Selbst kreativ schreiben - Mein eigener Roman

von reservoir dog, 20.03.08.

  1. reservoir dog

    reservoir dog Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.03.08   #1
    Musiker schreiben ja etliche Liedtexte. Da brach in mir das Interesse auf mal den versuch zu starten selber Kreativ zu schreiben. Liedtexte schreib ich ja schon länger selbst. Ich hätte aber mal Lust neben dem Musizieren mit meiner Band, Kurzgeschichten und später evtl einen Roman zu schreieben. Habe mir hirzu das Buch von James N. Frey "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" gekauft.
    Aber das alleine reicht ja net.

    Jetzt meine Fragen:

    Wer hat von euch schonmal was selbst geschrieben (Literatur, net nur Liedtexte)?

    Wie kommt man an Themen und Ideen für z.B. einen Roman?

    Wie fängt man so was an,Tipps?

    Und wenn ich wirklich etwas zu stande gebracht habe, was soll ich mit meinem Text(en)machen, also weiterverfahren?

    Was bringen Wettbewerbe?

    Schreibt mal eure Erfahrungen und Tipps zu diesem Thema.

    Mfg
     
  2. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 20.03.08   #2
    Mal eher so generell meine Einschätzung: Wenn es Dich nicht drängt, was zu schreiben, dann lass es einfach.

    Wenn Du Dich schon fragen musst, welches Thema es denn sein soll, dann stimmt schon was nicht, imho.

    Wenn Du es denn doch überhaupt nicht lassen kannst und Zeit und Energie über hast (sowas kann gut und gerne ein bis zwei Jahre Deiner Freizeit in Anspruch nehmen), dann überleg Dir vorher, was Du willst. Wenn Du erst nachher überlegst, wer denn an sowas Interesse hätte, hast Du schon verloren. Weißt Du wieviel unverlangt eingesandte Manuskripte sich bei Verlagen stapeln?
    Die liest keiner.

    Aber wie gesagt: Wenn Du es nun gar nicht lassen kannst: Such Dir ein Genre aus, wo sowas geht wie Krimi oder Fantasy und versuch halt ein aktuelles Thema aufzugreifen, packende Personen in einen zugkräftigen Plot zu verwickeln, schaff Dir ne saubere Schreibe an - und ich schätze mal, beim achten oder neunten Erzeugnis hast Du Chancen, ausser natürlich Du bist eine der hunderttausend Ausnahmeerscheinungen, die genau so rangehen wie Du.

    Nix für Ungut.

    x-Riff
     
  3. C. Nomicon

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    Erstellt: 29.03.08   #3
    Tag. :)
    Ich schreibe Romane. (Bin auf dieses Forum bei der Recherche für mein aktuelles Buch gestoßen.)



    Da würde ich meinem Vorschreiber zustimmen: Wenn du so fragen musst, lass es sein, das wird nichts. Man schreibt, weil man diese ganzen Geschichten in sich hat, die raus wollen. Ob das jetzt einer lesen will oder nicht.

    Egal, wo man geht und steht, ob man mit dem Bus fährt, an der Käsetheke beim Edeka wartet oder einfach Musik hört: Überall findet man Geschichten. Das ganze Leben besteht nur aus Geschichten. Alle Menschen, die man trifft, alle möglichen Situationen, in die man gerät, sind potentielle Geschichten. Man muss nur hinschauen.

    Die Frau, die da im Bus sitzt und so traurig aus dem Fenster schaut? Hat sie Krach mit ihrem Freund? Ärger im Büro? Wird sie von den Kollegen gemobbt? Hat sie belauscht, wie die anderen über sie geklatscht haben? Wird es immer still, wenn sie einen Raum betritt? Träumt sie von einem ganz anderen Leben? Stellt sie sich vor, wie sie mit einer Pumpgun ins Büro geht und alles platt macht, was nicht bei drei unterm Schreibtisch hockt?
    Oder träumt sie von einem Kollegen und schickt ihm anonym scharfe E-Mails? Blöderweise denkt der Depp, dass die Blonde aus der Buchhaltung hinter den Mails steckt und baggert die jetzt an.

