, ist einfach kein Spass. Die Montage der EVOX J9 dagegen ist das reinste Kinderspiel - Subwoofer auf den Boden stellen (20 kg), Abstandshalter drauf stecken (ca. 2 kg), danach das eigentliche Topteil oben drauf stecken (ca. 6 kg). Oder ohne die Abstandshalter, die Tops können nämlich auch direkt auf die Subs gesteckt werden. Auf der Rückseite dann einmal Strom und einmal Signal angeschlossen, denn Mittel- und Hochtöner bekommen ihre Signale über innenliegende Metallstifte. Und fertig ist die Laube. Was habe ich mir all die Jahre eigentlich angetan?
Ein falsches Zusammenstecken ist übrigens nicht möglich, wie man sieht, lassen sich Distanzstange und Topteil nur auf eine Weise verbinden.
Klang und Bearbeitung
Ich habe meine RCF ART 910a in dem Review dazu als klar und unangestrengt klingend bezeichnet, hier nochmal der Link. Diesen Eindruck macht die EVOX J9 ebenfalls. Ausserdem kann sie sehr laut werden. Im Einsatz für eine Liveband wirkt die Anlage größer als sie ist - von tief unten bis hoch oben wird alles im richtigen Verhältnis wiedergegeben. Die Hochtonwiedergabe ist sehr detailliert, bei akustischer Musik werden die Details aller übertragenen Instrumente sauber erkennbar und deutlich voneinander unterscheidbar dargestellt. Es "verklebt" hier nichts. Die Anlage kann aber auch Bumm-Bumm, wenn das gefragt ist - Bassdrum und Bassgitarre einer Rockband werden mühelos übertragen, auch laut. Für den DJ-Einsatz kommt es darauf an - EDM mit seinen abgrundtiefen Bässen würde nicht besonders laut gehen, aber für den Rock- oder Unterhaltung-DJ spielt die EVOX J9 klaglos mit. Für einen etwas moderneren (und daher bassbetonter auflegenden) DJ hat es zuerst nicht zu 100% gepasst, erst bei einem zweiten DJ-Einsatz habe ich die Anlage etwas bassbetonter getunt, so dass er damit zufrieden war. Es geht also.
Durch die Platzierung des Subwooferteils auf dem Boden hat die EVOX J9 einem kräftigen Topteil auf einer Distanzstange gegenüber einen physikalischen Vorteil, wenn besagtes Top nicht ebenfalls Subwooferunterstützung hat.
Bei der folgenden Passage hat die KI mitgeholfen: Ein Lautsprecher, der frei im Raum hängt, ohne nahe Wände, Boden oder Decke, strahlt in alle Richtungen ab – also in eine volle Kugel. Das nennt man Vollraumabstrahlung. Sobald der Lautsprecher direkt auf einer großen, harten Fläche (dem Boden) steht, kann er nach unten nicht mehr abstrahlen. Die gesamte Schallenergie konzentriert sich stattdessen in der oberen Halbkugel – das ist Halbraumabstrahlung, was eine gleichmäßige Pegelanhebung von etwa +3 bis +6 dBüber den gesamten Bassbereich bringt (vor einer Wand oder in einer Zimmerecke, wo zwei bzw. drei Flächen zusammentreffen, addiert sich das noch weiter – Viertelraum bzw. Achtelraum).
Dieser Effekt tritt nur auf, wenn die Wellenlänge groß gegenüber dem Abstand zur reflektierenden Fläche ist. Im Bass wirkt der Boden für die tiefen Frequenzen wie eine Grenzfläche. Mitten und Höhen mit ihren kürzeren Wellenlängen "sehen" den Boden dagegen eher als Echo bzw. werden vom Treiber ohnehin gerichteter abgestrahlt.
Auf einem Hochständer verschwindet der Boden nicht als Reflexionsfläche – er ist nur weiter entfernt vom Treiber. Dadurch legen Direktschall (Lautsprecher → Ohr) und der über den Boden reflektierte Schall unterschiedlich lange Wege zurück. Bei bestimmten Frequenzen kommen beide Wellen am Ohr in Phase an (Verstärkung), bei anderen genau gegenphasig (Auslöschung). Es entsteht ein Kammfilter-Effekt – ein unregelmäßiger, mit Einbrüchen durchsetzter Bassfrequenzgang, statt der glatten Halbraum-Verstärkung.
Steht der Subwoofer dagegen direkt auf dem Boden, fällt diese Weglängendifferenz praktisch weg, sodass die Verstärkung über den ganzen Bassbereich sauber und gleichmäßig ausfällt. Das ist der eigentliche Grund, warum Bass "vom Boden" nicht nur lauter, sondern auch druckvoller und konsistenter wirkt als vom Ständer.
Rauschen und Nebengeräusche
Die Boxen aus RCFs ART-Serien rauschen, meine alten 400er tun das, die 700er und auch die 900er, darin sind sie einander sehr ähnlich. Die EVOX J9 liegt vom Rauschen jedoch leicht darunter, wir haben einen Abend lang im Wohnzimmer ganz leise Musik darüber gehört, und das Rauschen ist nicht störend in Erscheinung getreten. Die quasi-Rauschfreiheit einer QSC K-Serie erreicht sie jedoch nicht.
Zubehör
Zu dieser Box gibt es von RCF eine passende Hüllen - die Tasche für das Topteil und den Abstandshalter ist beim Kauf schon dabei. Dazu gibt es für den Subwoofer aber ebenfalls Hüllen und (sehr cool, aber nicht ganz billig) Hüllen mit Rollen. Ich habe mich mit den "normalen" Hüllen für die Subs zufriedengegeben. Ausserdem habe ich ein zusätzliches Set Abstandshalter bestellt, Modellbezeichnung RCF PMK60768, die nach ein paar Wochen ankamen. Damit kann man bei dem System die Schallzeile oben nochmal um ca. 30 cm höher positionieren. Das habe ich bei einem Konzert dann auch gemacht. Es ist hierbei egal, ob man diese Zusatzstücke direkt auf den Subwoofer oder auf den anderen Abstandhalter setzt, ich habe beides probiert, es hat beides funktioniert. Elektrisch ist das nur ein Stück Kabel in der Aluhülle. Die Höhe ist dann passend für stehendes Publikum, wenn die Boxen selbst nicht erhöht stehen.
Erweiterung - darf's noch etwas mehr Bass sein?
