Rundbauch-Mandriola: Auskleidung der Muschel

von TheByte, 06.04.12.

  1. TheByte

    TheByte Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.12   #1
    Hi,

    ich habe hier eine alte Mandriola (für die, die es noch nicht kannten: praktisch eine Mandoline mit 3 statt 2 Saiten pro Chor) von Meinel & Herold.
    Diese hat schon seit Ewigkeiten einen Riss in der Muschel, daher habe ich mir vorgenommen, diese irgendwannmal™ zu reparieren und restaurieren.
    Auch die Tatsache, dass meine Laute von Tag zu Tag fertiger wird, ermutigt mich zu dieser Tat ;)

    Jetzt hab ich mal etwas genauer in das Instrument reingeschaut und etwas, bisher unerkanntes, gesichtet:
    die Muschel ist von innen mit einer Art Damast-Stoff ausgekleidet :gruebel:
    Bisher meinte ich, es sei etwas Marmorpapier-ähnliches, doch es scheint etwas Höherwertiges zu sein...

    Meine Frage dazu: war es damals™ üblich, die Leimfugen durch diese, doch relativ teure Art zu sichern?
    Mir ist bisher nur die Methode mit Papier bekannt gewesen:confused:

    Zur Veranschaulichung noch ein Bild:
    DSC_0758.JPG

    Zum Herstellungsdatum kann ich keine genauen Angaben machen, es wird sich allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zeitraum der 20er- oder 30er-Jahre befinden.

    Ich weiß, das ist eine ziemlich spezielle Frage, doch wie immer bedanke ich mich für weiterführende Gedankengänge :)

    mfG, TheByte
     
  2. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 06.04.12   #2
    Hi TheByte,

    ..ein Bild sagt meistens mehr, als tausend Worte von Herrn Stoiber. Manchmal halt auch nicht..

    Lautenmuscheln von innen:
    die einzelnen Späne werden in traditioneller Weise heute noch von innen mit Leinen-Streifen,
    oder Pergament (alte Bibeln o.ä.) gesichert. Normalerweise baut man eine Muschel über eine
    Form auf, die später entnommen wird. Die einzelnen Späne werden aufeinander gepaßt und
    stumpf gegeneinander geleimt. Daß das nicht sehr stabil ist, ist klar, denn so ein Span hat ne
    Stärke von ca. 2 mm - nicht viel Leimfläche. Deshalb kommt da noch was von innen über die Fuge.

    Wenn du in die Muschel rein mußt und darüber nachdenkst, die Decke abzunehmen, dann sag ich: viel Spaß.
    Ich selber würd mich an sowas nicht ranwagen, außer jemand zahlte mir nen stattlichen Berg Geld dafür. :D


    cheers, fiddle

    p.s. außer Leinen wurden auch noch andere Stoffe dafür verwendet. Es muß halt langfaserig und stabil sein.
    Denkbar wären auch Seidenstoffe. Baumwolle gab es noch nicht und das ist auch sehr kurzfaserig, von daher
    eher ungeeignet. Ich denk, da gab es viele unterschiedliche Materialien, aber hauptsächlich Pergament.
     
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  3. TheByte

    TheByte Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.12   #3
    Hi,

    Wieso? Also ich finde, man sieht ganz gut, was das Bild darstellen soll ;)
    Ok, es ist nicht das gelbe vom Ei, aber den Stoff kann man erkennen, oder? :)

    Das mit dem Leinen hab ich auch schon mitbekommen. Stabil und günstig.
    Pergament macht auch Sinn, da hat die Gutenberg-Bibel auch mal eine Verwendung gefunden, statt im Regal herumzumodern :D
    Aber für etwas, was man nicht sieht, so einen relativ hohen Kostenaufwand zu treiben (etwa 100€/m² bei Seidendamast sind mir in Erinnerung)?
    Also ist/war das eher eine Ausnahme statt die Regel...

    Danke, den werde ich haben ;)
    Die Decke muss so oder so ab, da die Beleistung auch noch ausgebessert werden muss.
    Ohne diese Maßnahme wäre das Instrument ja überhaupt nicht mehr spielbar und nur noch Deko (was es im Moment ist).
    Und das wäre wirklich schade um dieses schöne Instrument ;)

    Danke für deine Info :D

    mfG
     
  4. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 06.04.12   #4
    Das tät ich sagen. Seide war im 16. Jahrhundert auch schon schweine teuer.

    Mach dich darauf gefaßt, daß das "binding" dabei flöten geht.
    Ich bin jetzt kein Lauten-Experte, aber soweit ich weiß kommt man mit nem
    Aufmachmesser nicht ohne weiteres zwischen Decke und Muschel.


    cheers, fiddle
     
  5. TheByte

    TheByte Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.12   #5
    Ok. Dann weiß ich jetzt schonmal, wo ich mit dem Ding dranbin ;)

    (Nur zur Klarstellung: bei diesem "Probleminstrument" handelt es sich nicht um eine Laute)
    Ich habe schon vor längerer Zeit versucht, die Decke von der Muschel zu lösen,
    der Einstieg hat auch gut geklappt. Nach wenigen cm Weg ging es nur noch schwer weiter,
    da muss wohl der Endklotz sitzen. Hier muss sorgfältiger gearbeitet werden (bezüglich Leim erwärmen etc.).

    Weiterhin habe ich, wie du schon anmerktest, gesehen, wie sich das (vierlagige) Binding in seine einzelnen
    Teile zerlegt. Muss ich noch sehen, wie es dann wieder drankommt, wenn die Decke
    nach erfolgreichem (?) Ablösen des Griffbretts bearbeitet wurde.

    Ich sehe schon, dass das ein Haufen Arbeit sein wird (wenigstens muss ich aber die Muschel nicht neu machen,
    davon hab ich bei meiner Laute schon genug (biegen, wässern, etc.:igitt:)), aber man kann's ja mal probieren :)

    mfG, TheByte
     
  6. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 07.04.12   #6
    Mach doch mal Bilder vom gesamten Instrument. Hier im board gibts n paar Experten,
    die dir bei sowas schwierigem besser helfen können, als ich.


    cheers, fiddle
     
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