    Nur so als Beispiel. Man phantasiert so ein bisschen vor sich hin und irgendwann ist man mitten in einer Geschichte, die einen interessiert. Man will wissen, wie es weiter geht. Tja, und weil es diese Geschichte ja noch nicht gibt, muss man sie eben selbst schreiben.

    Das Buch, das ich gerade schreibe, ist aus der Textzeile eines Liedes entstanden. Ich hab das Lied gehört und Figuren sind entstanden.

    Ein bisschen anders ist es bei der Brotschreiberei. Also der Schreibe, von der man leben will. Da liest man am besten erst mal tonnenweise Bücher des Genres, in dem man schreiben will. Topseller natürlich. Man schaut sich genau an, wie die gestrickt sind und schreibt dann eben auch so was.

    Da muss man auch nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Man muss sich nicht die originellsten Ideen aus den Fingern saugen. Im Gegenteil: Man muss sich schön in den Grenzen des Genres bewegen und die jeweiligen Zutaten verbraten. Kein Liebesroman ohne wirklich scharfe Männer, kein Krimi ohne Leiche, etc. Und kein Liebesroman mit plötzlich auftauchenden Außerirdischen, die die ganze Menschheit ausrotten wollen!

    Wichtig ist beim Brotschreiben einfach, dass man die alten Zutaten in gute Schreibe packen kann. Das ist eigentlich schon alles.




    Am besten fängt man mit Schreiben an, indem man schreibt. Einfach drauf los. Ohne inneren Zensor, ohne Lektor im Kopf. (Nicht überlegen, ob man damit vielleicht der neue Stephen King werden könnte!)
    Und dann schaut man, was passiert. Passiert nichts: Neues Hobby suchen.

    Verselbständigt sich das Ganze und man kommt nicht mehr vom PC weg, will nur noch schreiben, schreiben, schreiben, denkt morgens beim Aufwachen und abends beim Einschlafen an seine Figuren: Alles klar, Berufung gefunden.

    Jetzt hat man ein echtes Problem: Man hat keine Zeit mehr für Job, Freunde, Familie, andere Interessen. Man schreibt.
    Man schaut abends gemütlich zusammen fern und denkt dabei an seine Leute. Man fragt sich, was würde XY (der Held des derzeitigen Buches) dazu sagen? Man fängt sogar an, von diesen Leuten zu reden, als gäbe es sie wirklich. (XY ist so ein Arsch! Jetzt hat er doch tatsächlich...)




    Leute suchen, die das lesen wollen, möglichst kritisch. Bitte sie, es zu zerfetzen. Ohne Gnade! Eventuell auch Leute aus einer Schreibgruppe. (Keine Kuschelgruppe, Kritik muss gnadenlos sein, sonst bringt sie nichts.)
    Liegen lassen, überarbeiten.
    Leseprobe an diverse Agenten schicken. Warten.

    Eine sehr gute Seite, auf der alle möglichen Fragen zum Prozedere (Manuskriptform, Exposee, Agenten, Verlage etc.) beantwortet werden, ist diese hier:

    http://www.andreaseschbach.de/schreiben/page23/page23.html

    Leider wird sie gerade überholt, unbedingt in ein paar Tagen reinschauen.

    K.A.
     
  4. C. Nomicon

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    Erstellt: 29.03.08   #4
    Jep! :)


    Kann, muss aber nicht. Ich brauche durchschnittlich drei Monate für einen Roman von 350 Seiten. Inklusive Überarbeitung.

    Kommt aber natürlich immer darauf an, wieviel Zeit man erübrigen kann, klar.


    Kommt wieder drauf an. Wenn es um Brotschreiberei geht, stimmt das natürlich absolut.
    Wenn es aber nur um Schreibleidenschaft geht, würde ich das nicht so sehen. Da muss einem ganz egal sein, ob das später mal jemand lesen will. Man schreibt für sich, erfindet seine eigene Welt, bevölkert sie mit den Personen, die eben nun mal in einem stecken.

