[Review] Mikrofonvergleich an Toms, Snare, Kick

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Wer die Wahl hat, hat die Qual
Ich bin mittlerweile in der Situation, auf einen gewissen Fundus an Mikrofonen für die Abnahme von Schlagzeugkesseln im Live-Kontext zurückgreifen zu können. Und daraus ergibt sich die Frage, welches nehme ich davon für was?
Bei einer Veranstaltung ist in der Regel keine Zeit für einen Vergleich, weshalb ich bisher auf Eindrücke verschiedener Veranstaltungen zurückgegriffen habe. Dabei sind jedoch die Umgebungsparameter so unterschiedlich, dass man nicht von einen aussagekräftigen Vergleich sprechen kann.
Also bietet es sich an, das mal sauber und in Ruhe außerhalb einer Veranstaltung zu machen.
Ich habe glücklicherweise Zugang zu einem Drumset, also brauchte es nur einen passenden Zeitpunkt, um das Projekt durchzuführen. Und so etwas lässt sich zu zweit wesentlich komfortabler durchführen. In meinem Fall war das @Sharkai, der auch einige der Mikrofone und das verwendete Mischpult stellte.

Eins vorneweg: Ich bin kein gelernter Schlagzeuger, was man bei den Aufnahmen auch zweifelsfrei hören kann.

Der Testaufbau
Das verwendete Drumset ist ein Tama Superstar (SL52F Superstar Custom Fusion, wenn ich mich nicht irre).
Bei den Toms habe ich mich auf die kleine (10" x 8") und die große (14" x 11") beschränkt. Beide sind mit Evan G2 Fellen auf der Schlagseite (2-lagig, coated) und den Werk-Fellen auf der Resoseite bestückt.
Die Bassdrum hat das Format 22" x 18" mit einem Evan EQ4 auf der Schlag- und einem Remo Ambassador Ebony Bass mit Loch auf der Resoseite. In der Bassdrum liegt eine Decke, die auf der Resoseite anliegt.
Die Snare ist eine Starclassic mit 14" x 5.5" mit einem Evans UV1 Reverse Dot Schlagfell und einem Evans S14H30 Resofell.

Zum Stimmen verwende ich eine Spektralanalysator-App (Spectroid) und orientiere mich an den Angaben von hier: https://tune-bot.com/tuning-calculator/
Folgende Stimmung wurde verwendet (jeweils Schlag-/Resofell):
  • 10" Tom: 205 Hz / 293 Hz
  • 14" Tom: 118 Hz / 165 Hz
  • Snare: 248 Hz / 360 Hz
  • Kick: 54 Hz / 67 Hz
Das ist sicher alles diskutierbar und vermutlich nicht optimal. Aber zumindest sind es kontrollierte Bedingungen.

Stichwort kontrollierte Bedingungen: Um eine möglichst identische Positionierung zu erreichen, wurden alle Mikros mittels einer Schablone ausgerichtet. Diese habe ich so angefertigt, dass sich die Mitte des Mikrofonkorbs 2 cm nach innen und 5 cm nach oben vom Fellrand entfernt befindet und bei einem 14"-Kessel auf die Mitte des Fells zeigt. Ein Bild macht es hoffentlich anschaulicher:

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Auch wenn ich im Live-Betrieb Klemmen verwende, kam hier ein Stativ zum Einsatz, um den verschiedenen Mikrofonen gerecht zu werden.

Ein Wing Compact diente als Interface. Alle Mikros wurden mit 0 dB Gain aufgenommen. Als DAW kam Reaper zum Einsatz. Dort wurden die Aufnahmen dann auf einen einheitlichen LUFS-Pegel normalisiert. Dieser wurde so gewählt, dass kein Clipping auftritt.

Die Testkandidaten
Fangen wir mit einer Übersicht aller benutzter Mikrofone an:

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Von oben links nach unten rechts haben wir:
Zu den letzten beiden sei gesagt, dass es ältere Exemplare sind. Aufmerksame Augen mögen die Klein-Tuchel-Anschlüsse erkannt haben. Dem M88 fehlt dazu noch der vordere Schutzkorb. Daher will ich nicht garantieren, dass die Aufnahmen repräsentativ für aktuelle Exemplare sind. Aber da ich diese Mikrofone nunmal besitze, war es für mich logisch, sie mit zu nutzen.
Nicht jedes Mikro wurde an jedem Kessel genutzt.

Natürlich fallen euch sicher noch viele andere Kandidaten ein, die hier interessant gewesen wären (Sennheiser E604/904, diverse Kleinmembrankondenser, Austrian Audio, Lewitt, Lauten Audio, Telefunken usw.). Wir haben verwendet, auf was wir Zugriff hatten. Und irgendwann wird der Umfang auch nicht mehr handhabbar.

