Split-Humbucker mit "gutem" Singlecoil-Anteil?

von Hans_3, 30.05.06.

  1. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 30.05.06   #1
    Ich möchte bei meiner Brian Moore den Hals-SC gegen einen splitbaren HB tauschen. Allerdings will ich zugleich nicht auf einen schlagkräftigen SC-Sound am Hals verzichten:

    REchts speicherm o,3 MB

    Problem ist nun, dass die HB-Spulen in der Regel auf HB-Wirkung optimiert sind und der Split nach meiner Erfahrung deshalb nicht mit einem guten SC mithält = dünner klingt und nie wirklich befriedigen kann.

    Wäre da ein HB mit unterschiedlich gewickelten Spulen eine Lösung, von denen eine auf Single-Coil optimiert ist und beide zusammen einen sehr guten HB ergeben?

    Kennt ihr solche Lösungen, bzw. Werks-HBs, die diese Ansprüche erfülllen? Oder soll ich lieber gleich bei H. Häussel anrufen :D
     
  2. schmoemi®

    schmoemi® Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.06   #2
    Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass es Pickups gibt, bei denen die Hersteller eben das versprechen...

    Dimarzio DP101 Dual Sound
    Seymour Duncan SH-3 Stag Mag
    Rio Grande Tallboy

    Wenn man weiter sucht, findet man vielelicht noch mehr...
     
  3. ACY

    ACY Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.06   #3
    Moin!
    Naja, das dürfte sehr schwierig bis unmöglich werden, je nach deinen Ansprüchen, und die scheinen hoch zu sein! Genau über dieses Thema habe ich mit Harry schon öfter geredet, und wenn es hier eine gute Lösung geben würde, dann wäre sie sicher schon auf dem Markt! Problem ist schon mal die unterschiedliche Konstruktion von HB und SC (Stichwort Magnete) , weswegen ein normaler HB gesplittet nie wie ein wirklicher SC klingen kann.
    Harry´s HB Hot klingt gesplittet ganz ok, aber in einer Halsvariante ist der HB ja auch schon schwächer gewickelt, sprich der SC-Betrieb ist auch wieder dünner!
    Wie gesagt, hängt alles von deinen Ansprüchen ab, ob du eine passende Lösung finden kannst!
    Nice day, Grüsse: "ACY"
     
  4. guitareddie

    guitareddie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.06   #4
    Wahrscheinlich hast Du keine Lust auf EMGs umzurüsten, aber der EMG89 bietet genau das was Du suchst. Da sind nämlich ein echter Humbucker und ein echter Single-Coil in einem Humbuckergehäuse, also 3 Spulen. Per Push/Pull-Poti oder mit Schalter läßt sich das dann auswählen. Mir persönlich gefällt der Klang sehr gut. Ich war auf der Suche nach einem wirklich brillianten Cleansound und der geht halt mit Humbucker, auch gesplittet, leider nicht richtig. Details unter www.emginc.com
     
  5. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 30.05.06   #5
    Dann solltest du dir keinen HB suchen und so lange probieren, bis du einen gefunden hast, der dir im Splitmodus gefällt, sondern umgekehrt rangehen: du setzt dir einen passenden SC hin und suchst einen zweiten SC, den du dann seriell schaltbar davor/dahinter knallst. Ein HB ist bautechnisch gesehn identisch mit zwei SCs. Nur dass bei SCs meist (nicht immer) Einzelmagnete vorkommen und bei HBs meist (nicht immer) Barren. Ansonsten sinds einfach zwei einzeln hergestellte Spulen.


    Im übrigen wird dir hier nur Try und Error helfen. Ich war bislang mit den meisten Splitmodi zufrieden, und ich wette, keiner hört das blind raus, dass da noch ne tote zweite Spule mit danebenliegt. Das schwierige ist nicht, einen autenthischen SC-Sound rauszuholen. Das schwierige ist, einen BESTIMMTEN SC-Sound aus einem HB zu holen. Da hilft nur ausprobieren. Wobei du einige schon ausschliessen kannst. Sehr höhenreiche HBs mit niedrigen Widerstandswerten klingen gesplittet fast immer drahtiger als jeder Fender-SC. Ein HB from Hell o.ä. braucht man da gar nicht zu probieren. Highgainer wiederum sind im Splitmodus immer noch ziemlich stark und somit auch nicht ganz authentisch, wenn man z.B. einen Fender-Vintage-Style-SC-Sound will.