    Ich schreibe z.B. immer abwechselnd ein Buch fürs Brot, eins für die Seele. Oder so. ;)


    Drum würde ich grundsätzlich empfehlen, sich erst einen Agenten zu suchen. Bücher, die von Agenten kommen, haben größere Chancen, gelesen zu werden.
    (Aber dazu muss man natürlich erst mal einen Agenten finden. Und die bekommen auch das ein oder andere Buch im Monat. Schon klar. ;) )


    Fantasy ist nicht mein Metier, aber ich meine, dass das Genre ziemlich dicht ist.
    Einem Mann würde ich Thriller empfehlen.

    Einer Frau Thriller, Liebesroman, Frauenroman oder historischer Roman. (Klar, Männer können sich daran auch versuchen. Kenn aber keinen, der das möchte. :D )

    :great:

    Bist du auch aus der Branche? Schreibst du auch? :)
     
  5. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 30.03.08   #5
    Ich schreibe songtexte, meine schwester und mein bruder und einige meiner freunde schreiben literatur.
     
  6. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.08   #6
    also, ich bin ja eigentlich gelernter Autor und übers Texten auf Musikmachen gekommen. Wie jemand auf seine Ideen kommt da gibt es keine Standartlösung. Mir geht es meist so das ich morgens im Bett lieg und eine kleine Idee habe, irgendeine Person, Situation oder ähnliches. Diese kleine Idee schreibe ich mir dann sofort auf und fange an weiterzuspinnen zuerst zu einem Exposee, das ist sagen wir die chronologische Kurzform der Geschichte. Daran entlang geht es dann weiter. So wächst dann die Geschichte, Charaktere entwickeln sich und die Geschichte nimmt manchmal Entwicklungen die ich mir so nie vorgestellt habe, aber für die Zeit in der ich schreibe versuche ich halt in der Geschichte zu leben. Ideen die ich zwischendurch habe werden notiert, dann entweder irgendwie eingebunden oder verworfen. Das ganze ist auch für mich spannend.

    Irgendwann ist alles fertig, anbieten muss man zu allererst das Exposee, denn die Redaktionen lesen niemals ein ganzes Drehbuch oder einen fertigen Roman. Deswegen sollte es interessant geschrieben sein und vor allem logisch.

    Wenn alles angeboten ist heißt es warten und hoffen.
     
  7. reservoir dog

    reservoir dog Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.08   #7
    ok danke für die Antworten es ging mir eigentlich vor allem darum wie ich sowas anfange. Ist es ratsam zum Einstieg erstmal mit Kurzgeschichten zu versuchen? Machen ja viele Autoren. das man Themen überall findet ist mir bewusst. Hab da wohl schlecht gefragt, Sry. Meinte eigentlich eher ob es zu einer besseren Geschichte kommt wenn man über etwas schreibt worüber man sowiso schon Ahnung hat (Berufsfeld, langjähriges Hobbie) oder ob es egal ist sofern man sich richtig über das Thema informiert hat.

    Und nochamal meine Frage. Was bringen Wettbewerbe? Hat damit jemand erfahrung?
     
  8. C. Nomicon

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    Erstellt: 14.04.08   #8
    Fang einfach erst mal damit an, massenhaft zu schreiben. Egal was.

    Das ist jetzt wirklich nicht bös gemeint, aber man merkt deinen Beiträgen hier an, dass du keine besonders große Schreiberfahrung hast.
    Stil, Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung...
    Das muss zwar auch bei einem Schriftsteller nicht perfekt sein, jeder macht mal Fehler, jeder hat da so seine persönlichen Schwachstellen, aber so gewisse Basics sollten schon vorhanden sein.
    Zumindest dann, wenn man hofft, tatsächlich mal was veröffentlichen zu können.


    Beides hat so seine Tücken.

