Saitenerdung

von Ray, 12.02.04.

  1. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 12.02.04   #1
    Moin,

    mal ne blöde Frage an die Elektronikfreaks:

    Hab meine alte Semi-Acoustic aufgemacht, weil mir das Brummen doch zu sehr auf den Senkel ging. Klarer Fall, Saitenerdungskabel war abgegangen. Wohl schon bevor ich sie bekommen habe :-)

    Habs also drangelötet.......und jetzt brummt gar nix mehr. Aber auch ohne, dass man die Hand auf die Saiten legt. Null, Totenstille. Nicht dass ich mich ärgern würde, ist ja perfekt.

    Versteh ich jetzt aber halt irgendwie net. Es müsste doch brummen und erst durch die Erdung durch den Körper weniger werden.

    Wie zum Henker häng die Eliminierung von Störgeräuschen mit einer Verbindung von Potigehäuse zum Steg zusammen, wenn ich den Steg gar nicht anfasse und auch anderweitig keine Verbindung zum Körper herstelle?
     
  2. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 12.02.04   #2
    Störgeräusche können auf elektrostatischem oder eletrodynamischem (magnetischem) Weg in eine Gitarre gelangen. Wie viel das im Einzelfall ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab und lässt sich nicht so allgemein klarstellen.

    Generell ist es schon so, dass die (geerdeten!) Saiten nach vorne einen gewissen Schirm gegen elektrostatische Einstreuungen bilden. Der über die Hand am Steg geerdete Gitarrist schirmt die Einstreuungen nach hinten ab, weswegen idR das Brummen leiser wird, wenn man die (mit Erde verbundenen) Saiten oder den Steg anfasst.

    Lässt man Saiten und Steg völlig los (was ein E-Gitarrist fast nie tut), dann fängt der Körper zusätzliche elektrostatische Wellen ein, die das Brummen erhöhen können - aber nicht unbedingt müssen. Da spielen sogar merkwürdige Faktoren wie Luftfeuchtigkeit oder Schuhe eine gewisse Rolle.

    Gegen elektromagnetische Einstreuungen hilft das alles recht wenig. Die bekämpft man eher durch Humbucker oder suchen eines besser geeigneten Standortes.
     
  3. Ray

    Ray Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 12.02.04   #3
    Ja, eben.

    Deswegen wunderts mich ja. Hab die Gitarre (mit Saitenerdung) aufs Bett gelegt, drei Schritte weg, Dimmer der Zimmerlampe voll aufgedreht, aber es brummt nichts.

    Wenn ich die Saitenerdung abmache, brummt es nicht nur, sondern ich höre das komplette Dimmer-Gesummse in voller Lautstärke. Und zwar richtig brutal, 3 mal schlimmer als in ner Strat...

    Die Gitarre hat zwei Humbucker, die auch richtig angeschlossen sind, aber eine völlig unabgeschirmte Elektronik. Insfoern ist das Brummen nicht ungewöhnlich, immerhin schnappen die Kabel etc. auch ne Menge auf.

    Folglich hab ich schon erwartet, dass durch die Saitenerdung das Brummen reduziert würde, aber eben NUR, wenn auch in irgendeiner Form eine Verbindung zu meinem Körper besteht.

    Die Saitenerdung hat aber das Brummen halt auch ganz ohne mich eliminiert, selbt wenn ich meterweit weg bin.

    Vielleicht leiten die Saiten oder der Steg die Störungen ja an die Luft ab, who knows.. :-), aber komisch ist das schon.
     
  4. eep

    eep Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.02.04   #4
    Hi
    eindeutig: noisegate im steg!
    ;)

    klingt irgendwie komisch, und hab ich noch nie miterlebt. du hast vielleicht den grünen daumen? (oder wie man das beim brummen nennt)

    kanns nicht sein, dass die ausgangsbüchse noch irgendwo sonst geerdet ist? ist nicht sonst noch irgendwo ein kabelchen, was normalerweise nicht vorhanden ist?
    vielleicht andere erdung vorgesehen, und du hast nun eine 2. angelötet? aber das dürfte ja nix ausmachen eigentlich.
    bin auch kein fachmann, aber wenn du die ursache gefunden hast, sag bescheid, denn eine ruhie gitarre kann man immer gebrauchen!

    gruss
    eep

    PS: ansonsten klingt gitarre aber genau gleich? also gleicher output, gleiches soundspektrum, nur ohne brummen? strange...
     