Normalerweise ist so ein Stäbchensystem eine in sich geschlossene Einheit. Bei einigen wenigen Herstellern (ich meine HK Audio und in den aktuellen Generation 3 auch das MAUI von LD Systems) kann man den Sub nochmal dazu kaufen, wenn es etwas mehr Schub aus der Tiefe sein darf. RCF hat sich etwas anderes ausgedacht, um die EVOX-Familie noch etwas bassgewaltiger klingen zu lassen - es gibt von RCF zwei Serien von Subwoofern, die erschwingliche heisst SUB AX, welche mit passenden Presets zur Erweiterung aller möglichen RCF-Lautsprecher gefüttert werden können, u.a. zur EVOX J9. Dabei werden Pegel, Übergangsfrequenz und Phase passend eingestellt, so dass die Systeme korrekt zusammenspielen und einander bestmöglich ergänzen. RCF nennt die zugrunde liegende Technologie ACE, Advanced Crossover Engine.
Dazu muss man einfach am Subwoofer im Menü die passenden RCF-Boxen auswählen, und das Setup steht. Allerdings muss ich dies unbesehen glauben, mangels passendem Subwoofer kann ich dies nicht ausprobieren.
Weiterführende Informationen dazu gibt es hier:
Link: https://www.rcf.it/en/advanced-crossover-engine
Downloadlink für das White Paper
RCFs SUB AX-Serie: Klick
Praxis
Erster Nicht-Einsatz war im heimischen Wohnzimmer, also Aufbau, Test, erstmaliges Anhören - ein 20kg Subwoofer ist deutlich leichter im Handling als ein 34kg-Modell. Insbesondere, wenn der 20kg EVOX-Subwoofer einen sehr angenehmen Griff hat. Zwar nur einen oben am Gehäuse, aber das reicht hier vollkommen aus. Dann den Abstandshalter drauf stecken (der Ausdruck "Distanzstange" trifft es nicht genau), easy, dann das Topteil ganz oben drauf - genauso leicht. Ich frage mich, wieso ich jahrelang schwere Topteile auf Distanzstangen und Hochständer gehievt habe, und komme mir rückblickend nun irgendwie dämlich vor. Ein Stromkabel dran, einmal XLR für Signal, den Volumenregler in Mittelstellung (immerhin - wir sind hier in einem Wohnzimmer) und hingehört - ja, das klingt sehr angenehm, deutlich auflösend, auch leise mit ausreichend Bass (remember Fletcher-Munson, bei leisen Pegeln ist das Gehör weniger empfindlich für Bässe und Höhen). Im Trockentest also alles gut, das finde ich schonmal vielversprechend.
Dann der erste Live-Einsatz mit einer von mir betreuten bayrischen Rockband. Die sind nicht allzu laut, aber singen in Mundart, und das Publikum will die Texte klar und deutlich verstehen. Neulich habe ich mit meinen RCF ART 910a schonmal deren alte ART 310a ersetzt (im Zusammenspiel mit einem RCF 705 Subwoofer), und schon da gefiel mir der deutliche, unangestrengte Sound der neuen RCF-Boxen, und die EVOX J9 klingt in dieser Hinsicht ganz ähnlich. Der Saal für dieses Debut der EVOX J9 ist nicht besonders groß, aber recht lang, und ich verspreche mir von der Zeile von sechs 3"-Mitteltönern einen weiteren Wurf als mit einem einfachen 10er. Das geht auch in Erfüllung, wie ich im Lauf der Veranstaltung deutlich merke.
Transport und Aufbau gehen wieder kinderleicht von der Hand, die Anlage ist einfach schneller und mit weniger körperlicher Anstrengung aufgebaut als eine konventionelle 2.1-Anlage mit einem Subwoofer und zwei Tops auf Stativen. Der Saal hat ein hartes Parkett, welches kräftig reflektiert, und auch die Rückwand reflektiert deutlich zurück, was man dagegen wirft. Die Messung zeigt dann auch im mittleren Bereich des noch leeren Raums, dass da eine ordentlich Mittensenke durch Auslöschung stattfindet - das legt sich während der Veranstaltung deutlich, sobald einige Tänzer die Tanzfläche betreten. Im letzten Drittel des Saales klingt es wegen der Reflexionen von der Rückwand weniger deutlich als vorne und in der Mitte, auch mit Musik aus der Konserve.
Wenn ich einfach mal Messwerte ausser acht lasse, klingt die Anlage toll. Sie wirkt souverän, es fühlt sich an, wie eine wesentlich größere Anlage. Ich teste kurz den Maximalpegel, bzw. ich versuch es, denn mittendrin gebe ich auf und drehe wieder ab, es ist mir in zehn Metern Entfernung einfach zu laut. Soundcheck im leeren Saal, nach grobem Einmessen der Anlage, geht auch schnell von der Hand. Im Betrieb dann allerdings, also im Konzert, fällt es mir schwer, den bestehenden Mix (erstellt auf einer konventionellen PA) hier ausgewogen klingen zu lassen. Das dynamische Verhalten ist einfach anders, und ständig ertappe ich mich, wie ich an den Kompressoren herum schraube. Doch die falsche Anlage gekauft? Ich bringe die Veranstaltung halbwegs anständig hinter mich (Band und Veranstalter waren zufrieden, ich nicht so ganz) und schlafe erstmal darüber.
Zwei Tage später dann der zweite Live-Einsatz, eine kleine Multi-Kulti-OpenAir-Veranstaltung im Schlosshof von Schloss Blutenburg in München. Also quasi ein Open Air, jedoch weitestgehend recht dezent. Womit habe ich die Anlage also gefüttert? Chormusik (von mir kam nur die Verstärkung des Ansagemikrofons), ein Bauchtanz (soll heißen basslastige Konservenmusik), dann eine teilweise abgenommene Bigband (Drums, Bass, Keys und Gesang gehen über die Anlage), danach eine komplett abgenommene Rockband und schließlich und endlich ein Akustikpop-Duo mit Gitarre, verschiedenen Percussion- und Kleinpercussion-Intrumenten sowie zweimal Gesang. Alle Mixes neu erstellt, und hier klingt alles auf Anhieb so, wie das klingen soll. Auch das dynamische Verhalten ist vollkommen in Ordnung. Auf dieser Anlage muss man also anders mischen als auf meiner konventionellen PA oder auf der von der bayrischen Rockband. Dann ist ja alles in bester Ordnung, anscheinend habe ich mit der EVOX doch die richtige Anlage gekauft. In den nächsten Wochen beschalle ich mit der Anlage noch zwei Festivals und ein kleines Open Air in einem Biergarten, dann sehen wir weiter.