    PS: Anstatt eine der beiden Spulen im Splitmodus kurzuschliessen (dann hat sie immer noch eine elektrische Wirkung), sollte man die beiden Enden ins Nichts führen lassen. Also die gleiche Wirkung wie wenn man sie gar nicht anschliessen würde. Frag dazu mal den Onkel, von dem stammt der Tip, und das soll etwas anders klingen als der klassische Kurzschluss Masse<->Masse oder Plus<->Plus. Nuancen nur, aber um die scheint es dir ja durchaus zu gehen.
     
  6. Atrowurst

    Atrowurst Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.06   #6
    Ich haette auch Ray's Methode vorgeschlagen.

    Andere Alternative: Der Dimarzio Multibucker. Dimarzio Cruiser + Dimarzio FastTrack in einem Bucker. Beides SC's, "leider" aber hum-canceling. Dafuer hast du gesplittet fast einen echten SC.

    Sonst koenntest du dir auch den Humbucker from Hell und den EJ custom (beide Dimarzio) ahschauen. SInd zwar beides vollwertige Humbucker, aber sollen sehr SC aehnlich klingen.
    ist zwar nicht genau das was du suchst, aber schaus dir halt einmal an. Der EJ custom neck ist sicher ein feines Teil.
     
  7. DerOnkel

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    Erstellt: 30.05.06   #7
    Der Onkel denkt und hat auch schon eine Idee...

    Ulf
     
  8. Atrowurst

    Atrowurst Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.06   #8
    Dann lass sie hoeren lieber Onkel!:great:
     
  9. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 30.05.06   #9
    Nur Geduld. In der Ruhe liegt die Kraft... ;)
     
  10. schmoemi®

    schmoemi® Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.05.06   #10
    Mann mann... der Onkel wieder... schon gackern bevor das Ei gelegt wurde... :cool:
     
  11. Hans_3

    Hans_3 Threadersteller High Competence Award HCA

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    Erstellt: 31.05.06   #11
    Danke an alle schon mal für die bisherigen Vorschläge. Ich werde mir den Thread dann erstmal kopieren und ablegen.

    Demnächst müssen die Bünde abgerichtet werden, bei dieser Gelegenheit stände dann auch die HB-Fräsung an.

    Der Vorschlag von Ray mit den beiden SCs ist einerseits reizvoll - andereseits hat die Git. kein Pickguard, so dass aus optischen Gründen auf jeden Fall ein HB-Rahmen über die Finish zerstörende Fräsung muss.
     
  12. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 31.05.06   #12
    Das ist mal wieder eine interessante Frage!

    Schauen wir uns zunächst die technischen Unterschiede eines Single-Coils und eines gesplitteten Humbuckers an:

    Humbucker vs. Single-Coil: Magnetischer Aufbau

    Der Single-Coil hat 6 einzelne Pole, die entweder als Weicheisenkern mit darunterliegendem Balkenmagnet oder als Magnetstift ausgeführt sind (siehe Guitar-Letter I, Bild 1-2 a und b).

    Das Feld der Variante b ist deutlich schwächer (ca. 50%), als das des Single-Coils mit Magnetstäben. Bezüglich der magnetischen Breite (Apertur) sind beide Baukonzepte in etwa vergleichbar.

    Ein Humbucker nach dem Konzept von Seth Lover besteht aus zwei (idealerweise) identischen Spulen, von denen eine Weicheisenkerne als Pole enthält und die andere Schrauben. Diese sitzen in einem metallischen Polschuh, der sich neben einem Balkenmagneten befindet. Die Weicheisenkerne der erste Spule sind so lang, daß sie bis an den Balkenmagneten hinunter reichen. Aus Sicht der Materialien ergibt sich also eine gewisse Unsymmetrie.