  5. Ray

    Ray Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 13.02.04   #5
    ja. Habs ja mehrfach hin und her geschaltet. Es ist nichts anderes als ein kleines Kabelchen vom Vol-Poti zum Steg. Von unten an die Schraube. Ist ne Semi-Acoustic mit getrenntem Saitenhalter, das einzige, was durch die Decke kommt, sind die Schrauben vom Vibrato. Und da hängts halt dran.

    Nehm ich das Kabel wieder ab, hab ich einen Lärm, der mit nix zu vergleichen ist. Deswgen dachte ich ja schon mal, dass die Hums falsch geschaltet sind oder so. Denn nur von den paar Kabeln können da doch nicht so irre Störungen eingefangen werden.

    Ist aber alles nicht der Fall. Die Hums sind korrekt, haben genau den Sound, den sie haben sollen, sind definitiv nicht im SC-Betrieb und auch nicht out of phase, und bringen mehr Output als mein Paf Pro auf der anderen Klampfe. Obwohls nur ein alter Charvel und ein alter Ibanez ist. :-).

    Ausserdem würde sich dann trotzdem nichts durch ne Verbindung Poti-Steg verändern. Das hat ja mit den Spulen nix zu tun.

    Seltsam, das.
     
  6. eep

    eep Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.02.04   #6
    hi
    wirklich sehr seltsam!
    hab keinen schimmer! könntest höchstens noch einen Gitarrenbauer fragen...oder dich einfach damit abfinden, dass du eine brummfreie smi hast!
    :D

    gruss
    eep
     
  7. Killigrew

    Killigrew Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.02.04   #7
    Ich versteh euer Problem ihrgendwie nicht?? die Saiten sind über den Steg->Poti->Erde vom Git KAbel->Erde vom AMP->Erde im Haus usw. Geerdet, da ist es egal ob du jetzt die Saiten anfast oder nicht :)
     
  8. Ray

    Ray Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 15.02.04   #8
    Wenn das so wäre, bräuchte man keine Saitenerdung :-)

    Das Problem sind aber die Einstreuungen, die das Brummen verursachen. Also das zeug, das durch den heissen Leiter geht......und das man eben vorher gerne gleich auf Masse abfliessen lassen würde. da nützt dir deine Erdung via Gitarrenkabel nix.

    ----schnipp-------

    Masse und Abschirmung

    Der elektrische Strom hat eine interessante Eigenart: er ist um einen sofortigen Spannungsausgleich zwischen beiden Polen bemüht, dh., sobald er irgendwo herausquillt, hat er quasi das Bestreben sich auf kürzestem Weg wieder in eine Art Ruhezustand zu begeben (geradezu menschlich, unser Strom). Und da die Masse diesen ruhenden Pol darstellt, kann man sie prima für das benutzen, was man gemeinhin als Abschirmung bezeichnet. Schließlich schwirren in der Luft diverse, durch Transformatoren oder Lichtquellen ausgesandte, „elektrische" Verschmutzungen herum, die liebend gern unsere „heißen" Leiter befallen, sich mit dem Tonsignal vermengen und dann als störendes Brummen oder Sirren aus dem Lautsprecher ertönen. Es gilt also möglichst alle „heißen" Leitungen mit einem elektrisch leitfähigen Schutzmantel zu umgeben, der dann an Masse gelegt wird, damit die unerwünschten Signale sofort „auf Masse abfließen", also wieder ihre Ruheposition einnehmen bevor sie irgendwelches Unheil anrichten können.

