[Sonstiges] Boogie's kleiner Leitfaden zum Gitarrenkauf für Anfänger

von Fingers Freddy, 21.12.05.

  1. Fingers Freddy

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    Erstellt: 21.12.05   #1
    Wie jedes Jahr nach Weihnachten werden sich wieder tausende von Pubertierenden den Flausen in den Kopf setzen, von ihrem Weihnachtsgeld den Grundstock zu einer Rockstar-Karriere zu legen - natürlich in Form einer E-Gitarre.

    Aber Vorsicht! So ein Gitarrenkauf ist gar nicht so einfach, der Markt ist riesig groß und wenn man sich nicht halbwegs auskennt, ist man schnell verloren. Grund genug für einen alten Hasen wie mich (naja :D ) mal wieder einen kleinen Workshop zu schreiben:

    Boogie Mans kleiner Leitfaden zum Gitarrenkauf

    Tja, Weihnachten ist vorbei, die Plätzchen sind gegessen und der Plastikbaum lagert schon für nächstes Jahr auf dem Speicher. Und glücklicherweise haben sich Opa und Oma als Entschuldigung für ihre alljährliche Einfallslosigkeit spendabel gezeigt - der E-Gitarre steht also nichts mehr im Wege! Am liebsten wäre es euch natürlich, gleich in den Laden zu stürmen und mit der erstbesten Fidel, die euch in die Finger kommt, wieder abzuhauen.

    Aber so einfach ist es natürlich nicht. Wie immer gilt: in der Ruhe liegt die Kraft. Denn der Gitarrenkauf fängt schon zuhause an!

    Die Vorbereitung

    Vor dem Kauf ist es ratsam, sich schon einmal mit der Materie zu beschäftigen. Ihr solltet wissen, wie so eine E-Gitarre aufgebaut ist, für was die ganzen lustigen Knöpfe und Schieber gut sind und euch schon mal eine kleine Übersicht über das derzeitige Angebot in eurer Preisklasse schaffen. Eine gute Informationsseite über Gitarrenmodelle und ihre Technik ist zum Beispiel www.griffbrett.de . Und um euch eure Traumklampfe herauszusuchen, schaut ihr am besten mal hier. Natürlich gilt das auch für das restliche Equipment, denn mit der Gitarre allein ist es ja nicht getan. Drei Dinge braucht der angehende Gitarrist nämlich: eine Gitarre, einen Verstärker (Amp) und das unverzichtbare Zubehör (Kabel, Plektren, Stimmgerät usw.). Das alles gibt es auch in verschiedenen Gitarren-Komplett-Sets (siehe weiter unten).

    Nachdem ihr also nun eine Fender Stratocaster halbwegs von einer Tuba unterscheiden könnt, und von dem Gedanken abgekommen seit, ihr könnt auch über Papas Stereoanlage spielen, könnt ihr nun den Ladenbesuch ins Auge fassen. Am besten bringt ihr außer Geld noch zwei Dinge mit: vieeeel Zeit und einen Kumpel/Bekannten, der was vom Gitarrespielen versteht und euch beim Kauf beraten kann. Schaut unbedingt, dass er wirklich kompetent ist und niemand, der sich bloß wichtig machen will. Also, auf ins Getümmel!

    Juhu, eine Gitarre! Aber welche?

    So, ihr seit im Laden und natürlich erstmal überwältigt von der Pracht, die euch da ins Auge springt. Gibson da, Fender hier, ESP da hinten…. nur die Preise stören die Idylle. So eine Gibson Premium Custom Shop Les Paul würd euch schon ziemlich gut gefallen, aber so spendabel war der Opa dann doch nicht.

    Doch auch in niedrigen Preissektionen ist die Auswahl groß. Das einfachste ist natürlich, sich ein Komplett-Einsteiger-Set zu kaufen. Meist ist neben der Gitarre auch noch ein 10-15 Watt-Verstärker, ein Kabel, ein Stimmgerät und ein Lehrbuch enthalten. Einige dieser Sets:


    Marshall


    Das ist sicherlich das Set mit dem besten Amp, ein Marshall MG15, der eine wirklich gute Soundqualität und sogar ein paar Effekte zu bieten hat. Und obwohl die Gitarre eine No-Name-Strat-Kopie ist, hat sie erstaunlich gute Soundqualitäten zu bieten und auch an der Verarbeitung lässt sich nichts aussetzen. Preis: ca. 280 Euro.