10" Tom
An der kleinen Tom haben wir folgende Mikrofone verglichen:
  • Beyerdynamic* TG D35
  • Audix D2
  • Audix D4
  • Shure Beta 56
  • Beyerdynamic TG I51
  • Audix D6
  • t.bone CD55
  • Beyerdynamic M88
Bis auf das M88 sind es alles kleine Mikrofone, da ich diese im Live-Einsatz eindeutig bevorzuge. Man vergleiche einfach mal den Platzbedarf des M88 mit dem D2:

1781344866242.webp
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Aufgenommen wurden pro Mikro 3 Sequenzen: Einzelschläge Viertel, Einzelschläge Achtel, "Groove" mit Kick, Snare, HiHat und Crash. Bei letzterem ist weiterhin nur das Tom-Mikro zu hören, es geht also um Übersprechen des restlichen Kits.

Ich bin der Meinung, dass für einen Vergleich ein schneller Wechsel zwischen den Mikrofonen notwendig ist, weil sonst das akustische Gedächnis nicht mehr hinterher kommt.
Um dem eigenen Bias etwas entgegenzusetzen, entspricht die Reihefolge nicht der Liste oben. Wer blind hören will, lässt den Hinweis zur tatsächlichen Reihenfolge zu.
Beta 56 - D35 - I51 - M88 - D2 - D4 - D6 - CD55

Hier hört ihr jeweils 2 Schläge pro Mikrofon:


Als nächsten folgen je 8 schneller Schläge:


Und abschließend die Set-Sequenz:



14" Tom
Die Mikros an der großen Tom sind diesselben. Der "Groove" besteht hier aus Kick, Snare, Ride und Crash.

2 Schläge:


8 Schläge:


Sequenz:


Snare Top
An der Snare kamen folgende Mikrofone zum Einsatz:
  • Beyerdynamic TG D35
  • Audix D2
  • Audix D4
  • Shure Beta 56
  • SE V7
  • Beyerdynamic TG I51
  • Sennheiser E906
  • t.bone CD55
  • Shure SM57
  • Audix i5
  • Beyerdynamic M201
Auch hier ist die in den Aufnahmen zu hörende Reihenfolge eine andere:
SM57 - Beta 56 - M201 - D35 - I51 - i5 - D2 - D4 - E906 - CD55 - V7

2 Schläge:


8 Schläge:


Sequenz (ohne Crash):


Snare Bottom
Wie die Überschrift vermuten lässt, haben wir dieselben Mikrofone auch auf der Unterseite der Snare aufgenommen. Die Positionierung ist dieselbe, wie bei allen anderen Kesseln. Das kann man in Frage stellen. Üblicherweise positioniere ich das Mikro dort auch mit mehr Distanz und dann steiler auf die Mitte ausgerichtet. Aber so war es einfacher umzusetzen.

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2 Schläge:


8 Schläge:


Sequenz:


Kick
Für die Bassdrum haben wir die Mikrofonauswahl deutlich reduziert:
  • Audix D4
  • Beyerdynamic TG D71
  • Audix D6
  • Beyerdynamic M88
Mit Ausnahme der Grenzfläche wurde die Mikrofone einmal in der Mitte des Kessels und einmal am Loch im Resofell positioniert.

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Ein letztes Mal die tatsächliche Reihenfolge:
D71 in - M88 in - D4 in - D6 in - M88 out - D4 out - D6 out

Zur Abwechslung gibt es hier zunächst je 2 Schläge (Tritte?) zu hören, bei denen ich den Beater zurückschwingen lasse:


In der nächsten Runde verbleibt der Beater am Fell:


Und zum Schluss eine Sequenz zusammen mit Snare, HiHat, Tom und Crash:


Mein Fazit
Bei der Snare und der Kick bin ich mit keiner der Aufnahmen wirklich glücklich. Da hätte ich mehr Aufwand in Stimmung, Dämpfung und Spielweise investieren müssen. Man kann es sich noch etwas damit schönreden, dass in der Realität all dies auch öfters nicht ideal ist.