    Für die Verdrahtung einer elektrischen Gitarre hat das zur Folge, daß man am besten alles, was sich irgendwie zur Abschirmung eignet, mit Masse verbindet. Ein gutes Beispiel dafür sind die Metallgehäuse der Potentiometer, die, auf Masse gelegt, das Poti-Innenleben gegen unerwünschte Einstreuungen abschirmen. Am einfachsten ist es hier, einen blanken Draht von Potigehäuse zu Potigehäuse zu löten. Wem ein blanker Draht wegen der Kurzschlußgefahr zu heikel ist, der nimmt einen Isolierten (ist immer besser). Gut eignet sich einadrige Litze, also eine Leitung, die aus vielen kleinen miteinander verdrillten Drähten besteht. Die ist flexibel und läßt sich hervorragend verarbeiten.


    Eine andere Methode ist die Verwendung einer Metallplatte (z.B. Controlplate einer Tele oder „Potiplatte" im E-Fach einer Paula) oder einer unter das Pickguard geklebten Alu- bzw. Kupferfolie. Durch die Verschraubung der Potis mit der Masseplatte bzw. mit dem Pickguard werden dann alle Potigehäuse untereinander verbunden. Auch die Masseverbindung zur Ausgangsbuchse kann natürlich auf diese Weise erfolgen, ich rate jedoch dringend zur „Drahtmethode". Sollte sich nämlich aus irgendwelchen Gründen die Verschraubung der Ausgangsbuchse lösen, hat man unter Umständen nur eine schlechte oder womöglich gar keine Masseverbindung mehr. Krachen, Brummen oder absolute Stille sind die böse Folge.

    Bei einer elektrischen Gitarre ist eine dauerhafte und stabile Innenverdrahtung Grundvoraussetzung für ungetrübten Hörgenuß. Und die beste Verbindung ist immer noch der gelötete Draht. Ganz davon abgesehen ist es einfach eine Erfüllung, wenn sich sauber verlötete Leitungen im Elektrofach umherschlängeln.


    Es gibt noch eine weitere wichtige Masseverbindung, nämlich die Saitenerdung. Da wir beim Spielen ganz zwangsläufig in Kontakt mit den Saiten kommen, wirkt unser Körper (der ja sozusagen als riesiger Wasserhaushalt auch äußerst leitfähig ist) so ganz nebenbei als zusätzliche Abschirmung. Jeder hat das sicherlich schon selbst erlebt: man nimmt die Hände von den Saiten und es brummt ganz fürchterlich, kaum berührt man die Saiten wird´s ruhig. Die Saitenerdung ist gerade bei passiven (also hochohmigen) Pickups unerläßlich, bei aktiven, niederohmigen Pickups dagegen kann man sie weglassen, doch dazu später mehr.

    Die Saitenerdung besteht meist aus einem Draht, der von einem auf Masse gelegten Potigehäuse unter den Steg geführt wird. Eine Verbindung entsteht dann dadurch, daß der Steg auf diesen Draht gepresst wird (dazu muß der Draht an dieser Stelle natürlich blank sein). Man kann ihn aber auch, wie z.B. bei einer Strat, durch einen Kanal in die Tremolofeder-Fräsung legen und dort ans Federblech löten. Bei Gitarren mit Steg/Saitenhalter Kombination (z.B. Paula), wird der Massedraht durch einen Kanal unter die Einschlaghülsen des Tailpieces gelegt und gerät dann natürlich beim Einpressen derselben auch mit ihnen in Kontakt.
     
  9. Killigrew

    Killigrew Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.02.04   #9
    Toll, dass kapier ich aber immer noch nicht, wo ist denn der Unterschied ob ich die Saiten via Anfassen erde oder über das Masse des Git Kabels :rolleyes:
     
  10. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 16.02.04   #10
    Du erdest durch das Anfassen nicht die Saiten, sondern DU wirst über die Saiten geerdet. Dein Körper bildet dann einen Schutzschirm, der die Gitarre von hinten recht effektiv abschirmt.
     
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