    *klick*

    Squier

    Squier ist die Tochterfirma von Fender, dementsprechend ist hier auch eine lizensierte Stratocaster enthalten. Außerdem dabei: ein Fender 10-Watt-Amp, allerdings ohne große Einstellmöglichkeiten, und ziemlich viel Zubehör. Preis: ca. 200 Euro.

    *klick*

    B.C. Rich


    Ein Set für die bösen Buben unter euch. Richtig Dampf, vor allem auch im optischen Bereich, macht hier eine günstige Variante der B.C. Rich Warlock im coolen Tribal-Look. Sonst ist das Zubehör jedoch etwas mager, aber für die Metal-Fans unter euch ist das wohl das richtige. Metal up your ass! Preis: ca. 300 Euro.

    *klick*

    Neben den genannten gibt es noch Sets von Epiphone (mit echter Les Paul oder auch SG) Aria, Behringer oder Ibanez (auch SEHR zu empfehlen!). Manchmal gibt es auch die Möglichkeit, sich ein solches Set zu leihen/mieten, um herauszufinden, ob euch Gitarre überhaupt Spaß macht.

    Aber zurück in den Laden. Alle Einsteigersets passen euch natürlich nicht, und
    weil ihr gar nicht wisst, was ihr kaufen sollt, und auch der Kumpel ziemlich ratlos ist (weil er natürlich doch nur wieder ein Wichtigtuer ist) holt ihr erstmal einen Verkäufer, der euch mal ein paar Modelle zeigen soll.

    Try it 'n buy it

    Der schnappt sich erstmal eine billige No-Name-Gitarre, die aussieht, als wäre sie schon Ladeninventar seit anno dunnemal. Naja, denkt ihr euch, schauen wir mal wie sie klingt, und bittet ihn, sie euch mal vorzuführen. Der Verkäufer bekommt glänzende Augen, steckt die Gitarre in das größte Marshall-Fullstack, das er finden kann und spielt euch erstmal Eruption in doppelter Geschwindigkeit vor. "Bow!" denkt ihr, "wie krass! Die nehm ich!"

    Aber Achtung, Falle! Denkt ihr wirklich, die klingt zuhause über euren popligen 10-Watt-Amp genauso? Und noch dazu mit euren Spielkünsten? Fragt euch: bin ich eher von der Gitarre oder vom Verkäufer/dem Verstärker beeindruckt? Denn das ist ein beliebter Trick der Verkäuferszunft: einfach mal schnell den Anfänger beeindrucken, dann haben wir das Mistding los.

    Bittet ihn daher lieber, alle Effekte wegzulassen, und ein paar ganz simple Akkorde zu schrammeln, denn die geben euch einen besseren Eindruck des Instruments, besonders beim direkten Vergleich zu anderen Gitarren. Solltet ihr schon in der Lage dazu sein, solltet ihr sie auch unbedingt selbst anspielen. Und auch als (Noch-)Nicht-Gitarrist solltet ihr vor allem auf die Verarbeitung der Gitarre achten.

    Solltet ihr schon Lackplatzer oder ähnliche Mängel entdecken, stellt ihr sie lieber gleich wieder ins Regal zurück. Die Saitenlage solltet ihr ebenfalls überprüfen. Könnt ihr ein Wurstbrot zwischen Korpus und Saiten hindurchschieben, ist sie viel zu groß, schnarrt alles, ist sie zu klein. Oftmals kann man das aber im Nachhinein einstellen. Und natürlich muss euch die Gitarre auch gut in der Hand liegen, was von Mensch zu Mensch verschieden ist.