Insgesamt fallen die Unterschiede für mich geringer aus, als erwartet. Natürlich gibt es Mikrofone, die herausstechen, wie das D6 mit seiner massiven eingebauten Badewanne. An den Toms gefällt mir das nicht, an der Bassdrum schon eher. Falls ich dort nur ein Mikro verwenden kann, werde ich es ab jetzt auf jeden Fall immer im Kessel und nicht wie meistens zu sehen am Resoloch platzieren.
An der Snare hat mich vor allem das Übersprechen interessiert. Für mich hört es sich aber so an, dass das hauptsächlich vom Frequenzgang der Mikros und weniger von der Richtcharakteristik bestimmt wird. Die dumpferen Mikros (M201, D35) haben scheinbar weniger Übersprechen, als die höhenlastigeren (I51, i5). Wenn man sie also auf einen ähnlichen Klang entzerrt, dürfte auch das, was vom Rest des Kits kommt, in ähnlicher Weise drauf sein. Diesen Versuch habe ich aber noch nicht gemacht. Mein Lieblingsmikro konnte ich auf Basis dieser Aufnahmen bisher nicht definieren. Da werden vermutlich praktische Faktoren, wie der Platzbedarf, entscheiden.
An den Toms finde ich das D35 nach wie vor gut, aber auch das D2. Das D4 hat an der großen Tom noch mehr Bumms unterum und ist meine Wahl dafür, wenn ich es zur Verfügung habe.
Das Beta 56 fand ich etwas überraschend weniger ansprechend. Aber damit arbeiten könnte man auf jeden Fall. Das trifft selbst auf das CD55 zu.

Wenn ich ein Fazit habe, dann dass die Randbedingungen (Kessel, Felle, Stimmung, Dämpfung, Spielweise,...) in den meisten Fällen deutlich mehr Einfluss auf das Ergebnis haben, als die Auswahl eines spezifischen Mikrofons. Das ist etwas ernüchternd, denn Mikrofone auszuwählen macht Spaß und dieser Aspekt ist relativ leicht zu kontrollieren (sofern man die finanziellen Mittel dazu hat).

Ich bin gespannt, was ihr in den Aufnahmen so hört und ob die ganze Aktion für jemanden einen Mehrwert bietet.
Vielleicht wiederhole ich das für Snare und Kick auch nochmal mit optimierteren Randbedingungen.
 
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Ich bin gespannt, was ihr in den Aufnahmen so hört und ob die ganze Aktion für jemanden einen Mehrwert bietet.
Vielleicht wiederhole ich das für Snare und Kick auch nochmal mit optimierteren Randbedingungen.
Für mich ist bei der Auswahl eines Mikrofones IM STUDIO entscheidend,

1.) welche Mikros ich zur Verfügung habe
2.) welchen Sound ich erzielen möchte (das hängt auch davon ab, welche Stilrichtung der Song ist)
3.) wie sich der Sound in den kompletten Mix einfügt (deshalb stelle ich manchmal zwei Mikros hin, damit ich nachher entscheiden kann bzw. sogar beide Mikros kombinieren kann)

Für Life-Zwecke, wenn man ein Set an Songs unterschiedlicher Genres spielt, wie das z.B. eine Coverband macht, spielen sicher andere Faktoren eine Rolle als im Studio.

Aus 1.) und 3.) folgt, dass Deine Aufnahmen für mich sicher sehr interessant sind ... aber ob sie wirklich einen Mehrwert bieten?
 

Definitiv hat ein gut gestimmtes und eingestelltes Set viel mehr Einfluss auf den Sound als die Mikros. Je kleiner die Location, desto mehr. Hier im Jazzclub kommt öfter der sehr geschätzte Kollege Herbert Pirker. Der stimmt 45min herum und dann klingt das Set in Natura einfach schon so geil, völlig wurscht, was du dann da hin stellst. 🤩

Trotzdem cooler Test, danke! Ich hätte die Mics schon einheitlich eingepegelt, damit man danach nicht zuviel Rauschen mit aufholt.
 
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Ich habe vor kurzem einige Mikros an den Toms getestet, unter anderem M88, MD421 Kompakt, Beyerdynamic TG I51 und Sennheiser E604, M201, RE-20.

Bin zu dem Schluss gekommen, dass die MD421 geil klingen, wenn man ein wenig so einen "vintage"-Hauch haben will. Aber für alles andere geht (bei meiner Auswahl) nix über die Sennheiser E604, insbesondere wenn man den Preis bedenkt. Sind halt Spezialmikros, die eigentlich nur an den Drums ihren Einsatz haben.

Die Sennheiser E904 sind auch noch gut, sogar eine Ecke mehr punchiger, aber halt auch teurer.

Das heißt: Wenn ich mich (besonders auch für life) für Allround-Tom-Mikros entscheiden müsste, dann für die Sennheiser E604. Die sind auch hübsch klein.

