Richtige Anwendung des Pedals

  • Ersteller Ersteller mszongott
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  • #21
(y) Es verhindert bei harmonischen Änderungen unschöne Mischklänge bzw. ansonsten eine unerwünschte Unterbrechung des Legato.
Genau das. Letztendlich sind die Übungen genau das: eine Übung. Die Anwendung im Stück muss selbstverständlich den Gegebenheiten angepasst werden. Im Prinzip geht es bei dem, was ich getippt habe, um die absoluten Basics, damit die Bewegung und das Timing in den Körper kommt. Vieles beim Pedalspiel ist auch Geschmacksache, da es bei einer ganzen Menge Stücke mehrere Möglichkeiten gibt, das Pedal einzusetzen (oder auch nicht). Da gebe ich meinen Schülern mehrere Optionen und Ideen und lasse sie dann entscheiden, wie es ihnen am besten gefällt.

Um auf das oben genannte romantische Bachbesipiel zurückzukommen: Ich hatte einen Schüler, der (in Baden-Württemberg) Leistungsfach Musik im Abi hatte und dessen Programm aus einem Skrjabin (Pflichtstück), Brahms (Rhapsodie) und Bach (Französische Suiten) bestand. Er hat den Brahms am besten gespielt, wenn er Bach auch romantisch interpretiert hat, also mit Pedal und hat trotzdem eine eins gespielt. Ich hatte eigentlich mit Punktabzug gerechnet, weil es eben nicht dem gewohnten Klangbild bei Bach entspricht (und ich es auch ohne spielen würde), der Prüfer meinte hinterher, dass das Pedal so präzise war, dass das honoriert wurde, obwohl es nicht der Tradition entspricht.
Viel ist einfach Geschmacksache, WANN es gemacht wird, aber nicht das WIE.

Viele Grüße vom HammondToby
 
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  • #22
Ich hatte eigentlich mit Punktabzug gerechnet, weil es eben nicht dem gewohnten Klangbild bei Bach entspricht (und ich es auch ohne spielen würde)
Ich finde es vollkommen OK, Bach auch mal anders zu interpretieren. Die Bach-Busoni-Stücke sind ja auch unter Klassikern akzeptiert und werden da ziemlich romantisch gespielt.
Bei einer Prüfung oder einem Wettbewerb würde ich das allerdings nicht drauf ankommen lassen. Da geht es ja in erster Linie darum, die Jury zu überzeugen. Zum Glück war Eure Jury ja da offen.

Die Brahms-Rhapsodie g-Moll habe ich auch in dem Alter gespielt. Tolles Stück.
 
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  • #23
Sehr cool! Dann sich offenbar ja alle hier darüber einig, dass vor der ersten Pedalanwendung eines Stücks erst der Ton angeschlagen wird. ;-)
Direkt danach das Pedal und - solange das Pedal dann durchgehend aktiv ist - immer gegengleich zum Finger. Wie du @HammondToby es perfekt beschrieben hast!

Ich weiß es zwar nicht, aber es klingt so bei euch, als wäre es bei sehr vielen späteren Stücken der Normalfall, dass das Pedal durchgehend im Einsatz ist.

Deine Grafik @HammondToby ist ebenfalls super, vielen herzlichen Dank! Wird definitiv morgen ausgedruckt. Und sorry für das Missverständnis. Du hast oben eh vom Unterrichten gesprochen. Ich bin generell etwas überfordert mit einigen Dingen. Ich hatte mein Leben, wie es ist, und nun wollte ich recht plötzlich so viel Zeit für Klavier freimachen und das hat nicht so recht geklappt. Dazu kamen andere Probleme... aber ich bin dabei alles auf die Reihe zu kriegen. Es ist in erster Linie bei mir inzwischen gar kein Zeit-, sondern mehr ein Konzentrationsproblem. Weshalb ich verschiedene andere Dinge abschließen muss, um sie geistig ad acta und den Fokus im Gehirn auf Klavier legen zu können.
 

  • #24
Bei Klavierspielen als Hobby würde ich eher Wert auf Freude an der Musik, Freude am Musizieren und beim Drumherum auf die aktive Entspannung legen.