    Tatsächlich erzeugen der Single-Coil nach Fender und der Humbucker nach Lover zwei vollkommen unterschiedliche Feldverläufe:

    [​IMG]

    Die Feldlinien verlaufen beim Humbucker ganz anders, der seine Pole eher rechts und links der Spulen hat. Beim Single-Coil sind die Pole oben und unten. Man beachte, daß das Feld des Humbuckers unsymmetrisch ist, was eindeutig auf die Verwendung der Schrauben zurückzuführen ist.

    Diese Unterschiede der Feldverläufe darf man nicht vergessen, wenn man einen solchen Humbucker splittet. Man deaktiviert eben nur eine Spule. Die als Apertur bekannte magnetische Breite des Tonabnehmers verändert sich dabei jedoch nicht!

    Für die Induktion ist lediglich die Stärke des Feldes, also sein Betrag von Interesse. Dafür benötigen wir jedoch eine andere Sichtweise: Die magnetische Flußdichte B über dem Ort x.

    Im nächsten Bild ist die Flußdichte in einem Abstand von 3/8 Zoll (0,95cm) von der Oberkannte der Magneten für beide Tonabnehmervarianten dargestellt worden. Dabei bezeichnet x=0 die Position in der Mitte des Tonabnehmers.

    [​IMG]

    Man erkennt:
    1. Das Feld des Humbuckers ist über der Mitte des Tonabnehmers rund 5mT stärker, als das Feld des Single-Coil.
    2. Das Feld des Humbuckers ist insgesamt breiter.
    Klangveränderung durch Tonabnehmerbreite

    Dieser Unterschied hat natürlich Konsequenzen, denn auch die magnetische Breite eines Tonabnehmers nimmt auf die resultierende Klangumformung einen Einfluß. Ähnlich wie bei der Tonabnehmerposition ergibt sich auch hier wieder ein Kammfiltereffekt. Hier die dazu gehörende Übertragungsfunktion:

    GBP(f)=si(0,5*pi*b'*f')

    Darin ist b‘=bP/L0 die auf die Mensur L0 normierte magnetische Breite des Tonabnehmers und f‘ die auf den Grundton der Saite f0 normierte Frequenz f‘=f/f0. Der Vorteil der Verwendung dieser normierten Größen besteht darin, daß man immer eine allgemein gültige Aussage erhält.

    Die vielen sicherlich unbekannte SI-Funktion läßt sich wie folgt berechen:

    si(x)=sin(x)/x

    Die Lage der ersten Kammfrequenz läßt sich mit 1/(2*b‘) bestimmen. Entnormiert ist das dann

    fk=f0/(2*b‘)

    Man erkennt, daß der Wert der Übertragungsfunktion nicht nur von der Apertur bP sondern auch von der Mensur abhängig ist. Das bedeutet, daß der gleiche Tonabnehmer auf einer Gitarre mit anderer Mensur einen anderen Einfluß auf den Klang nimmt ohne das sich am Tonabnehmer selber irgendetwas verändert hätte! Dabei gilt:

    Je größer die Mensur, desto kleiner die normierte magnetische Breite und desto größer die erste Kammfrequenz.

    Sehen wir uns einmal an, welche normierten Werte für die beiden Tonabnehmertypen auf den gängigen Mensuren von Les Paul und Stratocaster entstehen:

    [​IMG]

    Man erkennt,
    1. daß zwischen den beiden Konstruktionen durchaus ein klangbeeinflussender Unterschied besteht.
    2. daß der Einfluß der Mensur vergleichsweise gering ist.
    3. daß der Humbucker ein Tiefpaßverhalten bis zur 20. Harmonischen hat (~50 beim SC)
    Der Humbucker dämpft durch seine Bauform die Übertragung der hohen Frequenzen mehr als der Single-Coil.

    Es stellt sich jetzt nur die Frage, ob dieser erkennbare Unterschied auch tatsächlich hörbar ist?

    Die Antwort erhält man, wenn man sich das Spektrum der Saitenschwingung einmal ansieht. Bild 1-6 in Guitar-Letter II zeigt dazu ein Beispiel.