    Vor allem müsst ihr euch immer fragen: passt das Ding überhaupt zu mir? Gefällt mir die Optik? Gefällt mir der Sound? Oder lasse ich mich vom Verkäufer/Kumpel/Papa einfach zu irgendetwas überreden, was ich gar nicht will? Habt ihr diese Fragen beantwortet, steht einem Kauf nichts mehr im Weg.

    Tja, doch das wars leider noch nicht… der Amp fehlt ja noch!

    Der Amp

    Die Auswahl an geeigneten Verstärkern ist nämlich mindestens genausogroß wie die an Gitarren. Für den Anfang reicht jedoch ein transistorbetriebener Übungsamp absolut aus. Übungsamps haben normalerweise eine Leistung zwischen 5 und 15 Watt, aber täuscht euch nicht, auch die können schon ordentlich laut sein. Er sollte unbedingt einen Clean- und einen Overdrive-Kanal eingebaut haben sowie natürlich einen Equalizer. Ein guter Tipp sind hier die Marshalls aus der MG-Serie, die wirklich für (fast) alles zu haben sind. Wollt ihr hingegen einen schon bandtauglichen Amp, braucht ihr mindestens eine Leistung von 30 Watt (absolute Untergrenze).

    Ein Röhrenverstärker ist natürlich wieder eine ganz andere Liga. Zum einen ist er teurer, bringt aber auch meistens einen wärmeren Sound und ist lauter. Das Problem: bei niedriger Lautstärke klingt er oft recht besch*****, sodass manchmal ein Transistoramp die bessere Lösung ist. Außerdem gibt es auch sogenannte Hybrid-Amps, die eine Mischform aus Röhren-und Transistor-Amps sind. Einfach ausprobieren, was am besten zu euch passt!

    Auch hier gilt beim Testen: Lasst ihn spielen/Spielt ihn unbedingt zuerst in Reinform, d.h. ohne Effekte und Verzerrer, dass ihr euch ein klares Bild von seiner Soundqualität machen könnt.

    Habt ihr nun Gitarre und Amp, fehlt zum Glück nur noch eins: das Zubehör.

    Der Kleinkram

    Das unverzichtbarste Zubehör eines jeden (Anfänger-)Gitarristen ist:

    • Kabel: unbedingt ein hochwertiges nehmen, da auch ein Kabel Einfluss auf den Klang haben kann! Es sollte zwischen 3 und 5 Metern lang sein.
    • Stimmgerät: um eine Gitarre ohne Stimmgerät stimmen zu können, müsst ihr viel Erfahrung mitbringen und/oder ein absolutes Gehör haben. Darum braucht ihr unbedingt eines! Sie sind auch nicht besonders teuer, Standard-Modelle von Korg kosten nur ca. 20 Euro.
    • Plektren: das sind die kleinen Plättchen, mit denen ihr die Saiten anschlagt. Auch hier gibt es unendlich viele Formen und ihr könnt nur durch Erfahrung herausfinden, welches zu euch am besten passt. Kauft am Anfang einfach mehrere verschiedene. Da man Plektren leicht verliert, solltet ihr sie euch gleich auf Vorrat kaufen.
    • Saiten: ein Kostenfaktor, der euch durch euer gesamtes Gitarristendasein begleiten wird. Wie immer gibt es unendlich viele Stärken, Materialien usw. - einfach ausprobieren! Ihr solltet immer ein paar Ersatzsaiten parat haben, wenn euch welche reißen.
    Weitere Zubehörteile, die keinem Gitarristen fehlen dürfen: Politur, Pflegetücher, eine Saitenkurbel, Einstellwerkzeug und natürlich ein Gigbag oder, für die gut betuchten und Stilbewussten, einen Koffer oder ein Flightcase.

    Let's ROCK! :rock:

    Wenn ihr das nun alles habt, könnt ihr loslegen! Sucht euch einen Lehrer, Übungsmaterial und eine Band! Glaubt mir, wer einmal mit dem Gitarrespielen angefangen hat, kommt davon nicht mehr so schnell los. Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Workshop etwas behilflich sein und wünsche euch viel Glück bei eurer Karriere sowie viel Spaß beim Rocken!

    Euer Boogie Man
     
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