Gruß Claus
 
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  • #25
@Claus hat es perfekt beschrieben, Freude an der Musik u. am Musizieren ist bei mir als der erwähnte Hobbymusiker oberstes Gebot.
Zum Threadtitel:
Da hat @HammondToby die Pedalanwendung sehr gut u. ausführlich beschrieben. Ist halt auch eine Sache die man üben u. sich angewöhnen muß.
Ich hatte in meiner reinen DP Phase so ab 2006 - mein erstes Digitalpiano war ein Kawai* CA7 - erstmal bestimmt über die Dauer von einem Jahr vollkommen ohne Pedaleinsatz gespielt u. mich dann ganz, ganz langsam in die Materie vorgetastet.
Allerdings hatte ich damals gelesen, Pedalwechsel nach einem geänderten Akkord!! Vllt. gibts verschiedene Vorgehensweisen, kann ich gar nicht beurteilen.
Wichtig ist: Das Pedal nicht zu lange halten, habe ich anfänglich oft verkehrt gemacht. Die Folge ein fürchterlicher Tonbrei. :cautious:
Mit der Zeit klappt es immer besser, man betätigt das Pedal dann finde ich intuitiv richtig.

In diesem Sinne, sommerliche Grüße
Keysandmore
 
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  • #26
Wenn ich das richtig verstehe, dann kann ich eigentlich die Pedal-Anwendung bei nahezu jedem meiner Stücke üben und anstatt Legato einfach das Pedal verwenden, richtig? Natürlich, je mehr Achtelnoten desto schwieriger, je mehr halbe desto leichter. Also würde ich es nur bei Stücken mit Viertelnoten aufwärts mal so probieren. Auch wenn man Pedal idR erst nach dem ersten Jahr macht. ;-)
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ja, es gibt Stücke bei mir wo steht Pedal durchgehend gedrückt halten, dem ich nichts abgewinnen konnte. Die Töne vermischen sich nur, es gibt de facto keinen Lerneffekt und ich lerne dabei auch nicht mein akkustisches Gehör zu trainieren, welcher Ton wie klingt, wenn das ein Mix aus diversen ist. @Keysandmore
 
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  • #27
Ich habe mir nun alle drei Videos grob angesehen. Das von Ashley finde ich wg. Englisch und der schnellen Redegeschwindigkeit trotz Text am mühsamsten. Ich würde Anfängern empfehlen mit dem von Franz zu beginnen (habe schon das eine oder andere Video früher von ihm gesehen), weil er wirklich sogar festhält, wie wichtig ein fester Halt des Fußes ist, sowie dass man das Pedal in keine Richtung bis zum Anschlag verwenden braucht. Danach das von Klavier frei spielen zeigt das rauf runter am besten.
Ich muss sagen, dass entgegen dem was ich in den Videos gehört habe, mir hier das Gegenteilige zu tun gar nicht schwer fällt.

Noten lesen ist für mich derzeit aber bestimmt viel wichtiger, keine Frage.

LG Martin
 
  • #28
und anstatt Legato einfach das Pedal verwenden, richtig?
Nein, das Fingerlegato ist eine ganz wichtige Technik und sollte ohne Pedal geübt werden.
Deshalb schrieb ich ja oben, dass man normalerweise wie ich es kenne erstmal mindestens zwei Jahre ohne Pedal spielt.
Zuerst die Grundlagen sicher.

Legato mit Pedal macht man vor allem da, wo es mit Fingern nicht mehr geht, zB Akkorde. Aber ich versuche immer, die Melodie Fingerlegato zu spielen und so gut wie möglich auch andere Stimmen. (sofern legato musikalisch dran ist, natürlich)

Wichtig ist: Das Pedal nicht zu lange halten, habe ich anfänglich oft verkehrt gemacht. Die Folge ein fürchterlicher Tonbrei. :cautious:
Die Gefahr hatte ich ja oben auch schon erwähnt.
Man kann einfach nicht gleichzeitig auf alles den Fokus legen, und dann kommt es bei vielen genau dazu.
Allerdings hatte ich damals gelesen, Pedalwechsel nach einem geänderten Akkord!!

Pedalwechsel sind ja eigentlich zwei Dinge - hoch und runter. Hoch geht es mit dem Anschlag, runter nach dem nächsten Ton/Akkord. Insofern nicht falsch, was Du schreibst, aber halt nur die halbe Miete ;)

Hör einfach hin - der gute Klang entscheidet. Es darf nichts "verschmieren", immer nur Töne gemeinsam ins Pedal nehmen, die auch musikalisch zusammenpassen. Das Pedal ist kein Selbstzweck, sondern für Klang und ggf. hilfsweise legato.

@mszongott Nach dem was Du schreibst, würde ich schätzen, dass es für einen Pedaleinsatz noch ein ganzes Stück zu früh ist. Klar kann man das hier und da mal machen, aber es ist eben die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit für andere Sachen fehlt.
 