Die MD421 haben widerum den Vorteil, dass man sie für alles mögliche andere auch verwenden kann (Bläser, Gitarrenamp), was für mich dann auch den Mehrpreis rechtfertigt.

Ich habe mir die Tage deshalb ein MD421 N besorgt, die alten Teile mit Tuchel-Anschluss klingen nochmal eine Ecke "weicher".
 
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Aber für alles andere geht (bei meiner Auswahl) nix über die Sennheiser E604, insbesondere wenn man den Preis bedenkt.Sind halt Spezialmikros, die eigentlich nur an den Drums ihren Einsatz haben.
Naja, ich kenne auch andere Einsatzgebiete dafür aber das passt dann nicht hier her. Und der Preis ist für mich nicht wichtig. Und sollte er auch nicht. Finde ich zumindest. Ich mag den Zusatz "für den Preis" an sich gar nicht. Wichtig ob das Teil "für den Job" gut ist.
Definitiv hat ein gute gestimmtes und eingestelltes Set viel mehr Einfluss auf den Sound als die Mikros.
Wohl war.
Bei der Snare und der Kick bin ich mit keiner der Aufnahmen wirklich glücklich
seh ich auch (fast) so. wenn ich mich aufgrund der Sounds festlegen sollte, dann wäre ich beim SM57 oder Beta58. Was mich da überrascht hat, ist das M201, das eingesetzt wurde. An sich ist das schon seit einiger Zeit mein ToGo Mikro an der Snare (oben) und ich kenne das deutlich frischer (meine sind aus 2019 oder so.
An der Bassdrum hat mich genau gar keines überzeugt, da war aber, wie bei den anderen Tests, die Einstellung bzw Stimmung der Trommel suboptimal. Ok man muss live ja meist damit arbeiten was einem angeboten wird und irgendwie dreht man sich das dann halt so halbwegs hin aber wenn das Signal an sich schon nicht so gut ist, was soll da Mikro und Pult viel ausrichten?
Bei den Toms würde ich übrigens nach den hier vorliegenden Tonbeispielen am ehesten zum Beta56 greifen. Das klingt für mich nach dem Sound der noch am wenigsten Eingriffe brauchen würde. Beim 14er Tom sollte übrigens mal jemand nachsehen wo dieses Störgeräusch her kommt ;)

BTW: Ich habe schon auch eine recht umfangreiche Sammlung an Mikros für das Drumkit (was man alles mit dem Geld anfangen kann, das man nicht in Kippen investiert?) meist sind es doch die e904er an den Toms, das Beta52 an der Kick und ein M201 an der Snare (keine Grenzfläche als BD in und kein Snare Bottom, finde bei dem Zeug, das ich so mische, unwichtig) sowie zwei CC8 als Overheads und Hihat. Aber dann probiere ich wieder mal was anderes. Trotzdem, das Drumkit das gestimmt ist, macht unabhängig von den M;Ikros den besseren Sound. Und ein Drummer der das Kit auch wirklich bedienen kann. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Im übrigen vielen Dank für den Vergleichstest.
 
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Meine Live Drum Mikros sind folgende:

Kick: sE BL8, wenn kein Loch in der Kick dann Lewitt 340 REX
Snare Top: Lewitt MTP440
Snare Bot: AKG C518
Toms: Lewitt DTP340 TT oder AKG C518
OH: Lewitt LCT441
 
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Vielen Dank für den Aufwand, den du dir gemacht hast. Mit meinem überschaubaren Fundus an Drummikes habe ich nicht die Qual der Wahl, ich kann halt bei Bedarf ein Set "einfach" mikrofonieren, also ohne erweiterte Studiogeschichten wie Snare Bottom, Room Mikes, Wurst und Co. Solche Test und dieser im Speziellen zeigen aber in meinen Augen wieder mal, dass man mit vielen Mikros im Grunde viel machen kann, ohne so richtig in die Grütze zu langen. Hätte ich im Vorfeld von deinem Test gewusst, hätte ich dir noch meine Sonor C8 zur Verfügung gestellt, um sie mal einordnen zu können. Sind ja echt vintage und selten irgendwo gebraucht zu finden, aber vielleicht doch für den einen oder anderen interessant. Bei den Aufnahmen zu unserer letzten CD haben sie jedenfalls schöne Ergebnisse geliefert.

Mein persönliches Fazit aus deinem Test:
Ich könnte bei jeder deiner Testreihen vermutlich ein bis zwei Favoriten benennen, aber insgesamt fand ich die Unterschiede zwischen Gut und "Böse" nicht erschreckend groß. Dem t-bone hört man zwar m.E. die Preislage an (ich hatte es schon im Blindtest korrekt identifiziert), aber wenn nichts anderes zur Hand ist, lässt sich selbst damit arbeiten.