    Tatsächlich können, neue und gute Saiten vorausgesetzt, durchaus noch Anteile bis zur 40. Harmonischen im Spektrum enthalten sein. Im Normalfall dürfte jedoch schon bei der 20. oder 30. Harmonischen Schluß sein.
    Für die tiefe E-Saite bedeutet die 40. Harmonische eine Frequenz von 3,296kHz was durchaus noch im hörbaren Bereich ist. Die hohe E-Saite würde in diesem Fall eine Frequenz von 13,2kHz abgeben. Da die meisten Tonabnehmer das Signal elektrisch spätestens bei 4kHz abschneiden (ein PAF schon bei 2kHz), kann der Einfluß hier wohl eher vernachlässigt werden.

    Die Schlußfolgerung daraus lautet:

    Der klangliche Einfluß der Tonabnehmerbreite wird in der Regel nur bei den tiefen Saiten wahrzunehmen sein. Der Effekt wird um so schwächer, je tiefer die Resonanzfrequenz des Tonabnehmers ist.

    Der gesplittete Humbucker

    Was geschieht nun aus klanglicher Sicht, wenn eine Spule eines Humbucker deaktiviert wird?
    1. Die Resonanzfrequenz des Tonabnehmers erhöht sich in etwa um den Faktor 1,4 (Wurzel aus 2). Der Klang wird etwas heller.
    2. Die Apertur verändert sich nicht! Im Vergleich zum "normalen" Single-Coil haben wir jetzt also einen "breiten" Single-Coil mit dem gleichen Kammfilterverhalten, wie beim Humbucker.
    Im Normalfall wird der Split so ausgeführt, daß eine der beiden Spulen kurzgeschlossen wird. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Spule komplett aus der Schaltung zu entfernen. Das Resultat ist tatsächlich ein klanglicher Unterschied, denn der Humbucker nach Lover koppelt beide Spulen induktiv. Im Grund genommen handelt es sich um einen Transformator. Die kurzgeschlossene Spule wirkt mit ihrem Gleichstromwiderstand als Last und dämpft die Spitze der Resonanzfrequenz um gut 3 dB, was durchaus schon als Verlust von Höhen wahrgenommen werden kann.

    Verglichen mit einem "echten" Single-Coil haben die einzelnen Spulen eines normalen Humbuckers eine höhere Resonanzfrequenz. Es klingt dann häufig etwas "dünn". Es gibt jedoch auch Humbucker, bei denen das nicht so ist. Die Protomatic-V sind im Split-Mode aus elektrischer Sicht durchaus mit dem "Fender Custom ’54 Strat for Bridge" zu vergleichen. Siehe dazu mein Beitrag hier.

    Was also tun, wenn der Humbucker-Sound in Ordnung ist, der Split jedoch zu dünn?

    Antwort: Man zückt wieder den berühmten Kondensator des Onkels aus der Tasche, denn der kann ja die Resonanzfrequenz nach unten verschieben und schaut sich die Schaltung für den sogenannten Coil-Split an. Hier eine Variante, die eine Wahl beider Spulen ermöglicht:

    [​IMG]

    Wenn eine Spule kurzgeschlossen ist, muß die aktive Spule einen parallelen Lastkondensator erhalten, der die Resonanz ein wenig nach unten verschiebt. Wenn man einen zweipoligen Schalter hat (ON-OFF-ON), dann kann man das auch für beide Spulen machen.

    [​IMG]

    Im rechten Bild ist die Nordspule kurzgeschlossen und damit inaktiv und die Südspule hat einen parallelen Kondensator CLS. In der Mittelstellung arbeitet der Tonabnehmer ganz normal als Humbucker in Reihenschaltung und was in der letzten Stellung passiert, kann sich jeder selber ausmalen.

    Die rechte Schaltung zeigte die Varianten des "Pseudo-Single-Coil", wie ich ihn schon in diesem Beitrag beschrieben habe. Hier wurden lediglich der zusätzliche Schalter und die Lastkondensatoren zugefügt.

    Wenn man mit Push-Potis arbeitet, kann man die gezeigte Schaltung leicht abstrippen, indem man je zwei korrespondierende Kondensatoren wegläßt.