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  • #29
OK danke! :biggrinB: Ich warte gerne noch andere Meinungen dazu ab. Aber sollte ich keine anderslautende Meinung dazu mehr hören, dann würde ich das Pedalspielen tatsächlich noch verschieben. Obwohl sich damit schon alles deutlich besser anhört. ;)

LG Martin
 
  • #30
Es ist ja kein Verbot 🙂
 
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  • #31
...anstatt Legato einfach das Pedal verwenden, richtig?
Es gibt auch Fingerlegato und das will auch geübt sein. Die "bequeme" Lösung, einfach auf's Pedal zu treten klingt unter Umständen "amateurhaft" statt "gut gespielt".
Für den Anfang hast Du in deiner Ausbildungsliteratur absehbar die Anweisung stehen, bei anderen Stücke sollte sich besser erst ein Lehrer zur Anwendung äußern. In der fortgeschritteneren Literatur der Spielstücke fehlt ein Hinweis auf Pedal schon häufiger, wenn es keine klavierpädagogisch editierte Ausgabe ist.

"durchgehend" Pedal bedeutet eigentlich nicht Bleifuß, die Anweisung müsste man sich im konkreten Stück anschauen.
Ich kenne es allerdings von Youtube, dass sich Einspielungen von Gillock's Fog at Sea dissonant anhören, weil das durchgehende "soft pedal" verlangt, aber das Dämpferpedal (falsch) gespielt wird.

Gruß Claus
 
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  • #32
Ich dachte Pedal wäre nicht schlecht, weil es doch spürbar besser klingt, aber eigentlich ist mir Reihenfolge wann ich was lerne nicht wichtig und ich finde es gut, sich nicht zu überfordern, und den Fokus auf ein, zwei Dinge zu legen und erst wenn man diese gut beherrscht, sich neue ein, zwei Dinge zu suchen, auf die man wieder den Fokus legen kann. Ich habe von meiner Lehrerin gehört, Pedal wäre noch nicht nötig, ihr meint auch kommt normal deutlich später, nach einem oder hier oben sogar erst nach 2 Jahren. Also dann lasse ich das momentan einfach weg. Ist kein Problem für mich.

Unter "durchgehend" Pedal verstand ich auch nicht das ständige Gedrückthalten, sondern so wie Toby schrieb bei jedem Anschlag neu hoch runter.

Aber es ist auf alle Fälle nicht verkehrt, dass ich nun weiß, WIE es richtig angewendet wird. ;-) Die Videos sind super, Links sowie eure Erklärungen schon gespeichert!

LG Martin
 
  • #33
Du kannst natürlich die Pedalanwendung üben. Aber dann konzentriere Dich dabei erstmal NUR darauf. Deshalb die Übung mit Einzeltönen.

Wenn man es gleich bei Stücken macht, reicht i.d.R. die Aufmerksamkeit nicht für alles.

Man kann sich ja nur auf ein zwei Sachen wirklich konzentrieren. Der Rest muss schon so automatisiert sein, dass er größtenteils unbewusst läuft. Deshalb passiert es ja, dass Anfänger sich auf die Fingerabfolge konzentrieren, und das Pedal bleibt dann unten und schmiert alles zu.
 
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  • #34
Praktisch bist Du im Klavierspiel noch sehr am Anfang, also überwiegend Fünftonraum, eine leichte Handspreizung zur Sexste und wenn ich es richtig erinnere ein Lagenwechsel im Bass sowie eine einsame Achtelnote in der Melodie eines der Stücke.

Also, wenn die Koordination der verschiedenen Bewegungen noch schwer fällt oder die Pedalanwendung zuviel Übungszeit kostet, dann wäre Abwarten schon eine gute Alternative. Jeder Mensch lernt anders, das können wir aus der Ferne nicht gut einschätzen.

Jedenfalls fände ich derzeit das tägliche Üben deines Stoffs für den Unterricht wichtiger als alles Andere, selbst wenn Du dafür am Anfang nur eine halbe Stunde hättest.
Die Alternative dazu, nämlich Aufschieben und am Wochenende alles Nachholen wollen, das funktioniert am Instrument von nicht so gut bis gar nicht.

Gruß Claus
 
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  • #35
Ja, ich stehe noch fast ganz am Anfang. :D Und ja, ich warte mit dem Pedal noch ab.

Danke für den Tipp! Ich werden versuchen täglich was unterzubringen.

Danke,
LG Martin
 
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