Überrascht hat mich übrigens die Position des D6 direkt im Port Hole. Ich habe mal gelesen, dass es dort ziemlich empfindlich auch Windgeräusche aufnimmt, die beim Treten der Bassdrum entstehen, seitdem vermeide ich diese Positionierung und gehe lieber nach innen. Allerdings habe ich die Frage nie akademisch hinterfragt. Kann das von den Sound-Profis irgendwer bestätigen (oder entkräften)?
 
Ich habe in der Regel das BD Mikro auch direkt am Loch montiert, so wie oben dargestellt. Probleme mit Windgeräuschen sehe ich da nicht, denn das Loch ist ohnehin deutlich größer als das D6. Nur wenn das Loch so klein ist, dass es kaum in das Loch passen würde, dann kann es eventuell zu Wind Geräuschen kommen.
Was man aber schon sagen kann ist dass die Position doch einiges am Sound des Mikros festlegt. Je weiter du damit rein gehst bzw je näher du ans Schlagfell gehst und dort auch eventuell nahe an der Beater Position positionierst, wirst du mehr Kick bekommen. Am Loch selbst bekommst du aber deutlich mehr Low End, etwas, das heute mehr gefragt ist als noch vor 40 Jahren.
 
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  • #10
Ich habe in der Regel das BD Mikro auch direkt am Loch montiert, so wie oben dargestellt. Probleme mit Windgeräuschen sehe ich da nicht
Verwendest du denn das D6? Meine Feststellung bzw mein Gedanke bezog sich konkret auf dieses Mikro, welches ich selbst nutze. Und auch nur über das Audix D6 las ich eben damals was über Windgeräusche auf Höhe des Lochs, ein generelles Thema wäre mir nicht geläufig.
 
  • Ersteller
  • #12
Vielen Dank an alle Daumen und an alle Keksspender, ich kann heute ein paar Kohlenhydrate gebrauchen.
Und schön, dass sich hier eine Diskussion entwickelt.

Ich hätte die Mics schon einheitlich eingepegelt, damit man danach nicht zuviel Rauschen mit aufholt.
Hörst du in den Aufnahmen nennenswert Rauschen? Mir fällt es nur beim D6 auf, was mit Abstand am meisten Nachverstärkung erhalten hat.
Ich habe mir das Reaper-Projekt gerade nochmal diesbezüglich angeschaut. Bei den meisten Mikros habe ich um 20 dB nachverstärkt und bin damit knapp unter Clip gelandet. Somit waren die gar nicht so weit weg von einem üblichen Einpegelwert, wenn man z.B. -18 dBFS als Zielwert ansetzt. Das D35 ist ein Ausreiser mit 6 bis 10 dB weniger Nachverstärkung. Das D6 geht in die andere Richtung mit 10 dB mehr Gain für vergleichbaren Pegel.
Ursprünglich wollte ich übrigens mit meinem UR22 aufnehmen. Aber das hat schon Verstärkung bei Gain auf Linksanschlag und hätte bei manchen Mikros geclippt. Deswegen sind wir auf das Wing gegangen und haben uns für Headroom statt optimiertem SNR entschieden.
Aber für alles andere geht (bei meiner Auswahl) nix über die Sennheiser E604, insbesondere wenn man den Preis bedenkt.
Ich mag die E604 in quasi allen Aufnahmen von Toms, die ich damit höre, auch gerne. Wäre ein spannender Kandidat für diesen Vergleich gewesen.
Was mich da überrascht hat, ist das M201, das eingesetzt wurde. An sich ist das schon seit einiger Zeit mein ToGo Mikro an der Snare (oben) und ich kenne das deutlich frischer (meine sind aus 2019 oder so.
Ja, ich vermute auch, dass mein Exemplar da ein paar Alterungseffekten unterliegt und oben rum nicht so aufnimmt, wie es eigentlich sein sollte. Ich habe vor einiger Zeit Vergleichsmessungen meiner Mikros gemacht, aber nie mir die Zeit für eine Auswertung genommen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich darin aber so einen Effekt gesehen.
Bei den Toms würde ich übrigens nach den hier vorliegenden Tonbeispielen am ehesten zum Beta56 greifen. Das klingt für mich nach dem Sound der noch am wenigsten Eingriffe brauchen würde.
Spannend, für mich schreit der Rohsound nach deutlichem EQ-Eingriff, weil ich da viel höre, was ich in einer Tom nicht hören will. Aber ich mag meine Toms auch rund und fett. Nur das D6 klingt für mich schon zu sehr künstlich.
Beim 14er Tom sollte übrigens mal jemand nachsehen wo dieses Störgeräusch her kommt ;)
Ich vermute du meist das Schnarren, dass man manchmal beim Ausklingen hört? Die Quelle habe ich schon gesucht, leider erfolglos. Wahrscheinlich ist es irgendwas an der Aufhängung.
Es könnte auch mit der recht tiefen Stimmung zu tun haben, die vielleicht etwas unter dem Bereich liegt, in dem sich das Tom wohl fühlt. Wäre es mein Kit, stünde da eine 16"-Standtom.