Am Wochenende drauf dann mehrtägiger Einsatz auf einem Yoga-Festival. Transport und Aufbau laufen trotz der Hitze zum Sommerbeginn wieder cremig. Während der Yoga-Stunden wird die (meist leise) Begleitmusik einwandfrei abgespielt, die Stimmen der Trainer und Trainerinnen sind darüber perfekt zu verstehen. Auch die Konzerte (Mantra-Musik mit akustischen Instrumenten) klingen großartig, alle Details werden deutlich wiedergegeben. An einem Abend ist ein DJ gebucht, der mir am nächsten Morgen erzählte, dass er sich noch etwas mehr Druck aus der Tiefe gewünscht hätte. Vielleicht hätte ich das per EQ noch hinbiegen können, aber ich habe es bei einer leichten Bassanhebung und einem schützenden Kompressor belassen, falls der DJ seinen Pegel nicht im Griff hat, und habe die Veranstaltung verlassen - nach zehn Stunden Festival war ich da wohl etwas zu voreilig. Am nächsten Abend ein anderer Performer, der zu Playbacks live singt - quasi auch ein DJ-Einsatz, und hier habe ich das Bassverhalten noch ein wenig besser getunt. Dieser Künstler war happy mit dem Sound der Anlage. Die ganzen Trainings und die Mantrakonzerte an dem Tag liefen klanglich wunderbar.
14 Tage später ein ähnlich gelagertes Festival - drei Tage lang akustische Mantra-Musik, Yoga-Stunden mit Sprachübertragung per Headset zu Musik via BlueTooth und abends der sog. Ecstatic Dance, also DJ-Mucke auf höherem Pegel. Diesmal war die akustische Umgebung etwas anders, eine kleine Freikirche, leicht erhöhte Bühne, Steinfußboden, niedrige Mauern mit hohem nach oben spitz zulaufenden Holzgebälk bzw. -dach. Kein unangenehmer Raumklang, aber mit reichlich Nachhall. Da die Boxen bereits erhöht stehen und das Publikum über weite Strecken auf dem Boden sitzt, stelle ich die EVOX J9 ohne das Distanzelement auf. Das passt dann auch sehr gut für diese Veranstaltung. Über die Technik kam ein dünner Schleier, das sollte die Optik ein wenig kaschieren. Akustisch machte der dünne Stoff keine Probleme.
Die Stimmen der Trainerinnen und Trainer kommen nach grobem Einmessen der Anlage auf den Raum klar durch, die akustische Musik tönt druckvoll und klar aufgelöst, dabei aber immer angenehm. Die DJ-Veranstaltungen lassen sich (in dieser Location) quasi beliebig laut einstellen, deutlich zu laut für gefahrlosen Genuss, so dass ich die Anlage lediglich auf halber Kraft oder sogar noch weniger fahre. Eine dezente Bassanhebung dazu, es klingt sehr angenehm (nur zu laut für meinen Geschmack).
Ein letzter Einsatz vor Veröffentlichung dieses Reviews war in einem bayrischen Biergarten mit passender bayrischer Rockband, die ich eingangs schonmal in einem Saal verarztet hatte. Hier ging es um Reichweite, denn in den Vorjahren hatte meine RCF ART 745a etwas zu kurz "geworfen", um die letzte Tischreihe noch zufriedenstellend zu erreichen - nach 20 bis 22 Metern ist hier Schluss, und danach "verpufft" der Sound im Freien. Die EVOX J9 mit ihren Linienstrahler-Mitteltönern brilliert hier und versorgt auch die letzte Reihe noch mit Sound, leise, aber deutlich hörbar, das sind ca. 25 bis 26 Meter. Und das, ohne dass einem vorne die Ohren abfallen.
Eine Stolperfalle offenbart sich hier dann aber doch noch, bzw. wieder mal ein anderes Verhalten der Box, an die man sich erst gewöhnen muss. Der Bandleader/Sänger ist seine alten ART 310a mit 90° * 60° Abstrahlwinkel gewohnt. Die EVOX J9 bieten hier 120° * 40°, was wesentlich breiter ist. Mehrmals hat er, am vorderen Bühnenrand stehend, das Mikro in Richtung des Publikums geschwenkt und ist dabei immer wieder in den Abstrahlbereich der Boxen gekommen, was das Mikro, ein Beta 58a auf einer SLXD-Strecke, immer wieder mit einem sehr hochfrequenten Pfeifen quittierte. Der Feedbackkiller im Pult war dabei leider zu langsam, um es zu erwischen, so habe ich erst Pi mal Daumen den vermuteten Frequenzbereich leicht abgesenkt. Das hat nur ein klein wenig geholfen, so habe ich die Boxen einfach einen knappen Meter weiter nach vorne versetzt - dank des geringen Gewichts war das kein Problem. Das hat das Problem dann eliminiert.
Nach soviel Lob...
... muss es doch auch Kritikpunkte geben. Schwierig. Okay, bei einem meiner beiden Systeme ging der Reissverschluss der Tasche für das Topteil anfangs nicht ganz einfach zu - aber das war es dann eigentlich auch schon. Okay, man hätte den Subwoofer für die Montage von Bluewheels vorbereiten können. Aber RCF bietet ja auch eine eigene Verpackung für den Subwoofer incl. Rollen an. Ohne den Subwoofer zu verschandeln. So gesehen ist das also logisch.
Für mich schwieriger, aber nicht wirklich ein Problem der Anlage, ist, dass manche Mixes, die auf anderen PA-Systemen erstellt wurden, auf dieser Anlage trotz Einmessens nicht so ohne weiteres funktionieren, ich habe viele kleine Veränderungen vorgenommen, bis ich halbwegs zufriedden war. Deutlich leichter fiel es mir, und viel schneller zufrieden war ich mit dem Sound jedesmal, wenn ich den Mix einfach komplett neu erstellt habe. Okay, das ist jetzt kein Qualitätsmangel der Anlage, sondern einfach eine anderes Verhalten. Als ich vor ungefähr drei oder vier Jahren anfing, hin und wieder auf Seeburg-Systemen zu mischen, habe ich auch festgestellt, dass diese Lautsprecher sich ganz anders verhalten als meine RCFs, so dass man leichter einen neuen Mix erstellt als einen vorhandenen anzupassen. Die EVOX J9 liegt vom Verhalten irgendwo zischen diesen beiden sehr verschiedenen Systemen.
Eine Sache fällt nach ein paar Einsätzen dann noch auf, wenn man mal den Pegel der Box im Schummerlicht anpassen muss - der Lack um den Lautstärkeregler ist schwarz, und der Punkt auf dem Lautstärkeregler, der die Position anzeigen soll, ist in einem wirklich schicken Grau - in perfektem Licht sieht das super aus und ist auch gut erkennbar. Ist es dagegen eher düster oder ein wenig schattig, sinkt die Deutlichkeit auf nahezu Null, so dass man irgendwie für Beleuchtung sorgen muss. Das ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber mir geht das ziemlich auf den Zeiger, weswegen ich nach einmaligem Einstellen den Pegelregler der Box quasi nicht mehr anfasse. Also, liebe Designer bei RCF, springt mal über Euren Schatten und gestaltet diesen Regler weniger schick, dafür unter allen Umständen und auch mit ungünstigeren Lichtverhältnissen klar erkennbar. Echt jetzt.
