[Spieltechnik] Richtige Haltung der Hände – Teil 1: Die Greifhand

von Dizzy Reed, 28.12.04.

  1. Dizzy Reed

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    Erstellt: 28.12.04   #1
    In letzter Zeit kommt immer mal wieder die Frage auf, „Wohin mit dem Daumen meiner Greifhand?“ oder etwa „Wie halte ich das Plek?“. In den Diskussionen die dabei entstehen, wird oftmals einfach gesagt, „mach es so wie du es am besten kannst“. Dies ist nicht immer der beste Weg. Heute widmen wir uns de ersten Frage, wohin mit dem Daumen?

    Bei der Handhaltung der Greifhand gibt es praktisch zwei Möglichkeiten: Daumen hinter den Hals, oder Daumen auf den Hals. Ganz simpel gesagt: Der Weg von John Petrucci im ersten Bild ist eleganter und besser als der von Zakk Wylde im zweiten. Dass es besser ist, den Daumen dauerhaft hinter dem Hals zu lassen, dürfte eigentlich jeder Anfänger merken: man spielt locker lässig einen C-Dur mit dem Daumen auf dem Hals aufliegend und möchte nun auf einen F-Dur Barrée wechseln. Das Problem: Mann muss nun die Handhaltung komplett ändern, denn einen Barrée mit aufliegendem Daumen, das ganz wohl niemand. Dieses Umstellen der Handhaltung erfordert wiederum Zeit und lässt den Wechsel nicht flüssig erscheinen. Als zweites kommt noch hinzu, dass man bei aufliegendem Daumen einfach langsamer ist, als bei der besseren Methode. Machen wir einfach mal einen Versuch: Knicke deine Hand so nach vorne, dass sie in etwa in einem rechten Winkel (90°) zum Unterarm steht. Nun bewege deine Finger so schnell du kannst. Geht recht träge, nicht? Jetzt machst du das ganze noch einmal, aber dein Unterarm und Hand verlaufen in einer Linie, sind also praktisch im „Normalzustand“. Und, jetzt geht viel schneller und einfacher, nicht?

    Und wie setzt man das jetzt auf Gitarre um? – Ganz einfach, schnapp dir deine Klampfe und setzt alle Finger deiner Greifhand auf die dicke E-Saite. Der Daumen gehört hinter den Hals, etwa in die Mitte. Jetzt lass dein Handgelenk einfach nach unten Fallen (die Finger bleiben jedoch auf dem Griffbrett). Das ist nun der Zustand, wie deine Finger sich am schnellsten bewegen können. Wenn du jetzt aber runter zu dünnen e-Saite spielst, dann wird das alles etwas wacklig, den der Daumen bleibt ja hinter dem Griffbrett. Zugegeben, am Anfang ist dies wirklich sehr schwer, da der Daumen instinktiv wieder auf den Hals möchte. Beherrscht man diese Art jedoch sicher, dann wird man einfach schneller schneller (was ein Wortspiel ;)) und spielt auch sauberer. Zusätzlich hat mein keine „Wechselpausen“ zwischen Akkorden.

    Alles Quatsch, der Zakk und der Kirk spieln auch mit dem Daumen oben drauf! – Die können ja auch nichts (sorry das musste jetzt sein :D). Nein… mal im ernst. Ich selber kenne nur einen wirklich berühmten Gitarristen, der diese optimale Spielweise bevorzugt spielt: John Petrucci. Warum er dies so macht, liegt auch auf der Hand: 1. Er hat Gitarre studiert. Wo sonst, wenn nicht an Berklee soll man wissen, wie man am optimalsten Gitarre spielt? 2. Er hat seine Gitarre sehr hoch hängen. Slash, Zakk uns Konsorten haben zwar Eierwärmer aber spielen auch anstrengender. Wenn Zakk Wylde nach einem Griff im ersten Bund der E- (bzw. D-, C, oder B-) Saite die dickste Saite einfach leer anschlägt, wechselt er auch die komplette Handhaltung während des Leeranschlages, weil diese gezwängte Haltung auf Grund von zu tiefer Gitarre sehr anstrengend ist. Sie können zwar ihre Soli auch gut auf ihrem Schenkel hochkant spielen, aber nur weil sie es beruflich machen. Sie tun den ganzen Tag nichts anderes als Gitarre spielen. Sie haben genug Zeit alles vor Auftritten zu üben, und wer von uns hat schon zeit um am Tag 12 Stunden Gitarre zu spielen, jeden Tag? Wer weiß wie lange Zakk übt, vor seinem Solo die Gitarre im richtigen Zeitpunkt hochzuheben? Diese Zeit nutzt ein Petrucci halt um neue Licks zu erfinden. Wenn Otto Normalverbraucher ordentlich spielen will, soll er halt auch seine Gitarre hoch hängen, wer das als uncool empfindet, der soll sich halt bisschen Selbstbewusstsein anfressen. Wenn man cool spielt, dann lacht einen auch keiner aus. Und wenn einen einer auslacht auf einem Auftritt, bittet man ihn auf die Bühne uns sagt er soll es besser machen, wobei er sich sicherlich blamieren wird, denn richtige Gitarristen (bzw. Musiker) respektieren andere Musiker.
     
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