Ich überlege noch, mir ein paar Varianten aus Snare Top und Bottom in Reaper zusammenzubasteln (sprich zeitlich passend hinschieben), um mich für eine kommende Veranstaltung für eine Kombination aus D35, M201, I51 und i5 zu entscheiden. Die Shure habe ich dort nicht zur Verfügung, das Sennheiser kommt an die Gitarren und die D2/D4 an die Toms. Snare Bottom brauche ich live nicht oft, aber ich baue es lieber hin, als das es mir dann fehlt. Viel Zeit für Soundchecks habe ich bei 20 min Changeover nicht.
 
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  • #13

Mikrofonvergleich an Toms, Snare, Kick​

Wer die Wahl hat, hat die Qual
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Ich bin gespannt, was ihr in den Aufnahmen so hört und ob die ganze Aktion für jemanden einen Mehrwert bietet.
Vielleicht wiederhole ich das für Snare und Kick auch nochmal mit optimierteren Randbedingungen.

Sehr interessant, daher ein großes Danke dafür!
 
  • Ersteller
  • #14
Ich habe mich nochmal an die Snare-Aufnahmen rangesetzt und Top/Bottom-Paare aus M201, D35, I51 und i5 gebildet. Wie schon gesagt sind das für mich die zur Auswahl stehenden Snare-Mikros.
Dabei habe ich mir einen Schlag rausgesucht und von Hand die Top- und Bottom-Spuren auf denselben Anfangspunkt gezogen. Diese Paar wurde dann einmal kopiert, damit man immer 2 Schläge derselben Kombination hört.
Die Bottom-Spur ist dabei um 6 dB zurückgenommen und die Polarität ist invertiert. Zusätzlich habe ich auf der Summe noch ein dezentes Gate eingesetzt. Das war nötig, weil der "Boing" sonst zu lange ausklingt und es dann durch die Zuschneiderei im Anhören komische Diskontinuitäten gibt, die das Ohr verwirren könnten.

Die Reihenfolge der 12 Kombination kann man sich wieder einblenden.
M201/D35 - M201/I51 - M201/i5 - D35/M201 - D35/I51 - D35/i5 - I51/M201 - I51/D35 - I51/i5 - i5/M201 - i5/D35 - i5/I51



Für mich ist das Bottom-Mikro ein Gewinn für den Gesamtsound in allen Kombinationen im Vergleich zum Top-Mikro alleine. Und mit Bearbeitung sind noch andere Dinge möglich, die nur mit einem Top-Mikro nicht so leicht gehen. Hier gibt es etwas Inspiration:
Der Deboinker und warum er ein Snare Bottom Mic braucht

Jetzt muss ich mich nur noch für eine Variante entscheiden.
 
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  • #15
Im Mischmodus mit 2 Snares bringt das i5 mehr Höhen in die Aufnahme, oder? Und bei den Bassdrum-Aufnahmen klingt es in meinen Ohren besser, wenn das Mikro im Kessel ist (mehr Kick), ich bevorzuge allerdings auch den "Kick" auf der Bassdrum.

Für mich ist das Bottom-Mikro ein Gewinn für den Gesamtsound in allen Kombinationen im Vergleich zum Top-Mikro alleine. Und mit Bearbeitung sind noch andere Dinge möglich, die nur mit einem Top-Mikro nicht so leicht gehen. Hier gibt es etwas Inspiration:
Das Bottom liefert mehr Teppich, der mehr "Crispiness" (so würde ich das bezeichnen) auf die Aufnahme packt, man hat also mehr Artikulation der Snare. Da finde ich tatsächlich das i5 am besten, ich weiß allerdings nicht, ob ich mit meinem Rock'n'Roll-Gehör die Unterschiede so gut raushöre...?

Trotzdem cooler Test, danke! Ich hätte die Mics schon einheitlich eingepegelt, damit man danach nicht zuviel Rauschen mit aufholt.
Das ist auch ein Punkt bei mir, lauter klingt meistens in meinen Ohren besser" und ich habe nie wirklich ein Gehör entwickelt, dass ich das bei verschiedener Lautheit klanglich gleich bewerten kann. Und da sehe ich dann auch einer der größten Schwächen bei günstigen Mikros: zu wenig SNR.