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden sich natürlich auf den Seiten von RCF:
Alternativen
Der Markt ist groß, der Formfaktor grade schwer in Mode und die Konkurrenten darum zahlreich! Adäquate Alternativen findet man u.a. bei
https://www.thomann.de/de/saeulensysteme.html?gk=PALPSS&sp=solr_improved_listing&cme=true&filter=true&affid=2&offid=1&subid=musikerboard**
Mein persönliches Fazit
Aus meiner sehr persönlichen Sichtweise: Bin ich über den Kauf froh? Hell, yeah! Aufbau und Transport sind wesentlich einfacher als bei meinen bisherigen Systemen, und der Sound in den verschiedensten Anwendungsbereichen, die für mich relevant sind, stimmt einfach. Von tief bis ganz hoch werden alle Frequenzbereiche klar, laut und deutlich übertragen und klingen dabei sehr angenehm - einfach entspannt und unangestrengt. Wahrscheinlich wird das in den nächsten Jahren mein am häufigsten eingesetztes PA-System.
Wenn einer eine Reise tut... dann kann er sich bei Thomann* auch gleich ein paar Lautsprecher anhören! Und als ich im Februar 2026 den Kollegen @nichtrauscher zum Stammhaus des großen T begleitete, wo er sich ein paar Monitore anhören und ich die ART 9xx-Serie mit der NX 9xx vergleichen wollte, bin ich dort zufällig auch der RCF EVOX J9 über den Weg gelaufen. Wir haben sie uns kurz angehört, und sie gefiel. Der Preis jedoch war damals nicht ganz in meinem Bereich. Ausserdem suchte ich eh etwas anderes und habe seitdem ein Rudel RCF ART 910 (Klick) gekauft.
Die Kaufentscheidung für diese Boxen (also die EVOX) fiel im Mai 2026, als ich las, dass die Subwoofer nur minimal über 20 kg wiegen, und das Gesamtsystem 28,3 kg, wovon rund 2 kg auf den Abstandshalter entfallen und etwa 6 kg auf das eigentliche Topteil. Dazu kam dann ein Sonderangebot bei einem mir vertrauten Händler, und dann habe ich kurzentschlossen zugeschlagen. Was soll ich sagen - der Geist war halt schwach. Aber der Körper ist es eben auch. Also: Her damit! Zweimal. Mit alles und scharf.
Unbox this box!
Geliefert wurden die Boxen kurz nach Bestellung und Bezahlung in zwei großen und recht gut stoßabsorbierenden Pappkartons - ein langer, schmaler für das Topteil und den Abstandshalter, ein deutlich größerer für den Subwoofer-Teil - und das ganze je zweimal. Innen ist alles nochmal in eine dünne Kunststoffhülle gepackt, das muss wohl so sein. Daneben sind noch so ein paar Silikatpäckchen zum Trockenhalten in der Verpackung, dazu eine Anleitung mit der Bitte, mich zu registrieren und ein Stromkabel - wie schon bei meinen ART 910a in satten drei Metern Länge. Da hat mal jemand mitgedacht! Ach ja, die Tasche für Topteil und Abstandshalter war ebenfalls enthalten, der Subwoofer kommt ohne Tasche daher. Da es davon zwei unterschiedliche Varianten gibt (einmal auf Rollen, einmal ein konventioneller Überwurf), finde ich das so auch vernünftig. Ich habe mich für die konventionellen Hüllen, also die einfachen Überwürfe, entschieden. Diese sind gut verarbeitet und passen sehr gut auf die Subwoofer. Nicht zu knapp geschnitten, nicht wacklig-weit. Taschen, z.B. für Kabel, haben diese Hüllen nicht. Aber wenn man das Kabel passend auf die Oberseite des Subwoofers legt, hält die Hülle es dort gut in Position.
Anleihen und weitere Familienmitglieder
Stäbchensysteme sind nichts Neues mehr, seit Bose damit auf den Markt kam, und die EVOX-Serie gibt es ja bereits ebenfalls ein paar Jahre, die erste Box dieser Serie, die EVOX J8, kam im Februar 2018 auf den Markt. Bestückt war dieses System mit einem 12-Zöller im Bass und acht 2-Zöllern im Topteil. Einen Monat später kam ein identisch bestücktes Modell mit einem kleinen Mischpult im Subwooferteil dazu, die JMIX8, und im September 2019 dann ein großer Bruder, die J12, bestückt mit einem 15-Zöller im Subwoofer und acht 4-Zoll-Mittelhochtönern mit 3-Zoll-Schwingspule - diese Hochtöner kenne ich aus der ART 745a, und sie klingen großartig. Diese erste Serie der EVOX erkennt man an der herkömmlichen Distanzstange, sie sieht halt aus wie ein schlankes Topteil auf einer Distanzstange, die auf einen Subwoofer montiert ist. Die zweite Serie, bestehend aus der J9 und der größeren J11 erschien Anfang 2026. Bestückt sind sie mit einem 12" Tieftöner, 6x 3" Neodym Mitteltönern und einem 0,75" Neodym Hochtontreiber mit Waveguide. Und auch hier gibt es neben der EVOX J9 - einem reinen Aktivsystem - auch eine EVOX JMIX 9, ähnlich dem Vorgängermodell mit einem kleinen Mischpult, hier mit vier XLR/Klinke-Comboeingängen, einem stereo Line-Eingang und einmal stereo BlueTooth für Audio-Streaming. Mitte Juni 2026 dazugekommen ist das neue Topmodell EVOX V15 mit einem 15er im Bass und zehn Vierzöllern, über 3kW Peak-Leistung und (je nach Quelle) 132 oder 133 dB SPL max - aber auch ganz schön schwer.
Auch die Fernbedienung der JMIX-Modell läuft über BlueTooth, aber eine genaue Angabe, welche BT-Version genau benutzt wird, macht RCF nicht. Sucht man dazu im Web nach dieser Information, bekommt man das folgende zu sehen: In den offiziellen Unterlagen von RCF wird angegeben, dass der EVOX JMIX9 für seine drahtlosen Funktionen (Audio-Streaming und Steuerung des Mischerteils per App) zwei verschiedene Protokolle verwendet:
- Für das Audio-Streaming arbeitet die JMIX9 als Bluetooth-Gerät der Klasse 2, und Chips dieser Klasse begrenzen die garantierte Übertragungsreichweite in der Regel auf etwa 10 Meter (33 Fuß).
- Die App-Steuerung (JMixRemote) nutzt das Bluetooth Low Energy-Protokoll (BLE), um die Kommunikation zwischen einem iOS- oder Android-Gerät und dem integrierten 8-Kanal-Digitalmischer herzustellen.