    Kommen wir nun zu den notwendigen Werten für den Lastkondensator. Ich habe einmal ein paar Simulationen gemacht:

    [​IMG]

    Die blaue Kurve zeigt einen "Custom '54 Strat Pickup (Mid, Neck)" mit 250kOhm-Potis und einer typischen Last von 1MOhm und einem Kabel von 700pF (7m) als Referenz. Die Resonanz liegt bei gut 3,55kHz mit 4,5dB Ausprägung.

    Die grüne Kurve ist ein gesplitteter "Dimarzio-PAF" mit 500kOhm-Potis. Die Resonanz liegt bei 3,98kHz mit 7dB Ausprägung. Es klingt also deutlich "heller"!

    Jetzt nehmen wir einen Kondensator von 220pF und schalten ihn parallel zur aktiven Spule. Das Ergebnis ist die rote Kurve. Die Resonanz liegt nun bei 3,55kHz mit 7,5dB Ausprägung. Um die blau Kurve komplett zu erreichen, kann man jetzt noch einen Widerstand von 220kOhm parallel zum Kondensator schalten und man ist am Ziel! Das ist natürlich nicht unbedingt erforderlich, denn eine Absenkung der Resonanz ist ja auch mit dem Tone möglich.

    Für andere Humbucker muß man diese Werte natürlich etwas anpassen, aber grundsätzlich ist es immer möglich, solange die Resonanzfrequenz der Einzelspule nach unten verschoben werden soll!

    Schlußfolgerung

    Mit etwas Experimentierwut und ein paar Kondensatoren, Widerständen und Schaltern kann man im Normalfall gegebenenfalls eine Menge erreichen, auch ohne bei Harry anzurufen zu müssen! ;) Wenn das Ergebnis nicht überzeugt, kann man daß später immer noch machen. Dann sollte man jedoch über so eine Konstruktion wie bei EMG-89 nachdenken.

    Wenn man natürlich einen Tonabnehmer mit einer Resonanz im Bereich der PAFs hat (1,6kHz – 2kHz), dann wird man mit dem Split natürlich nie den Bereich der "Strat" erreichen! Da wird auch der Kondensator nicht weiterhelfen

    Humbucker mit unterschiedlichen Spulen erzeugen den gleichen Effekt, wie der Kondensator, allerdings verschlechtert sich dadurch auch immer die brummunterdrückende Wirkung.

    Eine auf Single-Coil optimierte Humbuckerspule hat natürlich immer einen Einfluß auf den Klang des Humbuckers. Im Endeffekt ergibt sich bei einer unsymmertrischen Konstruktion so etwas wie ein Burstbucker.

    Die von Ray vorgeschlagene Lösung mit zwei dedizierten Single-Coils verhindert zwar zuverlässig den von mir beschriebenen Trafoeffekt, da die Spulen nicht induktiv gekoppelt sind, ansonsten ist es das gleiche wie bei einem unsymmertrischen Humbucker.

    Die von mir vorgestellte Lösung ist meiner Meinung nach die einzige, die den Spagat zwischen Single-Coil- und Humbucker-Sound überhaupt machen kann.

    Ulf
     
  13. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 31.05.06   #13
    Cooler Beitrag! :great:

    Was lernen wir daraus? Es ist völlig egal wie, Hauptsache wir erreichen am Ende die von uns angestrebte Resonanzfrequenz. Ob durch einen SC, einen höhenlastigen HB, eine gesplittete HB-Spule, die zufällig den von uns angestrebten Wert hat, eine gesplittete HB-Spule mit Onkel-Kondensator, durch Vodoo, den heiligen Geist...was auch immer, Hauptsache, am Ende stimmts :D


    PS: das mit den Bauformen ist aber sehr vintage-mässig gedacht. HBs mit einer Pol-Seite und einer Schraubenseite sind heute kaum noch die Mehrheit, Doppelschrauber sind fast schon sowas wie Standard (ausser bei PAF-Repliken). Und bei SCs haben sich im Gegenzug ein breiter mittlerer oder zwei dünne seitliche Barrenmagnete auch schon ganz schön verbreitet. Wer weiss, was diese unterschiedlichsten Bauformen für Magnetfelder erzeugen....

    PPS: ist das eigentlich wichtig? Oder gilt eben am Ende doch nur die Resonanzfrequenz, völlig egal, mit welchem Material, mit welchem Magnetfeld, mit viel Draht, mit wenig Draht + Kondensator etc.pp. man die erreicht?