    Wenn man über etwas schreibt, das man selbst erlebt hat, fehlt einem oft der Abstand. Ähnlich ist es, wenn man über seine Spezialgebiete schreibt. Das kann dazu führen, dass man aus den Augen verliert, ob etwas für die Geschichte auch spannend oder unterhaltsam ist.
    Man neigt außerdem leicht dazu, die Geschichte mit unwichtigen Details, langweiligem Fachchinesisch oder mit biografischer Genauigkeit zu überfrachten. Das interessiert aber kein Schwein.

    Auf der anderen Seite kann einem aber auch gerade durch intensive Recherche die Distanz flöten gehen. Wenn man z.B. mühsam ganz viel gelesen und gelernt hat, um in der Materie fit zu werden, dann neigt man dazu, den ganzen Schmodder jetzt auch unterbringen zu wollen. Das Lernen muss sich ja schließlich gelohnt haben! Ganz böse Falle! :D

    Außerdem kann es einen ganz schön ausbremsen, wenn man andauernd recherchieren muss, weil man gar keinen Plan von der Materie hat. Wenn man bei jedem dritten Absatz irgendwas nachschauen muss, kommt man einfach nicht so richtig in Schwung und die Geschichte kann versanden.
    Von der Gefahr, sich mit einer unbekannten Materie furchtbar zu blamieren, mal ganz abgesehen. (Ist mir mal passiert. Ich will nie, nie wieder solche Fluten von Leserbriefen bekommen! Nie mehr! :D )

    Wenn man sich so eine gewisse, professionelle Distanz antrainiert hat, ist es deshalb wohl schon einfacher, über bekannte Dinge zu schreiben. Diese Distanz ist aber absolut wichtig. Sonst wird's nur Schrott.

    Ich persönlich finde es allerdings einfach auch immer wieder spannend, durch das Schreiben ganz neue Welten kennen zu lernen und mich ständig mit neuen Dingen zu beschäftigen. So wie jetzt gerade zum Beispiel mit Musikern. :D

    Fazit: Beides hat Vor- und Nachteile. Probier einfach aus, was dir besser liegt.
     
  9. x-Riff

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    Erstellt: 14.04.08   #9
    Mal ein anderer Aspekt:
    Recherche erfordert auch Zeit. Für einen Roman kann das mal von ein paar Monaten bis zu ein paar Jahren gehen.

    Also unter zeitökonomischen Gesichtspunkten kann es schon sinnvoll sein, sich ein Thema vorzunehmen, wo man nicht erst mal sechs Monate recherchieren muss, um dann zu wissen worüber man nun denn eigentlich schreibt.

    Noch mal anders rum: Sieh das Thema und das Gebiet eines Romans oder einer Kurzgeschichte oder was auch immer mal als Hintergrundfolie bzw. Kulisse. Davor spielt sich Leidenschaft, Emotionen, Handlung, Liebe, Drama, Tod, Beziehungen, Zerwürfnisse, Erkenntnisse, Handlungen, Enttäuschungen etc. ab.

    Beides ist gleichermaßen wichtig: Emotionen ohne Personen, Zeit und Raum bleiben luftleer - Zeit, Raum und Personen ohne Beziehungen, Emotionen´, Handlungen und Erfahrungen bleiben leblos.

    Drama und Beziehungen etc. kannst Du aber schon in den "kleinen" Formen wie Kurzgeschichten, Gedichte, songtexte lernen. Im Grunde ist dort die Herausforderung größer, weil Du sie verdichten musst ohne dass sie zu Lehrsätzen verkommen.

    Ich habe aber weiter das Gefühl, eigentlich brennt Dir weder auf der einen noch auf der anderen Ebene irgendwas auf den Nägeln und will raus. Na ja - wirst du schon noch merken, falls es so ist.

    Ach so - Wettbewerbe sind eine mögliche Form unter vielen, überhaupt irgendwo reinzukommen. Was bestimmt nicht schlecht ist: schau mal bei Dir in der Gegend, ob es Literaturinitiativen, Lese- oder Schreibwerkstätten oder so was gibt. Habe ich in Berlin mal eine Zeit lang gemacht und war eine wichtige Erfahrung - gerade für den Einstieg.