Funktionsprinzip, Technisches und Mechanisches
Bei den Features geben RCF bzw. Thomann* auf ihren jeweiligen Webseiten u.a. folgendes an:
- Leistung: 2100 W (peak), Class-D Amplifier mit DSP
- Frequenzbereich: 40 - 20000 Hz
- Abstrahlverhalten: 120° x 40° (H x V)
- max. SPL: 130 dB
- Limiter: Soft Limiter
- FiRPHASE und Bass Motion Control
- Abmessungen insgesamt (B x H x T): 350 x 2080 x 463 mm
- Abmessungen Subwoofer (B x H x T): 350 x 600 x 463 mm
- Gewicht: 28,3 kg (davon entfallen 20,1 kg auf den Sub, ca. 2 kg auf den Abstandhalter und etwa 6 kg auf das Topteil)
Wie die RCF ART 910a, wird auch die EVOX J9 durch Lamellenkühlkörper an der Rückseite des Subwoofers passiv und damit lautlos gekühlt, es gibt hier also keinen Lüfter, der im Lauf der Zeit lauter wird oder sich wegen ausgeschlagener Lager festdrehen kann. Sehr gut. Die Kühlung funktioniert auch recht gut, das Metall wird im leisen Betrieb zwar auch ein wenig warm, aber das deutlich weniger als bei der ART 910a. Bei einer mehrstündigen Veranstaltung im Freien unter sommerlicher Sonne wurden die Kühlkörper noch etwas wärmer, jedoch immer noch nicht so warm wie bei der RCF ART 910a.
Der Subwoofer beherbergt einen 12-Zoll-Lautsprecher in einem Bassreflexgehäuse. Die BR-Öffnungen befinden sich auf der Vorderseite unterhalb des Lautsprechers.
Man sieht deutlich, das Gehäuse ist mit seinen 35 cm kaum breiter als der verbaute 12-Zöller. Nach hinten verjüngt sich das Gehäuse über die 46 cm Tiefe jedoch ein wenig auf geschätzte 30 cm. Die Gehäusehöhe beträgt minimal über 60 cm. Von vorne betrachtet sieht der Subwoofer recht schlank aus, wie auch die gesamte Konstruktion optisch unauffällig bis elegant wirkt.
Auf der Rückseite findet sich das Elektronikmodul mit den Eingängen in Form einer XLR(f)/Klinken-Combo-Eingangsbuchse, einer XLR(m)-Buchse zum Durchschleifen des Signals, dem Bedienfeld und den schon erwähnten Kühllamellen. Zumindest bei den älteren RCF-Boxen sind Eingang und Ausgang einfach parallelgeschaltet, so dass man auch mal den Ausgang als Eingang zweckentfremden kann, wenn die Situation es erfordert. Dann gibt es da noch den "Mode"-Schalter, mit dem sich zwischen vier Soundmodi auswählen lässt. Für meine Zwecke nutze ich die EVOX ausschließlich im relativ linearen Standardmodus, der passenderweise auch so heisst - Linear. Die drei anderen Modi hören auf die Namen Live, Club und Voice.
Auch in dieser Lautsprecherserie nutzt RCF eine Methode zur Limitierung der Auslenkung des Woofers, die sich auf das sehr genau bekannte (Auslenk)Verhalten des Lautsprechers bei jeder Belastung stützt. Die Leistung, die der Lautsprecher aus der Endstufe angeliefert bekommt, wird so erst limitiert, wenn es zu seinem eigenen Schutz absolut notwendig ist und nicht bereits vorher. Konventionell wird einfach bei einer bestimmten Leistung nach der Methode "Pi mal Daumen" abgeriegelt, auch wenn der Lautsprecher eigentlich noch ein wenig mehr vertragen könnte. So holt RCF das absolute Maximum des Möglichen aus den Lautsprechern heraus bei gleichzeitig sehr hoher Betriebssicherheit. Passenderweise nennt RCF diese Methode des Lautsprecherschutzes "Bass Motion Control" (BMC).
Und hier das Topteil - nicht wirklich ein LineArray, aber die sechs 3-Zoll messenden Mitteltöner sind dennoch übereinander angeordnet und werfen den Sound so schon recht weit - bestimmt 20 Meter, ohne Probleme. Warum der Hochtöner zwischen dem zweiten und dritten Mitteltöner (von oben aus) angebracht ist und nicht symmetrisch in der Mitte, um so ein Pseudo-D'Appolito-System zu bauen, wird man bei RCF schon wissen, vermute ich.
Aufbau und Inbetriebnahme
Das ist SO LEICHT AUFZUBAUEN - jeder, der schonmal ein 20+ kg Topteil auf einen Hochständer gewuchtet hat (und vor allem nach dem Gig wieder herunter), wird verstehen, was ich meine. Und selbst, wenn es wie in meinem Fall meist "nur" 15 bis 19 kg sind, das ganze auf über 1.80 Meter zu bringen, ist einfach kein Spass. Die Montage der EVOX J9 dagegen ist das reinste Kinderspiel - Subwoofer auf den Boden stellen (20 kg), Abstandshalter drauf stecken (ca. 2 kg), danach das eigentliche Topteil oben drauf stecken (ca. 6 kg). Oder ohne die Abstandshalter, die Tops können nämlich auch direkt auf die Subs gesteckt werden. Auf der Rückseite dann einmal Strom und einmal Signal angeschlossen, denn Mittel- und Hochtöner bekommen ihre Signale über innenliegende Metallstifte. Und fertig ist die Laube. Was habe ich mir all die Jahre eigentlich angetan?
Ein falsches Zusammenstecken ist übrigens nicht möglich, wie man sieht, lassen sich Distanzstange und Topteil nur auf eine Weise verbinden.
Klang und Bearbeitung
Ich habe meine RCF ART 910a in dem Review dazu als klar und unangestrengt klingend bezeichnet, hier nochmal der Link. Diesen Eindruck macht die EVOX J9 ebenfalls. Ausserdem kann sie sehr laut werden. Im Einsatz für eine Liveband wirkt die Anlage größer als sie ist - von tief unten bis hoch oben wird alles im richtigen Verhältnis wiedergegeben. Die Hochtonwiedergabe ist sehr detailliert, bei akustischer Musik werden die Details aller übertragenen Instrumente sauber erkennbar und deutlich voneinander unterscheidbar dargestellt. Es "verklebt" hier nichts. Die Anlage kann aber auch Bumm-Bumm, wenn das gefragt ist - Bassdrum und Bassgitarre einer Rockband werden mühelos übertragen, auch laut. Für den DJ-Einsatz kommt es darauf an - EDM mit seinen abgrundtiefen Bässen würde nicht besonders laut gehen, aber für den Rock- oder Unterhaltung-DJ spielt die EVOX J9 klaglos mit. Für einen etwas moderneren (und daher bassbetonter auflegenden) DJ hat es zuerst nicht zu 100% gepasst, erst bei einem zweiten DJ-Einsatz habe ich die Anlage etwas bassbetonter getunt, so dass er damit zufrieden war. Es geht also.