Ich habe mir die Tage deshalb ein MD421 N besorgt, die alten Teile mit Tuchel-Anschluss klingen nochmal eine Ecke "weicher".
Okay, und das liegt am Tuchelstecker? Denn "weicher" heißt für mich weniger hohe Frequenzen, bei Becken verwendet man das gerne im Zusammenhang mit älteren Becken, die verlieren (einer Saite nicht unähnlich) über Jahre (und Spielweise) an Spannung und klingen irgendwann weniger aggressiv (reduzierte Höhen/Obertöne). Ich hatte vor ein paar Jahren mal eine 14" Giant Beat Hihat von Zildjian aus den 60ern, von der Bundeswehr, da waren so gut wie gar keine Höhen mehr drauf, das klang mit und ohne Gehörschutz nahezu gleich.

Trotzdem, das Drumkit das gestimmt ist, macht unabhängig von den M;Ikros den besseren Sound. Und ein Drummer der das Kit auch wirklich bedienen kann. Aber auch das ist eine andere Geschichte.
Das ist mir bei meinen Aufnahmen auch sofort aufgefallen, ein halbwegs gestimmtes Set liefert ein besseres Ergebnis als kein gut gestimmtes Set, wobei ich da immer noch am rumfummeln bin. Aber nach der Mikrofon-Bestückung fing ich relativ schnell an Toms zu stimmen und zumindest ein passendes 16" Crash/Ride zu finden.

Aber auch die passenden Becken zu finden ist nicht leicht, ich habe 5 oder 6 Crashes (16") durchgetestet bis ich das Becken gefunden habe, was den bisher besten Klang liefert. Aktuell ist es ein Paiste 16" 2002 Crash, wobei ich damit auch nur zu 90% zufrieden bin, ich habe noch ein 16" Paiste Synphonic, das klingt als Ride noch ein bisschen besser, geht beim Crashen aber nicht so auf (ein Tucken zu schwer) und ich müsste da mal die Risse raussägen. Und Akustisch klingt mein 16" HHX Medium Crash irgendwie am geilsten, aber das hängt an einem anderen Set.

Ja, ich vermute auch, dass mein Exemplar da ein paar Alterungseffekten unterliegt und oben rum nicht so aufnimmt, wie es eigentlich sein sollte. Ich habe vor einiger Zeit Vergleichsmessungen meiner Mikros gemacht, aber nie mir die Zeit für eine Auswertung genommen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich darin aber so einen Effekt gesehen.
Die Theorie habe ich auch, wobei der Alterungsprozess bei Mikros wohl auch vom Umgang abhängt, nach der Probe die Mikros wieder in ihre Köfferchen zu packen, anstatt sie in der im Zigarettenrauch geschwängerten Luft des Proberaums zu lassen, soll helfen.

ich müsste mal meine älteren HI10 mit den neueren HI10 vergleichen (5 Jahre Unterschied), ob da ein Unterschied (bei meinen Ohren) zu hören ist. Ich habe zwei Istanbul Samatya 16" Crashes, bei einen davon hört man definitiv einen Unterschied, das ist über 5-7 Jahre ordentlich gespielt worden und klingt entsprechend tatsächlich merklich tiefer als das zweite Exemplar, dass ich mir vor 1-2 Jahren geholt habe, obwohl beide nicht so viel Gewichtsunterschied haben.

Mein persönliches Fazit aus deinem Test:
Ich könnte bei jeder deiner Testreihen vermutlich ein bis zwei Favoriten benennen, aber insgesamt fand ich die Unterschiede zwischen Gut und "Böse" nicht erschreckend groß. Dem t-bone hört man zwar m.E. die Preislage an (ich hatte es schon im Blindtest korrekt identifiziert), aber wenn nichts anderes zur Hand ist, lässt sich selbst damit arbeiten.
Mit den Superlux kann man auf jeden Fall arbeiten, beim T-Bone fand ich den Sound auch nicht so schlecht, wobei wahrscheinlich auch hier die Devise gilt: ein abgenommenes Tom klingt besser als nur über OHs aufgenommen. Allerdings hatte ich mal Aufnahmen mit meinem Premier Signia gemacht (1x Superlux E304 BK, 2x Superlux E206 als OH), nachdem ich ein bisschen mit den Aufnahmen herumgespielt hatte (Kompressor, EQ), klang die Aufnahme auch ohne Tom-Mics relativ fett.