    Oder anders ausgedrückt: gilt das ganze Gesummse über Bauformen, Magnetfeldformen und Abtastbereich nicht nur dann, wenn man, abgesehn von dem zu untersuchenden Merkmal, von identischen Spulen zum Vergleichen ausgeht? Da hätte z.B. ein breites Abtastfeld natürlich andere Klänge zur Folge, wegen der o.g. Auslöschungen. Aber de facto gehts ja nie um gleiche Bauformen, sondern einfach um PU A und PU B. Und wenn beide PUs, völlig egal auf welchem Wege, die gleiche Resonanzfrequenz erreichen, kann einem das doch wurscht sein, wie.

    Oder noch mal anders ausgedrückt: auch ein PU mit breiterem Abtastfeld kann doch viel höhenlastiger sein als einer mit einem schmalen. Trotz breitem Feld ist ja z.B. eine Parallelstellung eines HBs höhenlastiger als ein Splitmodus. Die niedrige Induktivität scheint sich hier erheblich stärker auszuwirken als die durch das breite Abtastfeld bedingten Auslöschungen.

    Insofern gelten doch all diese aufgezeigten Dinge (z.B. breites Abtastfeld = weniger Höhen wegen Auslöschung) nur, wenn ansonsten alle Faktoren identisch sind. Was de facto eigentlich nie der Fall ist.

    Den Vorschlag habe ich eigentlich nur, weil es leichter ist, so seinen passenen SC-Sound zu finden.

    Wenn ich einen bestimmten SC mag, möchte aber daneben auch einen HB-Sound, dann setze ich mir einfach einen zweiten SC daneben. Anstatt mir auf gut Glück einen HB zu kaufen in der Hoffnung, dass der dann im Splitmodus meine Erwartungen zufällig trifft.

    Wenn ich einen bestimmten HB mag, möchte daneben aber auch SC-Sound, dann splitte ich den HB. Anstatt mir zwei SCs zu kaufen, die zusammen zufällig meine Erwartungen treffen.

    Je nachdem, wo die Priorität liegt.


    (Und das Spiel mit den Kondensatoren mal aussen vor ;))
     
  14. schmoemi®

    schmoemi® Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.06.06   #14
    Jungs, ihr seids mal wieder voll krass... :cool:
     
  15. Hans_3

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    Erstellt: 02.06.06   #15
    Stümmt :D Habe die Beiträge erstmal kopiert - ist ja Knowhow fürs Leben ::great:
     
  16. LoneLobo

    LoneLobo Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 02.06.06   #16

    Stimmt.
    Aber du musst dann genau den gleichen SC bekommen wie der schon verwendete, weil sonst ja der HB Effekt nicht 100% funktioniert, und außerdem muss das Ding reverse Wound/Reverse Polarity sein.
    Dat is schon wieder blöd...gibt ja nich von jedem SC beide Varianten.
     
  17. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 02.06.06   #17
    Shice drauf. Gitarre gut abgeschirmt.......und selbst SCs sind in den Griff zu kriegen. Insofern stört ein leichter Unbucking-Effekt (der ja immer noch erheblich besser ist als eine Spule alleine) nicht wirklich.

    Gibt ja auch Serien-PUs, die nicht völlig identische Spulen haben.

    Und bei all den heute üblichen Autosplit-Zwischenstellungen (sehr viele Ibanez-Klampfen und Co) trifft das ja auch nicht zu, dass der mittlere SC exakt den inneren Spulen der HBs entspricht. Trotzdem geht das Brummen massiv in den Keller. Ob nun zu 100% oder nur 90, drauf geschissen :D

    Das mit dem RW/RP ist schon eher ein Grund. Das Problem hatte ich bei Fender Standard-SCs allerdings nicht. Deshalb funzt mein Fender Standard Dual Coil bestens :D
     
  18. LoneLobo

    LoneLobo Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Freilich, das mit der gleichen Spule wollt ich halt nochma erwähnt ham :)
    Aber RW/RP is wichtig...sonst kriegste ja das doppelte Brummen. Muss ja nu echt nich sein.
     
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