Durch die Platzierung des Subwooferteils auf dem Boden hat die EVOX J9 einem kräftigen Topteil auf einer Distanzstange gegenüber einen physikalischen Vorteil, wenn besagtes Top nicht ebenfalls Subwooferunterstützung hat.
Bei der folgenden Passage hat die KI mitgeholfen: Ein Lautsprecher, der frei im Raum hängt, ohne nahe Wände, Boden oder Decke, strahlt in alle Richtungen ab – also in eine volle Kugel. Das nennt man Vollraumabstrahlung. Sobald der Lautsprecher direkt auf einer großen, harten Fläche (dem Boden) steht, kann er nach unten nicht mehr abstrahlen. Die gesamte Schallenergie konzentriert sich stattdessen in der oberen Halbkugel – das ist Halbraumabstrahlung, was eine gleichmäßige Pegelanhebung von etwa +3 bis +6 dBüber den gesamten Bassbereich bringt (vor einer Wand oder in einer Zimmerecke, wo zwei bzw. drei Flächen zusammentreffen, addiert sich das noch weiter – Viertelraum bzw. Achtelraum).
Dieser Effekt tritt nur auf, wenn die Wellenlänge groß gegenüber dem Abstand zur reflektierenden Fläche ist. Im Bass wirkt der Boden für die tiefen Frequenzen wie eine Grenzfläche. Mitten und Höhen mit ihren kürzeren Wellenlängen "sehen" den Boden dagegen eher als Echo bzw. werden vom Treiber ohnehin gerichteter abgestrahlt.
Auf einem Hochständer verschwindet der Boden nicht als Reflexionsfläche – er ist nur weiter entfernt vom Treiber. Dadurch legen Direktschall (Lautsprecher → Ohr) und der über den Boden reflektierte Schall unterschiedlich lange Wege zurück. Bei bestimmten Frequenzen kommen beide Wellen am Ohr in Phase an (Verstärkung), bei anderen genau gegenphasig (Auslöschung). Es entsteht ein Kammfilter-Effekt – ein unregelmäßiger, mit Einbrüchen durchsetzter Bassfrequenzgang, statt der glatten Halbraum-Verstärkung.
Steht der Subwoofer dagegen direkt auf dem Boden, fällt diese Weglängendifferenz praktisch weg, sodass die Verstärkung über den ganzen Bassbereich sauber und gleichmäßig ausfällt. Das ist der eigentliche Grund, warum Bass "vom Boden" nicht nur lauter, sondern auch druckvoller und konsistenter wirkt als vom Ständer.
Rauschen und Nebengeräusche
Die Boxen aus RCFs ART-Serien rauschen, meine alten 400er tun das, die 700er und auch die 900er, darin sind sie einander sehr ähnlich. Die EVOX J9 liegt vom Rauschen jedoch leicht darunter, wir haben einen Abend lang im Wohnzimmer ganz leise Musik darüber gehört, und das Rauschen ist nicht störend in Erscheinung getreten. Die quasi-Rauschfreiheit einer QSC K-Serie erreicht sie jedoch nicht.
Zubehör
Zu dieser Box gibt es von RCF eine passende Hüllen - die Tasche für das Topteil und den Abstandshalter ist beim Kauf schon dabei. Dazu gibt es für den Subwoofer aber ebenfalls Hüllen und (sehr cool, aber nicht ganz billig) Hüllen mit Rollen. Ich habe mich mit den "normalen" Hüllen für die Subs zufriedengegeben. Ausserdem habe ich ein zusätzliches Set Abstandshalter bestellt, Modellbezeichnung RCF PMK60768, die nach ein paar Wochen ankamen. Damit kann man bei dem System die Schallzeile oben nochmal um ca. 30 cm höher positionieren. Das habe ich bei einem Konzert dann auch gemacht. Es ist hierbei egal, ob man diese Zusatzstücke direkt auf den Subwoofer oder auf den anderen Abstandhalter setzt, ich habe beides probiert, es hat beides funktioniert. Elektrisch ist das nur ein Stück Kabel in der Aluhülle. Die Höhe ist dann passend für stehendes Publikum, wenn die Boxen selbst nicht erhöht stehen.
Erweiterung - darf's noch etwas mehr Bass sein?
Normalerweise ist so ein Stäbchensystem eine in sich geschlossene Einheit. Bei einigen wenigen Herstellern (ich meine HK Audio und in den aktuellen Generation 3 auch das MAUI von LD Systems) kann man den Sub nochmal dazu kaufen, wenn es etwas mehr Schub aus der Tiefe sein darf. RCF hat sich etwas anderes ausgedacht, um die EVOX-Familie noch etwas bassgewaltiger klingen zu lassen - es gibt von RCF zwei Serien von Subwoofern, die erschwingliche heisst SUB AX, welche mit passenden Presets zur Erweiterung aller möglichen RCF-Lautsprecher gefüttert werden können, u.a. zur EVOX J9. Dabei werden Pegel, Übergangsfrequenz und Phase passend eingestellt, so dass die Systeme korrekt zusammenspielen und einander bestmöglich ergänzen. RCF nennt die zugrunde liegende Technologie ACE, Advanced Crossover Engine.
Dazu muss man einfach am Subwoofer im Menü die passenden RCF-Boxen auswählen, und das Setup steht. Allerdings muss ich dies unbesehen glauben, mangels passendem Subwoofer kann ich dies nicht ausprobieren.
Weiterführende Informationen dazu gibt es hier:
Link: https://www.rcf.it/en/advanced-crossover-engine
Downloadlink für das White Paper
RCFs SUB AX-Serie: Klick
Praxis
Erster Nicht-Einsatz war im heimischen Wohnzimmer, also Aufbau, Test, erstmaliges Anhören - ein 20kg Subwoofer ist deutlich leichter im Handling als ein 34kg-Modell. Insbesondere, wenn der 20kg EVOX-Subwoofer einen sehr angenehmen Griff hat. Zwar nur einen oben am Gehäuse, aber das reicht hier vollkommen aus. Dann den Abstandshalter drauf stecken (der Ausdruck "Distanzstange" trifft es nicht genau), easy, dann das Topteil ganz oben drauf - genauso leicht. Ich frage mich, wieso ich jahrelang schwere Topteile auf Distanzstangen und Hochständer gehievt habe, und komme mir rückblickend nun irgendwie dämlich vor. Ein Stromkabel dran, einmal XLR für Signal, den Volumenregler in Mittelstellung (immerhin - wir sind hier in einem Wohnzimmer) und hingehört - ja, das klingt sehr angenehm, deutlich auflösend, auch leise mit ausreichend Bass (remember Fletcher-Munson, bei leisen Pegeln ist das Gehör weniger empfindlich für Bässe und Höhen). Im Trockentest also alles gut, das finde ich schonmal vielversprechend.