Witzigerweise habe ich selber vor einigen Wochen angefangen mein Set abzunehmen, 7 Mics über ein X32 und dann direkt auf einen USB-Stick:
  • 1x Sennheiner 902 (Bassdrum, mein Lieblings-BD-Mikro wegen der Wanne)
  • 2x Sennheiser 904 (aktuell an der Snare, oben ist mir das Mikro aber im Weg, daher demnächst Wechsel auf Beyerdynamic TG D58). Phase müsste ich mal nachsehen, eins ist gedreht, ich weiß nur nicht welches.
  • 2x Superlux HI10 (jeweils an den Toms, werden demnächst mit den 904ern getauscht)
  • 2x Superlux E206 (Overheads, Großmembrane, relativ hoch über den Becken)
Die Effekte weiß ich gerade nicht aus dem Kopf, Bassdrum und Toms sind mit Gate (und Kompressor) versehen, Overheads sind, glaube ich, ohne viel Effekte aufgenommen, bei Interesse müsste ich mal nachsehen was ich da verwendet habe, ich hatte einfach Presets genommen die im Pult gespeichert waren, dann habe ich zumindest das Gate nachgeregelt um ein halbwegs kontrollierbares Sustain zu haben (das ist bei mir noch ausbaufähig). Die Toms sind ziemlich tief gestimmt, was nach meinem empfinden nicht ganz zur Bassdrum passt, da muss ich nochmal ein bisschen mit herumspielen bis ich den richtigen Sound gefunden habe. Und das Standtom-Mikro geht eher über das Tom weg, sonst hat das Teil zu viel Attack und Lautstärke, auch da muss ich nochmal nachregeln, das ist jetzt einfach ein Prozess des Spielens, Hörens und Nachregelns.

Das klingt aktuell so:
 
  • #16
Sennheiser 904 (aktuell an der Snare, oben ist mir das Mikro aber im Weg, daher demnächst Wechsel auf Beyerdynamic TG D58)
Hmm, das 904er ist doch schon recht kompakt, kompalkter als das TG D58 wie ich finde. eine gute, aber nicht billigere, Alternative wäre das AE2300 von Audio Technica, klein, schnuckelig und sehr gut an der Snare. Das hat auch einen Low Pass Filter, damit kann man quasi schon eine Bändchen Färbung nachbauen. Dazu gibt es die AT8471 Halterung, die für sich alleine schon ein Hit ist. Ich nehm die z.B auch für das D6, da die originale Audix Halterung ein kompletter Murks ist.
 
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  • #17
Na ja, das Hängetom ist ziemlich flach und nur wenig über der Snare positioniert, und wenn ich darauf spiele, dann bleibe ich mitunter mit einer Hand am 904er hängen, auch da es an der Seite befestigt ist. Außerdem will ich die 904er mit den Toms verwenden. Und wer Superlux einsetzt, der fährt auch mit einem TG D58 gut, denke ich. :D

Der "perfekte" Sound an den Mikros ist für mich aktuell tatsächlich zweitrangig (ich fand die Unterschiede jetzt auch nicht so riesig), daher fokussiere ich mich erstmal darauf den Sound des Schlagzeugs zu optimieren, dann überlege ich, welche Mikros ich wo einsetze. Einer meiner Ideen sind langfristig AKG C404 als Overheads, so wie ein Neumann U87 als Raummikro, aber das liegt irgendwo gaaanz weit in der Zukunft.
 
  • #19
Jep
 
  • #20
C414 nur, wenn sie gebraucht (mind. 20 Jahre alt) und in Österreich gefertigt wurden. Zudem müssen die auch noch in einem "mint" Zustand sein, sonst zahlt sich die Anschaffung nicht aus. Um das Geld kannst du dir heute ein Austrian Audio OC818 kaufen, das verglichen mit aktuellen C414 um Klassen besser ist.
Aber wir schweifen ab.
das Hängetom ist ziemlich flach und nur wenig über der Snare positioniert
Das kenne ich aus leidvoller Erfahrung. Es gibt Drummer die zwar komplett abgenommen werden wollen (close Miking) aber ihr Zeug so eng zusammen gebaut haben dass du da fast nicht mehr mit einem Lavalier-Mikro zwischen rein kommst. Da braucht es dann MIkros wie das Shure Beta 98 AD/C wenn du eine kleine Chance haben willst. Oder du nimmst den ganzen Balawatsch mit nur Overhead ab. Ist irgendwann eh egal, wenn alles so nah zusammen steht, dann gibt es keine wirkliche Signaltrennung mehr.
 
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