Dann der erste Live-Einsatz mit einer von mir betreuten bayrischen Rockband. Die sind nicht allzu laut, aber singen in Mundart, und das Publikum will die Texte klar und deutlich verstehen. Neulich habe ich mit meinen RCF ART 910a schonmal deren alte ART 310a ersetzt (im Zusammenspiel mit einem RCF 705 Subwoofer), und schon da gefiel mir der deutliche, unangestrengte Sound der neuen RCF-Boxen, und die EVOX J9 klingt in dieser Hinsicht ganz ähnlich. Der Saal für dieses Debut der EVOX J9 ist nicht besonders groß, aber recht lang, und ich verspreche mir von der Zeile von sechs 3"-Mitteltönern einen weiteren Wurf als mit einem einfachen 10er. Das geht auch in Erfüllung, wie ich im Lauf der Veranstaltung deutlich merke.
Transport und Aufbau gehen wieder kinderleicht von der Hand, die Anlage ist einfach schneller und mit weniger körperlicher Anstrengung aufgebaut als eine konventionelle 2.1-Anlage mit einem Subwoofer und zwei Tops auf Stativen. Der Saal hat ein hartes Parkett, welches kräftig reflektiert, und auch die Rückwand reflektiert deutlich zurück, was man dagegen wirft. Die Messung zeigt dann auch im mittleren Bereich des noch leeren Raums, dass da eine ordentlich Mittensenke durch Auslöschung stattfindet - das legt sich während der Veranstaltung deutlich, sobald einige Tänzer die Tanzfläche betreten. Im letzten Drittel des Saales klingt es wegen der Reflexionen von der Rückwand weniger deutlich als vorne und in der Mitte, auch mit Musik aus der Konserve.
Wenn ich einfach mal Messwerte ausser acht lasse, klingt die Anlage toll. Sie wirkt souverän, es fühlt sich an, wie eine wesentlich größere Anlage. Ich teste kurz den Maximalpegel, bzw. ich versuch es, denn mittendrin gebe ich auf und drehe wieder ab, es ist mir in zehn Metern Entfernung einfach zu laut. Soundcheck im leeren Saal, nach grobem Einmessen der Anlage, geht auch schnell von der Hand. Im Betrieb dann allerdings, also im Konzert, fällt es mir schwer, den bestehenden Mix (erstellt auf einer konventionellen PA) hier ausgewogen klingen zu lassen. Das dynamische Verhalten ist einfach anders, und ständig ertappe ich mich, wie ich an den Kompressoren herum schraube. Doch die falsche Anlage gekauft? Ich bringe die Veranstaltung halbwegs anständig hinter mich (Band und Veranstalter waren zufrieden, ich nicht so ganz) und schlafe erstmal darüber.
Zwei Tage später dann der zweite Live-Einsatz, eine kleine Multi-Kulti-OpenAir-Veranstaltung im Schlosshof von Schloss Blutenburg in München. Also quasi ein Open Air, jedoch weitestgehend recht dezent. Womit habe ich die Anlage also gefüttert? Chormusik (von mir kam nur die Verstärkung des Ansagemikrofons), ein Bauchtanz (soll heißen basslastige Konservenmusik), dann eine teilweise abgenommene Bigband (Drums, Bass, Keys und Gesang gehen über die Anlage), danach eine komplett abgenommene Rockband und schließlich und endlich ein Akustikpop-Duo mit Gitarre, verschiedenen Percussion- und Kleinpercussion-Intrumenten sowie zweimal Gesang. Alle Mixes neu erstellt, und hier klingt alles auf Anhieb so, wie das klingen soll. Auch das dynamische Verhalten ist vollkommen in Ordnung. Auf dieser Anlage muss man also anders mischen als auf meiner konventionellen PA oder auf der von der bayrischen Rockband. Dann ist ja alles in bester Ordnung, anscheinend habe ich mit der EVOX doch die richtige Anlage gekauft. In den nächsten Wochen beschalle ich mit der Anlage noch zwei Festivals und ein kleines Open Air in einem Biergarten, dann sehen wir weiter.
Am Wochenende drauf dann mehrtägiger Einsatz auf einem Yoga-Festival. Transport und Aufbau laufen trotz der Hitze zum Sommerbeginn wieder cremig. Während der Yoga-Stunden wird die (meist leise) Begleitmusik einwandfrei abgespielt, die Stimmen der Trainer und Trainerinnen sind darüber perfekt zu verstehen. Auch die Konzerte (Mantra-Musik mit akustischen Instrumenten) klingen großartig, alle Details werden deutlich wiedergegeben. An einem Abend ist ein DJ gebucht, der mir am nächsten Morgen erzählte, dass er sich noch etwas mehr Druck aus der Tiefe gewünscht hätte. Vielleicht hätte ich das per EQ noch hinbiegen können, aber ich habe es bei einer leichten Bassanhebung und einem schützenden Kompressor belassen, falls der DJ seinen Pegel nicht im Griff hat, und habe die Veranstaltung verlassen - nach zehn Stunden Festival war ich da wohl etwas zu voreilig. Am nächsten Abend ein anderer Performer, der zu Playbacks live singt - quasi auch ein DJ-Einsatz, und hier habe ich das Bassverhalten noch ein wenig besser getunt. Dieser Künstler war happy mit dem Sound der Anlage. Die ganzen Trainings und die Mantrakonzerte an dem Tag liefen klanglich wunderbar.
14 Tage später ein ähnlich gelagertes Festival - drei Tage lang akustische Mantra-Musik, Yoga-Stunden mit Sprachübertragung per Headset zu Musik via BlueTooth und abends der sog. Ecstatic Dance, also DJ-Mucke auf höherem Pegel. Diesmal war die akustische Umgebung etwas anders, eine kleine Freikirche, leicht erhöhte Bühne, Steinfußboden, niedrige Mauern mit hohem nach oben spitz zulaufenden Holzgebälk bzw. -dach. Kein unangenehmer Raumklang, aber mit reichlich Nachhall. Da die Boxen bereits erhöht stehen und das Publikum über weite Strecken auf dem Boden sitzt, stelle ich die EVOX J9 ohne das Distanzelement auf. Das passt dann auch sehr gut für diese Veranstaltung. Über die Technik kam ein dünner Schleier, das sollte die Optik ein wenig kaschieren. Akustisch machte der dünne Stoff keine Probleme.
Die Stimmen der Trainerinnen und Trainer kommen nach grobem Einmessen der Anlage auf den Raum klar durch, die akustische Musik tönt druckvoll und klar aufgelöst, dabei aber immer angenehm. Die DJ-Veranstaltungen lassen sich (in dieser Location) quasi beliebig laut einstellen, deutlich zu laut für gefahrlosen Genuss, so dass ich die Anlage lediglich auf halber Kraft oder sogar noch weniger fahre. Eine dezente Bassanhebung dazu, es klingt sehr angenehm (nur zu laut für meinen Geschmack).
Ein letzter Einsatz vor Veröffentlichung dieses Reviews war in einem bayrischen Biergarten mit passender bayrischer Rockband, die ich eingangs schonmal in einem Saal verarztet hatte. Hier ging es um Reichweite, denn in den Vorjahren hatte meine RCF ART 745a etwas zu kurz "geworfen", um die letzte Tischreihe noch zufriedenstellend zu erreichen - nach 20 bis 22 Metern ist hier Schluss, und danach "verpufft" der Sound im Freien. Die EVOX J9 mit ihren Linienstrahler-Mitteltönern brilliert hier und versorgt auch die letzte Reihe noch mit Sound, leise, aber deutlich hörbar, das sind ca. 25 bis 26 Meter. Und das, ohne dass einem vorne die Ohren abfallen.
Eine Stolperfalle offenbart sich hier dann aber doch noch, bzw. wieder mal ein anderes Verhalten der Box, an die man sich erst gewöhnen muss. Der Bandleader/Sänger ist seine alten ART 310a mit 90° * 60° Abstrahlwinkel gewohnt. Die EVOX J9 bieten hier 120° * 40°, was wesentlich breiter ist. Mehrmals hat er, am vorderen Bühnenrand stehend, das Mikro in Richtung des Publikums geschwenkt und ist dabei immer wieder in den Abstrahlbereich der Boxen gekommen, was das Mikro, ein Beta 58a auf einer SLXD-Strecke, immer wieder mit einem sehr hochfrequenten Pfeifen quittierte. Der Feedbackkiller im Pult war dabei leider zu langsam, um es zu erwischen, so habe ich erst Pi mal Daumen den vermuteten Frequenzbereich leicht abgesenkt. Das hat nur ein klein wenig geholfen, so habe ich die Boxen einfach einen knappen Meter weiter nach vorne versetzt - dank des geringen Gewichts war das kein Problem. Das hat das Problem dann eliminiert.
Nach soviel Lob...
... muss es doch auch Kritikpunkte geben. Schwierig. Okay, bei einem meiner beiden Systeme ging der Reissverschluss der Tasche für das Topteil anfangs nicht ganz einfach zu - aber das war es dann eigentlich auch schon. Okay, man hätte den Subwoofer für die Montage von Bluewheels vorbereiten können. Aber RCF bietet ja auch eine eigene Verpackung für den Subwoofer incl. Rollen an. Ohne den Subwoofer zu verschandeln. So gesehen ist das also logisch.
Für mich schwieriger, aber nicht wirklich ein Problem der Anlage, ist, dass manche Mixes, die auf anderen PA-Systemen erstellt wurden, auf dieser Anlage trotz Einmessens nicht so ohne weiteres funktionieren, ich habe viele kleine Veränderungen vorgenommen, bis ich halbwegs zufriedden war. Deutlich leichter fiel es mir, und viel schneller zufrieden war ich mit dem Sound jedesmal, wenn ich den Mix einfach komplett neu erstellt habe. Okay, das ist jetzt kein Qualitätsmangel der Anlage, sondern einfach eine anderes Verhalten. Als ich vor ungefähr drei oder vier Jahren anfing, hin und wieder auf Seeburg-Systemen zu mischen, habe ich auch festgestellt, dass diese Lautsprecher sich ganz anders verhalten als meine RCFs, so dass man leichter einen neuen Mix erstellt als einen vorhandenen anzupassen. Die EVOX J9 liegt vom Verhalten irgendwo zischen diesen beiden sehr verschiedenen Systemen.
Eine Sache fällt nach ein paar Einsätzen dann noch auf, wenn man mal den Pegel der Box im Schummerlicht anpassen muss - der Lack um den Lautstärkeregler ist schwarz, und der Punkt auf dem Lautstärkeregler, der die Position anzeigen soll, ist in einem wirklich schicken Grau - in perfektem Licht sieht das super aus und ist auch gut erkennbar. Ist es dagegen eher düster oder ein wenig schattig, sinkt die Deutlichkeit auf nahezu Null, so dass man irgendwie für Beleuchtung sorgen muss. Das ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber mir geht das ziemlich auf den Zeiger, weswegen ich nach einmaligem Einstellen den Pegelregler der Box quasi nicht mehr anfasse. Also, liebe Designer bei RCF, springt mal über Euren Schatten und gestaltet diesen Regler weniger schick, dafür unter allen Umständen und auch mit ungünstigeren Lichtverhältnissen klar erkennbar. Echt jetzt.
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden sich natürlich auf den Seiten von RCF:
- Hier das Datenblatt auf Englisch: Klick mal hier!
- Das Manual in mehreren Sprachen.
- Und hier die Produktseite der EVOX J9.
Alternativen
Der Markt ist groß, der Formfaktor grade schwer in Mode und die Konkurrenten darum zahlreich! Adäquate Alternativen findet man u.a. bei
- Bose - die L1 Pro 8 und L1 Pro 16 liegen ober- bzw. unterhalb der EVOX J9; insgesamt sind die Linien aber nur schwer vergleichbar.
- EV - die EVOLVE-Serie, und hier das Modell EVOLVE 50 sind noch am ehesten mit der EVOX J9 zu vergleichen, liegt aber von Preis und Ausstattung näher an der JMIX 9.
- HK Audio - das Modell Polar 12 Mk 2 liegt von den technischen Daten und der Bestückung ganz nah an der EVOX J9, kann aber neben einem kleinen Mischpult (ähnlich der EVOX JMIX 9) mit einem etwas günstigeren Preis aufwarten.
https://www.thomann.de/de/saeulensysteme.html?gk=PALPSS&sp=solr_improved_listing&cme=true&filter=true&affid=2&offid=1&subid=musikerboard**
Mein persönliches Fazit
Aus meiner sehr persönlichen Sichtweise: Bin ich über den Kauf froh? Hell, yeah! Aufbau und Transport sind wesentlich einfacher als bei meinen bisherigen Systemen, und der Sound in den verschiedensten Anwendungsbereichen, die für mich relevant sind, stimmt einfach. Von tief bis ganz hoch werden alle Frequenzbereiche klar, laut und deutlich übertragen und klingen dabei sehr angenehm - einfach entspannt und unangestrengt. Wahrscheinlich wird das in den nächsten Jahren mein am häufigsten eingesetztes PA-System.
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